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Konstitutionelle ��konomie über Justizwesen - Lexikon der Argumente

Parisi I 210
Justizwesen/Konstitutionelle Ökonomie/Voigt: (...) frühe Modelle der Gewaltenteilung enthielten das Justizwesen nicht als einen Akteur. Eine unabhängige Justiz kann ein Mittel sein, um das Dilemma des starken Staates zu lösen. Einerseits braucht man einen Staat, der stark genug ist, um private Eigentumsrechte zu schützen; andererseits ist ein Staat, der stark genug ist, um private Eigentumsrechte zu schützen, auch stark genug, um sie abzuschwächen oder ganz zu ignorieren. Diese Situation ist für alle Beteiligten nachteilig, und ein unabhängiges Justizwesen kann dieses Dilemma verringern: Wenn ihre Entscheidungen auf den einschlägigen Gesetzen beruhen und von den anderen Regierungszweigen regelmäßig durchgesetzt werden, obwohl sie nicht in ihrem eigenen (kurzfristigen) Interesse liegen, werden die Gesamtinvestitionen steigen und die Wirtschaft schneller wachsen.
Methodik/Probleme: Ein großes Problem besteht natürlich darin, den Grad der richterlichen Unabhängigkeit messbar und damit länderübergreifend vergleichbar zu machen. Feld und Voigt (2003(1), 2006(2)) führen zwei Indikatoren ein, von denen sich der eine mit der de-jure-Unabhängigkeit (d.h. der Unabhängigkeit der Gerichte, wie sie sich aus Rechtsdokumenten und insbesondere der Verfassung ableiten lässt) und der andere mit der de-facto-Unabhängigkeit (d.h. dem Grad der Unabhängigkeit, den die Gerichte tatsächlich genießen) beschäftigt. Bei der Schätzung der Auswirkungen der richterlichen Unabhängigkeit (JI) auf das Wirtschaftswachstum kommen Feld und Voigt (2006)(2) zu dem Ergebnis, dass de jure JI keinen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat, während de facto JI das Wachstum des realen BIP pro Kopf in einer Stichprobe von 73 Ländern positiv beeinflusst. Voigt, Gutmann und Feld (2015)(3) replizieren die vorherige Studie mit einer größeren Stichprobe, die einen aktuelleren Zeitraum abdeckt, und finden die Ergebnisse der vorherigen Studie weitgehend bestätigt. >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie.


1. Feld, L. P. and S. Voigt (2003). "Economic Growth and Judicial Independence: Cross-Country Evidence using a new set of indicators." European Journal of Political Economy 19(3):
497-527.
2. Feld, L. P. and S. Voigt (2006). "Making Judges Independent—Some Proposals Regarding the
Judiciary," in R. Congleton and B. Swedenborg, eds., Democratic constitutional Design and Public Policy, Analysis and Evidence, 251-288. Cambridge, MA: MIT Press.
3. Voigt, S., J. Gutmann, and L. Feld (2015). "Economic Growth and Judicial Independence, a
Dozen Years On: Cross-Country Evidence Using an Updated Set of Indicators. European
Journal of Political Economy 38: 197-211 (2015).


Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Konstitutionelle Ökonomie

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

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