Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
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Autor
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Literatur
Literatur
Entscheidbarkeit Hintikka II 7
Standard-Semantik/Kripke-Semantik/Hintikka: Welche Unterschiede gibt es eigentlich? Der Graben zwischen ihnen ist viel tiefer als es zuerst scheint. Cocchiarella: Cocchiarella hat aber gezeigt, dass schon im einfachsten quantifikatorischen Fall, der monadischen Prädikatenlogik, die Standardlogik sich radikal von ihrem Kripkeschen Cousin unterscheidet.
Entscheidbarkeit: Monadische Prädikatenlogik ist, wie Kripke gezeigt hat, entscheidbar.
Die Kripke-Semantik ist dagegen unentscheidbar. Entscheidbarkeit impliziert Axiomatisierbarkeit.
II 208
Entscheidungsproblem/Prädikatenkalkül/Hao Wang: These: Das Problem entspricht der Aufgabe, die Euklidische Fläche mit quadratischen Dominosteinen unterschiedlicher Größe lückenlos auszufüllen. Von jeder Größe muss mindestens ein Stein einmal gebraucht worden sein.
Bsp Logische Allwissenheit: Logische Allwissenheit kommt jetzt folgendermaßen herein:
An bestimmten Punkten kann ich wahrheitsgemäß nach meiner Wahrnehmung sagen:
(5) Ich sehe, dass diese Domino-Aufgabe unmöglich zu lösen ist.
In anderen Fällen kann ich das nicht wahrheitsgemäß sagen.
Problem/HintikkaVsBarwise/HintikkaVsSituations-Semantik/Hintikka: Nach Barwise/Perry sollte es wahr sein von jedem unerfüllbaren Domino-Problem, dass ich die Unlösbarkeit sofort sehe, sobald ich die Formen der verfügbaren Steine sehe, denn die Unerfüllbarkeit folgt logisch aus der visuellen Information.
Lösung/Semantik möglicher Welten/Hintikka: Nach dem Urnenmodell gibt es kein Problem.
II 209
Allwissenheit/Symmetrie/Hintikka: Situations-Semantik: Das Urnen-Modell braucht Situations-Semantik, um das zweite Problem der logischen Allwissenheit zu lösen. Semantik möglicher Welten: Die Semantik möglicher Welten braucht ihrerseits Situations-Semantik, um das erste Problem zu lösen.

