Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
[englisch]

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Absolutheit Hegel Bubner I 182
Absoluter Geist/Hegel: die ewige an und für sich seiende Idee betätigt sich als absoluter Geist, erzeugt und genießt. (Nach Aristoteles, wo als oberste Tätigkeit der Vernunft das Sich-selbst-Denken ausgezeichnet ist.
I 183
Absolutes/HegelVsAristoteles: bei ihm passt das Absolute in den Kategorien einer sich mit sich selbst zusammenschließenden Einheit, die nahtlos auf das systematische Philosophien passen. Geht also darüber hinaus, indem er die Theorie des Guten nicht einem Teilbereich der Metaphysik vorbehält. So bedeutet Gotteslehre Philosophieren in enzyklopädisch umfassender Dimension. Da gibt es keinen höchsten Gegenstand mehr.
HegelVsAristoteles: Außerdem: Abschied von der Teleologie der Natur. Stattdessen: Subjektivitätsprinzip. Herzschlag des Ganzen. Die alles durchwaltende Energeia wird der Denktätigkeit zugeschlagen.
I 184
Absolutheit/Hegel/Bubner: Absolutheit der Idee stellt sich als die Methode der Logik dar, und erfüllt mit diesem typisch neuzeitlichen Kunstgriff die Bedingung der Selbstbezüglichkeit.
Adorno XII 115
Absolutheit/Bewusstsein/Hegel/Adorno: durch die Annahme einer absoluten Identität von Seiendem und Geist hat Hegel den ontologischen Gottesbeweis zu retten versucht. Diese Annahme ist eigentlich der Inhalt seiner Philosophie. (>Absoluter Geist). KantVsHegel: bestreitet eine solche Identität zwischen dem, was ist, und unserem Bewusstsein.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
al-Farabi Höffe Höffe I 122
Al-Farabi/Höffe: Al-FarabiVsAl-Kindi: al-Fārābī (um 870–950), setzt sich nachdrücklich gegen al-Kindī ab.
Höffe I 123
Aristoteles/al-Farabi: In welcher Form al-Fārābī Platons Politeia vorlag, ist ungeklärt; von Aristoteles’ Politik waren ihm nur einzelne Abschnitte bekannt. Religion/Philosophie/Islam: Al-Fārābī kritisiert nicht den Islam, denn wie al-Kindī ist er überzeugt, dass Philosophie und Religion dieselbe Wahrheit vertreten. Dabei hat die Philosophie mit ihren Begriffen und Argumenten der mit Bildern und Gleichnissen operierenden Religion zu dienen.
Politik/al-Farabi: hier insbesondere die Schrift Mabādi‘ ārā ahl al-madīna al-fādila: Die Prinzipien der Ansichten
Höffe I 124
der Bewohner eines vortrefflichen Staates (942/43), knapper: Der vortreffliche Staat oder auch Der Musterstaat. (Madīna mag zwar wörtlich «Stadt» heißen, in der Sache geht es dem Text jedoch um ein Gemeinwesen, einen Staat.) al-FarabiVsAristoteles: Philosophiegeschichtlich gesehen besteht [die Schrift] in einem Bekenntnis zu Platon und dem Neuplatonismus. Im Gegensatz zu Aristoteles hat der vortreffliche Staat seinen Ort in einer metaphysisch begründeten Gesamtstruktur des Seins.

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016
Aufklärung Antike Philosophie Taureck I 35
Aufklärung/Taureck: Frage. können wir die modernen Züge der Sophisten mit der Aufklärung vergleichen? Bsp Nomos/Sophisten: "Gesetze der Götter" reichen nicht mehr aus, um die gesellschaftlichen Bindekräfte zu erklären.
Aufklärung/Taureck: 18. Jahrhundert; Hauptvertreter d'Alembert, Diderot, Rousseau, Voltaire. Interessierten sich ihrerseits nicht ausgeprägt für die Sophisten.
Encyclopédie 1765.
I 36
Aufklärung/Taureck: heute sieht man 5 Merkmale für die Aufklärung: 1. Naturrechtliche Begründung politischer und juristischer Normen. Nicht faktisch geltende traditionelle Normen, sondern natürliche Bestimmungen der Menschen, die Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verlangen. (Rousseau verwahrt sich jedoch gegen die Abschaffung gesellschaftlicher Institutionen, die nur die Ersetzung der Korruption durch brigandage (Gangstertum) bedeute).
Zu der Zeit war die absolute Monarchie nahezu überall in Europa die gängige Staatsform.
I 37
Sophisten/Taureck: waren in einer Situation, in der sie nach Grundlagen für die Praxis einer "direkten" Demokratie suchten, die in Athen und anderen Städten gelebt wurde, ohne an geltende universelle Werturteile gebunden zu sein, weil es solche nicht gab. Die Physis konnte offenbar (laut Platons Kallikles) als Rechtstitel für eine Ermächtigung des Starken gegen die Gemeinschaft verstanden werden.
Aufklärung/Taureck:
2. Merkmal: Def Deismus: natürliche Religion, das Vernünftigkeit und Duldsamkeit der Religionen untereinander einschließt: Gott als Urheber der Natur, die Vernunft versetzt die Menschen in die Lage, die sittlichen Vorschriften des Urhebers erfüllen zu können.
I 39
Aufklärung/Taureck: 3. Merkmal: Ersetzung der Metaphysik durch Erkenntniskritik.
Def Metaphysik/Encyclopedie: "Wissenschaft von den Gründen der Dinge".
Weil alle Maler, Musiker, Geometer, Dichter Gründe benötigen, hat dann jeder seine eigene Metaphysik. Das führt zu einer leeren und "verächtlichen" Wissenschaft
I 39
Metaphysik/Sophisten/Taureck: kannten noch nicht den später von Platon und Aristoteles entwickelten Begriff. Jedenfalls waren sie stärker an Erkenntniskritik orientiert. .
Aufklärung/Taureck:
4. Merkmal: Neuorientierung der Naturwissenschaft.
I 40
Newton,GalileiVsAristoteles: Bewegung nicht mehr als zielgerichtetes Phänomen sondern durch Kausalität zu verstehen. Mechanik/Physik/Sophisten/Taureck: die Sophisten kannten die Teleologie des Aristoteles noch nicht.
Aufklärung/Taureck:
5. Merkmal: ästhetische Theorie, nach der das Schöne unabhängig von Maßstäben des Sozialen zu beurteilen ist.




Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Benennen Geach I 52
Benennen/Denotation/Zwei-Namen-Theorie/ZNT/GeachVsAristoteles: Falsche Angleichung von Prädikation und Benennen: als ob Prädikate (komplexe) Namen wären: "auf der Matte" - Bsp ((s) "Der Erstecher-von-Cäsar erstach den von Brutus erstochenen.") Geach: Außerdem würde noch ein Bindeglied gebraucht.
Zwei-Namen-Theorie: "Sokrates ist Philosoph" soll wahr sein, weil dieselbe Sache benannt wird - Vs: "Philosoph" (allgemeiner Term) ist kein Name für "alle (oder jeden) Philosophen".
I 153f
Intentionalität/Benennen/Parmenides/Geach: Man kann nichts benennen, was es nicht gibt. - (Geach pro) - ((s) Existenzeinführung ist nicht beliebig, nicht ohne Prämisse). Bsp Geach träumte von einem Mädchen und will es "Pauline" nennen - andererseits reicht Bekanntschaft; Gegenwart ist nicht erforderlich.
Problem: Ist das Mädchen noch imaginärer, wenn er gar nicht von ihm geträumt hat? - Geach: Das ist ein sicheres Zeichen, dass das alles Unsinn ist. - Geach mit Parmenides: "Es gibt nur das, was es gibt."
GeachVsParmenides: Allerdings kann man über nichtexistente Objekte reden. - Bsp Über einen abwesenden Freund reden ohne zu wissen, dass er tot ist, ändert den Wahrheitswert, aber nicht die Tatsache, dass es Sätze sind. - Imaginäre Mädchen sind nicht im Rennen um die Identifikation im Traum. - Wenn es von keinem identifizierbaren Mädchen wahr ist, dass ich von ihm geträumt habe, dann habe ich von keinem Mädchen geträumt.
Lösung: "Ich träumte von einem Mädchen, aber es ist nicht wahr von einem bestimmten Mädchen, dass ich von ihm träumte." - Ähnlich wie: Es ist nicht wahr von einer bestimmten Briefmarke, dass ich sie will.
I 252
Prädikation/Geach: Prädikation kann ohne Benennen geschehen: In einem Wenn-dass-Satz oder in einem Oder-Satz kann ein Term P von einem Ding prädiziert werden, ohne das Ding damit "P" zu nennen. - Bsp "Wenn das, was der Polizist gesagt hat, wahr ist, dann ist er schneller als 60 gefahren". Das nennt den Satz des Polizisten nicht wahr. - (> Konditional). Prädikation/Benennen: Jahrhundertealter Fehler: Dass das Prädikat vom Ding ausgesagt wird.
Frege: Unterschied Behauptung/Prädikation: um ein Ding "P" zu nennen, muss ein Satz behauptet werden! Aber eine Eigenschaft wird auch in einem nicht-behauptenden Nebensatz (Teilsatz) prädiziert. - Daher muss Benennen durch Prädikation erklärt werden, nicht umgekehrt.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Bestätigung Hempel Bubner I 125
Bestätigung/Hempel/Wissenschaftstheorie/Bubner: Mit dem Verhältnis der logischen Inklusion von Sätzen, umgeht er ein entscheidendes Problem der Induktion. Sowohl hypothetisch geltende Gesetze oder Allaussagen, als auch Einzelaussagen aus Beobachtung sind als Sätze Gegenstand logischer Betrachtung.
Formale Regeln der Ableitung: Rehabilitierung der Deduktion.
Mit P. Oppenheim: D-N-Modell: Die deduktiv-nomologische Erklärung ist eine wissenschaftliche Erklärung als logische Operation mit Sätzen, eine Subsumtion von Sätzen unter Sätze. Das Explanandum wird subsumiert unter Erklärungsgründe (Explanas).
Das Explanans zerfällt in Antezedensbedingungen (C1,C2,...Ck), die ein Ereignis beschreiben, und allgemeine Gesetzesaussagen (L1.L2...Lr).

I 127
Deduktionsschema/Hempel:
C1,C2,...Ck
L1,L2,....Lr
E (Beschreibung des Phänomens) Die Gesetze fallen also unter die Prämissen. (Einzige wesentliche Neuerung VsAristoteles.)

GoodmanVsHempel: Wir brauchen gesetzesartige Aussagen statt Gesetze!
Induktion: Das "neue Rätsel der Induktion" betrifft nicht die Bestätigung sondern die ursprüngliche Bildung von Hypothesen.

