Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Autor
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Literatur
Literatur
Atomismus Quine II 218
QuineVsRussell: VsLogischer Atomismus (pro Holismus) - der Zusammenhang mit Beobachtung ist komplexer. >Holismus/Quine.
II 107
Atomare Tatsachen/Russell: Atomare Tatsachen sind Sinnesdaten. QuineVsRussell: Sinnesdaten sind gar nicht atomar, sondern zusammengesetzt. Russell: Bekanntschaft mit Sinnesdaten ist sicher, alles andere ist fehlbar. >Sinnesdaten/Quine.
II 218
Atomismus/QuineVsRussell/Quine: Der grundlegende Unterschied zwischen Russells logischem Atomismus und meiner Auffassung ist, dass die übrigen Wahrheiten nach meiner Ansicht nicht irgendwie aus den Beobachtungssätzen zusammengesetzt oder von ihnen impliziert werden. Ihr Zusammenhang mit den Beobachtungssätzen ist vermittelter und komplexer. Siehe auch >Atome/Quine.
XIII 14
Def sensorischer Atomismus/Locke/Hume/Quine: Bsp Lockes „einfache Ideen“, Humes „einfache Eindrücke“. Dabei geht es um ein Mosaik irreduzibler sensorischer Bits, die wiederholt auftreten können. Sensibilia/Quine: Sensibilia sollten daher wiederum nicht als Atome, sondern als Arten von Atomen betrachtet werden.
Atom/Quine: ein Atom ist dann ein Vorkommnis (Token, occurrence) von Sensibilia innerhalb der Erfahrung.
GestaltpsychologieVssensorischer Atomismus/Gestalttheorie/Quine: These lautet, Gestalten kommen eher als grobe (große) Formen daher, (die nicht aus Bausteinen zusammengesetzt sind).
XIII 15
Atomismus/sensorischer/Quine: für den sensorischen Atomismus spricht wiederum die Natur des neuralen (neuronalen) Inputs. Atom/sensorisch/Quine: sollten wir dann sagen, sie entsprechen wiederum Arten von Inputs, die dann einem Rezeptor entsprechen? Nein:
Problem. Mit einer Anzahl von Arten kommt man hier nicht weiter: Jede Person hat eine unbekannte und nicht weiter interessierende Anzahl von Rezeptoren. Eine weitere Erforschung würde die Theorie hier nicht weiterbringen.
Wahrnehmungsatomismus/Quine: Wahrnehmungsatomismus wäre etwas, wovon man träumen könnte: Ein Repertoire von Grundeigenschaften. Dann wären Eigenschaften die Arten. Ihre Vorkommnisse wären die Atome.
Problem: Es wurde gezeigt, dass die Wellenlänge eines singulären Farbereignisses nicht die empfundene Farbe bestimmt, sondern die jeweilige Umgebung. >Farben/Quine.
Außerdem hat man gefunden, dass es Zellen gibt, die nur darauf ansprechen, wenn Bsp eine Diagonale von links oben nach rechts unten verläuft, und andere Zellen für entsprechende andere Gegebenheiten.
XIII 16
Atomismus/Technologie/Quine: hier ist der Atomismus wichtig. Bsp Halbton beim Sehen/Drucken: Punkte und Leerzeichen sind seine Atome. Bsp Fernsehen (TV), Zeitungsdruck usw. Problem: im Film gibt es keine Begrenzung der Atome auf zwei (s/w) oder die Grundfarben.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Egalitarismus Miller Gaus I 417
Egalitarismus/Miller/Weinstein: Miller würde sich dagegen wehren, als egalitärer Liberaler charakterisiert zu werden; er würde dieses Etikett als eine Verschmelzung der "einfachen" Verteilungsgleichheit mit der "komplexen" marktsozialistischen Gleichheit ansehen, die er favorisiert.* Ersterer schreibt vor, dass die Menschen in Bezug auf einige X gleichberechtigt sein sollten, und beschränkt damit Gleichheitsdebatten auf Streitigkeiten über Gleichheit wovon?
Walzer: In Anlehnung an Michael Walzer geht es bei der komplexen Gleichheit nicht um die Verteilung von X. Vielmehr handelt es sich um ein "soziales Ideal" darüber, wie wir einander als Gleiche behandeln sollen.
Miller: Aber Miller bleibt dennoch ein egalitärer Liberaler: "Eine egalitäre Gesellschaft muss eine Gesellschaft sein, die eine Reihe von verschiedenen Gütern anerkennt" und sicherstellt, dass jedes "nach seinem eigenen richtigen Kriterium [Verdienst, Not und Gleichheit] verteilt wird". Solange keine Verteilungssphäre andere dominiert, ist eine komplexe Gleichheit gesichert. Der wahre "Feind der Gleichheit ist die Dominanz", die politisch reguliert werden muss (1995(1): 203). Und Dominanz ist ruchlos, weil sie so schädlich für die individuelle Selbstentfaltung ist. Vgl. >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Tradition: Miller räumt bereitwillig ein, dass sich seine politische Theorie auf zwei politische Traditionen stützt: "Verteilungsgerechtigkeit aus der Tradition des Liberalismus, soziale Gleichheit aus der Sozialdemokratie und dem Sozialismus" (1999: 244). Folglich ist Miller ein wahrer Erbe der neuen Liberalen. Auch für sie ist kein Gerechtigkeitsprinzip souverän. Gleichheit und Bedürfnis-Temperament desertieren qua individueller Wahl und Verantwortung, so dass alle Bürger wirklich die gleiche Chance haben, ihre Talente nach eigenem Gutdünken zu entfalten.
MillerVsDworkin/MillerVsSen: (...) Die Versionen von Dworkin und Sen sind egalitär in dem Sinne, wie Miller den 'einfachen' Sinn pejorativ bezeichnet. Während Dworkin den Ausgleich von Ressourcen bevorzugt, bevorzugt Sen den Ausgleich von Fähigkeiten. >Leben/Dworkin.

