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Wirtschaftstheorien über Hobbes - Lexikon der Argumente

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Hobbes/Wirtschaftstheorien/Gaus: (...) die Liberalisierung von Hobbes wurde durch seine Vertragstheorie und die Art und Weise, wie er sich für spieltheoretische Modellierungen eignet, vorangetrieben, was vor allem in den Arbeiten von Jean Hampton (1986(1); zur Diskussion siehe Kraus, 1993(2)) zum Ausdruck kommt. >Vertragstheorie/Gauthier.
(...) Ausgangspunkt der neohobbesischen Theorie ist eine hypothetische Analyse der Natur der unstrukturierten Interaktion zwischen rationalen Individuen, die sich der Maximierung ihrer Präferenzen verschrieben haben (Kavka, 1986(3): 123-4). Es ist umstritten, ob die Hobbes'schen Darstellungen einen vorherrschenden Egoismus (Kavka, 1986(3): 64) oder einfach eine nicht-tuistische Präferenzmaximierung unterstellen (Gaus, 1999(4): 12, 74; Wicksteed, 1946(5): Bd. 1, 180). In einer solchen Situation wird der Einzelne mit Gefangenendilemmata, Feiglingsspielen und Versicherungsspielen konfrontiert (Mueller, 2003(6): Kap. 2; Skyrms, 1996(7)); er wird im Allgemeinen nicht in der Lage sein, die Zusammenarbeit zu sichern, und so werden die Interessen aller leiden. Hobbes'sche Agenten haben also Gründe, auf der Grundlage der Befriedigung ihrer eigenen Präferenzen Regeln zuzustimmen, die ihre Interaktionen strukturieren und es ihnen insbesondere ermöglichen, dem Dilemma des Gefangenen, in dem sie sich befinden, zu entkommen. Hobbes'sche Verträge sind mit drei Hauptproblemen konfrontiert (Gaus, 1999(4); Kap. 5; siehe auch Kraus, 1993(2)).
Die Probleme:
1) Erstens wird es angesichts der Tatsache, dass das Leben im Zustand der Natur - der Zustand der unstrukturierten Interaktion - "böse, brutal und kurz" ist (Hobbes, 1948: Kap. 13), relativ einfach sein zu zeigen, dass eine gewisse Übereinstimmung besser ist als keine Übereinstimmung. Es wird jedoch wahrscheinlich eine große Anzahl von Sozialverträgen geben, die
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Pareto-optimal sind: Alle sind besser als der Zustand der Natur, aber keiner ist den anderen Pareto-überlegen. Einige Verträge werden von einigen Parteien bevorzugt, andere von anderen. So kann der Hobbes'sche Vertrag unbestimmt sein; wenn ja, dann ist es zweifelhaft, ob er als eine starke Rechtfertigung substanziell liberaler Prinzipien angesehen werden kann.
2) Zweitens, angesichts der Tatsache, dass Hobbes'sche Individuen zielstrebige rationale Maximierer sind, scheint es, dass sie jeden Gesellschaftsvertrag betrügen würden, wenn sie durch Betrug profitieren würden. Außerdem wird ihr Betrug unentdeckt bleiben. Aber den Fall kennend, weiß jeder, dass der Gesellschaftsvertrag niemanden dazu verpflichten würde, seine Interessen zu opfern, so dass es keinen Sinn macht, ihm zuzustimmen. >Hobbes/Buchanan, >Vertragstheorie/Gauthier.


1. Hampton, Jean (1986) Hobbes and the Social Contract Tradition. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Kraus, Jody S. (1993) The Limits of Hobbesian Contractualism. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Kavka, Gregory (1986) Hobbesian Moral and Political Theory. Princeton, NJ: Princeton University Press.
4. Gaus, Gerald F. (1999) Social Philosophy. Armonk, NY: Sharpe.
5. Wicksteed, Philip H. (1946) The Commonsense of Political Economy, ed. Lionel Robbins. London: Routledge.
6. Mueller, Dennis C. (2003) Public Choice III. Cambridge: Cambridge University Press.
7. Skyrms, Brian (1996) The Evolution of the Social Contract. Cambridge: Cambridge University Press.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Wirtschaftstheorien

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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