Lexikon der Argumente


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Adverse Selektion Barr Gaus I 213
Adverse Selektion/Öffentliche Güter/Sozialstaat/Barr/Moon: [in einem Wohlfahrtsstaat] kann die freiwillige Sozialfürsorge (...) nicht alle Menschen in einer Gesellschaft abdecken. Viele Menschen in der Blütezeit der Hilfsvereine waren keine Mitglieder, und Nichtmitglieder gehörten oft zu den am wenigsten Begünstigten, zu denen ohne feste Arbeitsplätze und einen sicheren Platz in der Gemeinschaft. >Wohlfahrtsstaat, >Gesellschaft.
Adverse Selektion: Organisationen, die Schutz anbieten, erkennen an, dass diejenigen, die am ehesten Schutz benötigen, über
Gaus I 213
den größte Anreiz verfügen, sie zu suchen und so einer Hilfsvereinigung beizutreten oder sich zu versichern, während diejenigen mit den geringsten Risiken einen Anreiz haben, sich nicht versichern zu lassen. Infolge dieses Prozesses der "adversen Selektion" werden die Risiken tendenziell auf einen immer kleineren Teil der Bevölkerung verteilt, und die Prämien müssen entsprechend steigen. Dieser Prozess der adversen Selektion kann sich bis zu dem Punkt fortsetzen, an dem die meisten Schutzbedürftigen sich den Schutz nicht mehr leisten können, weil die Prämien so hoch steigen müssen, dass alle bis auf die Schwächsten aussteigen. Der Wohlfahrtsstaat kann dem Problem der adversen Selektion entgegenwirken, indem er die Mitgliedschaft obligatorisch macht: "weil geringe Risiken nicht aussteigen können, ermöglicht er eine Pooling-Lösung" (Barr, 1992(1): 755). >Versicherungen.
Moral hazard: Die adverse Selektion wird durch einen zweiten Prozess oder eine zweite Bedingung, das so genannte "moral hazard", verstärkt. Personen, die gegen ein bestimmtes Risiko versichert sind, sind unter Umständen eher bereit, Risiken einzugehen, als sie es ohne Versicherung wären. Das Wissen, dass im Falle einer Erkrankung oder Verletzung meine Arztrechnungen gedeckt sind, kann meine Bereitschaft zu riskantem Verhalten, wie z.B. Skifahren, erhöhen. In dem Maße, wie dies geschieht, können Organisationen mit höheren Ansprüchen konfrontiert werden, wodurch sie gezwungen sind, ihre Gebühren zu erhöhen, und andere davon abgehalten werden, Schutz zu kaufen. Noch offensichtlicher ist, dass die Arbeitslosenversicherungssysteme einem moral hazard unterliegen, da ich weiß, dass ich versichert bin, wenn ich arbeitslos bin, einen Anreiz habe, zu kündigen (oder mich feuern zu lassen) und/oder keine Arbeit zu suchen oder anzunehmen. Natürlich unterliegen auch staatliche Systeme dem moralischen Risiko, aber der springende Punkt ist, dass das tatsächliche Risiko des Arbeitsplatzverlustes, wenn es überhaupt gedeckt werden soll, durch ein öffentliches Programm abgedeckt werden muss (siehe Barr, 1998(2): 190-2).
>Moral Hazard.

1. Barr, Nicholas (1992) 'Economic theory and the welfare state'. Journal of Economic Literature, 30 (2): 741-803.
2. Barr, Nicholas (1998) The Economics of the Welfare State, 3rd Ed. Stanford, CA: Stanford University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Aktienkurse Benguria Benguria I 1
Aktienkurse/Zölle/Benguria/Saffie: Wir finden*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; höhere Zölle sind vielmehr mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell vereinbar ist, das Handelsreallokationen zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in die übrige Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden.
Benguria I 3
Es gibt (...) neuere Arbeiten, die sich auf den Zusammenhang zwischen Handelspolitik und Aktienkursen im Zusammenhang mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China konzentrieren [Amiti et al.(1), 2024, Huang et al., 2023](2) (...). >Internationaler Handel, >Handelspolitik, >Handelskriege.

* Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 02138 July 2025

1. M. Amiti, M. Gomez, S. H. Kong, and D. E. Weinstein. Trade protection, stock-market returns, and welfare. NBER Working Paper No. 28758, 2024.
2. Y. Huang, C. Lin, S. Liu, and H. Tang. Trade networks and firm value: Evidence from the US-China
trade war. Journal of International Economics, 145:103811, 2023.

Benguria I
Felipe Benguria
Felipe Saffie
Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025
Arbeit Giddens Gaus I 219
Arbeit/Wohlfahrtsstaat/Giddens/Moon: [die] Verpflichtung zur Arbeit ist keine oder nicht nur eine Forderung an das Individuum, der es sich vernünftigerweise widersetzen möchte, denn letztlich wurzelt sie in einem Ideal der sozialen Eingliederung und aktiven Bürgerschaft, durch das die eigenen Interessen und Bedürfnisse des Individuums verwirklicht werden können. Anthony Giddens spricht dieses Thema in seiner Forderung nach "der positiven Wohlfahrtsgesellschaft" an, in der "sich der Vertrag zwischen Individuum und Regierung verschiebt, da Autonomie und die Entwicklung des Selbst - das Medium der wachsenden individuellen Verantwortung - in den Mittelpunkt rücken" (1998(1): 128). >Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien. Giddens: Wenn der traditionelle "Wohlfahrtsstaat" durch den "Sozialinvestitionsstaat" ersetzt wird, würde die Aufgabe der Regierung darin bestehen, in "Humankapital" zu investieren und nicht in "die direkte Bereitstellung von wirtschaftlicher Erhaltung" (1998(1): 117). Obwohl er einräumt, dass Vollbeschäftigung möglicherweise nicht verwirklicht werden kann, fordert er eine Umverteilung der Arbeit, um möglichst viele Menschen einzubeziehen, und verschiedene Formen der Bezahlung für die Teilnahme an der "Sozialwirtschaft", der Sphäre der Zivilgesellschaft, die traditionell durch freiwillige Arbeit aufrechterhalten wird. >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik.

1. Giddens, Anthony (1998) The Third way: The Renewal of Social Democracy. Cambridge: Polity.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Arbeit Mead Gaus I 219
Wohlfahrtsstaat/Arbeit/Lawrence Mead/Moon: Man kann anerkennen, dass Menschen auf "Wohlfahrt" angewiesen sind, weil ihre Möglichkeiten so begrenzt sind und ihr Zustand daher eher eine Anklage gegen die Gesellschaft als gegen die betroffenen Individuen darstellt, aber Tatsache bleibt, dass der Bezug von Sozialhilfe es nicht ermöglicht, die volle Staatsbürgerschaft oder Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu erlangen. Sie halten die Person lediglich in einem marginalisierten Zustand. Soziale Eingliederung erfordert mehr als den Bezug von Leistungen. Lawrence Mead: Diese Argumentationslinie ist von einer Reihe "konservativer" Kritiker des Wohlfahrtsstaates vertreten worden. Lawrence Mead (1992)(1) zum Beispiel argumentiert, dass sich der Charakter der Armut zumindest in Amerika in den letzten Jahrzehnten verändert hat und dass die soziale Ausgrenzung, die durch Armut dargestellt wird, die Unfähigkeit armer Menschen widerspiegelt, als rationale Handelnde selbst ihre eigenen Interessen zu verfolgen.*
Der Schlüssel zur Überwindung dieser Ausgrenzung liegt darin, den passiven Armen die Fähigkeit zur Handlungsfähigkeit zu vermitteln, zu handeln, um ihre eigenen Interessen zu fördern und ihr eigenes Leben zu kontrollieren, indem ihnen angemessene disziplinarische Kontrollen auferlegt werden. Wenn Armut zu sozialer Ausgrenzung führt und somit ein Hindernis für die Staatsbürgerschaft darstellt, dann muss der Staat dafür sorgen, dass seine Bürger die Fähigkeiten entwickeln, die es ihnen ermöglichen, der Armut zu entkommen. Die wichtigste Politik ist nach Meads Ansicht die "Workfare"; von den Armen muss verlangt werden, dass sie als Voraussetzung für ihre Unterstützung arbeiten, denn wenn sie nicht die Disziplin und das Gefühl der Erfüllung entwickeln, die Arbeit mit sich bringt, werden sie nicht in der Lage sein, sich den Bedingungen der Abhängigkeit zu entziehen. Die Sozialpolitik muss einen explizit "paternalistischen" Charakter annehmen, und der Staat muss selbstbewusst eine schützende Rolle übernehmen.
Mead hält es für möglich, dass "öffentliche Bevormundung dazu beitragen könnte, informelle (soziale) Kontrollen zu regenerieren, indem Gemeindeorganisationen in Richtlinienprogramme einbezogen werden" (1997(2): 27-8). In diesem Fall müsse "Paternalismus in seinem öffentlichen Sinn nicht dauerhaft sein", sondern nur, weil die notwendigen Disziplinen durch andere soziale Einrichtungen auferlegt werden.
>Sozialpolitik, >Paternalismus.

* Es sei darauf hingewiesen, dass Mead die Charakterisierung seiner Position als "konservativ" ablehnen würde, da er argumentiert, dass zumindest in Amerika die konservative Position die liberale Annahme teilt, dass die Armen "kompetent" sind, und glaubt, dass das Problem der Armut durch die Art und Weise verursacht wird, in der Wohlfahrtsprogramme die Anreize für arme Menschen verfälschen. Die Lösung besteht also nicht in einer Reform der Armen, sondern in der Abschaffung der Wohlfahrtsprogramme. Zweifellos spiegelt diese Ansicht die Denkweise einiger Konservativer wider, jedoch sehen andere selbsternannte Konservative das Thema ähnlich wie Mead.

1. Mead, Lawrence M. (1992) The New Politics of Poverty. New York: Basic.
2. Mead, Lawrence M., ed. (1997) The New Paternalism. Washington: Brookings Institution.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Mead I
George Herbert Mead
Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Arbeit Rose Gaus I 219
Arbeit/Wohlfahrtsstaat/Rose/Moon: Nikolas Rose hat darauf hingewiesen, dass die Betonung der bezahlten Beschäftigung kein Monopol der Rechten ist: "Auch von der "sozialdemokratischen Linken" wird Arbeit heute als die [wichtigste] Form der Eingliederung gesehen, und die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist die stärkste Quelle der Ausgrenzung" (1999(1), 163). (...) die zeitgenössische "Organisation der Freiheit" sieht den Einzelnen als am besten in der Lage an, "seine politischen Verpflichtungen in Bezug auf Reichtum, Gesundheit und Glück der Nation nicht dann zu erfüllen, wenn er in Abhängigkeits- und Verpflichtungsverhältnisse eingebunden ist, sondern wenn er versucht, sich als freier Mensch zu verwirklichen", was "von der Aktivierung der Kräfte des Bürgers abhängt" (1999(1): 166). >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik.

1. Rose, Nikolas (1999) Powers of Freedom. Cambridge: Cambridge Umversity Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
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Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Arbeit Wohlfahrtsökonomik Gaus I 218
Arbeit/Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomie/Moon: Der Streit über die Notwendigkeit eines effektiven Funktionierens im Gegensatz zum bloßen Zugang zu Ressourcen ist im Bereich der Arbeit am hitzigsten geführt worden. (Vgl. >Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien). Wenn die demokratische Staatsbürgerschaft verlangt, dass alle in die Lage versetzt werden, voll an der Gesellschaft teilzuhaben, dann müssen die Menschen nicht nur über bestimmte Ressourcen, sondern auch über bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Dispositionen verfügen.
Gaus I 219
Man kann anerkennen, dass die Menschen auf "Wohlfahrt" angewiesen sind, weil ihre Möglichkeiten so begrenzt sind und ihr Zustand daher eher eine Anklage gegen die Gesellschaft als gegen die betroffenen Individuen darstellt, aber Tatsache bleibt, dass der Bezug von Sozialhilfe es nicht ermöglicht, die volle Staatsbürgerschaft oder Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu erlangen. Sie halten eine Person lediglich in einem marginalisierten Zustand. Soziale Eingliederung erfordert mehr als den Erhalt von Leistungen.
Lawrence Mead: Diese Argumentationslinie ist von einer Reihe "konservativer" Kritiker des Wohlfahrtsstaates vertreten worden. Lawrence Mead (1992)(1) beispielsweise argumentiert, dass sich der Charakter der Armut zumindest in Amerika in den letzten Jahrzehnten verändert hat und dass die soziale Ausgrenzung, die durch Armut repräsentiert wird, die Unfähigkeit armer Menschen widerspiegelt, als rationale Handelnde selbst ihre eigenen Interessen zu verfolgen.* >Arbeit/Lawrence Mead.
Nikolas Rose: Nikolas Rose hat darauf hingewiesen, dass die Betonung der bezahlten Beschäftigung kein Monopol der Rechten ist: "Auch von der "sozialdemokratischen Linken" wird Arbeit heute als die [wichtigste] Form der Eingliederung gesehen, und die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist die stärkste Quelle der Ausgrenzung" (1999(2), 163).
David Harris: In einigen solidarischen Darstellungen beruft sich die Betonung der Arbeit auf eine ältere Sprache der Pflichten. In Harris' Bericht sind zum Beispiel die Pflichten, die mit unseren Wohlfahrtsrechten korrelieren "strenge Verpflichtungen" und können durch "Zwang" durchgesetzt werden (1987(3): 161).
Marshall: Darin knüpft [Harris] an Marshall an, der über die sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft hinausblickte, um die Pflichten des bereicherten und inklusiven Modells der Staatsbürgerschaft zu betrachten, das er befürwortete, einschließlich "der Pflicht zur Arbeit", die er für "überaus wichtig" hielt.
Gotmann/Thompson: In ähnlicher Weise bieten Amy Gutmann und Dennis Thompson eine Rechtfertigung für die Durchsetzung von Arbeitsverpflichtungen an, die sich auf die Idee der Staatsbürgerschaft stützt, indem sie argumentieren, dass "Arbeit als notwendiger Teil der Staatsbürgerschaft" (1996(4): 293) angesehen werden sollte, weil sie "wesentlich für die soziale Würde" sei. Da "das Verdienen nicht nur ein Mittel zum Lebensunterhalt ist, sondern auch ein Zeichen der gleichen Staatsbürgerschaft", hat die bezahlte Beschäftigung eine "politische Dimension", die "eine weitere Rechtfertigung für die Verpflichtung zur Arbeit darstellt" (1996(4): 302).
Giddens: Aber diese Verpflichtung zur Arbeit ist keine oder nicht nur eine Forderung an den Einzelnen, der er sich vernünftigerweise widersetzen möchte, denn letztlich wurzelt sie in einem Ideal der sozialen Eingliederung und aktiven Bürgerschaft, durch das die eigenen Interessen und Bedürfnisse des Einzelnen verwirklicht werden können. Anthony Giddens spricht dieses Thema in seiner Forderung nach "der positiven Wohlfahrtsgesellschaft" an, in der "sich der Vertrag zwischen Individuum und Regierung verschiebt, da Autonomie und die Entwicklung des Selbst - das Medium der wachsenden individuellen Verantwortung - in den Mittelpunkt rücken" (1998(5): 128).
Nikolas Rose: (...) die zeitgenössische 'Organisation der Freiheit' sieht den Einzelnen als am besten in der Lage an, 'seine politischen Verpflichtungen in Bezug auf den Reichtum, die Gesundheit und das Glück der Nation nicht dann zu erfüllen, wenn er in Abhängigkeits- und Verpflichtungsverhältnisse eingebunden ist, sondern wenn er versucht, sich als freier Mensch zu verwirklichen', was 'von der Aktivierung der Kräfte des Bürgers abhängt' (1999(2): 166).

* Es sei darauf hingewiesen, dass Mead die Charakterisierung seiner Position als "Konservativer" ablehnen würde, da er argumentiert, dass zumindest in Amerika die konservative Position die liberale Annahme teilt, dass die Armen "kompetent" sind, und glaubt, dass das Problem der Armut durch die Art und Weise verursacht wird, in der Wohlfahrtsprogramme die Anreize für arme Menschen verzerren. Die Lösung besteht also nicht in einer Reform der Armen, sondern in der Abschaffung der Wohlfahrtsprogramme. Zweifellos spiegelt diese Ansicht die Denkweise einiger Konservativer wider, aber andere selbsternannte Konservative sehen das Thema ähnlich wie Mead.

1. Mead, Lawrence M. (1992) The New Politics of Poverty. New York: Basic.
2. Rose, Nikolas (1999) Powers of Freedom. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
3. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
4. Gutmann, Amy and Dennis Thompson (1996) Democracy and Disagreement. Cambridge, MA: Harvard University Press.
5. Giddens, Anthony (1998) The Third way: The Renewal of Social Democracy. Cambridge: Polity.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Arbeitslosigkeit Moon Gaus I 212
Arbeitslosigkeit/Wohlfahrtsstaat/Institutionen/Moon: (...) private Unternehmen und Freiwilligenorganisationen sind schlecht ausgerüstet, um Einzelpersonen vor Einkommensverlusten aufgrund von Arbeitslosigkeit zu schützen. Nichtstaatliche Risiko-Pooling-Systeme funktionieren am besten, wenn die Chancen, dass eine Person an einer bestimmten Krankheit - z.B. Invalidität oder Tod - leidet, mehr oder weniger unabhängig von den Chancen anderer Personen sind und wenn die Gesamtrisiken, denen die Gruppe ausgesetzt ist, bekannt sind. Unter diesen Bedingungen kann jeder Einzelne in den Fonds einzahlen, der genug Geld ansammeln kann, um den Unglücklichen Vorteile zu verschaffen. Aber wenn die fraglichen Risiken nicht unabhängig sind, wenn das Leiden einer Person die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass andere ebenfalls leiden, dann kann ein privates System zusammenbrechen, da immer mehr Menschen von Beitragszahlern zu Anspruchsberechtigten werden und die Reserven der Gruppe erschöpft sind. Die Arbeitslosigkeit ist (zum Teil) zyklisch, was bedeutet, dass in einem Abschwung einige Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und infolgedessen ihren Konsum verringern, was andere Unternehmen dazu veranlasst, in einem sich ausweitenden Zyklus Arbeitnehmer zu entlassen.
Ein privates Unternehmen oder eine freiwillige Vereinigung, die eine Arbeitslosenversicherung anbietet, würde also Gefahr laufen, aus dem Geschäft auszuscheiden, da immer weniger Menschen einen Arbeitsplatz haben (und damit in den Fonds einzahlen) und immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und damit zu Antragstellern werden.
Weil staatlich geförderte Systeme im Gegensatz zu privaten Verbänden in der Lage sind, Defizite zu verwalten, und in dem Maße, in dem diese Defizite tatsächlich zur Ausweitung der Nachfrage und damit zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Stabilisierung der Wirtschaft beitragen, können sie Probleme lösen, die nichtstaatliche Systeme nicht lösen können.
>Wohlfahrtsstaat/Politische Philosophie, >Minimaler Wohlfahrtsstaat/Friedman, >Öffentliche Güter, >Institutionen/Barr.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Arrow-Theorem D’Agostino Gaus I 242
Arrow-Theorem/Pluralismus/Diversität/D'Agostino: Man betrachte eine Ansammlung von Individuen, von denen jedes wohlbegründete Präferenzen (oder Urteile) über einen Bereich alternativer sozialer Arrangements hat. Das Problem der kollektiven Wahl besteht darin, ein Verfahren zu spezifizieren, das (zumindest) minimale Bedingungen der Fairness erfüllt und eine Bewertung dieser alternativen Arrangements auf der Grundlage der Beurteilungen der Individuen liefert, die hinreichend determiniert ist, um die Auswahl eines von ihnen als das kollektiv verbindliche Arrangement für diese Gruppe zu rechtfertigen. Arrow: Was Arrow zeigt und was viele nachfolgende Basteleien bestätigt haben, ist, dass es kein formales Verfahren der Zusammenführung gibt, auf das man sich für diesen Zweck verlassen kann (siehe Arrow, 1979(1); und für hilfreiche Kommentare siehe Mueller, 1989(2), und Sen, 1970(3)). Insofern ein Verfahren die vorangegangenen Einschätzungen der verschiedenen Individuen fair anerkennt, wird es bei bestimmten Profilen von Einschätzungen an der Determiniertheit scheitern und damit auch an der Identifizierung eines kollektiv verbindlichen sozialen Arrangements.
D'Agostino: Ich habe an anderer Stelle (D' Agostino, 1996)(4) versucht zu zeigen, dass dieses Ergebnis ein Modell für die Theoriebildung über Ideale wie die "öffentliche Vernunft" liefert, die zumindest heutzutage direkt mit dem Liberalismus an sich verbunden sind (siehe auch Gaus, 1996(5); und D' Agostino und Gaus, 1998(6).
Demokratie/Diversität/Verfahren/Arrow/D'Agostino: Der Punkt von Arrows Theorem ist nicht, dass formale Verfahren nie funktionieren, sondern dass sie nicht immer funktionieren. Und dieser Punkt ist aus zwei Gründen ethisch-politisch bedeutsam. 2) Wenn wir ein Verfahren unter konkreten Umständen anwenden, können wir typischerweise nicht im Voraus sagen, ob sie unter diesen Umständen funktionieren wird oder nicht.
2) Selbst wenn wir feststellen können, dass es unter diesen Umständen nicht funktioniert, haben wir nach dem Arrow-Theorem keine alternative Prozedur (desselben Typs), die wir stattdessen verwenden können, außer natürlich eine andere, die ebenfalls nicht funktioniert.
Beispiel:
Drei Individuen (A, B, C)
Gaus I 243
und drei mögliche soziale Arrangements (S1, S2, S3), und (...) die Einschätzungen der Individuen zu diesen Arrangements. Angesichts [eines bestimmten problematischen] "Profils" von Präferenzen (oder deliberativen Urteilen) [das zum Zweck der Argumentation gewählt wurde], wird kein rein "mechanisches" Kombinationsverfahren eine nicht willkürliche (und daher legitimerweise kollektiv verbindliche) Rangfolge der alternativen sozialen Arrangements hervorbringen:

Tabelle I der Präferenzen
S1: A 1. - B 3. - C 2.
S2: A 2. - B 1. - C 3.
S 3: A 3. - B 2. - C 1.
Verfahren:
S1/S2 dann S3: Sieger: S3 S1/S3 dann S2: Sieger: S2
S2/S3 dann S1: Sieger S1

Problem/D'Agostino: (...) es ist klar, dass bei diesem Präferenzprofil eine kollektiv verbindliche Wahl nur auf einer ethisch-politisch willkürlichen Basis mechanisch bestimmt werden kann - z.B. durch Festlegung der Reihenfolge, in der Alternativen verglichen werden. (Die Alternative zu solcher Willkür ist schlichte Unbestimmtheit: Keine der Optionen kann als die kollektiv verbindlich beste für die Gruppe identifiziert werden.) Vgl. >Chaos-Theorem/Sozialwahltheorie.

Wahlen/Demokratie/Lösungen: (...) Sobald eine solche Diversität unter den Einschätzungen der Individuen 'verwaltet' wird, verschwindet genau die Unbestimmtheit solcher formalen Verfahren wie Wahlen (und anderer Modi der Zusammenführung). Nehmen wir zum Beispiel an, dass durch ein Sozialisations- und Erziehungsprogramm die Einschätzungen der Individuen hinreichend "homogenisiert" werden, so dass eine der alternativen sozialen Arrangements, die die Individuen bewerten, "dominant" in dem Sinne ist, dass sie unter allen relevanten Gesichtspunkten die beste ist. In diesem Fall könnten wir die Konfiguration in Tabelle II der Präferenzen haben.

Tabelle II der Präferenzen
S1: A 1. - B 1. - C 1.
S2: A 2. - B 3. - C 3. S3: A 3. - B 2. - C 2.

Bei dieser Konfiguration gäbe es keine Schwierigkeiten mit der kollektiven Wahl, weder statisch noch dynamisch. Es gibt eine einzige kollektiv beste Option, deren Identifikation als solche nicht von willkürlichen Faktoren abhängt und deren Auswahl als solche nicht destabilisiert werden kann (solange die Bewertungen der Individuen selbst konstant bleiben).
Wertmonismus/Pluralismus/D'Agostino: Natürlich können das Arrow-Theorem und seine Erweiterungen als Argument für Monismus gelesen werden. Arrow hofiert das Chaos, indem er, wie Pluralisten es fordern, für die Anerkennung von Diversität sorgt. (Für D'Agostinos Lösung siehe >Diversität/Liberalismus.)

1. Arrow, Kenneth (1979) 'Values and collective decision making'. In Frank Hahn and Martin Hollis, eds, Philosophy and Economic Theory. Oxford: Oxford University Press.
2. Mueller, Dennis (1989) Public Choice 11. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Sen, Amartya (1970) Collective Choice and Social Welfare. San Francisco: Holden-Day.
4. D'Agostino, Fred (1996) Free Public Reason. Oxford: Oxford University Press.
5. Gaus, Gerald (1996) Justificatory Liberalism. Oxford: Oxford University Press.
6. D' Agostino, Fred and Gerald Gaus, eds (1998) Public Reason. Aldershot: Dartmouth.

D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Asymmetrie Arrow Mause I 166
Asymmetrie/Informationsmärkte/Arrow: Marktteilnehmer sind nicht selten in Situationen wo sie nicht nur mit einem Informationsmangel vom Typ unvollständige Information, sondern zusätzlich mit einem Informationsmangel vom Typ asymmetrische Information konfrontiert sind. (1)(2) Bsp Ein Käufer ist schlechter über einen Gebrauchtwagen informiert als der Verkäufer.
Terminologie: dies wird in der Literatur mit den Ausdrücken „Prinzipal“ (Verkäufer, Vorgesetzter; hält mehr Information) und „Agent“ (Käufer, Angestellter; hält weniger Information) umschrieben.
Problem: a) ein Käufer, der sich seines Informationsdefizits nicht bewusst ist, wird benachteiligt, b) ein Käufer, dem dieses Defizit bekannt ist, wird sich unter Umständen nicht auf eine Vertragsbeziehung einlassen. Siehe Information/Arrow.

1. Kenneth J. Arrow, Uncertainty and the welfare economics of medical care. American Economic Review 53, (5) , 1963, p. 941– 973.
2. G. A. Akerlof, The market for ‚Lemons‘: Quality uncertainty and the market mechanism. Quarterly Journal of Economics 84 (3) 1970 p. 488– 500.

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Besteuerung Friedman Gaus I 212
Besteuerung/öffentliche Güter/Friedman/Moon: (...) sind typische Wohlfahrtsgüter öffentliche Güter (...)? Bis zu einem gewissen Grad vielleicht. Wenn wir alle in einer Gesellschaft leben wollten, in der niemand unter Mittellosigkeit leidet, und bereit wären, etwas dafür zu bezahlen, um dies zu erreichen, dann wären wir alle besser dran, wenn die Regierung ein Sicherheitsnetz zur Verfügung stellen würde. In diesem Sinne hat Milton Friedman (1962(1):191) für einen minimalen Wohlfahrtsstaat plädiert, in dem eine "negative Einkommenssteuer" eingesetzt würde, um Menschen ohne andere Möglichkeiten der Unterstützung ein Existenzeinkommen zu sichern. Der Mindestwohlfahrtsstaat (oder "minimaler Wohlfahrtsstaat") wäre jedoch kein "institutioneller Wohlfahrtsstaat", da sein Hauptanliegen darin bestünde, dafür zu sorgen, dass jeder genügend Einkommen hat, um Mittellosigkeit zu vermeiden. Vermutlich würde er auch andere öffentliche Güter wie öffentliche Gesundheit und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stellen, denn jeder von uns ist besser dran, wenn andere gegen Infektionskrankheiten geimpft werden oder wenn die Stadt die Abwässer und den Müll jedes Haushalts auf hygienische Weise entsorgt. Vs: Aber viele Wohlfahrtsprogramme scheinen keine öffentlichen Güter bereitzustellen. Der Hauptbegünstigte einer Altersrente ist der Rentner, der Hauptbegünstigte einer höheren Schul- oder Hochschulausbildung ist der Student, dessen Fähigkeiten verbessert und dessen Leben bereichert wird, der Hauptbegünstigte einer Operation am offenen Herzen ist der Patient, dessen Leben gerettet wird, und so weiter. >Wohlfahrtsstaat/Politische Philosophie, >Institutionen/Barr, >Arbeitslosigkeit/Moon.

1. Friedman, Milton (1962) Capitalism and Freedom. Chicago: University of Chicago Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


Brocker I 408
Besteuerung/Friedman: Friedmans Vorschlag ist, sämtliche sozial- und verteilungspolitischen Einzelmaßnahmen zu streichen und durch eine negative Einkommensteuer zu ersetzen. Dadurch wird viel Bürokratie eingespart und die Idee der Selbstbestimmung der individuellen Lebensführung erhält eine wirtschaftliche Grundlage. (1)
1. Milton Friedman, Capitalism and Freedom, Chicago 1962. Dt.: Milton Friedman, Kapitalismus und Freiheit, München 2004.

Peter Spahn, „Milton Friedman, Kapitalismus und Freiheit“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

>Steuerehrlichkeit,
>Steuerflucht, >Steuerinzidenz, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb, >Optimale Besteuerung.

Econ Fried I
Milton Friedman
The role of monetary policy 1968

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Chancengleichheit Wohlfahrtsökonomik Gaus I 215
Chancengleichheit/Wohlfahrtsökonomie/Moon: Faire Chancengleichheit setzt nicht nur voraus, dass es keine "willkürlichen" Barrieren für die Lebensentscheidungen gibt, die man treffen kann, wie z.B. rassen- oder geschlechtsbedingte Beschränkungen der Berufs- oder Bildungsmöglichkeiten, sondern dass jeder Zugang zu den Ressourcen und Erfahrungen hat, die notwendig sind, um sich für die verschiedenen Positionen und Karrieren zu qualifizieren, die es in der Gesellschaft gibt. Institutionen: Eine faire Chancengleichheit unterstützt wohl nicht nur einen sozialen Mindeststaat, sondern auch einen institutionellen Wohlfahrtsstaat, in dem Bildung, vielleicht auch frühkindliche Bildung, und die medizinische Versorgung für alle auf einer gemeinsamen Basis erfolgt.
Probleme: aber, wie Wohlfahrtsrechte im Allgemeinen, können die Anforderungen einer fairen Chancengleichheit nur in spezifischen sozialen Kontexten spezifiziert werden; die Art
Gaus I 216
der Bildungsmöglichkeiten, die in einer weitgehend agrarisch geprägten Gesellschaft, um ein offensichtliches Beispiel zu nennen, erforderlich sind, unterscheiden sich stark von denen, die in einem postindustriellen Umfeld erforderlich sind. (...) es ist notwendig, Kompromisse zwischen Chancengleichheit und anderen Werten, wie der Privatsphäre und der Autonomie der Familien, einzugehen. >Staatsbürgerschaft/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien.
Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Chinesische Wirtschaft Wirtschaftstheorien Rieth I 2
Chinesische Wirtschaft/Wirtschaftstheorien/Boer/Rieth: (…) mehrere Studien untersuchen die Auswirkungen des Beitritts Chinas zur WTO im Jahr 2001 (Autor et al., 2013(1); Handley und Limao, 2017(2)) oder der jüngsten Handelskonflikte der USA (Amiti et al., 2019(3); Flaaen et al., 2020(4); Cavallo et al., 2021(5)). Andere verwenden detaillierte Daten, die in den 1990er Jahren beginnen (Barattieri und Cacciatore, 2023(6); Boehm et al., 2023)(7). Diese Studien liefern wertvolle Einblicke in bestimmte Ereignisse und Handelspolitiken.

1. Autor, D. H., Dorn, D., and Hanson, G. H. (2013). The china syndrome: Local labor market effects of import competition in the united states. American economic review, 103(6):2121–2168.
2. Handley, K. and Limao, N. (2017). Policy uncertainty, trade, and welfare: Theory and evidence for china and the united states. American Economic Review, 107(9):2731–83.
3. Amiti, M., Redding, S. J., and Weinstein, D. E. (2019). The impact of the 2018 tariffs on prices and welfare. Journal of Economic Perspectives, 33(4):187–210.
4. Flaaen, A., Horta¸csu, A., and Tintelnot, F. (2020). The production relocation and price effects of us trade policy: the case of washing machines. American Economic Review, 110(7):2103–2127.
5. Cavallo, A., Gopinath, G., Neiman, B., and Tang, J. (2021). Tariff pass-through at the border and at the store: Evidence from us trade policy. American Economic Review: Insights, 3(1):19–34.
6. Barattieri, A. and Cacciatore, M. (2023). Self-harming trade policy? protectionism and production networks. American Economic Journal: Macroeconomics, 15(2):97–128.
7. Boehm, C. E., Levchenko, A. A., and Pandalai-Nayar, N. (2023). The long and short (run) of trade elasticities. American Economic Review, 113(4):861–905.

Rieth I
Malte Rieth
Lukas Boer
The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund. Washington, D.C. 2024
Condorcet-Jury-Theorem Condorcet Parisi I 494
Condorcet Jury Theorem/Condorcet/Nitzan/Paroush: Condorcet (1785)(1) macht die folgende dreiteilige Aussage: 1) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team von Entscheidungsträgern gemeinsam die richtige Entscheidung trifft, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Mitglied des Teams eine solche Entscheidung trifft.
2) Dieser Vorteil des Teams gegenüber der individuellen Leistung steigt monoton mit der Größe des Teams.
Parisi I 495
3) Es ist vollkommen sicher, dass die Entscheidung des Teams richtig ist, wenn die Größe des Teams gegen unendlich tendiert, d. h. die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses tendiert mit der Größe des Teams gegen eins. Ein "Condorcet-Jury-Theorem" (nachfolgend CJT) ist eine Formulierung hinreichender Bedingungen, die die obigen Aussagen bestätigen. Es gibt viele CJTs, aber Laplace (1815)(2) war der erste, der ein solches Theorem vorschlug. >Condorcet-Jury-Theorem/Laplace.
Parisi I 496
VsCondorcet: Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen von Condorcets Aussage ist das Überleben des dritten Teils etwas überraschend. Es wurden viele Versuche unternommen, die Gültigkeit des dritten Teils im Falle heterogener Teams zu beweisen (siehe Boland, 1989(3); Fey, 2003(4); Kanazawa, 1998(5); und Owen, Grofman und Feld, 1989(6)).
1. De Condorcet, N. C. (1785). Essai sur l’application de l’analyse a la probabilite des decisions rendues a la pluralite des voix. Paris: De l’imprimerie royale.
2. Laplace, P. S. de (1815). Theorie analytique des probabilities. Paris: n.p.
3. Boland, P. J. (1989). “Majority systems and the Condorcet jury theorem.” The Statistician 38(3): 181–189.
4. Fey, M. (2003). “A note on the Condorcet jury theorem with supermajority rules.” Social Choice and Welfare 20(1): 27-32.
5. Kanazawa, S. (1998). “A brief note on a further refinement of Condorcet Jury Theorem for heterogenous groups.” Mathematical Social Sciences 35(1): 69-73.
6. Owen, G., B. Grofman, and S. Feld (1989). “Proving a distribution free generalization of the Condorcet jury theorem.” Mathematical Social Sciences 17(1): 1-16.


Shmuel Nitzan and Jacob Paroush. “Collective Decision-making and the Jury Theorems”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Condo I
N. de Condorcet
Tableau historique des progrès de l’ esprit humain Paris 2004

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Condorcet-Jury-Theorem Wirtschaftstheorien Parisi I 494
Condorcet-Jury-Theorem/Ökonomische Theorien/Nitzan/Paroush: Condorcet (1785)(1) macht die folgende dreiteilige Aussage: 1) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team von Entscheidungsträgern gemeinsam die richtige Entscheidung trifft, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Mitglied des Teams eine solche Entscheidung trifft.
2) Dieser Vorteil des Teams gegenüber der individuellen Leistung steigt monoton mit der Größe des Teams.
Parisi I 495
3) Es ist vollkommen sicher, dass die Entscheidung des Teams richtig ist, wenn die Größe des Teams gegen unendlich tendiert, d. h. die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses tendiert mit der Größe des Teams gegen eins. Ein "Condorcet-Jury-Theorem" (nachfolgend CJT) ist eine Formulierung hinreichender Bedingungen, die die obigen Aussagen bestätigen. Es gibt viele CJTs, aber Laplace (1815)(2) war der erste, der ein solches Theorem vorschlug. >Condorcet-Jury-Theorem/Laplace.
Parisi I 496
VsCondorcet: Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen von Condorcets Aussage ist das Überleben des dritten Teils etwas überraschend. Es wurden viele Versuche unternommen, die Gültigkeit des dritten Teils im Falle heterogener Teams zu beweisen (siehe Boland, 1989(3); Fey, 2003(4); Kanazawa, 1998(5); und Owen, Grofman und Feld, 1989(6)). In der Tat ist die folgende Version der CJT bekannt: "Wenn ein Team von Entscheidungsträgern eine einfache Mehrheitsregel anwendet, wäre die Entscheidung im Grenzfall vollkommen korrekt, da die Größe
Parisi I 497
des Teams gegen unendlich tendiert, selbst wenn die individuellen Kompetenzen, die pis, unterschiedlich sind, vorausgesetzt, dass pi ≥ 1∕2+ε ist, wobei der Wert von ε eine positive Konstante ist, egal wie klein er ist." Der Beweis des Theorems beruht auf dem Laplace-Beweis mit P = 1∕2+ε in Verbindung mit der Tatsache, dass Π eine zunehmende Funktion der Kompetenzen der Teammitglieder ist. >Entscheidungstheorie, >Entscheidungsprozesse.

1. De Condorcet, N. C. (1785). Essai sur l’application de l’analyse a la probabilite des decisions rendues a la pluralite des voix. Paris: De l’imprimerie royale.
2. Laplace, P. S. de (1815). Theorie analytique des probabilities. Paris: n.p.
3. Boland, P. J. (1989). “Majority systems and the Condorcet jury theorem.” The Statistician 38(3): 181–189.
4. Fey, M. (2003). “A note on the Condorcet jury theorem with supermajority rules.” Social Choice and Welfare 20(1): 27-32.
5. Kanazawa, S. (1998). “A brief note on a further refinement of Condorcet Jury Theorem for heterogenous groups.” Mathematical Social Sciences 35(1): 69-73.
6. Owen, G., B. Grofman, and S. Feld (1989). “Proving a distribution free generalization of the Condorcet jury theorem.” Mathematical Social Sciences 17(1): 1-16.


Shmuel Nitzan and Jacob Paroush. “Collective Decision-making and the Jury Theorems”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Decreasing-Cost Industries Coase Kiesling I 46
Decreasing-cost industries/Grenzkostenkontroverse/Coase/Kiesling: Im Jahr 1938 veröffentlichte Harold Hotelling(1) ein Argument zugunsten von Grenzkostenpreisen aus Effizienzgründen, das sich auf das allgemeine Argument stützt, dass die soziale Wohlfahrt dort maximiert wird, wo der Grenznutzen gleich den Grenzkosten ist. Aus diesem Grund, so Hotelling, sollten diese Unternehmen den Verbrauchern einen Preis in Höhe der Grenzkosten in Rechnung stellen und vom Steuerzahler finanzierte Subventionen zur Deckung ihrer Fixkosten (die wiederum beträchtlich sind) erhalten. Hotelling stützte sich auf Steuertheorien, um pauschale Steuern für die Verbraucher vorzuschlagen, die in ihrer Gesamtheit die Fixkosten abdecken würden. >Grenzkosten, >Effizienz, >Besteuerung.
Coase: Coases Analyse von Hotellings Vorschlag, „The Marginal Cost Controversy“,(2) klärte 1946 die Frage und gab der Debatte ihren Namen. (Frischmann und Hogendorn (2015)(3) geben eine hervorragende Zusammenfassung der Grenzkostenkontroverse und der anhaltenden Relevanz von Coases Argument heute). Coase erkannte zwar die mit der Grenzkostenpreisgestaltung verbundenen Effizienzgewinne an, argumentierte jedoch, dass die Auferlegung von Pauschalsteuern zur Deckung der Fixkosten der Unternehmen nicht wirklich zum effizientesten Ergebnis führen würde. Coase destillierte das Problem auf drei wesentliche Teile herunter:
1) Die Divergenz zwischen Grenzkosten und Durchschnittskosten, wobei die Grenzkosten niedriger sind als die Durchschnittskosten;
2) Die Aufteilung der gemeinsamen Kosten auf die Verbraucher;
3) dass viele Fixkosten Vorauszahlungen auf langfristige Verträge für Inputs sind, die als variable Kosten betrachtet werden könnten. Während die Divergenz zwischen Grenz- und Durchschnittskosten das vorherrschende analytische Problem ist, sind die beiden anderen schwierig zu lösen. Wenn es gemeinsame Fixkosten gibt, die auf die Verbraucher umgelegt werden müssen, gibt es in der Wirtschaftstheorie keine eindeutige, definitive Methode, dies zu tun. In der Elektrizitätswirtschaft beispielsweise bildet ein Großteil des Kapitals im Verteilungssystem ein gemeinsames Netz, das die verschiedenen Verbraucher in unterschiedlichem Maße (und zu unterschiedlichen Tageszeiten) nutzen.
Kiesling I 47
Wie sollten die Kosten unter diesen verschiedenen Verbrauchern aufgeteilt werden, insbesondere zu der Zeit, als Coase schrieb, als es noch keine digitalen Technologien gab, die eine genaue Messung der Nutzung des Verteilungsnetzes ermöglicht hätten? Diese Frage der Aufteilung gemeinsamer Kosten ist bei der Tarifgestaltung regulierter Stromversorger nach wie vor relevant. CoaseVsHotelling: [Coase] argumentierte, dass der Preis zwar den Grenzkosten entspräche, es aber dennoch zu einer Fehlallokation von Ressourcen käme, weil weder Produzenten noch Verbraucher bei ihren Produktions- und Verbrauchsentscheidungen die Fixkosten berücksichtigen würden.
Besteuerung/Fixkosten: Mit anderen Worten, wenn die Fixkosten durch Steuern oder Subventionen bezahlt würden, hätten weder Produzenten noch Verbraucher einen Anreiz, die Opportunitätskosten dieser Ressourcen zu berücksichtigen.
Preis/Opportunitätskosten: Coase argumentierte auch, dass es ohne einen Marktpreis, der die Opportunitätskosten widerspiegelt, keinen institutionellen Rahmen, keinen Marktprozess gäbe, um herauszufinden, ob die Verbraucher bereit sind, die vollen Kosten der von ihnen konsumierten Produktion zu zahlen oder nicht; diese Beobachtung überschneidet sich mit der Herausforderung, die gemeinsamen Kosten auf die Verbraucher zu verteilen.
Gemeinwohl: Schließlich stellte Coase fest, dass in Hotellings System die Umverteilung von Wohlstand von denjenigen, die nur wenig von dem betreffenden Produkt verbrauchen, zu denjenigen, die viel davon verbrauchen, fast unvermeidlich wäre.
Umverteilung: Eine Umverteilung des Reichtums würde sich auch aus der Diskrepanz zwischen Verbrauchern und Steuerzahlern ergeben - nicht alle Verbraucher der Unternehmensleistung wären notwendigerweise auch Steuerzahler und umgekehrt. Anreize/CoaseVsHotelling: Anstatt Hotellings statische Analyse eines bereits existierenden Unternehmens mit sinkenden Kosten zu akzeptieren, führte Coase eine dynamische Analyse der breiteren Anreize von Hotellings Vorschlag und des realistischen institutionellen Rahmens durch, der für dessen Umsetzung erforderlich wäre. Wie würde die Regierung die Verbrauchernachfrage ermitteln, um die Verbraucherpräferenzen zu erfahren und sicherzustellen, dass die richtige Menge und Art von Fixkosten anfällt?
>Präferenzen, >Regierungspolitik.
Mit seiner Betonung der Fähigkeit des Staates, Wissen zu erwerben, der Leistung des Staates und der Annahme, dass der Staat ein neutraler Beamter ist, trifft Coase Aussagen, die die späteren Entwicklungen der Public-Choice-Ökonomie in den 1950er und 1960er Jahren vorwegnehmen.
Kiesling I 48
Lösung/Coase: Coase machte einen alternativen Vorschlag zu Hotellings: die mehrteilige Preisbildung. Obwohl er in seinem Artikel von 1946 keine Einzelheiten nannte, bestand seine Idee darin, dass der Preis eine Komponente enthält, die die Grenzkosten widerspiegelt, und eine Komponente, die die Fixkosten zuweist, mit der Einschränkung, dass das Unternehmen keine Verluste macht; dieses Beispiel wird als zweiteiliger Tarif bezeichnet. Eine solche Preisgestaltung bezieht alle Kosten in die Preise ein, auf die Erzeuger und Verbraucher reagieren, und bringt weder die Finanzierungsprobleme noch die institutionellen Anreizprobleme mit sich, die Coase im Zusammenhang mit dem Steuer-/Subventionsvorschlag festgestellt hat. Eine mehrteilige Preisgestaltung vermeidet nicht das Problem der Aufteilung der gemeinsamen Kosten auf die Verbraucher, und eine solche Aufteilung wird auch von Schätzungen abhängen und anfällig für bürokratische Manipulationen sein, aber sie könnte das Beste sein, was wir angesichts realistischer Annahmen über unsere Beschränkungen und die Grenzen unseres Wissens tun können. Heute: Coases analytischer Rahmen für Branchen mit sinkenden Kosten besteht bis heute in Form von regulierten Tarifen in der Elektrizitäts- und Erdgasverteilungsbranche fort. Auf Ihrer Stromrechnung finden Sie einen variablen „Energiepreis“, der die Grenzkosten widerspiegelt, und einen „Leitungspreis“ oder eine „Transportgebühr“, die einen Teil der Fixkosten für den Bau, die Instandhaltung und den Betrieb des Verteilungsnetzes abdeckt. Zumindest in der Theorie beruht die regulierte Tarifgestaltung auf der Logik von Coase.
>Effizienz/Coase.

1. Hotelling, H. (1938). The General Welfare in Relation to Problems of Taxation and of Railway and Utility Rates. Econometrica, 6(3), 242–269. https://doi.org/10.2307/1907054
2. Coase, Ronald H. (1946). The Marginal Cost Controversy. Economica 13, 51: 169-182.
3. Frischmann, Brett M., and Christiaan Hogendorn (2015). Retrospectives: The Marginal Cost Controversy. Journal of Economic Perspectives 29, 1: 193-206.

Kiesling I
L. Lynne Kiesling
The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021
Decreasing-Cost Industries Hotelling Kiesling I 46
Decreasing-cost industries/Grenzkosten/Hotelling/Kiesling: Im Jahr 1938 veröffentlichte Harold Hotelling(1) ein Argument zugunsten der Grenzkostenpreisgestaltung aus Effizienzgründen, das sich auf das allgemeine Argument stützt, dass die soziale Wohlfahrt dort maximiert wird, wo der Grenznutzen den Grenzkosten entspricht. Aus diesem Grund, so Hotelling, sollten diese Unternehmen den Verbrauchern einen Preis in Höhe der Grenzkosten in Rechnung stellen und vom Steuerzahler finanzierte Subventionen zur Deckung ihrer Fixkosten (die wiederum beträchtlich sind) erhalten. Hotelling stützte sich auf Steuertheorien, um pauschale Steuern für die Verbraucher vorzuschlagen, die in ihrer Gesamtheit die Fixkosten abdecken würden. >Grenzkosten, >Effizienz, >Besteuerung. >Decreasing-cost industries/Coase.

1. Hotelling, H. (1938). The General Welfare in Relation to Problems of Taxation and of Railway and Utility Rates. Econometrica, 6(3), 242–269. https://doi.org/10.2307/1907054

Hotelling I
Harold Hotelling
The economics of exhaustible resources

Kiesling I
L. Lynne Kiesling
The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021
Durchschnittsnutzen Rawls I 161
Durchschnittsnutzen/Rawls: das Prinzip des Durchschnittsnutzens unterscheidet sich von denen der Vertragstheorie. Angewendet auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der die Individuen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position sind, erfordert das Prinzip des Durchschnittsnutzens, dass Institutionen dergestalt arrangiert werden, dass die absolut gewichtete Summe der Erwartungen der relevanten repräsentativen Individuen maximiert werden.
I 162
Diese Summe wird größer, wenn die Zahl der Personen in einer Gesellschaft wächst. Utilitarismus: hier werden Erwartungen an der Summe der tatsächlichen und voraussehbaren Befriedigung gemessen.
>Utilitarismus.
Theorie der Gerechtigkeit als Fairness: Hier geht es dagegen um ein Verzeichnis der primären öffentlichen Güter (z.B. Freiheiten, Infrastruktur usw.).
Klassische Theorie des Durchschnittsnutzens: wurde von Mill und Wicksell vertreten(1)(2)(3).
>J.St. Mill.
Summe des Nutzens/Bevölkerungswachstum/Rawls: Die Summe wird nicht wachsen, wenn wir sie auf die Fraktionen der Gesellschaft mit bestimmten Positionen anwenden, solange der Prozentsatz dieser Fraktionen sich nicht ändert.
Bevölkerungswachstum: Nur wenn eine Bevölkerung sich ändert gibt es einen Unterschied zwischen der klassischen Theorie und der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness.
I 166
Durchschnittsnutzen/Rawls: Die Annahme einer Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der alle hinter einem Schleier des Nichtwissens stehen, spricht für die Einführung des Durchschnittsprinzips und gegen die klassische Sicht. Allerdings ist die Durchschnittstheorie nicht teleologisch, wie die klassische Theorie. Durchschnittsprinzip: es ist nicht so, dass es von allen Teilnehmern die gleiche Art von Risikobereitschaft verlangt.
I 171
Durchschnittsnutzen/Rawls: Es scheint so, dass das Durchschnittsprinzip an das Prinzip des unzureichenden Grunds (>Risiken/Rawls) gebunden sein muss. Wir brauchen etwas wie die Laplace-Regel für Entscheidungen unter Ungewissheit: die Möglichkeiten werden auf eine natürliche Weise bestimmt und jeder wird eine Wahrscheinlichkeit zugeschrieben. Dabei wird nicht von allgemeinen Informationen über die Gesellschaft ausgegangen(4)(5)(6).
>Wahrscheinlichkeit/Rawls.
I 188
Durchschnittsnutzen/Idealer Beobachter/Rawls: vom Standpunkt der Personen in der Anfangssituation gibt es keinen Grund, den Einschätzungen eines mitfühlenden idealen Beobachters zuzustimmen. Eine solche Übereinstimmung hätte alle Nachteile des klassischen Nutzenprinzips. Wenn jedoch die Teilnehmer als vollständige Altruisten aufgefasst werden, d.h. also als solche, die mit den Zielen des mitfühlenden idealen Beobachters übereinstimmen,
I 189
dann würde das klassische Prinzip übernommen. Die größte Summe an Glückseligkeit befriedigt den Beobachter wie den Altruisten innerhalb des Systems. Damit erhalten wir das überraschende Ergebnis, dass, während das Prinzip des Durchschnittsnutzens der Ethik des Individuums entspricht, die klassische utilitaristische Doktrin eine solche der altruistischen Ethik ist! >Altruismus, >Altruismus/Rawls.

1. Siehe dazu Gunnar Myrdal, The Political Element in the Development of Economic Theory London, 1953, S.38f.;
2. J. C. Smart, An Outline of a System of Utilitarian Ethics, Cambridge, 1961, S. 18.;
3. J.C. Harsanyi „Cardinal Utilitry in Welfare Economics and the Theory of Risk Taking“, Journal of Political Economy, Bd. 61, 1953.
4. Vgl. W. Feller, Profitability and Profit, S. 210-233.;
5. L.J. Savage, The Foundations of Statistics, New York, 1954.;
6. H.E. Kyburg, Probability and Inductive Logic, Riverside, 1970.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Effizienz Konstitutionelle Ökonomie Parisi I 205
Effizienz/Konstitutionelle Ökonomie/Voigt: Die normative Konstitutionelle Ökonomie (...) deutet das >Pareto-Kriterium in zweifacher Weise um: Nicht Ergebnisse, sondern Regeln oder Verfahren, die zu Ergebnissen führen, werden anhand des Kriteriums bewertet. Die Bewertung wird nicht von einem allwissenden Wissenschaftler oder Politiker vorgenommen, sondern von den betroffenen Individuen selbst: "In gewissem Sinne geht es dem politischen Ökonomen darum, 'was die Menschen wollen'" (Buchanan, 1959(1), S. 137). Um herauszufinden, was die Menschen wollen, schlägt Buchanan vor, einen Konsenstest durchzuführen. Die Spezifikation dieses Tests ist entscheidend dafür, welche Regeln als legitim angesehen werden können. Buchanan hatte 1959 die tatsächliche Einstimmigkeit im Sinn, und die Bürger, die erwarten, durch einige Regeländerungen schlechter gestellt zu werden, müssten entschädigt werden. Dieser Test würde also einem modifizierten Kaldor-Hicks-Kriterium entsprechen. Später im Leben scheint Buchanan seine Position geändert zu haben: Eine hypothetische Zustimmung, die von einem Ökonomen abgeleitet wird, reicht aus, um eine Regel zu legitimieren (siehe z. B. Buchanan, 1977(2), 1978(3), 1986(4)). VsBuchanan: Diese Position kann kritisiert werden, weil eine große Vielfalt von Regeln legitimierbar zu sein scheint, abhängig von den Annahmen des Wissenschaftlers, der den Prozess durchführt. Wissenschaftler, die für einen umfassenden Wohlfahrtsstaat plädieren, werden höchstwahrscheinlich risikoaverse Individuen annehmen, während Wissenschaftler, die für Kürzungen der Wohlfahrtsbudgets plädieren, von risikoneutralen Menschen ausgehen. >Konstitutionelle Ökonomie, >Kosten/Buchanan, >Verfassungen/Konstitutionelle Ökonomie, >Staatliche Strukturen/Konstitutionelle Ökonomie, vgl. >Judikative/Konstitutionelle Ökonomie, >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie.

1. Buchanan, J. M. (1959). "Positive Economics, Welfare Economics, and Political Economy."
Journal of Law and Economics 2: 124-138.
2. Buchanan, J. M. (1977). Freedom in Constitutional Contract - Perspectives of a Political Economist. College Station, TX/London: Texas A&M University Press.
3. Buchanan, J. M.(1978). "A Contractarian Perspective on Anarchy," Nomos 19: 29-42
4. Buchanan, J. M. (1986). "Political Economy and Social Philosophy," in: J. M. Buchanan; Liberty, Market and State—political Economy in the 1980s, 261—274. New York: Wheatsheaf Books.

Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Effizienz Weale Gaus I 217
Gleichheit/Demokratie/Effizienz/Sozialstaat/Wohlfahrtstaat/Weale/Moon: (...) das Bekenntnis zur Gleichheit kann manchmal mit dem Bekenntnis zur Demokratie unvereinbar sein. Nehmen wir zum Beispiel Albert Weales Argument für einkommensbezogene wohlfahrtsstaatliche Systeme, wie die soziale Sicherheit in den USA. Weale argumentiert, dass solche Systeme das Gesamtvolumen der staatlichen Transfers erhöhen und damit zu einer größeren "egalitären Wirksamkeit" führen. Weale erklärt diese egalitäre Wirksamkeit zum Teil wie folgt: "Natürlich gibt es keinen notwendigen Anreiz zur Umverteilung von Ersparnissen im öffentlichen einkommensbezogenen System, aber ebenso wenig gibt es praktische Möglichkeiten, sich einer bescheidenen Umverteilung zu widersetzen, die die Verwalter des öffentlichen Systems bestimmen. Dem typischen Bürger wird die "Ausstiegs"-Option des Einkaufens verwehrt, und er sieht sich lediglich mit der kostspieligen "Mitsprache-Option" konfrontiert, die Bedingungen des öffentlichen Systems zu ändern.
Da die Menschen oft sehr unwissend über die Einzelheiten von Rentensystemen sind, ist die Teilnahme an einer Änderung ihrer Bedingungen extrem kostspielig". (1990(1): 481)
Moon: Kurz gesagt, weil die demokratische Kontrolle schwierig ist, wird der Widerstand des Volkes gegen die Umverteilung wirkungslos bleiben, so dass die Eliten eine größere "egalitäre Wirksamkeit" erreichen können, als die Bürger direkt zu unterstützen bereit wären.
>Chancengleichheit/Wohlfahrtsökonomik.

1. Weale, Albert (1990) 'Equality, social solidarity, and the welfare state'. Ethics, 100: 473—88.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Effizienz Wirtschaftstheorien Parisi I 300
Wirtschaftswachstum/Effizienz/Wohlstand/Wirtschaftstheorien: Richard Posner (1979(1), 1980(2), 1981a(3), 1981b(4)) argumentierte einst, dass eine Wohlstandsmaximierungsnorm die Betonung der Effizienz in Recht und Wirtschaft rechtfertigt. Mehrere Wissenschaftler bezweifeln, dass die Wohlstandsmaximierung einen normativen Wert darstellt, der einen zentralen Platz im
Parisi I 301
Recht rechtfertigt (Dworkin, 1980a(5); Weinrib, 1980(6); Coleman, 1980(7), 1982(8); Kronman, 1980;(9) Mercuro and Ryan, 1984(10)). Diese Kritik zielt direkt, wenn auch nicht immer explizit, auf die Kaldor-Hicks-Effizienz ab. >Nicholas Kaldor.
Dworkin: Da Regierungsentscheidungen in der Regel aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Menschen zustande kommen, können sie selten, wenn überhaupt, Pareto-optimal sein. (Dworkin, 1980a(5), 1980b(11); Calabresi, 1991(12)). In der Praxis stützen sich die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler daher implizit auf ein ganz anderes Effizienzkonzept als das in der ökonomischen Analyse von Märkten verwendete Konzept der Kaldor-Hicks-Effizienz, wonach eine rechtliche Entscheidung dann effizient ist, wenn sie den Wohlstand derjenigen, die von ihr profitieren, stärker erhöht als den Wohlstand anderer verringert (Posner, 2014;(13) Coleman, 1988(15); Kronman, 1980(9); e.g., Driesen, 2011a(16)). Effiziente rechtliche Entscheidungen nach Kaldor-Hicks erhöhen das Nettovermögen (Kronman, 1980(9); Posner, 1980(2)). Die Kaldor-Hicks-Effizienz gilt als gut, weil diejenigen, die von der Entscheidung profitieren, die Geschädigten für ihre Verluste entschädigen könnten. Dieses Kriterium setzt jedoch nicht voraus, dass die Nutznießer des Gesetzes diejenigen, die durch das Gesetz geschädigt werden, tatsächlich entschädigen, und kann daher Diebstahl oder entschädigungslose Übernahmen durch die Regierung rechtfertigen, die beide dazu führen können, dass Vermögenswerte an Nutznießer übertragen werden, die das Gut mehr wert sind als der derzeitige Eigentümer. In jedem Fall haben Wissenschaftler den normativen Wert der Kaldor-Hicks-Effizienz scharf kritisiert und behauptet, dass die Pareto-Effizienz nicht generell für rechtliche Entscheidungen gelten kann (e.g. Coleman, 1988(15); Calabresi, 1991(13)).
Wissenschaftler, die die Wohlstandsmaximierung kritisieren, argumentieren, dass der Wohlstand als Mittel zur Erreichung anderer Ziele dient. Dementsprechend ist die Maximierung des Reichtums an sich weder gut noch schlecht, sondern nur insofern gut, als sie Ziele fördert, die die Befürworter nicht identifiziert haben. Moralphilosophen befürworten häufig Gerechtigkeit als Ziel für die Gesellschaft und sind nicht der Ansicht, dass Wohlstandsmaximierung einen von der Gerechtigkeit unabhängigen normativen Wert hat (vgl. Kaplow und Shavell, 2001(14)).
Nussbaum/Sen/Purdy: Einige Wissenschaftler, die sich um eine genauere Definition von Gerechtigkeit bemühen, plädieren für einen "Capabilities"-Ansatz für menschliches Wohlbefinden, der die Wohlstandsmaximierung als Ideal in Frage stellt. (Nussbaum and Sen, 1993(16); Nussbaum, 2000(17); Williams, 2002(18); Purdy, 2005(19); Chon, 2006(20); Alexander et al., 2009(21); Sen, 2009(22); Roesler, 2011(23)).
Die Befürworter dieses Ansatzes verbinden menschliches Wohlergehen nicht mit der Anhäufung von Reichtum, sondern mit der Verbreitung von Fähigkeiten, die für das menschliche Wohlergehen unerlässlich sind, an alle Mitglieder einer Gesellschaft, zum Beispiel durch die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Sie kritisieren Recht und Wirtschaft (und den Utilitarismus im Allgemeinen) für die Vernachlässigung von Verteilung, Rechten und Freiheiten sowie der Tendenz derjenigen, die unter anhaltenden Schäden leiden, sich anzupassen (siehe Sen, 1999(24); Nussbaum, 2000(17)).

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9. Kronman, Tony (1980). “Wealth Maximization as a Normative Principle.” Journal of Legal Studies 9: 227–242.
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18. Williams, Cynthia A. (2002). “Corporate Social Responsibility in an Era of Economic Globalization.” U.C. Davis Law Review, 35: 705–778.
19. Purdy, Jedediah (2005). “A Freedom-Promoting Approach to Property: A Renewed Tradition for New Debates.” University of Chicago Law Review 72: 1237–1298.
20. Chon, Margaret (2006). “Intellectual Property and the Development Divide.” Cardozo Law Review 27: 2821–2912.
21. Alexander, Gregory S., Eduardo M. Penalver, Joseph William Singer, and Laura S. Underkuffler (2009). “A Statement of Progressive Property.” Cornell Law Review 94: 743–745.
22. Sen, Amartya (2009). The Idea of Justice. Cambridge, MA: Belknap Press of Harvard University Press.
23. Roesler, Shannon M. (2011). “Addressing Environmental Injustices: A Capability Approach to Rulemaking.” West Virginia Law Review 114: 49–107.
24. Sen, Amartya (1999). Development As Freedom. New York: Alfred A. Knopf.

Driesen, David M. and Robin Paul Malloy. “Critics of Law and Economics”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.


Mause I 420
Effizienz/Wirtschaftstheorie: Im Zusammenhang mit der Frage von staatlichen Eingriffen der Umweltpolitik werden verschiedene Arten von Effizienz unterschieden. Ökologische Effektivität: Treffsicherheit im Erreichen vorgegebener Umweltziele (Mengenziele)
Statische Effizienz: Erreichung eines Umweltziels zu den geringsten gesamtwirtschaftlichen Kosten.
Dynamische Effizienz: Anreiz für die Verbesserung gegebener Schadensvermeidungstechnologien eines Instruments. (1)(2)(3)

1. Alfred Endress, Umweltökonomie, Stuttgart, 2000, S. 105f
2. Michaelis, Peter. Ökonomische Instrumente in der Umweltpolitik. Eine anwendungsorientierte Einführung. Heidelberg 1996.
3. Hartwig, Karl-Hans, Umweltökonomie. In Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Hrsg. Dieter Bender, Hartmut Berg, Dieter Cassel, Günter Gabisch, Karl-Hans Hartwig, Lothar Hübl, Dietmar Kath, Rolf Peffekoven, Jürgen Siebke, H. Jörg Thieme und Manfred Willms, Bd.   2, 5.   Aufl., 122– 162. München 1992.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Egalitarismus Sen Gaus I 417
Egalitarismus/Sen/Weinstein: Der egalitäre Liberalismus von Sen zeugt von der konzeptionellen Flexibilität des Liberalismus, indem er eine "inklusive" Form des Konsequentialismus mit einer grundlegenden "Fähigkeitsgleichheit" kombiniert. Für Sen ist die Moral "konsequenzbasiert", obwohl sie nicht im engeren Sinne konsequentalistisch ist. >Liberalismus.
Konsequentialismus: Der Konsequentialismus ist enger gefasst, weil er willkürlich wertneutral ist. "konsequenzbasierte Evaluation" umfasst dagegen auch Informationen, die nicht zur Nützlichkeit gehören, wie die Relativität von Handelnden.
Deontologie: In Sen's Worten: "Deontologische Werte können in der Tat im Rahmen einer konsequenten Evaluation durch wertrelative Ergebnismoralitäten berücksichtigt werden" (1982(1): 38).*
>Deontologie.
Praktische Argumentation/Sen: In jüngerer Zeit bezeichnet Sen seine Version der praktischen Argumentation als "konsequente Argumentation mit inklusivem deontischen Wert" (2001(2): 64). Eine solche Argumentation verbietet es, entweder dem Recht oder dem Gut den Vorrang zu geben. Vielmehr sind diese Begriffe miteinander verknüpft, so dass wir sie gleichzeitig betrachten müssen: Während Überlegungen zu Freiheiten, Rechten und Pflichten nicht die einzigen sind, auf die es ankommt (z.B. auch das Wohlergehen), sind sie dennoch Teil der Auseinandersetzungen, die wir bei der Entscheidung darüber, was am besten ... zu tun wäre, zu berücksichtigen haben" (2001(2): 61).
>Konsequentialismus/Sen, >Gleichheit/Sen.

