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Experimentelle ��konomik über Pr��ferenzen - Lexikon der Argumente

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Präferenzen/Experimentelle Ökonomik/Sullkivan/Holt: Die wachsende experimentelle Literatur zur Erhebung von Risikopräferenzen ist ein Beispiel dafür. Ansätze zur Erhebung von Überzeugungen über unsichere und zukünftige Ereignisse (z.B. Palfrey und Wang, 2009(1); Holt und Laury, 2014(2)) sind eng mit der Erhebung von Risikopräferenzen verwandt und lassen sich auch auf das Verständnis juristischer Motivationen anwenden.*
Zufallsmittel: Zur Veranschaulichung: Das Verfahren zur Ermittlung von Überzeugungen von Holt und Smith (2016)(3) leitet quantitative Maße für subjektive Überzeugungen ab, indem es Probanden bittet, zwischen zwei Zufallsmitteln zu wählen.
a) Das erste Mittel, die "Ereignislotterie", bietet eine feste Zahlung (z. B. $100), wenn ein ungewisses Ereignis von Interesse beobachtet wird (z.B. der Angeklagte wird für unschuldig befunden).
b) Das zweite Mittel, die "Würfellotterie", bietet die gleiche Zahlung ($100), wenn eine zufällige Ziehung aus der Standardgleichverteilung
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eine bestimmte Wahrscheinlichkeitsschwelle überschreitet.
Schwellenwerte: Bei einem Ereignis von Interesse müssen die Versuchspersonen im Experiment zur Erhebung von Überzeugungen entscheiden, ob sie die Ereignislotterie (die auszahlt, wenn das Ereignis eintritt) oder die Würfellotterie (die rein zufällig auszahlt) für jede der verschiedenen Würfellotterien mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitsschwellen bevorzugen würden. Der Grenzwert, bei dem eine Versuchsperson die Würfellotterie nicht mehr gegenüber der Ereignislotterie bevorzugt, offenbart die implizite Einschätzung der Versuchsperson über die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses, die einer "Single-Crossing"-Beschränkung unterliegt. Vgl. >Schwellenwert.
Das Experiment nutzt also den Wunsch der Versuchspersonen, einen wertvollen Preis zu gewinnen, um sowohl die (bewusste) Anstrengung der Versuchsperson, die Wahrscheinlichkeit des ungewissen Ereignisses genau zu erraten, als auch die (vielleicht unbewusste) Offenbarung dieser subjektiven Wahrscheinlichkeitseinschätzung gegenüber dem Forscher hervorzurufen.
Probleme: Das Fehlen jeglicher eindeutig selbstbezogener Anreize in vielen Urteilshaltungen wirft die Frage auf, ob Probanden in solchen Präferenz- oder Überzeugungserhebungsexperimenten allein durch narratives Interesse adäquat motiviert werden könnten.

* Für einen aktuellen Überblick über diese Literatur, siehe Schotter und Trevino (2014)(4).


1. Palfrey, T. R. and S. W. Wang (2009). “On Eliciting Beliefs in Strategic Games.” Journal of Economic Behavior & Organization 71: 98–109.
2. Holt, C. A. and S. K. Laury (2014). “Assessment and Estimation of Risk Preferences,” in M. J. Machina and W. K. Viscusi, eds., Handbook of the Economics of Risk and Uncertainty, 135–202. Amsterdam: Elsevier B.V.
3. Holt, C. A. and A. M. Smith (2016). Belief Elicitation with a Synchronized Lottery Choice Menu that is Invariant to Risk Attitudes, American Economic Journal: Microeconomics 8(1): 110–139.
4. Schotter, A. and I. Trevino (2014). “Belief Elicitation in the Laboratory” Annual Review of Economics 6: 103–128.


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Experimentelle Ökonomik

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

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