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| Zinsen: Zinssätze stellen die Kosten für die Aufnahme von Geld oder die Rendite für investierte Mittel über einen bestimmten Zeitraum dar und werden in der Regel als Prozentsatz ausgedrückt. Sie beeinflussen Kredit- und Sparentscheidungen und wirken sich auf wirtschaftliche Aktivitäten wie Kredite, Hypotheken und Sparkonten aus. Sie werden von den Zentralbanken festgelegt oder durch Marktkräfte wie Angebot und Nachfrage beeinflusst. Siehe auch Zentralbank, Wirtschaft, Angebot, Nachfrage, Märkte._____________Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente. | |||
| Autor | Begriff | Zusammenfassung/Zitate | Quellen |
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Ladislaus von Bortkewitsch über Zinsen – Lexikon der Argumente
Kurz I 158/159 Zins/Bortkiewicz/Böhm-Bawerk/Kurz: Bortkiewicz (1906)(1) kritisiert in seinem Aufsatz „Der Kardinalfehler der Böhm-Bawerkschen Zinstheorie“ die „Drei Gründe“, die Böhm-Bawerk in seiner Kapital- und Zinstheorie zugunsten eines positiven Zinssatzes anführt: Böhm-Bawerk: (1) die Unterschiede zwischen Bedarf und Versorgung in verschiedenen Zeiträumen; (2) die systematische Unterschätzung der zukünftigen Bedürfnisse und der zu ihrer Befriedigung verfügbaren Mittel und (3) die technische Überlegenheit gegenwärtiger gegenüber zukünftigen Gütern gleicher Qualität und Quantität. Bortkiewicz richtete die Aufmerksamkeit auf den dritten Grund - nach Böhm-Bawerk (1889](2) 1902, 286) der „Hauptpfeiler“ seiner Zinstheorie - der sich auf einen „rein objektiven Faktor“ bezog (Bortkiewicz 1906(1), 945). Konnte man daraus ein Wertagio zugunsten der Gegenwartsgüter als Grundlage eines positiven Zinssatzes ableiten? Bortkiewicz war nicht dieser Ansicht - vielmehr sah er in der entsprechenden Argumentation Böhm-Bawerks den „Kardinalfehler“ seiner gesamten Konstruktion. Um dies zu zeigen, griff er auf ein Zahlenbeispiel in der Positiven Kapitaltheorie zurück, das die Überlegenheit „umständlicherer“ Produktionsprozesse verdeutlichen sollte. Bortkiewicz: Um dies zu zeigen, griff er auf ein Zahlenbeispiel in der Positiven Theorie des Kapitals zurück, das die Überlegenheit „umständlicherer“ Produktionsprozesse illustrieren sollte. Das Beispiel, so Bortkiewicz, sei irreführend, weil Böhm-Bawerk nur ein unvollständiges Bild des betrachteten Falles gegeben habe. Das Beispiel betrifft Produktionsprozesse, die in Kurz I 159 aufeinanderfolgenden Jahren. Leider habe Böhm-Bawerk ohne jede Begründung angenommen, dass alle Prozesse am Ende des zuerst begonnenen Prozesses enden. Nimmt man stattdessen an, dass jeder Prozess nach der gleichen Anzahl von Jahren abbricht wie der erste, kommt man zu einem gleichmäßig gestaffelten Produktionssystem. Nun ist der zuerst gestartete Prozess nicht mehr allen anderen Prozessen in Bezug auf alle zukünftigen Zeiträume überlegen, weil nach seinem Abbruch die anderen Prozesse noch Outputs erzeugen, der erste aber nicht mehr. Ohne Kenntnis der Wertverhältnisse zwischen den zu verschiedenen Zeitpunkten gewonnenen Gütern entsteht ein „non liquet“ (Bortkiewicz 1906(1), 954). Bortkiewicz kommt zu dem Schluss, dass er (Böhm-Bawerk) rein formal gesehen nicht richtig argumentiert hat. Seine Argumentation, auf die er das Hauptgewicht legt, leidet an einem inneren Fehler: Es scheint, dass wir nicht über das sehr abstrakte Schema von v. Böhm-Bawerk hinausgehen müssen, um zu beweisen, dass der Zins nicht in der Weise bestimmt werden kann, wie er es versucht (und, wie ich glaube, auch nicht in irgendeiner anderen die technischen Bedingungen der Produktion. (958)(1) Kurz I 160 Zins/StolzmannvsBöhm-Bawerk: Wert des Produkts konnte durch ihn nicht reguliert werden. Wie Rudolf Stolzmann (1896)(3) bereits dargelegt hatte, hatte dies die fatale Folge, dass Böhm-Bawerks Einwand nun auch für seine eigene Theorie galt. Wenn Böhm-Bawerk Recht hatte, dass mit der allgemeinen Anwendung der kapitalistischeren Methode der Wert des Produkts zwangsläufig sinken musste, dann war unklar, ob dieser Rückgang überhaupt noch Raum für Zinsen ließ. Jedenfalls kann, wie Stolzmann zu Recht betont hatte, der Zins „nicht mehr aus der Differenz zwischen der Produktmenge, die ohne das kapitalistische Karussell erzielt werden kann, und der Produktmenge, die mit seiner Hilfe erzielt werden kann, abgeleitet werden“ (zitiert in Bortkiewicz 1906(1), 959). Bortkiewicz schloss: Mit diesen Bemerkungen hat Stolzmann, glaube ich, wirklich den schwächsten Punkt der Böhm-Bawerkschen Zinstheorie aufgezeigt. Die objektive Grundlage dieser Theorie könnte in der Tat für gültig gehalten werden, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, feststellt, dass Produktionsmethoden verschiedener Produktivitätsgrade nebeneinander angewandt werden, oder, genauer gesagt, unter der Bedingung angewandt werden müssen, dass jeder Produzent kompromisslos dem ökonomischen Prinzip folgt. (960)(1). 1. Bortkiewicz, L. v. 1906. Der Kardinalfehler der Böhm-Bawerkschen Zinstheorie. Schmollers Jahrbuch 30: 943-972. 2. Böhm-Bawerk, E. v. [1889] 1902. Kapital und Kapitalzins. Vol. 2, Positive Theorie des Kapitales. 2nd ed. Innsbruck: Wagner'sche Universitätsbuchhandlung. 1909-14. Kapital und Kapitalzins. 3rd ed. 3 vols. Innsbruck: Wagner'sche Universitätsbuchhandlung. (Sraffa 761, 762, and 763) -I1889] 1959. Capital and Interest. 2 vols English translation of the fourth edition of Kapital und Kapitalzins South-Holland, 111.: Libertarian Press. 3. Stolzmann, Rudolf, 1896. Die soziale Kategorie in der Volkswirtschaftslehre. Berlin: Puttkamer & Mühlbrecht. Kurz, Heinz D. „Keynes, Sraffa, and the latter’s “secret skepticism“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge._____________ Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der ArgumenteDer Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente. |
Bortkewitsch, Ladislaus von
Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
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