* für Sen (1979)(3) ist Welfareismus eine engere Form von Konsequentialismus, während Utilitarismus eine engere Form von Welfareismus ist. Während der Konsequentialismus Handlungen nach der Güte des Zustands bewertet, den sie hervorbringen, beurteilt der Welfareismus die Güte eines Zustands nach der Güte seiner Nützlichkeit. Der Utilitarismus beurteilt die Güte der Versorgungseinrichtungen eines Staates nach ihrer Gesamtsumme.

1. Sen, Amartya (1982) 'Rights and agency'. Philosophy and Public Affairs, 11: 3-39.
2. Sen, Amartya (2001) 'Reply'. Economics and Philosophy, 17: 51-65.
3. Sen, Amartya (1979) 'Utilitarianism and welfarism'. The Journal of Philosophy, LXXVI: 463-89.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Einfuhrkontingente Feenstra Feenstra I 8-1
Importkontingente/Exportsubventionen/Feenstra: Neben den Importzöllen sind Kontingente und Subventionen weit verbreitete Formen der Handelspolitik. Kontingente und Subventionen können grundsätzlich sowohl auf Importe als auch auf Exporte angewandt werden, (...). Wie unterscheiden sich diese politischen Instrumente von Zöllen, und hängt dies von der Art des Wettbewerbs auf dem Markt ab? >Zölle/Bhagwati.
Feenstra I 8-1
Handelspolitische Maßnahmen: Die Feststellung, dass handelspolitische Maßnahmen je nach Marktstruktur unterschiedliche Auswirkungen haben, lässt sich auf den Fall der Exportsubventionen übertragen. Im konventionellen Zwei-Sektoren-Modell gibt es keinen Grund, Exportsubventionen zu verwenden: Sie führen zu einem Mitnahmeverlust (analog zu einem Zoll) für ein kleines Land und haben einen zusätzlichen Terms of Trade-Verlust (das Gegenteil eines Zolls) für ein großes Land.
Dies scheint der Tatsache zu widersprechen, dass viele Länder zu irgendeinem Zeitpunkt Exportsubventionen zur Unterstützung ihrer Industrie eingesetzt haben.
Um dies zu erklären, müssen wir über das Zwei-Sektoren-Modell mit perfektem Wettbewerb hinausgehen.
Es stellt sich heraus, dass es einen Unterschied macht, wenn man mehr Güter hinzufügt, und es gibt eine potenzielle Rolle für gezielte Exportsubventionen in Modellen mit vielen Gütern (Feenstra, 1986(1), Itoh und Kiyono, 1987(2)).
Unvollkommener Wettbewerb: Der Verzicht auf perfekten Wettbewerb und die Zulassung eines Duopols zwischen einem inländischen und einem ausländischen Unternehmen, das in einen Drittmarkt exportiert, macht ebenfalls einen Unterschied.
>Perfekter Wettbewerb, >Unvollkommener Wettbewerb.
Es stellt sich also die Frage, ob die heimische Regierung ihrem eigenen Unternehmen einen „strategischen“ Vorteil verschaffen kann, indem sie es subventioniert. Wir setzen voraus, dass die Subvention auch im nationalen Interesse liegt, was bedeutet, dass die Gewinne des Exporteurs um mehr als den Betrag der Subvention selbst steigen müssen. Eine erste Analyse dieses Problems (Brander und Spencer, 1985)(3) deutete darauf hin, dass ein solcher Vorteil zumindest bei Cournot-Nash-Wettbewerb tatsächlich auftreten würde.
>Cournot-Wettbewerb.
Spätere Arbeiten (Eaton und Grossman, 1986)(4) zeigten jedoch, dass sich dieser Vorteil bei Bertrand-Wettbewerb umkehren würde. Die Schlussfolgerung ist, dass Exportsubventionen nur bei einigen Formen des Marktwettbewerbs im nationalen Interesse liegen, aber nicht generell.
>Bertrand-Wettbewerb, >Wettbewerb, >Internationaler Handel.

1. Feenstra, Robert C., 1986, “Trade Policy with Several Goods and 'Market Linkages',” Journal of International Economics, 20, 249-267.
2. Itoh, Motoshige and Kazuharu Kiyono, 1987, “Welfare-Enhancing Export Subsidies,” Journal of Political Economy, 95(1), February,115-37.
3. Brander, James A. and Barbara Spencer, 1985, “Export Subsidies and International Market Share Rivalry,” Journal of International Economics, 16, 83-100.
4. Eaton, Jonathan and Gene M. Grossman, 1986, “Optimal Trade and Industrial Policy under Oligopoly,” Quarterly Journal of Economics, 101(2), May, 383-406. Reprinted as chapter 7 in Gene M. Grossman, 1992, Imperfect Competition and International Trade. Cambridge: MIT Press, 121-139.

Feenstra I
Robert C. Feenstra
Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002
Empirismus Wirtschaftstheorien Parisi I 30
Empirismus/Wirtschaftstheorien/Gelbach/Klick: Das zentrale Problem in vielen empirischen Arbeiten ist der ausgelassene oder weggelassene Variablen-Bias (engl. omitted variables bias). a) Manchmal kann dieses Problem gelöst werden, indem man für mehr Kovariaten kontrolliert - wenn das Problem die Auslassung ist, dann sollte die Einbeziehung eine gute Lösung sein. Aber diese Lösung ist oft nicht durchführbar, weil viele ausgelassene Variablen dem Forscher unbekannt sind, und andere, die laut Theorie einbezogen werden sollten, nicht verfügbar oder nicht quantifizierbar sind. Trotz dieser Probleme war das einfache Hinzufügen weiterer Kontrollvariablen bis Mitte der 1990er Jahre eine Standardprozedur in der empirischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaft.
b) Ein anderer Ansatz bestand darin, die Existenz des Bias zuzugeben, aber zu behaupten, dass das Bias notwendigerweise in eine bestimmte Richtung geht oder über ihre wahrscheinliche Größe zu spekulieren. Wenn es jedoch mehrere ausgelassene Variablen gibt, ist dieser Ansatz problematischer, da das Vorzeichen und die Größe des Bias durch den Ausschluss ausgelassener Variablen dann von der Beziehung zwischen der interessierenden Politikvariable und allen ausgelassenen Variablen abhängt, sowie von den Vorzeichen und der Größe der Koeffizienten dieser ausgelassenen Variablen.*
Randomisierte kontrollierte Experimente: Mitte der 1990er Jahre begannen viele empirische Mikroökonomen, sich auf Forschungsdesigns zu konzentrieren, die sie in Anlehnung an die Methode der randomisierten kontrollierten Experimente begründeten. In solchen Experimenten ist die Verzerrung durch weggelassene Variablen kein Problem, da die "Behandlung" zufällig zugewiesen wird, so dass die Zuweisung statistisch unabhängig von allen sonst wichtigen weggelassenen Variablen ist. In einem Experiment mit zufälliger Zuweisung können die durchschnittlichen Behandlungseffekte dann einfach gemessen werden, indem die durchschnittliche Veränderung des interessierenden Ergebnisses für die experimentelle Behandlungsgruppe minus der durchschnittlichen Veränderung in der experimentellen Kontrollgruppe verwendet wird.
Parisi I 30 FN
Schätzung: (...) dass durchschnittliche Effekte nicht die einzige Art von Behandlungseffekten sind, die geschätzt werden können. Für Beispiele von Studien, die Verteilungseffekte berücksichtigen, siehe Heckman, Smith und Clements (1997)(3) und Bitler, Gelbach und Hoynes (2006)(4).
Parisi I 31
Randomisierte kontrollierte Experimente: Die empirische Rechts- und Wirtschaftswissenschaft hat diesen Ansatz aufgegriffen und sogenannte Differenz-in-Differenzen-Forschungsdesigns eingesetzt, um eine Vielzahl von Rechtsänderungen zu untersuchen. Im Allgemeinen vergleicht dieser Ansatz die Veränderung der Ergebnisse in Rechtsordnungen, die eine bestimmte Maßnahme einführen, mit einer gleichzeitigen Veränderung in Rechtsordnungen, die diese Maßnahme nicht einführen. Änderungen der Politik: Einige Studien mit dem Beinamen "natürliche Experimente" (...) verwenden Instrumentalvariablen, um ihre Schätzungen von endogenen politischen Entscheidungen zu bereinigen. Eine gültige Instrumentalvariable in diesem Zusammenhang ist eine, die mit der Annahme einer Politikänderung korreliert, aber nicht anderweitig mit dem interessierenden Ergebnis korreliert. Die erste Anforderung ist einfach
Parisi I 32
empirisch nachzuweisen, wenn sie zutrifft. Aber die zweite Bedingung, die eine "exakt identifizierende Annahme" ist, kann nicht getestet werden und wird daher nur angenommen, weil sie im Kontext vernünftig erscheint; die Intuition kann der einzige wirkliche Hinweis darauf sein, ob die zweite Bedingung zutrifft. Kausalität: Die Gewinnung kausaler Schätzungen aus nicht-experimentellen Daten erfordert immer ein Urteil darüber, dass Verzerrungen durch weggelassene Variablen (omitted variables bias) eliminiert werden können, so dass Behandlungs- und Vergleichsjurisdiktionen vergleichbar gemacht werden können. Dies kann durch Hinzufügen von Kovariaten, durch die Verwendung von Differenz in Differenzen, durch die Verwendung von Instrumentalvariablen oder durch einen anderen Ansatz geschehen (...).
Experimente/Verallgemeinerung: (...) die vielleicht wichtigste Einschränkung der Nützlichkeit von durch natürliche Experimente motivierten Arbeiten betrifft den Grad der Generalisierbarkeit oder "externen Validität". Die plausibelsten exogenen natürlichen Experimente können diejenigen sein, bei denen die "Schocks", die die identifizierende Variation hervorrufen, am stärksten eingeschränkt sind in Bezug auf das, was sie uns über die Auswirkungen politischer Veränderungen in anderen Situationen sagen können. Das heißt, genau die Merkwürdigkeit, die den Schock hervorruft, kann dazu führen, dass die Effekte, die wir aus dem Schock schätzen können, für andere Umstände von Interesse am wenigsten relevant sind. Dieses Problem hat sowohl zu Angus Deatons Kritik an der Methodik des natürlichen Experiments (2010)(5) als auch zu den Argumenten anderer Autoren zugunsten struktureller ökonometrischer Methoden beigetragen, um Schätzungen zu generieren, die politisch relevanter sein können als diejenigen, die von quasi-experimentellen Methoden geliefert werden (siehe z. B. Nevo und Whinston, 2010(6); Heckman und Urzúa, 2010(7). Für eine Antwort, siehe Imbens, 2010)(8) (ImbensVsKeckman).
Interne Validität: Auch hinsichtlich der internen Validität hängt die Glaubwürdigkeit eines quasi-experimentellen Forschungsdesigns entscheidend von nicht überprüfbaren Annahmen ab, welche Behandlungs- und Vergleichsgruppen hinreichend vergleichbar sind. (...)(siehe z.B. Abadie, Diamond, und Hainmueller, 2010(9). Für eine allgemeinere Darstellung siehe Rosenbaum, 2010(10)).
Natürliche Experimente: Einige natürliche Experimentdesigns führen auch zu Problemen bei der statistischen Inferenz, und zwar in dem Maße, wie die politischen Schocks über die Zeit haften bleiben, was eine sorgfältige Beachtung von Hypothesentests und Kovarianzschätzungen erfordert (Bertrand, Duflo und Mullainathan, 2004(11); Cameron, Gelbach und Miller, 2008(12), 2011(13)).

*Zum ausgelassenen Variablen-Bias mit mehreren ausgelassenen Variablen siehe Greene (2012)(1); für einen Ansatz zur Formel für das Bias durch ausgelassene Variablen, der das Bias durch ausgelassene Variablen im Hinblick auf die gemeinsame Heterogenität aufgrund aller ausgelassenen Variablen gleichzeitig betrachtet, siehe Gelbach (2016)(2).

1. Greene, William H. (2012). Econometric Analysis. 7. Edition, Upper Saddle Lake, NJ: Prentice Hall.
2. Gelbach, Jonah B. (2016). “When Do Covariates Matter? And Which Ones, and How Much?” Journal of Labor Economics 34: 509–543.
3. Heckman, James J., Jeffrey Smith, and Nancy Clements (1997). “Making the Most Out of Programme Evaluations and Social Experiments: Accounting for Heterogeneity in Programme Impacts.” Review of Economic Studies 64(4): 487–535.
4. Bitler, Marianne P., Jonah B. Gelbach, and Hilary W. Hoynes (2006). “What Mean Impacts Miss: Distributional Effects of Welfare Reform Experiments.” American Economic Review 96(4): 988–1012.
5. Deaton, Angus (2010). “Instruments, Randomization, and Learning about Development.” Journal of Economic Literature 48(2): 424–455.
6. Nevo, Aviv and Michael D. Whinston (2010). “Taking the Dogma Out of Econometrics: Structural Modeling and Credible Inference.” Journal of Economic Perspectives 24(2): 69–82.
7. Heckman, James J. and Sergio Urzúa (2010). “Comparing IV with Structural Models: What Simple IV Can and Cannot Identify.” Journal of Econometrics 156(1): 27–37.
8. Imbens, Guido W. (2010). “Better LATE than Nothing: Some Comments on Deaton (2009) and Heckman and Urzua.” Journal of Economic Literature 48(2): 399–423.
9. Abadie, Alberto, Alexis Diamond, and Jens Hainmueller (2010). “Synthetic Control Methods for Comparative Case Studies: Estimating the Effect of California’s Tobacco Control Program.” Journal of the American Statistical Association 105(490): 493–505.
10. Rosenbaum, Paul R. (2010). Observational Studies (Springer Series in Statistics). 2nd edition. Springer-Verlag New York: New York.
11. Bertrand, Marianne, Esther Duflo, and Sendhil Mullainathan (2004). “How Much Should We Trust Differences-in-Differences Estimates?” Quarterly Journal of Economics 119(1): 249–275.
12. Cameron, A. Colin, Jonah B. Gelbach, and Douglas L. Miller (2008). “Bootstrap-Based Improvements for Inference with Clustered Errors.” Review of Economics and Statistics 90(3): 414–427.
13. Cameron, A. Colin, Jonah B. Gelbach, and Douglas L. Miller (2011). “Robust Inference with Multi-way Clustering.” Journal of Business and Economic Statistics 29(2): 238–249.

Gelbach, Jonah B. and Jonathan Klick „Empirical Law and Economics“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Erfindungen Arrow Henderson I 54
Risiken/Erfindungen/Arrow/Henderson/Globerman: Arrow(1) vertrat die Auffassung, dass es für eine optimale Erfindungstätigkeit in der Privatwirtschaft „Entschädigungsoptionen“ geben muss, damit Erfinder das Risiko auf andere Personen umlenken können, die bereit sind, es zu tragen.* Arrow schrieb, dass eine Entschädigungsoption ein Vertrag ist, „bei dem die Käufer eine vereinbarte Summe zahlen und die Verkäufer sich verpflichten, vorgeschriebene Mengen eines bestimmten Rohstoffs zu liefern, wenn ein bestimmter Zustand (…) eintritt, und nichts zu liefern, wenn dieser Zustand (…) nicht eintritt“. Arrow argumentierte, dass „das reale Wirtschaftssystem keine Märkte für Entschädigungsoptionen besitzt“ (1962(1): 610-611). Zu DemsetzVsArrow siehe >Free Lunch/Demsetz, >Nirvana Fehlschluss/Demsetz.

* Da nicht alle Menschen die gleiche Einstellung zum Risiko haben, ist es sinnvoll, dass die die risikofreudiger sind, die weniger risikofreudigen Menschen für das Tragen des Risikos bezahlen. Mit Entschädigungsoptionen wird dieser Risikotransfer erreicht.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Externalitäten Coase Kiesling I 19
Soziale Kosten/Externalitäten/Coase/Kiesling: „Man stellt sich die Frage gemeinhin so vor, dass A dem B einen Schaden zufügt und zu entscheiden ist: Wie soll man A zurückhalten? Aber das ist falsch. Wir haben es hier mit einem Problem zu tun, das auf Gegenseitigkeit beruht. Die eigentliche Frage, die es zu entscheiden gilt, lautet: Darf A B schaden oder darf B A schaden? Das Problem besteht darin, den schwerwiegenderen Schaden zu vermeiden.“ (1) Beispiel: Durch eine Stadt fließt ein Fluss mit einem Laufweg und einem Park entlang des Flusses, einem Bootsanleger zum Kajakfahren und Angeln, einer Wasseraufbereitungsanlage und einer Papierfabrik (siehe Yandle 1998(2)). Die Papierfabrik stellt Produkte her und verkauft sie an Verbraucher, die diese Produkte schätzen. Diese Transaktion definiert die für beide Seiten vorteilhafte Interaktion zwischen den Parteien, die den Kern des menschlichen Austauschs bildet. Das Papierunternehmen erzielt Gewinne aus dem Papierverkauf, wenn seine Einnahmen seine Kosten übersteigen, und die Papierverbraucher erzielen eine Nettozufriedenheit, wenn sie mehr Nutzen aus dem Papier ziehen, als ihnen der Kauf des Papiers kostet. Beide Parteien wägen bei ihren Entscheidungen über die Ressourcennutzung Nutzen und Kosten ab.
Problem: Wenn wir die Produktion der Papierfabrik genauer untersuchen, sehen wir einige Kosten, die sich möglicherweise nicht vollständig in den buchhalterischen Kosten widerspiegeln, die wir normalerweise mit einer solchen Berechnung verbinden. Bei der Herstellung von Papier fallen zum Beispiel Nebenprodukte an.
Wettbewerb: Das Unternehmen konkurriert um das Geschäft der Verbraucher und hat daher starke Anreize, die Kosten zu minimieren. Die Entsorgung von Abfällen ist kostspielig, so dass die Papierfirma einen Anreiz hat, ihre Abfälle in den Fluss zu leiten, wenn sie dies kostenlos tun kann. Dieser Abfall verbraucht den Sauerstoff im Wasser und ist unattraktiv, so dass die „kostenlose“ Abfallentsorgung des Unternehmens Kosten verursachen kann, die andere Flussnutzer zu tragen haben.
Kiesling I 20
Da das Papierunternehmen jedoch nicht für die Entsorgung seiner Abfälle im Fluss bezahlt, tragen weder der Hersteller noch der Verbraucher von Papier, also die beiden Parteien der Markttransaktion, diese Kosten. Kosten: Stattdessen zeigen sich die Kosten in einer verminderten Freude am Uferpark, in weniger angenehmen Kajaktouren und geringerem Fischfang, in einem Ökosystem von geringerer Qualität aufgrund von Sauerstoffmangel und in zusätzlichen Kosten für die Aufbereitung des Wassers für den Verbrauch. Coase: Coase nannte dieses Problem „das Problem der sozialen Kosten“ und schrieb 1960 einen gleichnamigen Artikel zu diesem Thema(1).
>Externalitäten/Pigou.
Die Pigou-Analyse(3) implizierte eine spezifische politische Empfehlung, nämlich eine Steuer auf Papier, die die Stückkosten der Einleitung in den Fluss widerspiegelt, oder eine Regelung für die Papierfabrik, die sie dazu veranlasst, die Kosten ihrer Einleitung in ihre Buchführung einzubeziehen.
Kiesling I 21
Diese Logik ist unter dem Begriff „Verursacherprinzip“ bekannt geworden, d. h. dass derjenige, der die Kosten verursacht, sie auch tragen sollte. A.
Lösung/CoaseVsPigou: Coase betrachtete solche Probleme anders und fragte stattdessen nach der kostengünstigsten Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, indem er es als Problem eines Nutzungskonflikts bei einer Ressource bewertete. Diese Art der Betrachtung des Problems macht seine eigentumsrechtlichen Ursprünge deutlich. Während Pigou implizit davon ausging, dass die „Nichtverschmutzer“-Partei das Recht hat, von diesem Schaden verschont zu bleiben, erkannte Coase stattdessen an, dass die Definition von Eigentumsrechten in solchen Fällen nicht unbedingt eindeutig ist und dass die Transaktionskosten die Möglichkeiten zur Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten einschränken.
>Eigentumsrechte/Coase.
B.
Problem/CoaseVsPigou: Ein damit verbundener Unterschied in Coases Ansatz zum Problem der sozialen Kosten besteht darin, dass er das Problem der externen Kosten als ein reziprokes Problem betrachtet.
Pigou: In der Pigou-Analyse verursacht die Papierfabrik die Abfallentsorgung, der Konditor verursacht Lärm, und diese Handlungen verursachen Kosten für andere.
CoaseVsPigou: Coase argumentierte, dass diese Sichtweise des Problems unvollständig ist, weil sie die Tatsache außer Acht lässt, dass die Parteien sich gegenseitig Kosten auferlegen, weil sie die gemeinsame Ressource unterschiedlich nutzen, wenn die Eigentumsrechte nicht hinreichend klar definiert sind. Die Papierfabrik möchte den Fluss nutzen, um Abfälle einzuleiten, während die Wasseraufbereitungsanlage sauberes Wasser für den Verbrauch aufbereiten möchte und der Kajakfahrer einen attraktiven und sauberen Fluss für die Freizeitgestaltung wünscht.
Im Kern ist das Problem der sozialen Kosten ein Streit um Eigentumsrechte: „Für Coase entstehen Probleme des Schutzes natürlicher Ressourcen und der Umwelt typischerweise dann, wenn es gilt, diese widerstreitenden Interessen auszugleichen. Kompensation: Ob ein Akteur oder eine Gruppe von Akteuren das 'Opfer' oder der 'Verursacher' einer 'Externalität' ist, ist im Wesentlichen eine Frage, wer die Rechte hat, die betreffende Aktivität auszuüben, und ob er diese Rechte gegen eine Entschädigung eintauschen möchte“ (Pennington 2015(4): 95).
Koordinierung/Kooperation: Die Koordinierung ist schwierig und wertvolle Ressourcen werden vergeudet, weil die Eigentumsverhältnisse undefiniert sind.
Kollektive Güter: Da es keinen Eigentümer des Flusses (oder des Wassers, das durch ihn fließt) gibt, zahlt die schadstoffemittierende Mühle nicht für die Kosten, die sie verursacht.
Bargaining: Verhandlungen über die Ressourcennutzung, bei denen das höchste Gebot für die Ressource ermittelt wird, finden daher nicht statt. Die schädlichen Auswirkungen der Papierherstellung können sauberes Wasser zerstören - auch wenn sauberes Wasser einen viel größeren gesellschaftlichen Wert hat.
Kiesling I 22
Innovation/CoaseVsPigou: Coase argumentierte, dass das Verhandeln ein Prozess ist, der es den Parteien ermöglicht, zu lernen und zu entdecken und durch Innovation kostengünstigere Wege zur Minderung dieser Kosten zu schaffen. Im Gegensatz dazu geht der Pigou'sche Ansatz davon aus, dass die Regulierungsbehörde die relevanten Kosten und Vorteile gut genug kennt, um die genaue Steuer zu bestimmen, die erhoben werden muss, um die optimale Menge an Papierproduktion zu erreichen. PigouVsPigou: Diese Annahme ist unrealistisch, wie Pigou später in seinem Leben anerkennen musste.
Zusammenarbeit/Zahlungen: Nachdem man herausgefunden hat, wie man am besten mit dem Schaden umgeht, ist die nächste logische Frage, wer für den Filter bezahlt - die Wasseraufbereitungsanlage oder die Papierfabrik? Wo das Gesetz Eigentumsrechte festlegt, ist das klar. Wenn die Papierfabrik das Recht hat, das Wasser zu verschmutzen, wird die Wasseraufbereitungsanlage dafür bezahlen. Wenn die Wasseraufbereitungsanlage Eigentümerin des Wassers ist, zahlt die Papierfabrik. Für beide Parteien gibt es Anreize, bei der Umsetzung dieser Lösung zusammenzuarbeiten, wenn die Kosten für die Beendigung der Verschmutzung geringer sind als der Wert, der durch die Fortsetzung der Verschmutzung entsteht.
Nutzen: Dies ist auch die entscheidende Voraussetzung für den gesellschaftlichen Nutzen - dass der Nutzen die Kosten übersteigt.
Sonderfälle: Coase wies darauf hin, dass solche einfachen Lösungen in Fällen, in denen die Entscheidungsfindung dezentralisiert ist, d. h. in denen die Eigentumsrechte nicht definiert sind, oder in Fällen, in denen die Transaktionskosten die Parteien davon abgehalten haben, effiziente Absprachen zu treffen, möglicherweise nicht greifen. In solchen Fällen könnten sich Pigou'sche Maßnahmen, wie z.B. eine Verordnung, die den Einbau von Filtern in Papierfabriken vorschreibt, als besser erweisen. Aber weder die Marktverhandlungen noch der Regulierungsansatz sind kostenlos. Die beiden Ansätze sollten im Hinblick auf ihre Fähigkeit verglichen und gegenübergestellt werden, die soziale Koordination zu fördern und den Wert der beteiligten Ressourcen zu maximieren.
>Eigentumsrechte/Coase, >Transaktionskosten/Coase.
Kiesling I 23
Transaktionskosten/Externalitäten/Coase/Pigou/Kiesling: (...) wenn die Definition von Eigentumsrechten prohibitiv kostspielig oder nicht durchführbar ist (wie z.B. bei der Luftverschmutzung), können Verhandlungen über die Übertragung von Rechten nicht stattfinden. Die Kosten für die Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten sind eine Kategorie von Transaktionskosten. Niedrige Transaktionskosten: In Situationen mit niedrigen Transaktionskosten ist es wahrscheinlicher, dass wohlfahrtssteigernde Verhandlungen geführt werden, während ...
Hohe Transaktionskosten: ...hohe Transaktionskosten können eine solche Konfliktlösung verhindern.
Beispiel: Ein Beispiel von Pigou, das Coase aus anderen Gründen diskutiert, veranschaulicht die Herausforderung der Transaktionskosten: der Betrieb einer Eisenbahnlinie durch ländliches Land im 19. Jahrhundert. Die Eisenbahngesellschaften kauften Land und bauten Schienennetze, um Züge zu betreiben, die von kohlebefeuerten Dampflokomotiven gezogen wurden, die Funken auslösten, die Brände verursachen konnten, die einige angrenzende Kulturen oder Wälder zerstörten. In einer Situation wie der der transkontinentalen Eisenbahn in den Vereinigten Staaten operierte die Eisenbahngesellschaft über Tausende von Kilometern und konnte potenziell Funken auf das Land von Tausenden von verschiedenen Landwirten werfen.
Diese und ähnliche Situationen stellen ein erhebliches Problem für die Transaktionskosten dar, das in vielen Situationen auftritt, in denen es einen Konflikt bei der Ressourcennutzung gibt.
Feilschen: Damit die Landwirte mit der Eisenbahn über das Recht auf Funkenflug und das Recht auf unbeschädigte Ernten verhandeln können, müssten sich genügend Landwirte zusammenfinden, um die Interessen aller betroffenen Landwirte zu vertreten - mit anderen Worten: die Transaktionskosten wären hoch. In solchen Fällen entscheiden die Gerichte, welche Partei für die entstandenen Schäden haftet, und setzen gegebenenfalls eine Entschädigung durch.
Allgegenwärtigkeit: Ein übergreifendes Thema der Arbeit von Coase über soziale Kosten ist, dass Transaktionskosten allgegenwärtig sind. Aufgrund dieser Allgegenwärtigkeit sind Gerichte wichtige Institutionen, deren Entscheidungen sich sowohl auf die Effizienz der Ergebnisse als auch auf die Verteilung der Gewinne zwischen den Parteien auswirken.
>Recht/Coase.

1. Coase, Ronald H. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics 3: 1-44.
2. Yandle, Bruce (1998). Coase, Pigou, and Environmental Rights. In Peter J. Hill and Roger E. Meiners (eds.), Who Owns the Environment? (Rowman & Littlefield).
3. Pigou, Arthur Cecil (1920/2013). The Economics of Welfare. Palgrave Macmillan.
4. Pennington, Mark (2015). Coase on Property Rights and the Political Economy of Environmental Protection. In Cento G. Veljanovski (ed.), Forever Contemporary: The Economics of Ronald Coase. Institute of Economic Affairs.


Landsburg I 47
Externalitäten/Coase/Landsburg: [Ronald] Coase(1) vertrat die radikale Auffassung, dass Ihr Rauchen mir schadet, während meine Beschwerden darüber (und die Überzeugung meiner Regierung, es zu besteuern) Ihnen schadet. CoaseVsTradition: Wäre die Lehrbuchlogik korrekt, müssten wir Sie für das Rauchen besteuern, mich dafür, dass ich diese Steuer notwendig gemacht habe, Sie dafür, dass Sie diese Steuer notwendig gemacht haben, und damit in den Wahnsinn abgleiten. Deshalb schlug [Ronald] Coase eine völlig neue Analyse des Externalitätsproblems vor, deren Einzelheiten faszinierend sind (...).*

* Der Schlüssel zu dieser neuen Analyse ist die Erkenntnis, dass Ihr Rauchen mir Kosten auferlegt, meine Versuche, Sie vom Rauchen abzuhalten, Kosten für Sie verursachen, und dass eine gut durchdachte Politik darauf abzielen sollte, die Summe all dieser Kosten zu minimieren.
>Regierungspolitik.

1. Coase, Ronald. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics,1960.


Mause I 157
Externalität/Externe Effekte/Coase: Soweit Individuen kostenlos über den Austausch von Gütern und Rechten verhandeln können, spielt die anfängliche Verteilung der Verfügungsrechte keine Rolle. D.h. es treten keine externen Effekte auf. Externalität/Coase: These: eine Externalität hat immer zwei „Schädiger: der Urheber einer Beeinträchtigung leidet dadurch, dass von ihm eine Einstellung oder Reduktion seiner Tätigkeit verlangt wird.

Kiesling I
L. Lynne Kiesling
The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021

Landsburg I
Steven E. Landsburg
The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Externalitäten Pigou Kiesling I 20
Externalitäten/Pigou/Kiesling: Der Anstoß von [Ronald] Coase, [die] Frage [der sozialen Kosten] zu erforschen, ging von den Arbeiten von A.C. Pigou (1920)(1) aus, der in den 1920er Jahren einen Großteil der Theorie der Wohlfahrtsökonomie entwickelte, die noch heute verwendet wird. In der Situation der Papierfabrik würde Pigous „Theorie der externen Kosten“ von dem Punkt ausgehen, dass die Papierfabrik Kosten verursacht und diese anderen auferlegt, die nicht an der Papierherstellung beteiligt sind. Daher sollte die Papierfabrik für den mit diesen Kosten verbundenen Schaden aufkommen. Lösung/Pigou: Pigous Analyse impliziert eine spezifische politische Empfehlung, nämlich eine Steuer auf Papier, die die Stückkosten der Einleitung in den Fluss widerspiegelt, oder eine Regelung für die Papierfabrik, die sie dazu veranlasst, die Kosten ihrer Einleitung in ihre Buchführung einzubeziehen.
Kiesling I 21
Diese Logik ist unter dem Begriff „Verursacherprinzip“ bekannt geworden, d. h. dass derjenige, der die Kosten verursacht, sie auch tragen sollte.
CoaseVsPigou.
> href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details_wirtschaft_politik.php?id=4791025&a=$a&autor=Coase&vorname=Ronald&thema=Externalit%C3%A4ten">Soziale Kosten/Coase.
Kiesling I 23
Transaktionskosten/Externalitäten/Coase/Pigou/Kiesling: (...) wenn die Definition von Eigentumsrechten prohibitiv kostspielig oder nicht durchführbar ist (wie z.B. bei der Luftverschmutzung), können Verhandlungen über die Übertragung von Rechten nicht stattfinden. Die Kosten für die Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten sind eine Kategorie von Transaktionskosten. Niedrige Transaktionskosten: In Situationen mit niedrigen Transaktionskosten ist es wahrscheinlicher, dass wohlfahrtssteigernde Verhandlungen geführt werden, während ...
Hohe Transaktionskosten: ...hohe Transaktionskosten können eine solche Konfliktlösung verhindern.
Beispiel: Ein Beispiel von Pigou, das Coase aus anderen Gründen diskutiert, veranschaulicht die Herausforderung der Transaktionskosten: der Betrieb einer Eisenbahnlinie durch ländliches Land im 19. Jahrhundert. Die Eisenbahngesellschaften kauften Land und bauten Schienennetze, um Züge zu betreiben, die von kohlebefeuerten Dampflokomotiven gezogen wurden, die Funken auslösten, die Brände verursachen konnten, die einige angrenzende Kulturen oder Wälder zerstörten. In einer Situation wie der der transkontinentalen Eisenbahn in den Vereinigten Staaten operierte die Eisenbahngesellschaft über Tausende von Kilometern und konnte potenziell Funken auf das Land von Tausenden von verschiedenen Landwirten werfen.
Diese und ähnliche Situationen stellen ein erhebliches Problem für die Transaktionskosten dar, das in vielen Situationen auftritt, in denen es einen Konflikt bei der Ressourcennutzung gibt.
Feilschen: Damit die Landwirte mit der Eisenbahn über das Recht auf Funkenflug und das Recht auf unbeschädigte Ernten verhandeln können, müssten sich genügend Landwirte zusammenfinden, um die Interessen aller betroffenen Landwirte zu vertreten - mit anderen Worten: die Transaktionskosten wären hoch. In solchen Fällen entscheiden die Gerichte, welche Partei für die entstandenen Schäden haftet, und setzen gegebenenfalls eine Entschädigung durch.
Allgegenwärtigkeit: Ein übergreifendes Thema der Arbeit von Coase über soziale Kosten ist, dass Transaktionskosten allgegenwärtig sind. Aufgrund dieser Allgegenwärtigkeit sind Gerichte wichtige Institutionen, deren Entscheidungen sich sowohl auf die Effizienz der Ergebnisse als auch auf die Verteilung der Gewinne zwischen den Parteien auswirken.
>Recht/Coase.

1. Pigou, Arthur Cecil (1920/2013). The Economics of Welfare. Palgrave Macmillan.

EconPigou I
Arthur C. Pigou
The Economics of welfare London 1920

Kiesling I
L. Lynne Kiesling
The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021
Fairness Wirtschaftstheorien Gaus I 232
Fairness/Verteilungsgerechtigkeit/Wirtschaftstheorien/Lamont: (...) [ein] von Ökonomen favorisierter Ansatz zur Fairness hat sich im Kontext der modernen Spieltheorie entwickelt. Die gebräuchlichste Strategie ist die Einführung einer "neidfreien" Anforderung: Eine Verteilung gilt dann als fair, wenn keine der an der Verteilung beteiligten Parteien neidisch auf die Zuteilungen anderer ist. Mikrogerechtigkeit: Diese und verwandte Begriffe von Fairness werden üblicherweise auf Fragen der "Mikrogerechtigkeit" angewandt, die sich eher in alltäglichen oder lokal begrenzten Situationen ergeben als bei der Verteilung für die gesamte Gesellschaft (Baumol, 1986(1); Brams und Taylor, 1996(2); Le Grand, 1991(3); Varian, 1975(4); Young, 1994(5)). Die Schwierigkeiten, mit denen diese Theorien konfrontiert sind, bestehen darin, reale Zuteilungen festzulegen, die das Kriterium der Neidfreiheit erfüllen, dies aber nicht durch unangemessene Erweiterungen unserer alltäglichen Vorstellung von Neidfreiheit erreichen.
Trotz dieser Schwierigkeiten haben einige Theoretiker die Analyse im breiteren Kontext der Verhandlungstheorie erweitert, um die traditionellen Probleme der Verteilungsgerechtigkeit zu behandeln (Barry, 1989(6); Binmore, 1994(7); 1998(8); Zajac, 1995(9)). Dieser Trend dürfte sich in Zukunft mit einem stärkeren Engagement von Wirtschaftswissenschaftlern, politischen Theoretikern und Philosophen fortsetzen. >Fairness/Politische Theorien, >Verteilungsgerechtigkeit.

1. Baumol, William J. (1986) Superfairness: Applications and Theory. Cambridge, MA: MIT Press.
2. Brams, Steven J. and Alan D. Taylor (1996) Fair Division: From Cake-Cutting to Dispute Resolution.
Cambridge: Cambridge University Press.
3. Le Grand, Julian (1991) Equity and Choice: An Essay in Economics and Applied Philosophy. London: Harper Collins.
4. Varian, Hal R. (1975) 'Distributive justice, welfare economics, and the theory of fairness'. Philosophy and Public Affairs, 4:223-47.
5. Young, H. Peyton (1994) Equity: In Theory and Practice. Princeton, NJ: Princeton University Press.
6. Barry, Brian (1989) Theories of Justice. Berkeley, CA: University of California Press.
7. Binmore, Ken (1994) Game Theory and the Social Contract. vol. 1, Playing Fair. Cambridge, MA: MIT Press.
8. Binmore, Ken (1998) Game Theory and the Social Contract. Vol. 2, Just Playing (Economic Learning and Social Evolution). Cambridge, MA: MIT Press.
9. Zajac, Edward E. (1995) Political Economy of Fairness. Cambridge, MA: MIT Press.

Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Free Lunch Demsetz Henderson I 54
Free-Lunch-Fehlschluss/DemsetzVsArrow/Demsetz/Henderson/Globerman: Arrow(1) vertrat die Auffassung, dass es für eine optimale Erfindungstätigkeit in der Privatwirtschaft „Entschädigungsoptionen“ geben muss, damit Erfinder das Risiko auf andere Personen umlenken können, die bereit sind, es zu tragen.* Arrow schrieb, dass eine Entschädigungsoption ein Vertrag ist, „bei dem die Käufer eine vereinbarte Summe zahlen und die Verkäufer sich verpflichten, vorgeschriebene Mengen eines bestimmten Rohstoffs zu liefern, wenn ein bestimmter Zustand (…) eintritt, und nichts zu liefern, wenn dieser Zustand (…) nicht eintritt“. Arrow argumentierte, dass „das reale Wirtschaftssystem keine Märkte für Entschädigungsoptionen besitzt“ (1962(1): 610-611). DemsetzVsArrow: Demsetz widersprach und wies darauf hin, dass es Rohstoff-Optionen gab. Stellen Sie sich vor, wie viel stärker Demsetz' empirischer Fall gewesen wäre, wenn er ihn 1974 geschrieben hätte, kurz nachdem die Chicago Board Options Exchange 1973 ins Leben gerufen worden war: Rohstoffoptionen werden an dieser Börse gehandelt. Demsetz wies jedoch auf einen wichtigen Grund dafür hin, dass es sie nicht in dem Maße gab, wie es Arrow gerne gehabt hätte: die Kosten für ihre Entwicklung.
Kostenloses Mittagessen/Free Lunch/DemsetzVsArrow: „Arrow ist hier in den Trugschluss des kostenlosen Mittagessens verfallen. Das Wort „nicht-optimal“ ist irreführend und zweideutig. Bedeutet es, dass das freie Unternehmertum noch verbessert werden kann?
Henderson I 55
Nehmen wir an, die Kosten für die Vermarktung von Rohstoffoptionen übersteigen den Gewinn aus der Anpassung dem Risiko übersteigt. Dies wäre der Grund für ihr mutmaßliches Fehlen. Kann man sagen, dass freies Unternehmertum zu einer nicht-optimalen Risikoanpassung führt? Mit dieser Behauptung würde man bestreiten, dass Knappheit für die Optimalität relevant ist - eine seltsame Position für einen Wirtschaftswissenschaftler. Indem der Nirwana-Ansatz behauptet, dass freies Unternehmertum zu einer unvollständigen Risikoanpassung führt, verleitet er durch den Vergleich dieser Anpassungen mit dem Ideal dazu, unvollständig mit nicht-optimal gleichzusetzen. Dies wäre nur dann richtig, wenn Warenoptionen oder andere Möglichkeiten der Risikoanpassung kostenlos wären. Auf diese Weise beruht der Nirwana-Ansatz auf der impliziten Annahme der Nicht-Knappheit, aber da eine Risikoverlagerungoder -minderung im Allgemeinen nicht kostenlos möglich ist, ist der Nachweis der Nichtoptimalität falsch ist. (1969(2): 3-4)
>Nirwana-Täuschung/Demsetz.
Kurz gesagt, die Tatsache, dass es viele Rohstoffoptionen gar nicht gibt, ist alles andere als ein Marktversagen, sondern ein Markterfolg. Märkte sortieren Waren und Dienstleistungen aus, deren Kosten ihren Wert übersteigen.
Arrow: Selbst wenn es Commodity-Optionen gäbe, so Arrow, würde der freie Markt immer noch zu wenig in Informationen investieren. Arrow nannte zwei Gründe: Risikoaversion und Moral Hazard.
>Risikoaversion, >Moral Hazard, >Moralisches Risiko, >Trittbrettfahrerproblem.
DemsetzVsArrrow: Demsetz wies auf den Trugschluss hin, dass „die Menschen unterschiedlich sein könnten“. ((s) Problem: das ist eine bloße Annahme und beweist nichts).
>Risikoaversion/Demsetz.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).
2. Demsetz, Harold (1969). Information and Efficiency: Another Viewpoint. Journal of Law and Economics 12, 1 (April): 1-22.

EconDems I
Harold Demsetz
Toward a theory of property rights 1967

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Gemeingut De Viti De Marco Rothbard III 1030
Gemeingut/Kollektive Güter/De Viti De Marco/Rothbard: Es sind viele Versuche unternommen worden (...), das Konzept des „kollektiven“ Gutes zu retten, um eine scheinbar unumstößliche, wissenschaftliche Rechtfertigung für staatliche Maßnahmen zu liefern. De Viti De Marco: Antonio De Viti De Marco definierte „kollektive Bedürfnisse“ als zwei Kategorien:
a) Bedürfnisse, die entstehen, wenn sich ein Individuum nicht in Isolation befindet, und
b) Bedürfnisse, die mit einem Interessenkonflikt verbunden sind.
RothbardVsDe Viti De Marco:
Vs a) Die erste Kategorie ist jedoch so weit gefasst, dass sie die meisten Marktprodukte einschließt. Es hätte zum Beispiel keinen Sinn, Theaterstücke aufzuführen, wenn nicht eine bestimmte Anzahl von Menschen sie sehen würde, oder Zeitungen herauszugeben, wenn es nicht einen bestimmten breiten Markt gäbe. Müssen daher alle diese Branchen verstaatlicht und vom Staat monopolisiert werden?
Vs b) Die zweite Kategorie soll vermutlich für die Verteidigung gelten. Dies ist jedoch nicht richtig. Die Verteidigung selbst spiegelt keinen Interessenkonflikt wider, sondern eine drohende Invasion, gegen die man sich verteidigen muss. Außerdem ist es kaum vernünftig, dasjenige Bedürfnis als „kollektiv“ zu bezeichnen, das am wenigsten einhellig sein dürfte, denn Räuber werden es kaum wünschen!(1)
Immaterielle Güter/Dienstleistungen: Andere Ökonomen schreiben, als ob Verteidigung notwendigerweise kollektiv sei, weil es sich um eine immaterielle Dienstleistung handelt, während Brot, Autos usw. materiell teilbar sind und an Individuen verkauft werden können.
RothbardVs: Aber „immaterielle“ Dienstleistungen für Einzelpersonen gibt es auf dem Markt im Überfluss. Müssen Konzertveranstaltungen vom Staat monopolisiert werden, weil ihre Dienstleistungen immateriell sind?

1. Antonio De Viti De Marco, First Principles of Public Finance (London: Jonathan Cape, 1936), S. 37-41. Ähnlich wie De Viti's erste Kategorie ist Baumol's Versuch eines Kriteriums für „gemeinsam“ finanzierte Güter, für eine Kritik daran siehe Rothbard, „Toward A Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 255-60.

De Viti De Marco I
Antonio De Viti De Marco
La Politica Commerciale E Gl’interessi Dei Lavoratori Charleston, South Carolina 2010

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Gemeingut Wirtschaftstheorien Rothbard III 1030
Gemeingut/Kollektive Güter/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Es sind viele Versuche unternommen worden (...), das Konzept des „kollektiven“ Gutes zu retten, um eine scheinbar unumstößliche, wissenschaftliche Rechtfertigung für staatliche Maßnahmen zu liefern. Molinari: Molinari zum Beispiel versuchte, die Verteidigung als kollektives Gut zu etablieren, und behauptete: „Eine Polizeitruppe dient allen Einwohnern des Bezirks, in dem sie tätig ist, aber die bloße Einrichtung einer Bäckerei stillt nicht ihren Hunger.“
RothbardVsMolinari: Aber im Gegenteil, es gibt keine absolute Notwendigkeit für eine Polizeitruppe, jeden Einwohner eines Gebietes zu verteidigen oder, mehr noch, jedem das gleiche Maß an Schutz zu gewähren. Außerdem würde sich ein absoluter Pazifist, ein Anhänger der totalen Gewaltlosigkeit, der in diesem Gebiet lebt, nicht als von der Polizei geschützt oder als von ihr verteidigt betrachten. Im Gegenteil, er würde jede Polizei in seinem Gebiet als nachteilig für ihn betrachten. Daher kann die Verteidigung nicht als „kollektives Gut“ oder „kollektives Bedürfnis“ betrachtet werden. Ähnlich verhält es sich mit Projekten wie Staudämmen, bei denen nicht einfach davon ausgegangen werden kann, dass sie allen in dem Gebiet zugute kommen.(1)
De Viti De Marco: Antonio De Viti De Marco definierte „kollektive Bedürfnisse“ als zwei Kategorien:
a) Bedürfnisse, die entstehen, wenn sich ein Individuum nicht in Isolation befindet, und
b) Bedürfnisse, die mit einem Interessenkonflikt verbunden sind.
RothbardVsDe Viti De Marco:
Vs a) Die erste Kategorie ist jedoch so weit gefasst, dass sie die meisten Marktprodukte einschließt. Es hätte zum Beispiel keinen Sinn, Theaterstücke aufzuführen, wenn nicht eine bestimmte Anzahl von Menschen sie sehen würde, oder Zeitungen herauszugeben, wenn es nicht einen bestimmten breiten Markt gäbe. Müssen daher alle diese Branchen verstaatlicht und vom Staat monopolisiert werden?
Vs b) Die zweite Kategorie soll vermutlich für die Verteidigung gelten. Dies ist jedoch nicht richtig. Die Verteidigung selbst spiegelt keinen Interessenkonflikt wider, sondern eine drohende Invasion, gegen die man sich verteidigen muss. Außerdem ist es kaum vernünftig, dasjenige Bedürfnis als „kollektiv“ zu bezeichnen, das am wenigsten einhellig sein dürfte, denn Räuber werden es kaum wünschen!(2)
Immaterielle Güter/Dienstleistungen: Andere Ökonomen schreiben, als ob Verteidigung notwendigerweise kollektiv sei, weil es sich um eine immaterielle Dienstleistung handelt, während Brot, Autos usw. materiell teilbar sind und an Individuen verkauft werden können.
RothbardVs: Aber „immaterielle“ Dienstleistungen für Einzelpersonen gibt es auf dem Markt im Überfluss. Müssen Konzertveranstaltungen vom Staat monopolisiert werden, weil ihre Dienstleistungen immateriell sind?
Rothbard III 1031
Samuelson: In den letzten Jahren hat Professor Samuelson seine eigene Definition von „kollektiven Konsumgütern“ in einer sogenannten „reinen“ Theorie der Staatsausgaben angeboten. Def. kollektive Konsumgüter/Samuelson: Kollektive Konsumgüter sind nach Samuelson solche, „die alle gemeinsam in dem Sinne genießen, dass der Konsum eines jeden Individuums eines solchen Gutes zu keinem Abzug vom Konsum eines anderen Individuums dieses Gutes führt“. Aus irgendeinem Grund wird angenommen, dass dies die richtigen Güter (oder zumindest diese) sind, die der Staat und nicht der freie Markt bereitstellen sollte.(3)
VsSamuelson: Samuelsons Kategorie ist mit gebührender Schärfe angegriffen worden. Professor Enke(4) wies beispielsweise darauf hin, dass die meisten staatlichen Dienstleistungen einfach nicht in Samuelsons Klassifizierung passen - darunter Autobahnen, Bibliotheken, Justizdienste, Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser und militärischer Schutz. Wir können sogar noch weiter gehen und behaupten, dass keine Güter jemals in Samuelsons Kategorie der „kollektiven Konsumgüter“ passen würden.
Margolis: [Julius] Margolis(4) zum Beispiel, der Samuelson zwar kritisch gegenübersteht, räumt ein, dass die Landesverteidigung und Leuchttürme in diese Kategorie fallen. Aber die „Landesverteidigung“ ist sicherlich kein absolutes Gut mit nur einer Versorgungseinheit. Sie besteht aus spezifischen Ressourcen, die auf bestimmte und konkrete Weise eingesetzt werden - und diese Ressourcen sind notwendigerweise knapp. Ein Ring von Verteidigungsbasen um New York zum Beispiel verringert die Menge, die um San Francisco herum verfügbar ist. Außerdem leuchtet ein Leuchtturm nur in einem bestimmten Gebiet. Ein Schiff in diesem Gebiet verhindert nicht nur, dass andere zur gleichen Zeit in das Gebiet einlaufen, sondern auch der Bau eines Leuchtturms an einem Ort schränkt dessen Bau an anderer Stelle ein. Wenn ein Gut wirklich technologisch „kollektiv“ im Sinne von Samuelson ist, dann ist es überhaupt kein Gut, sondern eine natürliche Bedingung für das menschliche Wohlergehen, wie die Luft, die für alle im Überfluss vorhanden ist und daher niemandem gehört. In der Tat ist nicht der Leuchtturm, sondern der Ozean selbst - wenn die Ianes nicht überfüllt sind - das „kollektive Konsumgut“, das daher herrenlos bleibt. Es ist offensichtlich, dass weder die Regierung noch irgendjemand anderes normalerweise benötigt wird, um den Ozean zu produzieren oder zu verteilen.(4)
Rothbard III 1032
Tiebout: Charles M. Tiebout(5) räumt ein, dass es keinen „reinen“ Weg zur Festlegung eines optimalen Niveaus der Staatsausgaben gibt, und versucht, eine solche Theorie speziell für die Kommunalverwaltung zu retten. Er ist sich bewusst, dass der Prozess der Besteuerung und sogar der Stimmabgabe die freiwillige Demonstration der Wahlfreiheit der Verbraucher im Bereich der Regierung ausschließt, und argumentiert, dass die Dezentralisierung und die Freiheit der Binnenwanderung die Ausgaben der lokalen Regierung mehr oder weniger optimal machen - so wie wir sagen können, dass die Ausgaben von Unternehmen auf dem freien Markt „optimal“ sind -, da die Einwohner nach Belieben zu- und abwandern können. Sicherlich ist es richtig, dass der Verbraucher besser gestellt ist, wenn er ohne weiteres aus einer Gemeinde mit hohen Steuern in eine Gemeinde mit niedrigen Steuern umziehen kann. Aber dies hilft dem Verbraucher nur bis zu einem gewissen Grad; es löst nicht das Problem der Staatsausgaben, das ansonsten dasselbe bleibt. Es gibt in der Tat noch andere Faktoren als den Staat, die bei der Wahl des Wohnsitzes eine Rolle spielen, und es kann sein, dass genügend Menschen aus dem einen oder anderen Grund an ein bestimmtes geografisches Gebiet gebunden sind, um ein hohes Maß an staatlicher Plünderung zuzulassen, bevor sie umziehen. Darüber hinaus besteht ein großes Problem darin, dass die gesamte Landfläche der Welt festgelegt ist und dass die Regierungen das gesamte Land für sich beansprucht haben und somit die Verbraucher allgemein belasten.(5) >Kollektive Güter/Rothbard, >Soziale Güter.

1. Gustave de Molinari, The Society ofTomorrow. New York: G.P. Putnam's Sons, 1904. Nachdruck Taylor & Francis, 1972 S. 63. Zum Trugschluss der kollektiven Güter siehe S.R., Ibid., S. 63. Zum Trugschluss der kollektiven Güter siehe S.R., „Spencer As His Own Critic“, Liberty, Juni 1904, und Merlin H. Hunter und Harry K. Allen, Principles of Public Finance (New York: Harpers, 1940), S. 22. Molinari hatte nicht immer an die Existenz von „Kollektivgütern“ geglaubt, wie aus seinem bemerkenswerten „De la production de la sécurité“, Journal des Economistes, 15. Februar 1849, und Molinari, „Onziéme soirée“ in Les soirées de la Rue Saint Lazare (Paris, 1849) hervorgeht.
2. Antonio De Viti De Marco, First Principles of Public Finance (London: Jonathan Cape, 1936), S. 37-41. Ähnlich wie De Viti's erste Kategorie ist Baumol's Versuch eines Kriteriums für „gemeinsam“ finanzierte Güter, für eine Kritik daran siehe Rothbard, „Toward A Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 255-60.
3. Paul A. Samuelson, „The Pure Theory of Public Expenditures“, Review ofEconomics and statistics, November 1954, S. 387-89.
4. Stephen Enke, „More on the Misuse of Mathematics in Economics: A Rejoinder,“ Review of Economics and statistics, May, 1955, pp. 131-33 ; Julius Margolis, ‚A Comment On the Pure Theory of Public Expenditures,‘ Review of Economics and statistics, November, 19 5 5, pp. 347-49. In seiner Antwort an die Kritiker beeilt sich Samuelson, jede mögliche Andeutung zu dementieren, dass er die Sphäre des Staates auf kollektive Güter beschränken wolle, und behauptet, dass seine Kategorie wirklich ein „polares“ Konzept sei. Die Güter in der realen Welt sollen nur Mischungen aus den „polaren Extremen“ der öffentlichen und privaten Güter sein. Aber diese Konzepte sind, selbst in Samuelsons eigenen Begriffen, entschieden nicht polar, sondern erschöpfend. Entweder verringert der Konsum eines Gutes durch A den möglichen Konsum von B, oder er tut es nicht: Diese beiden Alternativen schließen sich gegenseitig aus und erschöpfen die Möglichkeiten. In der Tat hat Samuelson seine Kategorie sowohl als theoretisches als auch als praktisches Instrument aufgegeben. Paul A. Samuelson, „Diagrammatic Exposition of a Theory of Public Expenditure“, Review of Economics and statistics, November 1955, S. 350-56.
5. Charles M. Tiebout, „A Pure Theory of Local Expenditures“, Journal of Political Economy, Oktober 1956, S. 416-24. An einer Stelle scheint Tiebout zuzugeben, dass seine Theorie nur dann gültig wäre, wenn jeder Mensch irgendwie „seine eigene Kommunalverwaltung“ sein könnte. Ibid., S. 421.
Im Zuge einer scharfen Kritik an der Idee des Wettbewerbs in der Regierung schrieb der Colorado Springs Gazette-Telegraph wie folgt: „Wenn der Steuerzahler die Freiheit hätte, als Kunde zu handeln und nur die Dienstleistungen zu kaufen, die er für sich selbst als nützlich erachtet und die preislich in seinem Rahmen liegen, dann wäre dieser Wettbewerb zwischen den Regierungen eine wunderbare Sache. Aber weil der Steuerzahler kein Kunde ist, sondern nur der Regierte, kann er nicht frei wählen. Er ist nur gezwungen, zu zahlen.... Bei der Regierung gibt es keine Produzenten-Kunden-Beziehung. Es gibt nur die Beziehung, die immer zwischen denen besteht, die herrschen, und denen, die beherrscht werden. Die Beherrschten sind niemals frei, die Dienstleistungen der Produkte des Herrschers abzulehnen.... Anstatt zu versuchen, herauszufinden, welche Regierung den Beherrschten am besten dienen kann, begann jede Regierung, mit jeder anderen Regierung auf der Grundlage ihrer Steuereinnahmen zu konkurrieren.... Das Opfer dieses Wettbewerbs ist immer der Steuerzahler.... Der Steuerzahler wird nun von der Bundes-, Landes-, Schul-, Bezirks- und Stadtregierung bedrängt. Jeder von ihnen konkurriert um den letzten Dollar, den er hat.“ (Colorado Springs Gazette-Telegraph, 16. Juli 1958)

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Gemütszustände Bindungstheorie Corr I 250
Gemütszustand/Bindungstheorie/Shaver/Mikulincer: A. Ein Gemütszustand basiert auf dem Versagen von Bindungsverhalten, ein positives Ergebnis zu erzielen (Nähe, Liebe oder Schutz) und auf der Bestrafung (mit Unachtsamkeit, Ablehnung oder Feindseligkeit) für die Umsetzung dieser Verhaltensweisen. In einem solchen Zustand wird die Suche nach der Nähe zu einer Bezugsperson wahrscheinlich zu einer Hauptquelle oder Bedrohung durch psychische Schmerzen werden.
B. Ein ganz anderer Geisteszustand ergibt sich aus der Betonung der Nicht-Koregulierung von Notfällen und der Sorge, dass man nicht in der Lage ist, mit Bedrohungen allein umzugehen. Dieser Gemütszustand ermutigt eine Person, härter zu arbeiten, um Aufmerksamkeit, Kooperation und Schutz von einer Bezugsperson zu erlangen, d.h. das Bezugssystem zu hyperaktivieren.
Mikulincer, Gillath, Sapir-Lavid et al. (2003)(1) beschrieben eine Reihe von äußeren und inneren Faktoren, die zur relativen Stärke dieser beiden unterschiedlichen Geisteszustände beitragen. Die vermeidbare Deaktivierung scheint durch (a) konsequente Unachtsamkeit, Ablehnung oder wütende Reaktionen einer Bezugsperson gefördert zu werden; (b) Strafandrohungen für Nähe suchende Signale und Verhaltensweisen; (c) gewaltsames oder missbräuchliches Verhalten seitens einer Bezugsperson; und (d) explizite oder implizite Forderungen nach mehr Eigenverantwortung und Hemmung von Ausdrucksformen von Not und Verwundbarkeit.
>Über die Bindungstheorie.

1. Mikulincer, M., Gillath, O., Sapir-Lavid, Y., Yaakobi, E., Arias, K., Tal-Aloni, L. and Bor, G. 2003. Attachment theory and concern for others’ welfare: evidence that activation of the sense of secure base promotes endorsement of self-transcendence values, Basic and Applied Social Psychology 25: 299–312


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Developmental, psychodynamic and optimal-functioning aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Generationengerechtigkeit Rawls I 128
Generationengerechtigkeit/Rawls: es ist die Frage, ob die Personen in einem angenommenen Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft Pflichten und Verpflichtungen gegenüber Dritten, insbesondere ihrer direkten Nachkommen haben. Das Prinzip der Gerechtigkeit als Fairness möchte seine Prinzipien aber nicht aus solchen Erwägungen ableiten. >Fairness/Rawls, >Gesellschaft/Rawls, >Gerechtigkeit/Rawls.
Dennoch nehme ich an, dass die Personen zwar nicht ihre eigene Lebensspanne in Kontinuität berücksichtigen, aber dennoch wird sich ihr Goodwill über wenigstens zwei Generationen erstrecken.
I 208
Generationengerechtigkeit/Rawls: Da die Mitglieder der Gesellschaft ein Interesse haben, ihren Abkömmlingen gleiche Freiheitsrechte zu sichern, gibt es keinen Konflikt über die Wahl des Prinzips gleicher Freiheiten. Ein Sohn könnte z.B. nicht argumentieren, dass der Vater seine Interessen vernachlässigte, würde er das Prinzip gleicher Freiheiten akzeptieren. Der Vater müsste bei einer Abweichung davon zuungunsten anderer argumentieren, dass diese anderen Vorteile entstünden, wenn sie erwachsen werden.
I 284
Generationengerechtigkeit/Rawls: Diese Frage fordert jede ethische Theorie heraus. Sie hängt davon ab, wie die sozialen Mindeststandards definiert werden.
I 286
Soziale Mindeststandards/Rawls: hier gibt es zwei Probleme: a) es kann nicht genug angespart werden oder
b) die Besteuerung greift bei einer Anhebung des Minimums zu stark.
Dann beginnt die Situation der am schlechtesten Gestellten, sich zu verschlechtern.
Die Frage der Sparrate ist oft diskutiert worden(1)(2)(3)(4)(5).
I 287
Generationengerechtigkeit/Rawls: Die Schlussfolgerung ist, dass die größeren Vorteile künftiger Generationen hinreichend groß sein werden, um die gegenwärtigen Opfer zu kompensieren. Das kann allein deshalb schon wahr sein, weil spätere Generationen bessere Technologie zur Verfügung haben. RawlsVsUtilitarismus: Der Utilitarismus zwingt uns dazu, den Ärmeren größere Opfer aufzuerlegen für die Späteren, denen es vielleicht schon aufgrund anderer Umstände besser gehen wird.
Das gegenseitige Aufrechnen macht aber zwischen Generationen nicht so viel Sinn wie zwischen Zeitgenossen.
>Utilitarismus, >VsUtilitarismus.
Vertragstheorie/Vertragsdoktrin/Rawls: Die Vertragsdoktrin betrachtet das Problem aus Sicht der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft. Hier wissen die Beteiligten nicht, zu welcher Generation sie gehören, wenn sie sich für die Gesellschaftsform und ihre Ausgestaltung entscheiden sollen. Nun sollen sie sich fragen, wieviel sie bereit sind, anzusparen, wenn alle anderen dasselbe tun. Dadurch sollen sie ein Prinzip des gerechten Sparens aufstellen, dass für alle gilt.
>Vertragstheorie.
I 288
Einzig die Angehörigen der allerersten Generation profitieren nicht davon, aber niemand weiß, zu welcher Generation er gehört.
I 289
Das Prinzip des gerechten Sparens zwingt aber nicht dazu, auf ewig weiter zu sparen. Details sind zu späteren Zeitpunkten zu klären. Jede Generation hat ihre eigenen, angemessenen Ziele. Generationen sind einander ebenso wenig unterworfen wie Individuen es sind. Keine Generation hat besondere Ansprüche.
I 290
Sparen/Sparrate/Wohlstand/Rawls: Das letzte Stadium muss keines des Überflusses sein. Das Prinzip der Gerechtigkeit fordert nicht frühere Generationen zu sparen, damit spätere mehr haben. Vielmehr geht es beim Sparen um die Ermöglichung einer besseren Ausprägung einer gerechten Gesellschaft und gleicher Freiheiten. Wenn mehr angespart wird, ist es für andere Zwecke. Es wäre ein Missverständnis zu denken, die Verwirklichung einer guten und gerechten Gesellschaft müsse warten bis ein hoher Lebensstandard erreicht ist.
I 291
Generationengerechtigkeit/Alexander Herzen/Rawls: Herzen These: Die menschliche Entwicklung ist eine Art chronologischer Unfairness, denn die Späteren profitieren von der Arbeit der Früheren, ohne denselben Preis zu zahlen.(6) >A. Herzen.
Generationengerechtigkeit/Kant: Kant sah es als befremdlich an, dass frühere Generationen ihre Last lediglich zugunsten der späteren tragen und das diese als einzige das Glück haben werden, in einem vollendeten Gebäude wohnen zu dürfen(7).
>Generationengerechtigkeit/Kant.

