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Politische Theorien über Privatsphäre - Lexikon der Argumente

Gaus I 279
Datenschutz/Politische Philosophie/Mottier: (...) Es besteht erhebliche Uneinigkeit darüber, wie die Grenzen des Staates genau zu konzeptualisieren sind. Wie Susan Moller Okin (1991)(1) anmerkt, neigt die Politikwissenschaft dazu, unterschiedliche Verwendungen der Begriffe "öffentlich" und "privat" zu verwechseln: erstens, um auf die Unterscheidung zwischen Staat und Gesellschaft zu verweisen, und zweitens, um auf die Unterscheidung zwischen häuslicher und außerhäuslicher Sphäre zu verweisen.
Privatsphäre/Politik/Feminismus: Die neue feministische Bewegung der 1970er Jahre machte die Anfechtung der traditionellen Trennung zwischen den Sphären zu einem zentralen Kampfthema, das in der Parole "Das Persönliche ist politisch" zum Ausdruck kommt. Es hat viele Kontroversen über die genaue Bedeutung dieses Slogans gegeben. Ursprünglich richtete er sich vor allem an männliche sozialistische oder radikale Aktivisten und erinnerte sie daran, dass der theoretische Fokus auf Kapital und Arbeit und die Erweiterung des Politikbegriffs die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu Hause ignorierte (Phillips, 1998)(2). >Ungleichheit/Okin, >Privatsphäre/Anne Philips.
Gaus I 280
Anne Philips/Iris Marion Young/Feminismus: Sowohl Phillips als auch Young bauen auf Habermas auf - deliberative Theorien, die sich für die Beibehaltung des Konzepts der öffentlichen Sphäre aussprechen, in der persönliche Identitäten abgelegt werden, um durch rationale Beratung zu einer demokratischen Entscheidungsfindung zu gelangen (...). Vgl. >Privatsphäre/Elshtain. Die meisten feministischen Theorien haben sich derzeit auf ähnliche Argumente für die Aufrechterhaltung einer Art Abgrenzung zwischen den beiden Sphären zubewegt, wobei sie anerkennen, dass die Grenzen für Mechanismen des Ausschlusses von Frauen aus der Politik relevant sind und dass die normative politische Theorie Fragen der Gerechtigkeit und Freiheit auf den häuslichen Bereich übertragen kann. Im Gegensatz zu den Positionen Patemans, Phillips, Youngs oder Okins zu diesem Punkt muss jedoch die Frage, ob diese Sphären getrennt, voneinander abhängig oder identisch sind, an sich problematisiert werden.
Wie Terrell Carver (1996)(3) feststellt, sind diese beiden Bereiche nicht einfach vorgegeben, und die Aufgabe der politischen Theorie ist nicht nur die Theoretisierung ihrer Beziehungen. Es sind soziopolitische Konstrukte, deren Grenzen vom Staat geregelt werden. Zusammen mit anderen wie Robert Connell (1990)(4), Judith Squires (1994b)(5) oder Chantal Mouffe (1992)(6) kommt Carver zu dem Schluss, dass gerade der Prozess der Konstruktion dieser Sphären und ihrer jeweiligen Grenzen untersucht werden muss, da dort Machtfragen operieren. >Geschlechterrollen/Carver.


1. Okin, Susan Moller (1991) 'Gender, the public, the private'. In David Held, Hrsg., Political Theory Today. Cambridge: Polity, 67—90.
2. Phillips, Anne (1998) 'Introduction'. In Anne Phillips, Hrsg., Feminism and Politics. Oxford: Oxford University Press, 67-90.
3. Carver, Terrell (1996) Gender Is Not a Synonym for Women. Boulder, CO: Lynne Rienner.
4. Connell, Robert (1990) 'The state, gender and sexual politics'. Theory and Society, 19: 507-44.
5. Squires, Judith (1994b) 'Private lives, secluded places: privacy as political possibility'. Environment and Planning D: Society and Space, 12.
6. Mouffe, Chantal (1992) 'Feminism, citizenship and radical democratic politics'. In Judith Butler and Joan Scott, Hrsg., Feminists Theorise the Political. New York: Routledge, 22-40.

Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Politische Theorien

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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