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Situationssemantik Barwise Cresswell II 169
Situations-Semantik/Barwise/Perry/Cresswell: (Barwise/Perry, 1983): hier wird explizit verneint, daß logisch äquivalente Sätze in Kontexten mit prop Einst. austauschbar sind. (1983, 175, 1981b, 676f) - Bsp doppelte Negation bei der Zuschreibung von prop Einst. - Lösung: partieller Charakter von Situationen. - Nicht alles muß angegeben sein - bzw. der Sprecher kann sich des Urteils enthalten haben. ("nicht nicht...") - Def Satzbedeutung/Barwise/Perry: eine Relation zwischen Situationen.
Cresswell I 63
Situations-SemantikVsMöWe-Semantik/Wissen/Bedeutung/Barwise/Perry/BarweiseVsCresswell/ PerryVsCresswell/Cresswell: die möglichen Weltenseien zu groß um das zu erklären, was der Sprecher weiß, wenn er einen bedeutungsvollen Satz äußert. Mögliche Welten: sind vollständige mögliche Situationen.
Situations-Semantik: wir brauchen eine mehr partielle Art von Entität. ((s) partial, nichts vollständiges).
CresswellVsSituations-Semantik: (Cresswell 1985a, 168 ff, 1985b, Kapitel 7)
Lösung/Cresswell: These: die Situationen müssen nur in dem Sinn partiell sein, dass sie kleine Welten sind.
Def Abstrakte Situation/Barwise/Perry: (1983, 57 ff). sind theoretische Konstrukte, die für eine adäquate semantische Modellierung der Realität gebraucht werden, die aus realen Situationen besteht.
Cresswell: diese Unterscheidung ignoriere ich hier. Die Semantik möglicher Welten ist da besser, auch wenn man zwischen Realität und theoretischer Repräsentation unterscheidet.
Was wir vergleichen müssen, sind abstrakte Situationen und Welten.
I 64
Einstellungs-SemantikVsMöWe-Semantik/BarwiseVsCresswell: es gibt oft zwei Propositionen, von denen eine von der Person geglaubt wird, die andere aber nicht, aber dennoch beide in denselben Welten wahr sind – Bsp alle logischen und mathematischen Wahrheiten – aber sie werden nicht alle gewusst, sonst könnte es keinen Fortschritt geben.
I 65
CresswellVs: die Situationen sollen Rollen spielen, die gar nicht gleichzeitig gespielt werden können – Lösung: -Semantik möglicher Welten: die Rollen werden durch Entitäten verschiedener Art gespielt. Lösung: Kontext mit Raum-Zeit-Angabe – falsche Sätze: beschreiben nicht-aktuale Situationen.
I 66
Sätze beschreiben Situationen in einem Kontext – Kontext ist selbst eine Situation, die dem Hörer Zeit, Ort usw. liefert – Interpretation/Barwise: Bedeutung von Sätzen in einem Kontext. Bedeutung/CresswellVsSituations-Semantik/CresswellVsBarwise/CresswellVsPerry: Bedeutung: = Menge der Welten, in denen sie wahr sind.
Problem: Bedeutungen werden oft mit Propositionen gleichgesetzt und dann gibt es Probleme, dass sie Rollen spielen sollen, die sie nicht gleichzeitig spielen können.
I 67
Andererseits verhalten sich einige der anderen Dinge, die Barwise und Perry von Situationen verlangen, wie Welten! Bsp Mollie bellt
e*:= in l: bellt, Mollie, ja.
Das beschreibt eine Situation e gdw. e* < e. ((s) Teilmenge der Situationen, wo Mollie sonst noch bellt? Oder wo Mollie existiert und jemand bellt?).
Def Generierungseigenschaft/Terminologie/Cresswell: (generation property): haben solche Sätze, die eine Situation beschreiben ((s) die Teil einer Menge von Situationen ist). Ein Satz  hat die Generierungseigenschaft im Hinblick auf einen Kontext u, gdw. es eine Situation e* gibt, so dass
u [[φ]] e gdw. e* < e.
((s) Wenn es einen Satz gibt, der allgemeiner ist als der Satz „Mollie bellt in der Raum-Zeit-Situation l“ Oder: Generierungseigenschaft ist die Eigenschaft, die den Satz in den Kontext einbettet, weil Propositionen als Mengen von Welten nicht auf eine einzige Situation beschränkt sein dürfen).
Der Satz φ hat die Generierungseigenschaft schlechthin (simpliciter) gdw. er sie in jedem Kontext hat.
Atomsatz/BP: These alle atomaren Sätze haben die Generierungseigenschaft.
Cresswell: wenn Situationen als Propositionen aufgefasst werden, sollten alle Sätze die Generierungseigenschaft haben. Und zwar weil die generierende Situation e* als die Proposition aufgefaßt werden kann, die von dem Satz  im Kontext u ausgedrückt wird.
Tatsächlich brauchen wir die anderen Situationen gar nicht! Wir können sagen, dass e* die einzige Situation ist, die von  in u beschrieben wird. Aber das ist ohne Bedeutung, weil jedes e* die einzige Klasse von e’s bestimmt, so dass e* < e, und jede Klasse, die von einem e* generiert wird, bestimmt dieses e* eindeutig.