1. Siehe A. K. Sen „On Optimizing the Rate of Saving“, Economic Journal, Bd. 71, 1961.
2. J. Tobin, National Economic Policiy, New Haven, 1966, Kap. IX.
3. R.M. Solow, Growth Theory, New York, 1970, Kap. V.
4. Frank P. Ramsey, „A Mathematical Theory of Saving“, Economic Journal, Bd. 38, 1928, Nachdruck in Arrow and Scitovsky, Readings in Welfare Economics.
5. T.C. Koomans, „On the Concept of Optimal Economic Growth“ (1965), In: Scientific Papers of T. C. Kopmans, Berlin, 1970.
6. Zitat aus Isaiah Berlin’s Einführung zu Franco Venturi, Roots of Revolution, New York, 1960 S. xx.
7. Kant: „Idea for a Universal History with a Cosmopolitan Purpose“, Zitiert aus Hans Reiss (Hrsg.) Kant, Political Writings, Cambridge, 1970, S. 44.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Gesellschaft Harris Gaus I 216
Gesellschaft/David Harris/Moon: Da die Begriffe der positiven Rechte und der Chancengleichheit außerhalb spezifischer sozialer Kontexte nicht gut definiert sind, werden sie oft mit Argumenten kombiniert, die an die Ideale der Staatsbürgerschaft und der sozialen Solidarität appellieren. Das Grundargument ist, dass der Wohlfahrtsstaat die Einbeziehung aller Bürger als vollwertige Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft garantieren sollte, was voraussetzt, dass ein umfassendes Spektrum an sozialen Rechten bereitgestellt wird. David Harris: Harris bietet eine kommunitaristische Version des Arguments der Solidarität. Er argumentiert, dass die "Vollmitgliedschaft" in einer Gesellschaft voraussetzt, dass jede Person in der Lage ist, "einen bestimmten Lebensstil" und "bestimmte Lebenschancen" zu genießen (1987(1): 147). Obwohl er anerkennt, dass moderne Gesellschaften eine Vielzahl verschiedener Gruppen umfassen, besteht er darauf, dass es mehr oder weniger gemeinsame Standards dafür gibt, was ein Individuum tun und wie es leben können muss, wenn es nicht ausgeschlossen oder sozial ausgegrenzt werden soll. Diese Standards bestimmen die Bedürfnisse der Mitglieder dieser Gesellschaft und sollten allen Bürgern als eine Frage des Rechts gleichermaßen zur Verfügung stehen, denn nur so kann der gleiche Status der Mitglieder anerkannt und respektiert werden (1987(1): 154-7).
Moon: Diese Argumentationslinie unterstützt den institutionellen Wohlfahrtsstaat, in dem Dienstleistungen teilweise in Form von Sachleistungen erbracht werden, weil "die Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf diese spezifische Ressource" haben, wie etwa "Bildung", und nicht ein Recht "auf Einkommen, das für Bildung ausgegeben werden kann oder nicht" (1987(1): 150).
Darüber hinaus ist die universelle Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls und einer gleichberechtigten Staatsbürgerschaft und kann dazu beitragen.
Schließlich kann die Bereitstellung von Sachleistungen eine Form von "gerechtfertigter Bevormundung" sein, insofern als "einige Personen unvorsichtig oder verschwenderisch sein mögen oder nicht in der Lage sind, angemessen mit Bargeld umzugehen" (1987(1): 150-1).
Familie: Harris' Darstellung stützt sich auf eine Analogie zwischen der politischen Gesellschaft und der Familie: So wie wir Verpflichtungen gegenüber und Rechte gegen Mitglieder unserer Familie haben, unabhängig davon, was sie individuell für uns getan haben, so haben wir auch Verpflichtungen gegenüber und Rechte gegen unsere Mitbürger.
Moon: Die Betonung der Pflichten ist entscheidend, denn die Möglichkeit, seine Rechte zu genießen, hängt von der bereitwilligen Unterstützung der Sozialpolitik seitens der Bürger ab, und um seine Rechte einzufordern, muss man bereit sein, das "System der Pflichten" zu erfüllen, das "der Struktur der Bürgerrechte zugrunde liegt" (1987(1): 160).
Grundlegende Bedürfnisse: (...) Harris fährt fort zu argumentieren, dass die pragmatischen Schwierigkeiten bei der Bestimmung, ob die unerfüllten Bedürfnisse eines Menschen ein Ergebnis seiner eigenen Entscheidungen sind, so groß sind, dass wir davon ausgehen sollten, dass es solche Fälle nicht gibt, und uns auf ein "Pflichtgefühl oder Gemeinschaftsgefühl verlassen sollten, um den Missbrauch des Systems zu verhindern oder zu minimieren" (1987(1): 161).
Gaus I 217
MoonVsHarris: 1) (...) Die Begründung von Rechten und Pflichten auf 'Mitgliedschaft' ist insofern zutiefst problematisch, als sie die Frage aufwirft, ob die Gesellschaftsordnung, der wir angehören sollen, gerecht ist. 2) (...) Ironischerweise haben Wohlfahrtsstaaten eine systematische Tendenz, genau die Gemeinschaftsgefühle und -beziehungen zu untergraben, die die Werte der Solidarität und Gleichheit unterstützen würden. Obwohl die Teilnahme an einem gemeinsamen Programm, wie z.B. einem nationalen Gesundheitsdienst oder einer medizinischen Versorgung, zu Gefühlen der Solidarität mit anderen führen kann, kann das, was Menschen tatsächlich erleben, oft ganz anders sein kann. In vielen Fällen ist es eher so, dass man auf den Status eines Klienten reduziert wird, der versucht, seine Bedürfnisse durch eine unpersönliche und nicht reagierende Bürokratie zu befriedigen. *
3) (...) das Bekenntnis zur Gleichheit kann manchmal mit dem Bekenntnis zur Demokratie unvereinbar sein. Nehmen wir zum Beispiel Albert Weales Argument für einkommensbezogene wohlfahrtsstaatliche Systeme, wie die soziale Sicherheit in den USA. Weale argumentiert, dass solche Systeme das Gesamtvolumen der staatlichen Transfers erhöhen und damit zu einer größeren "egalitären Wirksamkeit" führen. >Gleichheit/Weale, >Solidarität/Wohlfahrtsökonomik.

*Dies ist ein wichtiges Thema in Wolfe's Analyse und Kritik der staatlichen Versorgung (vgl. 1989(2): insbesondere Kap. 4 und 5).

1. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
2. Wolfe, Alan (1989) Whose Keeper? Social Science and Moral Obligation. Berkeley, CA: University of California Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

LingHarris I
Zellig S. Harris
A Theory of Language and Information: A Mathematical Approach Oxford 1991

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Gleichgewicht Walras Mause I 54
Gleichgewicht/Neoklassische Theorie: Vom Verhalten einzelner Haushalte und Unternehmen lassen sich die Nachfrage nach und das Angebot von verschiedenen Gütern sowie das entsprechende Marktgleichgewicht mit Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge ableiten. Von zentraler Bedeutung für die Bewertung von Märkten und Marktgleichgewichten ist jedoch nicht diese Partialanalyse einzelner Märkte, sondern die Totalanalyse, d. h. die simultane Betrachtung aller Märkte einer Volkswirtschaft und der zwischen denselben bestehenden Interdependenzen (Allgemeine Gleichgewichtstheorie). Der Pionier der Totalanalyse war Léon Walras.(1) In ihrer modernen Form wurde sie geprägt von Kenneth J. Arrow und Gerard Debreu (Arrow 1951 (2); Arrow und Debreu 1954 (3)). In einem ersten Schritt lässt sich die Existenz eines allgemeinen Marktgleichgewichts beweisen. Dabei werden die relativen Preise aller Güter ausschließlich durch die realen ökonomischen Bedingungen (also z. B. die Produktionstechnik, die Ressourcenausstattung oder die Nachfragestruktur) determiniert; das Geld spielt nur insoweit eine Rolle als das Preisniveau (nach Maßgabe der Quantitätstheorie) von der Geldmenge abhängt; im Übrigen ist es neutral. Problem: Die für das Gleichgewicht notwendigen Bedingungen sind in der Realität niemals erfüllt.
Lösung: In der Theorie wird die Existenz des Gleichgewichts bewiesen, nicht aber seine Stabilität.
>Neoklassiker, >K. Arrow.

1. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I– III (1874), Teile IV–VI (1877). Lausanne 1874/ 1877.
2. K.J. Arrow, An extension of the basic theorems of classical welfare economics. In Proceedings of the second Berkeley symposium on mathematical statistics and probability, Hrsg. J. Neyman, Berkeley 1951
3. K. J. Arrow, G. Debreu Existence of equilibrium for a competitive economy. Econometrica 22: 82– 109.

EconWalras I
Léon Walras
Eléments d’Economie Politique Pure Lausanne 1874

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Gleichgewichtstheorie Neoklassiker Mause I 54
Gleichgewicht/Neoklassische Theorie: Vom Verhalten einzelner Haushalte und Unternehmen lassen sich die Nachfrage nach und das Angebot von verschiedenen Gütern sowie das entsprechende Marktgleichgewicht mit Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge ableiten. Von zentraler Bedeutung für die Bewertung von Märkten und Marktgleichgewichten ist jedoch nicht diese Partialanalyse einzelner Märkte, sondern die Totalanalyse, d. h. die simultane Betrachtung aller Märkte einer Volkswirtschaft und der zwischen denselben bestehenden Interdependenzen (Allgemeine Gleichgewichtstheorie). Der Pionier der Totalanalyse war Léon Walras.(1) In ihrer modernen Form wurde sie geprägt von Kenneth J. Arrow und Gerard Debreu (Arrow 1951(2); Arrow und Debreu 1954 (3)). In einem ersten Schritt lässt sich die Existenz eines allgemeinen Marktgleichgewichts beweisen. Dabei werden die relativen Preise aller Güter ausschließlich durch die realen ökonomischen Bedingungen (also z. B. die Produktionstechnik, die Ressourcenausstattung oder die Nachfragestruktur) determiniert; das Geld spielt nur insoweit eine Rolle als das Preisniveau (nach Maßgabe der Quantitätstheorie) von der Geldmenge abhängt; im Übrigen ist es neutral. Problem: Die für das Gleichgewicht notwendigen Bedingungen sind in der Realität niemals erfüllt.
Lösung: In der Theorie wird die Existenz des Gleichgewichts bewiesen, nicht aber seine Stabilität.
>K. Arrow.

1. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I–III (1874), Teile IV– VI (1877). Lausanne 1874/ 1877.
2. K.J. Arrow, An extension of the basic theorems of classical welfare economics. In Proceedings of the second Berkeley symposium on mathematical statistics and probability, Hrsg. J. Neyman, Berkeley 1951
3. K. J. Arrow, G. Debreu Existence of equilibrium for a competitive economy. Econometrica 22: 82–109.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Gleichheit Sen Gaus I 231
Gleichheit/Sen/Lamont: In seinem einflussreichen Vortrag 'Equality of what?' (1980)(1) befasst sich Amartya Sen mit der Frage, nach welchem Maßstab Gleichberechtigte den Grad bestimmen sollten, in dem eine Gesellschaft das Ideal der Gleichheit verwirklicht. In seinem Vortrag befasste sich Sen mit einer Debatte über zwei in Frage kommende Metriken, nämlich Wohlfahrt (oder Nutzen) auf der einen Seite und Rawls'sche Primärgüter auf der anderen. >J. Rawls.
Zur Debatte zwischen Sen und Rawls lagen Fragen nach dem Ausmaß, in dem die Wohlfahrtsmetrik moralisch falsche Präferenzen oder einen teuren Geschmack ungerechterweise berücksichtigt. Zwischen diesen Extremen führte Sen die "Fähigkeitsgleichheit" ein, wobei sich Fähigkeiten auf das beziehen, was verschiedene Güter für die Menschen tun, abgesehen von der Wohlfahrt, die sie erreichen (Sen, 1985(2); 1987(3)).
Vgl. >Chancengleichheit, >Wohlfahrtsstatt, >Verteilungsgerechtigkeit.
Damit wurde eine weitere Variable in die "Gleichheit von was"-Literatur eingeführt, die von Argumenten zwischen Befürwortern der Gleichheit der Ergebnisse und Befürwortern der Chancengleichheit dominiert worden war (für neuere Beiträge siehe Bowie, 1988(4)).
Seither wurde eine Reihe alternativer Variablen für das, was ausgeglichen werden sollte, eingeführt (Daniels, 1990(5)) und verfeinert, darunter die oben diskutierten Ressourcenausgleicher (Dworkin, 2000(6)), Chancengleichheit bei der Wohlfahrt (Arneson, 1989(7); 1990(8); 1991(9)), gleicher Zugang zu Vorteilen (Cohen, 1989)(10) und gleicher politischer Status (Anderson, 1999)(11).
>Rechtfertigung/Lamont.

1. Sen, Amartya (1980) 'Equality of what?' In Sterling M. McMurrin, (Hrsg.), Tanner Lectures on Human Values, Bd. I. Cambridge: Cambridge University Press, 195-220.
2. Sen, Amartya (1985) Commodities and Capabilities. Oxford: Elsevier Science.
3. Sen, Amartya (1987) On Ethics and Economics. Cambridge, MA: Blackwell. 4. Bowie, Norman (1988) Equal Opportunity. Boulder, CO: Westview.
5. Daniels, Norman (1990) 'Equality of what: welfare, resources, or capabilities?' Philosophy and Phenomenological Research, 50 (Fall): 273-96.
6. Dworkin, Ronald (2000) Sovereign Virtue: The Theory and Practice of Equality. Cambridge, MA: Harvard University Press.
7. Arneson, Richard (1989) 'Equality and equal opportunity for welfare, Philosophical Studies, 56: 77-93.
8. Arneson, Richard (1990) 'Liberalism, Distributive Subjectivism and equal opportunity for welfare',
Philosophy and Public Affairs, 19: 159-94.
9. Arneson, Richard (1991) 'Lockean self-ownership: towards a demolition', Political Studies, 39 (l): 36-54.
10. Cohen, G. A. (1989) 'On the currency of egalitarian justice'. Ethics, 99 906_44.
11. Anderson, Elizabeth (1999) 'What is the point of equality?' Ethics, 109 (2): 287-337.

Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Gleichheit Weale Gaus I 217
Gleichheit/Demokratie/Effizienz/Sozialstaat/Wohlfahrtstaat/Weale/Moon: (...) das Bekenntnis zur Gleichheit kann manchmal mit dem Bekenntnis zur Demokratie unvereinbar sein. Nehmen wir zum Beispiel Albert Weales Argument für einkommensbezogene wohlfahrtsstaatliche Systeme, wie die soziale Sicherheit in den USA. Weale argumentiert, dass solche Systeme das Gesamtvolumen der staatlichen Transfers erhöhen und damit zu einer größeren "egalitären Wirksamkeit" führen. Weale erklärt diese egalitäre Wirksamkeit zum Teil wie folgt: "Natürlich gibt es keinen notwendigen Anreiz zur Umverteilung von Ersparnissen im öffentlichen einkommensbezogenen System, aber ebenso wenig gibt es praktische Möglichkeiten, sich einer bescheidenen Umverteilung zu widersetzen, die die Verwalter des öffentlichen Systems bestimmen. Dem typischen Bürger wird die "Ausstiegs"-Option des Einkaufens verwehrt, und er sieht sich lediglich mit der kostspieligen "Mitsprache-Option" konfrontiert, die Bedingungen des öffentlichen Systems zu ändern.
Da die Menschen oft sehr unwissend über die Einzelheiten von Rentensystemen sind, ist die Teilnahme an einer Änderung ihrer Bedingungen extrem kostspielig". (1990(1): 481)
Moon: Kurz gesagt, weil die demokratische Kontrolle schwierig ist, wird der Widerstand des Volkes gegen die Umverteilung wirkungslos bleiben, so dass die Eliten eine größere "egalitäre Wirksamkeit" erreichen können, als die Bürger direkt zu unterstützen bereit wären.
>Chancengleichheit/Wohlfahrtsökonomik.

1. Weale, Albert (1990) 'Equality, social solidarity, and the welfare state'. Ethics, 100: 473—88.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Grenzkosten Hotelling Kiesling I 46
Decreasing-cost industries/Grenzkosten/Hotelling/Kiesling: Im Jahr 1938 veröffentlichte Harold Hotelling(1) ein Argument zugunsten der Grenzkostenpreisgestaltung aus Effizienzgründen, das sich auf das allgemeine Argument stützt, dass die soziale Wohlfahrt dort maximiert wird, wo der Grenznutzen den Grenzkosten entspricht. Aus diesem Grund, so Hotelling, sollten diese Unternehmen den Verbrauchern einen Preis in Höhe der Grenzkosten in Rechnung stellen und vom Steuerzahler finanzierte Subventionen zur Deckung ihrer Fixkosten (die wiederum beträchtlich sind) erhalten. Hotelling stützte sich auf Steuertheorien, um pauschale Steuern für die Verbraucher vorzuschlagen, die in ihrer Gesamtheit die Fixkosten abdecken würden. >Grenzkosten, >Effizienz, >Besteuerung, >Decreasing-cost industries/Coase.

1. Hotelling, H. (1938). The General Welfare in Relation to Problems of Taxation and of Railway and Utility Rates. Econometrica, 6(3), 242–269. https://doi.org/10.2307/1907054

Hotelling I
Harold Hotelling
The economics of exhaustible resources

Kiesling I
L. Lynne Kiesling
The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021
Grenznutzen Mises Rothbard IV 13
Geld/Grenznutzen/Mises/Rothbard: Ludwig von Mises machte sich daran, [die] Trennung [zwischen Geld, „Preisniveau“, „Sozialprodukt“ und Ausgaben] zu reparieren und die Ökonomie des Geldes und seiner Kaufkraft (fälschlicherweise „Preisniveau“ genannt) auf die österreichische Analyse des Individuums und der Marktwirtschaft zu gründen: um zu einer großen integrierten Ökonomie zu gelangen, die alle Teile des Wirtschaftssystems erklären würde.(1) >Österreichische Schule.
Rothbard IV 14
Individuen/MisesVsFisher, Irving: Endlich war die Ökonomie ein Ganzes, ein integriertes Analyseinstrument, das auf individuellem Handeln beruhte; es musste keine Trennung zwischen Geld und relativen Preisen, zwischen Mikro- und Makroebene geben. Die mechanistische Fishersche Auffassung von automatischen Beziehungen zwischen Geldmenge und Preisniveau, von „Umlaufgeschwindigkeiten“ und „Tauschgleichungen“ wurde von Mises ausdrücklich zugunsten einer integrierten Anwendung der Grenznutzentheorie auf das Geldangebot und die Geldnachfrage selbst aufgegeben. >Irving Fisher.
Konkret zeigte Mises, dass der „Preis“ oder die Kaufkraft der Geldeinheit auf dem Markt auf die gleiche Weise bestimmt wird, wie der Preis jedes anderen Gutes durch die verfügbare Menge und die Intensität der Nachfrage der Verbraucher nach diesem Gut (auf der Grundlage seines Grenznutzens für die Verbraucher) bestimmt wird. Im Falle des Geldes ist seine Nachfrage eine Nachfrage nach der Haltung von Bargeld (in der Brieftasche oder auf der Bank, um es früher oder später für nützliche Güter und Dienstleistungen auszugeben). Der Grenznutzen der Geldeinheit (des Dollars, des Frankens oder der Goldunze) bestimmt die Intensität der Nachfrage nach Bargeldguthaben; und die Wechselwirkung zwischen der verfügbaren Geldmenge und der Nachfrage danach bestimmt den „Preis“ des Dollars (d. h. wie viel von anderen Gütern der Dollar im Austausch kaufen kann).
Quantitätstheorie: Mises stimmte mit der klassischen „Quantitätstheorie“ überein, dass eine Zunahme des Angebots an Dollars oder Goldunzen zu einem Rückgang ihres Wertes oder „Preises“ führt (d. h. zu einem Anstieg der Preise anderer Waren und Dienstleistungen); aber er verfeinerte diesen groben Ansatz enorm und integrierte ihn in die allgemeine Wirtschaftsanalyse.
>Quantitätstheorie.
Rothbard IV 15
Grenznutzen/Mises: (...) [von Mises] hat gezeigt, dass diese Bewegung kaum proportional ist; eine Erhöhung des Geldangebots wird tendenziell seinen Wert senken, aber wie sehr, oder ob überhaupt, hängt davon ab, was mit dem Grenznutzen des Geldes geschieht und damit mit der Nachfrage der Öffentlichkeit, ihr Geld in Bargeldguthaben zu halten. Darüber hinaus zeigte Mises, dass die „Geldmenge“ nicht pauschal zunimmt: Die Erhöhung wird an einem Punkt des Wirtschaftssystems injiziert, und die Preise steigen erst, wenn sich das neue Geld in Wellen über die gesamte Wirtschaft ausbreitet. Wenn die Regierung neues Geld druckt und es z.B. für Büroklammern ausgibt, kommt es nicht zu einem einfachen Anstieg des „Preisniveaus“, wie nicht-österreichische Ökonomen sagen würden, sondern zuerst steigen die Einkommen und die Preise für Büroklammern, dann die Preise für die Zulieferer der Büroklammerindustrie und so weiter. Eine Erhöhung des Geldangebots verändert also zumindest vorübergehend die relativen Preise und kann auch zu einer dauerhaften Veränderung der relativen Einkommen führen. >Geldmenge/Mises.
Rothbard IV 16
Grenznutzen/Geld/Mises/Rothbard: Bei der Anwendung des Grenznutzens auf Geld musste Mises ein Problem überwinden, das die meisten Ökonomen für unüberwindbar hielten: den so genannten „österreichischen Kreis“. Die Ökonomen sahen ein, dass die Preise von Eiern, Pferden oder Brot durch die jeweiligen Grenznutzen dieser Güter bestimmt werden konnten; aber im Gegensatz zu diesen Gütern, die nachgefragt werden, um konsumiert zu werden, wird Geld nachgefragt und in Geldguthaben gehalten, um für Güter ausgegeben zu werden. Niemand kann also Geld nachfragen (und einen Grenznutzen dafür haben), wenn es nicht bereits vorhanden ist und auf dem Markt einen Preis und eine Kaufkraft hat. Wie aber lässt sich der Preis des Geldes vollständig durch seinen Grenznutzen erklären, wenn das Geld einen bereits existierenden Preis (Wert) haben muss, um überhaupt nachgefragt zu werden? Regressionstheorem: In seinem „Regressionstheorem“ überwand Mises den „österreichischen Zirkel“ in einer seiner wichtigsten theoretischen Leistungen; denn er zeigte, dass man diese Zeitkomponente in der Geldnachfrage logisch bis zu dem alten Tag zurückschieben kann, an dem die Geldware kein Geld, sondern eine nützliche Tauschware an sich war; kurz, bis zu dem Tag, an dem die Geldware (z.B. Gold oder Silber) ausschließlich wegen ihrer Eigenschaften als konsumierbare und direkt verwendbare Ware nachgefragt wurde.
>Regressionstheorem.
Damit vervollständigte Mises nicht nur die logische Erklärung des Preises oder der Kaufkraft des Geldes, sondern seine Erkenntnisse hatten noch weitere wichtige Auswirkungen. Denn sie bedeutete, dass Geld nur auf eine Weise entstehen konnte: auf dem freien Markt und aus der direkten Nachfrage auf diesem Markt nach einer nützlichen Ware. Und das bedeutete, dass Geld nicht dadurch entstehen konnte, dass die Regierung etwas als Geld proklamierte oder durch eine Art einmaligen Gesellschaftsvertrag; es konnte sich nur aus einer allgemein nützlichen und wertvollen Ware entwickeln. Menger hatte schon früher gezeigt, dass Geld auf diese Weise entstehen kann; aber es war Mises, der die absolute Notwendigkeit dieses Marktursprungs des Geldes feststellte.
Wert des Geldes/Rothbard: Dies hatte aber noch weitere Auswirkungen. Denn es bedeutete, im Gegensatz zu den Ansichten der meisten Ökonomen damals und heute, dass „Geld“ nicht einfach willkürliche Einheiten oder Papierstücke sind, wie sie von der Regierung definiert werden: „Dollar“, ‚Pfund‘, ‚Franken‘ usw. Geld muss als nützliche Ware entstanden sein: als Gold, Silber oder was auch immer. Die ursprüngliche Geldeinheit, die Einheit der Rechnung und des Austauschs, war nicht der „Franc“ oder die „Mark“, sondern das Goldgramm oder die Silberunze.
Rothbard IV 17
Goldstandard/Zentralbanken/Mises/Rothbard: Diese Analyse, kombiniert mit Mises' Demonstration der unausweichlichen sozialen Übel der Erhöhung des Angebots an willkürlich produzierten „Dollars“ und „Francs“ durch die Regierung, weist den Weg für eine vollständige Trennung der Regierung vom Geldsystem. Denn es bedeutet, dass das Wesen des Geldes ein Gold- oder Silbergewicht ist, und es bedeutet, dass es durchaus möglich ist, zu einer Welt zurückzukehren, in der solche Gewichte wieder die Rechnungseinheit und das Medium des Geldaustausches sein werden. Ein Goldstandard, der weit davon entfernt ist, ein barbarischer Fetisch oder ein weiteres willkürliches Instrument der Regierung zu sein, ist in der Lage, ein Geld zu schaffen, das ausschließlich auf dem Markt produziert wird und nicht den inhärenten inflationären und umverteilenden Tendenzen einer Zwangsregierung unterliegt. Ein solides, nichtstaatliches Geld würde eine Welt bedeuten, in der die Preise und Kosten als Reaktion auf Produktivitätssteigerungen wieder sinken würden. >Goldstandard/Mises, >Grenznutzen/Österreichische Schule.
Rothbard IV 19/20
Grenznutzen/Mises/Rothbard: Aufbauend auf den Erkenntnissen seines Kommilitonen am Böhm-Bawerk-Seminar, des Tschechen Franz Cuhel, widerlegte Mises auf erschütternde Weise die Vorstellung, dass der Grenznutzen in irgendeiner Weise messbar sei, und zeigte, dass der Grenznutzen eine strikt ordinale Rangfolge ist, in der das Individuum seine Werte nach Präferenzrängen auflistet („Ich ziehe A vor B und B vor C“), ohne irgendeine mythologische Einheit oder Größe des Nutzens anzunehmen.
Rothbard IV 20
Wenn es keinen Sinn macht zu sagen, dass ein Individuum „seinen eigenen Nutzen messen“ kann, dann macht es noch weniger Sinn zu versuchen, den Nutzen zwischen Menschen in der Gesellschaft zu vergleichen. >Grenznutzen/Mises.
Dennoch haben Statisten und Egalitaristen dieses Jahrhundert hindurch versucht, die Nutzentheorie auf diese Weise zu verwenden. Wenn man sagen kann, dass der Grenznutzen eines Dollars für jeden Menschen sinkt, wenn er mehr Geld anhäuft, kann man dann nicht auch sagen, dass die Regierung den „sozialen Nutzen“ erhöhen kann, indem sie einem reichen Mann, der ihn wenig wertschätzt, einen Dollar wegnimmt und ihn einem armen Mann gibt, der ihn hoch schätzt?
Mises/Rothbard: Mises' Nachweis, dass der Nutzen nicht gemessen werden kann, macht den Grenznutzen für eine egalitäre Politik des Staates völlig überflüssig. Und dennoch, während Ökonomen im Allgemeinen Lippenbekenntnisse zu der Idee ablegen, dass Nutzen nicht zwischen Individuen verglichen werden kann, maßen sie sich an, weiterzumachen und zu versuchen, „soziale Vorteile“ und „soziale Kosten“ zu vergleichen und zu summieren.
Rothbard IV 58
Wenn wir also den Nutzen eines Kartons mit einem Dutzend Eiern für den Verbraucher betrachten, ist es unzulässig, diesen Nutzen zu einer Art
Rothbard IV 59
eines „Gesamtnutzens“ zu machen, der in irgendeiner mathematischen Beziehung zum „Grenznutzen eines Eies“ steht. Stattdessen haben wir es lediglich mit Grenznutzen von Einheiten unterschiedlicher Größe zu tun. Im einen Fall eine Dutzend-Eier-Packung, im anderen Fall ein einziges Ei. Das einzige, was wir über die beiden Grenznutzen sagen können, ist, dass der Grenznutzen eines Dutzend Eier mehr wert ist als der eines Eies. Punkt. Mises' Korrektur seiner Mentoren stand im Einklang mit der grundlegenden österreichischen Methodik, die sich stets auf die realen Handlungen von Individuen konzentriert und nicht in die Abhängigkeit von mechanistischen Aggregaten abgleitet.(2) >Individuen/Österreichische Schule.


1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New
Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989.
2. Für eine Diskussion dieses Punktes, siehe Murray N. Rothbard, Toward a Reconstruction of Utility and Welfare Economics (New York: Center for Libertarian Studies, [1956] 19 77), pp. 9-15. Franz Cuhel's Beitrag in seinem Zur Lehre von den Bedürfnissen (Innsbruck, 1906), pp. 186ff. Böhm-Bawerk's Versuch, Cuhel zurückzuweisen, kann gefunden werden in Eugen von Böhm-Bawerk, Capital and Interest (South Holland, 111.: Libertarian Press, 1959), 111, pp. 124-36.

EconMises I
Ludwig von Mises
Die Gemeinwirtschaft Jena 1922

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Grenzprodukt Rothbard Rothbard III 453
Grenzprodukt/Produktionsfaktoren/Rothbard: Die gegenwärtig modische Darstellung dieses Themas hängt von der Fixität oder Variabilität der Proportionen der kombinierten Faktoren ab, die pro Produkteinheit eingesetzt werden. >Produktionsfaktoren/Rothbard.
Rothbard: Wenn die Faktoren nur in bestimmten festen Proportionen kombiniert werden können, um eine bestimmte Produktmenge zu erzeugen, so wird behauptet, dann kann es keinen bestimmten Preis geben; wenn die Proportionen der Faktoren variiert werden können, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, dann kann der Preis für jeden Faktor isoliert und bestimmt werden. Wir wollen diese Behauptung prüfen. Nehmen wir an, dass ein Produkt im Wert von 20 Goldunzen durch drei Faktoren erzeugt wird, von denen jeder einzelne nur für diese Produktion spezifisch ist. Angenommen, die Anteile sind variabel, so dass ein Produkt im Wert von 20 Goldunzen entweder von vier Einheiten des Faktors A, fünf Einheiten des Faktors B und drei Einheiten des Faktors C oder von sechs Einheiten von A, vier Einheiten von B und zwei Einheiten von C hergestellt werden kann. Die Preise werden nach wie vor durch Verhandlungen bestimmt, und es liegt auf der Hand, dass die Variabilität in den Anteilen der Faktoren uns nicht dabei hilft, den spezifischen Wert oder Anteil jedes einzelnen Produkts zu bestimmen. Da jeder Faktor rein spezifisch ist, gibt es keine Möglichkeit, analytisch zu ermitteln, wie ein Preis für einen Faktor zustande kommt.
RothbardVs: Die falsche Betonung der Variabilität des Verhältnisses als Grundlage für die Faktorpreisbildung in der aktuellen Literatur ist eine Folge der vorherrschenden Analysemethode. Es wird ein typisches Einzelunternehmen betrachtet, dessen Verkaufspreise und Faktorpreise gegeben sind. Dann wird angenommen, dass die Anteile der Faktoren variabel sind.
Rothbard III 454
Dementsprechend kann gezeigt werden, dass das Unternehmen bei einem Anstieg des Preises von Faktor A im Vergleich zu B weniger von A und mehr von B für die Herstellung seines Produkts verwenden wird. Daraus werden die Nachfragekurven für jeden Faktor abgeleitet und die Preise für jeden Faktor festgelegt. Dieser Ansatz birgt zahlreiche Fehler. Der Hauptfehler besteht darin, eine kausale Erklärung der Faktorpreise auf die Annahme gegebener Faktorpreise zu stützen. Im Gegenteil, wir können die Faktorpreise nicht erklären, wenn wir sie von Beginn der Analyse an als gegeben annehmen.(1) Lösung/Rothbard: Die einzige technologische Schlussfolgerung, die wir rein aus der Praxeologie kennen, ist das Ertragsgesetz, (...). Nach dem Ertragsgesetz gibt es ein Optimum der Proportionen von Faktoren bei der Produktion eines beliebigen Produkts, wenn andere Faktoren gegeben sind. Dieses Optimum kann das einzige Verhältnis sein, in dem das Gut produziert werden kann, oder es kann eines von vielen Verhältnissen sein. Im ersten Fall handelt es sich um feste Verhältnisse, im zweiten Fall um variable Verhältnisse.
>Praxeologie.
Rothbard III 456
Die Schlüsselfrage ist in der Tat nicht die Variabilität, sondern die Spezifität der Faktoren.(2) >Faktormarkt/Rothbard.
Rothbard III 466
Grenzprodukt: Was, (...) bestimmt die Position und die Form des MVP (Grenzwertprodukt)-Schemas? Was ist das Grenzwertprodukt? Es ist der Betrag der Einkommensentnahme, der einer Einheit eines Faktors zuzuschreiben ist. >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Faktormarkt/Rothbard.
Und dieser Ertrag hängt von zwei Elementen ab:
(1) dem produzierten physischen Produkt und
(2) dem Preis für dieses Produkt.
Wenn eine Stunde des Faktors X vom Markt auf einen Wert von 20 Goldunzen geschätzt wird, könnte dies daran liegen, dass eine Stunde 20 Einheiten des physischen Produkts erzeugt, die zu einem Preis von einer Goldunze pro Einheit verkauft werden. Dasselbe MVP (marginal value product) könnte sich auch aus der Produktion von 10 Einheiten des Produkts ergeben, die zu einem Preis von zwei Goldunzen pro Einheit verkauft werden, usw. Kurz gesagt, das Grenzwertprodukt einer Faktorleistungseinheit ist gleich dem physischen Grenzprodukt mal dem Preis dieses Produkts.(3)
Physisches Grenzprodukt (MPP): (...) [was sind] die Bestimmungsfaktoren des physischen Grenzprodukts (MPP). Erstens kann es kein allgemeines Schema für das MPP (Physisches Grenzprodukt, marginal physical product) geben, wie es für das MVP existiert, und zwar aus dem einfachen Grund, dass physische Einheiten verschiedener Güter nicht vergleichbar sind. Wie kann man ein Dutzend Eier, ein Pfund Butter und ein Haus in physischen Einheiten vergleichen? Dennoch kann derselbe Faktor für die Produktion jedes dieser Güter nützlich sein. Ein MPP-Schema kann daher nur in besonderer Hinsicht erstellt werden, d. h. in Bezug auf jeden einzelnen Produktionsprozess, in dem der Faktor eingesetzt werden kann. Für jeden Produktionsprozess gibt es für den Faktor ein physisches Grenzproduktionsprogramm mit einer bestimmten Form. Der MPP für ein Angebot in diesem Prozess ist die Menge des physischen Produkts, die einer Einheit dieses Faktors zuzurechnen ist, d. h. die Menge des Produkts, die verloren geht, wenn eine Einheit des Faktors entfernt wird.
Rothbard III 467
Wenn das Angebot des Faktors im Prozess um eine Einheit erhöht wird, wobei die anderen Faktoren gleichbleiben, dann wird der MPP des Angebots zu dem zusätzlichen physischen Produkt, das durch die Hinzufügung der Einheit gewonnen werden kann. Das Angebot des Faktors, das für die MPP-Schemata relevant ist, ist nicht das Gesamtangebot in der Gesellschaft, sondern das Angebot in jedem Prozess, da die MPP-Schemata für jeden Prozess separat erstellt werden. >Skalenerträge/Rothbard.
Rothbard III 468
APP: (= average physical product) - durchschnittliches physisches Produkt. Was ist die Beziehung zwischen APP und MPP? Die MPP ist die Menge des physischen Produkts, die bei Zugabe einer Einheit eines Faktors produziert wird, wobei andere Faktoren gegeben sind. Die APP ist das Verhältnis des Gesamtprodukts zur Gesamtmenge des variablen Faktors, wobei die anderen Faktoren gegeben sind.
Rothbard III 474
Produktionsfaktoren: Ein Faktor wird in einem Produktionsprozess immer so eingesetzt, dass er sich in einem Bereich mit abnehmender APP und abnehmender, aber positiver MPP befindet. >Faktormarkt/Rothbard.
Rothbard III 475
Diskontiertes Grenzwertprodukt/DMVP (discounted marginal value product)/Rothbard: Der Preis einer Einheit eines beliebigen Faktors wird (...) auf dem Markt in Höhe seines diskontierten Grenzwertprodukts festgelegt. Dies wird das DMVP sein, wie es durch den allgemeinen Plan bestimmt wird, der alle verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Faktors einschließt. Nun werden die Produzenten den Faktor so einsetzen, dass sein DMVP auf alle Verwendungsarten gleichmäßig verteilt wird. Wenn die DMVP in einer Verwendung größer ist als in einer anderen, dann werden die Arbeitgeber in der ersten Produktionslinie in der Lage sein, mehr für den Faktor zu bieten und werden mehr davon verwenden, bis (nach dem Prinzip des abnehmenden MVP) die DMVP der expandierenden Verwendung bis zu dem Punkt abnimmt, an dem sie der zunehmenden DMVP in der schrumpfenden Verwendung entspricht. Der Preis des Faktors wird so festgelegt, dass er dem allgemeinen DMVP entspricht (...).
1. Die mathematische Neigung, die Konzepte von Ursache und Wirkung durch gegenseitige Bestimmtheit zu ersetzen, hat zur Bereitschaft beigetragen, sich auf Zirkelschlüsse einzulassen. Siehe Rothbard, „Toward a Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 236; und Kauder, „Intellectual and Political Roots of the Older Austrian School“.
2. Dies rechtfertigt die Schlussfolgerung von Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 336, im Vergleich z. B. mit der Analyse in George J. Stiglers Production and Distribution Theories. Mises fügt den wichtigen Vorbehalt hinzu, dass, wenn die Faktoren in allen Prozessen, für die sie unspezifisch sind, die gleichen festen Anteile haben, auch hier nur durch Verhandlungen ihre Preise bestimmt werden können.
3. Dies ist zwar nicht ganz richtig, aber der technische Fehler in dieser Aussage beeinträchtigt die Kausalanalyse im Text nicht. Dieses Argument wird sogar noch verstärkt, denn das MVP ist eigentlich gleich MPP (physisches Grenzprodukt) x „Grenzerlös“, und der Grenzerlös ist immer kleiner oder gleich dem Preis.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Grundrechte Politische Theorien Gaus I 214
Grundrechte/Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsrechte/Politische Philosophie/Moon: (...) viele der Überlegungen, die zur Unterstützung starker Eigentumsrechte angeführt werden können, unterstützen auch Wohlfahrts- oder "positive" Rechte und können so zur Rechtfertigung der Umverteilungsaktivitäten eines Wohlfahrtsstaates herangezogen werden. Wenn wir darüber nachdenken, warum wir uns von der Idee angezogen fühlen, dass Menschen überhaupt Rechte haben, einschließlich eines (anfechtbaren) Rechts, nicht von anderen gezwungen zu werden, werden die Gründe, die uns wahrscheinlich einfallen werden, folgende Idee unterstützen: Menschen sollten bestimmte grundlegende Wohlfahrtsrechte, Rechte auf Güter und Dienstleistungen, die für das menschliche Funktionieren notwendig sind, haben. >Rechte, >Gesellschaft, >Gemeinschaft, >Staat.
Nozick/Moon: Nozick bezieht sich zum Beispiel auf die Idee, dass Menschen in der Lage sind, ein sinnvolles Leben zu führen, und dass sie deshalb ein Recht darauf haben (oder haben sollten), nicht von anderen gezwungen zu werden, weil ein solches Recht notwendig ist, um diese grundlegende menschliche Fähigkeit zu schützen. Ich kann nur dann Projekte für mich selbst entwerfen und mein Leben so organisieren, dass ich diese Projekte verwirklichen und so einen Sinn in meinem Leben finden kann, wenn ich frei von Zwang durch andere bin: Sie können mich nicht zwingen, ihren Willen zu tun, anstatt meine eigenen Bestrebungen zu erfüllen.
>R. Nozick.
Problem: Dies ist ein schlagkräftiges Argument, aber es ist ebenso wahr, dass ich für mein eigenes Leben nicht nur Schutz vor der Einmischung anderer, sondern auch Zugang zu den für das Leben selbst notwendigen Ressourcen benötige. Wenn diese Ressourcen als Privateigentum angeeignet werden können, dann könnte einer Person alles, was einem anständigen Leben ähnelt, oder sogar das Leben selbst vorenthalten werden, weil es ihr an den notwendigen Ressourcen fehlt.
Grundrechte/Waldron: Jeremy Waldron (1993(1): 309-38) nennt das Beispiel einer obdachlosen Person in einer Umgebung, in der sich das gesamte Land und alle anderen Einrichtungen wie Toiletten oder Schlafplätze in Privatbesitz befinden. Unter diesen Umständen wäre sie (hier: die Person) nicht in der Lage, zu leben oder zumindest zu leben, ohne die "Rechte" einer anderen Person zu verletzen. Aber welchen Grund hätte sie, eine Verpflichtung anzuerkennen, nicht
Gaus I 215
das zu nehmen, was sie brauchte, wenn ihr Leben davon abhing? Es ist schwer einzusehen, warum Menschen, die die Möglichkeit erkennen, dass sie verarmen könnten, Grund haben sollten, ein System von Eigentumsrechten zu akzeptieren, das sie in solch einer verzweifelten Notlage zurücklassen könnte. Eigentumsrechte: Wie Waldron (1993(1): Kap. I und passim) argumentiert, wäre das einzige System von Eigentumsrechten, das alle einen Grund zur Zustimmung hätten, ein System, das sicherstellt, dass niemandem lebenswichtige Ressourcen vorenthalten werden müssen, und der naheliegende Weg, dies zu erreichen, wäre die Besteuerung von Grundbesitz, damit der Staat bei Bedarf lebenswichtige Güter und Dienstleistungen oder zumindest ein Mindesteinkommen zur Verfügung stellen kann.
>Eigentum.
Sozialer Mindeststaat/Moon: Diese Argumentationslinie unterstützt das, was man einen sozialen Mindeststaat nennen könnte, nicht unbedingt einen institutionellen Wohlfahrtsstaat. Das Kernargument ist, dass einige grundlegende menschliche Werte - die Idee eines sinnvollen Lebens, der persönlichen Autonomie oder des Lebens selbst - nur dann verwirklicht (oder zumindest garantiert) werden können, wenn es staatliche Programme gibt, die ein ausreichendes Einkommen zumindest für den Lebensunterhalt bieten.
>Soziales Minimum.
Wohlfahrtsstaat/Soziales Minimum/Hayek: F. A. Hayek zum Beispiel ist als Kritiker des Wohlfahrtsstaates bekannt, aber er akzeptiert die Idee eines sozialen Minimums, indem er argumentiert, dass die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben könnten, dass es "eine klare moralische Verpflichtung aller gibt, innerhalb der organisierten Gemeinschaft denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können", und dass die Gesellschaft daher "ein einheitliches Mindesteinkommen ... außerhalb des Marktes" für diejenigen bereitstellen könnte, die mittellos sind (1976(2): 87).**
>Wohlfahrtsstaat.
Politische Theorien: Andere haben argumentiert, dass die Menschen vorpolitische Wohlfahrtsrechte haben, auf allen Vieren mit den "negativen" Rechten auf Nichteinmischung wie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, und dass es in der Verantwortung der Regierung liegt, diese Rechte zu sichern.
Wohlfahrtsrechte/Politische Philosophie: Die Ansicht, dass wir Wohlfahrtsrechte haben, die in gewissem Sinne vorpolitisch sind und vom Staat die Bereitstellung verschiedener Güter und Dienstleistungen verlangen, ist mit bekannten Schwierigkeiten verbunden. Die Standards, die den Umfang solcher Rechtsansprüche definieren, sind notorisch vage. Plant: Raymond Plant et al. (1980)(3) z.B. stützen positive Rechtsansprüche auf "Bedürfnisse", aber was sind die Grenzen des Bedarfs? Vielleicht "brauche" ich eine enorm teure Art medizinischer Behandlung, um mein Leben zu verlängern, wenn auch nur für einige Tage, aber ist es plausibel zu sagen, dass ich ein Recht auf eine solche Behandlung habe?
Dworkin: Ronald Dworkin argumentiert, dass die traditionelle Praxis der Medizin auf dem "Rettungsprinzip" basieren könnte, was diese Frage bejaht: Es besagt, dass wir so viel wie möglich [für die Gesundheitsfürsorge] ausgeben sollten, bis der nächste Dollar keinen Gewinn an Gesundheit oder Lebenserwartung mehr bringen würde", aber er besteht darauf, dass keine vernünftige Gesellschaft versuchen würde, diesen Standard zu erreichen" (2000(4): 309): Das würde bedeuten, dass zu viele konkurrierende Güter geopfert werden müssten, einschließlich anderer Rechtsansprüche, wie das Recht auf Bildung oder einen minimalen Lebensstandard.
>Ronald Dworkin.
Gewirth: Alan Gewirth sieht positive Rechtsansprüche als implizit in der Verpflichtung zu menschlichem Handeln - eine Verpflichtung, die man notwendigerweise eingeht, wenn man irgendeine vorsätzliche Handlung ausführt, denn dies setzt voraus, dass man sich selbst als Akteur sieht und damit implizit an jene Bedingungen gebunden ist, die für die Ausübung von Handlungen notwendig sind, wozu auch der Zugang zu bestimmten Ressourcen gehört. (...) Wenn ich meine Bedürfnisse nicht aus eigener Kraft befriedigen kann, haben andere die Verpflichtung, mich "positiv zu unterstützen" (1978(5): 134).
Moon: Aber nach welchen Maßstäben sollen sie bestimmen, was eine angemessene Anstrengung meinerseits darstellt?
Holmes/Sunstein: Diese Bedenken sind vielleicht nicht ausschlaggebend für die Ablehnung der Idee der grundlegenden Wohlfahrtsrechte, aber sie bedeuten, dass eine Spezifizierung dieser Rechte unmöglich ist, solange es keinen politischen Prozess gibt, durch den die Normen für die Verantwortung und die Kompromisse zwischen den widersprüchlichen Nutzungen bestimmt werden können (siehe Holmes und Sunstein, 1999)(6). Und da diese Rechte nur durch einen politischen Prozess spezifiziert werden können, ist es unplausibel, sie als Festlegung eines vorpolitischen Gerechtigkeitsstandards zu betrachten, dem dieser politische Prozess entsprechen muss.
>Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.

* Vgl. Lomasky (1987)(3) für eine auf Rechten basierende Verteidigung eines Minimal-Wohlfahrtsstaates, der die Menschen besteuert, um einen Mindestlebensstandard für alle zu gewährleisten.
** Obwohl er dem Wohlfahrtsstaat im Allgemeinen kritisch gegenübersteht, scheint Hayek bestimmte Formen der öffentlichen Versorgung und Pflichtversicherung zuzulassen (1960(4):285-394).

1. Waldron, Jeremy (1993) Liberal Rights. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
2. Hayek, Friedrich (1976). The Mirage of Social Justice. Chicago: University of Chicago Press.
3. Plant, Raymond, H. Lesser and P. Taylor-Gooby (1980) Political Philosophy and Social Welfare: Essays on the Normative Basis of Welfare Provision. London: Routledge and Kegan Paul.
4. Dworkin, Ronald (2000) Sovereign Virtue. Cambridge, MA: Harvard University Press.
5. Gewirth, Alan (1978) Reason and Morality. Chicago: University of Chicago Press.
6. Holmes, Stephen and Cass Sunstein (1999) The Cost of Rights. New York: Norton.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Handelsmodelle Wirtschaftstheorien Alessandria I 5
Handelsmodelle/Wirtschaftstheorien/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Unsere Arbeit* (…) bezieht sich auf eine umfangreiche Handelsliteratur – zusammengefasst von Caliendo und Parro (2022)(1) – über optimale Zölle ohne Vergeltungsmaßnahmen. Diese Analysen konzentrieren sich im Allgemeinen auf analytische Lösungen in statischen allgemeinen Gleichgewichtsmodellen des Handels, oft mit einer großen Heterogenität zwischen Sektoren oder Gütern. Ein Beitrag unserer Arbeit besteht darin, diese Analyse quantitativ unter Berücksichtigung von Makro- und Handelsdynamiken, anderen verzerrenden Steuern und der Verwendung von Zolleinnahmen für andere fiskalische Reformen als pauschale Umverteilungen zu erweitern. >Besteuerung, >Zölle, >Internationaler Handel.
Mehrere Arbeiten haben gezeigt, dass die Einbeziehung von Makro- und Handelsdynamiken in ein Handelsmodell zu sehr unterschiedlichen aggregierten Ergebnissen führt (Ravikumar et al., 2019(2); Reyes-Heroles, 2016(3); Alessandria und Choi, 2014b(4); Mix, 2023)(5). Alessandria und Mix (2021)(6) zeigen, dass ein dynamisches Handelsmodell besser mit dem Gesamtverhalten der Länder im Vorfeld und nach den weitreichenden Zolländerungen während der GATT-Runden übereinstimmt.
>GATT.

* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025

1. Caliendo, Lorenzo and Fernando Parro, “Estimates of the Trade and Welfare Effects of NAFTA,” The Review of Economic Studies, 11 2014, 82 (1), 1–44.
2. Ravikumar, B., Ana Maria Santacreu, and Michael Sposi, “Capital accumulation and dynamic gains from trade,” Journal of International Economics, 2019, 119, 93–110.
3. Reyes-Heroles, Ricardo, “The role of trade costs in the surge of trade imbalances,” Princeton University, mimeograph, 2016.
4. Alessandria, George and Horag Choi, “Establishment heterogeneity, exporter dynamics, and the effects of trade liberalization,” Journal of International Economics, 2014, 94 (2), 207–223.
5. Mix, Carter, “The dynamic effects of multilateral trade policy with export churning,” International Economic Review, 2023, 64 (2), 653–689.
6. Alessandria, George A and Carter B Mix, “Trade Policy is Real News: Theory and Evidence,” Working Paper 28904, National Bureau of Economic Research June 2021.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Importsubstitution Alessandria Alessandria I 6
Importsubstitution/Alessandria/Ding/Khan/Mix: [Wir]* konzentrieren uns auf die Substitution zwischen Importen und inländischer Produktion. Beide Ansätze zeigen eine einjährige Importreaktion auf Zölle zwischen 3 und 4, während die langfristige Reaktion erheblich höher ist, möglicherweise bis zum 20-Fachen der Zolländerung.
Alessandria I 7
Der Medianzollsatz für Importe aus China steigt von etwa 3 Prozent auf 25 Prozent, während der handelsgewichtete Zollsatz aus China auf etwa 12 Prozent steigt. Der Median- und der handelsgewichtete Zollsatz aus dem Rest der Welt (ROW) sind relativ stabil. Die höheren Zölle auf China haben den aggregierten handelsgewichteten Zollsatz erhöht, aber er ist wieder etwas zurückgegangen. Die Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren hat zu einem allmählichen Rückgang der Importe aus China geführt. Vor der Erhöhung der Zölle machten chinesische Importe etwa 21 Prozent der US-Importe aus. Dieser Anteil ist bis Ende 2024 auf etwa 12,5 Prozent gesunken. Aufgrund der relativ hohen Zölle auf chinesische Importe übersteigt der Anteil der gesamten US-Zolleinnahmen, der aus chinesischen Importen stammt, den Importanteil. Vor der Einführung der Zölle lag er bei etwa 40 Prozent. Er stieg auf fast 70 Prozent und ist nun auf etwa 60 Prozent gesunken, da die Händler sich von China abgewandt haben.
>Zölle, >Internationaler Handel, >Zollgeschichte, >Handelskriege.
Alessandria I 8
Makroebene: In vielen dynamischen Modellen und den Daten reagieren die Anzahl der Unternehmen und die Importpreise endogen auf Veränderungen der Zölle im Laufe der Zeit durch Veränderungen in der Anzahl und Qualität der Importeure. Und diese Entscheidungen hängen von Veränderungen im gesamten Verlauf der Zölle ab. Seit Feenstra (1994)(1) ist bekannt, dass Preisindizes diese Vielfaltseffekte nicht berücksichtigen. In Übereinstimmung mit den Erkenntnissen aus den Zolländerungen gegenüber China stellen wir* fest, dass die kurzfristige Reaktion auf eine Zolländerung relativ gering ist, etwa 3 bis 4 pro Jahr, während die langfristige Reaktion erheblich höher ausfällt. Die Einbeziehung dieser dynamischen Anpassungsfaktoren verbessert die Passgenauigkeit des empirischen Modells erheblich.**
Alessandria I 9
Abgesehen von den Unterschieden aufgrund der Antizipation und Persistenz der Reformen ist ein Grund für die stärkere langfristige Reaktion die Tendenz, dass die angewandten Zölle erheblich niedriger sind als die gesetzlichen Zölle. >Kapitalstock/Alessandria.

* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025
** Alessandria et al. (2025c)(2) argumentieren, dass die Dynamik der Substitution durch Veränderungen in den Erwartungen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der Reform beeinflusst wird. Alessandria et al. (2025a)(3) zeigen, dass diese reduzierten Formschätzungen der Handelsreaktion auf eine Änderung der Zölle durch die stochastische Natur der Handelspolitik nach unten verzerrt sind.

1. Feenstra, Robert C., “New Product Varieties and the Measurement of International Prices,” The American Economic Review, 1994, 84 (1), 157–177.
2. George A. Alessandria, Shafaat Khan, and Armen Khederlarian, “Inventories, Integration, Productivity and Welfare,” AEA Papers and Proceedings, May 2025, 115.
3. George A. Alessandria, Shafaat Yar Khan, Armen Khederlarian, Kim J Ruhl, and Joseph B Steinberg, “Recovering Credible Trade Elasticities from Incredible Trade Reforms,” Working Paper 33568, National Bureau of Economic Research March 2025.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Information Arrow Mause I 167f
Informationsökonomik/Information/Asymmetrie/Arrow: (1)(2) Terminologie: „Prinzipal“ (Verkäufer, Vorgesetzter; hält mehr Information) - „Agent“ (Käufer, Mitarbeiter; hält weniger Information).
Vier mögliche Konstellationen von Informationsasymmetrie:
1. Hidden action: der Prinzipal kann die Handlungen des Agenten nach Vertragsabschluss nicht vollständig beobachten. Bsp ein Angestellter erwirbt einen besseren Informationsstand als der Arbeitgeber. ((s) Siehe Herrschaft/Knechtschaft/Hegel.)
Moral hazard (Versuchung): der Angestellte kann dies durch Reduktion seiner Arbeitsleistung ausnutzen (shirking).
2. Hidden information: nach Vertragsabschluss ist der Prinzipal nicht in der Lage, die Arbeitsleistung (Qualität) des Agenten angemessen beurteilen zu können, da es ihm selbst an Expertise mangelt. Bsp Autoreparatur, Medizinische Behandlungsfehler. (3)
Mause I 168
3. Hidden characteristics: hier geht es um Eigenschaften des zu verkaufenden Guts. Das ist eine ex-ante Informationsasymmetrie. Sie liegt häufig auf Gebrauchtwagen-Märkten (4) und Versicherungsmärkten vor.
4. Hidden intention: asymmetrische Informationsverteilung vor Vertragsabschluss: dem Prinzipal steht in diesem Fall weniger Information zur Verfügung. Bsp Ein Auszubildender hegt von Beginn an den Wunsch, zur Konkurrenz zu wechseln.

1. K. J. Arrow, The economics of agency. In Principals and agents: The structure of business, Hrsg. John W. Pratt und Richard J. Zeckhauser, 37– 51. Boston 1985.
2. K. Spremann, Asymmetrische Information. Zeitschrift für Betriebswirtschaft 60 (5/ 6), 1990, S. 561– 586.
3 U. Dulleck, R. Kerschbamer, On doctors, mechanics, and computer specialists: The economics of credence goods. Journal of Economic Literature 44, (1) 2006, S. 5– 42.
4. G. A. Akerlof, The market for ‚Lemons‘: Quality uncertainty and the market mechanism. Quarterly Journal of Economics 84, (3), 1970, S. 488– 500.


Benkler I 36
Information/Arrow/Benkler: Kenneth Arrow schrieb 1962, "gerade in dem Maße, wie [Eigentum] wirksam ist, gibt es eine Unterauslastung der Informationen".(1) Benkler: Da die Wohlfahrtsökonomie einen Markt so definiert, dass er ein Gut nur dann effizient produziert, wenn er es zu seinen Grenzkosten bewertet, ist ein Gut wie Information (und Kultur und Wissen sind aus ökonomischen Gründen Informationsformen), die niemals sowohl zu einem positiven (größer als Null) Preis als auch zu seinen Grenzkosten verkauft werden kann, grundsätzlich ein Kandidat für eine substanzielle Nichtmarktproduktion.
Benkler I 37
Aus der Perspektive des allgemeinen Wohlergehens einer Gesellschaft wäre es am effizientesten, wenn diejenigen, die Informationen besitzen, diese kostenlos oder besser gesagt, zu den Kosten der Kommunikation weitergeben würden und nicht mehr. Nicht-Rivalität ist übrigens nicht das einzige eigenartige Merkmal der Informationsproduktion als wirtschaftliches Phänomen. Die andere entscheidende Besonderheit ist, dass Informationen sowohl Input als auch Output des eigenen Produktionsprozesses sind. Um den heutigen akademischen oder persönlichen Artikel zu schreiben, brauche ich Zugang zu den Artikeln und Berichten von gestern.

1. Kenneth Arrow, “Economic Welfare and the Allocation of Resources for Invention,” in Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, ed. Richard R. Nelson (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1962), 616-617.

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Information Benkler Benkler I 36
Information/Arrow/Benkler: Kenneth Arrow schrieb 1962, "gerade in dem Maße, wie [Eigentum] wirksam ist, gibt es eine Unterauslastung der Informationen". (1) Benkler: Da die Wohlfahrtsökonomie einen Markt so definiert, dass er ein Gut nur dann effizient produziert, wenn er es zu seinen Grenzkosten bewertet, ist ein Gut wie Information (und Kultur und Wissen sind aus ökonomischen Gründen Informationsformen), die niemals sowohl zu einem positiven (größer als Null) Preis als auch zu seinen Grenzkosten verkauft werden kann, grundsätzlich ein Kandidat für eine substanzielle Nichtmarktproduktion.
I 37
Aus der Perspektive des allgemeinen Wohlergehens einer Gesellschaft wäre es am effizientesten, wenn diejenigen, die Informationen besitzen, diese kostenlos oder besser gesagt, zu den Kosten der Kommunikation weitergeben würden und nicht mehr. Nicht-Rivalität ist übrigens nicht das einzige eigenartige Merkmal der Informationsproduktion als wirtschaftliches Phänomen. Die andere entscheidende Besonderheit ist, dass Informationen sowohl Input als auch Output des eigenen Produktionsprozesses sind. Um den heutigen akademischen oder persönlichen Artikel zu schreiben, brauche ich Zugang zu den Artikeln und Berichten von gestern.
Benkler I 311
Informationen in Industrieländern/Informationsgüter/Information/Benkler: Man kann drei Arten von informationsbasierten Vorteilen idealisieren, die Industrieländer haben und die den Entwicklungs- und weniger entwickelten Volkswirtschaften zur Verfügung stehen müssten, wenn das Ziel die Verbesserung der Bedingungen in diesen Volkswirtschaften und die Möglichkeiten für Innovationen in ihnen wäre. 1. Informationsintegrierte (engl. information-embedded) Güter: Dies sind Güter, die nicht selbst in Formation sind, sondern die besser, reichhaltiger oder billiger sind, weil ein technologischer Fortschritt in sie eingebettet oder mit ihrer Produktion verbunden ist. Pharmazeutika und landwirtschaftliche Produkte sind die offensichtlichsten Beispiele in den Bereichen Gesundheit und Ernährungssicherheit. Während es andere Einschränkungen für den Zugang zu innovativen Produkten in diesen Bereichen gibt - regulatorischer und politischer Natur - ist eine dauerhafte Barriere kostspielig.
I 312
2. Informationsintegrierte Tools: Eine Ebene tiefer als die eigentlichen nützlichen materiellen Dinge, die man zur Verbesserung des Wohlbefindens benötigen würde, sind Werkzeuge, die für die Innovation selbst notwendig sind. In den Bereichen landwirtschaftliche Biotechnologie und Arzneimittel gehören dazu sowohl Basistechnologien für die Spitzenforschung als auch der Zugang zu Materialien und bestehenden Verbindungen für Experimente. Der Zugang zu diesen ist vielleicht am weitesten verbreitet, um Probleme im Patentsystem der entwickelten Welt zu schaffen, ebenso wie für die Entwicklungsländer - ein Bewusstsein, das sich meist unter Michael Hellers gelungenem Satz "Anti-Commons" oder Carl Shapiros "Patentdickicht" kristallisiert hat.
I 313
3. Informationen: Die Unterscheidung zwischen Information und Wissen ist eine knifflige Angelegenheit. [Benkler] verwendet hier umgangssprachlich "Informationen", um sich auf Rohdaten, wissenschaftliche Berichte über die Ergebnisse wissenschaftlicher Entdeckungen, Nachrichten und Sachberichte zu beziehen. Er benutzt "Wissen", um sich auf die Reihe von kulturellen Praktiken und Kapazitäten zu beziehen, die für die Verarbeitung der Informationen zu neuen Aussagen im Informationsaustausch notwendig sind, oder, was in unserem Kontext wichtiger ist, für die praktische Nutzung der Informationen in geeigneter Weise, um wünschenswertere Ergebnisse aus Aktionen zu erzielen. Drei Arten von Informationen, die sich für die Entwicklung als wichtig erweisen, sind wissenschaftliche Veröffentlichungen, wissenschaftliche und wirtschaftliche Daten sowie Nachrichten und Sachberichte. >Information/Arrow, >Terminologie/Benkler.
I 314
4. Wissen: In diesem Zusammenhang beziehe ich mich vor allem auf zwei Arten von Bedenken. Die erste ist die Möglichkeit des Transfers von implizitem Wissen, das sich der Kodifizierung widersetzt, in das, was hier als "Information" behandelt würde - zum Beispiel Trainingshandbücher. Der primäre Mechanismus für den Wissenstransfer dieser Art ist das Learning by Doing, und der Wissenstransfer dieser Form kann nur durch Möglichkeiten der lokalen Praxis des Wissens erfolgen. Die zweite Art der Wissensvermittlung, die hier von Bedeutung ist, ist der formale Unterricht im Bildungskontext (im Vergleich zur Verbreitung kodifizierter Ergebnisse für das Selbststudium).
I 315
Hier gibt es eine echte Einschränkung der Kapazität der vernetzten Informationswirtschaft zur Verbesserung des Zugangs zu Wissen. Individueller, persönlicher Unterricht erstreckt sich nicht über Teilnehmer, Zeit und Entfernung. Einige Komponenten der Bildung auf allen Ebenen sind jedoch aufgrund der Zunahme nichtmarktwirtschaftlicher und radikal dezentraler Produktionsprozesse verbesserungsfähig. >Terminologie/Benkler.
1. Kenneth Arrow, “Economic Welfare and the Allocation of Resources for Invention,” in Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, ed. Richard R. Nelson (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1962), 616-617.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Institutioneller Utilitarismus Gaus Gaus I 224
Institutioneller Utilitarismus/Gaus/Lamont: Der Übergang zum indirekten und institutionellen Utilitarismus hat der utilitaristischen Theorie neues Leben eingehaucht, aber zu einem hohen Preis. Unter institutionellem Utilitarismus ist das theoretische Kriterium für die Akzeptanz einer Institution oder Politik einfach: Maximiert sie den Gesamtnutzen der Bevölkerung? Das Problem stellt sich auf der praktischen Ebene, wo der Informationsbedarf, der erforderlich ist, um zu bestimmen, welche Institutionen oder Politiken den Gesamtnutzen maximieren, fast immer zu groß ist (Gaus, 1998(1)). Denken Sie zum Beispiel an die Frage, ob der institutionelle Utilitarismus den armen Arbeitslosen Sozialhilfezahlungen empfehlen würde. Diese Frage ließe sich leichter beantworten, wenn alle Menschen aus allen verfügbaren Gütern und Dienstleistungen die gleiche Menge an Wohlfahrt erhielten und wenn die Menge der aus einem Gut gewonnenen Wohlfahrt abnimmt, je mehr von dem Gut erhalten wird (d.h. wenn alle Menschen identische abnehmende Grenznutzenfunktionen haben). Unter diesen Bedingungen hätten wir Grund zu der Annahme, dass die Entnahme von Gütern von den Reichen und ihre Abgabe an die Armen den Gesamtnutzen erhöhen würde. Allerdings hat jeder Mensch eine andere Nutzenfunktion, und natürlich weiß niemand, was diese Funktionen sind.
Die Informationsvoraussetzungen für die Feststellung, ob der Utilitarismus Wohlfahrtszahlungen empfiehlt, scheinen nicht erreichbar zu sein. Leider stellt sich die gleiche Situation für das gesamte Spektrum der Politiken. Dieses Problem wird durch Analogien zu den moralischen Einwänden des gesunden Menschenverstandes verschärft, die frühere Versionen des Utilitarismus plagten.
Vgl. >Utilitarismus.