Hempel I
Carl Hempel
"On the Logical Positivist’s Theory of Truth" in: Analysis 2, pp. 49-59
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Hempel II
Carl Hempel
Probleme und Modifikationen des empiristischen Sinnkriteriums
In
Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982

Hempel II (b)
Carl Hempel
Der Begriff der kognitiven Signifikanz: eine erneute Betrachtung
In
Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Bewegung Bigelow I 63
Bewegung/Veränderung/Bigelow/Pargetter: war immer ein Problem, Bsp Bewegung als Ortsveränderung: scheint einen Widerspruch zu implizieren. Bsp die Veränderung einer Scheibe von rund zu quadratisch: scheint zu implizieren, dass sie sowohl rund als auch quadratisch ist. Widerspruch.
Lösung/Ockham/Mittelalter/Bigelow/Pargetter: verschiedene Zeitpunkte. (Doktrin der wechselnden Formen, forma fluens).
Problem: was ist der Unterschied zwischen
a) einer wechselnden Form und
b) dem Wechsel von Formen? ((s) eine/mehrere).
Veränderung: ist einmal selbst das Thema, einmal ist es die Form.
I 64
NewtonVsOckham: die Gegenposition war, dass ein sich bewegender Körper nicht nur eine Position zu einer Zeit besitzt, sondern auch eine Geschwindigkeit. Flux/Newton/Bigelow/Pargetter: Theorie des „fluxus“ war der Ausdruck von Newton für die Differentialrechnung.
Bewegung/Newton: schrieb sich bewegenden Körpern instantane Geschwindigkeiten zu: einen Vektor. (Strang).
Vektor/Ockham/Bigelow/Pargetter: auch die Ockhamisten schrieb Vektoren zu, aber in einem schwächeren Sinn: als Sequenz von Positionen. Aber das ist dann eine Abstraktion und entspricht keiner intrinsischen Eigenschaft der Bewegung.
Bewegung/Newton/Bigelow/Pargetter: ist nach ihm eine vollwertige Eigenschaft 1. Stufe eines Objekts, nach den Ockhamisten eine Eigenschaft 2. Stufe. Und diese ist bei Newton unabhängig von Vorgeschichte und „Bestimmung“, bei den Ockhamisten nicht.
I 65
Sphären/Aristoteles/Bigelow/Pargetter: nach Aristoteles war jenseits der Sphären (der Sterne) nichts, nicht einmal leerer Raum, der nach Aristoteles ein Widerspruch in sich war.. Bewegung/Aristoteles/Bigelow/Pargetter: das Universum als Ganzes kann keine Geschwindigkeit haben. Dann kann Gott ihm auch keine gegeben haben.
VsAristoteles: der Kirche erschien das als eine Beschränkung von Gottes Allmacht.
> Vektoren

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Dialektik Platon Bubner I 34
Dialektik/Platon/Bubner: mehr als Methode, der Dialektiker verfährt mit methodischer Korrektheit, weil er sein hiesiges Lebend wachend, nicht träumend führt.
I 37
DialektikVsRhetorik/Platon/Bubner: die Kenntnis der Methode macht den Philosophen zu einem freien Menschen, während der wirkungsorientierte Redner in den Trug der Worte verstrickt ist. (VsSophisten).
I 38
Sophismus/AristotelesVsPlaton: bedient sich derselben Gründe, um auf Unvollständigkeit der Dialektik zu plädieren, gerade, weil sie es mit der intersubjektiven Redepraxis zu tun hat. Def "Topoi"/Aristoteles: vorwissenschaftliche Gemeinplätze. Die Topik macht das Einleuchtende und Erfolgversprechende am Reden namhaft.
Dialektik/Kant: der negative Ruch haftet der Dialektik bis zu Kant an. Allerdings ist der anhaftende Schein bei Kant als notwendig erkannt.
I 39
Dialektik/HegelVsKant: seine Scheu vor den Widersprüchen offenbare die Begrenztheit seines Verständnisses von Wissenschaft. Die Dialektik müsse eben zu Ende gedacht werden. Kant sei bei dem negativen Resultat stehengeblieben. HegelVsAristoteles: "spekulativer Geist der Sprache": die Einsicht in die sprachlich logische Verwurzelung der Spekulation soll ihr wieder den Rang strenger Methode sichern, den ihr gerade Aristoteles wegen ihrer Bindung an das Sprachliche aberkannt hatte.
I 111
Dialektik/Platon/Bubner: a) Wissenstheorie: die Ungeschiedenheit von wahrem Wissen und Reflexion führt zu einem ganzen Ensemble von Regeln und Strukturen. b) Dialektik bei Platon ist auch das logische Verhältnis zwischen Behauptung und Folgerung.
c) Weise der Bestimmung von Begriffen auseinander. (Auf und Abstiegsverfahren. Der späte Platon entwickelt Ansätze einer Aussagenlogik.


Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Erfahrung Aristoteles Gadamer I 356
Erfahrung/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles beschreibt (...) im Anhang seiner zweiten Analytiken(1) (und ganz ähnlich im 1. Kapitel der Metaphysik), wie sich aus vielen einzelnen Wahrnehmungen durch das Behalten des vielen Einzelnen schließlich Erfahrung, die eine Einheit der Erfahrung, ergibt. Was ist das für eine Einheit? >Induktion/Aristoteles, >Einheit/Aristoteles. GadamerVsAristoteles: Das Verhältnis von Erfahren, Behalten und der sich daraus ergebenden
Einheit der Erfahrung bleibt dabei in auffallender Weise unklar. Offenbar stützt sich hier Aristoteles auf eine Gedankenfolge, die zu seiner Zeit schon
Gadamer I 357
eine gewisse klassische Prägung besaß. Wir können sie in ihrer ältesten Bezeugung für Anaxagoras nachweisen, von dem uns Plutarch überliefert hat, dass die Auszeichnung des Menschen gegenüber den Tieren durch Empeiria, Mneme, Sophia und Techne bestimmt sei.(2) Einen ähnlichen Zusammenhang finden wir bei der Hervorhebung der „Mneme“ im Prometheus des Aischylos(3) und wenn wlr auch im platonischen Protagoras-Mythos die entsprechende Hervorhebung der „Mneme“ vermissen, so zeigt doch Platon(4) ebenso wie Aristoteles, daß es sich hier bereits um eine feste Theorie handelt. Das Bleiben wichtiger Wahrnehmungen (moné) ist offenbar das verbindende Motiv, durch das sich aus der Erfahrung des Einzelnen das Wissen des Allgemeinen zu erheben vermag.
Wissenschaft/Methode: Aristoteles hat für die Logik [des] Verfahrens [der Induktion] ein sehr schönes Bild. Er vergleicht die vielen Beobachtungen, die einer macht, mit einem fliehenden Heer. (...) wenn in dieser allgemeinen Flucht doch einmal eine Beobachtung sich in wieder-
Gadamer I 358
holter Erfahrung bestätigt, dann bleibt sie stehen. Damit setzt an diesem Punkt gleichsam ein erster Stillstand in der allgemeinen Flucht ein. Wenn sich ihm nun andere anreihen, so kommt am Ende das ganze Heer der Fliehenden zum Stehen und gehorcht wieder der Einheit des Kommandos. GadamerVsAristoteles: Wenn man nun, wie Aristoteles, das Wesen der Erfahrung nur im Blick auf die „Wissenschaft“ denkt (die allerdings nicht die Wissenschaft ist, sondern „Wissen“), dann simplifiziert man den Vorgang, in dem sie zustande kommt. Das Bild beschreibt zwar gerade diesen Vorgang, aber es beschreibt ihn unter vereinfachenden Voraussetzungen, die so nicht gelten.
Als ob sich die Typik der Erfahrung widerspruchslos von selbst ergäbe! Aristoteles setzt hier das Gemeinsame, das in der Flucht der Beobachtungen zum Bleiben kommt und sich als Allgemeines herausbildet, immer schon voraus; die Allgemeinheit des Begriffs ist für ihn ein ontologisches Prius.
Was Aristoteles an der Erfahrung interessiert, ist lediglich ihr Beitrag zur Begriffsbildung. Wird so Erfahrung auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der
Gadamer I 359
eigentliche Prozess der Erfahrung übersprungen. >Erfahrung/Gadamer.

