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Alexis de Tocqueville über Freiheit – Lexikon der Argumente

Gaus I 388
Freiheit/Gesellschaft/Tocqueville/Plant: In den Schriften von Tocqueville(1,2) begegnen wir einer weiter entwickelten Reihe von Ideen über die Werte, die der Freiheit zugrunde liegen. Tocquevilles Position liegt irgendwo zwischen Constants sehr praktischer Darstellung der Freiheit und einer eher metaphysisch fundierten oder, im modernen Jargon, auf einer umfassenden Doktrin basierenden Auffassung. Vgl. >Gesellschaft/Constant.
Religion/Tocqueville: Tocqueville engagierte sich stark für die aus seiner Sicht notwendige Verbindung zwischen Religion und der Wahrung der Freiheit, und innerhalb der Religion befürwortete er die Idee des Naturrechts. Es ist sicherlich richtig, wie wir bereits gesehen haben, dass Tocqueville die Rolle der intermediären Institutionen in der Gesellschaft als Garanten der Freiheit gutheißt, da sie zwischen dem Individuum und einem Staat stehen, dessen Macht in einer demokratischen Ära wächst, und insofern gehören das Gemeinschaftsleben und das, was unter die von ihm so genannten Sitten oder Gebräuche fällt, zu dem, was die Freiheit erhält. Die Religion jedoch kommt dazu, weil er zwischen willkürlichen Sitten, Konventionen und den Institutionen, von denen sie abhängen, und solchen, die aus religiös und naturrechtlich sanktionierten Gewohnheiten und Charakterformen erwachsen, unterscheiden will. Für Tocqueville gehören dazu die angeborene Idee der Freiheit und ihre Bedeutung im menschlichen Leben, die Anerkennung der Seele und der Tatsache, dass die menschliche Person mehr ist als Körper und Geist, sowie Gefühle der Ehrlichkeit und des gesunden Menschenverstandes. Wenn diese Dinge den Charakter durchdringen, können sie die "Gewohnheiten des Herzens" aufrechterhalten, die für die Freiheit und eine freie Gesellschaft wesentlich sind.
Verfassung/Gesellschaft/Tocqueville: Verfassungsrechtliche Regelungen und Gesetze müssen von diesen Sitten getragen werden, denn, wie er in seinen Gesprächen mit Nassau Senior argumentiert: "Freiheit hängt von den Sitten und Überzeugungen der Menschen ab, die sie genießen sollen. Diese Sitten und Überzeugungen sind der Freiheit förderlicher, wenn man sie für wahr hält und nicht nur für willkürliche oder bequeme Erfindungen oder historische Errungenschaften. Tocqueville plädiert also für eine geregelte Freiheit, die durch Religion, Sitte und Gesetz in Schach gehalten wird. Er ist sich jedoch sicher, dass Verfassungen und Gesetze in derartigen Vorstellungen verwurzelt sein müssen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und nicht durch Gesetze verwirklicht werden können.


1. Tocqueville, A. de (1945) Democracy in America. New York: Knopf.
2. Tocqueville, A. de (1955) The Old Regime and the French Revolution. Garden City, NY: Anchor.

Plant, Raymond 2004. „European Political Thought in the Nineteenth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Tocqueville, Alexis de

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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