1. Gaus, Gerald (1998) 'Why all welfare states (including laissez-faire ones) are unreasonable'. Social Philosophy and Policy 15 (2): 1-33.

Lamont, Julian, „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Institutionen Barr Gaus I 212
Institutionen/Wohlfahrtsstaat/Barr/Moon: [in einem Wohlfahrtsstaat] kann die freiwillige Sozialfürsorge (...) nicht alle Menschen in einer Gesellschaft abdecken. Viele Menschen in der Blütezeit der Hilfsvereine waren keine Mitglieder, und Nichtmitglieder gehörten oft zu den am wenigsten Begünstigten, zu denen ohne feste Arbeitsplätze und einen sicheren Platz in der Gemeinschaft. Adverse Selektion: Organisationen, die Schutz anbieten, erkennen an, dass diejenigen, die am ehesten Schutz benötigen, über
Gaus I 213
den größten Anreiz verfügen, es zu suchen und so einer Hilfsvereinigung beizutreten oder sich zu versichern, während diejenigen mit den geringsten Risiken einen Anreiz haben, draußen zu bleiben. Infolge dieses Prozesses der "negativen Selektion" werden die Risiken tendenziell auf einen immer kleineren Teil der Bevölkerung verteilt, und die Prämien müssen entsprechend steigen. Dieser Prozess der adversen Selektion kann sich bis zu dem Punkt fortsetzen, an dem die meisten Schutzbedürftigen sich den Schutz nicht mehr leisten können, weil die Prämien so hoch steigen müssen, dass alle bis auf die Schwächsten aussteigen. Der Wohlfahrtsstaat kann dem Problem der adversen Selektion entgegenwirken, indem er die Mitgliedschaft obligatorisch macht: "weil Personen mit geringen Risiken nicht aussteigen können, ermöglicht er eine Pooling-Lösung" (Barr, 1992(1): 755). >Adverse Selektion/Barr.

1. Barr, Nicholas (1992) 'Economic theory and the welfare state'. Journal of Economic Literature, 30 (2): 741-803.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Institutionen Levitsky Levitsky I 124
Institutionen/Levitsky/Ziblatt: Eine (...) für den Bestand von Demokratien entscheidende Norm ist das, was wir als institutionelle Zurückhaltung bezeichnen.(1)
Levitsky I 125
Wo die Norm der Zurückhaltung stark ist, nutzen Politiker, auch wenn es ihnen von Rechts wegen erlaubt wäre, ihre institutionellen Vorrechte nicht in vollem Umfang, weil dies das vorhandene System gefährden würde.(2) Die Ursprünge der institutionellen Zurückhaltung reichen in vordemokratische Zeiten zurück. In einer Zeit, in der sich Könige auf ihr Gottesgnadentum beriefen, das heißt die religiöse Sanktionierung die Autorität des Monarchen untermauerte, war ihre Macht durch keinerlei von Sterblichen erdachte Rechte beschränkt.(3) Dennoch handelten viele vordemokratische Monarchen Europas zurückhaltend. Immerhin erforderte ein frommes, gottesfürchtiges Leben Klugheit und Selbstbeschränkung.(4) >Gesellschaft, >Demokratie.

1. Wir haben diesen Begriff von Alisha Holland übernommen; siehe Alisha Holland, »Forbearance«, in: American Political Science Review 110, Nr. 2 (Mai 2016), S. 232-246; dies., Forbearance as Redistribution. The Politics of Informal Welfare in Latin America, New York 2017; vgl. auch Eric Nelson, »Are We on the Verge of the Death Spiral That Produced the English Revolution of 1642–1649?«, in: History News Network, 14. Dezember 2014, http:// historynewsnetwork.org/article/157822.
2. Whittington, »The Status of Unwritten Constitutional Conventions in the United States«, S. 106. 3. Reinhard Bendix, Könige oder Volk, Frankfurt am Main 1980, Teil I, S. 18–20.
4. Edmund Morgan, Inventing the People. The Rise of Popular Sovereignty in England and America, New York 1988, S. 21; Bendix, Könige oder Volk, Teil I, S. 331 f.
Institutionen Ziblatt Levitsky I 124
Institutionen/Levitsky/Ziblatt: Eine (...) für den Bestand von Demokratien entscheidende Norm ist das, was wir als institutionelle Zurückhaltung bezeichnen.(1)
Levitsky I 125
Wo die Norm der Zurückhaltung stark ist, nutzen Politiker, auch wenn es ihnen von Rechts wegen erlaubt wäre, ihre institutionellen Vorrechte nicht in vollem Umfang, weil dies das vorhandene System gefährden würde.(2) Die Ursprünge der institutionellen Zurückhaltung reichen in vordemokratische Zeiten zurück. In einer Zeit, in der sich Könige auf ihr Gottesgnadentum beriefen, das heißt die religiöse Sanktionierung die Autorität des Monarchen untermauerte, war ihre Macht durch keinerlei von Sterblichen erdachte Rechte beschränkt.(3) Dennoch handelten viele vordemokratische Monarchen Europas zurückhaltend. Immerhin erforderte ein frommes, gottesfürchtiges Leben Klugheit und Selbstbeschränkung.(4) >Gesellschaft, >Demokratie.

1. Wir haben diesen Begriff von Alisha Holland übernommen; siehe Alisha Holland, »Forbearance«, in: American Political Science Review 110, Nr. 2 (Mai 2016), S. 232-246; dies., Forbearance as Redistribution. The Politics of Informal Welfare in Latin America, New York 2017; vgl. auch Eric Nelson, »Are We on the Verge of the Death Spiral That Produced the English Revolution of 1642–1649?«, in: History News Network, 14. Dezember 2014, http:// historynewsnetwork.org/article/157822.
2. Whittington, »The Status of Unwritten Constitutional Conventions in the United States«, S. 106. 3. Reinhard Bendix, Könige oder Volk, Frankfurt am Main 1980, Teil I, S. 18–20.
4. Edmund Morgan, Inventing the People. The Rise of Popular Sovereignty in England and America, New York 1988, S. 21; Bendix, Könige oder Volk, Teil I, S. 331 f.
Investitionen Alessandria Alessandria I 2
Investitionen/Tarife/Zollreagibilität/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Wie für Handelsmodelle typisch, sind diese inländischen Produzenten Monopolisten bei einer Zwischenproduktsorte und erzielen einen Gewinnstrom. In Anlehnung an Hopenhayn (1992)(1) und Atkeson und Kehoe (2005)(2) werden diese inländischen Produzenten mit einer Vorabinvestition gegründet und sind dann idiosynkratischen Schocks ausgesetzt. Die idiosynkratischen Schocks veranlassen einige Unternehmen dazu, Investitionen in den Marktzugang zu tätigen, um ihre Produkte zu exportieren. Die Struktur der festen Exportkosten macht den Export zu einer dynamischen Entscheidung im Sinne von Baldwin und Krugman (1989)(3); Das et al. (2007)(4); Alessandria und Choi (2014b)(5); Ruhl und Willis (2017)(6); Alessandria et al. (2021)(7). Die Entscheidung, zu exportieren, wird stark von aktuellen und erwarteten zukünftigen Zöllen beeinflusst. Wichtig ist, dass diese Merkmale implizieren, dass die Kapitalerträge die Erträge aus Sachkapital und die Gewinne der Produzenten von Zwischenprodukten kombinieren, die Erträge aus Investitionen in die Gründung von Unternehmen und den Zugang zum Exportmarkt sind. Darüber hinaus impliziert der dynamische Charakter der Exportentscheidung, dass die durch eine Zolländerung induzierte Substitution weg von Importen und hin zu im Inland produzierten Gütern vom Zeithorizont und der Persistenz der Politik sowie der begleitenden fiskalischen Anpassung abhängt. >Entscheidungsprozesse.

1. Hopenhayn, Hugo A., “Entry, Exit, and firm Dynamics in Long Run Equilibrium,” Econometrica, 1992, 60 (5), 1127–1150.
2. Atkeson, Andrew and Patrick J. Kehoe, “Modeling and Measuring Organization Capital,” Journal of Political Economy, 2005, 113 (5), 1026–1053.
3. Baldwin, Richard and Paul Krugman, “Persistent Trade Effects of Large Exchange Rate Shocks,” The Quarterly Journal of Economics, 1989, 104 (4), 635–654.
4. Das, Sanghamitra, Mark J. Roberts, and James R. Tybout, “Market Entry Costs, Producer Heterogeneity, and Export Dynamics,” Econometrica, 2007, 75 (3), 837–873.
5. Alessandria, George and Horag Choi, “Do sunk costs of exporting matter for net export dynamics?,” The Quarterly Journal of Economics, 2007, pp. 289–336.
6. Ruhl, Kim J. and Jonathan L. Willis, “New Exporter Dynamics,” International Economic Review,2017, 58 (3), 703–726.
7. Alessandria, George and Horag Choi, and Kim J. Ruhl, “Trade Adjustment Dynamics and the Welfare Gains from Trade,” Journal of International Economics, 2021, 131, Article 103458.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Kaldor-Hicks-Kriterium Hicks Parisi I 360
Kaldor-Hicks-Kriterium/Kaldor: Vor [der Einführung des Kaldor-Hicks-Kriteriums] wurde allgemein davon ausgegangen, dass jedes Individuum eine "gleiche Fähigkeit zum Genuss" hat und dass Gewinne und Verluste zwischen verschiedenen Individuen direkt verglichen werden können. Im Jahr 1939 jedoch stellten führende britische Wirtschaftswissenschaftler, darunter der spätere Nobelpreisträger Sir John Hicks, derartige politische Vorgaben in Frage, da sie zwischenmenschliche Nutzenvergleiche beinhalteten (Hicks, 1939)(2). Kaldor bot eine Lösung an: Er räumte ein, dass die Ökonomen nicht in der Lage waren, eine wissenschaftliche Grundlage für zwischenmenschliche Nutzenvergleiche zu schaffen, schlug aber vor, dass diese Schwierigkeit irrelevant gemacht werden könnte (Kaldor, 1939)(1). Er argumentierte, dass politische Maßnahmen, die zu einem Anstieg des realen Gesamteinkommens führen, immer wünschenswert sind, weil das Potenzial besteht, dass es allen besser geht (...). Kaldor: "Die Frage der Vergleichbarkeit der individuellen Zufriedenheit ist für den Ökonomen kein Argument für diese Politik, da es in allen Fällen möglich ist, alle besser zu stellen als vorher oder zumindest einige besser zu stellen, ohne jemanden schlechter zu stellen.(Kaldor, 1939(1), pp. 549–550)
Parisi I 361
Nach Kaldor ist ein Projekt dann wünschenswert, wenn das Geldmaß der Gewinne das Geldmaß der Verluste übersteigt. In Bezug auf den potenziellen Ausgleich, der in solchen Situationen Verlierer zu Gewinnern machen könnte, stellt Kaldor fest, dass die Frage, ob ein tatsächlicher Ausgleich stattfinden sollte, "eine politische Frage ist, zu der der Ökonom qua Ökonom kaum eine Meinung äußern könnte".(Kaldor, 1939). Hicks, der vielleicht bedeutendste Wirtschaftswissenschaftler seiner Zeit, akzeptierte den Ansatz von Kaldor, der schließlich als KH-Kriterium bekannt wurde(Hicks, 1939(2), 712).
[Das Kaldor-Hicks-Kriterium] versucht, zwischenmenschliche Nutzenvergleiche zu vermeiden, indem er Gerechtigkeit von Effizienz trennt. Kaldor schlug vor, dass sich die Entscheidungsträger außerhalb der BCA ((s benefit costs analysis) mit ethischen Werten in Bezug auf die Gerechtigkeit befassen sollten. Die Veränderung der Gesamtgewinne sollte das Maß für die Effizienz sein, so dass es nach KH eine Trennung von Effizienz und Verteilungseffekten gibt(Kaldor, 1939(1), 551).
Kaldor befürwortete das von Pigou gewählte Verfahren, das Kaldor als "Aufteilung der Wohlfahrtseffekte in zwei Teile: der erste betrifft die
Parisi I 362
Produktion und der zweite zur Verteilung." Eine vollständige Beschreibung der KH-Annahmen ist sinnvollerweise gekennzeichnet durch: 1) die Verwendung von WTP ((s) willingness to pay) für Gewinne und für Verluste;
2) die Verwendung von Tests zum potenziellen Ausgleich, so dass ein Projekt nur dann KH-effizient ist, wenn die Gewinner die Verlierer hypothetisch kompensieren könnten, d. h. wenn es einen Test zum potenziellen Ausgleich (PCT) besteht;
3) eine Betonung der Effizienz, die von der Gerechtigkeit getrennt ist;
4) die Annahme, dass ein Dollar unabhängig davon, wer ihn erhält, gleich zu behandeln ist, so dass ein Dollar für jede Person den gleichen Wert hat (gleicher und konstanter Grenznutzen des Einkommens);
5) die Anerkennung und Einbeziehung von Nicht-Geld-Effekten;
6) die Nichtberücksichtigung von Werten, die durch ethische Überlegungen repräsentiert werden;
7) die Abhängigkeit von externen Effekten und Marktversagen, um festzustellen, wo BCA bei der Durchführung von Korrekturen nützlich sein könnten;
8) die Annahme, dass die Transaktionskosten gleich Null sind;
9) die Behandlung von BCA als ein Mechanismus, der die Antwort liefert, und nicht als ein Ansatz, der Informationen als Teil einer laufenden Diskussion liefert.
>Kosten-Nutzen-Analyse, >Zahlungsbereitschaft.

1. Kaldor, Nicholas (1939). “Welfare Propositions of Economics and Interpersonal Comparisons of Utility.” Economic Journal 49: 549.
2. Hicks, John R. (1939). “The Foundations of Welfare Economics.” Economic Journal 49: 712.


Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

EconHicks I
John R. Hicks
Mr. Keynes and the "classis"; a suggested reinterpreation 1937

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Kaldor-Hicks-Kriterium Wirtschaftstheorien Parisi I 364
Kaldor-Hicks-Kriterium/Ökonomische Theorien: Es ist einigermaßen klar, dass KH in seiner historischen Ausprägung wahrscheinlich nicht die vorherrschende Meinung bleiben wird. Die moderne Sichtweise enthält KH als Grenzfall (Adler and Posner, 2001(1); Adler, 2003(2); Sunstein, 2001(3); Thaler and Sunstein, 2009(4); Knetsch, 1995(5); Zerbe, 2007(6)). Zerbe und Scott (2014)(7) nennen die neue Sichtweise den erweiterten Kaldor-Hicks-Test (EKH). Die neue Sichtweise kann durch die folgenden Annahmen angemessen charakterisiert werden: 1) Die Verwendung der Pareto-Anforderung selbst eine Rechtfertigung für die Verwendung von BCA ((s) benefit-costs analysis) liefert, so dass
2) der PCT-Test ((s) potential compensation test) entfallen und durch die einfache Anforderung ersetzt werden kann, dass der Nettogegenwartswert eines Projekts positiv sein muss, wenn
3) die Definition von Nutzen und Verlusten im Gesetz und in den WTP ((s) willingness to pay) und WTA ((s) willigness to accept) begründet ist; wenn
4) anerkannt wird, dass grundsätzlich alle Güter, für die es einen WTP gibt, in jede BCA-Analyse einzubeziehen sind, so dass der EKH den KH um die Forderung ergänzt, dass alle ethischen Werte, für die es einen WTP oder WTA gibt, in die Analyse einbezogen werden, einschließlich derjenigen, die verteilungspolitische und ethische Überlegungen betreffen;
5) die Einsicht, dass die ordnungsgemäße Anwendung ethischer BCA dazu dient, Informationen und Vorhersagen zu liefern, und nicht dazu, die Entscheidung zu liefern; und
Parisi I 365
6), dass die Transaktionskostenökonomie und nicht das Marktversagen die Grundlage für eine Rechtfertigung ist, dass ein staatliches Eingreifen sinnvoll sein könnte. Die Begründung für das Urteil, dass der Pareto-Ansatz selbst direkt auf eine Rechtfertigung für EKH anwendbar ist, findet sich in einer Demonstration von Zerbe und Scott (2014)(7), die zeigt, dass unter vernünftigen und sogar etwas extremen Annahmen, die gegen ihre Hypothesen gerichtet sind, fast alle Individuen von der Anwendung der BCA über ein Portfolio von Projekten profitieren. >Pareto-Optimum.

1. Adler, Matthew and Eric Posner (2001). Cost–Benefit Analysis: Economic, Philosophical, And Legal Perspectives. University of Chicago Press.
2. Adler, Matthew (2008). “Risk Equity: A New Proposal.” Harvard Environmental Law Review 32.
3. Sunstein, Cass R. (2001). “Cost–Benefit Default Principles.” Michigan Law Review 99: 1651, 1663–1666.
4. Thaler, Richard and Cass Sunstein (2009). Nudge. New York: Penguin Press.
5. Knetsch, Jack L. (1995). “Assumptions, Behavior Findings, and Policy Analysis.” Journal of Policy Analysis and Management 14(1): 68–78.
6. Zerbe, Richard O. (2007). “The Legal Foundations of Cost–Benefit Analysis.” 2 Charleston Law Rev. 2: 93.
7. Zerbe, Richard O. (2014). “Welfare Economics for Law with Costly Markets,” in Richard O. Zerbe, ed., Efficiency in Law and Economics. Series editors Richard Posner and Francesco Parisi. Northampton, MA: Edward Elgar.


Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Kaldor-Hicks-Kriterium Zerbe Parisi I 360
Kaldor-Hicks-Kriterium /Zerbe: Kaldor-Hicks ist der Standard für BCA ((s) Benefit-costs analysis). Es entstand in den späten 1930er Jahren aus den Diskussionen prominenter britischer Wirtschaftswissenschaftler über die Aufhebung der Corn Laws (Kaldor, 1939(1); Harrod, 1938(2); Robbins, 1938(3); Hicks, 1939(4)). >Kosten-Nutzen-Analyse.
Bis dahin ging man allgemein davon aus, dass jedes Individuum über die gleiche "Genussfähigkeit" verfügt und dass Gewinne und Verluste zwischen verschiedenen Individuen direkt verglichen werden können. Im Jahr 1939 jedoch stellten führende britische Wirtschaftswissenschaftler, darunter der spätere Nobelpreisträger Sir John Hicks, solche politischen Vorgaben in Frage, da sie zwischenmenschliche Vergleiche des Nutzens beinhalteten (Hicks, 1939)(4). Kaldor lieferte eine Lösung: Er räumte ein, dass Ökonomen nicht in der Lage sind, eine wissenschaftliche Grundlage für zwischenmenschliche Nutzenvergleiche zu schaffen, schlug aber vor, dass diese Schwierigkeit irrelevant gemacht werden könnte (Kaldor, 1939)(1). Er argumentierte, dass politische Maßnahmen, die zu einem Anstieg des realen Gesamteinkommens führen, immer wünschenswert sind, weil das Potenzial besteht, dass es allen besser geht (...).

1. Kaldor, Nicholas (1939). “Welfare Propositions of Economics and Interpersonal Comparisons of Utility.” Economic Journal 49: 549.
2. Harrod, Roy F. (1938). “Scope and Method of Economics.” Economic Journal 48: 383.
3. Robbins, Lionel (1938). “Interpersonal Comparisons of Utility: A Comment.” Economic Journal 48: 635.
4. Hicks, John R. (1939). “The Foundations of Welfare Economics.” Economic Journal 49: 696.


Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
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Kapazitätsmanagement Wirtschaftstheorien Mause I 462f
Kapazitätsmanagement/Wirtschaftstheorie: Beispiel Verkehrspolitik: Auf den ersten Blick führt eine Reduzierung von Verspätungen zu einer Wohlfahrtssteigerung. Problem: das ist zu kurz gedacht: Bsp Zuteilung von Zeitnischen an Flughäfen: diese werden eingeteilt in: a) verursacht durch Fluggesellschaft (technische Probleme am Flugzeug)
Mause I 463
b) verursacht durch den Flughafen (Infrastruktur), c) Abweichungen von der geplanten Flugroute, d) reaktionäre Verspätungen (ausgelöst durch frühere Verspätungen); Letzteres ist die häufigste Ursache. Reaktionäre Verspätung: a) rotational: der Rückflug verzögert sich wegen des verspäteten Hinflugs derselben Fluglinie), b) nicht-rotational: eine nicht-rotationale Verspätung tritt auf, wenn ein Flug auf Passagiere eines verspäteten Flugs (evtl. einer anderen Gesellschaft) warten muss. Auf diese Weise können sich Verspätungen weltweit ausbreiten. Kosten: a) Zeitkosten der Passagiere, b) „harte“, c) „weiche“ Kosten der Fluggesellschaft.
Harte Kosten der Fluggesellschaft: Betriebs- und Personalkosten, Kosten für Umbuchungen und Erstattungen.
Weiche Kosten der Fluggesellschaft: Kundenverluste durch Unzufriedenheit.
Zeitkosten der Passagiere: können weitgehend als Opportunitätskosten verstanden werden.
Opportunitätskosten: in diesem Fall die monetär bewertete Zeit, die man anders hätte besser nutzen können. (1) (2)
Zeitnischen: werden von der Europäischen Union verwaltet. Kapazitätsengpässe können durch freiwillige Koordination gelöst werden. Daneben gibt es viele Regionalflughäfen, die nicht ausgelastet sind. Durch Reduzierung von Genehmigungen und Entzerrung des Flugplans kann eine Minimierung von Verspätungen erreicht werden.
Problem: eine Minimierung von Verspätungen auf diese Art ist aus ökonomischer Sicht nicht per se wohlfahrtssteigernd: die maximale Zahl an Ankünften und Abflügen wird reduziert und damit a) die Durchschnittskosten pro Flug erhöht, sondern auch b) Netzwerkeffekte an Drehkreuzen gesenkt.
Netzwerkeffekte: Fluggesellschaften haben an Drehkreuzflughäfen ein Interesse, da damit viele Flüge in einem Zeitfenster gebündelt werden können. Es besteht dann ein Trade-off zwischen den Netzwerkeffekten durch zusätzliche Genehmigungen und der gestiegenen Anfälligkeit für Verspätungen.
Mause I 465
Kapazitätsreduzierung: ist aus theoretischer Sicht sinnvoll, je nachdem, ob sich der Flughafen bei der momentanen Kapazitätsauslastung rechts oder links vom optimalen Wert befindet, der sich aus der Gesamtkostenkurve ergibt. (vgl. Swaroop et al. 2012, S. 1240) (3) Dieses Beispiel lässt sich auch auf Schienenverkehrt bzw. Bahnsteige an Bahnhöfen übertragen. Problem: die bestehende Praxis wird aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kritisiert, da Genehmigungen kostenlos sind und der Handel mit ihnen verboten ist. (Siehe auch Emissionsrechtehandel). Das System wird als „marktfern“ bezeichnet.
Lösung: durch eine Auktion der Zeitnischen könnten Gewinne erzielt werden.
Ein Sekundärmarkt könnte sicherstellen, dass die Fluggesellschaft mit dem höchsten Nutzen (und damit der höchsten Zahlungsbereitschaft) eine Genehmigung erhält.

1. University of Westminster. 2015. The cost of passenger delay to airlines in Europe. http:// ansperformance. eu/ references/ library/ passengerdelayco st. pdf. (Access date 25.11.2016
2. Bratu, Stephane, und Cynthia Barnhart. 2006. Flight operations recovery: New approaches considering passenger recovery. Journal of Scheduling 9( 3): 279– 298.
3. Swaroop, Prem, Bo Zou, Michael O. Ball, und Mark Hansen. 2012. Do more US airports need slot controls? A welfare based approach to determine slot levels. Transportation Research Part B: Methodological 46( 9): 1239– 1259.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Kosten-Nutzen-Analyse Hicks Parisi I 357
Kosten-Nutzen-Analyse/Hicks: Nutzen und Kosten werden im Prinzip durch das von J. Hicks (1939)(1) entwickelte Maß der "kompensierenden Variation" (CV) bestimmt. In der Praxis handelt es sich bei den Maßen in der Regel um "Verbraucher- und Erzeugerüberschüsse", die eine Annäherung an das Hicks'sche Maß darstellen. Die Konsumentenrente ist ungefähr der Betrag, den man zahlen würde, abzüglich des tatsächlich gezahlten Betrags. Wenn also der Preis für eine Tasse Kaffee 1,00 $ beträgt und die Bereitschaft, dafür 2,50 $ zu zahlen (wenn es keine anderen Anbieter gibt), beträgt die Konsumentenrente 1,50 $. Die Produzentenrente ist die wirtschaftliche Rente oder der Betrag, der entnommen werden könnte, ohne
Parisi I 358
das Angebot zu beeinträchtigen. So handelt es sich beispielsweise bei den Gehältern von College-Football-Trainern größtenteils um eine wirtschaftliche Rente, denn würden ihre Gehälter massenhaft gesenkt, wäre es unwahrscheinlich, dass sie einen anderen Job annehmen würden. Die Maße entsprechen der Zahlungsbereitschaft (WTP) für Gewinne und der Zahlungsbereitschaft (WTA) für Kosten, die mit den psychologischen (Nutzen-)Effekten der Prospect-Theorie übereinstimmen, die bei Verlusten steiler als bei Gewinnen, bei Verlusten konvex und bei Gewinnen konkav ist (Tversky und Kahneman, 1992)(2). >Zahlungsbereitschaft/Tversky/Kahneman, >Kosten-Nutzen-Analyse/Zerbe.

1. Hicks, John R. (1939). “The Foundations of Welfare Economics.” Economic Journal 49: 696.
2. Tversky, A. and D. Kahneman (1992). Journal of Risk and Uncertainty 29.


Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

EconHicks I
John R. Hicks
Mr. Keynes and the "classis"; a suggested reinterpreation 1937

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Leben Dworkin Gaus I 417
Leben/Dworkin/Weinstein: In seiner jüngsten "Sovereign Virtue" (Souveräne Tugend) drängt Dworkin mit Nachdruck auf seine bekannte Verteidigung der Gleichheit der Ressourcen und appelliert an das, was er das "Herausforderungsmodell" von ethischem Wert nennt, von dem er betont, dass es nicht konsequent ist. Für Dworkin verläuft das Leben besser, wenn es von innen heraus mit "ethischer Integrität" gelebt wird, d.h. wenn es nicht mechanisch von außen nach der Gewohnheit gelebt wird. Ethisch ehrliche Leben sind geschickte Leistungen, die eine ständige, kritische Selbstreflexion zeigen. Für solche Leben ist die Wahl konstitutiv für ein gutes Leben. DworkinVsUtilitarismus: Welfarismus und Utilitarismus sind unmoralisch, da sie die Wahl im Namen der Förderung von Zuständen instrumentalisieren.*
Gleichheit: Für Dworkin "fließt die Gleichheit der grundlegenden Ressourcen aus der Sicht der Herausforderung". Wenn ein gutes Leben bedeutet, die Herausforderungen, die wir uns stellen, zu meistern, dann ist es ethisch zwingend notwendig, über ausreichende Grundressourcen zu verfügen. Und wenn es "gleich wichtig ist, wie jeder Mensch lebt", dann sollten alle über gleiche Grundressourcen verfügen. Daher "beginnen ethische Liberale mit einer starken ethischen Begründung für ihr Beharren auf einer egalitären Verteilung der Ressourcen" (Dworkin, 2000a(1): 279). Mit anderen Worten: Gleiche Besorgnis und Respekt ziehen irgendwie eine Ressourcengleichheit nach sich, da Gleichheit "an Ressourcen und Chancen gemessen werden muss" (2000a(1): 237; siehe auch Dworkin, 1985(2): 192-3).
Ungeachtet der Zirkularität des Arguments, dass gleiche Sorge und Respekt die Gleichbehandlung von Menschen entlang eines separat identifizierten Bereichs mit sich bringt, legt Dworkin nie genau fest, was er mit Gleichheit der Ressourcen meint, die auch aus dem Herausforderungsmodell "fließen".**
Aber wenn letzteres eine Quelle der Rechtfertigung sein soll, dann beginnt Dworkins egalitärer Liberalismus so auszusehen, als sei er mehr Sen als Dworkin bewusst ist. >Egalitarismus/Sen.

* In Anlehnung an Sen, betrachtet Dworkin (2000a(1): Kap. l) den Utilitarismus als eine Form des Welfareismus. Zu Sen's Ablehnung des Utilitarismus, wenn auch nicht des Konsequentialismus, siehe Sen (1979)(2). Siehe auch Dworkin (2000a(1): Kap. 7) für seine Kritik an Sen's und Cohen's Gleichheitsbegriffen.

** In Dworkins jüngster Antwort auf Millers Überprüfung der Souveränen Tugend sagt er, dass er mit gleichen Ressourcen, die "aus gleicher Sorge und gleichem Respekt fließen", "im Einklang mit" meint. Er sagt auch, dass sein Buch darauf abzielt, "attraktive Begriffe von Demokratie, Freiheit, Gemeinschaft und individueller Verantwortung zu finden, die mit gleichen Ressourcen vereinbar sind oder aus ihnen fließen", um diese Werte "vor Unterordnung" unter die Gleichheit zu "schützen" (Dworkin, 2000b(3): 15). Nun erfordert diese Bedeutung von "fließen von" lediglich, dass die Verteilungsgerechtigkeit mit gleicher Sorge und Achtung vereinbar ist, und nicht, dass sie damit einhergeht.

1. Dworkin, Ronald (2000a) Sovereign Virtue. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Sen, Amartya (1979) 'Utilitarianism and welfarism'. The Journal of Philosophy, LXXVI: 463-89.
3. Dworkin, Ronald (2000b) 'Equality - an exchange'. Times Literary Supplement (London), I December: 15-16.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Marktunsicherheit Wirtschaftstheorien Rieth I 4
Marktunsicherheit/Wirtschaftstheorien/Boer/Rieth: Mikroökonometrische Studien konzentrieren sich auf die Auswirkungen der Unsicherheit, die die Handelspolitik umgibt. Unter Verwendung des Beitritts Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 als natürliches Experiment dokumentieren Pierce und Schott (2016)(1), dass der damit verbundene Rückgang der Unsicherheit hinsichtlich der Einfuhrzölle den bilateralen Handel ankurbelte, aber die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe der USA verringerte;
Handley und Limao (2017)(2) zeigen, dass dies die chinesischen Exporte in die USA erhöht und die Preise in den USA deutlich gesenkt hat; und
Feng et al. (2017)(3) dokumentieren ein ähnliches Muster für chinesische und europäische Unternehmen.
Umgekehrt heben Alessandria et al. (2019)(4) das abwartende Verhalten US-amerikanischer Unternehmen vor dem Beitritt Chinas hervor, das den Handel dämpfte.
Crowley et al. (2018)(5) verwenden Daten zu chinesischen Unternehmen und dokumentieren, dass Unternehmen, die einer höheren handelspolitischen Unsicherheit ausgesetzt sind, weniger internationalen Handel betreiben.
Wir* ergänzen diese mikroökonomischen Belege, indem wir zeigen, dass sich diese Effekte auf die Makroökonomie übertragen.
Rieth I 5
Unsere Ergebnisse zeichnen jedoch aufgrund der exportfördernden Auswirkungen des allgemeinen Gleichgewichtswechselkurses ein positiveres Bild der Unsicherheit in der Handelspolitik. Eine weitere Erklärung für die geringere Bedeutung auf aggregierter Ebene wäre, dass sich einige der unterschiedlichen Auswirkungen zwischen Unternehmen oder Branchen gegenseitig aufheben. >Marktunsicherheit/Rieth, >Zollgeschichte.

* Lukas Boer and Malte Rieth (2024). The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund.

1. Pierce, J. R. and Schott, P. K. (2016). The surprisingly swift decline of us manufacturing employment. American Economic Review, 106(7):1632–1662.
2. Handley, K. and Limao, N. (2017). Policy uncertainty, trade, and welfare: Theory and evidence for china and the united states. American Economic Review, 107(9):2731–83.
3. Feng, L., Li, Z., and Swenson, D. L. (2017). Trade policy uncertainty and exports: Evidence from china’s wto accession. Journal of International Economics, 106:20–36.
4. Alessandria, G. A., Khan, S. Y., and Khederlarian, A. (2019). Taking stock of trade policy uncertainty: Evidence from china’s pre-wto accession. Technical report, National Bureau of Economic Research.
5. Crowley, M., Meng, N., and Song, H. (2018). Tariff scares: Trade policy uncertainty and foreign market entry by chinese firms. Journal of International Economics, 114:96–115.

Rieth I
Malte Rieth
Lukas Boer
The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund. Washington, D.C. 2024
Mechanismus-Design Wirtschaftstheorien Parisi I 490
Mekanismus-Design/Ökonomische Theorien/Güth: (...) es gibt eine lange Tradition der Verwendung von Auktionen (siehe Milgrom, 1989)(1), teilweise sehr heikle Anwendungen wie Auktionen zum "Handel" mit Sklaven. Für den deutschsprachigen Raum dokumentiert (...) Gandenberger (1961)(2) eine beeindruckende Konstanz im Vertrauen auf die Niedrigstpreis-Beschaffungsauktion. Ob es sich um Beschaffungsauktionen handelt, bei denen ein Käufer einen Vertrag mit einem der potenziellen Anbieter abschließen möchte, oder um Verkaufsauktionen, bei denen ein Verkäufer einen Käufer finden möchte, bietet die Literatur inzwischen eine Fülle von Auktionstheorien (Wilson, 1985)(3), Auktionsexperimenten (z. B. Kagel, 2016)(4) und entsprechenden Feldstudien (Milgrom, 1989(1)). Die freiwillige Bereitstellung öffentlicher Projekte, meist in Form reiner öffentlicher Güter (siehe z. B. Ledyard, 1995) oder gemeinsamer Pool-Ressourcen (Ostrom, Walker und Gardner, 1992)(5), hat ebenfalls eine lange Tradition von Anwendungen. Statt als Problem der Gestaltung von Mechanismen wird es in der Regel mit Hilfe von sozialen Dilemma-Spielen untersucht, bei denen es den Mitgliedern der Gemeinschaft dennoch gelingt, bis zu einem gewissen Grad zu kooperieren, z. B. aufgrund wiederholter Interaktion oder anderer Aspekte ihres sozialen Lebens wie Überwachung und Bestrafung (derjenigen, die "Trittbrettfahrer" sind). Vor allem die Gruppe in Bloomington hat eine immense Menge an Feldforschung betrieben und auch Experimente durchgeführt, um die freiwillige Bereitstellung öffentlicher Projekte zu untersuchen (siehe Ostrom, 2015)(6). Das Design von Mechanismen hat jedoch eine jüngere, bereits sehr erfolgreiche Geschichte (die Nobelpreisträger des Jahres 2007, L. Hurwicz, E. S. Mascin und R. B. Myerson, wurden für ihre Leistungen in der Theorie
Parisi I 491
der Konstruktion von Mechanismen) ausgezeichnet. Hurwicz (1960(7), 1973(8)) führte den Begriff der anreizkompatiblen Mechanismen ein, der in Form der Dominanzlösbarkeit von Groves und Ledyard (1977)(9) auf die freiwillige Bereitstellung öffentlicher Güter angewendet wurde. Das Offenbarungsprinzip wurde von Myerson (1979,(10) 1981(11), 1982(12)); Baron und Myerson (1982)(13); Maskin (1999)(14); Dasgupta, Hammond und Mascin (1979)(15); Meyerson und Sattertwaithe (1983)(16); und Wilson (1985)(3) propagiert, wobei wir die Übungen für "große Volkswirtschaften" (z. B. Bierbrauer und Hellwig, 2011)(17) ausklammern. Das Offenbarungsprinzip ist heute ein Standardinstrument der Theorie des Mechanismusdesigns (siehe neuere Beiträge wie Bergemann und Morris, 2005(18) und Jehiel und Moldovanu, 2001(19)). >Entscheidungsprozesse, >Auktionen, >Kooperation.

1. Milgrom, P. (1989). “Auctions and Bidding: A Primer.” Journal of Economic Perspectives 3(3): 3–22.
2. Gandenberger, O. (1961). Die Ausschreibung. Heidelberg: Quelle and Meyer.
3. Wilson, R. (1985). “Incentive efficiency of double auctions.” Econometrica 53(5): 1101–1115.
4. Kagel, J. H. and Roth, A. E. (2016). The Handbook of Experimental Economics, Volume 2. Princeton, NJ: Princeton University Press.
5. Ostrom, E., J. Walker, and R. Gardner (1992). “Covenants with and without a Sword: Self-Governance is Possible.” American Political Science Review 86(2): 404–417.
6. Ostrom, E. (2015). Governing the Commons. Cambridge: Cambridge University Press.
7. Hurwicz, L. (1960). “Optimality and informational efficiency in resource allocation processes,” in K. J. Arrow, S. Karlin, and P. Suppes, eds., Mathematical Methods in Social Sciences, 27–46. Stanford, CA: Stanford University Press.
8. Hurwicz, L. (1973). “The design of mechanisms for resource allocation.” American Economic Review 63(2): 1–30.
9. Groves, T. and J. Ledyard (1977). “Optimal Allocation of Public Goods: A Solution to the ‘Free Rider’ Problem.” Econometrica 45(4): 783–809.
10. Myerson, R. B. (1979). “Incentive compatibility and the bargaining problem.” Econometrica 47(1): 61–73.
11. Myerson, R. B. (1981). “Optimal Auction Design.” Mathematics of Operations Research 6(1): 58–73.
12. Myerson, R. B. (1982). “Optimal coordination mechanisms in generalized principal–agent problems.” Journal of Mathematical Economics 10(1): 67–81.
13. Baron, D. P. and R. B. Myerson (1982). “Regulating a monopolist with unknown costs.” Econometrica: Journal of the Econometric Society 4: 911–930.
14. Maskin, E. S. (1999). “Nash equilibrium and welfare optimality.” Review of Economic Studies 66(1): 23–38.
15. Dasgupta, P. S., P. J. Hammond, and E. S. Mascin (1979). “The implementation of social choice rules: some general results on incentive compatibility.” Review of Economic Studies 46: 185–216.
16. Myerson, R. B. and M. A. Satterthwaite (1983). “Efficient mechanisms for bilateral trading.” Journal of Economic Theory 29(2): 265–281.
17. Bierbrauer, F. and M. Hellwig (2011). Mechanism Design and Voting for Public-Good Provision. Preprints of the Max Planck Institute for Research on Collective Goods Bonn 2011/31.
18. Bergemann, D. and S. Morris (2005). “Robust mechanism design.” Econometrica 73(6): 1771–1813.
19. Jehiel, P. and B. Moldovanu (2001). “Efficient design with interdependent valuations.” Econometrica 69(5): 1237–1259.


Werner Güth. “Mechanism design and the law”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Mehrheiten Buchanan Brocker I 569
Mehrheiten/Staat/Verfassung/Wirtschaftstheorie/Buchanan: (siehe href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=1458236&a=$a&autor=Buchanan&vorname=James%20M.&thema=Staat">Staat/Buchanan, Verfassung/Buchanan): Veränderung. Buchanan lässt keinen Zweifel daran, dass die Einstimmigkeit für ihn der einzig akzeptable normative Maßstab ist, an dem sich die Legitimität jedes Entscheidungsverfahrens hinsichtlich der Schaffung und Finanzierung öffentlicher Güter ausrichten muss. Dass also (…) nur diejenige staatliche Leistung jenseits des Rechtsschutzes legitim ist, die im Interesse eines jeden ist; denn nur dann, wenn sie im Interesse eines jeden ist, kann unterstellt werden, dass er ihr zugestimmt hätte. ((s) Vgl. Reflexives Gleichgewicht/Rawls, Schleier des Nichtwissens/Rawls.)
Brocker I 570
Amartya SenVsBuchanan: gerade damit werden bestehende Ungleichheiten verfestigt: denn die Belastungen für die Finanzierung der öffentlichen Güter jenseits des Rechtsschutzes treffen auch diejenigen, denen sie nicht zugute kommen. (1)

1. Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco u. a 1970, S. 25.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Moral Hazard Wirtschaftstheorien Mause I 540f
Def Moral Hazard/Gesundheitspolitik/Wirtschaftstheorie:(moral hazard wird meist mit „moralische Versuchung“ übersetzt) es geht darum, dass sich nach einem Vertragsabschluss ein Opportunismus für die Inanspruchnahme vertraglicher Leistungen einstellt. Gesundheitspolitik: Wichtige Arbeiten zum ex post Moral Hazard-Verhalten stammen von Nyman (2004 (1), 2008(2)) sowie Zweifel und Manning (2000 (3)). Auf Basis des mikroökonomischen Nachfragemodells zeigen diese Arbeiten, dass die Anreize der (Versicherten-) Nachfrager sich durch die Einführung einer Krankenversicherung verändern.
Daraus folgt, dass sich durch die Einführung oder Ausweitung eines Versicherungsschutzes ceteris paribus die Ausgaben für Gesundheit erhöhen.
Für empirische Ergebnisse: Newhouse 1993 (4).
Die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen geht zurück, wenn Zahlungen zu leisten sind. (Brook et al. 2006).(5)
>Trittbrettfahrer.

1. Nyman, John A. 2004. Is ‚Moral Hazard‘ inefficient? The policy implications of a new theory. Health Affairs 23( 5): 194– 199.
2. Nyman, John A. 2008. Health insurance theory: The case of the missing welfare gain. European Journal of Health Economics 9( 4): 369– 380.
3. Zweifel, Peter, und Willard G. Manning. Moral hazard and consumer incentives in health care. In Handbook of health economics, Hrsg. Anthony J. Culyer und Joseph P. Newhouse, Bd. 1, 409– 459. Amsterdam 2000.
4Newhouse, Joseph P. Free for all? Lessons from the RAND Health Insurance Experiment. Cambridge 1993
5. Brook, Robert H., Emmett B. Keeler, Kathleen N. Lohr, Joseph P. Newhouse, John E. Ware, William H. Rogers, Allyson Ross Davies, Cathy D. Sherbourne, George A. Goldberg, Patricia Camp, Caren Kamberg, Arleen Leibowitz, Joan Keesey und David Reboussin. 2006. The Health Insurance Experiment: A classic RAND study speaks to the current health care reform debate. Santa Monica: RAND Corporation.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Moralisches Risiko Arrow Henderson I 56
Moral Hazard/Arrow/Demsetz/DemsetzVsArrow/ Henderson/Globerman: Moral Hazard, ein Begriff aus dem Versicherungswesen, bezieht sich auf die Tatsache, dass Menschen, die gegen ein schlechtes Ergebnis versichert sind, weniger Anstrengungen unternehmen als sonst, um dieses schlechte Ergebnis zu vermeiden. Wenn Moral Hazard auf Versicherungsmärkten auftritt, so Arrow(1), ist die Versicherung „unvollständig“. Bestimmte Dinge bleiben unversichert. Demsetz hat die Tatsache des moralischen Risikos nicht in Frage gestellt - es ist ein bekanntes Problem. Er wies jedoch darauf hin, dass Moral Hazard ein Kostenfaktor bei der Bereitstellung von Versicherungen ist und daher wie jeder andere Kostenfaktor behandelt werden sollte.
Moral hazard /Demsetz: Das moralische Risiko, so schrieb er, „unterscheidet sich nicht von den Kosten, die sich aus der Tendenz der Menschen ergeben, sich zu drücken, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht beobachtet“ (1969(2): 7). Er verglich das Moral-Hazard-Problem auch mit dem Problem der Kosten für den Abbau von Eisenerz: Ein Teil des Eisenerzes wird nicht abgebaut, weil es zu kostspielig ist, es an die Oberfläche zu bringen. Aber wir behaupten nicht , dass der Erzabbau unwissenschaftlich ist, nur weil der Abbau nicht „vollständig“ ist. Einige Risiken bleiben nicht versichert, weil die Kosten des moralischen Risikos zu hoch sind, und das kann bedeuten, dass eine Selbstversicherung wirtschaftlich ist.
DemsetzVsArrow: Arrow ist wieder einmal dem „free lunch fallacy“ zum Opfer gefallen.
>Nirvana-Täuschung/Demsetz, >Free lunch/Demsetz.
Henderson I 57
ArrowVsDemsetz/Henderson: Natürlich könnte Arrow zu Recht darauf hinweisen, dass es kein Problem gäbe, wenn die Versicherung die Menschen nicht dazu verleiten würde, zu wenig in die Pflege zu investieren. DemsetzVsArrow: Aber dann, so Demsetz, würde Arrows Argumentation den „Menschen könnten anders sein“-Trugschluss begehen.
>Freie Märkte/Demsetz.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).
2. Demsetz, Harold (1969). Information and Efficiency: Another Viewpoint. Journal of Law and Economics 12, 1 (April): 1-22.

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Moralisches Risiko Demsetz Henderson I 56
Moral Hazard/Arrow/DemsetzVsArrow/ Henderson/Globerman: Moral Hazard, ein Begriff aus dem Versicherungswesen, bezieht sich auf die Tatsache, dass Menschen, die gegen ein schlechtes Ergebnis versichert sind, weniger Anstrengungen unternehmen als sonst, um dieses schlechte Ergebnis zu vermeiden. Wenn Moral Hazard auf Versicherungsmärkten auftritt, so Arrow(1), ist die Versicherung „unvollständig“. Bestimmte Dinge bleiben unversichert. Demsetz hat die Tatsache des moralischen Risikos nicht in Frage gestellt - es ist ein bekanntes Problem. Er wies jedoch darauf hin, dass Moral Hazard ein Kostenfaktor bei der Bereitstellung von Versicherungen ist und daher wie jeder andere Kostenfaktor behandelt werden sollte.
Moral hazard /Demsetz: Das moralische Risiko, so schrieb er, „unterscheidet sich nicht von den Kosten, die sich aus der Tendenz der Menschen ergeben, sich zu drücken, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht beobachtet“ (1969(2): 7). Er verglich das Moral-Hazard-Problem auch mit dem Problem der Kosten für den Abbau von Eisenerz: Ein Teil des Eisenerzes wird nicht abgebaut, weil es zu kostspielig ist, es an die Oberfläche zu bringen. Aber wir behaupten nicht , dass der Erzabbau unwissenschaftlich ist, nur weil der Abbau nicht „vollständig“ ist. Einige Risiken bleiben nicht versichert, weil die Kosten des moralischen Risikos zu hoch sind, und das kann bedeuten, dass eine Selbstversicherung wirtschaftlich ist.
DemsetzVsArrow: Arrow ist wieder einmal dem „free lunch fallacy“ zum Opfer gefallen.
>Nirvana-Täuschung/Demsetz, >Free lunch/Demsetz.
Henderson I 57
ArrowVsDemsetz/Henderson: Natürlich könnte Arrow zu Recht darauf hinweisen, dass es kein Problem gäbe, wenn die Versicherung die Menschen nicht dazu verleiten würde, zu wenig in die Pflege zu investieren. DemsetzVsArrow: Aber dann, so Demsetz, würde Arrows Argumentation den „Menschen könnten anders sein“-Trugschluss begehen.
>Freie Märkte/Demsetz.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).
2. Demsetz, Harold (1969). Information and Efficiency: Another Viewpoint. Journal of Law and Economics 12, 1 (April): 1-22.

EconDems I
Harold Demsetz
Toward a theory of property rights 1967

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Nirvana-Fehlschluss Demsetz Henderson I 53
Nirwana-Fehlschluss/Demsetz/Henderson/Globerman: Die Ansicht, die heute in der Ökonomie der öffentlichen Ordnung weit verbreitet ist, stellt die relevante Wahl implizit als zwischen einer idealen Norm und einer bestehenden „unvollkommenen“ institutionellen Regelung dar. Dieser Nirwana-Ansatz unterscheidet sich erheblich von einem vergleichenden Institutionenansatz, bei dem die relevante Wahl zwischen alternativen realen institutionellen Arrangements getroffen wird. Der Nirwana-Ansatz ist viel anfälliger für drei logische Irrtümer als der vergleichende institutionelle Ansatz: - den Trugschluss, dass das Gras ((s) woanders) immer grüner ist,
- den Trugschluss des kostenlosen Mittagessens ((s) Free lunch) und
- den Trugschluss, dass die Menschen anders sein könnten.(1)
Henderson: In dem oben zitierten, inzwischen berühmten Artikel stellte Harold Demsetz, (...) den „Nirwana-Ansatz“ vor und kontrastierte ihn mit dem Ansatz der „vergleichenden Institutionen“. Sein Begriff „Nirwana-Ansatz“ ist berühmt geworden, und die meisten Ökonomen, die ihn diskutieren, bezeichnen ihn heute als „Nirwana-Täuschung“. Der letztere Begriff ist so bekannt geworden, dass er einen eigenen Eintrag in Wikipedia verdient hat. (Wikipedia hat ihn sogar richtig verstanden.)
DemsetzVsArrow: In seinem Artikel aus dem Jahr 1969(1), in dem er das Problem des Nirwana-Ansatzes darlegte, kritisierte Demsetz ausführlich eine Veröffentlichung von Kenneth Arrow(2) aus dem Jahr 1962, der später den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.
Erfindung/Arrow: Arrow hatte argumentiert, dass in einer freien Marktwirtschaft zu wenig in Erfindungen investiert würde. Arrow gab dann die Schlussfolgerung an, die seiner Meinung nach folgte:
„Die vorangegangene Diskussion führt zu der Schlussfolgerung, dass für eine optimale Allokation in Erfindungen die Regierung oder eine andere Stelle, die nicht von Gewinn- und Verlustkriterien geleitet wird, Forschung und Erfindungen finanzieren müsste.“ (Demsetz, 1969)(1).
DemsetzVsArrrow: Nachdem er diese Aussage zitiert hatte, wies Demsetz auf das Hauptproblem hin: Arrow hat nicht sorgfältig untersucht, wie „die Regierung oder eine andere Stelle“ das Problem lösen würde. Er nahm einfach an, dass sie es tun würde.
Demsetz drückt es folgendermaßen aus: „Ob die Lösung der freien Marktwirtschaft durch die Substitution des Staates oder anderer gemeinnütziger Institutionen bei der Finanzierung der Forschung verbessert werden kann, lässt sich nicht allein durch die Untersuchung der Lösung der freien Marktwirtschaft feststellen.“ (1969:2)(2).
Das ist so, als würde ein Richter in einem Eiskunstlaufwettbewerb zwischen zwei Teilnehmern die Leistung des ersten Teilnehmers sehen und dann, allein auf dieser Grundlage, den Preis an den (ungesehenen) zweiten Teilnehmer vergeben.
Der Trugschluss, dass das Gras immer grüner ist: Dies, so Demsetz, ist der „Gras ist immer grüner“-Trugschluss. Wir können nicht wissen, ob das Gras auf der anderen Seite des Zauns grüner ist, ohne es zu untersuchen. Demsetz räumte ein, dass Arrow in den letzten Absätzen seines Papiers „einige Probleme bei der Ersetzung des Marktes durch den Staat diskutiert“. Aber, so Demsetz, dies führe nicht dazu, dass Arrow „seine Behauptung der Ineffizienz des Marktes überdenkt.“
>Free lunch/Demsetz.
Henderson I 54
Vergleiche/DemsetzVsArrow: Wir können nicht sagen, dass eine Situation ineffizient ist, wenn die anderen wahrscheinlichen Alternativen dazu nicht effizienter sind und weniger effizient sein könnten. Es ist eine Frage des Vergleichs: Daher lautet sein Begriff für den von ihm bevorzugten Ansatz „vergleichende Institutionen“. Henderson: Die Frage, die Demsetz immer stellt, lautet: Welche Institutionen bringen uns dem gewünschten Ergebnis am nächsten?
>Institutionen, >Vergleiche, >Vergleichbarkeit.

1. Demsetz, Harold (1969). Information and Efficiency: Another Viewpoint. Journal of Law and Economics 12, 1 (April): 1-22.
2. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).

EconDems I
Harold Demsetz
Toward a theory of property rights 1967

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Normen Politik der Vereinigten Staaten Levitsky I 17
Normen/Politik der Vereinigten Staaten/Levitsky/Ziblatt: Die amerikanische Gewaltenteilung wird durch zwei grundlegende Normen gestützt, die wir für selbstverständlich halten: gegenseitige Achtung oder, anders ausgedrückt, das Einvernehmen darüber, dass konkurrierende Parteien einander als legitime Rivalen betrachten, und Zurückhaltung, das heißt, Politiker sollten ihre institutionellen Vorrechte vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl ausüben.
Levitsky I 18
Die Erosion unserer demokratischen Normen begann in den 1980er und 1990er Jahren und beschleunigte sich in den 2000er Jahren. Als Barack Obama Präsident wurde, zogen insbesondere viele Republikaner die Legitimität ihrer Konkurrenten von der Demokratischen Partei in Zweifel, und sie hatten die Zurückhaltung zugunsten einer Strategie des Gewinnens um jeden Preis aufgegeben.
Levitsky I 118
Verfassung/ungeschriebene regeln/USA/Levitsky/Ziblatt: Wenn es (...) nicht die 1787 in Philadelphia ausgearbeitete Verfassung war, welche die amerikanische Demokratie so lange geschützt hat, was war es dann?
Levitsky I 119
Nach unserer Ansicht gehört ganz wesentlich auch die Entwicklung starker demokratischer Normen dazu. Alle erfolgreichen Demokratien stützen sich auf informelle Regeln, die zwar nicht in der Verfassung festgeschrieben sind, aber weithin bekannt sind und beachtet werden. 14 Im Fall der amerikanischen Demokratie ist dies ein entscheidender Faktor.
Levitsky I 120
In der amerikanischen Politik finden sich überall ungeschriebene Regeln, von der Arbeitsweise des Senats und des Wahlmännerkollegiums bis zum Format der präsidialen Pressekonferenzen.(2) Aber zwei Normen sind für das Funktionieren einer Demokratie besonders wichtig: gegenseitige Achtung und institutionelle Zurückhaltung.
Levitsky I 124
Institutionelle Zurückhaltung: [Die] für den Bestand von Demokratien entscheidende Norm ist das, was wir als institutionelle Zurückhaltung bezeichnen.(3)
Levitsky I 125
Wo die Norm der Zurückhaltung stark ist, nutzen Politiker, auch wenn es ihnen von Rechts wegen erlaubt wäre, ihre institutionellen Vorrechte nicht in vollem Umfang, weil dies das vorhandene System gefährden würde.(4)
1. Siehe Gretchen Helmke/Steven Levitsky (Hg.), Informal Institutions and Democracy. Lessons from Latin America, Baltimore 2006.
2. Eine klassische Darstellung der Normen oder Traditionen des US-Senats ist Donald R. Matthews, U. S. Senators and Their World, Chapel Hill, North Carolina, 1960.
3. 33Wir haben diesen Begriff von Alisha Holland übernommen; siehe Alisha Holland, »Forbearance«, in: American Political Science Review 110, Nr. 2 (Mai 2016), S. 232-246; dies., Forbearance as Redistribution. The Politics of Informal Welfare in Latin America, New York 2017; vgl. auch Eric Nelson, »Are We on the Verge of the Death Spiral That Produced the English Revolution of 1642–1649?«, in: History News Network, 14. Dezember 2014, http:// historynewsnetwork.org/article/157822
4. Whittington, »The Status of Unwritten Constitutional Conventions in the United States«, S. 106.
Nutzen Edgeworth Rawls I 170
Nutzen/Politik/Edgeworth/RawlsVsEdgeworth/Rawls: die Argumentation von Edgeworth (F. Y. Edgeworth 1888(1), 1897(2)) kann man so verändern, dass sie beinahe jede politische Norm rechtfertigt. Edgeworth These: Unter gewissen vernünftigen Annahmen ist es rational für eigennützige Parteien, dem Nützlichkeitsprinzip bei der Einschätzung von Sozialpolitik zuzustimmen, denn der politische Prozess ist kein Wettbewerbsmarkt. Daher brauchen wir nach Edgeworth das Nützlichkeitsprinzip als Kriterium. Er scheint zu denken, dass auf lange Sicht die Politik der Nutzenmaximierung sich durchsetzen wird, um den größten Nutzen für jedes Individuum hervorzubringen. Entsprechende Anwendung auch auf Steuergesetzgebung und Eigentumsregelung sollte die besten Resultate aus jedermanns Sicht ergeben.
RawlsVsEdgeworth: Der Fehler liegt darin, dass die dafür notwendigen Annahmen extrem unrealistisch sind. (Her gebrauche ich gegen Edgeworth ein Argument aus I. M. D. Little 1957(3)): Wir müssen annehmen, dass die Auswirkungen von Entscheidungen auf politischer Prozesse nicht unabhängig sind und daher niemals sehr groß sein können, da sie sonst nicht unabhängig wären. Damit nun die verschiedenen Nutzen auf zufällige Weise verteilt sein können, müssten die Menschen entweder sehr lange leben und zufällig ihre Positionen wechseln, oder es müsste einen gesetzgeberischen Mechanismus geben, der vom Durchschnittsprinzip geleitet ist und der den Nutzen auf lange Sicht gleich verteilt. Gesellschaft ist aber kein stochastischer Prozess, der auf diese Weise abläuft.

1. F. Y. Edgeworth, Mathematical Psychics, London, 1888, pp. 52-56;
2. F.Y. Edgeworth „The Pure Theory of Taxation“, Edonomic Journal, vol 7, 1897.
3. I. M. D. Little, Critique of Welfare Economics, 2nd ed. Oxford, 1957.

EconEdge
Francis Ysidro Edgeworth
Mathematical Psychics: An Essay on the Application of Mathematics to the Moral Sciences London 1881

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Nutzen Rothbard Rothbard III 134
Nutzen/Nachfrage/Angebot/Gleichgewichtspreis/Preis/Rothbard: Die Handlungen von Käufern und Verkäufern auf dem Markt können mit den Begriffen des psychischen Ertrags, des Gewinns und der Kosten in Verbindung gebracht werden. Wir erinnern uns, dass das Ziel eines jeden Akteurs die höchste Position des psychischen Ertrags und damit die Erzielung eines psychischen Gewinns im Vergleich zu seiner nächstbesten Alternative - seinen Kosten - ist. Ob ein Individuum kauft oder nicht, hängt davon ab, ob es seine beste Alternative mit seinen gegebenen Ressourcen ist (...). Einnahmen: Der erwartete Ertrag jeder Handlung wird gegen die erwarteten Kosten abgewogen - seine nächstbeste Alternative. In diesem Fall ist der Ertrag entweder (a) die Befriedigung von Zwecken durch die direkte Nutzung des [Gutes] oder (b) der erwartete Weiterverkauf des [Gutes] zu einem höheren Preis - je nachdem, was für ihn den höchsten Nutzen hat. größer. Der erwartete Ertrag ist der Grenznutzen des hinzugefügten [Gutes] für den Käufer; Kosten: Die erwarteten Kosten sind der Grenznutzen des aufgegebenen [Gutes]. Sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Kosten wird der höhere Wert bei der direkten Nutzung oder beim Tausch als Grenznutzen des Gutes gewählt.
Rothbard III 135
Angebot: Der Verkäufer versucht ebenso wie der Käufer, seinen psychischen Ertrag zu maximieren, indem er versucht, einen Ertrag zu erzielen, der höher ist als seine psychischen Kosten - der Nutzen der nächstbesten Alternative, auf die er bei seinem Handeln verzichten muss. Der Verkäufer wird den Grenznutzen des zusätzlichen Verkaufsgutes (...) gegen den Grenznutzen des aufgegebenen Kaufgutes (...) abwägen, um zu entscheiden, ob er den Verkauf zu einem bestimmten Preis durchführen soll oder nicht. Erlös: Der psychische Ertrag für den Verkäufer ist der höhere der beiden Nutzen, die sich aus einer der folgenden Quellen ergeben: (a) dem Wert der direkten Nutzung des Verkaufsgutes (...) oder (b) dem spekulativen Wert des Wiedereintausches des [Gutes] gegen das [Gut] zu einem niedrigeren Preis in der Zukunft.
Kosten: Die Kosten der Handlung des Verkäufers sind der höchste entgangene Nutzen unter den folgenden Alternativen: (a) der unmittelbare Gebrauchswert des aufgegebenen [Gutes] oder (b) der spekulative Wert des Verkaufs zu einem höheren Preis in der Zukunft oder (c) der Tauschwert des Erwerbs eines anderen Gutes für das [Gut].
Nutzen/Rothbard: Bei jedem Gut ist es der Nutzen und nur der Nutzen, der den Preis und die Tauschmenge bestimmt. Der Nutzen und der Nutzen allein bestimmt die Art der Angebots- und Nachfragetabellen.
>Angebotsplan, >Nachfrageplan.
RothbardVsTradition: Es ist daher ein klarer Irrtum zu glauben, wie es die populäre Annahme war, dass Nutzen und „Kosten“ gleichermaßen und unabhängig voneinander den Preis bestimmen. Die „Kosten“ sind einfach der Nutzen der nächstbesten Alternative, auf die bei jeder Handlung verzichtet werden muss, und sie sind daher ein wesentlicher Bestandteil des Nutzens auf der Werteskala des Einzelnen. Diese Kosten sind natürlich immer eine gegenwärtige Betrachtung eines zukünftigen Ereignisses, auch wenn diese „Zukunft“ sehr nahe ist.
>Preis/Rothbard, >Markt/Rothbard, >Grenznutzen/Rothbard.
Rothbard III 260
Nutzen/Rothbard: Es ist wahr, dass der Gesamtnutzen eines Angebots mit dem Umfang des Angebots zunimmt. Dies ist aus der Natur eines Gutes ableitbar. Zehn Einheiten eines Gutes werden auf der Werteskala eines Individuums einen höheren Rang einnehmen als vier Einheiten. Diese Einstufung ist jedoch völlig unabhängig von der Nutzeneinstufung der einzelnen Einheiten, wenn das Angebot 4, 9, 10 oder eine andere Menge beträgt. Dies gilt unabhängig von der Größe der Einheit. Wir können nur die triviale ordinale Beziehung bestätigen, d. h., dass fünf Einheiten einen höheren Nutzen haben als eine Einheit, und dass die erste Einheit einen höheren Nutzen hat als die zweite Einheit, die dritte Einheit, usw. Es gibt jedoch keine eindeutige Möglichkeit, den einzelnen Nutzen mit dem „Gesamtnutzen“ in Einklang zu bringen.(1) Der Gesamtnutzen ist in der Tat nur dann als reales und relevantes und nicht als hypothetisches Konzept sinnvoll, wenn tatsächliche Entscheidungen über das gesamte Angebot getroffen werden müssen. In diesem Fall handelt es sich immer noch um den Grenznutzen, aber die Größe der Marge oder der Einheit entspricht nun dem gesamten Angebot. >Grenznutzen/Rothbard.
Rothbard III 305
Nutzen/Rothbard: Viele Fehler in Diskussionen über den Nutzen rühren von der Annahme her, dass es sich um eine Art von Größe handelt, die zumindest im Prinzip messbar ist. >Grenznutzen des Geldes/Jevons.
Wenn wir z. B. von der „Maximierung“ des Nutzens eines Verbrauchers sprechen, beziehen wir uns nicht auf einen bestimmten Bestand oder eine bestimmte Menge von etwas, das maximiert werden soll. Wir beziehen uns auf die höchste Position auf der Werteskala des Einzelnen. In ähnlicher Weise ist es die Annahme des unendlich Kleinen, die zusammen mit dem Glauben an den Nutzen als Menge zu dem Fehler führt, den Grenznutzen als die mathematische Ableitung des integralen „Gesamtnutzens“ mehrerer Einheiten eines Gutes zu behandeln. In Wirklichkeit gibt es keine solche Beziehung, und es gibt auch keinen „Gesamtnutzen“, sondern nur den Grenznutzen einer größeren Einheit. Die Größe der Einheit hängt von ihrer Bedeutung für die jeweilige Handlung ab. Dies verdeutlicht eine der großen Gefahren der mathematischen Methode in den Wirtschaftswissenschaften, denn diese Methode birgt das Vorurteil der Kontinuitätsannahme oder des unendlich kleinen Schritts in sich.
>Grenznutzen/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard, >Handlung/Rothbard.
Rothbard III 306
Messen/Praxeologie: Das Hauptproblem der Nutzentheorie, das von den mathematischen Autoren vernachlässigt wurde, ist die Größe der Einheit. Unter der Annahme der mathematischen Kontinuität ist dies überhaupt kein Problem; es könnte kaum eines sein, wenn die mathematisch konzipierte Einheit unendlich klein und daher buchstäblich größenlos ist. In einer praxeologischen Analyse des menschlichen Handelns wird dies jedoch zu einer grundlegenden Frage. Die relevante Größe der Einheit hängt von der jeweiligen Situation ab, und in jeder dieser Situationen wird diese relevante Einheit zur Grenzeinheit. Es gibt nur eine einfache ordinale Beziehung zwischen den Nutzen der unterschiedlich großen Einheiten.
Rothbard III 314
Es gibt also zwei Nutzengesetze, die beide aus den apodiktischen Bedingungen menschlichen Handelns folgen: erstens, dass bei gegebener Größe einer Einheit eines Gutes der (Grenz-)Nutzen jeder Einheit abnimmt, wenn das Angebot an Einheiten steigt; zweitens, dass der (Grenz-)Nutzen einer größeren Einheit größer ist als der (Grenz-)Nutzen einer kleineren Einheit.
Der erste Fall ist das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Das zweite wird als das Gesetz des steigenden Gesamtnutzens bezeichnet. Die Beziehung zwischen den beiden Gesetzen und zwischen den in beiden betrachteten Gütern ist rein rangbezogen, d. h. ordinal.
>Messen, >Grenznutzen/Rothbard, >Wert.