* Für Miller gibt es "keinen tiefgreifenden Antagonismus zwischen Meritokratie" und einem angemessen regulierten Markt, denn je egalitärer eine Marktwirtschaft ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Belohnungen je nach Verdienst zuteilt (1999(2): 179). Siehe auch Millers Verteidigung des Marktsozialismus in Markt, Staat und Gemeinschaft (1989)(3) und Cohen (1995(4): Kap. I l) für eine kritische Antwort.


1. Miller, David (1995) 'Complex equality'. In David Miller and Michael Walzer, Hrsg., Pluralism, Justice and Equality. Oxford: Oxford University Press, 197-225.
2. Miller, David (1999) Social Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Miller, David (1989) Market, State and Community. Oxford: Oxford University Press.
4. Cohen, G. A. (1995) Self-Ownership, Freedom and Equality. Cambridge: Cambridge University Press.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Freiheit Nussbaum Brocker I 891
Freiheit/NussbaumVsSen/Nussbaum: Nussbaum geht es - mehr als Amartya Sen - um die Festlegung eines Kerns bestimmter »Befähigungen« (»capabilities«) als unverzichtbare Grundvermögen. Anders formuliert: Zu »substantiell« (»substantial«) verhält sich »prozedural« (»procedural«) als Gegenbegriff.(1) SenVsVs/SenVsNussbaum/Dierksmeier: Doch war es ja gerade der Clou der Sen’schen »wesentlichen Freiheit« (»substantive freedom«), dass bei ihr das prozedurale und partizipatorische Moment keinesfalls an den Rand gedrängt, sondern vielmehr ins Zentrum gerückt wird. Vgl. >Freiheit/Sen, >Fähigkeiten/Sen.


