Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Deep Ecology Pelluchon Deep Ecology/Pelluchon: [zu vermeiden ist der] Fallstrick einer Trennung von Ökologie und Existenz, wie man sie der Umweltethik anlasten kann, die in den 1970er Jahren entstand (wie etwa in der deep ecology des einflussreichen norwegischen Philosophen >Arne Naess).
Deep ecology/Pelluchon: deren Leistung bestand darin, dass sie die Ethik dezentrierte, indem sie den Lebewesen eine Wert jenseits ihres Nutzens zuerkannte.
PelluchonVsNaess/PelluchonVsDeep ecology: in seinem Lobpreisen der natürlichen Wildnis aber neigte dieses ökologische Denken der Siebzigerjahre dazu, den Dualismus von Mensch und Natur, den ihre Gegner behaupteten, auf andere Weise nur zu erneuern. >Körper/Pelluchon.

Corine Pelluchon. „Wovon leben wir?“ in: Die ZEIT Nr. 38. 10.09.2020
Gaia-Hypothese Braidotti Braidotti I 84
Gaia Hypothese/Braidotti: Die Anerkennung multikultureller Perspektiven und die Kritik an Imperialismus und Ethnozentrismus fügen der Diskussion über die werdende Erde einen entscheidenden Aspekt hinzu, aber sie verstricken sich heutzutage auch in ihre eigenen inneren Widersprüche. Nehmen wir zum Beispiel den Fall der „Tiefenökologie“. Arne Naess (1977a(1), 1977b(2)) und James Lovelocks „Gaia“-Hypothese (1979)(3) sind geozentrische Theorien, die eine Rückkehr zum Holismus und zur Vorstellung von der ganzen Erde als einem einzigen, heiligen Organismus vorschlagen.
>Tiefenökologie.
Dieser ganzheitliche Ansatz ist reich an Perspektiven, aber auch recht problematisch für einen vitalistischen, materialistischen posthumanen Denker. Problematisch ist dabei weniger der holistische Teil als vielmehr die Tatsache, dass er auf einer sozial-konstruktivistischen dualistischen Methode beruht.
Braidotti I 85
Das bedeutet, dass sie die Erde der Industrialisierung, die Natur der Kultur und die Umwelt der Gesellschaft gegenüberstellt und sich entschieden auf die Seite der natürlichen Ordnung stellt. Daraus ergibt sich eine relevante politische Agenda, die dem Konsumismus und dem besitzergreifenden Individualismus kritisch gegenübersteht und die technokratische Vernunft und die technologische Kultur stark anklagt. Dieser Ansatz hat jedoch zwei Nachteile. Erstens ist sein technophobischer Aspekt in Anbetracht der Welt, in der wir leben, an sich nicht besonders hilfreich. Zweitens führt er paradoxerweise genau die kategorische Trennung zwischen dem Natürlichen und dem Hergestellten wieder ein, die er zu überwinden versucht.
BraidottiVsNaess/BraidottivsLovelock/BraidottiVsDeep Ecology: Warum bin ich mit dieser Position nicht einverstanden? Wegen zweier miteinander verbundener Ideen:
Erstens wegen des Natur-Kultur-Kontinuums und der daraus folgenden Ablehnung der dualistischen Methodik des Sozialkonstruktivismus - die post-anthropozentrischen Neo-Humanisten führen diese Unterscheidung letztendlich wieder ein, wenn auch mit den besten Absichten in Bezug auf die natürliche Ordnung;
Zweitens, weil ich der negativen Art von Bindung misstraue, die im Zeitalter des Anthropozäns zwischen Menschen und Nicht-Menschen stattfindet. Die artenübergreifende Umarmung beruht auf dem Bewusstsein der drohenden Katastrophe: Die Umweltkrise und das Problem der globalen Erwärmung, ganz zu schweigen von der Militarisierung des Weltraums, reduzieren alle Arten auf ein vergleichbares Maß an Verwundbarkeit.
Das Problem mit dieser Position ist, dass sie in krassem Widerspruch zu ihren expliziten Zielen eine umfassende Humanisierung der Umwelt fördert. Dies scheint mir ein Rückschritt zu sein, der an die Sentimentalität der romantischen Phasen der europäischen Kultur erinnert. Ich stimme daher mit Val Plumwoods (1993(4), 2003(5)) Einschätzung überein, dass die Tiefenökologie den Erde-Kosmos-Nexus falsch versteht und lediglich die Strukturen des besitzergreifenden Egoismus und der Eigeninteressen auf nicht-menschliche Akteure ausweitet.
Braidotti I 86
Im Gegensatz zu dieser Position, aber auch aufbauend auf einigen ihrer Prämissen, möchte ich eine aktualisierte Form des Spinozismus vorschlagen (Citton und Lordon, 2008(6)). Ich sehe den spinozistischen Monismus und die radikalen immanenten Formen der Kritik, die auf ihm beruhen, als eine demokratische Bewegung, die eine Art ontologischen Pazifismus fördert. >Spinoza, >Über Spinoza.