1. Für weitere Informationen zu diesen Themen siehe Rothbard, „Toward a Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 224-43. Siehe auch Mises, The Theory of Money and Credit. New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 and 1957. Reprinted by Liberty Fund, 1995. Mises, Richard von. Probability, Statistics, and Truth, 2nd ed. New York: Macmillan, 1957. Reprinted by Dover Publications, 1981.S. 38-47.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Öffentlicher Sektor Rawls I 266
Öffentlicher Sektor/Rawls: Der Öffentliche Sektor hat zwei Aspekte: 1. Der erste hat mit dem Eigentum an Produktionsmitteln zu tun. Daher ist z.B. der Öffentliche Sektor im Sozialismus größer als im Kapitalismus. In privatwirtschaftlich organisierten Systemen ist er kleiner und betrifft vornehmlich öffentliche Einrichtungen und Transportwesen.
2. Merkmal: Das zweite Merkmal hat mit dem Anteil der Ressourcen zu tun, der für öffentliche Güter (Infrastruktur usw.) aufgewendet wird.
Öffentliche Güter/Rawls: Öffentliche Güter sind vor allem unteilbar und öffentlich zugänglich(1). Wenn Bürger davon profitieren wollen, muss es so eingerichtet sein, dass alle im gleichen Maß davon profitieren. Bsp Landesverteidigung.
I 267
Das bringt es mit sich, dass öffentliche Güter durch den politischen Prozess und nicht durch den Markt gesteuert werden müssen. Probleme: Für öffentliche Güter erwachsen besondere Probleme:
1. Das Trittbrettfahrer-Problem(2): Es gibt die Versuchung, selbst nicht seinen Anteil an Pflichten beizutragen, dieser Betrag beeinflusst das Gesamtergebnis nämlich nicht merklich. Für das Individuum erscheint der Beitrag der anderen in jedem Fall schon geleistet. Daher muss der Staat die Regelung der entsprechenden öffentlichen Güter übernehmen(3).
>Trittbrettfahrer.
I 268
2. Merkmal öffentlicher Güter: Externalität. Die Produktion dieser Güter geht auch auf Kosten derer, die niemals von ihnen profitieren. >Externalitäten/Wirtschaft.
Es werden auch nicht alle Wünsche berücksichtigt. Bsp Jemand, der sich impfen lässt, hilft anderen ebenso wie sich selbst, auch wenn er niemals dieser Infektion ausgesetzt sein wird. Bsp Auch Umweltschäden werden normalerweise nicht vom Markt reguliert. So werden unter Umständen Rohstoffe zu weit geringeren Kosten produziert, als ihre sozialen Grenzkosten ausmachen. Hier gibt es eine Differenz zwischen privater und sozialer Bilanzierung, die der Markt nicht registriert.
Die Unteilbarkeit öffentlicher Güter (z.B. Infrastruktur, Freiheiten usw.) erfordert es in diesem Fall, dass der Staat die Regelung übernimmt. Problem: sogar in einer Gesellschaft gerechter Personen führt die Isoliertheit individueller Entscheidungen nicht zu der Erfüllung des Allgemeininteresses.
>Öffentliche Güter, >Infrastruktur.

1. Siehe J. M. Buchanan, The Demand and Supply of Public Goods, Chicago, 1968, Kap. IX.
2. Buchanan, Kap. V; Mancur Olson, The Logic of Collective Action, Cambridge, MA, 1965, Kap. I, II.
3. Siehe W.J. Baumol, Welfare Economics and the Theory of the State, London, 1952, Kap. I, VII-IX, XII.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Öffentliches Gut Rawls I 92
Öffentliches Gut/ Soziales Gut/social goods/Rawls: primäre soziale Güter sind Rechte und Freiheiten, Chancen und Befugnisse, Einkommen und Wohlstand. Diese Güter sind sozial wegen ihrer Verbindung mit der Grundstruktur der Gesellschaft; Freiheiten und Befugnisse werden durch die Regeln der größeren Institutionen definiert, Einkommensverteilung und Wohlstand werden von diesen reguliert. Rawls: Die Theorie der Gemeingüter geht auf Aristoteles zurück und wird von so unterschiedlichen Autoren wie Kant und Sidgwick geteilt. Sie ist auch nicht strittig zwischen Utilitarismus und Vertragstheorie.
>Verträge, >Vertragstheorie, >Utilitarismus, >I. Kant, >H. Sidgwick.
I 93
Def Güter/Rawls: Ein Gut ist die Erfüllung eines rationalen Interesses. Wir können davon ausgehen, dass ein rationales Individuum einen Plan hat, der verschiedene Verlangen ohne gegenseitige Störung erfüllt werden können. Def rationaler Plan/Rawls: Ein rationaler Plan sei ein Plan, der nicht verbessert werden kann. D.h. es gibt keinen anderen Plan, der ihm vorgezogen wird.
>Planung.
Def primäre Güter/Rawls: sind solche, die alle benötigen, auch wenn ihre Pläne differieren. Bsp Intelligenz, Wohlstand, Chancen sind Mittel, um Ziele zu erreichen, die eine Person nicht auf anderem Wege erreichen könnte. Im Anfangszustand (einer zu errichtenden Gesellschaft), wo die Menschen noch nicht wissen, welche Rolle sie einnehmen werden, sind diese Güter das, wovon sie wissen, dass sie sie anstreben.
>Schleier des Nichtwissens.
Problem: Ein Verzeichnis der verfügbaren primären sozialen und natürlichen Güter anzufertigen. Unsere Prinzipien, wenn sie in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, helfen dabei.
>Prinzipien/Rawls.
I 266
Öffentliche Güter/Rawls: Öffentliche Güter sind vor allem unteilbar und öffentlich zugänglich(1). Wenn Bürger davon profitieren wollen, muss es so eingerichtet sein, dass alle im gleichen Maß davon profitieren. Bsp Landesverteidigung.
I 267
Das bringt es mit sich, dass öffentliche Güter durch den politischen Prozess und nicht durch den Markt gesteuert werden müssen. Probleme: für öffentliche Güter erwachsen besondere Probleme:
1. Das Trittbrettfahrer-Problem(2): Es gibt die Versuchung, selbst nicht seinen Anteil an Pflichten beizutragen, dieser Betrag beeinflusst das Gesamtergebnis nämlich nicht merklich. Für das Individuum erscheint der Beitrag der anderen in jedem Fall schon geleistet. Daher muss der Staat die Regelung der entsprechenden öffentlichen Güter übernehmen(3).
>Trittbrettfahrer.
I 268
2. Merkmal öffentlicher Güter: Externalität. Die Produktion dieser Güter geht auch auf Kosten derer, die niemals von ihnen profitieren. Es werden auch nicht alle Wünsche berücksichtigt. Bsp Jemand, der sich impfen lässt, hilft anderen ebenso wie sich selbst, auch wenn er niemals dieser Infektion ausgesetzt sein wird. >Externalitäten.
Bsp Auch Umweltschäden werden normalerweise nicht vom Markt reguliert. So werden unter Umständen Rohstoffe zu weit geringeren Kosten produziert, als ihre sozialen Grenzkosten ausmachen. Hier gibt es eine Differenz zwischen privater und sozialer Bilanzierung, die der Markt nicht registriert.
Die Unteilbarkeit öffentlicher Güter (z.B. Infrastruktur, Freiheiten usw.) erfordert es in diesem Fall, dass der Staat die Regelung übernimmt. Problem: sogar in einer Gesellschaft gerechter Personen führt die Isoliertheit individueller Entscheidungen nicht zu der Erfüllung des Allgemeininteresses.
>Umweltschäden.
I 270
Wirtschaftsform: Wie groß der Anteil der öffentlichen Güter an der Gesamtwirtschaft ist, ist von der Wirtschaftsform - sei sie sozialistisch oder privatwirtschaftlich – unabhängig, da der Anteil der sozialen Ressourcen, der für ihre Produktion aufgewendet wird, unabhängig von der Frage des Besitzes der Produktionsmittel. >Sozialismus, >Kapitalismus.

1. Siehe J. M. Buchanan, The Demand and Supply of Public Goods, Chicago, 1968, Kap. IX.
2. Buchanan, Kap. V; Mancur Olson, The Logic of Collective Action, Cambridge, MA, 1965, Kap. I, II.
3. Siehe W.J. Baumol, Welfare Economics and the Theory of the State, London, 1952, Kap. I, VII-IX, XII.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Oligopole Rothbard Rothbard III 721
Oligopole/VsOligopole/Rothbard: Den Theoretikern des monopolistischen Wettbewerbs zufolge sind die beiden Einflüsse, die die mögliche Existenz des reinen Wettbewerbs sabotieren, die „Produktdifferenzierung“ und das „Oligopol“ oder die geringe Anzahl von Unternehmen, bei denen ein Unternehmen die Handlungen der anderen beeinflusst. Im ersten Fall wird den Herstellern vorgeworfen, dass sie in der Öffentlichkeit eine künstliche Differenzierung der Produkte herbeiführen und sich so einen Teil des Monopols sichern. Und Chamberlin(1) hat ursprünglich versucht, „Gruppen“ von Herstellern, die „leicht“ differenzierte Produkte verkaufen, von altmodischen „Industrien“ von Firmen zu unterscheiden, die identische Produkte herstellen. RothbardVs: Keiner dieser Versuche hat irgendeine Gültigkeit. Wenn ein Produzent ein Produkt herstellt, das sich von dem eines anderen Produzenten unterscheidet, dann ist er eine einzigartige „Industrie“; es gibt keine rationale Grundlage für irgendeine Gruppierung von unterschiedlichen Produzenten, insbesondere bei der Aggregation ihrer Nachfragekurven. Außerdem entscheidet das konsumierende Publikum über die Differenzierung der Produkte auf seiner Werteskala. Diese Differenzierung hat nichts „Künstliches“ an sich, sondern dient dazu, den vielfältigen Bedürfnissen der Verbraucher besser gerecht zu werden.(2)
Es ist natürlich klar, dass Ford ein Monopol auf den Verkauf von Ford-Autos hat, aber es handelt sich um ein vollständiges „Monopol“ und nicht um eine „monopolistische“ Tendenz.
>Monopole/Rothbard.
Es ist auch schwer zu erkennen, welche Unterschiede sich aus der Anzahl der Unternehmen ergeben, die dasselbe Produkt herstellen, insbesondere wenn man den Mythos des reinen Wettbewerbs und der vollkommenen Elastizität verwirft.
>Elastizität.
Es wurde viel über Strategien, „Kriege“ usw. zwischen Oligopolisten gesprochen, aber solche Diskussionen haben wenig Sinn. Entweder sind die Unternehmen unabhängig und konkurrieren daher, oder sie handeln gemeinsam und bilden daher ein Kartell. Eine dritte Alternative gibt es nicht.
Rothbard III 720
Sobald der Mythos der perfekten Elastizität verworfen wurde, wird klar, dass all die langwierigen Diskussionen über die Anzahl und Größe von Unternehmen und Gruppen und Differenzierung usw. irrelevant werden. Sie werden nur für die Wirtschaftsgeschichte relevant, nicht aber für die Wirtschaftsanalyse. VsVs: Man könnte einwenden, dass ein wesentliches Problem des Oligopols darin besteht, dass im Oligopol jedes Unternehmen die Reaktionen der konkurrierenden Unternehmen berücksichtigen muss, während im reinen Wettbewerb oder bei differenzierten Produkten ohne Oligopol jedes Unternehmen in der Gewissheit operieren kann, dass kein Konkurrent seine Handlungen berücksichtigt oder seine Handlungen entsprechend ändert.
>Reiner Wettbewerb/Rothbard.
Nachfrage/Rothbard: Diese angeblichen Schwierigkeiten sind jedoch nicht existent. Es gibt keinen Grund, warum die Nachfragekurve für ein Unternehmen nicht auch die erwarteten Reaktionen anderer Unternehmen enthalten kann.(3)
Die Nachfragekurve eines Unternehmens ist die Menge der Erwartungen eines Unternehmens, wie viele Einheiten seines Produkts die Verbraucher zu einem beliebigen Zeitpunkt zu einer alternativen Preisreihe kaufen werden. Was den Hersteller interessiert, ist die hypothetische Menge der Verbrauchernachfrage zu jedem Preis. Er ist nicht daran interessiert, wie die Verbrauchernachfrage in verschiedenen, nichtexistierenden Situationen aussehen wird.
>Unvollkommener Wettbewerb/Rothbard, >Wettbewerb/Rothbard.

1. H. Chamberlin, Theory of Monopolistic Competition, und Mrs. Joan Robinson, Economics of Imperfect Competition. Für eine klare Diskussion und einen Vergleich der beiden Werke siehe Robert Triffin, Monopolistic Competition and General Equilibrium Theory (Cambridge: Harvard University Press, 1940).
2. 112] In jüngster Zeit hat Professor Chamberlin diesen Punkt eingeräumt und in einer Reihe bemerkenswerter Artikel seine Anhänger verblüfft, indem er das Konzept des reinen Wettbewerbs als Wohlfahrtsideal ablehnte. Chamberlin erklärt nun: „Das Wohlfahrtsideal selbst... wird korrekt als monopolistischer Wettbewerb beschrieben.... [Dies] scheint sehr direkt aus der Erkenntnis zu folgen, dass die Menschen individuell sind, unterschiedliche Geschmäcker und Wünsche haben und zudem räumlich weit verstreut sind.“ Chamberlin, Towards a More General Theory of Value, S. 93-94; auch ebd., S. 70-83; E.H. Chamberlin und J.M. Clark, „Discussion“, American Economic Review, Papers and Proceedings, Mai 1950, S. 102-04; Hunter, „Product Differentiation and Welfare Economics“, S. 53 3-52; Hayek, „The Meaning of Competition“ in Individualism and the Economic Order, S. 99; und Marshall I. Goldman, „Produktdifferenzierung und Werbung: Some Lessons from Soviet Experience“, Journal of Political Economy, August 1960, S. 346-57.
3. Diese Definition der Nachfragekurve für das Unternehmen war der herausragende Beitrag von Frau Robinson, der leider kürzlich von ihr zurückgewiesen wurde. Triffin warf Frau Robinson vor, dem Problem der „oligopolistischen Unbestimmtheit“ auszuweichen, während sie dieses Pseudoproblem tatsächlich sauber gelöst hatte. Siehe Robinson, Economics of lmperfect Competition, S. 21. Zu anderen Aspekten des Oligopols siehe Willard D. Arant, „Competition of the Few Among the Many“, Quarterly Journal of Economics, August 1956, S. 327-45.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Pareto-Optimum Sen Gaus I 106
Pareto-Optimum/utilitaristischer Liberalismus/Sen/Gaus: (...) das Pareto-Kriterium vermeidet das von Rawls identifizierte Problem: das Wohl der wenigen zugunsten der vielen zu opfern, wird ausgeschlossen. Somit scheint der paretische "Welfareism" (von engl. "Wohlfahrt") zumindest mit dem Liberalismus vereinbar zu sein. >Pareto-Optimum/Rawls.
SenVs: Amartya Sen hat jedoch bewiesen, dass dies nicht unbedingt der Fall ist. Sen (1970)(1) zeigt, dass, wenn Rechte so verstanden werden, dass sie dem Einzelnen die Autorität verleihen, zwischen mindestens zwei Sozialstaaten zu entscheiden, dann, wenn es zwei Rechteinhaber gibt, liberale Rechte mit dem uneingeschränkten Paretischen Welfareism in Konflikt geraten können. Einige haben die von Sen vorgenommene Charakterisierung von Rechten als Zuständigkeitsbereiche für die Auswahl von Sozialstaaten angefochten (zur Diskussion siehe Mueller, 2003(2): 650-51); neuere Arbeiten zur Theorie der Rechte haben jedoch die unabhängige Plausibilität einer solchen Zuständigkeitstheorie gezeigt (Mack, 2000(3); Gaus, 1996(4): 199-204).
Gaus: Das Ergebnis von Sen ist wichtig, da es zeigt, dass im Prinzip selbst eine sehr minimale Form des Welfareism mit dem Liberalismus unvereinbar sein kann. Ganz allgemein haben Louis Kaplow und Steven Shavell (2002)(5) in jüngster Zeit argumentiert, dass fast jedes nicht welfareistische Prinzip mit dem Pareto-Kriterium in Konflikt geraten kann.

1. Sen, Amartya K. (1970) ‘The impossibility of a Paretian liberal’. Journal of Political Economy, 78 (Jan./Feb.): 152–7.
2. Mueller, Dennis C. (2003) Public Choice III. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Mack, Eric (2000) ‘In defense of the jurisdiction theory of rights’. The Journal of Ethics, 4: 71–98.
4. Gaus, Gerald F. (1996) Justificatory Liberalism: An Essay in Epistemology and Political Theory. Oxford: Oxford University Press.
5. Kaplow, Louis and Steven Shavell (2002) Fairness versus Welfare. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Pfadabhängigkeit Politische Theorien Mause I 583
Pfadabhängigkeit/Politische Theorien: Nach der vergleichenden Wohlfahrtsforschung wird die politische Manövrierbarkeit in der Sozialpolitik (…) durch vergangene Entscheidungen eingeschränkt. Das wird mit dem Begriff der Pfadabhängigkeit beschrieben (Pierson 1996(1), 2004 (2) Siegel 2002 (3)). Beispiel: Durch Sozialbeiträge finanzierte gesetzliche Rentenversicherungssysteme begründen Besitzansprüche der Versicherten. Je länger ein solches System besteht, desto stärker werden die Beschränkungen für mögliche Veränderungen dieses Systems sein.
>Sozialpolitik, >Politik, >Politische Entscheidungen.

1. Pierson, Paul. 1996. The new politics of the welfare state. World Politics 48: 143– 179.
2. Pierson, Paul. Politics in time. History, institutions, and social analysis. Princeton 2004
3. Siegel, Nico A. Baustelle Sozialpolitik. Konsolidierung und Rückbau im internationalen Vergleich. Frankfurt a.   M. 2002.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Pigou-Steuer Pigou Mause I 159
Def Pigou-Steuer/Pigovian tax/Pigou: Dabei besteuert (subventioniert) der Staat die Verursacher negativer (positiver) Externalitäten so, dass im Verhaltensgleichgewicht die sozialen und privaten Grenzkosten bei der wohlfahrtsoptimalen Angebotsmenge des betroffenen Gutes zusammenfallen. (1). Vgl. >CO2-Steuer.
1.A.C. Pigou, The economics of welfare. London 1920.

EconPigou I
Arthur C. Pigou
The Economics of welfare London 1920

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Politische Ökonomie Rawls I 259
Politische Ökonomie/Rawls: Darunter verstehe ich ökonomische Arrangements und politische Gestaltungen sowie die Hintergrundinstitutionen, die damit im Zusammenhang stehen. Wohlfahrtsökonomik/Wohlfahrtsökonomie/welfare economics/K. J. Arrow/Rawls:
Arrow definiert Wohlfahrtsökonomie ähnlich(1)(2)(3).
Wohlfahrt/Rawls: Diesen Ausdruck gebrauche ich nicht, weil er an den Utilitarismus erinnert. (RawlsVsUtilitarismus).
>Utilitarismus, >Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat.
Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness behandelt soziale Formen als geschlossene Systeme. Ein ökonomisches System wird auch von existierenden Bedürfnissen und Notwendigkeiten geformt. Die jetzige Zusammenarbeit von Menschen bei der Befriedigung dieser Bedürfnisse beeinflusst die Weise, wie die Bedürfnisse in der Zukunft aussehen werden. Diese Dinge sind bekannt und werden von so unterschiedlichen Autoren wie Marx und Marshall geteilt(4). (Siehe Brian Barry, Political Argument, London, 1965).
>Fairness/Rawls, >Gesellschaft/Rawls.
I 260
Gesellschaftsordnung/Rawls: Problem: wie wirkt sich diese wechselseitige Beeinflussung von Bedürfnissen, Befriedigung und neuen Bedürfnissen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, wo die Menschen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position stehen, auf die mögliche Gestaltung aus? Lösung: Es werden nur die allgemeinsten Annahmen über primäre öffentliche Güter (z.B. Freiheiten) gemacht.
>Schleier des Nichtwissens.
I 263
Ökonomie/Uneinigkeit/RawlsVsArrow, K. J/Rawls: anders als K. J. Arrow(5) annimmt, ist Uneinigkeit zwischen Parteien kein besonderes Merkmal des Idealismus. Innerhalb der Vertragstheorie ist sie Teil der Anfangssituation einer zu errichten Gesellschaft. Sie formt den Inhalt der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness. Diese versucht, Kants Begriff des Reichs der Zwecke mit dem der Autonomie und dem Kategorischen Imperativ zu verbinden. Damit können wir metaphysische Annahmen vermeiden. >Vertragstheorie, >Zwecke/Kant, >J.K. Arrow.

1. Siehe K.J. Arrow und Tibor Scitovsky, Readings in Welfare, Homewood, 1969, S. 1.
2. A. Bergson, Essays in Normative Economics, Cambridge, MA, 1966, S. 35-39, 60-63, 68f.
3. Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco, 1970, S.56-59.
4. Siehe Brian Barry, Political Argument, London, 1965.
5. K.J. Arrow, Social Choice and Individual Values 2. Ed. New York, 1963, S.74f, 81-86.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Politische Parteien Wirtschaftstheorien Mause I 284f
Politische Parteien/Wirtschaftstheorien: den meisten Modellen ist gemeinsam, dass sie für linke Regierungen eine deutlich expansivere Fiskalpolitik erwarten.(Für Literaturangaben siehe Politische Parteien/Hibbs.) Es gibt Argumente, die das Gegenteil vermuten lassen. Es könnte eine Strategie rechter Parteien sein, ein paradoxes Verhalten an den Tag zu legen und sich zu verschulden, um zukünftigen linken Regierungen den finanziellen Spielraum für höhere Sozialausgaben zu nehmen (siehe z. B. Persson und Svensson 1989 (1); Milesi-Feretti und Spoalore 1994)(2).
Es könnte auch sein, dass linke Regierungen bei geringer Arbeitslosigkeit keine Anreiz zu expansivem deficit spending haben und zur Schaffung zukünftiger fiskalischer Spielräume die Defizite reduzieren (siehe Carlsen 1997 (3); Cusack 1999 (4))
Zahlreiche empirische Studien in der Folgezeit belegen, dass linke Regierungen höhere Staatausgaben tätigen als rechte Regierungen.
Die These, dass linke und rechte Parteien angesichts von Reformdruck und steigender Interdependenz zu einer Konvergenz in der Ausgabenpolitik kommen, wurde nicht bestätigt.(5),(6)


1. Torsten Persson & Lars E. O. Svensson. 1989. Why a stubborn conservative would run a deficit: Policy with time-inconsistent preferences. Quarterly Journal of Economics 104 (2): 325– 345.
2. Gian M. Milesi-Feretti & Enrico Spoalore. 1994. How cynical can an incumbent be? Strategic policy in a model of government spending. Journal of Public Economics 55: 121– 140.
3. Fredrik Carlsen, Fredrik. 1997. Counterfiscal policies and partisan politics: Evidence from industrialized countries. Applied Economics 29: 145– 151.
4. Thomas R. Cusack, 1999. Partisan politics and fiscal policy. Comparative Political Studies 32( 4): 464– 486.
5, James P. Allan & Lyle Scruggs. 2004. Political partisanship and welfare state reform in advanced industrial societies. American Journal of Political Science 48 (3): 496– 512.
6. Niklas Potrafke. 2009. Did globalization restrict partisan politics? An empirical evaluation of social expenditures in a panel of OECD countries. Public Choice 140 (1): 105– 124.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Präferenzen Harsanyi Gaus I 244
Präferenzen/Vielfalt/Pluralismus/rationale Wahlmöglichkeiten/Harsanyi/D'Agostino: (...) Das Arrow-Theorem und seine Erweiterungen können als ein Argument für Monismus gelesen werden. Arrow wirbt mit Chaos, indem er, wie Pluralisten darauf bestehen würden, für die Anerkennung der Vielfalt sorgt. >Arrow-Theorem/D'Agostino. Wenn der Preis für die Vermeidung von Chaos die Aufgabe des Pluralismus ist, so ist dies ohnehin dadurch gerechtfertigt, dass jede scheinbare Vielfalt ethisch-politisch unbedeutend ist und lediglich eine tiefere Einheitlichkeit der Bewertungen verdeckt, die die Kohärenz der sozialen Arrangements aufrechterhält.
Harsanyi: Diese Lesart ist z.B. in John Harsanyis (1977)(1) Versuch implizit enthalten, zu zeigen, dass Individuen, selbst wenn sie sich in ihren Bewertungen von Optionen unterscheiden, dazu gebracht werden können, die gleichen "erweiterten Präferenzen" in Bezug auf soziale Arrangements zu teilen, und dass kohärente kollektive Wahlverfahren auf der Grundlage solcher ("erweiterten") Bewertungen definiert werden können. Und natürlich wurde in der Tat, was noch zutreffender ist, darauf hingewiesen, dass insbesondere liberale Doktrinen und Institutionen mit dem Pluralismus und damit mit der Bewertungsvielfalt, die diese Familie von Doktrinen und Argumenten sanktioniert, unvereinbar sind (siehe Kekes, 1992(2); Crowder, 1994(3)).
D'Agostino: Viele neuere liberale politische Theorien können jedoch gewinnbringend als Versuch interpretiert werden, eine prinzipielle Grundlage für die Anerkennung der Anforderungen sowohl der Vielfalt als auch der Kohärenz zu finden. >Arrow-Theorem/Weale, >Diversität/D'Agostino, >Pluralismus/Politische Theorien.

1. Harsanyi, John (1977) 'Cardinal welfare, individualistic ethics, and interpersonal comparisons of utility'. In his Essays on Ethics, Social Behaviour and Scientific Explanation. Dordrecht: Reidel.
2. Kekes, John (1992) 'The incompatibility of liberalism and pluralism'. American Philosophical Quarterly, 29: 141-51.
3. Crowder, George (1994) 'Pluralism and liberalism'. Political Studies, 42: 293-305.

D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Praxeologie Rothbard Rothbard III 73
Praxeologie/Rothbard: Um die Beziehung und die Unterscheidungen zwischen der Praxeologie und jeder der anderen Disziplinen zusammenzufassen, können wir sie wie folgt beschreiben:
Warum der Mensch verschiedene Ziele wählt: Psychologie.
Was die Ziele des Menschen sein sollten: Philosophie der Ethik. auch: Philosophie der Ästhetik.
Wie man Mittel einsetzt, um Ziele zu erreichen: Technik.
Was die Ziele des Menschen sind und waren und wie der Mensch die Mittel eingesetzt hat, um sie zu erreichen: Geschichte. Die formalen Implikationen der Tatsache, dass der Mensch Mittel einsetzt, um verschiedene gewählte Ziele zu erreichen: Praxeologie.

Wirtschaftswissenschaften: Welches Verhältnis besteht zwischen Praxeologie und ökonomischer Analyse? Die Ökonomie ist ein Teilbereich der Praxeologie - bisher der einzige vollständig ausgearbeitete Teilbereich.
Logik/Rothbard: Es wurde vorgeschlagen, dass, da die Praxeologie und die Ökonomie logische Argumentationsketten sind, die auf einigen allgemein bekannten Prämissen beruhen, sie, um wirklich wissenschaftlich zu sein, gemäß den symbolischen Notationen der mathematischen Logik ausgearbeitet werden sollten.(1)
RothbardVs: Dies ist eine merkwürdige Fehleinschätzung der Rolle der mathematischen Logik oder „Logistik“. Zunächst einmal ist es die große Qualität von verbalen Sätzen, dass jeder einzelne sinnvoll ist.
((s) Zu logischen Symbolen siehe >Verknüpfungen/Philosophie.)
Andererseits sind die algebraischen und logischen Symbole, wie sie in der Logistik verwendet werden, an sich nicht sinnvoll. In der Praxeologie wird das Handlungsaxiom als wahr vorausgesetzt, und von diesem (zusammen mit einigen empirischen Axiomen - wie der Existenz einer Vielzahl von Ressourcen und Individuen) werden durch die Regeln der logischen Schlussfolgerung alle Sätze der Wirtschaftswissenschaften abgeleitet, von denen jeder einzelne verbal und sinnvoll ist.
Rothbard III 306
Praxeologie/Nutzwert/Messung/Rothbard: Das Hauptproblem der Nutzentheorie, das von den mathematischen Autoren vernachlässigt wurde, ist die Größe der Einheit. Unter der Annahme der mathematischen Kontinuität ist dies überhaupt kein Problem; es könnte kaum eines sein, wenn die mathematisch konzipierte Einheit unendlich klein und daher buchstäblich größenlos ist. In einer praxeologischen Analyse des menschlichen Handelns wird dies jedoch zu einer grundlegenden Frage. Die relevante Größe der Einheit hängt von der jeweiligen Situation ab, und in jeder dieser Situationen wird diese relevante Einheit zur Grenzeinheit. Es gibt nur eine einfache ordinale Beziehung zwischen den Nutzen der unterschiedlich großen Einheiten. >Nutzen/Rothbard, >Grenznutzen/Rothbard, >Grenznutzen des Geldes/Jevons.
Rothbard III 308
Der Fehler bei der Argumentation auf der Grundlage von „Gleichgültigkeit“ besteht darin, dass die Tatsache übersehen wird, dass ein Problem, das im Bereich der Psychologie wichtig ist, im Bereich der Praxeologie, zu der die Ökonomie gehört, keine Bedeutung haben kann. Die Psychologie befasst sich mit dem Problem, wie oder warum das Individuum Werteskalen bildet, und für diese Frage ist es relevant, ob das Individuum zwischen verschiedenen Alternativen entscheidungsfreudig oder eher „indifferent“ ist.
>Indifferenzkurve/Rothbard.
Die Praxeologie hingegen ist eine logische Wissenschaft, die auf der Existenz von Handlungen an sich beruht; sie ist daran interessiert, reale Handlungen in ihrem universellen Sinn zu erklären und zu interpretieren, statt in ihrem konkreten Inhalt. Ihre Diskussion über Werteskalen ist daher eine Schlussfolgerung aus der Natur menschlichen Handelns und kein spekulativer Aufsatz über die inneren Vorgänge des Geistes. Folglich ist es für die Praxeologie irrelevant, ob ein Mensch, der sich zwischen den Alternativen A und B entscheiden muss, eine feste und entschiedene Wahl trifft oder ob er sich durch Münzwurf entscheidet. Dies ist ein Problem der Psychologie; die Praxeologie beschäftigt sich nur mit der Tatsache, dass er wählt (…).
Behaviorismus/Rothbard: Die Praxeologie basiert auch nicht auf der behavioristischen Psychologie. Tatsächlich sind ihre Prinzipien, soweit die Praxeologie die Psychologie berührt, das Gegenteil von denen des Behaviorismus.
>Behaviorismus/Philosophie.

1. Vgl. G.J. Schuller, "Rejoinder," American Economic Review, March, 1951, p. 188. Für eine Erwiderung siehe Murray N. Rothbard, "Toward a Reconstruction ofUtility and Welfare Economics" in Mary Sennholz, ed. on Freedom and Free Enterprise: Essays in Honor of Ludwig von Mises (Princeton, N.J.: D. Van Nostrand, 19 5 6), p. 227. Siehe auch Boris Ischboldin, "A Critique of Econometrics," Review ofsocial Economy, September, 1960, pp. 110—27; and Vladimir Niksa, "The Role of Quantitative Thinking in Modern Economic Theory," Review ofSocial Economy, September, 19 59, pp. 151-73.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Privatisierung Moon Gaus I 213
Privatisierung/Wohlfahrtsstaat/Moon: Es ist wichtig zu betonen, dass die staatliche Versorgung nicht notwendigerweise der privaten Vorsorge überlegen ist. Selbst wenn es klare Beispiele für "Marktversagen" gibt, Bereiche, in denen freiwillige Vorsorge nicht in der Lage ist, ein optimales Niveau an Dienstleistungen der einen oder anderen Art zu bieten, folgt daraus nicht, dass staatliches Handeln überlegen sein wird. So wie reale Märkte einem Marktversagen unterliegen, sind auch reale Regierungen einem Nichtmarktversagen unterworfen. >Marktversagen, >Staatliche Vorsorge/Moon, >Adverse Selektion/Barr. Die Erkenntnis, dass die öffentliche Versorgung mit höheren Kosten verbunden sein kann als freiwillige Programme, hat in den letzten 20 oder 25 Jahren zu Forderungen nach einer "Privatisierung" einiger wohlfahrtsstaatlicher Aktivitäten geführt. Verschiedene Gruppen haben sich dafür ausgesprochen, die Tätigkeiten, die einst vom Staat ausgeführt wurden, an private Parteien zu übertragen, angefangen vom Verkauf verstaatlichter Industrien bis hin zur Vergabe von Aufträgen an private Firmen zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen, wie z.B. der Betrieb von Schulen oder die Bereitstellung von Reinigungsdiensten für eine Regierungsbürokratie. In ähnlicher Weise gab es in den letzten Jahren Bemühungen, die Auswahl zu vergrößern und Marktprozesse innerhalb öffentlicher Programme zu simulieren, wie z.B. die Verwendung von Gutscheinen im öffentlichen Bildungswesen oder den "Binnenmarkt" im britischen National Health Service. Bei all diesen Initiativen besteht die Hoffnung, die Effizienz zu steigern, die Dienstleistungsanbieter besser auf die Kunden eingehen zu lassen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, individuellere Dienstleistungen zu erhalten, die ihren spezifischen Bedürfnissen und Interessen entsprechen.
Probleme: Andererseits werfen diese Entwicklungen die Sorge auf, dass selbst "marktnahe" Wahlmöglichkeiten in Bereichen wie Rente oder Bildung benachteiligte Gruppen negativ beeinflussen. Wenn beispielsweise eine erfolgreiche Schule in einem System, das sich auf Gutscheine oder andere "elterliche Wahlmöglichkeiten" stützt, in der Lage ist, mehr Schüler anzuziehen, als sie Platz hat, dann ist zu befürchten, dass sie
Gaus I 214
"Problemkinder" ausschließen und sie möglicherweise noch schlechter gestellt werden als zuvor. Unabhängig davon, ob es um Renten, Bildung, Gesundheitsversorgung oder andere Bereiche des Wohlfahrtsstaates geht, beinhalten Effizienzargumente für öffentliche versus private Vorsorge eine Abwägung ihrer relativen Kosten. *
* Für eine ausgezeichnete Reihe von Studien über die "Revolution in der Sozialpolitik", die durch den Übergang zu "Quasi-Märkten" in einer Vielzahl von Politikbereichen und Ländern ausgelöst wurde, siehe Bartlett, Roberts und Le Grand (1998)(1).

1. Bartlett, Will, Jennifer Roberts and Julian Le Grand, eds (1998) A Revolution in Social Policy: Quasi-Market Reforms in the 1990s. Bristol: Policy.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Rationalität Rawls I 143
Rationalität/Rawls: unsere Auffassung hier entspricht im Großen und Ganzen dem Standardmodell in der Sozialtheorie(1)(2). Def rationale Person/Rawls: Eine rationale Person sei eine Person sein mit einer kohärenten Menge von Präferenzen zwischen Optionen, die ihr offenstehen. Sie bewertet die Optionen im Hinblick darauf, was ihren Zwecken dient. Sie verfolgt den Plan, der die meisten ihrer Wünsche erfüllt und die größeren Chancen hat, erfolgreich zu sein.
>Ziele, >Zwecke, >Zweck/Mittel-Denken.
Rawls: Zusätzlich schließe ich Missgunst aus.
I 145
Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft/Rawls: Hier müssen wir annehmen, dass die beteiligten Personen einen Sinn für Gerechtigkeit und die Befolgung ihrer Prinzipien haben und dies auch von anderen erwarten können. Sie wissen dann, dass Einigungen nicht vergebens sind. >Gesellschaft/Rawls, >Schleier des Nichtwissens.
I 418
Rationalität/Rawls: Die Dauer einer rationalen Überlegung ist in Betracht zu ziehen, so dass es irgendwann irrational wird, nach dem besten Plan zu suchen. >Planung/Rawls.
Es ist rational, einem nur zufriedenstellenden Plan zu folgen, wenn die zu erwartenden Ergebnisse weiterer Abwägung die Nachteile des Zeitverlusts nicht ausgleichen. Damit wird eine gewisse Entscheidungskompetenz einer Person im Hinblick auf ihre eigene Situation bei der Rationalen Entscheidung vorausgesetzt.
I 422
Das Leitprinzip für ein rationales Individuum in der Verfolgung seiner Pläne sollte sein, dass es sich niemals zum Vorwurf wird machen müssen, wie diese Pläne sich am Ende verwirklichen. Als identisches Individuum in der Zeit muss es sagen können, dass es in jedem Moment das getan hat, was eine Abwägung der Gründe erfordert oder zumindest zugelassen hat(3)(4). >Personale Identität, >Verantwortung.

1. Vgl. Amartya Sen, Cellective Choice and Social Welfare, San Francisco, 1970.
2. K. J. Arrow, Social Choice and Individual Values, 2. Ed. New York, 1963.
3. Siehe Charles Fried, An Anatomy of Values, (Cambridge, 1970), S. 158-169.
4. Th. Nagel, The Possibility of Altruism (Oxford, 1970), insb. Kap. VIII.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Rechtfertigung Lamont Gaus I 230
Theorien/Grundsätze/Begründung/Lamont: (...) Theorien [zur Verteilungsgerechtigkeit] sind vor allem nach dem Inhalt ihrer Annäherung an die moralischen Anforderungen von Wohlfahrt (oder Glück) und Verantwortung charakterisiert worden. Es ist wichtig, hier auf einige der Komplikationen dieser Charakterisierungen hinzuweisen und
Gaus I 231
auch auf andere Arten der Konzeptualisierung der Literatur über Verteilungsgerechtigkeit. Die meisten Theoretiker sind genau beschrieben durch eine Reihe von nicht äquivalenten Bezeichnungen. Die hier verwendeten Klassifikationen sind in der zeitgenössischen Literatur weit verbreitet, aber es gibt dennoch subtile Unterschiede in der Art und Weise, wie verschiedene Autoren diese Bezeichnungen verwenden. Inhalt/Prinzip/Begründung: Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen dem Inhalt eines Verteilungsprinzips und seiner Begründung.
Inhalt: "Inhalt" bezieht sich auf die Verteilung, die idealerweise durch ein Prinzip empfohlen wird, während "Rechtfertigung" sich auf die Gründe bezieht, die zur Unterstützung des Prinzips angeführt werden. Theoretiker können nach dem Inhalt ihrer Theorie oder nach der von ihnen angegebenen Begründung unterschieden und etikettiert werden.
Probleme: 1) (...) die hier verwendeten gemeinsamen Bezeichnungen beziehen sich zum Teil auf den Inhalt und zum Teil auf die Begründungen für verschiedene Positionen.
2) (...) die meisten Gruppen von Theorien haben Begründungen aus verschiedenen Quellen, und einzelne Autoren verwenden manchmal sogar mehr als eine Begründungsquelle für ihre Theorie. Die meisten Kombinationen von Inhalt und Rechtfertigung sind in der Tat versucht worden. Beispielsweise verwenden verschiedene Libertarianer natürliche Rechte, Verdienste, Utilitarismus oder Kontraktualismus zur Rechtfertigung ihrer Theorien; verschiedene Verdiensttheoretiker verwenden natürliche Rechte, Kontraktualismus und sogar Utilitarismus (Mill 1877(1); Sidgwick, 1890(2)). Teilweise kommt dies daher, dass es verschiedene Versionen von Begründungen gibt, die jedoch aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit das gleiche breite Etikett teilen.
Vertragstheorie: Beispielsweise ist der Kontraktualismus in den Begründungen vieler Theorien enthalten und umfasst sowohl Hobbes'sche als auch Kant'sche Kontraktualisten nach Thomas Hobbes und Immanuel Kant (Hampton, 1991(3)).
A) Hobbes'sche Kontraktualisten wie David Gauthier versuchen, die Moral mit den eigennützigen Gründen zu rechtfertigen, die Individuen haben, um bestimmten Bedingungen der sozialen Zusammenarbeit zuzustimmen.
B) Kant'sche Kontraktualisten wie John Rawls berufen sich auf moralische Gründe, um die Bedingungen sozialer Kooperation zu rechtfertigen, die einer Zustimmung würdig wären, und argumentieren gewöhnlich für Verteilungen am egalitären Ende des Spektrums.
Ein Hobbes'scher Kontraktualist, wie Sie vielleicht vermuten, plädiert eher für libertär orientierte Systeme (Buchanan, 1982(4); Gauthier, 1987(5); Levin, 1982(6)). Es gibt jedoch auch Anhänger von Hobbes, die darauf bestehen, dass sein Kontraktualismus besser gelesen wird, um einige wichtige Aspekte des Wohlfahrtsstaates zu rechtfertigen, als eine bloß minimalistische Regierung (Kavka, 1986(7); Morris, 1998(8): Kap. 9; Vallentyne, 1991(9)). Daher können Theoretiker, die das Etikett "vertragsorientiert" teilen, auch durch eine libertäre Ablehnung der Umverteilung oder ein egalitäres Beharren auf einer breiten Verteilung gekennzeichnet sein (...).
Gleichheit/Egalitarismus: Die häufigsten Alternativen zur Charakterisierung von Theorien der Verteilungsgerechtigkeit entlang der Dimensionen Wohlfahrt und Verantwortung waren dazu da, sie entweder entlang der damit verbundenen Dimension der Gleichheit oder nach dem Grad der Gleichheit zu charakterisieren, den die Theorien vorgeben. So könnte jede der hier bereits untersuchten Theorien alternativ nach ihrer Behandlung oder ihrem Ansatz der Gleichheit kategorisiert werden (Joseph und Sumption, 1979(10); Rakowski, 1991)(11).
>Gleichheit/Sen.
Sen: in seinem einflussreichen Vortrag 'Equality of what?" (1980)(12) befasst sich Amartya Sen mit der Frage, nach welchem Maßstab Gleichmacher den Grad bestimmen sollten, in dem eine Gesellschaft das Ideal der Gleichheit verwirklicht.
Inzwischen wurde eine Reihe alternativer Variablen für das, was ausgeglichen werden sollte, eingeführt (Daniels, 1990(13)) und verfeinert, einschließlich der oben diskutierten Ressourcengleichmacher (Dworkin, 2000)(14), der Chancengleichheit für Wohlfahrt (Arneson, 1989(15); 1990(16); 1991(17)), des gleichen Zugangs zu Vorteilen (Cohen, 1989)(18) und des gleichen politischen Status (Anderson, 1999)(19).
Gaus I 232
Begriffe/Inhalte/Theorien: Eine weitere Komplikation (...) ergibt sich aus den Unterschieden in der Konzeption des Themas der Verteilungsgerechtigkeit selbst, wobei einige Theoretiker eher den Prozess als den Inhalt oder die Rechtfertigung betonen. Die Prinzipien: [viele Theorien] befassen sich mit der Frage der Verteilungsgerechtigkeit, indem sie Prinzipien empfehlen, die als normative Ideale für Institutionen gedacht sind, die ihrerseits die Verteilung der Ressourcen maßgeblich bestimmen werden. Diese Theorien spiegeln den Fortschritt und einen wachsenden Konsens während des größten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts darüber wider, was nicht akzeptabel ist. Beispielsweise lehnen alle angebotenen Theorien die Ungleichheiten ab, die für feudale, aristokratische und Sklavengesellschaften charakteristisch sind, sowie die Ungleichheiten, die Systemen innewohnen, die den Zugang zu Gütern, Dienstleistungen, Arbeitsplätzen oder Positionen auf der Grundlage von Rasse, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion einschränken.
Entscheidungsprozesse: Andererseits sind einige Theoretiker der Ansicht, dass die fortdauernde Existenz vernünftiger Meinungsverschiedenheiten ein wichtiges Spiegelbild des Wesens der Verteilungsgerechtigkeit selbst ist. Sie argumentieren über zusätzliche Fragen, im Bereich der vernünftigen Uneinigkeit darüber, welches die besten Verteilungsideale sind. Hauptsächlich wird diskutiert, ob das Verfahren zur Entscheidung von Verteilungsfragen gerecht ist. So argumentieren einige, dass bestimmte Fragen der Verteilungsgerechtigkeit auf der verfassungsrechtlichen Ebene behandelt und unterschiedlich beschrieben werden sollten, während andere Fragen auf der gesetzgeberischen Ebene ordnungsgemäß entschieden werden.
Gerechte Prozesse: eine Untergruppe dieser Theoretiker vertritt auch die Ansicht, dass einige Entscheidungen über Fragen der Verteilungsgerechtigkeit teilweise oder vollständig gerechtfertigt sein können, weil sie das Ergebnis eines gerechten Prozesses sind (Christiano, 1996(20); Gaus, 1996(21)). Rationale Argumente allein können vielleicht einige Systeme als ungerecht ausschließen, aber andere werden nicht nur aufgrund ihres Inhalts gerechtfertigt sein, sondern auch durch den Prozess, durch den sie erreicht wurden.
>Liberalismus/Lamont.

1. Mill, John S. (1877) Utilitarianism, 6th Ed. London: Longmans, Green.
2. Sidgwick, Henry (1890) The Methods of Ethics, 4th Ed. London: Macmillan.
3. Hampton, Jean (1991) 'Two faces of contractarian thought'. In Peter Vallentyne, ed., Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier 's Morals by Agreement. New York: Oxford University Press, 31—55.
4. Buchanan, Allen (1982) 'A critical introduction to Rawls' theory of justice'. In H. Gene Blocker and Elizabeth H. Smith, eds, John Rawls' Theory of Social Justice: An Introduction. Athens, OH: Ohio University Press.
5. Gauthier, David Peter (1987) Morals by Agreement. Oxford: Clarendon.
6. Levin, Michael (1982) 'A Hobbesian minimal state'. Philosophy and Public Affairs, 11 (4): 338-53.
7. Kavka, Gregory S. (1986) Hobbesian Moral and Political Theory. Princeton, NJ: Princeton University Press.
8. Morris, Christopher (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press.
9. Vallentyne, Peter (1991) Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier's Morals by Agreement. New York: Cambridge University Press.
10. Joseph, Keith and Jonathan Sumption (1979) Equality. London: Murray.
11. Rakowski, Eric (1991) Equal Justice. Oxford: Clarendon.
12. Sen, Amartya (1980) 'Equality of what?' In Sterling M. McMurrin, Ed., Tanner Lectures on Human Values, Bd. I. Cambridge: Cambridge University Press, 195-220.
13. Daniels, Norman (1990) 'Equality of what: welfare, resources, or capabilities?' Philosophy and Phenomenological Research, 50 (Fall): 273-96.
14. Dworkin, Ronald (2000) Soveæign Virtue: The Theory and Practice of Equality. Cambridge, MA: Harvard University Press.
15. Arneson, Richard (1989) 'Equality and equal opportunity for welfare, Philosophical Studies, 56: 77-93.
16. Arneson, Richard (1990) 'Liberalism, Distributive Subjectivism and equal opportunity for welfare', Philosophy and Public Affairs, 19: 159-94.
17. Arneson, Richard (1991) 'Lockean self-ownership: towards a demolition', Political Studies, 39 (l): 36-54.
18. Cohen, G. A. (1989) 'On the currency of egalitarian justice'. Ethics, 99 906_44.
19. Anderson, Elizabeth (1999) 'What is the point of equality?' Ethics, 109 (2): 287-337.
20. Christiano, Thomas (1996) The Rule of the Many: Fundamental Issues in Democratic Theory. Boulder, CO: Westview.
21. Gaus, Gerald (1996) Justificatory Liberalism. New York: Oxford University Press.

Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Rechtspolitik Kaplow Parisi I 12
Rechtspolitik/Kaplow/Shavell/Miceli: Kaplow und Shavell (2002)(1) haben argumentiert, dass die soziale Wohlfahrt, die sie als die Aggregation eines Index des Wohlbefindens aller Mitglieder der Gesellschaft definieren, die einzige Grundlage für die Bewertung der Rechtspolitik sein sollte. Nach dieser Auffassung ist Fairness für die Rechtsetzung von Bedeutung, aber nur insoweit, als sie das Wohlergehen der Menschen beeinflusst (d. h. in dem Maße, in dem sie sich um Fairness kümmern).
Wohlstand als Maßstab: Gleichzeitig sind enge Effizienzbegriffe wie die reine Wohlstandsmaximierung (oder die Kaldor-Hicks-Effizienz) unangemessen, weil sie Faktoren (wie Fairness) ausschließen, die den Menschen wichtig sind. Dennoch konzentrieren sich die meisten juristischen und ökonomischen Analysen auf die Wohlstandsmaximierung als Ziel.
Verteilung: Obwohl sich Änderungen der gesetzlichen Vorschriften oft auf die Einkommensverteilung auswirken, ist es in der Regel recht schwierig, diese Auswirkungen zu ermitteln, und in jedem Fall ist das Herumbasteln an den gesetzlichen Vorschriften in der Regel nicht das beste Mittel, um eine gerechtere Verteilung des Wohlstands zu erreichen, oder es ist mit einem Kompromiss zwischen Fairness und Effizienz verbunden. Zum Beispiel wird die Zuweisung der Haftung für produktbezogene Schäden wahrscheinlich sowohl die Verteilung des Wohlstands zwischen Unternehmen und Verbrauchern beeinflussen als auch deren Anreize, Unfälle zu vermeiden.

* Siehe die Diskussion in Shavell (2004(2), Kap. 28). Für eine gegenteilige Ansicht, siehe Sanchirico (2000(3)).

1. Kaplow, Louis and Steven Shavell (2002). Fairness versus Welfare. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Shavell, Steven (2004). Foundations of Economic Analysis of Law. Cambridge, MA: Belknap Press.
3. Sanchirico, Chris (2000). “Taxes versus Legal Rules as Instruments for Equity: A More Equitable View.” Journal of Legal Studies 29: 797–820.

Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

EconKapl I
Louis Kaplow
The optimal supply of public goods and the distortionary cost of taxation 1996

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Risiken Arrow Henderson I 54
Risiken/Erfindungen/Arrow/Henderson/Globerman: Arrow(1) vertrat die Auffassung, dass es für eine optimale Erfindungstätigkeit in der Privatwirtschaft „Entschädigungsoptionen“ geben muss, damit Erfinder das Risiko auf andere Personen umlenken können, die bereit sind, es zu tragen.* Arrow schrieb, dass eine Entschädigungsoption ein Vertrag ist, „bei dem die Käufer eine vereinbarte Summe zahlen und die Verkäufer sich verpflichten, vorgeschriebene Mengen eines bestimmten Rohstoffs zu liefern, wenn ein bestimmter Zustand (…) eintritt, und nichts zu liefern, wenn dieser Zustand (…) nicht eintritt“. Arrow argumentierte, dass „das reale Wirtschaftssystem keine Märkte für Entschädigungsoptionen besitzt“ (1962(1): 610-611). Zu DemsetzVsArrow siehe >Free Lunch/Demsetz, >Nirvany fallacy/Demsetz.

* Da nicht alle Menschen die gleiche Einstellung zum Risiko haben, ist es sinnvoll, dass die die risikofreudiger sind, die weniger risikofreudigen Menschen für das Tragen des Risikos bezahlen. Mit Entschädigungsoptionen wird dieser Risikotransfer erreicht.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).


Mause I 168
Risiken/Versicherungsmärkte/Information/Informationsmärkte/Arrow(1): Def Negativauslese/adverse selection: liegt vor, wenn ein Versicherungsunternehmen gewisse Versicherungen nicht mehr anbietet, weil die zu versichernden Risiken zu hoch sind. Bsp Auch gewissenhafte Kunden können gewisse Versicherungen nicht mehr erwerben, letztlich wegen des Verhaltens anderer Kunden.
>Versicherungen, >Information/Wirtschaftstheorien, >Informationsökonomik, >Adverse Selektion.

1. K. J. Arrow, The economics of agency. In Principals and agents: The structure of business, Hrsg. John W. Pratt und Richard J. Zeckhauser, S. 37– 51. Boston 1985.

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Risikoaversion Arrow Henderson I 55
Risikoaversion/DemsetzVsArrow/Demsetz/Henderson/Globerman: Arrow: Selbst wenn es Entschädigungs-Optionen gäbe, argumentierte Arrow(1), würde der freie Markt immer noch zu wenig in Informationen investieren. Arrow nannte zwei Gründe: Risikoaversion und Moral Hazard. >Risikoaversion, >Moral Hazard, >Moralisches Risiko, >Trittbrettfahrerproblem.
DemsetzVsArrrow: Demsetz(2) wies auf den Trugschluss hin, dass „die Menschen unterschiedlich sein könnten“.
Henderson I 56
Wenn die Menschen risikoscheu sind, so Demsetz, dann muss „die Vorliebe für Risikominderung in das Konzept der Effizienz einbezogen werden. Risiko ist etwas, das die Menschen unter sonst gleichen Bedingungen gerne vermeiden würden. >Risiken, >Effizienz, >Moralisches Risiko/Demsetz, >Risikowahrnehmung.
Henderson I 57
Öffentlicher/privater Sektor/Demsetz: Außerdem, so Demsetz, sind Regierungsbeamte oft viel risikoscheuer als Unternehmen im privaten Sektor. Beispiel: Er wies darauf hin, dass die Schaffung eines besseren Postdienstes „technologisch möglich und wirtschaftlich vielversprechend zu sein scheint“. Aber weil Politiker „das Risiko, abgewählt zu werden, sehr scheuen“, halten sie sich mit Verbesserungen zurück, die zu Entlassungen von Postangestellten führen könnten.

1. Arrow, Kenneth (1962). Economic Welfare and the Allocation of Resources for Innovation. In The Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, National Bureau Committee for Economic Research (Princeton University Press).
2. Demsetz, Harold (1969). Information and Efficiency: Another Viewpoint. Journal of Law and Economics 12, 1 (April): 1-22.

EconArrow I
Kenneth J. Arrow
Social Choice and Individual Values: Third Edition New Haven 2012

Henderson I
David R. Henderson
Steven Globerman
The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019
Sanktionen-Kontroverse Itskhoki Itskhoki I 7
Sanktionsdebatte/Itskhoki/Ribakova: (...) die bisher umfassendste Fall-zu-Fall-Analyse von Sanktionsepisoden, zusammen mit den wichtigsten politischen Schlussfolgerungen, bleibt "Economic Sanctions Reconsidered, 3rd Edition" von Gary Clyde Hufbauer, Jeffrey J. Schott, Kimberly Ann Elliott und Barbara Oegg (2009)(1). David Baldwins bahnbrechendes Werk "Economic Statecraft" (2020)(2) legt eine umfassende Grundlage, in der die Mechanismen und die Wirksamkeit wirtschaftlicher Instrumente in der Außenpolitik erläutert werden.
"War by Other Means: Geoeconomics and Statecraft" von Jennifer M. Harris und Robert D. Blackwill (2016)(3) unterstreicht die wachsende Bedeutung der Geo-Ökonomie als Instrument der Staatskunst in der globalen Politik.
Juan Zarates "Treasury's War" (2013)(4) ergänzt dies, indem es eine praktische Insider-Perspektive auf die finanzielle Kriegsführung nach 9/11 bietet und die wachsende Bedeutung von Finanzinstrumenten in der modernen Staatsführung unterstreicht.
Darüber hinaus erweitern Chris Millers "Chip War" (2022)(5) und Nicholas Mulders "The Economic Weapon" (2023)(6) den Diskurs, indem sie die strategische Bedeutung der Halbleiterindustrie bzw. die historische Entwicklung von Sanktionen untersuchen.
Agathe Demarais' "Backfire" (2022)(7) untersucht die unbeabsichtigten Folgen von US-Sanktionen und zeigt auf, wie sie globale Allianzen und wirtschaftliche Landschaften umgestalten können.
In ähnlicher Weise konzentriert sich "Underground Empire" (2023)(8) darauf, wie die USA ihre Kontrolle über kritische Knotenpunkte als Waffe einsetzen, um außen- und sicherheitspolitische Ziele zu erreichen.
Schließlich wird Saleha Mohsins "Paper Soldiers" (2024)(9) empfohlen, das eine detaillierte Untersuchung der modernen Finanzsanktionen bietet und dem Diskurs eine aktuelle Bedeutung verleiht.
Itskhoki I 8
Sanktionen gegen Russland: Was den speziellen Fall Russlands betrifft, so befassen sich mehrere Arbeiten und Bücher mit den Auswirkungen von Sanktionen gegen Russland (nach 2014 und 2022). Zu den wichtigsten unter ihnen gehört das Arbeitspapier "Measuring Smartness: Understanding the Economic Impact of Targeted Sanctions„, in dem die wirtschaftlichen Auswirkungen gezielter oder “intelligenter Sanktionen„ analysiert werden, die darauf abzielen, den Schaden für die Bevölkerung und die Wirtschaft im Allgemeinen zu minimieren (Ahn und Ludema 2020)(10), in dem die wirtschaftlichen Auswirkungen gezielter oder “intelligenter Sanktionen" analysiert werden, die darauf abzielen, den Schaden für die Bevölkerung und die Wirtschaft im Allgemeinen zu minimieren. In mehreren Papieren des Institute of International Finance wird eine Bestandsaufnahme der Reaktion Russlands auf die Sanktionen von 2014 und seiner Vorbereitung auf die folgenden Sanktionen vorgenommen. In diesen Beiträgen wird auch die entscheidende Bedeutung der Durchsetzung für die Wirksamkeit von Sanktionen hervorgehoben. „Punishing Putin“ (Baker 2024)(11) beschreibt die weltweite Reaktion auf Russlands umfassenden Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022, wobei der Schwerpunkt auf den gegen Wladimir Putin, seinen inneren Kreis und Russlands Wirtschaft verhängten Sanktionen liegt.
Effektivität: Es wurden Fragen zur Unwirksamkeit der Ölpreisobergrenze aufgeworfen, auch von den Behörden selbst (Van Nostrand und Morris 2024)(12), und zu den Ausfuhrkontrollen.
Der anfängliche Erfolg der Ölpreisobergrenze, die die russischen Öleinkünfte verringerte, ohne die Weltmarktpreise zu destabilisieren, wurde seither von einer mangelnden Durchsetzung überschattet (Hilgenstock et al. 2023)(13). Eine große Herausforderung für die Durchsetzung der Preisobergrenze ist Russlands Aufbau einer so genannten „Schattenflotte“, die aus Öltankern besteht, die nicht im Besitz von Unternehmen sind, die unter die Zuständigkeit der Sanktionskoalition fallen, von diesen verwaltet oder versichert werden (Hilgenstock, Hrybanovskii und Kravtsev 2024)(14). Die Ausweisung von Schiffen der Schattenflotte, insbesondere durch das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums, hat sich als wirksames Instrument erwiesen, um die Möglichkeiten Russlands zu verringern, die Preisobergrenze zu missachten, ohne die Gesamtkapazität vom Markt zu nehmen (Hilgenstock, Kravtsev und Pavytska 2024)(15). Die Ausweisungskampagne bleibt jedoch in ihrem Umfang begrenzt.
Itskhoki I 9
Exportkontrollen: Verbesserungspotenzial gibt es vor allem in den Bereichen Unternehmensverantwortung - hier könnten Regelungen, die mit „Kenne deinen Kunden“ vergleichbar sind, die illegalen Ströme über Drittvermittler verringern -, Koordinierung und Harmonisierung innerhalb der Koalition und Aufbau von Institutionen (Bilousova et al. 2024)(16). Die Unfähigkeit Russlands, Waren, insbesondere Hightech-Elektronik, von Unternehmen der Sanktionskoalition zu ersetzen, verdeutlicht das ungenutzte Potenzial von Ausfuhrkontrollen. Theoretische Literatur: Die Sanktionen gegen Russland in den Jahren 2014 und 2022 sowie frühere Sanktionsrunden gegen den Iran haben eine rege quantitative und theoretische Literatur zu diesem Thema hervorgebracht. Felbermayr et al. (2019)(17) bauen einen Datensatz mit Informationen über Sanktionen zwischen 1950-2016 auf, um die Auswirkungen von Sanktionen auf Handelsströme und reale BIP-Veränderungen zu analysieren (siehe auch Gutmann et al. 2023).
Hausmann et al. (2024)(18) liefern ein Kriterium für sektorale Verbote russischer Exporte auf einer detaillierten Branchenebene.
De Souza et al. (2024)(19) untersuchen die kosteneffizientesten Maßnahmen zur Verhängung von Handelssanktionen.
Crozet und Hinz (2020)(20) quantifizieren die wirtschaftlichen Auswirkungen der 2014 gegen Russland verhängten Sanktionen mithilfe eines Gravitationsmodells sowie die impliziten Kosten für die Absenderländer.
Ghironi et al. (2024)(21) verwenden ein quantitatives Modell, um die makroökonomischen und handelspolitischen Auswirkungen der Sanktionen auf die Finanzmärkte, den Energiesektor und differenzierte Güter sowohl für die Sender- als auch für die Empfängerländer zu untersuchen.
Kilian et al. (2024)(22) untersuchen die Auswirkungen des Ölembargos und der Preisobergrenze von 2022 auf die russischen Ölpreise anhand eines kalibrierten Modells des globalen Ölmarktes.
Nigmatulina (2023)(23) untersucht die Auswirkungen der "intelligenten Sanktionen", die von den USA und der EU nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 gegen bestimmte russische Unternehmen und Einzelpersonen verhängt wurden, und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit aufgrund einer Umverteilung staatlicher Mittel auf sie ausgeweitet haben (siehe auch Keerati 2023)(24).
Balyuk und Fedyk (2023)(25) untersuchen die Entscheidung und die finanziellen Folgen für US-Unternehmen, sich nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 aus dem russischen Geschäft zurückzuziehen. Ndiaye (2024) untersucht, wie sich internationale Boykotte als eine Form des Verbraucheraktivismus von staatlich verhängten Sanktionen und Zöllen unterscheiden.
>Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen.