1. An. Post. B 19 (99ff.)
2. Plut. de fort. 3 p. 98 F = Diels, Vors. Anaxag. B 21 b.
3. Aisch. Prom. 461.
4. Phaid. 96.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Erfahrung Gadamer I 352
Erfahrung/Gadamer: Alle Erfahrung ist (...)
I 353
nur in Geltung, solange sie sich bestätigt. Insofern beruht ihre Dignität auf ihrer prinzipiellen Wiederholbarkeit. Das bedeutet aber, dass Erfahrung ihrem eigenen Wesen nach ihre Geschichte in sich aufhebt und dadurch auslöscht. Schon für die Erfahrung des täglichen Lebens gilt das, und erst recht für jede wissenschaftliche Veranstaltung derselben. Insofern ist es keine zufällige Einseitigkeit der modernen Wissenschaftstheorie, sondern sachlich begründet, dass die Theorie der Erfahrung ganz teleologisch auf den Wahrheitserwerb bezogen ist, der in ihr erreicht wird. >Erfahrung/Husserl.
I 356
Dass Erfahrung gültig ist, solange sie nicht durch neue Erfahrung widerlegt wird (ubi non reperitur instantia contradictoria), charakterisiert offenbar das allgemeine Wesen von Erfahrung, ganz gleich, ob es sich um ihre wissenschaftliche Veranstaltung im modernen Sinne handelt oder um die Erfahrung des täglichen Lebens, wie sie von jeher gemacht wurde. So entspricht diese Charakterisierung denn auch ganz der Analyse des Begriffs der Induktion, die Aristoteles im Anhang seiner zweiten Analytiken gegeben hat.(1) >Induktion/Aristoteles.
I 358
GadamerVsAristoteles: Was Aristoteles an der Erfahrung interessiert, ist lediglich ihr Beitrag zur Begriffsbildung. (>Erfahrung/Aristoteles). Wird so Erfahrung auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der
Gadamer I 359
eigentliche Prozess der Erfahrung übersprungen. Gadamer: Dieser Prozess nämlich ist ein wesentlich negativer. Er ist nicht einfach als die bruchlose Herausbildung typischer Allgemeinheiten zu beschreiben. Diese Herausbildung geschieht vielmehr dadurch, dass ständig falsche Verallgemeinerungen durch die Erfahrung widerlegt, für typisch Gehaltenes gleichsam enttypisiert wird.(2)
Negative Erfahrung/Gadamer: (...) die eigentliche Erfahrung ist immer eine negative.
Wenn wir an einem Gegenstand eine Erfahrung machen, so heißt das, dass wir die Dinge bisher nicht richtig gesehen haben und nun besser wissen, wie es damit steht, Die Negativität der Erfahrung hat also einen eigentümlich produktiven Sinn. Sie ist nicht einfach eine Täuschung, die durchschaut wird und insofern eine Berichtigung, sondern ein weitgreifendes Wissen, das erworben wird.
Dialektische Erfahrung/Gadamer: Es kann also nicht ein beliebig aufgelesener Gegenstand sein, an dem man eine Erfahrung macht, sondern er muss so sein, dass man an ihm ein besseres Wissen nicht nur über ihn, sondern über das, was man vorher zu wissen meinte, also über ein Allgemeines gewinnt. Die Negation,kraft deren sie das leistet, ist eine bestimmte Negation. Wir nennen diese Art
der Erfahrung dialektisch. >Erfahrung/Hegel.
I 361
(...) die Anwendung, die Hegel auf die Geschichte macht, indem er sie im absoluten Selbstbewusstsein der Philosophie begriffen sieht (>Erfahrung/Hegel), [wird] dem hermeneutischen Bewusstsein nicht gerecht (...). Hermeneutik/Gadamer: Das Wesen der Erfahrung wird hier von vornherein von dem her gedacht, worin Erfahrung überschritten ist. Erfahrung selber kann nie Wissenschaft sein. Sie steht in einem unaufhebbaren Gegensatz zum Wissen und zu derjenigen Belehrung, die aus theoretischem oder technischem Allgemeinwissen fließt.
Offenheit: Die Wahrheit der Erfahrung enthält stets den Bezug auf neue Erfahrung. Daher ist derjenige, den man erfahren nennt, nicht nur durch Erfahrungen zu einem solchen geworden, sondern auch für Erfahrungen offen. Damit aber enthält der Begriff der Erfahrung, um den es jetzt geht, ein qualitativ neues Moment. Er meint nicht nur Erfahrung im Sinne der Belehrung, die sie über dieses oder jenes gewährt. Er meint Erfahrung im Ganzen.
I 363
Die eigentliche Erfahrung ist diejenige, in der sich der Mensch seiner Endlichkeit bewusst wird. An ihr findet das Machenkönnen und das Selbstbewusstsein seiner planenden Vernunft seine Grenze. Es erweist sich als bloßer Schein, dass sich alles rückgängig machen lässt, dass immer für alles Zeit ist und alles irgendwie wiederkehrt. Der in der Geschichte Stehende und Handelnde macht vielmehr ständig die Erfahrung, dass nichts wiederkehrt. Anerkennen dessen, was ist, meint hier nicht: Erkennen dessen, was einmal da ist, sondern Einsicht in die Grenzen, innerhalb deren Zukunft für Erwartung und Planung noch offen ist - oder noch grundsätzlicher, dass alle
Erwartung und Planung endlicher Wesen eine endliche und begrenzte ist. Eigentliche Erfahrung ist somit Erfahrung der eigenen Geschichtlichkeit. >Text/Gadamer, >Ich-Du-Verhältnis/Gadamer.
I 372
(...) die Negativität der Erfahrung [impliziert] logisch gesehen die Frage impliziert, In der Tat ist es der Anstoß, den dasjenige darstellt, das sich der Vormeinung nicht einfügt, durch den wir Erfahrungen machen. Auch das Fragen ist daher mehr ein Erleiden als ein Tun. Die Frage drängt sich auf. Es lässt sich ihr nicht länger ausweichen und bei der gewohnten Meinung verharren. >Frage/Gadamer.
I 421
Erfahrung/Gadamer: Die Erfahrung ist nicht zunächst wortlos und wird dann durch die Benennung zum Reflexionsgegenstand gemacht, etwa in der Weise der Subsumtion unter die Allgemeinheit des Wortes. Vielmehr gehört es zur Erfahrung selbst, dass sie die Worte sucht und findet, die sie ausdrücken. >Sprache und Denken/Gadamer.
I 454
Erfahrung/Erkenntnis/Gadamer: Die Sprachlichkeit unserer Welterfahrung ist vorgängig gegenüber allem, das als seiend erkannt und angesprochen wird. Der Grundbezug von Sprache und Welt bedeutet daher nicht, dass die Welt Gegenstand der Sprache werde. Was Gegenstand der Erkenntnis und der Aussage ist, ist vielmehr immer schon von dem Welthorizont der Sprache umschlossen. Die Sprachlichkeit der menschlichen Welterfahrung als solche meint nicht die Vergegenständlichung der Welt.

1. An. Post. B 19 (99ff.).
2. Das wird durch Karl Poppers Begriffspaar von trial and error ähnlich beschrieben - mit der Einschränkung, dass diese Begriffe all zu sehr von der willentlichen, all zu wenig von der leidenschaftlichen Seite des menschlichen Erfahrungslebens ausgehen. GadamerVsPopper: Das ist, soweit man die „Logik der Forschung“ allein im Auge hat, berechtigt, aber gewiss nicht, wenn man die im Erfahrungsleben der Menschen wirksame Logik meint.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Erklärungen Davidson Glüer II 99 ff
Erklären/Davidson: heißt Neubeschreiben. These: Handlungserklärungen können als singuläre Kausalaussagen interpretiert werden. D.h. im Gegensatz zur "logical-connection-These" als Aussagen über zwei distinkte Ereignisse!
Vorsicht: Zwar sei es richtig, daß Handlungserklärungen keine unabhängige Beschreibung der Ursache ermöglichen, aber es sei eben die Beschreibung der Ursache, für die das gelte, nicht die Ursache selbst!
Glüer II 112f
Handlungserklärung/DavidsonVsAristoteles: der praktische Syllogismus kann nicht mit abweichenden Kausalketten (Bergsteiger-Bsp) umgehen, und auch nicht mit bloßer Absicht (Unterlassen, intermittierendes Ereignis) und Willensschwäche.
Glüer II 114
Intention/Davidson: Form: Urteil: "x ist vollziehenswert". Willensschwäche/Davidson. irrationales Urteil - Lösung: Handlung und Intention trennen.
Glüer II 115
"all things-considered"-Urteil: ist nur für ein allwissendes Wesen möglich.
Glüer II 138
Handlungserklärung/mental/physisch/DavidsonVsReduktionismus: intentionalistisches Vokabular ist prinzipiell irreduzibel. - Es gibt keine strikten Gesetze zur Vorhersage von Handlungen. - (> Anomaler Monismus)
Horwich I 456
Wahrheit/Erklärung/Davidson/Rorty: Wahrheit ist keine Erklärung für etwas. - ((s) Ein Phänomen wird nicht dadurch erklärt, dass ein Satz, der es behauptet wahr ist.) - Auch das Vorliegen der Wahrheit braucht keine Erklärung. - Falsch: Bsp "Er fand das Haus nicht, weil seine Überzeugung über seine Lokalisierung falsch war." - Richtig: (ohne Wahrheit): "er glaubte, dass es an --- lag" - Erklärung: Details dessen, was wahr oder falsch war, nicht die Wahrheit selbst. - Wenn Wahrheit selbst eine Erklärung wäre, müsste sie eine Ursache für etwas sein. - Erklärung: nicht "Er tat das richtige", sondern die Umstände. - "Wahrheit" als Erklärung wäre wie tertia (Bsp "intendierte Interpretation", "Begriffsschema") ein leerlaufendes Rad. - Putnam dito.

Richard Rorty (1986), "Pragmatism, Davidson and Truth" in E. Lepore (Ed.) Truth and Interpretation. Perspectives on the philosophy of Donald Davidson, Oxford, pp. 333-55. Reprinted in:
Paul Horwich (Ed.) Theories of truth, Dartmouth, England USA 1994

Davidson I
D. Davidson
Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993

Davidson I (a)
Donald Davidson
"Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (b)
Donald Davidson
"What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (c)
Donald Davidson
"Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (d)
Donald Davidson
"Epistemology Externalized", Ms 1989
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (e)
Donald Davidson
"The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson II
Donald Davidson
"Reply to Foster"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Davidson III
D. Davidson
Handlung und Ereignis Frankfurt 1990

Davidson IV
D. Davidson
Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990

Davidson V
Donald Davidson
"Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Existenz Jonas Brocker I 612
Existenz/Jonas: Jonas‘ Ökologischer Imperativ (siehe Ökologischer Imperativ/Jonas) besagt, dass wir »nicht das Recht haben, das Nichtsein künftiger Generationen wegen des Seins der jetzigen zu wählen oder auch nur zu wagen. Warum wir dieses Recht nicht haben, warum wir im Gegenteil eine Verpflichtung gegenüber dem haben, was noch gar nicht ist und ›an sich‹ auch nicht zu sein braucht, jedenfalls als nicht existent keinen Anspruch auf Existenz hat, ist theoretisch gar nicht leicht und« – so ergänzt er bezeichnenderweise – »vielleicht ohne Religion überhaupt nicht zu begründen« (1). Philosophie/Jonas/Brocker: Damit bekundet Jonas deutlich, dass er eine philosophische Argumentation in der vorliegenden Frage
Brocker I 613
nicht für ausreichend oder zwingend genug hält, um Überzeugungen und Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern. BrockerVsJonas: das ist ein performativer Widerspruch gegenüber Jonas‘ eigenem Tun. Außerdem ist fraglich, wie religiöse Grundlagen, von denen Jonas annimmt, dass sie weitgehend verschwunden sind (2), dies sollen leisten können. (3)
Existenz/Jonas: allein, weil die Menschheit sei, sei sie es wert, erhalten zu werden. (4) Die Existenz der Menschheit dürfe nicht als kontingentes biologisches Faktum, als zufälliges Resultat evolutionärer Entwicklungsprozesse angesehen werden, sondern sei eine Wertsetzung der Natur. Siehe auch Generationengerechtigkeit/Jonas.
Problem/JonasVsKant zur Begründung müsse man, trotz Kant, die Möglichkeit einer rationalen Metaphysik einräumen.
Lösung/Jonas: die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts, müsse man dahingehend umformulieren, was es wert sei, zu existieren.
Brocker I 614
Teleologie/Lösung/JonasVsAristoteles: wir müssen Zwecke in der Natur annehmen, statt sie im Handeln des Subjekts zu verorten. (5) Dies sei begründbar durch den in der Natur auffindbaren Selbsterhaltungstrieb allen Lebens. (6)

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 36.
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 76, 80.
3. Vgl. Oelmüller, Willi, »Hans Jonas. Mythos – Gnosis – Prinzip Verantwortung«, in: Stimmen der Zeit 206, 1988, 349-350.
4. Jonas 1979, S. 92-100.
5. Ebenda S. 138
6. Ebenda S. 142f.