1. Martha C. Nussbaum, Not for Profit. Why Democracy Needs the Humanities, Princeton 2010, S. 18


Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gerechtigkeit Hayek Mause I 197
Gerechtigkeit/Hayek: HayekVsRawls: Hayeks Philosophie der Freiheit versteht Redistribution als unzulässigen Eingriff in die Autonomierechte von Individuen und lehnt sie daher aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit ab. (1)
Hayek These: die übergeordnete Norm ist die der individuellen Autonomie. Begriffe, die diese Autonomie begrenzen, bedürfen der Rechtfertigung. Bsp Re-Distribution: halt dieser Rechtfertigung nicht stand, da der Markt für Hayek unübertroffen effizient ist.
Markt/Hayek: Der Markt benötigt für seine optimale Funktionsfähigkeit nur die Rechtsgleichheit der Marktteilnehmer, eine maximale Vertragsfreiheit und ein minimales soziales Sicherungssystem. Jede weitere Maßnahme zur Umverteilung würde nicht nur den Anreiz zur eigenen Existenzsicherung unterdrücken. Sie hätte zudem auch keine Legitimation: mögliche ungleiche Tauschergebnisse des Marktes sind nicht-intendierte Folge von individuellem Handeln und können aufgrund der fehlenden Intentionalität keine Folgeverantwortlichkeit begründen. (2)
VsHayek: dieser berücksichtigt nicht, dass Interessengruppen Einfluss auf die Preisbildung nehmen können bzw. eine Vielzahl von Leistungen nicht über den Markt erfolgt. (3)
Mause I 203
Gerechtigkeit/Gerechtigkeitstheorien/Hayek: Wo Hayek auf das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit setzt, richtet Rawls den Fokus auf die Chancengerechtigkeit, während Sens Prinzip der Teilhabegerechtigkeit der Bedarfsgerechtigkeit sehr nahe kommt. (4)(5) RawlsVsHayek, HayekVsRawls, SenVsRawls, RawlsVsSen, SenVsRawls, SenVsHayek, HayekVsSen.


1. F. A. von Hayek, Die Verfassung der Freiheit. Tübingen 1971.
2. W. Kersting, Kersting, Theorien der sozialen Gerechtigkeit. Stuttgart 2000, S. 60-63.
3.I. Becker, R. Hauser, 2011. Soziale Gerechtigkeit – ein magisches Viereck: Zieldimensionen, Politikanalysen und empirische Befunde. Berlin 2011, S. 31-34.
3. Sven Jochem, Reformpolitik im Wohlfahrtsstaat: Deutschland im internationalen Vergleich. Berlin 2009, S. 68.
4. Vgl. Rieger, Elmar, und Stephan Leibfried, Kultur versus Globalisierung: Sozialpolitische Theologie in Konfuzianismus und Christentum. Frankfurt am Main 2004, S. 44.

Hayek I
Friedrich A. Hayek
The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Leben Nussbaum Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum, Leben/Sen. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Leben Sen Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Rechte Nussbaum Brocker I 903
Rechte/NussbaumVsSen/Nussbaum: In Abgrenzung zu Sen, der Rechte als Voraussetzung für die Formulierung von Bedürfnissen darstellt, sieht Nussbaum die Vorzüge ihrer Theorie darin, zunächst von Fähigkeiten auszugehen und dann auf Rechte zu schließen. Bsp Entwicklungspolitik/Nussbaum: Im Kontext internationaler Entwicklungspolitik zeige sich etwa in Bezug auf Eigentumsrechte, dass der Ausgang von
Brocker I 904
Fähigkeiten statt von Rechten den Blick für besonders Benachteiligte schärfe. Der Ansatz könne etwa Sonderprogramme zur Herstellung von Möglichkeiten und Fähigkeiten für diese Benachteiligten legitimieren, während der Ausgang von gleichen Rechten solche Sonderprogramme zumindest erschwere(1). >Fähigkeiten/Nussbaum. Die Sprache der Rechte werde oft (fälschlicherweise) mit der Tradition der europäischen Aufklärung verknüpft, was unter Umständen Vorwürfe des »westernizing« provoziere.