1. Hufbauer, Gary Clyde, Jeffrey J. Schott, Kimberly Ann Elliott, and Barbara Oegg. 2009. Economic
Sanctions Reconsidered: Third Edition. Peterson Institute for International Economics.
Itskhoki, Oleg, and Dmitry Mukhin. 2022. “Sanctions and the Exchange Rate.” NBER Working Paper 30009. National Bureau of Economic Research.
https://doi.org/10.3386/w30009.
2. Baldwin, David A. 2020. Economic Statecraft: New Edition. Princeton University Press.
3. Blackwill, Robert D., and Jennifer M. Harris. 2016. War by Other Means: Geoeconomics and Statecraft. Harvard University Press. https://www.jstor.org/stable/j.ctt1c84cr7.
4. Zarate, Juan. 2013. Treasury’s War. PublicAffairs
5. Miller, Chris. 2022. Chip War: The Fight for the World’s Most Critical Technology. Scribner.
6. Mulder, Nicholas. 2023. The Economic Weapon: The Rise of Sanctions as a Tool of Modern War. Yale University Press.
7. Demarais, Agathe. 2022. Backfire: How Sanctions Reshape the World Against U.S. Interests. Columbia University Press.
8. Farrell, Henry, and Abraham L. Newman. 2023. Underground Empire: How America Weaponized the World Economy. Random House.
9. Mohsin, Saleha. 2024. Paper Soldiers: How the Weaponization of the Dollar Changed the World Order. Portfolio.
10. Ahn, Daniel P., and Rodney D. Ludema. 2020. “The Sword and the Shield: The Economics of Targeted Sanctions.” European Economic Review 130 (November):103587.
https://doi.org/10.1016/j.euroecorev.2020.103587.
11. Baker, Stephanie. 2024. Punishing Putin. Scribner.
12. Van Nostrand, Eric, and Anna Morris. 2024. “Phase Two of the Price Cap on Russian Oil: Two Years After Putin’s Invasion.” U.S. Department of the Treasury. February 23, 2024.
https://home.treasury.gov/news/featured-stories/phase-two-of-the-price-cap-on-russianoil-two-years-after-putins-invasion.
13. Hilgenstock, Benjamin, Elina Ribakova, Nataliia Shapoval, Tania Babina, Oleg Itskhoki, and Maxim Mironov. 2023. “Russian Oil Exports Under International Sanctions.” SSRN Scholarly Paper. Rochester, NY. https://doi.org/10.2139/ssrn.4430053.
14. Hilgenstock, Benjamin, Oleksii Hrybanovskii, and Anatoliy Kravtsev. 2024. “Assessing Russia’s Shadow Fleet: Initial Build-Up, Links to the Global Shadow Fleet, and Future Prospects.” KSE Institute. https://sanctions.kse.ua/wp-content/uploads/2024/06/Global-ShadowFleet-June-2024.pdf.
15. Hilgenstock, Benjamin, Anatoliy Kravtsev, and Yuliia Pavytska. 2024. “The Core of Russia’s Shadow Fleet: Identifying Targets for Future Tanker Designations.” KSE Institute.
16. Bilousova, Olena, Benjamin Hilgenstock, Elina Ribakova, Nataliia Shapoval, Anna Vlasyuk, and Vladyslav Vlasiuk. 2024. “Challenges of Export Controls Enforcement: How Russia Continues to Import Components for Its Military Production.” Yermak-McFaul International Working Group on Russian Sanctions & KSE Institute.
17. Felbermayr, Gabriel J., Constantinos Syropoulos, Erdal Yalcin, and Yoto V. Yotov. 2019. “On the Effects of Sanctions on Trade and Welfare: New Evidence Based on Structural Gravity and a New Database.” Working Paper. CESifo Working Paper 7728. Rochester, NY.
https://doi.org/10.2139/ssrn.3422152.
18. Hausmann, Ricardo, Ulrich Schetter, and Muhammed A Yildirim. 2024. “On the Design of Effective Sanctions: The Case of Bans on Exports to Russia.” Economic Policy 39 (117): 109–53. https://doi.org/10.1093/epolic/eiad043.
19. De Souza, Gustavo, Naiyuan Hu, Haishi Li, and Yuan Mei. 2024. “(Trade) War and Peace: How to Impose International Trade Sanctions.” Journal of Monetary Economics 146 (September):103572. https://doi.org/10.1016/j.jmoneco.2024.103572.
20. Crozet, Matthieu, and Julian Hinz. 2020. “Friendly Fire: The Trade Impact of the Russia Sanctions and Counter-Sanctions.” Economic Policy 35 (101): 97-146. https://doi.org/10.1093/epolic/eiaa006.
21. Ghironi, Fabio, Daisoon Kim, and G. Kemal Ozhan. 2024. “International Trade and Macroeconomic Dynamics with Sanctions.” Working Paper. NBER Working Paper 32188.
National Bureau of Economic Research. https://doi.org/10.3386/w32188.
22. Kilian, Lutz, David Rapson, and Burkhard C. Schipper. 2024. “The Impact of the 2022 Oil Embargo and Price Cap on Russian Oil Prices.” Working Paper. FRB of Dallas Working Paper 2401. Rochester, NY. https://doi.org/10.24149/wp2401.
23. Nigmatulina, Dzhamilya. 2023. “Sanctions and Misallocation. How Sanctioned Firms Won and Russia Lost.” Working Paper.
24. Keerati, Ritt. 2022. “The Unintended Consequences of Financial Sanctions.” Working Paper. Rochester, NY. https://doi.org/10.2139/ssrn.4049281.
25. Balyuk, Tetyana, and Anastassia Fedyk. 2023. “Divesting under Pressure: U.S. Firms’ Exit in Response to Russia’s War against Ukraine.” Journal of Comparative Economics 51 (4):1253–73. https://doi.org/10.1016/j.jce.2023.08.001.

Itskhoki I
Oleg Itskhoki
Elina Ribakova
The Economics of Sanctions: From Theory Into Practice. Brookings Papers on Economic Activity, Fall 2024. The Brookings Institution 2024
Schmerz Bindungstheorie Corr I 250
Psychologischer Schmerz/Bindungstheorie/Shaver/Mikulincer: Laut Mikulincer, Shaver und Pereg (2003)(1) sind die Schmerzen, die durch die Nichtverfügbarkeit von Bezugspersonen in Notzeiten verursacht werden, auf unterschiedliche Weise zu erleben und führen zu unterschiedlichen Ängsten und Abwehrmechanismen. Mikulincer, Gillath, Sapir-Lavid et al. (2003)(2) beschrieben zwei Arten von psychischen Schmerzen: a) die Belastung, die dadurch verursacht wird, dass die Nähe zu einer Bezugsperson nicht erreicht oder aufrechterhalten wird, und
b) das Gefühl der Hilflosigkeit, das durch eine ineffektive Koregulierung von Notlagen und die Einschätzung von sich selbst als allein und verletzlich verursacht wird.
>Gemütszustand/Bindungstheorie, >Über die Bindungstheorie.


1. Mikulincer, M., Shaver, P. R. and Pereg, D. 2003. Attachment theory and affect regulation: the dynamics, development, and cognitive consequences of attachment-related strategies, Motivation and Emotion 27: 77–102
2. Mikulincer, M., Gillath, O., Sapir-Lavid, Y., Yaakobi, E., Arias, K., Tal-Aloni, L. and Bor, G. 2003. Attachment theory and concern for others’ welfare: evidence that activation of the sense of secure base promotes endorsement of self-transcendence values, Basic and Applied Social Psychology 25: 299–312


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Developmental, psychodynamic and optimal-functioning aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Scitovsky-Paradox Zerbe Parisi I 368
Scitovsky-Paradoxon/Kosten-Nutzen-Analyse/Zerbe: Es gibt auch starke Behauptungen über die Unzulänglichkeit der BCA aus technischen Gründen, vor allem wegen der Möglichkeit von Scitovsky-Umkehrungen. Das umgekehrte Scitovsky-Paradoxon (Scitovsky 1941)(2) tritt auf, wenn ausgehend vom Zustand der Welt A die Position B besser als A erscheint, aber ausgehend von B A besser als B erscheint. Umkehrparadoxien wie das von Scitovsky sind jedoch reine Kreaturen des PCT (Potential Compensation Test). Sie ergeben sich aus der PCT-Annahme, dass die Entschädigung kostenneutral ist und dass die potenzielle Entschädigung das richtige Maß ist. Der Rechtsphilosoph Coleman (1980(1), S. 519f) argumentiert am Beispiel der Reversibilität, dass der Kaldor-Hicks-Test der potentiellen Kompensation kein nützliches Kriterium für die Entscheidungsfindung ist. >Kosten-Nutzen-Analyse, >Kaldor-Hicks-Kriterium, >Entscheidungen.
Parisi I 369
(…) in einem kürzlich erschienenen Buch schreibt Markovits (2008)(3), "Dieses Scitovsky-Paradoxon macht den Kaldor-Hicks-Test ungültig, weil es impliziert, dass, wenn der Test korrekt wäre und ein Scitovsky-Paradoxon aufträte, sowohl die Politik als auch ihre Umkehrung ökonomisch effizient wären und somit die Politik gleichzeitig ökonomisch effizient und ökonomisch ineffizient wäre." (p. 53)

1. Coleman, Jules L. (1980). “Efficiency, Utility, and Wealth Maximization.” Hofstra Law Review 8: 509.
2. Scitovsky, T. De (1941). “A Note on Welfare Propositions in Economics.” Review of Economic Studies 9: 77–88.
3. Markovits, Richard S. (2008). Truth or Economics: On the Definition, Prediction, and Relevance of Economic Efficiency. New Haven, CT: Yale University Press.


Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Solidarität Wohlfahrtsökonomik Gaus I 217
Solidarität/Gerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik/Moon: Eine adäquate Darstellung des Wohlfahrtsstaates, die seine Umverteilungsziele rechtfertigen kann, muss letztlich auf einer Theorie der Gerechtigkeit beruhen, und die vielversprechendsten Theorien sind jene, die Phillipe Van Parijs als "solidarische Gerechtigkeitsbegriffe" (1995(1): 28) bezeichnet, wie sie von Rawls, Dworkin, Amartya Sen und Van Parijs selbst angeboten werden. Solidaristische Gerechtigkeitsvorstellungen basieren auf der Verpflichtung zur "gleichen Sorge" für die Interessen aller und zur "gleichen Achtung, d.h. der Auffassung, dass das, was als gerechte Gesellschaft zählt, nicht auf der Grundlage einer bestimmten inhaltlichen Konzeption des guten Lebens bestimmt werden sollte" (1995(1): 28). Liberalismus: Das "liberale" Bekenntnis zu gleichem Respekt in solidarischen Gerechtigkeitstheorien liegt ihrer Unterstützung für den Wohlfahrtsstaat charakteristischen "negativen" und demokratischen Standardrechte zugrunde, und das Bekenntnis zu gleicher Sorge liegt ihrer Darstellung der sozialen Gerechtigkeit und damit den umverteilenden Elementen des Wohlfahrtsstaates zugrunde.
>Van Parijs.
Institutionen: Keine Theorie unterstützt den institutionellen Wohlfahrtsstaat für sich genommen direkt. Van Parijs beispielsweise lehnt ihn zugunsten eines Systems ab, das das höchstmögliche Grundeinkommen für alle bietet, und Rawls lehnt den Wohlfahrtsstaat ausdrücklich mit der Begründung ab, dass er die höchst ungleiche Verteilung des Reichtums toleriert, die von einer kapitalistischen Gesellschaft produziert wird, und so die Demokratie untergräbt, indem er zu viel wirtschaftliche und politische Macht in einer wohlhabenden Elite konzentriert.
Solidaristische Ansätze: Dennoch können solidaristische Theorien die oben genannten Defizite in den Begründungen des Wohlfahrtsstaates liefern, die sich auf Mitgliedschaft und Solidarität berufen, und auf das Grundproblem in den auf Effizienz basierenden Argumenten.
Mitgliedschaft: Was den Appell an die Mitgliedschaft anbelangt, so liefern solidarische Gerechtigkeitstheorien Gründe für den Wert der sozialen Inklusion auf der Grundlage des Gleichheitsprinzips. Und sie sprechen die gravierenden Lücken in den auf Effizienz basierenden Argumenten an, insbesondere die Tatsache, dass sie von einem marktwirtschaftlichen Ergebnis ausgehen, und fragen, ob dieses Ergebnis durch eine gewisse Regierungspolitik verbessert werden könnte.
Verteilungsgerechtigkeit: Aber weil es nichts Privilegiertes an den vom Markt erzeugten Ergebnissen gibt, müssen die Marktinstitutionen und die "anfängliche" Verteilung der Ressourcen selbst moralisch gerechtfertigt sein. Solidarische Gerechtigkeitstheorien befassen sich mit diesem Problem.
Wohlfahrtsstaat: Solidaristische Argumente rechtfertigen zwar nicht unbedingt den Wohlfahrtsstaat als ideales Regime, aber
Gaus I 218
sie liefern Gründe für eine zentrale wohlfahrtsstaatliche Politik. Rawls: Rawls' ideale Regime, eine eigentumsbesitzende Demokratie oder ein Marktsozialismus, müssten Wohlfahrtsstaaten in dem Sinne sein, wie ich den Begriff hier verwendet habe: das heißt, sie müssten eine Sozialpolitik haben, die kollektiv für bestimmte Bedürfnisse sorgt, die im Hinblick auf Effizienz und ihre Umverteilungskonsequenzen gerechtfertigt sind.
Van Parijs: (...) Van Parijs lässt erheblichen Spielraum für die kollektive Versorgung einschließlich des Bereichs der medizinischen Versorgung.*

* Siehe Rawls (2001(2): 135-40) und das Vorwort zur revidierten Ausgabe seiner "Theory of Justice" (1999)(3) für seine Diskussion über politisch-ökonomische Regime; und siehe Van Parijs (1995(1): 41-5).

1. Van Parijs, Philippe (1995) Real Freedom for All. Oxford: Oxford University Press.
2. Rawls, John (2001) Justice as Fairness: A Restatement. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Rawls, John (1999) A Theory of Justice, rev. edn. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Soziale Bewegungen Offe Gaus I 269
Soziale Bewegungen/Claus Offe/West: Am nächsten am marxistischen Paradigma - in der Tat fast durchgängig mit den Schulen des westlichen und des Neomarxismus, die die sich wandelnde Natur des Kapitalismus und den entsprechenden Niedergang des Aktivismus der Arbeiterklasse anerkennen - stehen Theorien neuer sozialer Bewegungen als Antwort auf die Krisen des "Wohlfahrtsstaat"-Kapitalismus (WSC) (Offe, 1984(1); 1985(2)). Wohlfahrtsstaatlicher Kapitalismus: Ein Ausgangspunkt für solche Theorien ist die neokorporatistische Einbeziehung der Arbeiterklasse in die institutionellen Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft durch gewerkschaftliche und parteipolitische Vertretung. Die für den Wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus (WSC) charakteristische sozialdemokratische Rechtsordnung ergänzt die bürgerlichen und politischen Rechte (die von
Gaus I 270
der liberalen Demokratie geschätzt werden) mit "sozialen Wohlfahrtsrechten", die durch die Bereitstellung von sozialer Wohlfahrt (Gesundheit, Bildung, Wohnung), sozialer Sicherheit (Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenleistungen), Maßnahmen der wirtschaftlichen Umverteilung (progressive Besteuerung) und keynesianischer Wirtschaftspolitik (Vollbeschäftigung, Nachfragesteuerung) verwirklicht werden (Marshall, 1963(3): 74-126; Offe, 1985(2): 821-5). >Liberalismus, >Demokratie, >Demokratietheorie.
Staatskapitalismus: Diese Entwicklungen bringen im Vergleich zum liberalen Kapitalismus eine erhebliche Ausweitung der staatlichen Aktivitäten mit sich.
Produktion: Der damit einhergehende Niedergang des Aktivismus der Arbeiterklasse wird durch den sich wandelnden Charakter der Produktion im Übergang vom "Fordismus" oder "Taylorismus" zum "Post-Fordismus" und "Post-Taylorismus" verstärkt (Lash und Urry, 1987)(4).
>S. Lash, >J. Urry.
Dabei geht es in erster Linie um den Niedergang des traditionellen verarbeitenden Gewerbes und den Aufstieg des Dienstleistungssektors, der geographisch weiter verstreut und industrial weniger organisiert ist. Jedoch wird das fordistische Modell - der Fließbandproduktion einer relativ kleinen Palette von Produkten für den Massenkonsum - allmählich durch diversifiziertere und dezentralisierte Produktions- und Konsumformen ersetzt.
Klassen/Identität: Beide Entwicklungen untergraben traditionelle Solidaritäts- und Organisationsformen der Arbeiterklasse und neigen dazu, eine Vervielfältigung und Diversifizierung von klassenfremden Identitätsformen zu unterstützen.
Bürger/Sozialstaat: Verweigert der Wohlfahrtsstaat die eskalierenden Forderungen der Bürger, dann riskiert er einen Autoritäts- oder Legitimitätsverlust (Offe, 1985(2): 818-20; Habermas, 1976(5)).
>J. Habermas.
Aber die Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger müssen unweigerlich wachsen, denn die Ausweitung der staatlichen Verantwortung untergräbt so "unbestrittene und unbedingte Prämissen der Politik" wie Familie, Religion und Arbeit (Offe, 1985(2): 819).
Neoliberalismus/Huntington: Es ist natürlich genau diese "Krise der Regierbarkeit" (Huntington, 1975(6); O'Connor, 1973(7)), die die neoliberalen Versuche motiviert hat, den weniger expansiven Zustand des liberalen Kapitalismus wiederzubeleben.
Soziale Bewegungen: Die sich wandelnde Natur des Kapitalismus steht (...) nicht nur in Zusammenhang mit dem abnehmenden Aktivismus der traditionellen Arbeiterklasse, sondern auch mit dem Aufstieg der Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung (Offe, 1985(2): 825-32). Für Offe bieten die [Neuen Sozialen Bewegungen] (NSMs) eine potenziell vielversprechendere Antwort auf die Krise des Wohlfahrtsstaates in Form einer wiederhergestellten, vom Staat unabhängigen Zivilgesellschaft.
>Zivilgesellschaft.

1. Offe, Claus (1984) Contradictions of the Welfare State, Hrsg. John Keane. Cambridge, MA: MIT Press.
2. Offe, Claus (1985) 'New social movements: challenging the boundaries of institutional politics'. Social Research, 52 (4): 817-68.
3. Marshall, T. H. (1963) Sociologv at the Crossmads and Other Essays. London: Hememann.
4. Lash, Scott and John Urry (1987) The End of Organized Capitalism. Cambridge: Polity.
5. Habermas, Jürgen (1976) Legitimation Crisis, trans. T. McCarthy. London: Heinemann.
6. Huntington, S. P. (1975) 'The United States'. In M. Crozier et al., eds, The Crisis of Democracy.
New York: New York Umversity Press.
7.O’Connor 1973
West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Offe I
Claus Offe
Strukturprobleme des kapitalistischen Staates Frankfurt/M. 1972

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Sozialpolitik Esping-Andersen Mause I 577f
Sozialpolitik/Esping-Andersen: Terminologie: Def Dekommodifizierungsfaktor/decommodification index: gibt den Grad an, zu dem Individuen oder Familien einen sozial akzeptablen Lebensstandard aufrechterhalten können, unabhängig von einer Teilnahme am Marktgeschehen. (Esping-Andersen 1990, S.37.(1) Siehe auch Esping-Andersen 1999. (2)
Es geht also um den Schutz vor Abhängigkeit.
Die Anwendung dieses Indikators durch Clare Bambra 1998/99 zeigte einen stärkeren Schutz vor Marktkräften in Nordeuropa als in englischsprachigen Ländern.(3)
Das Modell von Esping-Andersen ist durch einen ausgebauten sozialen Dienstleistungssektor gekennzeichnet. Die staatliche Sozialpolitik soll eine allgemein zugängliche Grundsicherung für alle Staatsbürger unabhängig vom Erwerbsstatus auf einem möglichst hohen Versorgungsniveau anstreben.
Mause I 579
VsEsping-Andersen: kritisiert wird die dreiteilige Gliederung betrachteter Sozialsysteme in verschiedenen Ländern durch Esping-Andersen. Siehe Schmidt 2005.(4)
1. Esping-Andersen, Gøsta. 1990. The three worlds of welfare capitalism. Princeton 1990.
2. Esping-Andersen, Gøsta. Social foundations of postindustrial economies. Oxford 1999.
3. Bambra, Clare. 2006. Research note: Decommodification and the worlds of welfare revisited. Journal of European Social Policy 16 (1): 73– 80.
4. Manfred G. Schmidt, Sozialpolitik in Deutschland. Historische Entwicklung und internationaler Vergleich, 3. Aufl. Wiesbaden 2005

EconEsp I
Gøsta Esping-Andersen
The three worlds of welfare capitalism. Princeton Princeton 1990

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Staat Buchanan Brocker I 568
Staat/Buchanan: Buchanans Ansatz führt zu einer Trennung von Recht und Staat. Der Staat steht nur für die Geltung der Rechtsordnung. >Verfassung/Buchanan.
Nach Buchanan wird der Staat zur Verkörperung des Schiedsrichters, der die Parteien kontrolliert, wobei davon ausgegangen wird, dass jeder versucht, zu betrügen.(1)
Buchanan nennt als Grund für das Zustandekommen von Verträgen den allseitigen Wunsch nach Abrüstung, um Kosten zu senken.
Brocker I 569
Protective state/Buchanan: ein Schutzmantel, der den Austausch privater Güter zu sichern. Problem: dieser sichert nicht den Umgang mit öffentlichen Gütern. Productive state/Buchanan: Frage: welches Regelsystem muss eingeführt werden, um die mögliche und von allen vernünftigerweise gewünschte Situationsverbesserung gegenüber der natürlichen Verteilung respektive gegenüber einer nur Privates konsumierenden Gesellschaft zu gewährleisten?
Lösung/Buchanan: der postkonstitutionelle Vertrag (der den konstitutionellen Vertrag zur Sicherung von Privateigentum voraussetzt) schafft ein genuin politisches System der Erstellung und Verteilung öffentlicher Güter.
>Mehrheiten/Buchanan, Siehe Öffentliche Güter.
Brocker I 570
Amartya SenVsBuchanan: gerade damit werden bestehende Ungleichheiten verfestigt: denn die Belastungen für die Finanzierung der öffentlichen Güter jenseits des Rechtsschutzes treffen auch diejenigen, denen sie nicht zugutekommen.(2)
1. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984, S. 96f.
2. Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco u. a 1970, S. 25

Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


Boudreaux I 21
Staat/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: „Der Staat hat seinen Ursprung in den Wünschen der Individuen, einen bestimmten Teil ihrer Bedürfnisse kollektiv zu erfüllen, und hängt für seinen Fortbestand von ihnen ab. Der Staat hat keine anderen Ziele als die seiner einzelnen Mitglieder und ist keine separate Entscheidungseinheit. Staatliche Entscheidungen sind letztlich die kollektiven Entscheidungen der Individuen."(1) Staatsverschuldung/Boudreaux/Holcombe: Bei der Analyse staatlicher Aktivitäten fallen die Kosten und Nutzen staatlicher Maßnahmen auf die Individuen und nicht auf Aggregate oder Gruppen. Das Argument, dass die Staatsverschuldung im Inland keine Belastung darstellt, weil „wir sie uns selbst schulden“, erweist sich als trügerisch, sobald wir erkennen, dass das Aggregat - wir selbst - in Wirklichkeit aus vielen Individuen besteht, von denen einige die Steuern zahlen, um die Rückzahlung der Schulden zu finanzieren, und von denen einige die Erlöse erhalten, wenn sie die von ihnen gehaltenen Anleihen zurückzahlen.
Boudreaux I 74
Staat/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Im Idealfall sind die Leistungen des produktiven Staates das Ergebnis einer kollektiven Vereinbarung, bei der die Bürger ihre Steuerzahlungen gegen die kollektiv erbrachten Leistungen eintauschen - Leistungen wie die Bekämpfung der Umweltverschmutzung, Straßen und Stadtparks. Problem: Wie aber können die Bürger den Umfang und die Bandbreite der Aufgaben des produktiven Staates bestimmen, die am meisten zur Steigerung des Wohlstands beitragen? Wie können sie sicherstellen, dass der Staat das tut, was die Menschen wollen, und nur das, was sie wollen? (...) Buchanans Antwort war, die Aktivitäten des Staates auf diejenigen zu beschränken, die die Zustimmung aller seiner Wähler finden. Doch dieser Maßstab für den Konsens über staatliche Aktivitäten stellt eine Herausforderung dar.
>Zustimmung/Buchanan, >Demokratie/Buchanan, >Herrschaft/Buchanan.
In der realen Welt haben die Menschen den Aktivitäten des Staates nicht zugestimmt. Unter welchen Bedingungen könnte man die Menschen als einverstanden mit Institutionen darstellen, denen sie nicht wirklich zugestimmt haben?
Lösung/Buchanan: Buchanan dehnte die Logik des Marktaustauschs - bei dem alle Parteien eines Austauschs freiwillig zustimmen - auf kollektives Handeln aus
>Kollektives Handeln/Buchanan.

1. James M. Buchanan, “The Pure Theory of Government Finance: Suggested Approach” (1949)

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Boudreaux I
Donald J. Boudreaux
Randall G. Holcombe
The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021

Boudreaux II
Donald J. Boudreaux
The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014
Staat Poststrukturalismus Gaus I 278
Staat/Poststrukturalismus/Gendertheorie/Mottier: Feministinnen, die sich auf poststrukturalistische (insbesondere foucauldische) Theorien stützen, argumentieren, dass es problematisch ist, den Staat als eine homogene, einheitliche Einheit zu betrachten, die spezifische Interessen verfolgt. Sie betrachten den Staat als eine Pluralität von Kampfarenen und nicht als vereinigte Akteure (...). Folglich führen poststrukturalistische Analysen des Staates weniger dichotome Perspektiven ein, die die lokale, vielfältige und verstreute Natur der Orte der Gendermacht berücksichtigen (siehe z.B. Pringle und Watson, 1992)(1). Sie halten feministische Versuche von Autorinnen wie Virginia Sapiro (1981)(2) und Irene Diamond und Nancy Hartsock (1981)(3), zu definieren, was "Fraueninteressen" sein könnten, für problematisch, da diese sowohl den Staat als auch den Begriff der Interessen als gegeben behandeln.
Unter Berufung auf die poststrukturalistische Theorie weisen R. Pringle und S. Watson darauf hin, dass sich der analytische Schwerpunkt stattdessen auf die diskursiven Praktiken verlagern muss, die spezifische Interessen konstruieren, darunter
Gaus I 279
die von Femokraten. Vergleichende Forschung hat ebenfalls zu Skepsis gegenüber einer Vision des Staates und seiner Rolle bei der Strukturierung der Genderverhältnisse, die zu einseitig sind, geführt. Vergleichende Analysen von Wohlfahrtsstaaten deuten darauf hin, dass der Einfluss des Staates auf die Genderverhältnisse von einem Wohlfahrtsregime zum anderen sehr unterschiedlich ist, und ermöglichen es vor allem, die Universalisierung der Erfahrungen einzelner Staaten zu vermeiden (Sainsbury, 1994(4); Lewis, 1997(5); Fraser und Gordon, 1994(6)). >Staat/Gendertheorie, >Staat/Feminismus, >Wohlfahrtsstaat/Gendertheorie.
Es ist wichtig zu erkennen, dass die Beziehungen zwischen dem Staat und dem Geschlecht nicht von Natur aus positiv oder negativ sind. Feministische Analysen des Staates müssen seine historische Komplexität, seine Variationen innerhalb verschiedener politischer Kontexte wie liberale Demokratie, Kolonialismus oder Staatssozialismus und seine dynamische Beziehung zu geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen berücksichtigen (Waylen, 1998(7):7).

1. Pringle, R. and S. Watson (1992) '"Women's interests" and the poststructuralist state'. In Michele Barrett and Anne Phillips, Hrsg., Destabilising Theory: Contemporary Feminist Debates. Cambridge: Polity, 53—73.
2. Sapiro, Virginia (1981) 'When are women's interests interesting? The problem of political representation of women'. The American Political Science Review, 75 (3): 701-16.
3. Diamond, Irene and Nancy Hartsock (1981) 'Beyond interests in politics: a comment on Virginia Sapiro's "When are interests interesting? The problem of political representation of women'". The American Political Science Review, 75: 717-21.
4. Sainsbury, Diane (1994) 'Women's and men's social rights: gendering dimensions of welfare states'. In Diane Sainsbury, Hrsg., Gendering Welfare States. London: Sage, 150—69.
5. Lewis, Jane (1997) 'Gender and welfare regimes: further thoughts'. Social Politics, 4 (2): 160-77.
6. Fraser, Nancy and Linda Gordon (1994) 'A genealogy of dependency: tracing a keyword of the U.S. welfare state'. Signs, 19 (2, Winter): 309-36.
7. Waylen, Georgina (1998) 'Gender, feminism and the state: an overview'. In Vicky Randall and Georgina Waylen, Hrsg., Gende'; Politics and the State. London: Routledge, 1—17.

Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Staatliche Vorsorge Moon Gaus I 213
Staatliche Vorsorge/Wohlfahrtsstaat/Institutionen/öffentliche Güter, Moralisches Risiko/Moon: Es ist wichtig zu betonen, dass die staatliche Vorsorge nicht notwendigerweise der privaten Vorsorge überlegen ist. Selbst wenn es klare Beispiele für "Marktversagen" gibt, Bereiche, in denen freiwillige Vorsorge nicht in der Lage ist, ein optimales Niveau an Dienstleistungen der einen oder anderen Art zu bieten, folgt daraus nicht, dass staatliches Handeln überlegen ist. So wie reale Märkte einem Marktversagen unterliegen, sind auch reale Regierungen einem Nichtmarktversagen unterworfen. >Marktversagen.
Beispielsweise können Pflichtprogramme zwar das Problem der adversen Selektion vermeiden, indem sie von Personen mit geringem Risiko die Teilnahme am Risikoteilungsprogramm verlangen, aber sie können das Problem des moralischen Risikos verschärfen, indem sie den Personen Anreize geben, nicht für sich selbst zu sorgen (z.B. indem sie ihre Sparquote senken oder keine Arbeit annehmen) und sich auf das öffentliche Renten- oder Arbeitslosengeldprogramm stützen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
>Moral Hazard, >Adverse Selektion, >Privatisierung/Moon.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Staatsausgaben Wirtschaftstheorien Mause I 276/277
Staatsausgaben/Wirtschaftstheorien: Probleme mit der Bestimmung der optimalen Staatsausgaben ergeben sich im Zusammenhang mit öffentlichen Gütern. Ihr Wert ist kaum zu ermitteln, da es eine unbestimmte Zahl von Individuen gibt, die sich nicht an den Kosten beteiligen (Trittbrettfahrerproblem). Siehe hierzu Öffentliche Güter, insbesondere Öffentliche Güter/Samuelson.
Für neuere Lösungsansätze Frey und Stutzer. (1)

1.Bruno S. Frey & Alois Stutzer. 2011. The use of happiness research for public policy. Social Choice and Welfare 38 (4): 659– 674.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Staatsbürgerschaft Marshall Gaus I 218
Staatsbürgerschaft/Wohlfahrtsstaat/T.H. Marshall/Moon: T. H. Marshall (1977)(1) bietet eine klassische Darstellung des Wohlfahrtsstaates als notwendiges Ergebnis der universellen Ausdehnung der Staatsbürgerschaft. Er zeichnet die Entstehung der universalen Staatsbürgerschaft nach, indem er drei aufeinanderfolgende Phasen beobachtet, von denen die erste die allgemeine Ausweitung der Bürgerrechte, die zweite die Universalisierung des Wahlrechts und die dritte das Wachstum des Wohlfahrtsstaates und die Schaffung der "sozialen Bürgerrechte" beinhaltet.* >Wohlfahrtsstaat, >Bürgerrechte, >Bürger, >Bourgeois/Citoyen.
Gaus I 219
David Harris: In einigen solidarischen Darstellungen beruft sich die Betonung der Arbeit auf eine ältere Sprache der Pflichten. In Harris' Schilderung zum Beispiel sind die Pflichten, die mit unseren Wohlfahrtsrechten korrelieren, "strenge Pflichten" und können durch "Zwang" durchgesetzt werden (1987(2): 161). Marschall: Hierin knüpft [Harris] an Marshall an, der über die sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft hinausblickte, um die Pflichten des von ihm vertretenen bereicherten und inklusiven Modells der Staatsbürgerschaft zu betrachten, einschließlich "der Pflicht zur Arbeit", die er für "überaus wichtig" hielt.

* Wie so vieles in der Sozialwissenschaft ist auch Marshalls Darstellung blind gegenüber geschlechtsspezifischen Fragen, da er diese Phasen als eine historische Abfolge darstellt, als die Vollendung oder virtuelle Vollendung der einen, die die Grundlage für die Verwirklichung der nächsten legt. Seine Phasen beschreiben die allmähliche Ausdehnung der mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechte für Männer, aber sie ignorieren die Erfahrung von Frauen (und, wie ich hinzufügen möchte, andere, nicht klassenbedingte Ausschlüsse), die oft verschiedene Wohlfahrtsrechte (z.B. Witwenrenten) beanspruchen konnten, bevor sie Anspruch auf politische oder sogar volle Bürgerrechte hatten.

1. Marshall, T. H. (1977 119501) 'Citizenship and social class'. In his Class, Citizenship, and Social Development. Chicago: University of Chicago Press.
2. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Marshall A I
Alfred Marshall
Principles of Economics, 1st edn 1890, 8th edn 1920, reset and reprinted 1947. London: Macmillan. London 1970

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Staatsbürgerschaft Wohlfahrtsökonomik Gaus I 216
Staatsbürgerschaft/Wohlfahrtsökonomik/Moon: Da die Begriffe der positiven Rechte und der Chancengleichheit außerhalb spezifischer sozialer Kontexte nicht gut definiert sind, werden sie oft mit Argumenten kombiniert, die an die Ideale der Staatsbürgerschaft und der sozialen Solidarität appellieren. Das Grundargument ist, dass der Wohlfahrtsstaat die Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger als vollwertige Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft garantieren sollte, was voraussetzt, dass ein umfassendes Spektrum an sozialen Rechten bereitgestellt wird. Die Argumentation ist recht einfach: So wie die Bürgerinnen und Bürger bürgerliche und politische Rechte haben müssen, so müssen ihnen auch bestimmte soziale Rechte garantiert werden, wenn sie vollwertige Mitglieder einer Gesellschaft sein wollen, insbesondere wenn sie sich an der demokratischen Politik beteiligen wollen. Die Schlüsselprämisse in diesem Argument ist, dass die Staatsbürgerschaft universell sein muss. Alle, die zu vorsätzlichem oder verantwortungsbewusstem Handeln fähig sind, müssen vollwertige Bürger sein. Die einzige legitime Grundlage für den Ausschluss ist die Unfähigkeit zu verantwortlichem Handeln.
T. H. Marshall: T. H. Marshall (1977)(1) bietet eine klassische Darstellung des Wohlfahrtsstaates als notwendiges Ergebnis der universellen Ausdehnung der Staatsbürgerschaft. Er zeichnet die Entstehung der universalen Staatsbürgerschaft nach, indem er drei aufeinanderfolgende Phasen beobachtet, von denen die erste die allgemeine Ausdehnung der Bürgerrechte, die zweite die Universalisierung des Wahlrechts und die dritte das Wachstum des Wohlfahrtsstaates und die Schaffung der "sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft" beinhaltet.*
Individualismus: Es gibt eine Reihe von Varianten dieses Arguments, aber ein gemeinsames Thema ist ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Markt und zumindest bestimmte Formen des Individualismus.
Effizienz/Solidarität: Während Argumente der Effizienz den Markt als Ausgangspunkt nehmen und Sozialpolitiken damit begründen, dass sie Marktversagen korrigieren können, gehen Argumente der Solidarität von etwas aus, das der entgegengesetzten Annahme nahe kommt - der Projektion eines Ideals, in dem alle Aktivitäten durch kollektive Vereinigungen organisiert sind, in denen Individuen hauptsächlich auf gemeinsame Bedürfnisse und Bestrebungen ausgerichtet sind.
Soziale Ordnung: Richard Titmuss (1972)(2) preist die "Geschenkbindung", und David Harris (1987)(3) spricht von der Familie als Modell für das gesellschaftliche Leben. Konkreter äußerten Claus Offe (1984)(4) und Gosta Esping-Andersen (1985)(5) einmal die Hoffnung, dass das Wachstum des kollektiven Konsums und andere Formen der Dekommodifizierung den Kapitalismus schließlich verdrängen und zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung führen werden.
>Gesellschaft/David Harris.

* Wie so vieles in der Sozialwissenschaft ist auch Marshalls Darstellung blind gegenüber geschlechtsspezifischen Fragen, da er diese Phasen als eine historische Abfolge darstellt, als die Vollendung oder virtuelle Vollendung der einen, die die Grundlage für die Verwirklichung der nächsten legt. Seine Phasen beschreiben die allmähliche Ausdehnung der mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechte für Männer, aber sie ignorieren die Erfahrung von Frauen (und, wie ich hinzufügen möchte, andere, nicht klassenbedingte Ausschlüsse), die oft verschiedene Wohlfahrtsrechte (z.B. Witwenrenten) beanspruchen konnten, bevor sie Anspruch auf politische oder sogar volle Bürgerrechte hatten.

1. Marshall, T. H. (1977 119501) 'Citizenship and social class'. In his Class, Citizenship, and Social Development. Chicago: University of Chicago Press.
2. Titmuss, Richard (1972) The Gift Relationship: From Human Blood to Social Policy. New York: Random House.
3. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
4. Offe, Claus (1984) Contradictions of the Welfare State. Cambridge, MA: MIT Press.
5. Esping-Andersen, Gosta (1985) Politics against Markets. Princeton, NJ: Princeton University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Steuersystem Wirtschaftstheorien Parisi I 323
Steuerhinterziehung/Steuersubstitution/Ökonomische Theorien: In der Literatur über optimale Umverteilungsinstrumente - sowohl in der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft als auch im Bereich der öffentlichen Finanzen - dominiert das Steuersubstitutionsargument. Das Steuersubstitutionsargument zeigt, dass jede Umverteilung, die außerhalb des Systems der Besteuerung des Arbeitseinkommens erfolgt, durch entsprechende Anpassungen der Besteuerung des Arbeitseinkommens besser erreicht werden kann. >Steuervermeidung.
Daraus folgt, dass die Regierung Verteilungsziele ausschließlich über das Steuersystem für Arbeitseinkommen verfolgen sollte, während andere politische Maßnahmen ohne Rücksicht auf ihre Verteilungswirkung festgelegt werden. Sowohl die Befürworter als auch die Gegner des Steuersubstitutionsarguments sind sich darüber im Klaren, dass es, wie jedes andere Argument auch, Annahmen erfordert. Die Art dieser Annahmen ist umstritten.
Die Befürworter des Steuersubstitutionsarguments bezeichnen dessen Grundannahme als "Qualifikation" (Kaplow und Shavell, 2000(1), S. 822). Die Annahme der Annahme soll das "natürliche Modell" hervorbringen (Kaplow und Shavell, 2000(1), S. 821). Umgekehrt werden Vorschriften des Modells ohne Annahmen als "exotisch" (Bankman und Weisbach 2007(2), S. 793) oder als "theoretische Kuriositäten" (Kaplow und Shavell, 2000(1), S. 822) betrachtet.
Vs: Kritiker des Steuersubstitutionsarguments halten dessen Kernannahme für ergebnisorientiert, empirisch unbegründet und, sobald sie klar zutage tritt, sogar für unplausibel (Sanchirico, 1997(3); 2000(4), S. 813; 2001(5), S. 1058; 2010a(6), S. 874-875, 940; 2011a(7)).

1. Kaplow, Louis and Steven M. Shavell (2001). “Fairness Versus Welfare.” Harvard Law Review 114: 961–1388.
2. Bankman, Joseph and David A. Weisbach (2006). “The Superiority of an Ideal Consumption Tax over an Ideal Income Tax.” Stanford Law Review 58: 1413–1456.
3. Sanchirico, Chris William (1997). “Taxes Versus Legal Rules as Instruments for Equity: A More Equitable View.” Discussion Paper No. 9798-04, Columbia Economics Department, available at .
4. Sanchirico, Chris William (2000). “Taxes Versus Legal Rules as Instruments for Equity: A More Equitable View.” Journal of Legal Studies 29: 797–820.
5. Sanchirico, Chris William (2001). “Deconstructing the New Efficiency Rationale.” Cornell Law Review 86: 1003–1089.
6. Sanchirico, Chris William (2010a). “A Critical Look at the Economic Argument for Taxing Only Labor Income.” Tax Law Review 63: 867–956. Web appendix available at .
7. Sanchirico, Chris William (2011a). “Tax Eclecticism.” Tax Law Review 64: 149–228. Web appendix available at .


Chris William Sanchirico. “Optimal Redistributional Instruments in Law and Economics”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

>Besteuerung.
>Steuerehrlichkeit,
>Steuerflucht, >Steuerinzidenz, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Strategisches Wählen Wirtschaftstheorien Parisi I 504
Strategische Stimmabgabe/Strategisches Wählen/Wirtschaftstheorien/ Nitzan/Paroush: (...) es ist möglich, dass Individuen einen Anreiz haben, unaufrichtig zu wählen. Anhand einer spieltheoretischen Analyse zeigen Austen-Smith und Banks (1996)(1), dass nicht-strategisches Wählen mit dem Nash-Gleichgewicht unvereinbar sein kann,
Parisi I 505
Gleichgewicht widersprechen kann, selbst wenn alle Mitglieder identische Präferenzen und Überzeugungen haben. >Nash-Gleichgewicht.
Genauer gesagt, wenn die Zahl der Wähler hinreichend groß ist, dann ist die Wahl, die nur auf privaten Informationen beruht (informierte Entscheidung), im Allgemeinen kein Nash-Gleichgewicht eines Bayes'schen Spiels, das formal ein CJT [Condorcet Jury Theorem] darstellt.
>Condorcet-Jury-Theorem, >Jury-Theorem.
Die allgemeine Idee ist, dass die Stimme eines Einzelnen die kollektive Entscheidung nur dann beeinflusst, wenn sie ausschlaggebend ist. Wenn jedoch alle anderen informativ abstimmen, kann die Tatsache, dass sie unentschieden abstimmen, sehr informativ sein, da dies genauere Informationen offenbart als die, die der Einzelne privat besitzt. Aufgrund dieser neuen Informationen kann es rational sein, nicht nach den eigenen privaten Informationen abzustimmen.
[Angenommen,] ... es besteht Ungewissheit über den wahren Zustand der Welt, der entweder Zustand A oder Zustand B sein kann. In jedem Zustand erhalten die Individuen eine Auszahlung von eins, wenn die Alternative des spezifischen Zustands gewählt wird, und ansonsten eine Auszahlung von null. Es gibt eine gemeinsame Vorwahrscheinlichkeit, dass der wahre Zustand A ist. Die Individuen haben private Informationen über den wahren Zustand der Welt. Für die Auswahl einer Alternative wird die Mehrheitsregel verwendet. Es gibt zwei zusätzliche Annahmen zu den Überzeugungen der Individuen:
(1) die aufrichtige Stimmabgabe informativ ist; und
(2) die gemeinsame Vorannahme, dass der wahre Zustand A ist, ist hinreichend stark, so dass jedes Individuum, das alle drei individuellen Signale beobachtet, nur dann glaubt, dass B der wahre Zustand ist, wenn alle verfügbaren Beweise dafür sprechen, dass B der wahre Zustand ist. Nehmen wir an, Sie spielen dieses Spiel und die beiden anderen Personen stimmen aufrichtig ab.
Man muss sich dann in einer der drei folgenden Situationen befinden:
(1) die anderen haben festgestellt, dass der Zustand A ist und stimmen dementsprechend für A;
(2) die anderen haben beide B beobachtet und stimmen für B; oder
(3) die anderen haben unterschiedliche Signale beobachtet und einer stimmt für A und der andere für B.
In den ersten beiden Szenarien ist das Gesamtergebnis unabhängig von Ihrer eigenen Stimme, und im dritten Szenario ist Ihre Stimme entscheidend. Im dritten Szenario ist es jedoch die beste Entscheidung, für A zu stimmen. Daher ist eine aufrichtige Stimmabgabe kein Nash-Gleichgewicht. Als Reaktion auf die obige Feststellung haben McLennan (1998)(2) und Wit (1998)(3) Bedingungen gefunden, unter denen das Nash-Gleichgewichtsverhalten zwar nicht mit der nicht-strategischen Stimmabgabe übereinstimmt, aber dennoch vorhersagt, dass Gruppen mit größerer Wahrscheinlichkeit richtige Entscheidungen treffen als Einzelpersonen. Feddersen und Pesendorfer (1997(4), 1998(5)) passen den allgemeinen Rahmen von Austen-Smith und Banks (1996)(1) auf den speziellen Fall von Geschworenenverfahren in Strafprozessen an. In ihrem Modell ist es nie ein Nash-Gleichgewicht, wenn alle Geschworenen bei der Einstimmigkeitsregel nicht-strategisch abstimmen. Darüber hinaus führt das Nash-Gleichgewichtsverhalten zu höheren Wahrscheinlichkeiten sowohl für die Verurteilung der Unschuldigen als auch für den Freispruch der Schuldigen unter der Einstimmigkeitsregel als unter alternativen Regeln, einschließlich der einfachen Mehrheitsregel. Ben-Yashar und Milchtaich (2007)(6) untersuchen die Frage der strategischen Stimmabgabe, wenn die Wähler ausschließlich das gemeinsame kollektive Interesse im Auge haben. Sie stellen fest, dass bei der optimalen WMR für den Einzelnen kein Anreiz besteht, strategisch und nicht-informativ abzustimmen.
>Entscheidungsregeln.
Eine solche Strategiesicherheit ist bei den zweitbesten anonymen Abstimmungsregeln nicht gegeben. Wenn man also jedem Wähler das richtige Gewicht zuweist, erreicht man eine optimale Teamleistung und garantiert eine ehrliche Abstimmung.

1. Austen-Smith, D. and J. Banks (1996). “Information aggregation, rationality and the Condorcet jury theorem.” American Political Science Review 90(1): 34-45.
2. McLenan, A. (1998). “Consequences of the Condorcet jury theorem for beneficial information aggregation by rational agents.” American Political Science Review 92(2): 413-418.
3. Wit, J. (1998). “Rational choice and the Condorcet jury theorem.” Games and Economic Behavior 22(2): 364–376.
4. Feddersen, T. J. and W. Pesendorfer (1997). “Voting behavior and information aggregation in elections with private information.” Econometrica 65(5): 1029-1058.
5. Feddersen, T. J. and W. Pesendorfer (1998). “Convicting the innocent: The inferiority of unanimity jury verdicts under strategic voting.” American Political Science Review 92(1): 23-35.
6. Ben-Yashar, R. and I. Milchtaich (2007). “First and second best voting rules in committees.” Social Choice and Welfare 29(3): 453-486.


Shmuel Nitzan and Jacob Paroush. “Collective Decision-making and the Jury Theorems”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Theorien Lamont Gaus I 230
Theorien/Grundsätze/Begründung/Lamont: (...) Theorien [zur Verteilungsgerechtigkeit] sind vor allem nach dem Inhalt ihrer Annäherung an die moralischen Anforderungen von Wohlfahrt (oder Glück) und Verantwortung charakterisiert worden. Es ist wichtig, hier auf einige der Komplikationen dieser Charakterisierungen hinzuweisen und
Gaus I 231
auch auf andere Arten der Konzeptualisierung der Literatur über Verteilungsgerechtigkeit. Die meisten Theoretiker sind genau beschrieben durch eine Reihe von nicht äquivalenten Bezeichnungen. Die hier verwendeten Klassifikationen sind in der zeitgenössischen Literatur weit verbreitet, aber es gibt dennoch subtile Unterschiede in der Art und Weise, wie verschiedene Autoren diese Bezeichnungen verwenden. Inhalt/Prinzip/Begründung: Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen dem Inhalt eines Verteilungsprinzips und seiner Begründung.
Inhalt: "Inhalt" bezieht sich auf die Verteilung, die idealerweise durch ein Prinzip empfohlen wird, während "Rechtfertigung" sich auf die Gründe bezieht, die zur Unterstützung des Prinzips angeführt werden. Theoretiker können nach dem Inhalt ihrer Theorie oder nach der von ihnen angegebenen Begründung unterschieden und etikettiert werden.
Probleme: 1) (...) die hier verwendeten gemeinsamen Bezeichnungen beziehen sich zum Teil auf den Inhalt und zum Teil auf die Begründungen für verschiedene Positionen.
2) (...) die meisten Gruppen von Theorien haben Begründungen aus verschiedenen Quellen, und einzelne Autoren verwenden manchmal sogar mehr als eine Begründungsquelle für ihre Theorie. Die meisten Kombinationen von Inhalt und Rechtfertigung sind in der Tat versucht worden. Beispielsweise verwenden verschiedene Libertarianer natürliche Rechte, Verdienste, Utilitarismus oder Kontraktualismus zur Rechtfertigung ihrer Theorien; verschiedene Verdiensttheoretiker verwenden natürliche Rechte, Kontraktualismus und sogar Utilitarismus (Mill 1877(1); Sidgwick, 1890(2)). Teilweise kommt dies daher, dass es verschiedene Versionen von Begründungen gibt, die jedoch aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit das gleiche breite Etikett teilen.
Vertragstheorie: Beispielsweise ist der Kontraktualismus in den Begründungen vieler Theorien enthalten und umfasst sowohl Hobbes'sche als auch Kant'sche Kontraktualisten nach Thomas Hobbes und Immanuel Kant (Hampton, 1991(3)).
A) Hobbes'sche Kontraktualisten wie David Gauthier versuchen, die Moral mit den eigennützigen Gründen zu rechtfertigen, die Individuen haben, um bestimmten Bedingungen der sozialen Zusammenarbeit zuzustimmen.
B) Kant'sche Kontraktualisten wie John Rawls berufen sich auf moralische Gründe, um die Bedingungen sozialer Kooperation zu rechtfertigen, die einer Zustimmung würdig wären, und argumentieren gewöhnlich für Verteilungen am egalitären Ende des Spektrums.
Ein Hobbes'scher Kontraktualist, wie Sie vielleicht vermuten, plädiert eher für libertär orientierte Systeme (Buchanan, 1982(4); Gauthier, 1987(5); Levin, 1982(6)). Es gibt jedoch auch Anhänger von Hobbes, die darauf bestehen, dass sein Kontraktualismus besser gelesen wird, um einige wichtige Aspekte des Wohlfahrtsstaates zu rechtfertigen, als eine bloß minimalistische Regierung (Kavka, 1986(7); Morris, 1998(8): Kap. 9; Vallentyne, 1991(9)). Daher können Theoretiker, die das Etikett "vertragsorientiert" teilen, auch durch eine libertäre Ablehnung der Umverteilung oder ein egalitäres Beharren auf einer breiten Verteilung gekennzeichnet sein (...).
Gleichheit/Egalitarismus: Die häufigsten Alternativen zur Charakterisierung von Theorien der Verteilungsgerechtigkeit entlang der Dimensionen Wohlfahrt und Verantwortung waren dazu da, sie entweder entlang der damit verbundenen Dimension der Gleichheit oder nach dem Grad der Gleichheit zu charakterisieren, den die Theorien vorgeben. So könnte jede der hier bereits untersuchten Theorien alternativ nach ihrer Behandlung oder ihrem Ansatz der Gleichheit kategorisiert werden (Joseph und Sumption, 1979(10); Rakowski, 1991). >Gleichheit/Sen.
Sen: in seinem einflussreichen Vortrag 'Equality of what?" (1980)(12) befasst sich Amartya Sen mit der Frage, nach welchem Maßstab Gleichmacher den Grad bestimmen sollten, in dem eine Gesellschaft das Ideal der Gleichheit verwirklicht.
Inzwischen wurde eine Reihe alternativer Variablen für das, was ausgeglichen werden sollte, eingeführt (Daniels, 1990(13)) und verfeinert, einschließlich der oben diskutierten Ressourcengleichmacher (Dworkin, 2000)(14), der Chancengleichheit für Wohlfahrt (Arneson, 1989(15); 1990(16); 1991(17)), des gleichen Zugangs zu Vorteilen (Cohen, 1989)(18) und des gleichen politischen Status (Anderson, 1999)(19).
Gaus I 232
Begriffe/Inhalte/Theorien: Eine weitere Komplikation (...) ergibt sich aus den Unterschieden in der Konzeption des Themas der Verteilungsgerechtigkeit selbst, wobei einige Theoretiker eher den Prozess als den Inhalt oder die Rechtfertigung betonen. Die Prinzipien: [viele Theorien] befassen sich mit der Frage der Verteilungsgerechtigkeit, indem sie Prinzipien empfehlen, die als normative Ideale für Institutionen gedacht sind, die ihrerseits die Verteilung der Ressourcen maßgeblich bestimmen werden. Diese Theorien spiegeln den Fortschritt und einen wachsenden Konsens während des größten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts darüber wider, was nicht akzeptabel ist. Beispielsweise lehnen alle angebotenen Theorien die Ungleichheiten ab, die für feudale, aristokratische und Sklavengesellschaften charakteristisch sind, sowie die Ungleichheiten, die Systemen innewohnen, die den Zugang zu Gütern, Dienstleistungen, Arbeitsplätzen oder Positionen auf der Grundlage von Rasse, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion einschränken.
Entscheidungsprozesse: Andererseits sind einige Theoretiker der Ansicht, dass die fortdauernde Existenz vernünftiger Meinungsverschiedenheiten ein wichtiges Spiegelbild des Wesens der Verteilungsgerechtigkeit selbst ist. Sie argumentieren über zusätzliche Fragen, im Bereich der vernünftigen Uneinigkeit darüber, welches die besten Verteilungsideale sind. Hauptsächlich wird diskutiert, ob das Verfahren zur Entscheidung von Verteilungsfragen gerecht ist. So argumentieren einige, dass bestimmte Fragen der Verteilungsgerechtigkeit auf der verfassungsrechtlichen Ebene behandelt und unterschiedlich beschrieben werden sollten, während andere Fragen auf der gesetzgeberischen Ebene ordnungsgemäß entschieden werden.
Gerechte Prozesse: eine Untergruppe dieser Theoretiker vertritt auch die Ansicht, dass einige Entscheidungen über Fragen der Verteilungsgerechtigkeit teilweise oder vollständig gerechtfertigt sein können, weil sie das Ergebnis eines gerechten Prozesses sind (Christiano, 1996(20); Gaus, 1996(21)). Rationale Argumente allein können vielleicht einige Systeme als ungerecht ausschließen, aber andere werden nicht nur aufgrund ihres Inhalts gerechtfertigt sein, sondern auch durch den Prozess, durch den sie erreicht wurden. >Liberalismus/Lamont.

1. Mill, John S. (1877) Utilitarianism, 6th Ed. London: Longmans, Green.
2. Sidgwick, Henry (1890) The Methods of Ethics, 4th Ed. London: Macmillan.
3. Hampton, Jean (1991) 'Two faces of contractarian thought'. In Peter Vallentyne, ed., Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier 's Morals by Agreement. New York: Oxford University Press, 31—55.
4. Buchanan, Allen (1982) 'A critical introduction to Rawls' theory of justice'. In H. Gene Blocker and Elizabeth H. Smith, eds, John Rawls' Theory of Social Justice: An Introduction. Athens, OH: Ohio University Press.
5. Gauthier, David Peter (1987) Morals by Agreement. Oxford: Clarendon.
6. Levin, Michael (1982) 'A Hobbesian minimal state'. Philosophy and Public Affairs, 11 (4): 338-53.
7. Kavka, Gregory S. (1986) Hobbesian Moral and Political Theory. Princeton, NJ: Princeton University Press.
8. Morris, Christopher (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press.
9. Vallentyne, Peter (1991) Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier's Morals by Agreement. New York: Cambridge University Press.
10. Joseph, Keith and Jonathan Sumption (1979) Equality. London: Murray.
11. Rakowskl, Eric (1991) Equal Justice. Oxford: Clarendon.
12. Sen, Amartya (1980) 'Equality of what?' In Sterling M. McMurrin, Ed., Tanner Lectures on Human Values, Bd. I. Cambridge: Cambridge University Press, 195-220.
13. Daniels, Norman (1990) 'Equality of what: welfare, resources, or capabilities?' Philosophy and Phenomenological Research, 50 (Fall): 273-96.
14. Dworkin, Ronald (2000) Soveæign Virtue: The Theory and Practice of Equality. Cambridge, MA: Harvard University Press.
15. Arneson, Richard (1989) 'Equality and equal opportunity for welfare, Philosophical Studies, 56: 77-93.
16. Arneson, Richard (1990) 'Liberalism, Distributive Subjectivism and equal opportunity for welfare', Philosophy and Public Affairs, 19: 159-94.
17. Arneson, Richard (1991) 'Lockean self-ownership: towards a demolition', Political Studies, 39 (l): 36-54.
18. Cohen, G. A. (1989) 'On the currency of egalitarian justice'. Ethics, 99 906_44.
19. Anderson, Elizabeth (1999) 'What is the point of equality?' Ethics, 109 (2): 287-337.
20. Christiano, Thomas (1996) The Rule of the Many: Fundamental Issues in Democratic Theory. Boulder, CO: Westview.
21. Gaus, Gerald (1996) Justificatory Liberalism. New York: Oxford University Press.

Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Überproduktion Rothbard Rothbard III III 725
Überproduktion/VsÜberproduktion/Rothbard: Die vielleicht wichtigste Schlussfolgerung der Theorie des monopolistischen oder unvollkommenen Wettbewerbs ist, dass die reale Welt des monopolistischen Wettbewerbs (in der die Nachfragekurve für jedes Unternehmen notwendigerweise fällt) der idealen Welt des reinen Wettbewerbs (in der kein Unternehmen seinen Preis beeinflussen kann) unterlegen ist. Diese Schlussfolgerung wurde einfach und effektiv durch den Vergleich zweier Gleichgewichtszustände ausgedrückt: unter den Bedingungen des reinen und des monopolistischen Wettbewerbs. >Monopolistischer Wettbewerb/Rothbard, >Reiner Wettbewerb/Rothbard,
>Wettbewerb/Rothbard, >Gleichgewicht.
Rothbard III 727
Die einzige Annahme, die wir beim Zeichnen der Durchschnittskostenkurve brauchen, ist, dass es für jede Anlage in jedem Produktionszweig einen optimalen Punkt der Produktion gibt, d. h. ein bestimmtes Produktionsniveau, bei dem die durchschnittlichen Stückkosten ein Minimum erreichen. Alle Produktionsniveaus, die niedriger oder höher als das Optimum sind, haben höhere Durchschnittskosten. Reiner Wettbewerb: Bei reinem Wettbewerb, bei dem die Nachfragekurve für jedes Unternehmen vollkommen elastisch ist, (...) wird sich jedes Unternehmen schließlich so anpassen, dass seine (...) Kurve (...) im Gleichgewicht ist; (...)
Monopolistischer Wettbewerb: (...) Monopolistischer Wettbewerb führt zu höheren Preisen und weniger Produktion - d. h. zu einem niedrigeren Lebensstandard - als reiner Wettbewerb. Außerdem findet die Produktion nicht am Punkt der minimalen Durchschnittskosten statt - eindeutig ein soziales „Optimum“, und jede Fabrik wird auf einem niedrigeren als dem optimalen Niveau produzieren, d.h. sie wird „Überkapazitäten“ haben. Dies war der „Wohlfahrtsfall“ der Theoretiker des monopolistischen Wettbewerbs.
III 728
Vs: (...) Chamberlin und andere haben gezeigt, dass diese Analyse nicht zutrifft, wenn wir den Wunsch der Verbraucher nach Vielfalt als ein zu befriedigendes Gut ansehen.(1) Viele andere wirksame und fundierte Angriffe wurden aus verschiedenen Richtungen vorgebracht. Ein grundlegendes Argument ist, dass die Situationen des reinen und des monopolistischen Wettbewerbs nicht miteinander verglichen werden können, weil die AC-Kurven in der Tat nicht dieselben wären. Chamberlin(2,3) hat seinen Revisionismus auch in diesem Bereich fortgesetzt und erklärt, dass die Vergleiche völlig unzulässig sind, dass die Anwendung des Konzepts des reinen Wettbewerbs auf bestehende Unternehmen zum Beispiel bedeuten würde, dass eine sehr große Anzahl ähnlicher Unternehmen angenommen wird, die das gleiche Produkt herstellen. Würde man dies z.B. bei General Motors tun, würde dies bedeuten, dass GM entweder konzeptionell in zahlreiche Fragmente aufgeteilt oder aber vervielfacht werden müsste. Im Falle einer Aufteilung wären die Stückkosten zweifellos höher, und das „wettbewerbsfähige Unternehmen“ hätte mit höheren Kosten zu kämpfen und müsste mit höheren Preisen auskommen. Dies würde eindeutig den Verbrauchern und dem Lebensstandard schaden; Chamberlin folgt also Schumpeters Kritik, dass das „monopolistische“ Unternehmen durchaus niedrigere Kosten haben kann und wahrscheinlich auch haben wird als sein „rein wettbewerbsfähiges“ Gegenstück. Wenn wir uns andererseits die Vermehrung einer sehr großen Anzahl von General-Motors-Konzernen in der bestehenden Größe vorstellen, können wir dies unmöglich mit der heutigen Welt in Verbindung bringen, und der ganze Vergleich wird absurd.(4)
1. Und die mit der sinkenden Nachfragekurve verbundene Produktdifferenzierung kann durchaus die Vertriebs- und Kontrollkosten senken (sowie das Wissen der Verbraucher verbessern), so dass der vermeintliche Anstieg der Produktionskosten mehr als ausgeglichen wird. Kurz gesagt, die obige AC-Kurve ist in Wirklichkeit eine Produktionskosten- und keine Gesamtkostenkurve, wobei die Vertriebskosten vernachlässigt werden. Vgl. Goldman, „Produktdifferenzierung und Werbung“. Darüber hinaus wäre eine echte Gesamtkostenkurve dann nicht unabhängig von der Nachfragekurve des Unternehmens, wodurch die übliche „Kostenkurven“-Analyse zunichte gemacht würde. Siehe Dewey, Monopoly in Economics and Law, S. 87.
2. H. Chamberlin, Theory of Monopolistic Competition, und Mrs. Joan Robinson, Economics of Imperfect Competition. Für eine klare Diskussion und einen Vergleich der beiden Werke siehe Robert Triffin, Monopolistic Competition and General Equilibrium Theory (Cambridge: Harvard University Press, 1940).
3. Kürzlich hat Professor Chamberlin diesen Punkt eingeräumt und in einer Reihe bemerkenswerter Artikel seine Anhänger verblüfft, indem er das Konzept des reinen Wettbewerbs als Wohlfahrtsideal ablehnte. Chamberlin erklärt nun: „Das Wohlfahrtsideal selbst... wird korrekt als monopolistischer Wettbewerb beschrieben .... [Dies] scheint sehr direkt aus der Erkenntnis zu folgen, dass die Menschen individuell sind, unterschiedliche Geschmäcker und Wünsche haben und zudem räumlich weit verstreut sind.“ Chamberlin, Towards a More General Theory of Value, S. 93-94; auch ebd., S. 70-83; E.H. Chamberlin und J.M. Clark, „Discussion“, American Economic Review, Papers and Proceedings, Mai 1950, S. 102-04; Hunter, „Product Differentiation and Welfare Economics“, S. 53 3-52; Hayek, „The Meaning of Competition“ in Individualism and the Economic Order, S. 99; und Marshall I. Goldman,
„Produktdifferenzierung und Werbung: Some Lessons from Soviet Experience“, Journal of Political Economy, August 1960, S. 346-57.
4. Siehe Chamberlin, „Measuring the Degree of Monopoly and Competition“ und „Monopolistic Competition Revisited“ in Towards a More General Theory of Value, S. 45-83.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
US-Einfuhrzölle Wirtschaftstheorien Rieth I 5
US-Importzölle/Wirtschaftstheorien/Boer/Rieth: (…) Ein Teil der Literatur konzentriert sich auf die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China und insbesondere auf den Handelskrieg seit 2016. Amiti et al. (2019)(1) stellen fest, dass die 2018 von den USA verhängten Zölle zu einem deutlichen Rückgang der Importe und einem erheblichen Preisanstieg geführt haben. Fajgelbaum et al. (2019)(5) kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie stellen eine vollständige Weitergabe der Zölle auf die US-Verbraucherpreise fest und schätzen die Wohlfahrtskosten für US-Verbraucher auf 0,3 % des BIP. Cavallo et al. (2021)(2) dokumentieren eine vollständige Weitergabe an der Grenze, jedoch nicht an die Einzelhandelspreise, was darauf hindeutet, dass die inländischen Aufschläge gesunken sind. Flaaen et al. (2020)(3) liefern Belege dafür, dass die US-Importzölle auf Waschmaschinen die Verbraucherpreise mehr als eins zu eins erhöht haben. Wir* ergänzen diese Erkenntnisse durch Schätzungen der durchschnittlichen Weitergabe von US-Zolländerungen seit den 1960er Jahren und durch Schätzungen der makroökonomischen Folgen zweier spezifischer Änderungen. Wir stellen einen mittleren Grad der Weitergabe an die Importpreise von 0,5 fest, was darauf hindeutet, dass die USA in früheren Handelskonflikten in der Lage waren, die Weltmarktpreise zu beeinflussen.
Darüber hinaus lassen unsere historischen Zerlegungen eine positivere Bewertung der WTO zu als Autor et al. (2013)(4), die dokumentieren, dass Chinas Beitritt zu zahlreichen Arbeitsplatzverlusten in den USA geführt hat.
Rieth I 6
Wir bestätigen zwar ihre Ergebnisse mit makroökonomischen Daten, die zeigen, dass die Auswirkungen auf die Beschäftigung überwiegend negativ waren, stellen jedoch fest, dass es in den 2000er Jahren aufgrund einer langen Reihe von Freihandelsschocks zu einem anhaltenden Investitions- und Produktionsboom in den USA kam. In Übereinstimmung mit den größeren Gewinnen aus dem Freihandel liefert unser Modell höhere Schätzungen der Kosten des Handelskriegs 2018/19. Diese sind um eine Größenordnung höher als die von Fajgelbaum et al. (2019)(5), was darauf hindeutet, dass es wichtig ist, die kurzfristigen Anpassungskosten für Veränderungen in der Handelspolitik zu berücksichtigen, die in der vergleichenden Statik vernachlässigt werden. >Zölle, >Zollgeschichte, >Auswirkungen von Zöllen, >Zollreaktionen, >Internationaler Handel.