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Flux Bigelow I 71
Flux/Bigelow/Pargetter: verträgt sich sehr gut mit dem Cartesischen Trägheitsgesetz. Danach ist gleichbleibende Geschwindigkeit keine Veränderung. DefTrägheitsgesetz/Descartes/Bigelow/Pargetter: ein Gegenstand bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit fort, wenn keine Kräfte auf ihn einwirken.
Veränderung/Bigelow/Pargetter: wenn wir annehmen, dass jede Veränderung eine Ursache braucht, revidiert die Flux-Doktrin die Aristotelische Sicht der Bewegung. (FluxVsAristoteles).
Veränderung/Flux/Bigelow/Pargetter: die Flux-Doktrin besagt, dass ein Ortswechsel ein extrinsischer Wechsel für einen Körper ist, denn die intrinsische Eigenschaft der Geschwindigkeit, muss sich dazu nicht ändern!
Flux/Erklärung: für die meisten Veränderungen ist Flux die bessere Erklärung.
I 72
Veränderung/Bigelow/Pargetter: für einige wenige Veränderungen ist die Ockhamsche Erklärung ((s) kein Vektor für instantane Geschwindigkeit) besser: Bsp Dämmerung , Bsp Abkühlung, Bsp moralische Besserung, einfach vieles, über das man sich im Mittelalter den Kopf zerbrach. Impuls/Ockham/Bigelow/Pargetter: hat ein Körper nach den Ockhamisten, weil er zu der und der Zeit die und die Position hatte.
Problem: das erfordert, dass Bsp ein Meteor ein „Gedächtnis“ hat.
Beschleunigung/Ockham/Bigelow/Pargetter: das Problem wird schwieriger, wenn Bsp der Meteor noch eine Beschleunigung hat, denn diese braucht noch Zusatzannahmen. Dann hängt die Bewegung des Meteors von den Abständen von Punkten im Raum ab.
Ockham/Bigelow/Pargetter: dass die Bewegung von der Vorgeschichte abhängt, kann allerdings auch nicht einfach ad absurdum geführt werden. Nur ist die Flux-Doktrin eleganter.
Impuls/Stoß/Flux/Bigelow/Pargetter: den Impuls hat der Meteor nach der Flux-Doktrin aufgrund seiner momentanen Eigenschaften.
Vorgeschichte/Bigelow/Pargetter: kann eine epistemische Rolle spielen, um zu erklären, warum der Körper seine instantane Geschwindigkeit hat.
Ursache/Bigelow/Pargetter: die kausale Ursache ist aber die instantane Geschwindigkeit und nicht die Vorgeschichte.
VsOckhamismus/VsOckham/Bigelow/Pargetter: Problem: Bsp die perfekt homogene, sich drehende Scheibe.
I 73
Bewegung/Bigelow/Pargetter: die Bewegung dieser Scheibe führt also zu keiner Veränderung der Verteilung von Qualitäten. Dennoch unterscheidet sie sich von einer ruhenden Scheibe. Die beiden unterscheiden sich durch ihre Kausalkräfte. Erklärung: die Materieteile wechseln. Zeitschnitte der rotierenden Scheibe liefern Kreise, die der ruhenden Scheibe nicht.
Identität/Bigelow/Pargetter: der Begriff von Identität, der hier gebraucht wird, ist umstritten. Er beruft sich nämlich nicht auf die Möglichkeit der qualitativen Unterscheidung. Bzw. das Zurückverfolgen in der Zeit kann sich nicht auf das Verfolgen eines identifizierbaren Stücks Materie stützen. Das führt zur haecceitas
Haecceitismus/Bigelow/Pargetter: rührt von der Annahme her, dass Identität sich nicht immer auf gleichbleibende Qualitäten stützen kann. Bsp rotierende perfekt homogene Scheibe.
Haecceitas: Diesheit.
Identität/Bigelow/Pargetter: wir sträuben uns nicht gegen nichtqualitative Identität. Wir akzeptieren, dass die sich drehende Scheibe ein Muster wechselnder Identitäten aufweist.
Lösung/Bigelow/Pargetter: das ist aber nicht die ganze Geschichte:
Kausalkräfte: der Bsp sich drehenden Scheibe: werden nicht durch die nicht-qualitativen Identitäten geliefert.
Lösung/Flux/Bigelow/Pargetter: die einzelnen Teile der homogenen Scheibe besitzen eine instantane Geschwindigkeit.
I 74
Diese führen gerade dazu, dass die Zeitschnitte Kreise beschreiben. Universalien/Physik/Bigelow/Pargetter: dies ist der Grund, warum wir sagen, dass instantane Geschwindigkeit - ein Vektor mit Größe und Richtung – ein Universale ist, das ein Körper zu einer Zeit besitzen kann. Es ist eine intrinsische Eigenschaft.
Eigenschaft/Problem/Bigelow/Pargetter wir müssen aber erklären, was das für eine Art von Eigenschaft ist, die eine Größe und eine Richtung hat.
Größe/Richtung/Flux/Bigelow/Pargetter: nach der Flux-Doktrin sind Größe und Richtung eines Vektors schwerer zu erklären. Wir können nämlich die nötige instantane Geschwindigkeit nicht durch das Muster der früheren Positionen erklären.
Lösung/Flux/Bigelow/Pargetter: wir brauchen eine Theorie der Relationen zwischen Eigenschaften.
Größe/Richtung/Vektor/Ockham/Bigelow/Pargetter: kann einfach sagen, dass beide durch die Vorgeschichte der früheren Positionen gegeben sind.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Fortschritt Hobbes Adorno XIII 251
Fortschritt/HobbesVsLocke/HobbesVsAristoteles/Hobbes/Adorno: anders als Aristoteles und Locke hat Hobbes den Fortschritt nicht abhängig gemacht von irgendwelchen positiven ursprünglichen Qualitäten der Menschennatur, sondern von der Not und dem Widerspruch, der durch die Unvereinbarkeit der miteinander konkurrierenden Einzelinteressen
XIII 252
der Individuen durch ein bürgerliches Urprinzip unmittelbar begründet ist. >Freiheit/Kant.

Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Geld Aristoteles Mause I 28
Geld/Aristoteles: Aristoteles‘ Auffassung des Geldwertes ist erstaunlich modern: Er wird nicht auf den Stoff- bzw. Eigenwert des Geldes, sondern auf die bloße Übereinkunft der Geldverwender, d.   h. die allgemeine Akzeptanz eines bestimmten Mediums als Tauschmittel, zurückgeführt.


Höffe I 56
Geld/Aristoteles/Höffe: Während für Platon das Geld suspekt war, nicht mehr als ein notwendiges Übel, legt Aristoteles im Zusammenhang der ordnenden Gerechtigkeit die erste je in Europa geschriebene Theorie des Geldes vor. In erstaunlicher Klarheit beschreibt er dessen Wesen und Funktion: Tausch: Indem Geld höchst unterschiedliche Waren und Dienstleistungen vergleichbar macht, ermöglicht es einer arbeitsteiligen Gesellschaft die vielfältigen Tauschprozesse:
Marx: «Das Genie des Aristoteles», erkennt noch Marx an, «glänzt gerade darin, dass er im Wertausdruck der Waren ein Gleichheitsverhältnis entdeckt.
MarxVsAristoteles: Nur die historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn „in Wahrheit“ dies Gleichheitsverhältnis besteht».(1)
Gebrauchswert/Aristoteles: Höffe: Dass Aristoteles nicht wie Marx sich an der menschlichen Arbeit, sondern am Gebrauchs- und Bedürfniswert orientiert, lässt sich aber auch als eine (vielleicht sogar modernere) Alternative verstehen.


1. K. Marx, Das Kapital, Buch I, Kap. 1.3

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Gemeinschaft Aristoteles Höffe I 64
Gemeinschaft/Aristoteles/Höffe: Aristoteles lehnt beispielsweise Sitzungsgelder ab, obwohl sie allen Bürgern die Teilnahme an der Volksversammlung ermöglichen. Von Aristoteles stammt die Grundthese einer politischen Anthropologie, der Mensch sei von Natur aus ein politisches Lebewesen (physei politikon zôon). Gegen Anfang der Politik erscheint es in Verbindung mit drei weiteren Behauptungen: Die Polis sei die vollkommene Gemeinschaft, sie sei natürlich, außerdem von Natur aus früher als das Haus und die Individuen.
HobbesVsAristoteles: Hobbes wendet ein, Gemeinwesen seien nicht bloß Zusammenkünfte, sondern auch Bündnisse, weshalb sie nicht durch Natur, sondern durch Kunst (art) geschaffen werden (Leviathan, Einleitung).
Andere Autoren VsAristoteles: Nach einem anderen, legitimatorischen Einwand begehe Aristoteles den Sein-Sollens-Fehlschluss, denn aus Aussagen über den Menschen, wie er ist, leite er ab, wie er leben soll.
Historischer Einwand VsAristoteles: Nach dem historischen Einwand schließlich könne der Mensch schon deshalb kein politisches Lebewesen sein, weil die entsprechenden Gemeinwesen menschheitsgeschichtlich spät entstanden seien.
AristotelesVsVs/Höffe: Der historische Einwand unterstellt einen statischen Naturbegriff.
Höffe I 65
Gemäß seinem Muster für Physis, den biologischen Prozessen, versteht aber Aristoteles die Natur dynamisch als eine Entwicklung, bei der drei Gesichtspunkte wichtig sind: der Anfang und zugleich Motor, das im Anfang und Motor schon latent gegenwärtige Ziel und der Ablauf, der Entwicklungsprozess. „Biologistischer Fehlschluss“ VsAristoteles/Höffe: Aristoteles erliegt auch nicht einem weiteren, «biologistischen Fehlschluss», demzufolge politische Gemeinschaften sich «von allein», ohne eine bewusste Eigenleistung des Menschen, herausbilden. Er spricht nämlich von jemandem, der die Polis ins Leben rief, und qualifiziert ihn wie später Hobbes als «Urheber größter Güter».