1. Martha C. Nussbaum, Women and Human Development. The Capabilities Approach, Cambridge 2000, p, 98f



Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Urteilskraft Kant Gadamer I 38
Urteilskraft/Kant/Gadamer: (...) wo dieser Begriff, wie im Pietismus oder in der Philosophie der Schotten(>Reid), eine polemische Wendung gegen die Metaphysik bedeutet, bleibt er damit noch in der Linie seiner ursprünglichen kritischen Funktion. Dagegen ist Kants Aufnahme dieses Begriffs in der „Kritik der Urteilskraft“ ganz anders akzentuiert(1). Kant/Gadamer: Der grundlegende moralische Sinn dieses Begriffs hat bei ihm keinen systematischen Ort mehr.
KantVsEmotivismus/KantVsSensus communis: Bekanntlich hat er seine Moralphilosophie geradezu im Gegenzuge gegen die in der englischen Philosophie entwickelte Lehre vom „moralischen Gefühl“ entworfen. So ist der Begriff des sensus communis aus der Moralphilosophie von ihm ganz ausgeschieden worden.
Was mit der Unbedingtheit eines moralischen Gebotes auftritt, kann nicht auf ein Gefühl gegründet werden, auch dann nicht, wenn man damit nicht die Einzelheit des Gefühls, sondern die Gemeinsamkeit des sittlichen Empfindens meint. Denn der Charakter des Gebots, der der Moralität eignet, schließt die vergleichende Reflexion auf andere grundsätzlich aus. Die Unbedingtheit des moralischen Gebots bedeutet für das moralische Bewusstsein gewiss nicht, daß es bei der Beurteilung anderer starr sein dürfe. Vielmehr ist es sittlich geboten, von den subjektiven Privatbedingungen des eigenen Urteils zu abstrahieren und sich in den Standpunkt des anderen zu versetzen. >Sittengesetz/Kant.
Gadamer I 39
So bleibt für Kant von der Reichweite dessen, was man ein sinnliches Urteilsvermögen nennen könnte, nur das ästhetische Geschmacksurteil übrig. Hier kann man von einem wirklichen Gemeinsinn reden. So zweifelhaft es sein mag, ob man beim ästhetischen Geschmack von Erkenntnis reden darf, und so gewiss im ästhetischen Urteil nicht nach Begriffen geurteilt wird, so steht doch fest, daß im ästhetischen Geschmack die Zumutung der allgemeinen Beistimmung gedacht ist, auch wenn er sinnlich und nicht begrifflich ist. Der wahre Gemeinsinn also, sagt Kant, ist der Geschmack. >Geschmack/Kant.
Gadamer I 44
Es ist (...) keineswegs so, daß die Urteilskraft nur im Bereich von Natur und Kunst als Beurteilung des Schönen und Erhabenen produktiv ist, ja man wird nicht einmal mit Kant(2) sagen, daß dort eine Produktivität der Urteilskraft anzuerkennen sei. Vielmehr ist das Schöne in Natur und Kunst durch das ganze weite Meer des Schönen zu ergänzen, das in der sittlichen Realität des Menschen seine Ausbreitung hat.
Gadamer I 45
Immer handelt es sich offenkundig nicht nur um logische, sondern auch um ästhetische Urteilskraft. Der Einzelfall, an dem die Urteilskraft tätig wird, ist nie ein bloßer Fall; er erschöpft sich nicht darin, die Besonderung eines allgemeinen Gesetzes oder Begriffes zu sein. Er ist vielmehr stets ein „individueller Fall“ und bezeichnenderweise sagen wir dafür: ein besonderer Fall, ein Sonderfall, weil er von der Regel nicht erfasst wird.
Gadamer I 46
Geisteswissenschaften/Ästhetik/Ethik/Kant/Gadamer: Blickt man nun auf die Rolle, die Kants Kritik der Urteilskraft innerhalb der Geschichte der Geisteswissenschaften spielt, wird man sagen müssen, daß seine transzendental-philosophische Grundlegung der Ästhetik nach beiden Seiten folgenreich war und einen Einschnitt darstellt. Sie bedeutet den Abbruch einer Tradition, aber zugleich die Einleitung einer neuen Entwicklung. Sie hat den Begriff des Geschmacks auf das Feld eingeschränkt, auf dem er als ein eigenes Prinzip der Urteilskraft selbständige und unabhängige Geltung beanspruchen konnte - und engte umgekehrt damit den Begriff der Erkenntnis auf den theoretischen und praktischen Vernunftgebrauch ein. Die transzendentale Absicht, die ihn leitete, fand an dem eingeschränkten Phänomen des Urteils über das Schöne (und Erhabene) Erfüllung und verwies den allgemeineren Erfahrungsbegriff des Geschmacks und die Tätigkeit der ästhetischen Urteilskraft im Bereich von Recht und Sitte aus dem Zentrum der Philosophie. >Ästhetik/Kant.

1. Kritik der Urteilskraft, S 40.
2. Ebenda, S. VII.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977