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Utilitarismus über Klimawandel - Lexikon der Argumente

Norgaard I 342
Klimawandel/Utilitarismus/VsPräsentismus: Eine prominente Alternative zum Präsentismus ist der klassische Utilitarismus, ein ethischer Rahmen, der auf das bahnbrechende Werk von Jeremy Bentham (1823)(1) zurückgeht. Nach Ansicht der Utilitarier sollten soziale Institutionen und öffentliche Gesetze so gestaltet sein, dass sie den Gesamtnutzen oder das Wohlergehen in der Gesellschaft maximieren, wobei das gleiche Gewicht auf das Wohlergehen jedes einzelnen Menschen gelegt wird. Mill (1863)(2) nannte dieses Kriterium das "größte Glücksprinzip" ("greatest happiness principle"). Singer (2002(3): 42) diskutiert die Auswirkungen des Utilitarismus auf die Klimastabilisierungspolitik. Auf der einen Seite favorisieren Utilitaristen einen Ansatz, der die Kosten und den Nutzen der Treibhausgasemissionen ausgleicht. Andererseits legen sie auch besonderen Wert auf die Interessen von Menschen mit materieller Not.
>Utilitarismus/Bentham, >Utilitarismus/Singer, >Präsentismus.
Klimakosten/Utilitarismus/Singer, P.: Laut Singer (...) sollten die Kosten des Klimaschutzes unverhältnismäßig von den wohlhabendsten Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft getragen werden, da ein Dollar Nettoleistungen für eine reiche Person weniger Nutzen bringt als für eine arme Person. Aus dem gleichen Grund sind die Utilitarier besonders besorgt über die potenzielle Bedrohung, die der Klimawandel für Einkommen und Lebensgrundlagen in einkommensschwachen Entwicklungsländern darstellt, die ressourcenabhängig und daher besonders anfällig für Veränderungen der Umweltbedingungen sind (Anthoff et al. 2009a)(4).
Utilitarismus: (...) Der Utilitarismus bietet keine Grundlage, um dem Wohlergehen heutiger und zukünftiger Generationen unterschiedliche Gewichtungen zu verleihen. Im Gegenteil, der Nutzen wird als gleichwertig
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wertvoll angesehen, unabhängig davon, wer ihn in Raum und Zeit erlebt (Broome 2008)(5). (...) Ein Großteil der Moralphilosophie beschäftigt sich mit dem Verständnis und der Bewältigung der Konflikte, die zwischen dem Streben nach Eigennutz und der Erfüllung der eigenen moralischen Pflichten bestehen. Der Utilitarismus nähert sich diesem Problem, indem er behauptet, dass die Entscheidungen der Menschen darauf abzielen sollten, den Gesamtnutzen in der Gesellschaft zu maximieren, ohne den persönlichen Bedürfnissen und Anliegen besonderes Gewicht zu verleihen.
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In diesem Sinne steht der Utilitarismus im Spannungsfeld zu den moralischen Prinzipien, die liberal-demokratische politische, wirtschaftliche und rechtliche Institutionen unterstützen, die der Ausweitung und Erhaltung der individuellen Rechte und Freiheiten höchste Bedeutung beimessen.



1. Bentham, J. 1823. An Introduction to the Principles of Morals and Legislation. London: W. Pickering.
2. Mill, J. S. 1863. Utilitarianism. London: Parker, Son & Bourn.
3. Singer, P. 2002. One World: The Ethics of Globalization. New Haven: Yale University Press.
4. Anthoff, D., Hepburn, C., and Tol, R. S. J. 2009a. Equity weighting and the marginal damage costs of climate change. Ecological Economics 68: 836–49.
5. Broome, J. 2008. The ethics of climate change. Scientific American 298: 97–102.



Howarth, Richard: “Intergenerational Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Utilitarismus

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011

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