Barw I
J. Barwise
Situations and Attitudes Chicago 1999

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984
Situationssemantik Hintikka II XVII
Situationssemantik/Barwise/Perry/Hintikka: Die Situationssemantik ist gar nicht so weit entfernt von der Semantik möglicher Welten. Mögliche Welten/Hintikka: Mögliche Welten sind oft eher wie Situationen, nicht immer abgeschlossene Welten. Sie sind eher Ereignisverläufe in einer kleinen Ecke des Universums und verwandt mit Situationen.
Unterschied: Alternative Situationen könnten sich in ein und derselben Welt abspielen.
II XVIII
Situationssemantik/Hintikka: Die Situationssemantik ist kein ernsthafter Rivale der Semantik möglicher Welten.
II 206
Situationssemantik/Barwise/Perry/B/P/Hintikka: Ihre Situationssemantik ist eine willkommene Ergänzung der Semantik möglicher Welten. Situation/Hintikka: Eine interessante Frage ist, wie kleine egozentrische Situationen zusammengesetzt werden können, um ein größeres umfassendes „Weltbild“ zu ergeben.
Relationen: Es sollte mindestens drei Arten von Relationen zwischen Situationen geben:
1. räumliche,
2. zeitliche und 3. die Unterscheidung zwischen feinkörnigeren und grobkörnigeren Situationen.
Am besten ist es, diese isoliert voneinander zu studieren.
II 207
Situationssemantik/Barwise/Perry/Allwissenheit/Hintikka: Wie kann sie das Problem der logischen Allwissenheit lösen? Barwise/Perry: Barwise und Perry bringen folgendes Bsp
(1) a sieht, wie b X-t
daher
(2) a sieht, wie b Y-t
wenn X-en logisch impliziert, zu Y-en. ((s) Bsp gehen, sich bewegen).
Lösung/B/P: Barwise und Perry nehmen an, dass es reichere und ärmere Situationen und Relationen zwischen ihnen gibt.
HintikkaVsBarwise/HintikkaVsSituationssemantik/Hintikka: Das ist aber kein Triumph über die Semantik möglicher Welten, und zwar aus zwei Gründen:
1. Weil es jetzt um die Relation fein/grob (feinkörnig/grobkörnig) geht, ist es nichts, womit die Semantik möglicher Welten zu tun hat.
2. Die Semantik möglicher Welten hat das Problem durch Rantalas Urnen-Modelle (sich verändernde Welten, je nachdem ob gezogene Kugeln zurückgelegt werden, oder nicht) gelöst.
Barwise/Perry: Beide betrachten nur Fälle von Allwissenheit, die durch Einführung neuer deskriptiver Termini in die Konklusion entstehen,...
II 208
...und über das hinausgehen, was in den Prämissen erwähnt wird. Hintikka/Rantala: Wir beide haben Fälle betrachtet, die die Einführung neuer Individuen erfordern, um die Gültigkeit der Inferenz zu sichern.
Bsp
(3) Robert sah jemand jedem Jungen sein eigenes Buch geben.
(4) Robert sah jeden Jungen, wie ihm ein Buch von jemand gegeben wurde.
Frage: Impliziert (entails) (3) logisch (4)?
Situationssemantik/Barwise/Perry: Nach ihr ja.
Semantik möglicher Welten/Hintikka: Nach der Semantik möglicher Welten ist es zumindest fraglich.

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Vollständigkeit Cresswell I 69
Unvollständigkeit/Vollständigkeit/unvollständig/CresswellVsSituations-Semantik/CresswellVsBarwise/CresswellVsPerry: die Frage der Vollständigkeit ist weniger klar als sie scheint: 1. Wie soll man
u [[φ]] e

verstehen? „In Kontext u beschreibt φ die Situation e“.
e: haben wir bis jetzt als Proposition aufgefaßt. Aber man kann eine Situation genauso gut als Welt auffassen, so dass es dann heißen würde:

„im Hinblick auf Kontext u ist φ wahr in e“.

Bsp Disjunktion/BP/Cresswell: ihre Konstruktion erfordert, dass Situationen als mögliche Welten aufgefasst werden, aber damit wird die Situationssemantik zu einer Semantik möglicher Welten.

Unvollständigkeit/unvollständig/partiell/Proposition/Semantik möglicher welten/Cresswell: Bsp Disjunktion:

(1) Morgen früh zwischen 9 und 12 werde ich entweder zu Hause oder an der Uni sein.
Das ist zwar keine Satz-Disjunktion, aber es ist äquivalent zu

(2) Entweder werde ich zu Hause sein zwischen 9 und 12 morgen oder
ich werde an der Uni sein zwischen 9 und 12 morgen.

was eine Disjunktion ist von

(3) Ich werde zu Hause sein, zwischen 9 und 12 morgen

und

(4) Ich werde an der Uni sein zwischen 9 und 12 morgen.

