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Inkommensurabilität: Nichtvergleichbarkeit. Ausdruck von Thomas Kuhn (Th. Kuhn, The structure of scientific revolutions, 1962). Kuhn vertritt die These, dass wissenschaftliche Theorien die sich im Zeitablauf ablösen, Begriffe verwenden, die in ihrer Bedeutung geändert sind und daher einen Vergleich z.B. von Messergebnissen und damit auch von Aussagen unmöglich machen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Politische Theorien über Inkommensurabilität - Lexikon der Argumente

Inkommensurabilität/Pluralismus/Politische Philosophie/D'Agostino: Der Begriff der Inkommensurabilität ist daher in der Debatte zwischen Monisten und Pluralisten von entscheidender Bedeutung (siehe insbesondere Chang, 1997(1); Raz, 1986(2): Kap. 13). Pluralisten müssen natürlich nicht auf einer pauschalen Inkommensurabilität bestehen. Wie Barry bereits 1965 mit seiner Verwendung der "Indifferenzkurven" der Ökonomen (1990(3): Kap. I, S. 2) argumentierte und wie James Griffin (1986(4): 89-90) und andere später noch einmal bekräftigt haben, ist eine einzige, eindeutige Rangfolge von Optionen auch bei mehreren zugrunde liegenden Bewertungsgrundlagen möglich, solange diese Werte gegeneinander "abgewogen werden". Tatsächlich sind Pluralismus und Inkommensurabilität logisch unabhängig voneinander; selbst ein Pluralist, der glaubt, dass Kompromisse immer möglich sind, wird dadurch nicht zum Monisten (siehe Dancy, 1993(5): 121). Sie oder er hat zum Beispiel eine Grundlage, die dem echten Monisten zu fehlen scheint, um das Bedauern zu konzeptualisieren, das wir häufig erleben, selbst wenn wir die beste Option wählen (vgl. Stocker, 1997(6): 199).
Rhetorisch ist es dennoch verständlich, dass die Pluralisten dazu tendieren, sich auf Fälle zu konzentrieren, in denen die Inkommensurabilität offensichtlich ist, weil Kompromisse unmöglich oder unangemessen erscheinen.
Denn Pluralisten sehen ihre Position zumindest teilweise im Gegensatz zum Monismus, und Inkommensurabilität ist mit einem Vollblutmonismus unvereinbar. (Dies ist die Bedeutung der Debatte über die "zwischenmenschliche Vergleichbarkeit" von Wohlfahrt für den Utilitarismus.
Vergleichbarkeit: Ohne eine solche Vergleichbarkeit wird der Utilitarismus zu einem pluralistischen Ansatz, dem der einzige übergreifende normative Standard fehlt, dessen Bedeutung Mill betonte. Siehe z.B. Elster und Roemer, 1991(7)).


1. Chang, Ruth, Hrsg. (1997) Incommensurability, Incomparability, and Practical Reason. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Raz, Joseph (1986) The Morality of Fæedom. Oxford: Clarendon.
3. Barry, Brian (1990) Political Argument: A Reissue with a New Introduction. Berkeley, CA: University of California Press.
4. Griffin, James (1986) Well-Being. Oxford: Clarendon.
5. Dancy, Jonathan (1993) Moral Reasons. Oxford: Blackwell.
6. Stocker, Michael (1997) 'Abstract and concrete value: plurality, conflict, and maximization'. In Ruth Chang, Hrsg., Incommensurability, Incomparability, and Practical Reason. Cambridge, MA: Harvard University Press.
7. Elster, Jon and John Roemer, Hrsg. (1991) Interpersonal Comparisons of Well-Being. Cambridge: Cambridge University Press.


D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Politische Theorien

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