Gemeinschaft Thomas v. Aquin Höffe I 152
Gemeinschaft/Thomas/Höffe: Da kein Mensch für sich allein seinem Zweck gemäß leben kann, ist es ihm von Natur gegeben, «mit vielen gesellig zu leben»(1). Dieses Zusammenleben - hier zeigt sich Thomas als ein Republikaner - soll eine
Höffe I 153
«Gesellschaft von Freien» sein. Herrschaft: Nach einem weiteren Teilargument, dem Auseinanderklaffen von Eigen- und Gemeinwohl, braucht es eine die Menschen leitende Instanz. Erst aus diesem Grund, weil das Wohl des Einzelnen dem Wohl der Gemeinschaft zuwiderlaufen kann, bedarf es einer Herrschaft. Denn lediglich mit ihrer Hilfe wird aus der Vielheit von Individuen die Einheit eines Gemeinwesens.
Monarchie: Die sachliche Anschlussfrage, ob nun eine oder mehrere Personen herrschen sollen, also die Frage nach der besten Verfassung, beantwortet Thomas, obwohl im genannten Sinn ein Republikaner, zugunsten der Alleinherrschaft, der Monarchie. Allerdings stellt er an sie eine Bedingung: Sie muss gerecht ausgeübt werden, was bei Thomas, wie bei Aristoteles, der
Stoa und Cicero üblich, den Dienst am Gemeinwohl meint:
Gerechte Herrschaft: Gerecht ist eine Herrschaft, die nicht dem Herrscher, sondern dem Gemeinwesen dient. Dessen Kern sieht Thomas im inneren Frieden, was sich nicht nur da-
mals, unter der historischen Situation, nahelegt, als das Sizilien-Reich von Friedrich Il. zerfiel und im Römisch-Deutschen Reich nach dem Stauferende ein Interregnum («Zwischenherrschaft») herrschte.
Gemeinwesen: Erstaunlicherweise spielt die im lex-Traktat der Summe der Theologie wichtige Bestimmung des Gemeinwesens als einer Rechtsordnung in der Schrift Über die Herrschaft
von Fürsten keine Rolle.
ThomasVsAristoteles: [Thomas geht hier über Aristoteles hinaus]: Nach seinem Muster von Gemeinwesen, den damaligen Königreichen, nicht wie bei Aristoteles den griechischen Stadtrepubliken, lässt er auf das Haus und das Dorf (qua Sippe) nicht nur drittens die civitas, die Bürgerschaft und Stadtgemeinschaft, folgen. Zusätzlich führt er das mehrere Städte und Landschaften übergreifende Gemeinwesen, die provincia bzw. das regnum, ein. Erst diese größere Einheit erlaube - gemäß mittelalterlichen Erfahrungen -, alles Lebensnotwendige annähernd autark zu gewährleisten.


1. Thomas De regno ad regem Cypri I, 1

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971
Glück Thomas v. Aquin Höffe I 146
Glück/Thomas/Höffe: ThomasVsAristoteles: Während (...) die Ethik seines philosophischen Vorbilds metaphysik- und theologiefrei bleibt, greift Thomas Aristoteles’ Lehre vom göttlichen Beweger aus Buch Lambda (XII) der Metaphysik auf und erklärt, die vollkommene Erfüllung des Glücks sei erst im Jenseits möglich. ThomasVsAugustinus. Anders als bei Augustinus’ Gottesstaat gilt das diesseitige Glück als realisierbar und
Höffe I 147
erstrebenswert, auch wenn es in der «glückverschaffenden» Anschauung Gottes (visio beatifica dei) noch überboten wird.

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971
Ideen Locke Euchner I 19
Ideen/Locke: die Sinneseindrücke und ihre Verarbeitung bewirken in unserem Geist "einfache Vorstellungen " (simple ideas), z.B. von Hitze, Licht, hart, weich, bestimmten Farben und Geschmäcken (diese sind unverwechselbar) - die "ersten Objekte unseres Verstehens". Dinge/Gegenstände/Locke: werden von uns nicht mit einer einzigen, sondern nur mit einem Bündel vieler "einfacher Vorstellungen" erfasst: "komplexe Ideen" - diese entsprechen den Gegenständen.
I 27
Idee/Locke: jedes Objekt des Verstandes (understanding) - Begriff, Vorstellung, kann auch Trugbild sein - jeder beliebige Bewusstseinsinhalt.
I 33
Ideen/Locke: Modi: Ideen die Zustände oder Eigenschaften anderer Ideen oder Konstrukte aus Ideen darstellen - einfache Ideen: durch einen Sinn bewirkt: Bsp Farben, Licht, Töne.
I 38
Diese sind selbst weder wahr noch falsch, sondern Instrumente.
I 42
LockeVsAristoteles: Vernunft kann ohne klappernde Syllogismen der "natürlichen Ordnung der verbindenden Ideen" nachspüren
I 35
komplexe Ideen/Locke: hier ist der Geist aktiv (bei den einfachen passiv).
I 36
Bsp Lüge - Bsp Substanz (!)
I 35
Einfache Idee/Locke. Bsp Raum - Modi: Distanz, Unendlichkeit, Gestalt - einfache Idee: Bsp Schmerz, Freude - Modi: Liebe Hoffnung, Furcht, Neid.
Holz I 45/46
Ideen/Wahrnehmung/Locke: es gibt "Ideen", die durch mehr als einen Sinn vermittelt werden: z.B. die Ideen Ausdehnung, Gestalt, Bewegung usw. Ideen/Wahrnehmung/LeibnizVsLocke: diese "Ideen" (Ausdehnung, Dauer, Gestalt usw.) stammen aus dem Geist, nicht aus der Wahrnehmung.
Sie sind die "Ideen des reinen Verstandes". Sie haben aber einen Bezug zur Außenwelt und sind so der Definition und des Beweises fähig.

Loc III
J. Locke
An Essay Concerning Human Understanding

Loc I
W. Euchner
Locke zur Einführung Hamburg 1996

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Individuen Mayr I 205
Entstehen von Individuen/Biologie/Mayr: Def Parthenogenese: Asexualität: bei manchen Organismen entwickeln sich Individuen von selbst aus den Eiern, eine Befruchtung ist nicht nötig. Bsp Blattläuse, Planktonkrustentiere: her wechseln sich sexuelle und asexuelle Generationen ab.
I 206
Sexualität: steigert Vielfalt und damit Abwehr gegen Krankheiten.
I 207
Pangenesistheorie: (alt) Theorie, nach der jede Körperzelle Erbmaterial beisteuert. Von Aristoteles bis zum 19. Jahrhundert. PräformationVsEpigenesis (Schon bei Aristoteles, dann bis zum 19. Jahrhundert.)
I 208
VsAristoteles: dieser glaubte fälschlich, nur weibliche Organismen könnten Eier besitzen. i 209
Ei: das eigentliche Säugetierei wurde erst 1827 von Karl Ernst von Baer entdeckt. Man erkannte, dass der Eierstock das Gegenstück zum Hoden darstellt.
DNA: entdeckt von Johann Friedrich Miescher (19. Jahrhundert).
I 211
Def Präformation: Eier bringen Individuen derselben Art hervor. Daher schloss man, dass Ei oder Spermium bereits eine Miniaturausgabe des zukünftigen Organismus sei. Logische Folge: in diesem Organismus müssten wiederum alle zukünftigen Nachkommen in Miniaturausgabe enthalten sein! (Verschachtelung). Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zeigten solche keinen Miniaturmenschen (Homunculi) im Spermatozoon.
I 212
Epigenesis: glaubte, die Entwicklung entstehe aus einer gänzlich ungeformten Masse."vis essentialis". Jede Art habe ihre eigene eigentümliche "wesentliche Kraft". Das stand den von den Physikalisten beschriebenen einheitlichen Kräfte wie z.B. der Schwerkraft völlig entgegen!.
Def Epigenese: Entwicklung während der Lebensgeschichte des Individuums, im Gegensatz zur Ontogenese und Phylogenese (Stammesgeschichte). >Epigenese.
Dennoch setze sich die Epigenesis in der Kontroverse durch. Lösung erst im 20. Jahrhundert: Unterschied zwischen Def Genotyp (genetische Konstitution des Individuums) und Def Phänotyp (Gesamtheit der wahrnehmbaren Merkmale).
Zelle: wie kommt es, dass sich die Nervenzelle so vollkommen anders entwickelt, als eine Zelle des Verdauungstraktes?
I 214
Zellteilung : Wilhelm Roux (1883) schließt auf komplexe Innendifferenzierung der Zelle: Lösung: Partikel müssten auf einem Faden aufgereiht sein, und dieser geteilt! Später bestätigt. Zelle: durchläuft einen Differenzierungsprozess, stets ist nur eine kleiner Teil der Gene im Kern aktiv.
Zellentwicklung: bei Taxa mit Regulationsentwicklung (z.B. Wirbeltiere) gibt es keine festgelegten frühen Zellinien, sondern ausgedehnte Zellwanderung. Induktion (Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe) bestimmt größtenteils die Spezifizierung der Zellen.
Zellwanderung: Pigment und Nervenzellen machen ausgedehnte Wanderungen durch den Organismus durch. Oft folgen sie eindeutigen chemischen Reizen.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Induktion Aristoteles Gadamer I 356
Induktion/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles beschreibt (...) im Anhang seiner zweiten Analytiken(1) (und ganz ähnlich im 1. Kapitel der Metaphysik), wie sich aus vielen einzelnen Wahrnehmungen durch das Behalten des vielen Einzelnen schließlich Erfahrung, die eine Einheit der Erfahrung, ergibt. Was ist das für eine Einheit? Offenbar ist es die Einheit eines Allgemeinen. Aber die Allgemeinheit der Erfahrung ist noch nicht die Allgemeinheit der Wissenschaft. Sie nimmt vielmehr eine bei Aristoteles auffallend unbestimmte Mittelstellung zwischen den vielen Einzelwahrnehmungen und der wahrhaften Allgemeinheit des Begriffs ein. Von der Allgemeinheit des Begriffs nehmen Wissenschaft und Technik ihren Ausgang. Aber was ist die Allgemeinheit der Erfahrung, und wie geht sie in die neue Allgemeinheit des Logos über? >Allgemeinheit/Aristoteles. Wenn uns die Erfahrung zeigt, dass ein bestimmtes Heilmittel eine bestimmte Wirkung hat, so heißt das, dass aus einer Fülle von Beobachtungen etwas Gemeinsames herausgesehen worden ist, und es ist klar, dass erst von einer so gesicherten Beobachtung aus die eigentlich medizinische Frage, die der Wissenschaft, möglich wird: die Frage nämlich nach dem Logos. >Logos/Aristoteles.
Die Wissenschaft weiß, warum, aus welchem Grunde dieses Mittel heilende Wirkung hat.
Erfahrung: Die Erfahrung ist nicht die Wissenschaft selbst, sie ist aber eine notwendige Voraussetzung für dieselbe. Sie muss bereits gesichert sein, d. h. die einzelnen Beobachtungen müssen regelmäßig das gleiche zeigen. Dann erst, wenn diejenige Allgemeinheit bereits erreicht ist, um die es sich in der Erfahrung handelt, kann die Frage nach dem Grunde und damit die Fragestellung, die zur Wissenschaft führt, einsetzen.
GadamerVsAristoteles: Das Verhältnis von Erfahren, Behalten und der sich daraus ergebenden
Einheit der Erfahrung bleibt dabei in auffallender Weise unklar. Offenbar stützt sich hier Aristoteles auf eine Gedankenfolge, die zu seiner Zeit schon
Gadamer I 357
eine gewisse klassische Prägung besaß. Wir können sie in ihrer ältesten Bezeugung für Anaxagoras nachweisen, von dem uns Plutarch überliefert hat, dass die Auszeichnung des Menschen gegenüber den Tieren durch Empeiria, Mneme, Sophia und Techne bestimmt sei.(2) Einen ähnlichen Zusammenhang finden wir bei der Hervorhebung der „Mneme“ im Prometheus des Aischylos(3) und wenn wir auch im platonischen Protagoras-Mythos die entsprechende Hervorhebung der „Mneme“ vermissen, so zeigt doch Platon(4) ebenso wie Aristoteles, daß es sich hier bereits um eine feste Theorie handelt. Das Bleiben wichtiger Wahrnehmungen (moné) ist offenbar das verbindende Motiv, durch das sich aus der Erfahrung des Einzelnen das Wissen des Allgemeinen zu erheben vermag. >Einheitlichkeit/Aristoteles, >Wissenschaft/Aristoteles.