1. Naess, Arne. 1977a. Spinoza and ecology. In: Siegfried Hessing (ed.) Speculum Spinozanum, 1877–1977. London: Routledge & Kegan Paul.
2.Naess, Arne. 1977b. Through Spinoza to Mahayana Buddhism or through Mahayana Buddhism to Spinoza? In: Jon Wetlesen (ed.) Spinoza’s Philosophy of Man, Proceedings of the Scandinavian
Spinoza Symposium. Oslo: Universitetsforlaget.
3. Lovelock, James. 1979. Gaia: A New Look at Life on Earth. Oxford:
Oxford University Press.
4. Plumwood, Val. 1993. Feminism and the Mastery of Nature. London and New York: Routledge.
5. Plumwood, Val. 2003. Environmental Culture. London: Routledge.
6. Citton, Yves and Frédéric Lordon. 2008. Spinoza et les Sciences Sociales. Paris: Editions Amsterdam.

Braidotti I
Rosie Braidotti
The Posthuman Cambridge, UK: Polity Press 2013
Ökologie Naess Singer I 251
Ökologie/Naess, Arne/Singer, P.: (A. Naess (1973)(1): Def shallow ecology/Naess: ist auf den traditionellen Rahmen der Ethik beschränkt:: hier geht es darum, Bsp Wasser nicht zu verschmutzen, um genügend Trinkwasser zu haben und Umweltverschmutzung zu vermeiden, damit man die Natur weiterhin genießen kann. Dagegen:
Def deep ecology/Naess: will die Biosphäre um ihrer selbst willen erhalten, ungeachtet des möglichen Nutzens für den Menschen.
Tiefenökologie/Naess/Singer, P.: nimmt also größere Einheiten als das Individuum zum Gegenstand: Arten, Ökosysteme und sogar die Biosphäre als Ganzes.
Tiefenökologie/Tiefe Ökologie(2):
Prinzipien:
1. Das Wohlergehen und die Weiterentwicklung menschlichen und nichtmenschlichen Lebens auf der Erde haben einen Wert in sich selbst (intrinsischen, inhärenten Wert), unabhängig vom Nutzen der nichtmenschlichen Welt für menschlich Zwecke.
2. Reichtum und Diversität von Lebensformen tragen zur Realisierung dieser Werte bei und sind Werte in sich.
3. Menschen haben nicht das Recht, den Reichtum und die Diversität der Welt zu schmälern, außer, wenn es um vitale Interessen geht.
Singer I 252
Biosphäre/Naess/Sessions/Singer, P.: Sessions und Naess gebrauchen den Ausdruck „Biosphäre“ in einem weiten Sinn, so dass auch Flüsse, Landschaften und Ökosysteme inbegriffen sind. P. SingerVsNaess: (siehe auch SingerVsSessions): die Ethik der Tiefenökologie liefert keine befriedigenden Antworten in Bezug auf den Wert des Lebens vn Individuen. Vielleicht ist das aber auch die falsche Frage. Die Ökologie betrifft eher Systeme als individuelle Organismen. Daher sollte die ökologische Ethik sich eher auf Arten und Ökosysteme beziehen.
Singer I 253
Dahinter steckt also eine Art Holismus. Dieser wird von Lawrence Johnson (L. Johnson, A Morally Deep World, Cambridge, 1993) aufgezeigt. Johnson These: die Interessen von Arten sind verschieden von der Summe individuelle Interessen und existieren gleichzeitig zusammen mit individuellen Interessen innerhalb unserer moralischen Erwägungen. >Umwelt, >Emissionen,
>Emissionsrechtehandel, >Klimawandel,
>Klimaschäden, >Energiepolitik,
>Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit,
>Klimaperioden, >Klimaschutz,
>Klimaziele, >Klimafolgenforschung.

1. A. Naess (1973). „The Shallow and the Deep, Long-Range Ecology Movement“, Inquiry 16 , pp. 95-100
2. A. Naess and George Sessions (1984). „Basic Principles of Deep Ecology“, Ecophilosophy, 6

Naess I
Arne Naess
Can Knowledge Be Reached? Inquiry 1961, S. 219-227
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Ökologie Pelluchon Ökologie/Pelluchon/PelluchonVsNaess: [zu vermeiden ist der] Fallstrick einer Trennung von Ökologie und Existenz, wie man sie der Umweltethik anlasten kann, die in den 1970er Jahren entstand (wie etwa in der deep ecology des einflussreichen norwegischen Philosophen >Arne Naess).
Deep ecology/Pelluchon: deren Leistung bestand darin, dass sie die Ethik dezentrierte, indem sie den Lebewesen eine Wert jenseits ihres Nutzens zuerkannte.
PelluchonVsNaess/PelluchonVsDeep ecology: in seinem Lobpreisen der natürlichen Wildnis aber neigte dieses ökologische Denken der Siebzigerjahre dazu, den Dualismus von Mensch und Natur, den ihre Gegner behaupteten, auf andere Weise nur zu erneuern.
Körperlichkeit/Körper/Pelluchon: Überdies war die holistische Vision, die die Umweltethik der Siebzigerjahre verteidigte, zu abstrakt: Weil sie nur die Vernunft ansprach und nicht auch die Affekte, konnte sie den Einzelnen nicht zu einer Änderung seines Lebensstils bewegen. Genauso wenig gelang es diesem denken, eine ökologische Politik zu inspirieren, um die Wirtschaft in den Dienst des Lebendigen zu stellen und die Produktion so neu zu organisieren, dass sie die Grenzen des Planeten berücksichtigt und bestimmte Sektoren wie Landwirtschaft, Viehzucht und Pflege vom ökonomischen Diktat maximaler Effizienz befreit. >Körper/Pelluchon, >Umweltethik/Pelluchon, >Ökologie/Naess.

Corine Pelluchon. „Wovon leben wir?“ in: Die ZEIT Nr. 38. 10.09.2020