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Minimalstaat über Besteuerung - Lexikon der Argumente

Gaus I 121
Besteuerung/Minimalstaat/Gaus/Mack: Der Marktanarchist und der Minimalstaatler teilen eine entscheidende Prämisse, nämlich die, dass der Wert des Erhalts von Schutzleistungen für den Einzelnen fast jeden motivieren wird, für diese Leistungen zu bezahlen. >Marktanarchismus/Liberalismus, >Minimalstaat/Gaus, >Gesellschaft/Minimalstaat, >Soziale Güter/Minimalstaat, >Märkte/Minimalstaat.
Gaus I 122
Regierung/Liberalismus: Liberale Traditionsthese: die Regierung wird weitgehend mit Marktversagen gerechtfertigt: Obwohl der Markt im Allgemeinen sowohl eine freie als auch eine wohlhabende Gesellschaft ermöglicht, ist er nicht perfekt (Buchanan, 1975(1): Kap. 3). So beharrten die klassischen liberalen politischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts (...) darauf, dass der Markt von einem politischen Rahmen abhängig sei, den er nicht selbst bereitstellen könne; der Markt könne nicht selbst einen öffentlichen Zwangsapparat für die Durchsetzung von Eigentumsrechten und Verträgen bereitstellen (Robbins, 1961(2); Gaus, 1983(3)).
MinimalstaatVsLiberalismus/MarktanarchismusVsLiberalismus: Marktanarchisten und Minimalstaatler können diese weit verbreiteten Ansichten in Frage stellen. Sie können wie folgt argumentieren:
1) Erstens neigt diese zwangsweise staatliche Bereitstellung öffentlicher Güter zu einer Überversorgung mit diesen, so dass sie ihre eigenen ausgleichenden Ineffizienzen hat (Buchanan und Tullock, 1965(4)). Und,
2) sie können darauf bestehen, dass man sich Markt- und Vertragsvereinbarungen vorstellen kann, die eine nicht wesentlich suboptimale Finanzierung für öffentliche Güter - insbesondere rechtsschützende öffentliche Güter - ermöglichen (Buchanan, 1975(1); Narveson, 1988(5): 238). >Soziale Güter/Minimalstaat.
MinimalstaatVsMarktanarchismus/Gaus: Befürworter des Minimalstaates, die ihn als natürliches Monopol darstellen, scheinen besser in der Lage zu sein, dieses Argument vorzubringen als Marktanarchisten. Ein solcher Minimalstaat wird in erheblichem Maße in der Lage sein, den Kauf nicht-öffentlicher Aspekte des Rechtsschutzes durch seine Klienten daran zu binden, dass diese auch für öffentliche Aspekte des Rechtsschutzes bezahlen. >Gesellschaft/Minimalstaat, >Individuen/Minimalstaat, >Minimalstaat/Gaus.
MinimalstaatstheorieVsLiberalismus: Wenn entscheidende öffentliche Güter erheblich unterproduziert würden, ohne dass von Individuen Beiträge zu ihrer Finanzierung verlangt würden (und das Verlangen solcher Beiträge ein zufriedenstellendes Niveau der Produktion dieser öffentlichen Güter ergeben würde), stehen die Mitglieder der Freiheitstradition vor einer schweren Wahl. Einerseits können sie sich auf Kosten des Ausschlusses der mit diesen öffentlichen Gütern verbundenen gegenseitigen Vorteile an nicht rekonstruierten Versionen der Grundnormen dieser Tradition festhalten (während sie zweifellos darauf bestehen, dass die Gemeinwohleigenschaften der Strafverfolgung in der Regel überschätzt werden und dass das meiste, was der Staat tun sollte, darin besteht, im Wesentlichen privat verbrauchte Schutzdienste bereitzustellen). Andererseits können sie aber auch die Zwangseinnahmen legitimieren, die, so die Hypothese, zur Finanzierung dieser wertvollen Güter auf Kosten einer Schwächung zumindest einiger dieser zentralen Normen erforderlich sind.
Soziale Güter: Wie hoch werden die doktrinären Kosten [einer] Schwächung der Normen der Freiheitstraditionen sein? (>Soziale Güter/Minimalstaat). Wir können drei Ansätze zur Rechtfertigung identifizieren: (1) dass die zwangsweise Bereitstellung öffentlicher Güter voll und ganz mit den grundlegenden Verpflichtungen der Freiheitstradition vereinbar ist; (2) dass die auf dem Spiel stehenden Güter vorrangige Freiheit rechtfertigen; und (3) dass es sich bei einer solchen Bereitstellung um gutartige Bevormundung handelt.
Gaus I 123
Kleinstaat: Wenn die Argumente, die für den Besteuerungsminimalstaat sprechen, erweitert werden, um Zwangseinnahmen für die Produktion anderer Arten von öffentlichen Gütern zu legitimieren (zum Beispiel das öffentliche Gut der Mückenbekämpfung) oder um andere Arten von Marktversagen zu korrigieren (zum Beispiel die Regulierung natürlicher Monopole), dann sind wir über den Minimalstaat hinaus zum Kleinstaat übergegangen. Je mehr Arten von Gütern und Dienstleistungen als signifikant öffentlich und damit als gerechtfertigt durch Steuern finanziert akzeptiert werden, desto größer wird der Kleinstaat.


1. Buchanan, James M. (1975) The Limits of Liberty: Between Anarchy and Leviathan. Chicago: University of Chicago Press.
2. Robbins, Lord (1961) The Theory of Economic Policy in Classical English Political Economy. London: Macmillan.
3. Gaus, Gerald F. (1983) ‘Public and private interests in liberal political economy, old and new’. In S. I. Benn and G. F. Gaus, eds, Public and Private in Social Life. New York: St Martins, 183–222.
4. Buchanan, James M. and Gordon Tullock (1965) The Calculus of Consent: Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, MI: University of Michigan Press.
5. Narveson, Jan (1988) The Libertarian Idea. Philadelphia: Temple University Press.


Mack, Eric and Gaus, Gerald F. 2004. „Classical Liberalism and Libertarianism: The Liberty Tradition.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Minimalstaat

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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> Gegenargumente gegen Minimalstaat

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