1. An. Post. B 19 (99ff.)
2. Plut. de fort. 3 p. 98 F = Diels, Vors. Anaxag. B 21 b.
3. Aisch. Prom. 461.
4. Phaid. 96.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Ist Ryle Graeser I 30
"Ist"/RyleVsAristoteles: "systematisch irreführende Redeweisen": "Ist" soll den Eindruck einer Ding/Eigenschaftsbeziehung nahelegen.
I 31
Fehler: Das Universal "Mensch" ist selbst kein Ding, das atmet. Vielmehr ist es als Klassen-Subordination zu deuten. Wenn Existenz ein Begriff 2. Ordnung ist, kann Gott kein Subjektterm sein - eher Prädikatterm wie "unendliches Wesen". RyleVsRussell: Bsp Pegasus: Das Problem ist nicht beim Subjektterm, sondern beim Prädikatterm.

Ryle I
G. Ryle
Der Begriff des Geistes Stuttgart 1969

Grae I
A. Graeser
Positionen der Gegenwartsphilosophie. München 2002
Konjunktion Aristoteles Geach I 16/17
Konjunktion/Aristoteles/Geach: Im Frühwerk betrachtet Aristoteles Konjunktionen als wahr oder falsch, später änderte er seine Meinung. Er betrachtet das, was wir eine "Verschmelzung von Prädikaten" nennen könnten:
Bsp "ist weiß" und "ist ein Mann" zu "ist ein weißer Mann". Das funktioniert. Aber:
Bsp "ist gut" und "ist ein Schuster" lässt sich so nicht zu "ist ein guter Schuster" verbinden.
Bsp Ein zusammengesetztes Substantiv wie "morse" (man and horse): kann nicht als Subjekt einer Prädikation auftreten.
Denn es wird nichts damit bezeichnet, auch bzw. gerade, weil gefordert wird, daß "Mann Pferd" alle entsprechenden Prädikate vereinigen soll.
I 18
Geach: 1. das ist eigentlich fraglich, aber jedenfalls ist es keine Konjunktion, wenn man einem solchen Subjekt Prädikate zuschreibt: Bsp "S" sei "Rechtsanwalt Politiker". Dann kann weder:
"Jeder S ist ein Halunke" noch
"Einige S sind ehrlich"
als Konjunktion von Prädikationen betrachtet werden, die daraus gewonnen würde, daß man zuerst "Rechtsanwalt" und dann "Politiker" für "S" einsetzt.
GeachVsAristoteles: So ist sein Argument gegen das zusammengesetzte Subjekt irrelevant. 2. wenn das zusammengesetzte Subjekt "morse" als beabsichtigtes Äquivalent einer Kombination zweier Prädikationen angesehen wird, dann erhalten wir als Resultat der Gegenüberstellung (antiphasis?) nicht notwendigerweise wahr und falsch.
Das zeigt, daß "morse" nicht als Prädikation verstanden werden kann.
Bsp "Irgendein morse ist weiß" wird wahr sein, wenn irgendein Mann und irgendein Pferd weiß ist.
"Kein morse ist weiß" ist wahr, wenn kein Mann und kein Pferd weiß ist.
Problem: wenn kein Mann weiß aber irgendein Pferd weiß ist, dann erhalten wir nicht wahr für die eine Seite und falsch für die andere Seite:
"Irgendein morse ist weiß" "kein morse ist weiß". DF Einsetzen, Einheit.
Also ist ""Irgendein morse ist weiß" kein wohlgeformter Satz.
(s) Eindeutigkeit ließe sich erzielen, wenn jeweils gleichzeitig kein Mann und kein Pferd, oder alle Männer und alle Pferde das fragliche Prädikat teilen. Bsp Bei Vierfüßigkeit ließe sich wiederum kein Satz bilden.
Konjunktion/GeachVsAristoteles: damit ist aber nicht gezeigt, daß die Konjunktion
Bsp Einige Männer sind weiß und einige Pferde sind weiß" kein Satz wäre!

Konjunktion /Aristoteles: (spät, Sophistici elenchi): leugnet, dass Konjunktionen w/f sein können. Es sei der "Ruin des Diskurses,
Bsp Auf "Ist es der Fall dass p und q und r...?" mit "ja" oder "nein" zu antworten. Sogar wenn es harmlos aussieht weil alle Glieder vielleicht wahr oder falsch wären.
GeachVsAristoteles: Die moderne Logik hat damit überhaupt kein Problem: die Konjunktion ist wahr, wenn alle Glieder wahr sind, sonst falsch. Aus "Nein" würde nur ein Verwirrter folgern, daß alle Glieder falsch sein müssen.
Bsp Aristoteles: "Sind Koriscus und Kallias zu hause?" als ob es dasselbe wäre wie
"Ist es der Fall daß p und q?"
I 19
GeachVsAristoteles: aber das ist nicht genau derselbe Satz wie "Koriskus ist zu hause und Kallias ist zu hause". (Jeder bei sich zu hause?).
((s) Sind die Subjekte "zusammengefaßt" oder die Prädikate? Das kann man hier gar nicht aufteilen!)
Geach: "d und b sind P's" oder
"d ist (ein) P und b ist (ein) P" (so dachte Aristoteles).
Aber es gibt Fälle wo die Zuschreibung im Plural illegitim wird, obwohl sie im Singular statthaft ist. Bsp (s.o.)
Parmenides/Der Dritte Mann" Argument: Lösung: wenn wir zugestehen, dass das
Prädikat "groß" von sich selbst ausgesagt werden kann und gleichzeitig auch von vielen großen Dingen.
Das setzt aber voraus, daß wir nicht zulassen, daß man von dieser Form von "großen" im Plural (ta polla megala/tanta megala) gleichzeitig annimmt, daß sie auf sich selbst zutrifft.
"Analogie"/Mittelalter/GeachVs: von
Bsp "Gott it weise und Platon ist weise" sollte man nicht schließen können:
"Gott und Platon sind zwei Weise". (sapiens/sapientes, Plural, Substantivierung des Prädikats).
Struktur: wenn d P ist und b P ist und a eine Klasse von Ps, dann können wir nicht schließen, dassd "P" im Plural von einer Klasse ausgesagt (prädiziert) werden kann, die gerade a und b oder nur d als Element hat. (Prädikation/Singular/Plural).
Ob eine solche Menge überhaupt statthaft ist, hängt von der zugelassenen Mengenlehre ab.
Aristoteles: zeigt an einem teuflischen Beispiel, daß die Pluralform des Prädikats nicht zuschreibbar ist, wenn es die Singularform ist.
Bsp Aristoteles: Zwei Tiere "d" und "b" sind blind. Ist das äquivalent damit:
"d ist blid und b ist blind"?
Aristoteles: (Sophistici elenchi): Sogar das ist nicht statthaft! (GeachVsAristoteles).
1. "Blind" heißt: seiner Natur nach sehend, aber ohne Fähigkeit zu sehen.
2. Wenn d und b der Natur nach sehend sind, so haben sie entweder die Fähigkeit dazu oder nicht.
I 20
3. wenn d und b der Natur nach sehend sind, aber die Fähigkeit nicht haben, sind sie blind. 4. Daher , wenn d und b der Natur nach sehend sind, haben sie entweder beide die Fähigkeit oder beide nicht.
5. Wenn d die Fähigkeit hat und b blind ist, dann sind d und b der Natur nach sehend
6. Daher, wenn d die Fähigkeit hat und b blind ist, haben entweder beide die Fähigkeit oder sind beide blind. Was absurd ist. (Aristoteles).
Lösung/Aristoteles: solche Plural Fragen wie: "Sind sie der Natur nach sehend?" oder "Sind sie blind?" sollten verbannt werden.
GeachVsAristoteles: das ist drastisch und unnötig. "Die Fähigkeit haben, zu sehen" kann grammatisch auf zwei verschiedene Arten konstruiert werden:
a) das keiner aus einer Klasse die Fähigkeit hat
b) daß nicht jeder aus einer Klasse die Fähigkeit hat.
Geach: um Schritt 3. korrekt zu machen, muss es heißen: jedes Element der Klasse hat die Fähigkeit nicht.
I 25
Konjunktion/Aristoteles/Geach: A. eigener Beweis seines Metatheorems: Prämissen: sollen "A ist weiß" (eines gültigen Syllogismus) sein
Konklusion: "B ist groß".
Dann können die Prämissen eines vermuteten Syllogismus nicht wahr sein:
(14) Wenn A nicht weiß ist, dann ist B groß
Der Syllogismus selbst soll repräsentiert sein von:
(15) Wenn A weiß ist, dann ist B groß
(15) führt zur Kontraposition
(16) Wenn B nicht groß ist, dann ist A nicht weiß
dann führen (1) und (14) in dem, was Aristoteles den "hypothetischen Syllogismus" nennt, zu der Konklusion:
(17) Wenn B nicht groß ist, dann ist B groß.
Dann nennt Aristoteles "absurd".
VsAristoteles: manche Autoren: die Form "Wenn nicht p dann p" muss nicht absurd sein! (Geach pro). Bsp Man kann es benutzen, um "p" selbst zu erreichen (?). in der Geometrie:
"Wenn AB und CD nicht parallel sind, dann sind sie Parallelen, also sind sie Parallelen."(?).
VsVs: das übersieht aber in diesem Fall daß "B ist groß" gar keine Proposition (Aussage, Satz) im Sinne eines traditionellen Syllogismus ist: wie z.B. "Jedes X ist Y".
GeachVsAristoteles. er beansprucht hier gezeigt zu haben, daß wenn wir zwei gültige Schemata von Syllogismen haben mit einer Konjunktion der Prämissen "p und q" und "nicht p und nicht q", , dann wenn beide die Konklusion "Jedes X ist Y" liefern, dann sollten wir verpflichtet sein zur Anerkennung der allgemeinen Gültigkeit der Formel:
"Wenn nicht jedes X Y ist, dann ist jedes X Y" und das ist in der Tat absurd.
((s) Unterschied zu oben: Wenn B nicht groß ist, dann ist B groß. enthält nicht "jedes" bzw. "nicht jedes": Unterschied konträr/kontradiktorisch).
GeachVsAristoteles: der Fehler liegt in seiner falschen Auffassung von Kontradiktion.
Er hat schon recht damit, daß eine Konjunktion eine Proposition ist.
Pointe: wenn "A ist weiß" eine Prämissen Konjunktion "p und q" darstellen soll, dann kann seine Negation: "A ist nicht weiß" nicht "nicht p und nicht q" repräsentieren.
Richtig ist die Negation vielmehr: "nicht beide p und q"