Wenn wir außerdem Sprecher, Datum usw. haben, teilen sich die möglichen Welten in zwei Klassen auf, die, in denen (1) wahr ist und die in denen (1) falsch ist. ((s) es geht hier immer um (1) nicht um die einzelnen Alternativen!).
Unter den Welten, in denen (1) wahr ist, können auch welche sein, in denen ich an beiden Orten bin, wenn auch nicht zur selben Zeit!
I 70
Unvollständig/Disjunktion/Mögliche Welten/Cresswell: aber es werden natürlich auch solche Welten in der Menge sein, wo ich an dem einen Ort bin, aber nicht an dem anderen. In diesem Sinn ist (1) unvollständig. D.h. die Proposition kann auf verschiedene Weisen wahr gemacht werden. Situation/unvollständig/Cresswell: wenn eine Situation wie eine Proposition sein soll, dann muss, damit die Situation unvollständig ist, eine einzelne (einzige) Situation durch (1) beschrieben werden, was die Situation meines zu-hause-oder-an-der-Uni-seins ist ((s) „disjunktive Situation“, „alles in einem“) und nicht eine ((s) Disjunktion von Situationen), in der ich in Situation a) zu hause bin oder Situation b) an der Uni bin.
Jedes Element der Klasse ist entweder eine zu-Hause-Welt oder eine an-der-Uni-Welt aber es ist nicht wahr, dass jedes Element eine zu-hause-Welt oder jedes eine an-der-Uni-Welt ist.
D.h. die Proposition ist unvollständig. (partielle Proposition)..
Unvollständigkeit/ /Cresswell: Barwise/Perry kann man so verstehen (Perry 1986, S 85), dass sie Situationen für unvollständig halten. Begründung: eine Situation gibt keine Antwort auf jede Frage.

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Situations-Sem. Cresswell, M.J. I 65
CresswellVsSituations-Semantik/CresswellVsBarwise/CresswellVsPerry: Die sogenannten "Situationen" sollen Rollen spielen, die gar nicht gleichzeitig gespielt werden können. Lösung/Cresswell: MöWe-Semantik/Semantik möglicher Welten: hier werden die verschiedenen Rollen durch Entitäten ganz verschiedener Art gespielt.
Kontext: dass die Bedeutung eines Satzes in der Metasprache die Menge der möglichen Welten ist, in der der Satz wahr ist, muss auf einen Kontext bezogen werden. D.h. sie brauchen Angaben über Ort, Zeit, Sprecher, usw.
I 77
CresswellVsSituations-Semantik/CresswellVsBarwise/CresswellVsPerry/MöWe-Semantik: Fazit: SS: kennt nur Entitäten einer einzigen Art (Situationen)
MöWe-Semantik: nimmt drei Arten von Entitäten an:
1. Mögliche Welten, die einzeln und vollständig sein, und im Hinblick auf die Wahrheit bewertet wird.
2. Propositionen - Klassen von MöWe - stehen in logischen Relationen und sind die Bedeutungen von Sätzen in einem Kontext.
3. Individuen (Einzeldinge) unter ihnen Ereignisse.
Situationen/Cresswell: These können als eine von jeder dieser Art Entitäten betrachtet werden!
Problem: tritt nur auf, wenn man nur eine Art von Entität annimmt, die alle diese Rollen spielen soll.
Situations-Sem. Perry, J. Cresswell I 63
Situations-SemantikVsMöWe-Semantik/Semantik mögllicher Welten/Wissen/Bedeutung/Barwise/Perry/BarweiseVsCresswell/ PerryVsCresswell/Cresswell: die MöWe seien zu groß um das zu erklären, was der Sprecher weiß, wenn er einen bedeutungsvollen Satz äußert. MöWe: sind vollständige mögliche Situationen.
Situations-Semantik: wir brauchen eine mehr partielle Art von Entität. ((s) partial, nichts vollständiges).
CresswellVsSituations-Semantik: (Cresswell 1985a, 168 ff, 1985b, Kapitel 7)
Lösung/Cresswell: die Situationen müssen nur in dem Sinn partiell sein, daß sie kleine MöWe sind.
I 64
Einstellungs-Semantik/Cresswell: (Cresswell 1985b) ich verteidige den Zugang zu propositionalen Einstellungen über MöWe-Semantik.
I 73
Barwise/Perry: These: damit Joe sieht, daß Sally raucht oder nicht raucht müßte er entweder sehen wie sie raucht oder sehen, wie sie nicht raucht.

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984