* Lukas Boer and Malte Rieth (2024). The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund.

1. Amiti, M., Redding, S. J., and Weinstein, D. E. (2019). The impact of the 2018 tariffs on prices and
welfare. Journal of Economic Perspectives, 33(4):187–210.
2. Cavallo, A., Gopinath, G., Neiman, B., and Tang, J. (2021). Tariff pass-through at the border and at the store: Evidence from us trade policy. American Economic Review: Insights, 3(1):19–34.
3. Flaaen, A., Horta¸csu, A., and Tintelnot, F. (2020). The production relocation and price effects of us trade policy: the case of washing machines. American Economic Review, 110(7):2103–2127.
4. Autor, D. H., Dorn, D., and Hanson, G. H. (2013). The china syndrome: Local labor market effects of import competition in the united states. American economic review, 103(6):2121–2168.
5. Fajgelbaum, P. D., Goldberg, P. K., Kennedy, P. J., and Khandelwal, A. K. (2019). The return to
protectionism*. The Quarterly Journal of Economics, 135(1):1–55.

Rieth I
Malte Rieth
Lukas Boer
The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund. Washington, D.C. 2024
Versicherungen Barr Gaus I 212
Versicherungen/Wohlfahrtsstaat/Adverse Selektion/Moralisches Risiko/Barr/Moon: [in einem Wohlfahrtsstaat] kann freiwillige Sozialfürsorge (...) nicht in der Lage sein, jeden in einer Gesellschaft abzudecken. Viele Menschen in der Blütezeit der Hilfsvereine waren keine Mitglieder, und Nichtmitglieder gehörten oft zu den am wenigsten Begünstigten, zu denen ohne feste Arbeitsplätze und einen sicheren Platz in der Gemeinschaft. Adverse Selektion: Organisationen, die Schutz anbieten, erkennen, dass diejenigen, die am ehesten Schutz benötigen, über
Gaus I 213
den größten Anreiz verfügen, sie zu aufzusuchen und so einer Hilfsvereinigung beizutreten oder sich zu versichern, während diejenigen mit den geringsten Risiken einen Anreiz haben, sich nicht zu versichern. Infolge dieses Prozesses der "adversen Selektion" werden die Risiken tendenziell auf einen immer kleineren Teil der Bevölkerung verteilt, und die Prämien müssen entsprechend steigen. Dieser Prozess der adversen Selektion kann sich bis zu dem Punkt fortsetzen, an dem die meisten Schutzbedürftigen sich den Schutz nicht mehr leisten können, weil die Prämien so hoch steigen müssen, dass alle bis auf die Schwächsten aussteigen.
>Adverse Selektion.
Der Wohlfahrtsstaat kann dem Problem der adversen Selektion entgegenwirken, indem er die Mitgliedschaft obligatorisch macht: "weil Personen mit geringen Risiken nicht aussteigen können, ermöglicht er eine Pooling-Lösung" (Barr, 1992(1): 755).
>Wohlfahrtsstaat.
Moral hazard: Die adverse Selektion wird durch einen zweiten Prozess oder eine zweite Bedingung, das so genannte "moral hazard", verstärkt. Personen, die gegen ein bestimmtes Risiko versichert sind, sind unter Umständen eher bereit, Risiken einzugehen, als sie es ohne Versicherung wären. Das Wissen, dass im Falle einer Erkrankung oder Verletzung meine Arztrechnungen gedeckt sind, kann meine Bereitschaft zu riskantem Verhalten, wie z.B. Skifahren, erhöhen. In dem Maße, in dem dies geschieht, können Organisationen mit höheren Forderungen konfrontiert werden, wodurch sie gezwungen sind, ihre Gebühren zu erhöhen, und andere davon abgehalten werden, Schutz zu erwerben. Noch offensichtlicher ist, dass Arbeitslosenversicherungssysteme einem moralischen Risiko unterliegen. Dies liegt daran, dass ich im Falle der Arbeitslosigkeit abgesichert bin, einen Anreiz habe, zu kündigen (oder mich feuern zu lassen) und/oder keine Arbeit zu suchen oder anzunehmen. Natürlich unterliegen auch staatliche Systeme dem moralischen Risiko, aber der entscheidende Punkt ist, dass das tatsächliche Risiko des Arbeitsplatzverlustes, wenn es überhaupt abgedeckt werden soll, durch ein öffentliches Programm abgedeckt werden muss (siehe Barr, 1998(2): 190-2).
>Moral hazard, >Trittbrettfahrer.
Aus all diesen Gründen werden Organisationen, die Schutz anbieten, versuchen, den Einsatz einzuschränken, um zu verhindern, dass zu viele Menschen mit hohem Risiko beitreten. Zusätzlich wird Menschen mit hohem Risiko mehr berechnet, damit sie an ihren anderen Mitgliedern festhalten können. Im Falle von Freiwilligengruppen, wie z.B. Nachbarschafts-, Arbeits- oder handwerklich orientierten Hilfsvereinen, können informelle Muster der sozialen Überwachung und Affinität funktionieren, um Außenstehende und andere, von denen man annimmt, dass sie besonders wahrscheinlich Leistungen benötigen, auszuschließen. In ähnlicher Weise können Privatunternehmen verschiedene "Underwriting"- Mechanismen einsetzen, um Personen oder Gruppen mit hohem Risiko auszusondern. Das Gesamtergebnis kann durchaus sein, dass bestimmte Gruppen keinen oder nur unzureichenden Versicherungsschutz erhalten, und die Kosten der Leistungen können viel höher sein, als wenn sie im Rahmen eines obligatorischen Plans erbracht würden, der die Risiken breiter streut und die Leistungen rationiert, um eine Überversorgung zu vermeiden.*

* Ein Beispiel dafür, wie ein von privater Vorsorge dominiertes System sowohl teurer ist als auch einem kleineren Teil der Bevölkerung Schutz bietet, könnte die medizinische Versorgung in den USA sein. Die USA geben einen weitaus höheren Anteil ihres BIP (12,9 Prozent im Jahr 1998 im Vergleich zu 10,3 Prozent in Deutschland oder 6,8 Prozent in Großbritannien) für die medizinische Versorgung aus als andere reiche Länder, decken aber über 20 Prozent ihrer Bevölkerung nicht ab. Ironischerweise ist die öffentliche medizinische Versorgung in den USA größer als in Großbritannien (5,8 gegenüber 5,7 Prozent des BIP), wobei die implizite Subventionierung durch die günstige steuerliche Behandlung der vom Arbeitgeber bereitgestellten Krankenversicherung (OECD-Gesundheitsstatistik) noch nicht einmal berücksichtigt ist.

1. Barr, Nicholas (1992) 'Economic theory and the welfare state'. Journal of Economic Literature, 30 (2): 741-803.
2. Barr, Nicholas (1998) The Economics of the Welfare State, 3rd Ed. Stanford, CA: Stanford University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Verteilungsgerechtigkeit Utilitarismus Gaus I 223
Verteilungsgerechtigkeit/Utilitarismus/Lamont: In den letzten paar Jahrhunderten war eine traditionelle Antwort auf die Frage, wie die Güter und Dienstleistungen einer Gesellschaft verteilt werden sollen, dass sie in einer Weise verteilt werden sollten, die das Wohlergehen der Armen erhöht.
Gaus I 224
Im Utilitarismus ist die richtige Verteilung diejenige, die die Gesamtwohlfahrt oder den "Nutzen" maximiert, unterschiedlich interpretiert als positives Nettoglück, Präferenzzufriedenheit, Vergnügen oder Wohlbefinden (Bayles, 1978(1); Kelly, 1990(2); Smart und Williams, 1973(3)). VsUtilitarismus: Probleme: Leider macht die Theorie durch eine solche Ausweitung die Forderung, den Armen zu helfen, zu einer kontingenten Angelegenheit, je nach dem Grad, in dem diese Hilfe das allgemeine Wohlergehen maximiert. Utilitaristen, die dazu neigen, den abnehmenden Grenznutzen von Ressourcen zu akzeptieren, glauben, dass Ressourcen tendenziell mehr Gutes produzieren, wenn sie an die Armen umverteilt werden, als an die Reichen.
Dennoch gibt es leicht beschreibbare Bedingungen, wie z.B. im Fall einer armen, aber zufriedenen Person und einer nicht gesättigten reichen Person, unter denen der Utilitarismus den zwangsweisen Transfer von Gütern von den Armen zu den Reichen vorschreiben würde. Wegen Vorschriften wie dieser und anderer, die systematisch gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen (Scheffler, 1988(4); 1994(5)), hat sich die anhaltende Bewegung in der Utilitarismustheorie in den letzten zwei Jahrzehnten auf Varianten des "indirekten" und "institutionellen" Utilitarismus konzentriert (Bailey, 1997(6); Goodin, 1988(7); 1995(8); Pettit, 1997(9)). Die eindringlichste Idee dieser Theorien besteht darin, die Anwendung des Utilitarismus einzuschränken, um die Wahl von Praktiken, Institutionen oder öffentlichen Politiken zu lenken, und nicht, um einzelne Aktionen zu leiten.
>Über den Utilitarismus.

1. Bayles, Michael D., ed. (1978) Contemporary Utilitarianism. Gloucester, MA: Smith.
2. Kelly, P. J. (1990) Utilitarianism and Distributive Justice. Oxford: Clarendon.
3. Smart, J. J. C. and Bernard Williams (1973) Utilitarianism For and Against. Cambridge: Cambridge University Press.
4. Scheffler, Samuel, ed. (1988) Consequentialism and its Critics. Oxford: Oxford University Press.
5. Scheffler, Samuel (1994) The Rejection of Consequentialism, rev. Ed. Oxford: Clarendon.
6. Bailey, James Wood (1997) Utilitarianism, Institutions, and Justice. Oxford: Oxford University Press.
7. Goodin, Robert E. (1988) Reasons for Welfare: The Political Theory of the Welfare State. Princeton, NJ: Princeton University Press.
8. Goodin, Robert E. (1995) Utilitarianism as a Public Philosophy. New York: Cambridge University Press.
9. Pettit, Philip (1997) Republicanism: A Theory of Freedom and Government. Oxford: Oxford University Press.

Lamont, Julian, „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Verteilungsgerechtigkeit Wohlfahrtsökonomik Gaus I 213
Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomie/Moon: Es ist wichtig zu betonen, dass die staatliche Vorsorge nicht notwendigerweise der privaten Vorsorge überlegen ist. Selbst wenn es klare Beispiele für "Marktversagen" gibt, Bereiche, in denen freiwillige Vorsorge nicht in der Lage ist, ein optimales Niveau an Dienstleistungen der einen oder anderen Art zu bieten, folgt daraus nicht, dass staatliches Handeln überlegen sein wird. So wie reale Märkte einem Marktversagen unterliegen, sind auch reale Regierungen einem Nichtmarktversagen unterworfen. >Marktversagen, >Staatliche Vorsorge/Moon, >Adverse Selektion/Barr. >Privatisierung/Moon, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien.
Gaus I 214
Die Politik des Wohlfahrtsstaates ermöglicht es dem Einzelnen nicht nur, seine eigene Interessen wirksamer zu vertreten, aber im Allgemeinen die Einkommen umzuverteilen (...). Effizienzargumente gehen in der Regel von den Ergebnissen des Marktaustauschs vor der staatlichen Besteuerung und den Transfers aus und zeigen, dass eine bestimmte Politik zumindest im Prinzip alle Menschen besser stellen kann, als ihnen diese Ausgangslage zustehen würde. Aber in dem Maße, in dem Wohlfahrtspolitiken Einkommen umverteilen, wären diejenigen, deren Einkommen sinkt, normalerweise (wenn auch nicht notwendigerweise) schlechter dran; eine solche Politik ließe sich dann nur unter Berufung auf andere Werte als Effizienz rechtfertigen.* Privatisierung/Probleme: Jedes private Vorsorgesystem beschränkt sich darauf, die geteilten Risiken, denen die Menschen in der Zukunft ausgesetzt sind, zu bündeln, und setzt daher eine "Grundlinie" einer bestimmten Verteilung von Vor- und Nachteilen voraus. Aber aus einer umfassenderen Sicht ist diese Beschränkung auf einen gegebenen Status quo willkürlich.
Umverteilung: (...) Jede Verteilung der 'Vorteile der sozialen Zusammenarbeit' muss gerechtfertigt sein, sei es durch Markttransaktionen oder durch wohlfahrtsstaatliche Politiken, die speziell auf die Umverteilung von Einkommen ausgerichtet sind. Die Annahme, daß die aus 'staatlichem' Handeln resultierenden Ausschüttungen gerechtfertigt sein müssen und daß die Ausschüttungen vor Steuern und Transfers vermutlich gerecht sind, scheint zumindest in Amerika weit verbreitet zu sein, was bei einigen zu einer Feindseligkeit gegenüber dem Wohlfahrtsstaat führt.
Libertarismus/Nozick: Starke Libertarianer wie Nozick sind der Meinung, dass eine Besteuerung zur Umverteilung von Ressourcen von einigen Steuerzahlern auf andere nicht nur mutmaßlich, sondern tatsächlich ungerecht ist, weil sie die Eigentumsrechte der Bürger verletzt (...) (Nozick 1974(1)).
MoonVs: Diese Kritik setzt natürlich voraus, dass das Recht, das wir auf unser Eigentum haben, einschließlich des Einkommens aus Arbeit oder unternehmerischer Tätigkeit, nicht vom Staat geschaffen wird, sondern in gewisser Weise "vor" dem politischen Leben existiert, und schränkt so das ein, was Regierungen legitimerweise tun dürfen. Wenn sich eine solche Theorie der natürlichen oder vorpolitischen Rechte rechtfertigen ließe, würde sie umverteilende wohlfahrtsstaatliche Programme blockieren. >Grundrechte/Politische Theorien.

* Das oben diskutierte Argument, dass die Linderung der Armut ein öffentliches Gut ist, wäre ein Beispiel für die Rechtfertigung einer Umverteilung aus Effizienzgründen.

1. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. Oxford: Blackwell.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

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Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
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Wertschöpfungsketten Wirtschaftstheorien Jaumotte I 5
Wertschöpfungsketten/Zollpolitik/Wirtschaftstheorien/Eugster/Jaumotte/MacDonald/Piazza: Unsere Arbeit* baut auf aktuellen konzeptionellen Innovationen darüber auf, wie Zölle den Handel in einer global integrierten Wirtschaft beeinflussen können. Eine erste Reihe von Arbeiten hat betont, dass die Auswirkungen von Zöllen zunehmen, wenn die Endprodukte in mehreren Produktionsstufen internationale Grenzen überschreiten. Yi (2003(1), 2010(2)), Koopman, Wang und Wei (2014)(3), Rouzet und Miroudot (2013)(4) und andere betonten, dass es in einer solchen Situation zu einer Akkumulation von Zöllen (Zölle auf Vorleistungen bei jedem Grenzübertritt) sowie zu einer Verstärkung kommt, da der Wert, der einem Produkt im Exportland hinzugefügt wird, möglicherweise nur einen Teil des Gesamtwerts der Ware ausmacht, auf den der Zoll erhoben wird.
Jüngste theoretische Innovationen haben die Idee berücksichtigt, dass Zölle kumulieren können, und damit einen Großteil der theoretischen Grundlage für unsere empirische Analyse geliefert. Entscheidend für die Kumulierung und Verstärkung von Zöllen ist die Erkenntnis, dass ein bedeutender Teil des internationalen Handels mit Zwischenprodukten und nicht mit Endverbrauchergütern abgewickelt wird.
Zu den theoretischen Arbeiten, die den Einfluss des Handels mit Zwischenprodukten untersucht haben, gehören Arkolakis, Costinot und Rodriguez-Clare (2012)(5), Eaton, Kortum, Neiman und Romalis (2016)(6), Hsieh und Ossa (2016)(7) sowie Shikher (2011)(8).
Caliendo und Parro (2015)(9) berücksichtigen eine besonders große Heterogenität zwischen den Sektoren und den Verbindungen zwischen ihnen. Vandenbussche, Connell und Simons (2019)(10) gehen in eine ähnliche Richtung, lockern aber auch die ricardianische Annahme, dass jeder Input aus nur einem Land stammt. In ihrem Modell ist für einen bestimmten Sektor entscheidend, inwieweit seine Produktion direkt oder indirekt besteuert wird, sobald sie verarbeitet, in andere Produkte integriert und wieder exportiert wird.
Das Prinzip der Akkumulation ergibt sich somit ganz natürlich aus ihrem Ansatz.**
Darüber hinaus weisen Vandenbussche et al. (2019)(10) darauf hin, dass bilaterale Zölle nicht nur den Handel zerstören, sondern auch verlagern.
Die empirische Literatur hat sich diesem Ansatz nur teilweise angeschlossen und konzentriert sich hauptsächlich auf die Auswirkungen von Zöllen, die vom Importland selbst erhoben werden, also die „inländischen“ Auswirkungen von Zöllen. Ein Großteil der Aufmerksamkeit gilt auch den Auswirkungen auf die Produktivität. Die Literatur hat im Allgemeinen festgestellt, dass Zollsenkungen sowohl durch eine Zunahme des Wettbewerbs als auch durch billigere und qualitativ hochwertigere Vorleistungen produktivitätssteigernde Effekte haben.
Beispielsweise haben Amiti und Konings (2007)(11) sowie Topalova und Khandelwal (2010)(12) haben die Auswirkungen auf die Produktivität anhand von Daten auf Unternehmensebene geschätzt, während Ahn, Dabla-Norris, Duval, Hu und Njie (2016)(13) sowie Furceri, Hannan, Ostry und Rose (2021)(14) eine ähnliche Untersuchung mit internationalen Stichproben auf Branchenebene durchgeführt haben.
Jaumotte I 14
Amiti und Konings (2007)(11), Topolova & Khandelwal (2011)(12) und Ahn et al. (2018)(13) haben alle festgestellt, dass die Senkung von Zöllen auf Zwischenprodukte (ihre Inputzölle) zu deutlich größeren Produktivitätsgewinnen führt als die Senkung von Zöllen auf inländische Schutzmaßnahmen (ihre Outputzölle). Ähnlich wie unsere Ergebnisse stellen Ahn et al. (2019)(13) fest, dass Output-Zölle in fast allen Spezifikationen einen statistisch insignifikanten Effekt haben. >Wertschöpfungsketten/Jaumotte, >Internationaler Handel, >Produktion, >Produktionsstruktur, >Produktionstheorie, >Produktionsfaktoren, >Produktivität.

* Johannes Eugster, Florence Jaumotte, Margaux MacDonald, and Roberto Piazza. (2022). The Effect of Tariffs in Global Value Chains. IMF Working paper 22/40. International Monetary Fund.
** In ihrem Modell wird die Produktionstechnologie als gegeben vorausgesetzt, was bedeutet, dass die relevante Akkumulation weiter unten in der Wertschöpfungskette stattfindet. Dies steht teilweise im Gegensatz zu der umfangreichen empirischen Literatur, die sich auf Inputzölle konzentriert, d. h. Zölle, die weiter oben in der Wertschöpfungskette erhoben werden.

1. Yi, Kei-Mu. 2003. “Can Vertical Specialization Explain the Growth of World Trade?” Journal of Political Economy 111 (1): 52–102.
2.Yi, Kei-Mu. 2010. “Can Multistage Production Explain the Home Bias in Trade?” American Economic Review 100 (1): 364–93.
3. Koopman, Robert, Zhi Wang, and Shang-Jin Wei. 2014. "Tracing Value-Added and Double Counting in Gross Exports." American Economic Review, 104 (2): 459-94.
4. Rouzet, Dorothée, and Sébastien Miroudot. 2013. “The Cumulative Impact of Trade Barriers along the Value Chain: An Empirical Assessment Using the OECD Inter-Country Input-Output Model.” Organisation for Economic Co-operation and Development, Paris."
5. Arkolakis, Costas & Arnaud Costinot & Andres Rodriguez-Clare, 2012. "New Trade Models, Same Old Gains?," American Economic Review, American Economic Association, vol. 102(1), pages 94-130, February.
6. Eaton, Jonathan & Samuel Kortum & Brent Neiman & John Romalis, 2016. "Trade and the Global Recession." American Economic Review, American Economic Association, vol. 106(11), pages 3401-3438, November.
7. Hsieh, Chang-Tai & Ossa, Ralph, 2016. "A global view of productivity growth in China," Journal of International Economics, Elsevier, vol. 102(C), pages 209-224.
8. Shikher, Serge (2011). Capital, technology, and specialization in the neoclassical model. Journal of International Economics Volume 83, Issue 2, March 2011, Pages 229-242
9. Caliendo, Lorenzo, and Fernando Parro. 2015. “Estimates of the Trade and Welfare Effects of NAFTA.” The Review of Economic Studies 82 (1): 1–44.
10. Vandenbussche, Hylke & William Connell & Wouter Simons, 2019. "Global Value Chains, Trade Shocks and Jobs: An Application to Brexit," CESifo Working Paper Series 7473, CESifo.
11. Amiti, Mary and Jozef Konings. 2007. "Trade Liberalization, Intermediate Inputs, and Productivity: Evidence from Indonesia." American Economic Review, 97 (5): 1611-1638.v
12. Topalova, P., and A. Khandelwal. 2011. “Trade Liberalization and Firm Productivity: The Case of India.” The Review of Economics and Statistics 93 (3): 995-1009, August.
13. Ahn, JaeBin, Era Dabla‐Norris, Romain Duval, Bingjie Hu and Lamin Njie, 2019. "Reassessing the productivity gains from trade liberalization," Review of International Economics, Wiley Blackwell, vol. 27(1), pages 130-154, February.
14. Davide Furceri, Swarnali A Hannan, Jonathan D Ostry, Andrew K Rose, The Macroeconomy After Tariffs, The World Bank Economic Review, 2021

Jaumotte I
Florence Jaumotte
Johannes Eugster
Margaux MacDonald,
The Effect of Tariffs in Global Value Chains. IMF Working paper 22/40. International Monetary Fund. Washington, D.C. 2022
Wirtschaft Buchanan Boudreaux I 79
Wirtschaft/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: In einer seiner früheren Arbeiten, „Economics, Welfare, and Political Economy“(1), die 1959 veröffentlicht wurde, identifizierte Buchanan zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Rollen, die der Ökonom legitimerweise spielen kann. Die erste ist die des „Ökonomen“ an sich; die zweite ist die des „politischen Ökonomen“. Die einzige Aufgabe des Ökonomen an sich besteht darin, das Verständnis der Menschheit für die Funktionsweise der Wirtschaft zu verbessern, einschließlich der Frage, wie sich die Wirtschaftstätigkeit bei Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds wahrscheinlich verändert.
Boudreaux I 80
Politik: Dabei kann es sich um politische Veränderungen handeln, wie z. B. Änderungen der Steuersätze oder neue Vorschriften, aber auch um Veränderungen anderer Faktoren, wie z. B. ungünstiges Wetter, das die Ernteerträge verringert. Wirtschaftswissenschaftler verfolgen dieses Ziel durch Forschung und Analysen, die es ihnen ermöglichen, Vorhersagen über die Auswirkungen solcher Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld zu treffen. Politische Ökonomie: Wenn der Wirtschaftswissenschaftler in die Rolle des politischen Ökonomen schlüpft, dann deshalb, um den Bürgern zu helfen, sich für bessere Regeln zu entscheiden, unter denen sie leben. Dennoch besteht die Aufgabe des politischen Ökonomen nicht wie die des Ökonomen darin, seine eigenen Werte oder Präferenzen anderen aufzudrängen.
Politische Entscheidungen: Es ist weder die Aufgabe eines Ökonomen noch eines politischen Ökonomen, diese oder jene Politik zu empfehlen, geschweige denn darauf zu bestehen. Eine solche Rolle, so Buchanan, sei nur dem Einzelnen in seiner Eigenschaft als Bürger vorbehalten. Die Aufgabe des politischen Ökonomen besteht lediglich darin, Änderungen von Regeln und Institutionen vorzuschlagen, denen der einzelne Bürger entweder zustimmen oder sie ablehnen kann - akzeptieren oder ablehnen. Im Idealfall, so Buchanan, würde die Zustimmung Einstimmigkeit oder etwas, das dem sehr nahe kommt, erfordern.
Politik als Austausch: Wenn alle oder fast alle Menschen einer Regeländerung zustimmen müssen, dann kann man getrost davon ausgehen, dass jede vorgeschlagene Regeländerung, die durch eine solche Abstimmung gebilligt wird, wirklich sozial vorteilhaft ist und nicht nur einigen Individuen auf Kosten anderer nützt.
>Zustimmung/Buchanan.
Das ist der Kern des Konzepts der Politik als Austausch. wahrscheinlich geändert werden, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld ändert. Dabei kann es sich um politische Änderungen handeln, wie z. B. Änderungen der Steuersätze oder neue Vorschriften, aber auch um Änderungen anderer Faktoren, wie z. B. ungünstige Wetterbedingungen, die die Ernteerträge verringern. Wirtschaftswissenschaftler verfolgen dieses Ziel durch Forschung und Analysen, die es ihnen ermöglichen, Vorhersagen über die Auswirkungen solcher Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds zu treffen.
Politische Ökonomie: Wenn der Ökonom in die Rolle des politischen Ökonomen schlüpft, dann deshalb, um den Bürgern zu helfen, sich für bessere Regeln zu entscheiden, unter denen sie leben. Dennoch besteht die Aufgabe des politischen Ökonomen wie die des Ökonomen nicht darin, seine eigenen Werte oder Präferenzen anderen aufzudrängen. Es ist weder die Aufgabe des Ökonomen noch die des politischen Ökonomen, diese oder jene Politik zu empfehlen, geschweige denn darauf zu bestehen. Eine solche Rolle, so Buchanan, sei dem Einzelnen nur in seiner Eigenschaft als Bürger vorbehalten. Die Aufgabe des politischen Ökonomen besteht lediglich darin, Änderungen von Regeln und Institutionen vorzuschlagen, denen der einzelne Bürger entweder zustimmen oder sie ablehnen kann - akzeptieren oder ablehnen. Im Idealfall, so Buchanan, würde die Zustimmung Einstimmigkeit oder etwas, das dem sehr nahe kommt, erfordern. Wenn alle oder fast alle Menschen einer Regeländerung zustimmen müssen, dann kann man getrost davon ausgehen, dass jede vorgeschlagene Regeländerung, die durch eine solche Abstimmung gebilligt wird, wirklich von sozialem Nutzen ist und nicht nur einigen Personen auf Kosten anderer Vorteile bringt. Das ist die Essenz der Idee von Politik als Austausch.
>Sozialvertrag/Buchanan, >Gesellschaft/Buchanan.
Boudreaux I 97/98
Wirtschaft/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Buchanan bestand darauf, dass der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Analyse auf Märkten, d. h. auf Institutionen des Austauschs, und nicht auf der Zuweisung von Ressourcen liegen sollte. Buchanan sagt über Ökonomen, die „sich ausschließlich mit der Verteilung knapper Ressourcen auf konkurrierende Zwecke oder Verwendungen befassen..., dass dies keine legitime Tätigkeit für Wirtschaftswissenschaftler ist, wie ich die Disziplin definieren möchte“ (Buchanan, 1964(2): 216). Der Grund, warum Buchanan auf dieser Unterscheidung bestand (...), ist, dass man, wenn man die wirtschaftliche Tätigkeit als eine Übung in der Ressourcenzuteilung begreift, unwissentlich annimmt, dass die Gesellschaft eher wie ein riesiges empfindungsfähiges Individuum mit ganz eigenen Präferenzen ist. Angesichts ihrer Präferenzen und ihres Einkommens gibt es für die Gesellschaft nur eine „richtige“ Art zu „wählen“ - dass es eine optimale Verteilung der Ressourcen gibt.
>Gruppenverhalten/Buchanan.
Gesellschaft/Buchanan: Aber, (...) die Gesellschaft ist kein riesiges empfindungsfähiges Individuum mit eigenen Vorlieben und einem Gehirn, das Entscheidungen trifft. Die Gesellschaft ist die komplexe Interaktion vieler Individuen, von denen jedes seine eigenen Ziele verfolgt.
>Gesellschaft/Buchanan.
Lösung/Buchanan: Eine „Wirtschaft“, so Buchanan, ist der Name, den wir dem fortlaufenden Prozess vieler verschiedener Individuen (und anderer Organisationen, einschließlich Haushalten und Unternehmen) geben, die ihre eigenen, individuell gewählten Ziele verfolgen, ohne ein übergreifendes gemeinsames Ziel wie „das Ziel der Volkswirtschaft“.(3)
Boudreaux I 100
Die ingenieurwissenschaftliche Perspektive, vor der Buchanan warnte, führt dazu, dass Individuen und Unternehmen als bloße Rädchen in einer großen Maschine betrachtet werden, als Mittel, um der Wirtschaft zu helfen, ein großes Ergebnis zu erzielen. Als Werturteil lehnte Buchanan, der in der individualistischen, klassisch-liberalen Tradition stand, dieses Verständnis von Individuen ab. Darüber hinaus wies Buchanan als objektiver Wirtschaftswissenschaftler darauf hin, dass diese ingenieurwissenschaftliche Auffassung von der Wirtschaft schlichtweg falsch ist. Da die Wirtschaft kein empfindungsfähiges Wesen mit Zwecken ist, hat sie keine Ziele, die verfolgt und erreicht werden können. Die Wirtschaft ist nichts anderes als das, was ungeplant und unbeabsichtigt entsteht, wenn unzählige empfindungsfähige Individuen in Verfolgung ihrer eigenen Ziele miteinander tauschen.
1. James M. Buchanan. (1959). “ Positive Economics, Welfare Economics, and Political Economy ” The Journal of Law & Economics, Vol. 2 (Oct., 1959), pp. 124-138.
2. Buchanan, James M. (1964). “What Should Economists Do?” Sothern Economic Journal (January).
3. Ibid.

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Boudreaux I
Donald J. Boudreaux
Randall G. Holcombe
The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021

Boudreaux II
Donald J. Boudreaux
The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014
Wirtschaftswachstum Wirtschaftstheorien Parisi I 300
Wirtschaftswachstum/Effizienz/Wohlstand/Wirtschaftstheorien: Richard Posner (1979(1), 1980(2), 1981a(3), 1981b(4)) argumentierte einst, dass eine Wohlstandsmaximierungsnorm die Betonung der Effizienz in Recht und Wirtschaft rechtfertigt. Mehrere Wissenschaftler bezweifeln, dass die Wohlstandsmaximierung einen normativen Wert darstellt, der einen zentralen Platz im
Parisi I 301
Recht rechtfertigt (Dworkin, 1980a(5); Weinrib, 1980(6); Coleman, 1980(7), 1982(8); Kronman, 1980;(9) Mercuro and Ryan, 1984(10)). Diese Kritik zielt direkt, wenn auch nicht immer explizit, auf die Kaldor-Hicks-Effizienz ab. >Nicholas Kaldor.
Dworkin: Da Regierungsentscheidungen in der Regel aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Menschen zustande kommen, können sie selten, wenn überhaupt, Pareto-optimal sein. (Dworkin, 1980a(5), 1980b(11); Calabresi, 1991(12)). In der Praxis stützen sich die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler daher implizit auf ein ganz anderes Effizienzkonzept als das in der ökonomischen Analyse von Märkten verwendete Konzept der Kaldor-Hicks-Effizienz, wonach eine rechtliche Entscheidung dann effizient ist, wenn sie den Wohlstand derjenigen, die von ihr profitieren, stärker erhöht als den Wohlstand anderer verringert (Posner, 2014;(13) Coleman, 1988(15); Kronman, 1980(9); e.g., Driesen, 2011a(16)). Effiziente rechtliche Entscheidungen nach Kaldor-Hicks erhöhen das Nettovermögen (Kronman, 1980(9); Posner, 1980(2)). Die Kaldor-Hicks-Effizienz gilt als gut, weil diejenigen, die von der Entscheidung profitieren, die Geschädigten für ihre Verluste entschädigen könnten. Dieses Kriterium setzt jedoch nicht voraus, dass die Nutznießer des Gesetzes diejenigen, die durch das Gesetz geschädigt werden, tatsächlich entschädigen, und kann daher Diebstahl oder entschädigungslose Übernahmen durch die Regierung rechtfertigen, die beide dazu führen können, dass Vermögenswerte an Nutznießer übertragen werden, die das Gut mehr wert sind als der derzeitige Eigentümer. In jedem Fall haben Wissenschaftler den normativen Wert der Kaldor-Hicks-Effizienz scharf kritisiert und behauptet, dass die Pareto-Effizienz nicht generell für rechtliche Entscheidungen gelten kann (e.g. Coleman, 1988(15); Calabresi, 1991(13)).
Wissenschaftler, die die Wohlstandsmaximierung kritisieren, argumentieren, dass der Wohlstand als Mittel zur Erreichung anderer Ziele dient. Dementsprechend ist die Maximierung des Reichtums an sich weder gut noch schlecht, sondern nur insofern gut, als sie Ziele fördert, die die Befürworter nicht identifiziert haben. Moralphilosophen befürworten häufig Gerechtigkeit als Ziel für die Gesellschaft und sind nicht der Ansicht, dass Wohlstandsmaximierung einen von der Gerechtigkeit unabhängigen normativen Wert hat (vgl. Kaplow und Shavell, 2001(14)).
Nussbaum/Sen/Purdy: Einige Wissenschaftler, die sich um eine genauere Definition von Gerechtigkeit bemühen, plädieren für einen "Capabilities"-Ansatz für menschliches Wohlbefinden, der die Wohlstandsmaximierung als Ideal in Frage stellt. (Nussbaum and Sen, 1993(16); Nussbaum, 2000(17); Williams, 2002(18); Purdy, 2005(19); Chon, 2006(20); Alexander et al., 2009(21); Sen, 2009(22); Roesler, 2011(23)).
Die Befürworter dieses Ansatzes verbinden menschliches Wohlergehen nicht mit der Anhäufung von Reichtum, sondern mit der Verbreitung von Fähigkeiten, die für das menschliche Wohlergehen unerlässlich sind, an alle Mitglieder einer Gesellschaft, zum Beispiel durch die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Sie kritisieren Recht und Wirtschaft (und den Utilitarismus im Allgemeinen) für die Vernachlässigung von Verteilung, Rechten und Freiheiten sowie der Tendenz derjenigen, die unter anhaltenden Schäden leiden, sich anzupassen (siehe Sen, 1999(24); Nussbaum, 2000(17)).

1. Posner, Richard A. (1979). “Utilitarianism, Economics, and Legal Theory.” Journal of Legal Studies 8: 103–140.
2. Posner, Richard A. (1980). “The Ethical and Political Basis of the Efficiency Norm in Common Law Adjudication.” Hofstra Law Review 8: 487–507.
3. Posner, Richard A. (1981a). The Economics of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
4. Posner, Richard A. (1981b). “A Reply to Some Recent Criticisms of the Economic Theory of the Common Law.” Hofstra Law Review 9: 775–794.
5. Dworkin, Ronald (1980a). “Is Wealth a Value?” Journal of Legal Studies 9: 191–226.
6. Weinrib, Ernest J. (1980). “Utilitarianism, Economics, and Legal Theory.” University of Toronto Law Journal 30: 307–332.
7. Coleman, Jules (1980). “Efficiency, Utility and Wealth Maximization.” Hofstra Law Review 8: 509–551.
8. Coleman, Jules (1982). “The Normative Basis of Economic Analysis: A Critical Review of Richard Posner’s The Economics of Justice (Book Review).” Stanford Law Review 34: 1105–1132.
9. Kronman, Tony (1980). “Wealth Maximization as a Normative Principle.” Journal of Legal Studies 9: 227–242.
10. Mercuro, Nicholas and Timothy P. Ryan (1984). Law, Economics and Public Policy. Greenwich, CT: JAI Press.
11. Dworkin, Ronald (1980b). “Why Efficiency?: A Response to Calabresi and Posner.” Hofstra Law Review 8: 563–589.
12. Calabresi, Guido (1991). “The Pointlessness of Pareto: Carrying Coase Further.” Yale Law Journal 100: 1211–1238.
13. Posner, Richard A. (2014). Economic Analysis of Law. 9th edition. Austin, TX: Wolters Kluwer.
14. Kaplow, Louis and Steven M. Shavell (2001). “Fairness Versus Welfare.” Harvard Law Review 114: 961–1388.
15. Coleman, Jules (1988). Markets, Morals, and the Law. New York: Cambridge University Press.
16. Nussbaum, Martha C. and Amartya Sen, eds. (1993). The Quality of Life. Oxford: Clarendon Press.
17. Nussbaum, Martha C. (2000). Women and Human Development: The Capabilities Approach. Cambridge: Cambridge University Press.
18. Williams, Cynthia A. (2002). “Corporate Social Responsibility in an Era of Economic Globalization.” U.C. Davis Law Review, 35: 705–778.
19. Purdy, Jedediah (2005). “A Freedom-Promoting Approach to Property: A Renewed Tradition for New Debates.” University of Chicago Law Review 72: 1237–1298.
20. Chon, Margaret (2006). “Intellectual Property and the Development Divide.” Cardozo Law Review 27: 2821–2912.
21. Alexander, Gregory S., Eduardo M. Penalver, Joseph William Singer, and Laura S. Underkuffler (2009). “A Statement of Progressive Property.” Cornell Law Review 94: 743–745.
22. Sen, Amartya (2009). The Idea of Justice. Cambridge, MA: Belknap Press of Harvard University Press.
23. Roesler, Shannon M. (2011). “Addressing Environmental Injustices: A Capability Approach to Rulemaking.” West Virginia Law Review 114: 49–107.
24. Sen, Amartya (1999). Development As Freedom. New York: Alfred A. Knopf.

Driesen, David M. and Robin Paul Malloy. “Critics of Law and Economics”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University.


Mause I 220f
Def Wirtschaftswachstum/Wirtschaftstheorie: der Anstieg des Produktions- oder Wertschöpfungspotenzials einer Volkswirtschaft in Abhängigkeit von den verfügbaren Produktionsfaktoren und der Steigerung der Faktorproduktivität in Abhängigkeit vom technischen Fortschritt. Die begriffliche Trennung von Begriff der Konjunktur ist nicht immer scharf. Bsp
Def Konjunkturschwankungen: werden in der Regel als mehrjährige, mehr oder weniger regelmäßige Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität bzw. Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials definiert. (1)

1. G. Tichy, Konjunkturpolitik. Quantitative Stabilisierungspolitik bei Unsicherheit, Berlin/ Heidelberg 2008, S. 8.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wohlfahrt Alessandria Alessandria I 3
Wohlfahrt/ Zölle/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Wir* (...) stellen fest, dass Wohlfahrtsberechnungen die langfristigen Veränderungen in der Wirtschaft unterschätzen, wie es in Modellen mit Kapitalakkumulation und Handelsdynamik üblich ist (Alessandria und Choi, 2014b(1); Ravikumar et al., 2019(2); Mix, 2023)(3). >Kurze und lange Frist.
Wir stellen beispielsweise fest, dass eine einseitige Erhöhung der Importzölle um 20 Prozent die Wohlfahrt in den USA um fast 1,5 Prozent steigert, wenn sie mit einem Investitionszuschuss kombiniert wird, der sowohl aus bestehenden als auch aus neuen Zolleinnahmen finanziert wird. Die gleiche Politik wird jedoch den Konsum im stationären Zustand um 3,55 Prozent und den Kapitalstock um über 20 Prozent erhöhen. Es liegt auf der Hand, dass eine Bewertung dieser Maßnahmen auf der Grundlage ihrer Auswirkungen auf den stationären Zustand die Gesamtwirkung dieser Reformen nicht genau widerspiegelt. Wichtig ist, dass wir große Unterschiede in den Auswirkungen der Reformen auf die Wirtschaft feststellen, die andere Steuern ausgleichen. Für eine Reihe von untersuchten globalen und unilateralen Maßnahmen ist der Wohlstand bei einer Steueranpassung immer höher und kann bis zu 2,5 Prozentpunkte höher sein.
Alessandreia I 20
Wohlfahrtsgewinne: (...) Wohlfahrtsgewinne unterschätzen die langfristigen Veränderungen des Konsums, die durch diese steuerlichen Anpassungen hervorgerufen werden. Während die Wohlfahrt bei einem Investitionszuschuss um etwa 2 bis 2,5 Prozentpunkte höher ist als bei einem Pauschalrabatt, ist der Konsum im stationären Zustand um 3,6 bis 5,5 Prozentpunkte höher.*
* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 JEL No. E6, F10, F4

1. Alessandria, George and Horag Choi, and Kim J. Ruhl, “Trade Adjustment Dynamics and the Welfare Gains from Trade,” Journal of International Economics, 2021, 131, Article 103458.
2. Ravikumar, B., Ana Maria Santacreu, and Michael Sposi, “Capital accumulation and dynamic gains from trade,” Journal of International Economics, 2019, 119, 93–110.
3. Mix, Carter, “The dynamic effects of multilateral trade policy with export churning,” International Economic Review, 2023, 64 (2), 653–689.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Wohlfahrtsfunktion Krishna Krugman III 29
Wohlfahrtsfunktion/Optimale Handelspolitik/Arbeitsrenten/Kala Krishna/Kathleen Hogan/Phillip Swagel: Eine natürliche Frage, die man als nächstes stellen sollte, ist, wie wertvoll [eine optimale Handelspolitik] für die Erhöhung der Wohlfahrt ist. >Optimale Zölle/Kala Krishna, >Internationaler Handel/Kala Krishna.
Die Wohlfahrtsgewinne sind größer, wenn die Arbeitsrenten einen Teil der inländischen Lohnsumme ausmachen, da die erhöhte inländische Produktion, die aus einer optimalen Politik resultiert, die Konsumentenrente und die Renten der Arbeitnehmer erhöht, die beide von der preisbestimmenden Firma ignoriert werden. Wenn wir davon ausgehen, dass die Arbeitskosten 20 % der Stückkosten (die Hälfte der Lohnsumme) ausmachen, reichen die Wohlfahrtsgewinne einer gemeinsam optimalen Politik von [z. B.] 13 Mrd. $ im Jahr 1985 bis 1,7 Mrd. $ im Jahr 1980.
>Handelspolitik, >Internationaler Handel.
Costs: The presence of labor rents thus provides greater scope for strategic trade policy (see, e.g., Katz and Summers 1989)(1).
And yet these gains remain fairly minor relative to the size of the markets involved. Moreover, it may be worse to implement the wrong policy than to do nothing. For example, if the optimal policies that result from Dixit’s model(2) are used instead of the ones identified as optimal by our model, welfare is slightly lower in some years.

1. Katz, L., and L. Summers. 1989. Can inter-industry wage differentials justify strategic
trade policy? In Trade policies for international competitiveness, ed. R. Feenstra, 85-1 16. Chicago: University of Chicago Press.
2. Dixit, A. 1988. Optimal trade and industrial policy for the US. automobile industry. In Empirical methods for international trade, ed. R. Feenstra. Cambridge: MIT Press.

Kala Krishna, Kathleen Hogan, and Phillip Swagel. „The Nonoptimality of Optimal Trade Policies: The U.S. Automobile Industry Revisited, 1979-1985.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press.

EconKrug I
Paul Krugman
Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017

EconKrug II
Paul Krugman
Robin Wells
Microeconomics New York 2014

Krugman III
Paul Krugman
Alasdair Smith
Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994
Wohlfahrtsökonomik Mueller Mause I 271
Wohlfahrtsökonomik/Mueller: für die Aufstellung einer Wohlfahrtsfunktion ist es notwendig, kardinale und auch individuelle Nutzenmaße anzunehmen.(1) Problem: diese Anforderungen für soziale Wohlfahrtsfunktionen sind anspruchsvoller und damit auch weniger realistisch als diejenigen, die von der übrigen mikroökonomischen Theorie erhoben werden, Siehe Hands (2)
Vs: Einige Autoren argumentieren, dass man die Resultate der empirischen Glücksforschung nutzen könne, um kardinale und interpersonal vergleichbare Nutzenmaße zu konstruieren.(3)(4)
>Nutzen, >Utilitarismus.
VsVs: in der Praxis sprechen einige Gründe gegen diesen Ansatz, zu denen insbesondere politische Manipulierbarkeit und die Möglichkeit der strategischen Antwort auf entsprechende Umfragen gehören. (5)
Lösung: die Theorie der optimalen Finanzpolitik behilft sich seit jeher mit stark vereinfachenden Annahmen, welche die Komplexität der Analyse deutlich reduzieren. Bsp die Unterstellung identischer Nutzenfunktionen für alle Mitglieder der Bevölkerung. Dann kann man sich eher auf die beobachtbare Güterverteilung konzentrieren.
>Idealisierung.

1. Dennis C. Mueller, Public choice III. Cambridge 2003, S. 565-567.
2.Wade D. Hands, Paul Samuelson and revealed preference theory. History of Political Economy 46, (1) 2014, S.85– 116.
3. Ng, Yew-Kwang. A case for happiness, cardinalism and interpersonal comparability. Economic Journal 107, 1997. S. 1848– 1858.
4. Norbert Hirschauer, Mira Lehberger, und Oliver Musshoff. Happiness and utility in economic thought – Or: What can we learn from happiness research for public policy analysis and public policy making? Social Indicators Research 121, 2015. S.647– 674.
5. Bruno S. Frey und Alois Stutzer. The use of happiness research for public policy. Social Choice and Welfare 38 (4), 2011. S. 659– 674.

EconMuell I
Dennis C. Mueller
Public Choice III Cambridge 2003

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wohlfahrtsökonomik Neoklassiker Mause I 269ff
Wohlfahrtsökonomik/Neoklassiker: Wohlfahrtsökonomik ein wesentlicher Teil des neoklassischen Paradigmas. Sie bedient sich des methodologischen Individualismus und verfolgt den Grenznutzenansatz. Sie ist utilitaristisch ausgerichtet, d.h. dass die jeweilige Nutzenschätzung der Individuen berücksichtigt wird. (Benthamsche Wohlfahrtsfunktion (1)).
W = W(y1, y2, …, yn)
Methodisches Problem: die individuellen Nutzenschätzungen werden wiederum zu einem gesellschaftlichen Wohlfahrtswert aggregiert. Dieser kann nicht individualistisch fundiert werden.
Mause I 270
Problem: diese Form von Umverteilung kann zu Ungerechtigkeiten führen, wenn die individuelle pekuniäre Situation der Individuen nicht berücksichtigt wird. Lösung: man muss einen Schritt zurückgehen und die allgemeine funktionale Form einer Bergson-Samuelson-Wohlfahrtsfunktion verwenden. (2)(3)
Wohlfahrtsmaximum: eine Bedingung für sein Erreichen ist Pareto-Effizienz.
Def Pareto-Effizienz: besteht, wenn kein Mitgleid der Gesellschaft besser gestellt werden kann, ohne ein anderes Mitglied schlechter zu stellen. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist, sind noch Effizienzreserven zu nutzen.
Weitere Bedingung für eine optimale Finanzpolitik: es darf keine ungenutzten Potentiale für Tauschgewinne geben, d.h. dass die einzelnen Güter zu den Konsumenten alloziiert werden.
Problem: es gibt theoretisch unendlich viele Allokationen, die Pareto-effizient sind, aber nur eine maximiert die gesellschaftliche Wohlfahrt.
Def Erster Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik: jedes Marktgleichgewicht stellt bei vollständigem Wettbewerb und Abwesenheit von externen Effekten Pareto-Effizienz her.
Def Zweiter Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik: jedes dieser Marktgleichgewichte kann durch eine entsprechende Verteilung von Ressourcen in der Ausgangssituation ohne Effizienzverluste erreicht werden. (4)


1. Jean Hindriks & Gareth D. Myles, Intermediate public economics, Cambridge, MA, 2013.
2. Bergson, Abram. 1938. A reformulation of certain aspects of welfare economics. Quarterly Journal of Economics 52 (7), 1938, S. 314– 344.
3. Paul A. Samuelson, The foundations of economic analysis. Cambridge, MA 1947.
4. Nicola Acocella, The foundations of economic policy: Values and techniques. Cambridge 1998 S. 72-77.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wohlfahrtsstaat Friedman Gaus I 212
Wohlfahrtsstaat/öffentliche Güter/Friedman/Moon: (...) sind typische Wohlfahrtsgüter öffentliche Güter (...)? Bis zu einem gewissen Grad vielleicht. Wenn wir alle in einer Gesellschaft leben wollten, in der niemand unter Mittellosigkeit leidet, und bereit wären, etwas dafür zu bezahlen, um dies zu erreichen, dann wären wir alle besser dran, wenn die Regierung ein Sicherheitsnetz zur Verfügung stellen würde. In diesem Sinne hat Milton Friedman (1962(1): 191) für einen minimalen Wohlfahrtsstaat plädiert, in dem eine "negative Einkommenssteuer" eingesetzt würde, um Menschen ohne andere Möglichkeiten der Unterstützung ein Existenzeinkommen zu sichern. Der Mindestwohlfahrtsstaat (oder "minimaler Wohlfahrtsstaat") wäre jedoch kein "institutioneller Wohlfahrtsstaat", da sein Hauptanliegen darin bestünde, dafür zu sorgen, dass jeder genügend Einkommen hat, um Mittellosigkeit zu vermeiden. Vermutlich würde er auch andere öffentliche Güter wie öffentliche Gesundheit und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stellen, denn jeder von uns ist besser dran, wenn andere gegen Infektionskrankheiten geimpft werden oder wenn die Stadt die Abwässer und den Müll jedes Haushalts auf hygienische Weise entsorgt. Vs: Aber viele Wohlfahrtsprogramme scheinen keine öffentlichen Güter bereitzustellen: der Hauptbegünstigte einer Altersrente ist der Rentner, der Hauptbegünstigte einer höheren Schul- oder Hochschulausbildung ist der Student, dessen Fähigkeiten verbessert und dessen Leben bereichert wird, der Hauptbegünstigte einer Operation am offenen Herzen ist der Patient, dessen Leben gerettet wird, und so weiter. >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien, >Arbeitslosigkeit/Moon.

1. Friedman, Milton (1962) Capitalism and Freedom. Chicago: University of Chicago Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Econ Fried I
Milton Friedman
The role of monetary policy 1968

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Gendertheorie Gaus I 278
Wohlfahrtsstaat/Gendertheorie/Mottier: Skandinavische Autorinnen und Autoren wie Drude Dahlerup (1987)(1), Birte Siim (1988)(2) und Helga Hernes (1984(3); 1987(4)) argumentieren, dass sich der Wohlfahrtsstaat positiv auf die Geschlechterverhältnisse auswirkt, indem er eine Verringerung der finanziellen Abhängigkeit von Frauen gegenüber Männern bewirkt. Liberalismus: Liberale Autoren verteidigen eine ähnlich wohlwollendere Sichtweise, indem sie den liberalen Staat als neutralen Schiedsrichter zwischen Gruppen und nicht als Instrument der Männerherrschaft begreifen (siehe auch Waylen, 1998)(5). Institutionalisierung/Femokratie: Andere Analysen, die insbesondere im australischen, niederländischen und skandinavischen Kontext entwickelt wurden, argumentieren, dass der Staat Spielraum für die Subversion und Transformation genderspezifischer Machtverhältnisse bietet. Sie betonen die Möglichkeiten der Institutionalisierung - und damit der Förderung - von Fraueninteressen innerhalb des Staates, entweder durch das Handeln von "Femokraten" (feministische Bürokraten), die innerhalb des staatlichen Systems arbeiten, um Frauen zu ermächtigen, oder wenn der Staat selbst in einer Weise handelt, die den Status der Frauen fördert (Stetson und Mazur 1995)(6).
Gender Mainstreaming: Ein wichtiges politisches Instrument ist in diesem Zusammenhang das Gender Mainstreaming, d.h. die systematische Einbeziehung genderspezifischer Belange in die Politik, nicht als "nachträglicher Gedanke" oder alternativ die Betonung genderspezifischer Fragen in bestimmten Politikbereichen.
>Staat/Poststrukturalismus, >Staat/Gendertheorie.

1. Dahlerup, Drude (1987) 'Confusing concepts - confusing reality: a theoretical discussion of the patriarchal state'. In A. Showstack Sassoon, Hrsg., Women and the State.
London: Routledge, 93-127.
2. Siim, Birte (1988) 'Towards a feminist rethinking of the welfate state'. In Kathleen B. Jones and Anna G. Jonasdottir, Hrsg., The Political Interests of Gender. London: Sage, 160—86.
3. Hernes, Helga (1984) 'Women and the welfare state: the transition from private to public dependence'. In H. Holter, Hrsg., Patriarchy in a Welfare Society. Oslo: Universitetsvorlag, 26—44.
4. Hernes, Helga (1987) State and Woman Power. Oslo: Norwegian University Press.
5. Stetson, D. and A. Mazur, Hrsg. (1995) Comparative State Feminism. London: Sage.

Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Giddens Gaus I 219
Arbeit/Wohlfahrtsstaat/Giddens/Moon: [die] Verpflichtung zur Arbeit ist keine oder nicht nur eine Forderung an das Individuum, der es sich vernünftigerweise widersetzen möchte, denn letztlich wurzelt sie in einem Ideal der sozialen Eingliederung und aktiven Bürgerschaft, durch das die eigenen Interessen und Bedürfnisse des Individuums verwirklicht werden können. Anthony Giddens spricht dieses Thema in seiner Forderung nach "der positiven Wohlfahrtsgesellschaft" an, in der "sich der Vertrag zwischen Individuum und Regierung verschiebt, da Autonomie und die Entwicklung des Selbst - das Medium der wachsenden individuellen Verantwortung - in den Mittelpunkt rücken" (1998(1): 128). >Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien. Giddens: Wenn der traditionelle "Wohlfahrtsstaat" durch den "Sozialinvestitionsstaat" ersetzt wird, würde die Aufgabe der Regierung darin bestehen, in "Humankapital" zu investieren und nicht in "die direkte Bereitstellung von wirtschaftlicher Erhaltung" (1998(1): 117). Obwohl er einräumt, dass Vollbeschäftigung möglicherweise nicht verwirklicht werden kann, fordert er eine Umverteilung der Arbeit, um möglichst viele Menschen einzubeziehen, und verschiedene Formen der Bezahlung für die Teilnahme an der "Sozialwirtschaft", der Sphäre der Zivilgesellschaft, die traditionell durch freiwillige Arbeit aufrechterhalten wird. >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik.

1. Giddens, Anthony (1998) The Third way: The Renewal of Social Democracy. Cambridge: Polity.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


Brocker I 871
Wohlfahrtsstaat/Giddens: Giddens übernimmt in dem für Theorie und Praxis der sozialen Demokratie entscheidenden Themenfeld des Sozialstaats wichtige »Kritikpunkte der Rechten«: »Der Wohlfahrtsstaat ist prinzipiell undemokratisch, denn er beruht auf einer Umverteilung der Mittel von oben nach unten. Sein Anliegen ist Schutz und Fürsorge, aber er lässt der persönlichen Freiheit nicht genug Raum. Einige Institutionen des Wohlfahrtsstaats sind bürokratisch, entfremdend und ineffizient; außerdem können Sozialleistungen teilweise das Gegenteil dessen bewirken, was sie eigentlich erreichen sollen. Die Politik des dritten Weges begreift diese Schwierigkeiten trotzdem nicht als Auslöser, um den Wohlfahrtsstaat zu demontieren, sondern als Anlass, ihn umzugestalten«.(1) Lösung/Giddens: Überwindung des nachträglich reparierenden und soziale Leistungen verteilenden Wohlfahrtsstaats durch eine Strategie der gezielten »Sozialinvestitionen« in menschliche Fähigkeiten. Dabei geht es vor allem um Bildung, Ausbildung, lebenslanges Lernen, Umschulungen bei strukturbedingtem Arbeitsplatzverlust und Hilfen beim Aufbau kleinerer Betriebe.
Damit wird zum einen das in der alten Sozialdemokratie stets hoch belastete Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlicher Produktivität und Sozialstaat abgebaut, sowohl was die Finanzierung als auch die passivierenden Folgen einer bloßen Umverteilungspolitik betrifft. Zum anderen werden Bürger für ein Engagement in der Zivilgesellschaft »trainiert«, die ja das eigenverantwortliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger sowohl voraussetzt wie auch wiederum »schult«.

1.Anthony Giddens, Der dritte Weg. Die Erneuerung der sozialen Demokratie, Frankfurt/M. 1999, S. 132.

Thomas Meyer, „Anthony Giddens, Der dritte Weg“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Wohlfahrtsstaat Hayek Gaus I 214
Wohlfahrtsstaat/Soziales Minimum/Hayek/Moon: Eigentumsrechte: Wie Waldron (1993(1): Kap. I und passim) argumentiert, wäre das einzige System von Eigentumsrechten, das alle einen Grund zur Zustimmung hätten, ein System, das sicherstellt, dass niemandem lebensnotwendige Ressourcen vorenthalten werden dürfen, und der naheliegende Weg, dies zu erreichen, wäre die Besteuerung von Grundbesitz, so dass der Staat lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen oder zumindest ein Mindesteinkommen bereitstellen kann, wenn es notwendig ist.* >Eigentum.
Sozialer Mindeststaat/Moon: Diese Argumentationslinie unterstützt das, was man einen sozialen Mindeststaat nennen könnte, nicht unbedingt einen institutionellen Wohlfahrtsstaat. Das Kernargument ist, dass einige grundlegende menschliche Werte - die Idee eines sinnvollen Lebens, der persönlichen Autonomie oder des Lebens selbst - nur dann verwirklicht (oder zumindest garantiert) werden können, wenn es staatliche Programme gibt, die ein ausreichendes Einkommen zumindest für den Lebensunterhalt bieten.
>Minimalstaat, >Soziales Minimum.
Wohlfahrtsstaat/Soziales Minimum/Hayek: F. A. Hayek, zum Beispiel, ist als Kritiker des Wohlfahrtsstaates bekannt, aber er akzeptiert die Idee eines sozialen Minimums, indem er argumentiert, dass die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben könnten, dass es "eine klare moralische Verpflichtung aller gibt, innerhalb der organisierten Gemeinschaft denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können", und dass die Gesellschaft daher "ein einheitliches Mindesteinkommen ... außerhalb des Marktes" für diejenigen bereitstellen könnte, die mittellos sind (1976(2): 87).**
>Grundrechte/Politische Theorien.

* Vgl. Lomasky (1987)(3) für eine auf Rechten basierende Verteidigung eines Minimal-Wohlfahrtsstaates, der die Menschen besteuert, um einen Mindestlebensstandard für alle zu gewährleisten.
** Obwohl er dem Wohlfahrtsstaat im Allgemeinen kritisch gegenübersteht, scheint Hayek bestimmte Formen der öffentlichen Versorgung und der Pflichtversicherung zuzulassen (1960(4):285-394).

1. Waldron, Jeremy (1993) Liberal Rights. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
2. Hayek, Friedrich (1976). The Mirage of Social Justice. Chicago: University of Chicago Press.
3. Lomasky, Loren (1987) Persons, Rights, and the Moral Community. New York: Oxford University Press.
4. Hayek, Friedrich (1960) The Constitution of Liberty. Chicago: Umversity of Chicago Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Hayek I
Friedrich A. Hayek
The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Mayer Gaus I 218
Wohlfahrtsstaat/Susan Mayer/Moon: In einer neueren Studie mit dem treffenden Titel "What Money Can Buy" (1997(1)) hat Susan Mayer die "Funktionsweisen" von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersucht und sie mit dem Familieneinkommen in Beziehung gesetzt. Ihre Ergebnisse, die mit Sens allgemeiner Argumentation über die Beziehung zwischen Ressourcen und Funktionen übereinstimmen (>Wohlfahrtsstaat/Sen), lauten, dass oberhalb eines Grundniveaus in den meisten Fällen "zusätzliches elterliches Einkommen die Erfolgschancen von Kindern nicht verbessert" (1997(1): 2). Mayer stellt die Hypothese auf, dass der Grund dafür, dass das Einkommen eine so begrenzte Wirkung hat, darin liegt, dass andere elterliche Eigenschaften wie "Fähigkeiten, Fleiß, Ehrlichkeit, gute Gesundheit und Zuverlässigkeit die Lebenschancen der Kinder ebenfalls verbessern, unabhängig davon, wie sie sich auf das Einkommen der Eltern auswirken. Kinder von Eltern mit diesen Eigenschaften schneiden auch dann gut ab, wenn ihre Eltern nicht viel Einkommen haben" (1997(1): 3). Der allgemeinere Punkt hier ist, dass Funktionen, die für eine Vollmitgliedschaft oder Staatsbürgerschaft wichtig sind, von internalisierten Dispositionen und Fähigkeiten abhängen und nicht nur vom Zugang zu externen Ressourcen. Daraus könnte man folgern, dass die Gewährleistung einer gleichberechtigten Staatsbürgerschaft Programme erfordert, die über die Bereitstellung externer Ressourcen hinausgehen.
>Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien.

1. Mayer, Susan (1997) What Money Can't Buy. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Mead Gaus I 219
Wohlfahrtsstaat/Arbeit/Lawrence Mead/Moon: Man kann anerkennen, dass Menschen auf "Wohlfahrt" angewiesen sind, weil ihre Möglichkeiten so begrenzt sind und ihr Zustand daher eher eine Anklage gegen die Gesellschaft als gegen die betroffenen Individuen darstellt, aber Tatsache bleibt, dass der Bezug von Sozialhilfe es nicht ermöglicht, die volle Staatsbürgerschaft oder Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu erlangen. Sie halten die Person lediglich in einem marginalisierten Zustand. Soziale Eingliederung erfordert mehr als den Bezug von Leistungen. Lawrence Mead: Diese Argumentationslinie ist von einer Reihe "konservativer" Kritiker des Wohlfahrtsstaates vertreten worden. Lawrence Mead (1992)(3) zum Beispiel argumentiert, dass sich der Charakter der Armut zumindest in Amerika in den letzten Jahrzehnten verändert hat und dass die soziale Ausgrenzung, die durch Armut dargestellt wird, die Unfähigkeit armer Menschen widerspiegelt, als rationale Handelnde selbst ihre eigenen Interessen zu verfolgen.*
Der Schlüssel zur Überwindung dieser Ausgrenzung liegt darin, den passiven Armen die Fähigkeit zur Handlungsfähigkeit zu vermitteln, zu handeln, um ihre eigenen Interessen zu fördern und ihr eigenes Leben zu kontrollieren, indem ihnen angemessene disziplinarische Kontrollen auferlegt werden. Wenn Armut zu sozialer Ausgrenzung führt und somit ein Hindernis für die Staatsbürgerschaft darstellt, dann muss der Staat dafür sorgen, dass seine Bürger die Fähigkeiten entwickeln, die es ihnen ermöglichen, der Armut zu entkommen. Die wichtigste Politik ist nach Meads Ansicht die "Workfare"; von den Armen muss verlangt werden, dass sie als Voraussetzung für ihre Unterstützung arbeiten, denn wenn sie nicht die Disziplin und das Gefühl der Erfüllung entwickeln, die Arbeit mit sich bringt, werden sie nicht in der Lage sein, sich den Bedingungen der Abhängigkeit zu entziehen. Die Sozialpolitik muss einen explizit "paternalistischen" Charakter annehmen, und der Staat muss selbstbewusst eine schützende Rolle übernehmen.
Mead hält es für möglich, dass "öffentliche Bevormundung dazu beitragen könnte, informelle (soziale) Kontrollen zu regenerieren, indem Gemeindeorganisationen in Richtlinienprogramme einbezogen werden" (1997: 27-8). In diesem Fall müsse "Paternalismus in seinem öffentlichen Sinn nicht dauerhaft sein", sondern nur, weil die notwendigen Disziplinen durch andere soziale Einrichtungen auferlegt werden.

* Es sei darauf hingewiesen, dass Mead die Charakterisierung seiner Position als "konservativ" ablehnen würde, da er argumentiert, dass zumindest in Amerika die konservative Position die liberale Annahme teilt, dass die Armen "kompetent" sind, und glaubt, dass das Problem der Armut durch die Art und Weise verursacht wird, in der Wohlfahrtsprogramme die Anreize für arme Menschen verfälschen. Die Lösung besteht also nicht in einer Reform der Armen, sondern in der Abschaffung der Wohlfahrtsprogramme. Zweifellos spiegelt diese Ansicht die Denkweise einiger Konservativer wider, jedoch sehen andere selbsternannte Konservative das Thema ähnlich wie Mead.

1. Mead, Lawrence M. (1992) The New Politics of Poverty. New York: Basic.
2. Mead, Lawrence M., ed. (1997) The New Paternalism. Washington: Brookings Institution.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Mead I
George Herbert Mead
Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Politische Theorien Gaus I 210
Wohlfahrtsstaat/Politische Philosophie/Moon: Einige der Programme des Wohlfahrtsstaates, wie z.B. öffentliche Schulen und Altersrenten, wurden erstmals im 19. Jahrhundert entwickelt, aber das, was man den "institutionellen" Wohlfahrtsstaat nennen könnte, entstand erst nach dem Ersten Weltkrieg, als die meisten demokratischen Länder eine mehr oder weniger integrierte Palette von Programmen der Wohlfahrtsversorgung und der Politik der Wirtschaftsverwaltung einführten. Der institutionelle Wohlfahrtsstaat zeichnet sich durch eine Reihe von Programmen aus, die darauf ausgerichtet sind, unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen und Sicherheit gegen verschiedene Eventualitäten zu bieten. >Institutionen, >Institutionalismus, >Bildung, >Bildungspolitik, >Gemeinwohl.
Brian Barry: Zumindest als Ideal, wie Brian Barry (1990)(1) hervorhebt, würde der institutionelle Wohlfahrtsstaat nicht einmal ein allgemeines Sicherheitsnetz erfordern, da spezialisierte Programme all die verschiedenen Bedingungen abdecken würden, die Menschen daran hindern, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. In Wirklichkeit wird es natürlich immer einige geben, die zwischen die Risse fallen, und deshalb muss der Wohlfahrtsstaat über ein Programm der "Sozialhilfe" verfügen, um die verbleibenden Fälle abzudecken. Die Entstehung des institutionellen Wohlfahrtsstaates spiegelt sich in dem enormen Wachstum der Staatsausgaben zur Finanzierung seiner Programme wider, sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum Volkseinkommen. Im Vereinigten Königreich zum Beispiel stiegen die Sozialausgaben von weniger als 6 Prozent des BSP im Jahr 1920 auf 25 Prozent im Zeitraum 1996-7 (Barr, 1998(2): 171).
Politische Theorien zum Wohlfahrtsstaat: Studien über den Wohlfahrtsstaat haben eine Vielzahl von Klassifikationen von Wohlfahrtsregimen angeboten und sind sich nicht einmal darüber einig, ob bestimmte Länder (insbesondere die USA) überhaupt als Wohlfahrtsstaaten gelten. Einige Studien der Wohlfahrtspolitik betonen den Unterschied zwischen selektiven und universellen Wohlfahrtsstaaten (z.B. Rothstein, 1998)(3); andere unterscheiden liberale, korporatistische und sozialdemokratische Regime (z.B. Esping- Andersen, 1990)(4); wieder andere unterscheiden zwischen sozialdemokratischen und christdemokratischen, liberalen und Lohnempfänger-Wohlfahrtsstaaten (Huber und Stephens, 2001)(5).
Eher philosophisch orientierte Theoretiker stellen den Wohlfahrtsstaat in den Kontext unterschiedlicher politischer Denktraditionen und unterschiedlicher Ideale und/oder Rechtfertigungsmuster. So diskutieren einige den Minimalstaat und die Argumente für und gegen ihn (z.B. Nozick, 1974(6); Schmidtz und Goodin, 1998(7)); andere betrachten den "Rest"- gegenüber dem "institutionellen" Wohlfahrtsstaat (z.B. Barry, 1999)(8); wieder andere finden vier verschiedene Stränge, Laissez-faire, Feminismus, Sozialismus und Fabianismus (Clarke, Cochrane und Smart, 1987(9)). Während die meisten anerkennen, dass Klasse ein Hauptanliegen des Wohlfahrtsstaates ist, sehen immer mehr Theoretiker, dass das Geschlecht mindestens ebenso wichtig ist (Gordon, 1990(10); Fraser, 1997(11)).
Vgl. >Minimalstaat.
Moon: Als politische Formation neigt der Wohlfahrtsstaat dazu, Theoretiker zu spalten, die in anderer Hinsicht die gleiche Ansicht
Gaus I 211
der Politik vertreten. So gehören zu den Verteidigern und Kritikern des Wohlfahrtsstaates auch Menschen, die sich (unter anderem) als Konservative, Liberale, Kommunitaristen, Sozialisten und Postmodernisten identifizieren, und so finden sich sowohl seine Kritiker als auch seine Verteidiger mit seltsamen Verbündeten und Gegnern. >Liberalismus, >Kommunitarismus, >Sozialismus, >Postmoderne.
Gemeinsame Merkmale: Trotz der oben erwähnten großen Variabilität weisen Wohlfahrtsstaaten wichtige gemeinsame Merkmale auf; vier der wichtigsten sind ein demokratisches politisches System, eine weitgehend private Marktwirtschaft, eine breite Palette öffentlicher Programme, die von Rechts wegen monetäre Unterstützung oder Dienstleistungen bereitstellen, und eine aktive Rolle des Staates bei der Steuerung der Wirtschaft, um den Konjunkturzyklus zu dämpfen und wirtschaftliche Aktivitäten zu regulieren.
Effizienz: (...) viele Wohlfahrtsleistungen werden durch Markttransaktionen erbracht, wie z.B. der Kauf von Lebens- oder Krankenversicherungen. Warum also sollte der Staat an der Bereitstellung von Wohlfahrt beteiligt sein, entweder direkt in Form spezifischer Dienstleistungen (wie Gesundheitsversorgung oder Bildung) oder in Form von Ressourcen oder Einkommen, um die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen? Schließlich beinhalten Regierungsprogramme sowohl ein Element des Zwangs als auch der Uniformität.
Gaus I 212
Markt: Als Alternative zur staatlichen Bereitstellung wird häufig der Markt angesehen, auf dem gewinnorientierte Unternehmen den Verbrauchern Waren und Dienstleistungen anbieten. Dies ist jedoch eine zu starke Vereinfachung, da auch Familien und freiwillige Vereinigungen eine Schlüsselrolle spielen. >Märkte.
Private Vorsorge: Der Aufstieg des Wohlfahrtsstaates mit seinen Pflichtprogrammen hat zum Niedergang vieler dieser freiwilligen Vereinigungen und privaten Unternehmen geführt, die die Autonomie der Bürger einschränken und ihnen Uniformität auferlegen. Je umfangreicher der Wohlfahrtsstaat ist, desto mehr hat er andere Wohlfahrtsinstitutionen verdrängt.*
Effizienz: Ein Grund für die Substitution der privaten durch die staatliche Bereitstellung ist, dass die staatliche Bereitstellung (entweder von Dienstleistungen oder von Ressourcen) manchmal effektiver sein kann als die private, entweder weil sie Dienstleistungen oder Ressourcen billiger bereitstellen kann oder weil die private Bereitstellung nicht in der Lage ist, ein optimales (oder auch nur adäquates) Niveau an Dienstleistungen zu bieten. Für Probleme: siehe >Marktversagen, >Öffentliche Güter. Für einen minimalen Wohlfahrtsstaat: >Wohlfahrtsstaat/Friedmann.
Gaus I 214
Verteilungsgerechtigkeit: Eine zweite Argumentationslinie, die den Wohlfahrtsstaat unterstützt, appelliert eher an die Idee der Gerechtigkeit als an die der Effizienz. Die Politik des Wohlfahrtsstaates ermöglicht es dem Einzelnen nicht nur, seine eigenen Interessen effektiver zu verwirklichen, sondern generell eine Umverteilung der Einkommen. Effizienzargumente gehen in der Regel von den Ergebnissen des Marktaustauschs vor der staatlichen Besteuerung und den Transfers aus und zeigen, dass eine bestimmte Politik zumindest im Prinzip alle Menschen besser stellen kann, als ihnen diese Ausgangslage geboten würde. Aber in dem Maße, in dem Wohlfahrtspolitiken Einkommen bewusst umverteilen, wären diejenigen, deren Einkommen sinkt, normalerweise (wenn auch nicht notwendigerweise) schlechter dran; eine solche Politik ließe sich dann nur unter Berufung auf andere Werte als Effizienz rechtfertigen.
>Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.
VsEffizienz-basierte Ansätze: (...) Die Berufung auf Effizienz ist insofern problematisch, als die als selbstverständlich angenommene Vorsteuer-/Vorüberweisung-Basislinie gerechtfertigt werden muss. Wenn wir unser Leben als Ganzes betrachten, gibt es einige Risiken, denen wir uns gegenübersehen und die durch keine Form der privaten Vorsorge abgedeckt werden können, weil sie die Bedingungen widerspiegeln, in die wir hineingeboren werden, wie z.B. angeborene Behinderungen, genetische Veranlagungen für bestimmte Krankheiten und die kulturellen und wirtschaftlichen Nachteile, die die Eltern erleiden können.
>Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.

* Siehe Paul (1997)(12), insbesondere die Artikel von Beito, Davies und die darin zitierten Referenzen für eine Darstellung nichtstaatlicher Formen der Wohlfahrt.

1. Barry, Brian (1990) 'The welfare state versus the relief of poverty'. Ethics, 100 (June): 503-29.
2. Barr, Nicholas (1998) The Economics of the Welfare State, 3rd Ed. Stanford, CA: Stanford University Press.
3. Rothstein, Bo (1998) Just Institutions Matter. Cambridge: Cambridge University Press.
4. Esping-Andersen, Gosta (1990) Three Worlds of Welfare Capitalism. Princeton, NJ: Princeton Umversity Press.
5. Huber, Evelyne and John D. Stephens (2001) Development and Crisis of the Welfare State. Chicago: University of Chicago Press.
6. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. Oxford: Blackwell.
7. Schmidtz, David and Robert Goodin (1998) Social Welfare and Individual Responsibility. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
8. Barry, Norman (1999) Welfare, 2nd Ed. Minneapolis: University of Minnesota Press.
9. Clarke, John, Allan Cochrane and Carol Smart (1987) Ideologies of Welfare. London: Hutchinson.
10. Gordon, Linda, ed. (1990), Women, State, and Welfare. Madison, WI: University of Wisconsin Press.
11. Fraser, Nancy (1997) Justice Interruptus. New York: Routledge.
12. Paul, Ellen, ed. (1997) The Welfare State. Cambridge: Cambridge Umversity Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


Mause I 579ff
Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien: Angesichts der empirischen Vielfalt der Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates in den verschiedenen Ländern muss man davon ausgehen, dass man es im konkreten Fall eines untersuchten Landes mit einem Mischsystem zu tun hat. Der Begriff Wohlfahrtsstaat wird als konservativ kritisiert. (Schmidt 2005)(1). Zur Aufteilung in Systemtypen siehe Esping-Andersen 1990(2) und 1999(3).
Mause I 581
Geschichte des Wohlfahrtsstaats: der älteste Strang der vergleichenden Wohlfahrtsforschung gebrauchte sozialökonomische Schlüsselgrößen wie Stand der wirtschaftlichen Entwicklung, die Verbreitung der Beschäftigten im nichtagrarischen Sektor („Arbeitnehmerquote“) und weitere Begriffe der makrosoziologischen Modernisierung. (Zöllner 1963 (4); Wilensky 1975 (5). Funktionalistische Erklärungen: hier geht es u.a. um Diffusion sozialpolitischer Effekte über territoriale Grenzen, z.B. soziales Lernen (Hall 1993) (6).
Garbage-Can-Theorie: hier geht es um das kontingente Zusammenspiel politischer Prozesse, ein Beispiel ist der Multiple Streams-Ansatz. (Kingdon 1984)(7).
Neuere Ansätze stellten dagegen Begriffe wie Macht, Konflikt und Instiitutionen in den Mittelpunkt und untersuchten Entscheidungsprozesse.
Parteiendifferenzthese/Hibbs: (Hibbs 1977) (8): die parteipolitische Zusammensetzung von Regierungen schlägt sich signifikant in international und historisch variablen Niveaus von Sozialausgaben nieder. (Castles 1982 (9); Schmidt 2005)

1. Manfred G. Schmidt, Sozialpolitik in Deutschland. Historische Entwicklung und internationaler Vergleich, Wiesbaden 2005
2. Esping-Andersen, Gøsta. 1990. The three worlds of welfare capitalism. Princeton 1990.
3. Esping-Andersen, Gøsta. Social foundations of postindustrial economies. Oxford 1999.
4. Zöllner, Detlev. Öffentliche Sozialleistungen und wirtschaftliche Entwicklung. Ein zeitlicher und internationaler Vergleich. Berlin 1963.
5. Wilensky, Harold L. 1975. The welfare state and equality. Structural and ideological roots of public expenditures. Berkeley 1975.
6. Peter A. Hall, 1993. Policy paradigms, social learning, and the state. The case of economic policymaking in Britain. Comparative Politics 25( 3): 275– 296.
7. Kingdon, John W., Agendas, alternatives, and public policies. Boston/ Toronto 1984.
8. Hibbs, Douglas A. 1977. Political parties and macroeconomic policy. American Political Science Review 71: 1467– 1487.
9. Castles, Francis G. The impact of parties on public expenditure. In The impact of parties: Politics and policies in democratic capitalist states, Hrsg. Francis G. Castles, 21– 96. London 1982.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wohlfahrtsstaat Sen Gaus I 218
Wohlfahrtsstaat/Sen/Moon: Ironischerweise unterliegt [das] (...) Bekenntnis zu Freiheit und Solidarität einer gewissen inneren Spannung [in der Diskussion um den Wohlfahrtsstaat]. Eine Möglichkeit, darüber nachzudenken ist es, zu sehen, dass das Bemühen, den Einzelnen zu ermächtigen und die soziale Eingliederung zu fördern, auch zu neuen Formen der Marginalisierung und Kontrolle führt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass das Ziel der sozialen Inklusion nicht allein dadurch erreicht werden kann, dass den Menschen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, denn letztendlich ist es erforderlich, dass die Menschen in der Lage sind, effektiv am sozialen und politischen "Leben der Gemeinschaft" teilzunehmen (Sen, 1992(1): 5). Es geht also nicht nur darum, wie Bürger über externe Ressourcen verfügen, sondern auch darum, was sie damit tun können, wie Amartya Sen argumentiert. Er unterscheidet zwischen "Funktionsfähigkeiten", die "Teile des Zustands einer Person repräsentieren - insbesondere die verschiedenen Dinge, die sie tut oder die, die ihr Leben leiten", und der "Fähigkeit" einer Person, die "die alternativen Kombinationen von Funktionsfähigkeiten widerspiegelt, die die Person erreichen kann" (Sen, 1993(2): 31). Funktionsfähigkeiten können sehr komplexe Leistungen oder Seinszustände oder Ensembles von Leistungen und Seinszuständen sein, wie z.B. "bei guter Gesundheit sein" oder "Selbstachtung erreichen oder sozial integriert sein" (Sen, 1993(2): 31).
>Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Mayer.

1. Sen, Amartya (1992) Inequality Reexamined. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Sen, Amartya (1993) 'Capability and well-being'. In Martha Nussbaum and Amartya Sen, (Hrsg.), The Quality of Life. Oxford: Oxford University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wohlfahrtsstaat Wohlfahrtsökonomik Gaus I 218
Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik/Moon: Trotz der Bedeutung des Funktionierens und nicht des Besitzens konzentrieren sich die meisten Bewertungen der Leistung des Wohlfahrtsstaates auf das, was die Menschen haben, und nicht auf das, was sie tun können. Rothstein: Ein gängiges Maß ist zum Beispiel der "Prozentsatz der armen Haushalte, die durch Steuern und Transfers aus der Armut herausgeholt wurden", wobei Armut definiert wird als ein Einkommen unter 50 Prozent des angepassten mittleren Haushaltseinkommens des Landes, in dem man lebt (Rothstein, 1998(1): 183-4). Wenn das Ziel des Wohlfahrtsstaates jedoch darin besteht, den Bürgern eine wirksame Teilhabe zu ermöglichen, ist diese Maßnahme problematisch, weil das Einkommen allein nicht in der Lage ist, viele der wichtigsten Funktionen zu erfüllen.
Susan Mayer: In einer neueren Studie mit dem treffenden Titel "What Money Can Buy" (1997(2)) hat Susan Mayer die "Funktionsweisen" von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersucht und sie mit dem Familieneinkommen in Beziehung gesetzt.
Arbeit: Die Auseinandersetzung über die Notwendigkeit eines effektiven Funktionierens im Gegensatz zum bloßen Zugang zu Ressourcen ist im Bereich der Arbeit am heftigsten geführt worden. Wenn die demokratische Staatsbürgerschaft verlangt, dass alle in die Lage versetzt werden, voll an der Gesellschaft teilzuhaben, dann müssen die Menschen nicht nur über bestimmte Ressourcen, sondern auch über bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Veranlagungen verfügen.
Gaus I 219
Man kann anerkennen, dass die Menschen auf "Wohlfahrt" angewiesen sind, weil ihre Möglichkeiten so begrenzt sind und ihr Zustand daher eher eine Anklage gegen die Gesellschaft als gegen die betroffenen Individuen darstellt, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass der Bezug von Sozialhilfe es nicht ermöglicht, die volle Staatsbürgerschaft oder Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu erlangen. Sie erhalten einen lediglich in einem marginalisierten Zustand. Soziale Eingliederung erfordert mehr als den Erhalt von Leistungen. Lawrence Mead: Diese Argumentationslinie ist von einer Reihe "konservativer" Kritiker des Wohlfahrtsstaates vertreten worden. Lawrence Mead (1992)(3) beispielsweise argumentiert, dass sich der Charakter der Armut zumindest in Amerika in den letzten Jahrzehnten verändert hat und dass die durch Armut repräsentierte soziale Ausgrenzung die Unfähigkeit armer Menschen widerspiegelt, als rationale Handelnde selbst ihre eigenen Interessen zu verfolgen. >Arbeit/Lawrence Mead.
Nikolas Rose: Nikolas Rose hat darauf hingewiesen, dass die Betonung der bezahlten Beschäftigung kein Monopol der Rechten ist: "Auch von der "sozialdemokratischen Linken" wird Arbeit heute als die [wichtigste] Form der Eingliederung gesehen, und die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist die stärkste Quelle der Ausgrenzung" (1999(4), 163).
David Harris: In einigen solidarischen Darstellungen beruft sich die Betonung der Arbeit auf eine ältere Sprache der Pflichten. In Harris' Bericht beispielsweise sind die Pflichten, die mit unseren Wohlfahrtsrechten korrelieren, "strenge Verpflichtungen" und können durch "Zwang" durchgesetzt werden (1987(5): 161).
Marshall: Darin knüpft [Harris] an Marshall an, der über die sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft hinausblickte, um die Pflichten des bereicherten und integrativen Modells der Staatsbürgerschaft zu betrachten, das er befürwortete, einschließlich der "Pflicht zur Arbeit", die er für "überaus wichtig" hielt.
Gotmann/Thompson: In ähnlicher Weise bieten Amy Gutmann und Dennis Thompson eine Rechtfertigung für die Durchsetzung von Arbeitsverpflichtungen an, die sich auf die Idee der Staatsbürgerschaft stützt, indem sie argumentieren, dass "Arbeit als notwendiger Teil der Staatsbürgerschaft angesehen werden sollte" (1996(6): 293), weil sie "wesentlich für die soziale Würde" sei. Da "das Verdienen nicht nur ein Mittel zum Lebensunterhalt ist, sondern auch ein Zeichen der gleichen Staatsbürgerschaft", hat die bezahlte Beschäftigung eine "politische Dimension", die "eine weitere Rechtfertigung für die Verpflichtung zur Arbeit darstellt" (1996(6): 302).

* Es sei darauf hingewiesen, dass Mead die Charakterisierung seiner Position als "konservativ" ablehnen würde, da er argumentiert, dass zumindest in Amerika die konservative Position die liberale Annahme teilt, dass die Armen "kompetent" sind, und glaubt, dass das Problem der Armut durch die Art und Weise verursacht wird, in der Wohlfahrtsprogramme die Anreize für arme Menschen verfälschen. Die Lösung besteht also nicht in einer Reform der Armen, sondern in der Abschaffung der Wohlfahrtsprogramme. Zweifellos spiegelt diese Ansicht die Denkweise einiger Konservativer wider, aber andere selbsternannte Konservative sehen das Thema ähnlich wie Mead.

1. Rothstein, Bo (1998) Just Institutions Matter. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Mayer, Susan (1997) What Money Can't Buy. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Mead, Lawrence M. (1992) The New Politics of Poverty. New York: Basic.
4. Rose, Nikolas (1999) Powers of Freedom. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
5. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
6. Gutmann, Amy and Dennis Thompson (1996) Democracy and Disagreement. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Zeitpräferenz Rawls I 293
Zeitpräferenz/Rationalität/Sidgwick/Rawls: Rationalität impliziert, dass sie für die gesamte Spanne unseres Lebens gilt; dass etwas früher oder später geschieht, ist kein Grund, es stärker oder weniger stark zu berücksichtigen. Allerdings mag die unmittelbare Gegenwart oder nächste Zukunft einen Ausschlag geben bei der Beurteilung von Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit und wir sollten berücksichtigen, wie unsere unmittelbare Situation sich auswirkt. >H. Sidgwick, >Rationalität, >Rationalität/Rawls.
I 294
Aber nichts davon rechtfertigt eine Bevorzugung eines Gutes wegen seiner zeitlichen Positionierung.(1)(2)
I 294
Zeitpräferenz/Generationengerechtigkeit/Rawls: Sidgwick These: Dass etwas früher oder später geschieht, ist kein Grund, es stärker oder weniger stark zu berücksichtigen. >Zeitpräferenz/Sidgwick.
Amartya Sen These: Die Situation ist symmetrisch: Es gibt keinen Grund für die Parteien, der reinen Positionierung im Zeitverlauf ein besonderes Gewicht zu geben.
>Zeitpräferenz/Sen.
I 295
Rawls: Dass wir eine Zeitpräferenz zurückweisen, ist nicht inkompatibel damit, dass wir Unsicherheiten und wechselnde Umstände in Betracht ziehen. Es schließt auch nicht aus, dass zeitlich begrenzte Investmentfonds Zinsen zahlen. Ausgeschlossen wird nur, dass in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft eine bestimmte Generation bevorzugt wird. >Umstände, >Generationengerechtigkeit.
Demokratie: Frage: widerspricht dies nicht den Prinzipien der Demokratie, die erfordern, dass die Wünsche der gegenwärtigen Generation berücksichtigt werden(3)(4)?
I 296
Rawls: Das hängt von der Interpretation ab. Nachdem der öffentliche Wille zum Ausdruck gebracht ist, kann er nicht übergangen werden.
I 297
Für eine allgemeinere Gestaltung sind aber zunächst unsere Prinzipien der Gerechtigkeit ausschlaggebend. >Prinzipien/Rawls.

1. H. Sidgwick The Methos of Ethics, 7. Ed. London, 1907, S. 381.
2. Siehe auch F.P. Ramsey, „A Mathematical Theory of Saving“, Economic Journal, Bd. 38, 1928.
(Nachdruck in Arrow and Scitovsky, Readings in Welfare Economics).
3. Vgl. A. Sen, „On Optimizing the Rate of Savings“, Economic Journal, 71, (1960) S. 482.
4. S. A. Marglin, „The Social Rate of Discount and the Optimal Rate of Investment“, Quarterly Journal of Iconomics, Bd. 77 (1963), S. 100-109.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Zeitpräferenz Sidgwick Rawls I 293
Zeitpräferenz/Rationalität/Sidgwick/Rawls: Rationalität impliziert, dass sie für die gesamte Spanne unseres Lebens gilt; dass etwas früher oder später geschieht, ist kein Grund, es stärker oder weniger stark zu berücksichtigen. >Rationalität, >Zeit, >Vergangenheit, >Gegenwart, >Zukunft.
Allerdings mag die unmittelbare Gegenwart oder nächste Zukunft einen Ausschlag geben bei der Beurteilung von Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit und wir sollten berücksichtigen, wie unsere unmittelbare Situation sich auswirkt.
>Wahrscheinlichkeit, >Situation, >Handlungen.
Rawls I 294
Aber nichts davon rechtfertigt eine Bevorzugung eines Gutes wegen seiner zeitlichen Positionierung.(1) >Rechtfertigung.

1. H. Sidgwick The Methos of Ethics, 7nd ed. London, 1907, p. 381.
Siehe auch
F.P. Ramsey, „A Mathematical Theory of Saving“, Economic Journal, vol. 38, 1928., Nachdruck in Arrow and Scitovsky, Readings in Welfare Economics.

Sidgwick I
Henry Sidgwick
Methods of Ethics 2017

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Zölle Alessandria Alessandria I 0
Reaktion auf Zölle/Zölle/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Wir bewerten die aggregierten Auswirkungen einer Änderung der Zölle auf die Volkswirtschaften der USA und der Welt, wenn die Zolleinnahmen zur Durchführung einer Steuerreform verwendet werden. Unser Modell kombiniert ein internationales Standardmodell der Fiskalpolitik mit Steuern und ein dynamisches Modell der Handelsbeteiligung und der Zölle, das Unsicherheit und Übergänge zulässt. Wir betrachten die Auswirkungen von permanenten und temporären Zöllen - mit und ohne Vergeltungsmaßnahmen - wenn die Zolleinnahmen zur Senkung der Steuern auf Kapital oder Arbeit oder zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden. Einkünfte: Im Vergleich zu einer pauschalen Umverteilung führt die Verwendung von Zolleinnahmen für diese Reformen immer zu einer Steigerung der Wirtschaftstätigkeit.
Langfristig/kurzfristig: Der Schlüssel zu unserer Analyse ist die Auswirkung der Handelsdynamik auf die Importsubstitution, so dass die Zolleinnahmen nach einer Erhöhung der Zölle kurzfristig höher sind als langfristig.
>Langfristig/kurzfristig.
BIP: Bei einer Erhöhung der Zölle um 20 Prozentpunkte sind die Mehreinnahmen am größten, wenn die Zölle befristet und einseitig sind und zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden; sie steigen um etwa 2 Prozent des BIP. Handelsbilanz: Auch in diesem Fall kommt es zu einer starken vorübergehenden Verbesserung der Handelsbilanz.
Wohlfahrt: Wir stellen fest, dass der wohlfahrtsmaximierende einseitige Zoll fast 18 Prozent beträgt, wenn die Zolleinnahmen zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden, verglichen mit 0 Prozent bei einer pauschalen Umverteilung.
Kapitalsteuern: Wir finden auch, dass eine Senkung der Kapitalsteuern nicht so viel Wachstum erzeugt wie die Einführung einer Investitionssubvention, da Zölle den Preis von Investitionen erheblich erhöhen.
>Besteuerung.
Alessandria I 1
Wohlfahrt: Der wohlfahrtsmaximierende Tarif hängt von der Dynamik der Tarifeinnahmen und der Tarif-Laffer-Kurve ab. >Laffer-Kurve, >Zölle, >Wohlfahrt.
Unsere Feststellung, dass ein Land und die Welt als Ganzes die Wohlfahrt steigern kann, indem es die Zölle erhöht, um Einnahmen zu generieren, anstatt sich ausschließlich auf verzerrende Kapital- und Arbeitssteuern zu verlassen, steht im Einklang mit der Theorie des zweitbesten Ergebnisses (Lipsey und Lancaster, 1956)(1).
>Theorie der zweitbesten Lösung.
Steuern: Unser Hauptbeitrag besteht in der quantitativen Bewertung des Tradeoffs zwischen Zolleinnahmen und anderen Steuern in einem dynamischen allgemeinen Gleichgewichtsmodell, das die wichtigsten Merkmale der Steueranalyse (Auerbach und Kotlikoff, 1987(2); Mendoza und Tesar, 1998(3); House und Shapiro, 2006(4); Trabandt und Uhlig, 2011)(5) und der dynamischen Handelsanalyse (Alessandria und Choi, 2014b(6); Alessandria et al., 2021(7); Mix, 2023)(8) enthält.
Wohlfahrt: Für unseren Basisfall stellen wir fest, dass eine dauerhafte einseitige Erhöhung des US-Importzolls von 4 Prozent auf 18 Prozent die Wohlfahrt maximiert, wenn diese Einnahmen zur Subventionierung von Investitionen in Sachkapital verwendet werden. Werden die Zolleinnahmen dagegen nur pauschal zurückerstattet, wie in Handelsanalysen mit Zöllen typischerweise angenommen wird, ist es nach unseren Ergebnissen einseitig optimal, die Zölle zu senken oder sogar Importe zu subventionieren. Diese krassen Unterschiede bedeuten, dass die Schätzungen der Vorteile (oder Kosten) von Zollerhöhungen, die fiskalische Kompromisse ignorieren, in einem Rahmen mit nur pauschaler Rückerstattung der Zolleinnahmen unterschätzt (übertrieben) werden. Darüber hinaus stellen wir fest, dass der wohlfahrtsmaximierende einseitige Zoll weitgehend unabhängig von den Merkmalen der Wirtschaft ist, die ihn von einer effizienten Allokation abbringen, sofern die Zolleinnahmen zum Ausgleich einer anderen Steuer verwendet werden. Der wohlfahrtsmaximierende Zoll hängt von der Dynamik der Zolleinnahmen ab, die hauptsächlich durch langfristige Importsubstitution bestimmt wird. Aufgrund der Dynamik dieser Substitution ist der Tarif, der den Gegenwartswert der Einnahmen maximiert, etwa halb so hoch wie der Tarif, der die kurzfristigen Einnahmen maximiert.
>Investitionen/Alessandria.
Alessandria I 25
Der Einfachheit halber betrachten wir* nur die Auswirkungen des permanenten einseitigen Zolls, der zur Subventionierung von Investitionen verwendet wird. Wir finden wichtige Unterschiede in Bezug auf die Handelselastizität. Ebenso finden wir bei Verwendung eines Handelsmodells ohne Handelsdynamik oder Erzeugerspannen erhebliche Unterschiede in der Dynamik der Wirtschaft. Wir stellen fest, dass die Einführung anfänglicher Handelsdefizite durch Vermögenspositionen nur geringe Auswirkungen auf unsere Ergebnisse hat. Auch die Veränderung der Ländergrößen durch Unterschiede in der Produktivität, der Arbeits- oder Kapitalintensität führt zu ähnlichen Ergebnissen.
Alessandria I 25
Die niedrigere Armington-Elastizität(9) senkt die kurz- und langfristigen Handelselastizitäten, was zu einer geringeren Substitution durch Importe, höheren Zolleinnahmen und einer größeren Steuersenkung führt. >Elastizität, >Langfristig/kurzfristig.
Nach der Einführung des Zolls kommt es zu einer etwas geringeren Abwertung. Langfristig steigen die Investitionen und damit der Konsum stärker. Die geringere Elastizität führt zu einer etwas anderen kurzfristigen Dynamik. Die Auswirkungen auf den Konsum und die Freizeit sind aufgrund des Standard-Wohlstandskanals etwas stärker. Diese haben bescheidene Auswirkungen auf die Handelsbilanz, aber der reale Wechselkurs wertet im Impact etwas stärker auf.
Alessandria I 31
Zölle/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Anhand eines dynamischen heterogenen Unternehmensmodells* untersuchen wir die aggregierten Auswirkungen von Zolländerungen, wenn die Einnahmen aus diesen Zöllen zum Ausgleich anderer verzerrender Steuern verwendet werden. Unser Modell* kombiniert Schlüsselelemente aus der Analyse der Finanz- und Handelspolitik, darunter eine realistische Zusammensetzung des Handels mit verschiedenen Arten von Gütern und Handelsfriktionen auf Unternehmensebene, die zu einer Dynamik auf Unternehmens- und Aggregatebene führen. Wir stellen fest, dass die aggregierten Auswirkungen einer Erhöhung der Zölle von folgenden Faktoren abhängen
(1) der Dauerhaftigkeit der Politik,
(2) dem Ausmaß ausländischer Vergeltungsmaßnahmen und
(3) der Verwendung der Zolleinnahmen.
Entscheidend für die aggregierte Reaktion ist die Dynamik der Zolleinnahmen, die von den Erwartungen der Haushalte und Unternehmen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit und Verwendung der Einnahmen abhängt, die wiederum bestimmen, wie schnell und in welchem Umfang die Akteure von Importen auf inländische Waren umsteigen.
Eine vorübergehende Zollgebühr bringt nachweislich die höchsten Einnahmen, da die Akteure nur langsam auf Ersatzprodukte umsteigen, aber ohne Senkung der Lohnsteuern oder Investitionssubventionen kann sie stark rezessionsfördernd wirken. In Übereinstimmung mit einer umfangreichen Literatur zu optimalen Zöllen stellen wir fest, dass ohne ausländische Vergeltungsmaßnahmen eine Anhebung der Zölle langfristig Vorteile bringen kann, insbesondere wenn die Einnahmen zum Ausgleich der Lohnsteuern oder zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden.
>Optimale Zölle, >Handelskriege, >Internationaler Handel, >Investitionen, >Zolleinnahmen.
Bei verzerrenden Steuern verbessern Zölle in Verbindung mit einer aus Zolleinnahmen finanzierten Steuerreform immer die Wohlfahrtsergebnisse, manchmal sogar erheblich. Selbst bei Vergeltungsmaßnahmen können aus Zolleinnahmen finanzierte Steuerreformen die Kosten einer Zollerhöhung erheblich mildern.
Unter allen Reformen führt die Subventionierung von Investitionen in der Regel zu den besten Wohlfahrtsergebnissen. Diese Erkenntnis hängt mit der Natur des Handels zusammen. Angesichts des hohen Anteils importierter Vorleistungen bei Investitionen steigt der Kapitalpreis als Reaktion auf Zölle, was die Kapitalakkumulation selbst bei Senkungen der Kapitalsteuer hemmt. Eine Investitionssubvention gleicht den gestiegenen Preis für Investitionen direkt aus und ist damit wirksamer als eine Senkung der Kapitalertragssteuer. Auch Senkungen der Arbeitssteuern sind in unserem Modell wirksamer als Senkungen der Kapitalsteuern, um die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln, da die Arbeit bei der Schaffung neuer Produkte eine wichtige Rolle spielt.
Wir abstrahieren von mehreren wichtigen internationalen Asymmetrien in Bezug auf Nettoauslandsvermögenspositionen, Kapitalintensität und verschiedene Margen, die unsere quantitativen Ergebnisse wahrscheinlich beeinflussen, aber leicht in unsere Analyse einbezogen werden können. Vorläufige Arbeiten deuten darauf hin, dass diese Margen bei unveränderter Zollpolitik nur geringe Auswirkungen haben. Wir stellen jedoch fest, dass der wohlfahrtsmaximierende Zoll erheblich variieren kann. Ebenso haben wir uns auf einen breiten und einfachen Zoll konzentriert. Die Heterogenität der Einfuhrzölle zwischen den Handelspartnern wird für die aggregierten Auswirkungen und einzelne Länder von Bedeutung sein, aber wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Verteilung der Zölle zwischen den Handelspartnern auf die USA relativ gering sein werden. Unser Modell berücksichtigt auch nicht, wie sich die Auswirkungen der Zölle und ihre Inzidenz auf heterogene Haushalte verteilen.
Alessandria I 32
(…) Unsere Erkenntnis, dass pauschale Rückerstattungen von Zolleinnahmen immer zu schlechteren Ergebnissen führen als Steuerreformen, legt nahe, dass bestehende Ergebnisse möglicherweise überprüft werden müssen. Tatsächlich stellen wir fest, dass der optimale Zollsatz gegenüber der Struktur des Modells recht stabil ist, wenn die Zolleinnahmen für Steuersenkungen verwendet werden. Diese Rahmenbedingung gilt nicht für die Analyse mit pauschaler Umverteilung der Zölle. >Zollgeschichte.

* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025

1. Lipsey, R. G. and Kelvin Lancaster, “The General Theory of Second Best,” The Review of Economic Studies, 1956, 24 (1), 11-32.
2. Auerbach, Alan J. and Laurence J. Kotlikoff, Dynamic Fiscal Policy, Cambridge University Press, 1987.
3. Mendoza, Enrique G. and Linda L. Tesar, “The International Ramifications of Tax Reforms: SupplySide Economics in a Global Economy,” The American Economic Review, 1998, 88 (1), 226-245.
4. House, Christopher L. and Matthew D. Shapiro, “Phased-In Tax Cuts and Economic Activity,” American Economic Review, December 2006, 96 (5), 1835-1849.
5. Trabandt, Mathias and Harald Uhlig, “The Laffer curve revisited,” Journal of Monetary Economics,2011, 58 (4), 305-327.
6. Alessandria, George and Horag Choi, “Establishment heterogeneity, exporter dynamics, and the effects of trade liberalization,” Journal of International Economics, 2014, 94 (2), 207-223.
7. Alessandria, George and Horag Choi, and Kim J. Ruhl, “Trade Adjustment Dynamics and the Welfare Gains from Trade,” Journal of International Economics, 2021, 131, Article 103458.
8. Mix, Carter, “The dynamic effects of multilateral trade policy with export churning,” International Economic Review, 2023, 64 (2), 653–689.
9. Gallaway, Michael P., Christine A. McDaniel, and Sandra A. Rivera, “Short-run and Long-run Industry level Estimates of U.S. Armington Elasticities,” The North American Journal of Economics and Finance, 2003, 14(1), 49-68.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Zölle Benguria Benguria I 1
Währungsaufwertung/-abwertung/Zölle/Benguria/Saffie: Wir stellen fest*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; im Gegenteil, höhere Zölle sind mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell übereinstimmt, das eine Reallokation des Handels zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in den Rest der Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden.
Benguria I 2
Über mehrere Spezifikationen mit verschiedenen Kontrollen hinweg stellen wir eine bilaterale Abwertung des Dollars fest. Diese wird von Ländern mit einem frei schwankenden Wechselkursregime verursacht und ist nur in einigen unserer Regressionen statistisch signifikant. Dies steht im Gegensatz zu den Erwartungen der bestehenden Theorie, die besagt, dass US-Zölle die Nachfrage nach ausländischen Währungen verringern und zu einer Aufwertung des Dollars führen würden. Wenn die US-Importe in US-Dollar fakturiert werden, würden wir keine oder nur eine geringe Reaktion des Wechselkurses erwarten. Wir stellen fest, dass diese Ergebnisse robust sind, wenn wir in unsere Regressionen eine Komponente aufnehmen, die die Produktausschlüsse in der Zollankündigung erfasst.
>Währung, >Aktienkurse, >Elastizität.
Benguria I 1
Aktienkurse/Zölle/Benguria/Saffie: Wir finden*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; höhere Zölle sind vielmehr mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell vereinbar ist, das Handelsreallokationen zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in die übrige Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden.
Benguria I 3
Es gibt (...) neuere Arbeiten, die sich auf den Zusammenhang zwischen Handelspolitik und Aktienkursen im Zusammenhang mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China konzentrieren [Amiti et al.(1), 2024, Huang et al., 2023](2) (...). >Internationaler Handel, >Handelspolitik, >Handelskriege.

* Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 02138 July 2025

1. M. Amiti, M. Gomez, S. H. Kong, and D. E. Weinstein. Trade protection, stock-market returns, and welfare. NBER Working Paper No. 28758, 2024.
2. Y. Huang, C. Lin, S. Liu, and H. Tang. Trade networks and firm value: Evidence from the US-China
trade war. Journal of International Economics, 145:103811, 2023.

Benguria I
Felipe Benguria
Felipe Saffie
Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025
Zölle Trump-Administration Benguria I 1
Währungsaufwertung/-abwertung/Zölle/Benguria/Saffie: Wir stellen fest*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; im Gegenteil, höhere Zölle sind mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell übereinstimmt, das eine Reallokation des Handels zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in den Rest der Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden.
Benguria I 2
Über mehrere Spezifikationen mit verschiedenen Kontrollen hinweg stellen wir eine bilaterale Abwertung des Dollars fest. Diese wird von Ländern mit einem frei schwankenden Wechselkursregime verursacht und ist nur in einigen unserer Regressionen statistisch signifikant. Dies steht im Gegensatz zu den Erwartungen der bestehenden Theorie, die besagt, dass US-Zölle die Nachfrage nach ausländischen Währungen verringern und zu einer Aufwertung des Dollars führen würden. Wenn die US-Importe in US-Dollar fakturiert werden, würden wir keine oder nur eine geringe Reaktion des Wechselkurses erwarten. Wir stellen fest, dass diese Ergebnisse robust sind, wenn wir in unsere Regressionen eine Komponente aufnehmen, die die Produktausschlüsse in der Zollankündigung erfasst.
>Währung, >Aktienkurse, >Elastizität.
Benguria I 1
Aktienkurse/Zölle/Benguria/Saffie: Wir finden*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; höhere Zölle sind vielmehr mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell vereinbar ist, das Handelsreallokationen zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in die übrige Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden.
Benguria I 3
Es gibt (...) neuere Arbeiten, die sich auf den Zusammenhang zwischen Handelspolitik und Aktienkursen im Zusammenhang mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China konzentrieren [Amiti et al.(1), 2024, Huang et al., 2023](2) (...). >Internationaler Handel, >Handelspolitik, >Handelskriege.

* Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 02138 July 2025

1. M. Amiti, M. Gomez, S. H. Kong, and D. E. Weinstein. Trade protection, stock-market returns, and welfare. NBER Working Paper No. 28758, 2024.
2. Y. Huang, C. Lin, S. Liu, and H. Tang. Trade networks and firm value: Evidence from the US-China
trade war. Journal of International Economics, 145:103811, 2023.



Aguiar I 2
Zölle/Wirtschaftstheorien/Aguiar/Amador/Fitzgerald: Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse gibt es mehrere neue Veröffentlichungen zu den Wechselwirkungen zwischen Zöllen und Handelsdefiziten. Pujolas und Rossbach (2024)(1) untersuchen die Wohlfahrtseffekte von Handelskriegen in einem Armington-Modell mit Handelsungleichgewichten, in dem Länder exogene internationale Netto- (aber keine Brutto-) Positionen haben.
>Handelskriege.
Ignatenko et al. (2025)(2) quantifizieren die Wohlfahrtseffekte von Zöllen in einem Modell mit Handelsungleichgewichten, in dem die Nettoauslandsvermögenspositionen gegeben sind, die Handelsdefizite jedoch endogen auf die Politik reagieren.
Costinot und Werning (2025)(3) analysieren ein dynamisches Modell mit festen Terms of Trade und untersuchen die Auswirkungen einer dauerhaften Erhöhung der Zölle auf das Handelsdefizit, indem sie die Anreize der inländischen Haushalte zum Sparen und Konsumieren beeinflussen.
In einer sehr ähnlichen und zeitgleichen Veröffentlichung argumentieren Itskhoki und Mukhin (2025)(4), dass Zölle ohne Bewertungseffekte keinen Einfluss auf das langfristige Handelsdefizit haben.

1. Pujolas, Pau and Jack Rossbach (Nov. 2024). Trade Wars with Trade Deficits. en. SSRN Scholarly Paper. Rochester, NY.
2. Ignatenko, Anna et al. (2025). “Making America Great Again? The Economic Impacts of Liberation Day Tariffs”.
3. Costinot, Arnaud and Ivan Werning (Apr. 2025). ´ How Tariffs Affect Trade Deficits. Working Paper.
4. Itskhoki, Oleg and Dmitry Mukhin (2025). “Can a tariff be used to close a long-run trade deficit?”
Kehoe, Timothy J (1998). “Uniqueness and Stability”. Elements of General Equilibrium Analysis. Ed. by Alan P Kirman. Basil Blackwell, pp. 38–87.

Benguria I
Felipe Benguria
Felipe Saffie
Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025

Aguiar I
Mark A. Aguiar
Amador
Doireann Fitzgerald,
Tariff Wars and Net Foreign Assets. NBER Working paper 33743.Doi 10.3386/w33743. May 2025. Cambridge, MA 2025
Zolleinnahmen Alessandria Alessandria I 2
Zolleinnahmen/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Wir* betrachten vier Möglichkeiten der Verwendung von Zolleinnahmen. Wir lassen Zolleinnahmen: 1) pauschal zurückerstattet werden, 2) die Arbeitseinkommenssteuer reduzieren, 3) die Kapitaleinkommenssteuer reduzieren oder 4) zur Subventionierung von Investitionen in Sachkapital verwendet werden. Während die ersten drei Maßnahmen natürlich sind, glauben wir, dass es mehrere Gründe gibt, diese letzte Maßnahme in Betracht zu ziehen. >Zölle, >Zollreagibilität, >Besteuerung, >Einkommenssteuer.
Erstens: Aufgrund der Quellen des Kapitaleinkommens, der Unternehmensgewinne und der Kapitalrenten, steht dieser letzte Fall in engem Zusammenhang mit fiskalpolitischen Arbeiten, die für niedrige Kapitalsteuern zur Förderung der Kapitalakkumulation plädieren. Zweitens wird eine Erhöhung der Zölle aufgrund des hohen Importanteils von Investitionsgütern die Investitionen verteuern und damit die Kapitalakkumulation behindern. Die Investitionszulage wird diesen Effekt jedoch mehr als ausgleichen. Soweit diese Maßnahmen auf die Erhöhung des Kapitalstocks abzielen, ist dies ein wirksamerer Ansatz als die Senkung der Kapitalertragssteuer.
Und schließlich erzeugt diese Art von Subvention während des Übergangs die stärkste Produktionsreaktion, da sie Investitionen fördert, während die Kapitaleinkommenssteuer vor allem Kapitalbesitzern zugute kommt. Wir stellen fest, dass es immer besser ist, die Tarifsteuereinnahmen zum Abbau einer anderen Verzerrung zu verwenden, als sie pauschal zu erstatten, und dass die Wohlfahrtsunterschiede groß sein können.
>Wohlfahrt/Alessandria.
Alessandria I 4
Die Dynamik der Zolleinnahmen (...) wird weitgehend durch die Handelselastizität - die Veränderung des Handels bei einer Veränderung der Zölle - und die Veränderung der Zölle bestimmt. >Elastizität.
Die Einnahmen, die durch Zölle erzielt werden können, hängen vom Substitutionspfad zwischen Importen und inländischen Waren (oder zwischen Quellen mit und ohne Zölle) und der Nachfrage nach Endprodukten ab, die intensiv mit importierten Waren hergestellt werden. Über das Ausmaß der Substitution über verschiedene Zeithorizonte hinweg herrscht große Uneinigkeit. Jüngste Arbeiten von Alessandria et al. (2025a,c)(1,2) über Einfuhren aus den USA und China und die Handelspolitik über einen langen Zeitraum hinweg kommen zu dem Ergebnis, dass die Handelselastizität im ersten Jahr bei etwa 3 liegt und über einen längeren Zeitraum auf 12 oder mehr ansteigt. Hoang und Mix (2023)(3) und Alessandria et al. (2025d)(4) stellen eine Handelselastizität von etwa 3 bei den ersten Auswirkungen fest, die sich fünf Jahre später fast verdoppelt hat. Sie argumentieren, dass diese Substitution durch die mögliche Umkehrung der Zölle verlangsamt wurde, was die Unternehmen dazu veranlasst, sich langsam aus dem Exportmarkt zurückzuziehen.
Unser Modell* enthält eine kurzfristige Elastizität von etwa 3,75, die bei einer dauerhaften Tarifänderung auf etwa 7 ansteigt. Wir zeigen, dass die Abstraktion von den Margen, die zu diesen Anpassungen führen, die Einnahmegewinne überbewerten und zu einer sehr unterschiedlichen Übergangsdynamik führen würde. In Übereinstimmung mit dieser Handelsdynamik impliziert unser Modell, dass Zölle anfangs mehr Einnahmen bringen als langfristig, wenn die inländischen Haushalte von importierten Waren abrücken. Die Geschwindigkeit dieser Anpassung wird durch die erwartete Dauerhaftigkeit des Zolls beeinflusst.
Erwartungen: Wenn Zölle als dauerhaft wahrgenommen werden, sinken die Einnahmen schneller, da exportierende Unternehmen in dem verzollten Land aus dem Markt ausscheiden, wodurch die Preise steigen und sich der Handel schnell anpasst. Werden die Zölle dagegen als vorübergehend wahrgenommen, zögern dieselben Unternehmen eher, den Markt zu verlassen, wodurch die Preise niedriger bleiben und die Anpassung des Handels verlangsamt wird. Somit sinken die Zolleinnahmen langsamer.
Alessandria I 23
Ähnlich wie beim Handelskrieg führt die Verwendung von Zolleinnahmen zur Senkung der Steuern auf Kapital und Investitionen zu größeren und dauerhafteren Einnahmensteigerungen. Dies ermöglicht eine stärkere steuerliche Entlastung der US-Wirtschaft, wobei die Investitionssubvention etwa 19 Prozent beträgt und die Kapitalertragssteuer auf etwa fünf Prozent gesenkt wird ((s) Im Modell*). >Handelskriege/Alessandria.

* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025

1. George A. Alessandria, Shafaat Yar Khan, Armen Khederlarian, Kim J Ruhl, and Joseph B Steinberg, “Recovering Credible Trade Elasticities from Incredible Trade Reforms,” Working Paper 33568, National Bureau of Economic Research March 2025.
2. George A. Alessandria, Shafaat Khan, and Armen Khederlarian, “Inventories, Integration, Productivity and Welfare,” AEA Papers and Proceedings, May 2025, 115.
3. Hoang, Trang and Carter B. Mix, “Trade Wars and Rumors of Trade Wars: The Dynamic Effects of the U.S.–China Tariff Hikes,” 2023. Mimeo.
4. George A. Alessandria, Kim J. Ruhl, and Joseph B. Steinberg, “Trade Policy Dynamics: Evidence from 60 Years of US-China Trade,” Journal of Political Economy, 2025, 133 (3), 713–749.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Zollreaktionen Alessandria Alessandria I 0
Reaktion auf Zölle/Zölle/Alessandria/Ding/Khan/Mix: Wir bewerten die aggregierten Auswirkungen einer Änderung der Zölle auf die Volkswirtschaften der USA und der Welt, wenn die Zolleinnahmen zur Durchführung einer Steuerreform verwendet werden. Unser Modell kombiniert ein internationales Standardmodell der Fiskalpolitik mit Steuern und ein dynamisches Modell der Handelsbeteiligung und der Zölle, das Unsicherheit und Übergänge zulässt. Wir betrachten die Auswirkungen von permanenten und temporären Zöllen - mit und ohne Vergeltungsmaßnahmen - wenn die Zolleinnahmen zur Senkung der Steuern auf Kapital oder Arbeit oder zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden. Einkünfte: Im Vergleich zu einer pauschalen Umverteilung führt die Verwendung von Zolleinnahmen für diese Reformen immer zu einer Steigerung der Wirtschaftstätigkeit.
Langfristig/kurzfristig: Der Schlüssel zu unserer Analyse ist die Auswirkung der Handelsdynamik auf die Importsubstitution, so dass die Zolleinnahmen nach einer Erhöhung der Zölle kurzfristig höher sind als langfristig.
>Kurze und lange Frist.
BIP: Bei einer Erhöhung der Zölle um 20 Prozentpunkte sind die Mehreinnahmen am größten, wenn die Zölle befristet und einseitig sind und zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden; sie steigen um etwa 2 Prozent des BIP. Handelsbilanz: Auch in diesem Fall kommt es zu einer starken vorübergehenden Verbesserung der Handelsbilanz.
Wohlfahrt: Wir stellen fest, dass der wohlfahrtsmaximierende einseitige Zoll fast 18 Prozent beträgt, wenn die Zolleinnahmen zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden, verglichen mit 0 Prozent bei einer pauschalen Umverteilung.
Kapitalsteuern: Wir finden auch, dass eine Senkung der Kapitalsteuern nicht so viel Wachstum erzeugt wie die Einführung einer Investitionssubvention, da Zölle den Preis von Investitionen erheblich erhöhen.
>Besteuerung.
Alessandria I 1
Wohlfahrt: Der wohlfahrtsmaximierende Tarif hängt von der Dynamik der Tarifeinnahmen und der Tarif-Laffer-Kurve ab. >Laffer-Kurve, >Zölle, >Wohlfahrt.
Unsere Feststellung, dass ein Land und die Welt als Ganzes die Wohlfahrt steigern kann, indem es die Zölle erhöht, um Einnahmen zu generieren, anstatt sich ausschließlich auf verzerrende Kapital- und Arbeitssteuern zu verlassen, steht im Einklang mit der Theorie des zweitbesten Ergebnisses (Lipsey und Lancaster, 1956)(1).
>Theorie der zweitbesten Lösung.
Steuern: Unser Hauptbeitrag besteht in der quantitativen Bewertung des Tradeoffs zwischen Zolleinnahmen und anderen Steuern in einem dynamischen allgemeinen Gleichgewichtsmodell, das die wichtigsten Merkmale der Steueranalyse (Auerbach und Kotlikoff, 1987(2); Mendoza und Tesar, 1998(3); House und Shapiro, 2006(4); Trabandt und Uhlig, 2011)(5) und der dynamischen Handelsanalyse (Alessandria und Choi, 2014b(6); Alessandria et al., 2021(7); Mix, 2023)(8) enthält.
Wohlfahrt: Für unseren Basisfall stellen wir fest, dass eine dauerhafte einseitige Erhöhung des US-Importzolls von 4 Prozent auf 18 Prozent die Wohlfahrt maximiert, wenn diese Einnahmen zur Subventionierung von Investitionen in Sachkapital verwendet werden. Werden die Zolleinnahmen dagegen nur pauschal zurückerstattet, wie in Handelsanalysen mit Zöllen typischerweise angenommen wird, ist es nach unseren Ergebnissen einseitig optimal, die Zölle zu senken oder sogar Importe zu subventionieren. Diese krassen Unterschiede bedeuten, dass die Schätzungen der Vorteile (oder Kosten) von Zollerhöhungen, die fiskalische Kompromisse ignorieren, in einem Rahmen mit nur pauschaler Rückerstattung der Zolleinnahmen unterschätzt (übertrieben) werden. Darüber hinaus stellen wir fest, dass der wohlfahrtsmaximierende einseitige Zoll weitgehend unabhängig von den Merkmalen der Wirtschaft ist, die ihn von einer effizienten Allokation abbringen, sofern die Zolleinnahmen zum Ausgleich einer anderen Steuer verwendet werden. Der wohlfahrtsmaximierende Zoll hängt von der Dynamik der Zolleinnahmen ab, die hauptsächlich durch langfristige Importsubstitution bestimmt wird. Aufgrund der Dynamik dieser Substitution ist der Tarif, der den Gegenwartswert der Einnahmen maximiert, etwa halb so hoch wie der Tarif, der die kurzfristigen Einnahmen maximiert.
>Investitionen/Alessandria.
Alessandria I 25
Der Einfachheit halber betrachten wir* nur die Auswirkungen des permanenten einseitigen Zolls, der zur Subventionierung von Investitionen verwendet wird. Wir finden wichtige Unterschiede in Bezug auf die Handelselastizität. Ebenso finden wir bei Verwendung eines Handelsmodells ohne Handelsdynamik oder Erzeugerspannen erhebliche Unterschiede in der Dynamik der Wirtschaft. Wir stellen fest, dass die Einführung anfänglicher Handelsdefizite durch Vermögenspositionen nur geringe Auswirkungen auf unsere Ergebnisse hat. Auch die Veränderung der Ländergrößen durch Unterschiede in der Produktivität, der Arbeits- oder Kapitalintensität führt zu ähnlichen Ergebnissen.
Alessandria I 25
Die niedrigere Armington-Elastizität(9) senkt die kurz- und langfristigen Handelselastizitäten, was zu einer geringeren Substitution durch Importe, höheren Zolleinnahmen und einer größeren Steuersenkung führt. >Elastizität, >Langfristig/kurzfristig.
Nach der Einführung des Zolls kommt es zu einer etwas geringeren Abwertung. Langfristig steigen die Investitionen und damit der Konsum stärker. Die geringere Elastizität führt zu einer etwas anderen kurzfristigen Dynamik. Die Auswirkungen auf den Konsum und die Freizeit sind aufgrund des Standard-Wohlstandskanals etwas stärker. Diese haben bescheidene Auswirkungen auf die Handelsbilanz, aber der reale Wechselkurs wertet im Impact etwas stärker auf.

* George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025

1. Lipsey, R. G. and Kelvin Lancaster, “The General Theory of Second Best,” The Review of Economic Studies, 1956, 24 (1), 11-32.
2. Auerbach, Alan J. and Laurence J. Kotlikoff, Dynamic Fiscal Policy, Cambridge University Press, 1987.
3. Mendoza, Enrique G. and Linda L. Tesar, “The International Ramifications of Tax Reforms: SupplySide Economics in a Global Economy,” The American Economic Review, 1998, 88 (1), 226-245.
4. House, Christopher L. and Matthew D. Shapiro, “Phased-In Tax Cuts and Economic Activity,” American Economic Review, December 2006, 96 (5), 1835-1849.
5. Trabandt, Mathias and Harald Uhlig, “The Laffer curve revisited,” Journal of Monetary Economics,2011, 58 (4), 305-327.
6. Alessandria, George and Horag Choi, “Establishment heterogeneity, exporter dynamics, and the effects of trade liberalization,” Journal of International Economics, 2014, 94 (2), 207-223.
7. Alessandria, George and Horag Choi, and Kim J. Ruhl, “Trade Adjustment Dynamics and the Welfare Gains from Trade,” Journal of International Economics, 2021, 131, Article 103458.
8. Mix, Carter, “The dynamic effects of multilateral trade policy with export churning,” International Economic Review, 2023, 64 (2), 653–689.
9. Gallaway, Michael P., Christine A. McDaniel, and Sandra A. Rivera, “Short-run and Long-run Industry level Estimates of U.S. Armington Elasticities,” The North American Journal of Economics and Finance, 2003, 14(1), 49-68.

Alessandria I
George A. Alessandria
Jiaxiaomei Ding
Shafaat Y. Khan,
The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025
Zollreaktionen Wirtschaftstheorien Benguria I 2
Zollreaktionen/Wirtschaftstheorien/Benguria/Saffie: Eine wachsende Literatur hat die Auswirkungen von Zöllen dokumentiert, die durch die Änderungen der US- und globalen Handelspolitik seit 2018 ausgelöst wurden [Amiti et al., 2019(1), Fajgelbaum et al., 2020(2), Flaaen et al., 2020(3), Cavallo et al, 2021(4), Benguria et al., 2022(5), Benguria und Saffie, 2024(6), Blanchard et al., 2024(7), Bonadio et al., 2024(8), Chor und Li, 2024(9), Fajgelbaum et al, 2024(10), Freund et al., 2024(11), Hankins et al., 2024(12), Benguria und Saffie, 2025(13), Gopinath et al., 2025(14), Handley et al., 2025(15). Jüngste Arbeiten haben damit begonnen, die Folgen von Änderungen der US-Handelspolitik im Jahr 2025 zu analysieren, einschließlich der Zölle vom 2. April, auf die wir uns in dieser Arbeit * konzentrieren.
Ignatenko et al. [2025](16) entwickeln ein quantitatives Modell zur Analyse der langfristigen Auswirkungen dieser Zölle und der möglichen Vergeltungsmaßnahmen der US-Handelspartner. Rodriguez-Clare et al. [2025](17) analysieren die jüngsten US-Zölle auf Kanada, Mexiko und China sowie die Zölle vom 2. April anhand eines Modells mit nach unten gerichteter Nominallohnstarrheit und verteilen die Auswirkungen auf die US-Bundesstaaten und das Ausland. Cavallo et al. [2025](18) messen die Reaktion der Einzelhandelspreise auf die verschiedenen handelspolitischen Maßnahmen des Jahres 2025.

* Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 02138 July 2025

1. M. Amiti, S. J. Redding, and D. Weinstein. The impact of the 2018 trade war on US prices and welfare. Journal of Economic Perspectives, 33(4):187–210, 2019.
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6. F. Benguria and F. Saffie. Escaping the trade war: Finance and relational supply chains in the
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7. E. J. Blanchard, C. P. Bown, and D. Chor. Did Trump’s trade war impact the 2018 election? Journal of International Economics, 148:103891, 2024.
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9. D. Chor and B. Li. Illuminating the effects of the US-China tariff war on China’s economy. Journal of International Economics, 150:103926, 2024.
10. P. Fajgelbaum, P. Goldberg, P. Kennedy, A. Khandelwal, and D. Taglioni. The US-China trade war and global reallocations. American Economic Review: Insights, 6(2):295–312, 2024.
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12. K. W. Hankins, M. Momeni, and D. Sovich. Consumer credit and the incidence of tariffs: Evidence from the auto industry. 2024.
13. F. Benguria and F. Saffie. Beyond tariffs: How did China’s state-owned enterprises shape the US-China trade war? 2025.
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15. K. Handley, F. Kamal, and R. Monarch. Rising import tariffs, falling exports: When modern supply chains meet old-style protectionism. American Economic Journal: Applied Economics, 17(1):208–238, 2025.
16. A. Ignatenko, A. Lashkaripour, L. Macedoni, and I. Simonovska. Making America great again? The economic impacts of Liberation Day tariffs. NBER Working Paper, 2025.
17. A. Rodriguez-Clare, M. Ulate, and J. P. Vasquez. The 2025 trade war: Dynamic impacts across US states and the global economy. NBER Working Paper, 2025.
18. A. Cavallo, P. Llamas, and F. Vazquez. Tracking the short-run price impact of US tariffs. Working Paper, 2025.

Benguria I
Felipe Benguria
Felipe Saffie
Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025