Negation: einer Konjunktion: ~(p u q) = (plq) nicht (~p u ~q). Nicht beide, nicht "keins".
Bsp (s) A ist weiß": Negation: A ist nicht weiß" nicht "A ist nicht weiß und auch kein Gegenstand".

I 26
GeachVsAristoteles: weil er nur implizit annahm, daß Konjunktionen Sätze sind (Geach pro), erwog er nicht richtig die Frage, was die Kontradiktion einer Konjunktion eigentlich sei. (s.u.) Im Spätwerk erkannte Aristoteles Konjunktionen explizit als Propositionen an mit der genialen Erfindung von "A" und "B" usw. als Satzbuchstaben. (Satzvariablen). >Modallogik/Geach, >Tatsachen/Geach.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Kripkes Wittgenstein Esfeld I 99ff
Kripkes Wittgenstein: Jede endliche Reihe von Beispielen genügt unendlich vielen logisch möglichen Regeln. Kripke geht nicht von Verhalten, sondern von Absicht aus: Woher weiß man selbst, dass man 125 sagen soll, wenn man beabsichtigt, im Einklang mit seinen früheren Antworten zu handeln? Es gibt hier nichts Mentales, das den Inhalt bestimmt. Bei unendlich vielen Möglichkeiten gibt es keinen begrifflichen Inhalt. Ein Begriff ist aber unabhängig von bestimmter Anwendung.
I 102
Kripkes Wittgenstein: Dispositionen/Kripke: Dispositionen helfen nicht, da sie ebenfalls begrenzt sind - wieso wäre die Handlung, zu der man disponiert ist, die, die man tun sollte? Form/KripkeVsAristoteles: gleiches Problem: Wie sollte man die richtigen "natürlichen Eigenschaften" erkennen? (> Normativitätsproblem)
I 105f
Kripkes Wittgenstein/skeptische Lösung: Kripkes Wittgenstein ergibt nur Behauptbarkeitsbedingungen, keine Wahrheitsbedingungen, also keine Fakten, die Aussagen über Bedeutung wahr machen. Esfeld: Lösung: Die soziale Praxis ist der mittlere Weg zwischen skeptischer Lösung (Nonfaktualismus) und direkter Lösung, die die Fakten der Bedeutung in der Ausstattung der Welt zu finden versucht. KripkeVs: Man könnte heute Addition und gestern Quaddition haben: Was immer im jeweiligen Moment korrekt erscheint, ist korrekt. Gegenwärtige Dispositionen haben immer eine privilegierte Stellung. Veränderung ist nicht unabhängig vom begrifflichen Inhalt. Um Wechsel festzustellen, muss dieser zuerst feststehen. Siehe auch >Privatsprache, >Regelfolgen.

Es I
M. Esfeld
Holismus Frankfurt/M 2002
Leben Agamben Brocker I 821
Leben/Agamben: Agambens Begriff des „nackten Lebens“ setzt ein an der altgriechischen Unterscheidung zwischen „zoe“ und „bios“: zoe/Aristoteles: ein zur Politik qualifiziertes Leben
bios/Aristoteles: ein natürlich-unqualifiziertes Leben, das damit von der Politik ausgeschossen ist.
Nacktes Leben/Agamben: dieser Begriff ist eingespannt zwischen Foucaults Begriff der „Biopolitik“ (Foucault, Der Wille zum Wissen,1977) und Hannah Arendts Begriff des homo laborans (H. Arendt, Vita Aktiva oder vom tätigen Leben, 1960). Damit rückt das Biologische Leben zunehmend ins Zentrum der politischen Bühne. (1) Siehe Staat/Agamben.
Die Form, die das „nackte Leben“ im Politischen annimmt, ist die des „homo sacer“ ((s) des „Heiligen Menschen“).
Brocker I 827
Leben/AgambenVsAristoteles: entgegen der klassischen aristotelischen Trennung von »zōḗ« und »bíos«, die neo-aristotelisch auch bei Arendt in der Unterscheidung von sozialer und politischer Sphäre wiederkehrt, wird für Agamben das nackte Leben immer schon und ausschließlich als politisches Leben verständlich. Siehe Biopolitik/Agamben. Agamben: These: Jedes Leben, sei es auch völlig unqualifiziert, nackt und ent-blößt, gerade in dieser Ent-Blößtheit den ursprünglichen Ansatzpunkt jeder Politik bildet, auch und gerade der demokratischen Politik im Zeichen der Menschenrechte.



1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 13.


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Logos Aristoteles Bubner I 190
Logos/Aristoteles: durch ihn wird die elementare Naturbedingtheit überboten. Es gibt aber - anders als bei Hobbes und Rousseau keinen Vertragsabschluss, der aus der Natur (Naturrecht) herausführt. Logos: bei Aristoteles Sprache und nicht die Vernunft zu verstehen, was aus dem Vergleich mit den Tieren hervorgeht.
Sprache enthüllt im wechselseitigen Austausch das Gute und Gerechte.
Das Gute ist als leitender Entwurf des Handelns durchaus umstritten, so dass darüber debattiert werden muss.
Der Logos ist so ein Mittel zum Eruieren, aber kein gesetztes Ziel und kein Gehalt in sich.
Nur dank der Unterstellung gemeinsamer Interessen kommt der Dialog in Gang.
Ohne Polis keine Funktion des Logos und ohne Logos keine Politik.
Die weiterwuchernde Komplexität erhält sich selber, ohne eine politische Handlungsgemeinschaft zu bilden. Das erkennt HegelVsAristoteles.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Mathematik Bigelow I VII
Mathematik/BigelowVsField: kann realistisch verstanden werden, wenn sie als Studium der Universalien, Eigenschaften und Relationen, von Mustern und Strukturen angesehen wird von Dingen, die zur selben Zeit and verschiedenen Orten sein können.
I 346
Mathematik/Realismus/Bigelow/Pargetter: Pro Realismus der Mathematik. ((s) Die These, dass Zahlen als Gegenstände existieren . Und damit auch Mengen, und alle möglichen mathematischen Objekte bzw. Entitäten. (FieldVs.)
Wir stimmen den Antirealisten zu, dass es menschliche Schöpfungen gibt:
Bsp Wörter, Ideen, Diagramme, Bilder, Begriffe, Theorien, Texte, akademische Abteilungen usw.
Realismus/Bigelow/Pargetter: der Mathematik: verträgt sich gut mit modalem Realismus.
Wissenschaft/Bigelow/Pargetter: niemand vertritt die Auffassung, dass alles und jedes in den Wissenschaften real sei. Es muss (nützliche) Fiktionen geben. Daher kann man im Prinzip Realist sein in Bezug auf Alltagsdinge und gleichzeitig mathematischer Antirealist. Bsp Field:
Field/Bigelow/Pargetter: ist zugleich Realist in Bezug auf Raumzeit, Partikel und Felder.
I 347
Realismus/Antirealismus/Mathematik/Bigelow/Pargetter: dennoch ist etwas falsch an dieser Verheiratung: Mathematik ist nicht ein kleines sondern ein sehr großes Element der Wissenschaft. Sie ist auch nicht leicht zu isolieren. Bsp Galileo/Bigelow/Pargetter: wusste noch nichts von instantaner Geschwindigkeit. Für ihn war Geschwindigkeit einfach Strecke geteilt durch Zeit. Ein fallender Körper hatte dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit, wobei dies Galileo auch nicht klar war.
Daher machte er folgenden Fehler: wenn zwei Körper zusammen fallengelassen werden, und der eine weiter fliegt, haben beide bis zum Stop des ersten exakt die gleiche Geschwindigkeit.
Galileo: musste aber annehmen, dass dieser Körper langsamer sei, weil der andere Körper für die vielleicht doppelte Strecke, weniger als das Doppelte brauchte.
I 348
Fallgeschwindigkeit/Bigelow/Pargetter: daher kann die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht proportional der Strecke sein. Realismus/Bigelow/Pargetter: wenn irgendetwas ein Beweis für den Realismus ist, dann dies: ein Objekt, das doppelt so weit fällt, hat trotzdem nicht die doppelte Durchschnittsgeschwindigkeit. Wenn man das feststellt, ist man damit Realist in Bezug auf die Tatsache, wie lang ein Objekt braucht, um über eine gegebene Strecke zu gelangen. Damit sind wir Realisten in Bezug auf Geschwindigkeit, Zeit und Abstand.
((s) Das Problem entstand dadurch, dass Galilei gezwungen war, an den Definitionen festzuhalten die er selbst aufgestellt hatte, sonst hätte er seine Theorie wechseln müssen.).
Durchschnitt/VsRealismus/Bigelow/Pargetter: man könnte einwenden, dass Durchschnitt nur eine Abstraktion ist.
VsVs: wir brauchen den Durchschnitt hier aber gar nicht: es ist einfach wahr, dass der Körper im zweiten abschnitt schneller fällt, und das bedeutet einfach, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht dieselbe sein kann.
Geschwindigkeit/Galilei/Bigelow/Pargetter: dieser achte, dass sie physikalisch real sei. Und durch Kräfte verursacht und zu diesen proportional, daher war Geschwindigkeit für ihn auch kausal effektiv.
Geschwindigkeit/heute/Bigelow/Pargetter: wir denken heute, dass es die instantane Geschwindigkeit ist, die kausal effektiv ist, niemals die Durchschnittsgeschwindigkeit.
I 349
Realismus/Mathematik/Bigelow/Pargetter: die Gleichungen mit denen wir die Relationen zwischen verschiedenen fallenden Körpern beschreiben, sind menschliche Erfindungen, aber nicht die Relationen selbst. Fallgeschwindigkeit/Fallgesetz/Galilei/Bigelow/Pargetter: die Distanz ist proportional zum Quadrat der zurückgelegten Zeit. Wie gründet sich dieses abstrakte Gesetz in konkreten physikalischen Gegebenheiten?
Galilei: in der ersten Einheit der Zeit fällt der Körper eine gewisse Strecke, in der zweiten Einheit nicht das doppelte, sondern das dreifache dieser Strecke, in der dritten fünf Einheiten usw.
Vorläufer/Bigelow/Pargetter: dies war im MA schon vorweggenommen worden.
I 350
Mittelalter/These: in jedem Abschnitt wurde ein Inkrement hinzugefügt. 1,3,5,7… Nun ist die Summe der ersten n ungeraden Zahlen n².
Dann scheint es auf nichts als Regeln für den Symbolgebrauch zu beruhen, dass
(1 + 3 + … + (2n – 1) = n².
Aber das ist ein Irrtum:
Zahlen/Zahl/Bigelow/Pargetter: mögen abstrakt sein, aber sie sind in einem wichtigen Sinn in den physikalischen Gegenständen präsent: in einer Kollektion von Gegenständen, die diese Zahl haben, sind sie das Gemeinsame. Bsp eine Kollektion von Objekten, die die Zahl n² hat.
I 350
Man kann einfach sehen, dass das Muster so weitergehen muss.
I 351
Und so ist es auch in Galileis Fall. Realismus/Mathematik/Bigelow/Pargetter: die Unterschiede zu physikalischen Körpern sollten uns nicht blind machen für die Ähnlichkeiten. Wenn Gegenstände dieselben Zahlen instanziieren, werden dieselben Proportionen zwischen ihnen bestehen. (>Instantiation).
Instantiation/Bigelow/Pargetter/(s): Bsp eine Kollektion von 3 Gegenständen instanziiert die Zahl drei.
I 352
Gleichung/Bigelow/Pargetter: (Bsp Galileis Fallgesetz, das falsch war) ist eine Beschreibung realer Relationen zwischen realen Gegenständen. Platonismus/Bigelow/Pargetter: diese Auffassung kann man grob als platonistisch bezeichnen.
Bigelow/Pargetter: pro Platonismus, aber ohne die gewöhnlichen Platonische Doktrinen: wir nehmen keine Formen oder Ideale an, die aus einer früheren Existenz übernommen wurden, und die wir in unserer Welt nicht sehen können usw.
Realismus/Universalienrealismus/Universalien/Bigelow/Pargetter: unser Realismus ist näher an Aristoteles: die Universalien sind hier in unserer Welt, nicht in einer jenseitigen.
BigelowVsAristoteles: wir missbilligen seine Bevorzugung von quantitativen gegenüber quantitativen Charakteristika von Gegenständen.
I 377
Mathematik/Bigelow/Pargetter: (…)
I 378
Muster entfalten Muster. Die Strukturen der Mathematik zeigen sich nicht nur in der Hardware der Physik, sondern auch in der „mathware“, durch Eigenschaften und Relationen in verschiedenen Gebieten der Mathematik. Bsp nicht nur Gegenstände, auch Zahlen können gezählt werden. Bsp Proportionen stehen in Proportionen zueinander. Das ist die Reflexivität innerhalb der Mathematik.


Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Menschen Anthropologie Höffe I 152
Mensch/Bürger/Anthropologie/Höffe: Aristoteles' Bestimmung des Menschen als seiner Natur nach politisches Lebewesen wird [bei Thomas](1) zum Begriff des animal sociale et politicum, des sozialen und politischen Lebewesens, weiterentwickelt. (...) [Thomas‘] Ansicht nach muss der Mensch, sowohl ein Mängel-, als auch ein Vernunftwesen, mit seiner Hände Arbeit selbst für sein Leben sorgen. ThomasVsAristoteles/Höffe: Bei diesem anthropologischen Argument nimmt Thomas stillschweigend eine revolutionäre Neubewertung der Arbeit vor, er befreit sie nämlich von einem doppelten Makel. Weder erscheint sie als eine Tätigkeit bloß für Knechte/Sklaven noch als eine Strafe für die Erbsünde, vielmehr wird sie dem Wesen des Menschen zugeordnet.


1. Thomas De regno ad regem Cypri
Metaphern Aristoteles Ricoeur II 47
Metapher/Aristoteles/Ricoeur: (...) In der Poetik des Aristoteles lesen wir, dass eine Metapher "die Anwendung eines Namens, der zu etwas anderem gehört, ist. Die Übertragung geschieht auf ein Ding, von der Gattung auf die Art, von der Art zur Gattung, von Art zu Art oder proportional".(1) Seine Rhetorik nimmt diese Definition als vorgegeben hin und fügt lediglich eine Randbemerkung bezüglich der Verwendung von Vergleichsbildern hinzu, die als eine besondere Form der Proportionsmetapher charakterisiert werden, in der der Vergleich explizit durch einen Vergleichsbegriff wie "ist wie" gekennzeichnet wird. Der Vergleich ist mit anderen Worten eine erweiterte Form der
Ricoeur I 48
Metapher. Cicero und Quintilian kehrten dieses Modell später um und sagten, eine Metapher sei lediglich ein verkürzter Vergleich. >Metapher/Ricoeur.
RicoeurVsAristoteles: [Wir werden eine] Revision benötigen (...), die das Problem der Metapher von der Semantik des Wortes auf die Semantik des Satzes verlagert.

1. Aristoteles, Poetics, XXI, 4.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Natur McDowell I 123 ff
Natur/Kant/McDowell: die Natur ist bei Kant gleich dem Reich der Naturgesetze. Er kennt nicht den Begriff der zweiten Natur, obwohl er sehr wohl den Begriff der Bildung kennt. Aber eben nicht als Hintergrund.
I 118
Zweite Natur/McDowell: These: es gibt Vorschriften der Natur, egal ob man für sie empfänglich ist oder nicht. Das ist die Folge richtiger Erziehung. "Naturalismus der zweiten Natur", "Naturalisierter Platonismus". Natur/Naturgesetze/McDowellVsNaturalismus: Vs "unverblümter Naturalismus": Der Raum der Natur ist nicht gleich dem Raum der Naturgesetze.
Die Kräfte gehören zum Teil in den Bereich der zweiten Natur.
Natur/McDowell: umfasst alles, was zum fundamentalsten Verstehen der Dinge gehört, also weder Bedeutung noch Werte. (VsAristoteles). Entzauberung der Natur ist Fortschritt.
Aber: das was entzaubert wurde, muss nicht mit der Natur identifiziert werden!

Rorty VI 212
McDowell/Rorty: die Natur übt vielleicht nicht bloß kausale, sondern auch rationale Kontrolle über das menschliche Forschen aus. Def Zweite Natur/McDowell: "Eine zweite Natur erwerben die Menschen unter anderem dadurch, dass ihnen begriffliche Fähigkeiten erschlossen werden, deren Wechselbeziehungen dem logischen Raum der Gründe angehören". (Bsp Initiation, Eintritt in eine moralische Gemeinschaft, "Bildung"). Dass einem die Augen geöffnet werden, verleiht einem die Fähigkeit, von der Welt rational kontrolliert zu werden. Und damit zu Urteilen fähig zu werden, die der Welt gegenüber verantwortlich sind.
Außerdem wird einem dadurch rationale Freiheit geschenkt.
McDowellVsBrandom/McDowellVsSellars/McDowellVsDavidson/Rorty: all das wird unverständlich, wenn wir Sellars, Davidsons oder Brandoms Begriffe verwenden.

McDowell I
John McDowell
Geist und Welt Frankfurt 2001

McDowell II
John McDowell
"Truth Conditions, Bivalence and Verificationism"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Naturgesetze Bigelow I 113
Naturgesetze/Kontrafaktisches Konditional/Bigelow/Pargetter: sind oft in Begriffen „idealer Systeme“ formuliert. Dazu brauchen sie Kontrafaktischee Konditionale.
I 114
Ebenso brauchen Gedankenexperimente kontrafaktische Konditionale.
I 214
Gesetz/Antike/Bigelow/Pargetter: Bsp „Was nach oben steigt, muss fallen“. Lukrez: was überwiegend aus Erde oder Wasser besteht, muss nach unten wandern. „Unten“ war eine ausgezeichnete Richtung.
Atomismus: Vertreter. Lukrez. Noch wenig astronomische Kenntnisse.
Aristoteles/Ptolemaios: glaubten, dass alles was überwiegend aus Erde oder Wasser besteht, in das Zentrum des Kosmos wandert, und da es ins Zentrum der Erde wandert, müsse dieses das Zentrum des Kosmos sein.
I 215
Antike/Bigelow/Pargetter: in einer Hinsicht ist Aristoteles näher an der Wahrheit, in anderer Hinsicht ist es Lukrez. Dieser hatte recht damit, dass das Zentrum der Erde nicht ausgezeichnet ist. Naturgesetze/Physik/Biologie/Bigelow/Pargetter: eine einseitige Diät durch Beispiele aus der Physik führt nicht unbedingt zu einer richtigen Sicht der Naturgesetze.
Stattdessen: hier einige Beispiel aus der Biologie:
Verallgemeinerung/Biologie: Bsp ein Lebewesen hat Vater und Mutter von derselben Art wie es selbst. (Heute wissen wir, dass dies einige Ausnahmen hat).
I 216
Es war eine Überraschung, als man feststellte, dass dies auch für einige Pflanzen gilt.
I 217
Verallgemeinerung: die meisten haben eine Ausnahme. Bsp ohne Ausnahme: vielleicht die Verallgemeinerung „Alle Säugetiere haben eine Mutter“. Ausnahmen/Gegenbeispiele/Bigelow/Pargetter: man darf die Bedrohung von Gesetzen durch Ausnahmen nicht überschätzen.
Gesetz/Bigelow/Pargetter: dafür suchen wir zweierlei:
a) etwas, das mehr ist als eine Regularität, andererseits
b) weniger als eine ausnahmslose Regularität.
Es kann sein, daß wir mit einem Gesetz eine wichtige Eigenschaften der Fälle aufgedeckt haben, die ihm genügen, auch wenn nicht alle Fälle ihm genügen.
Modal/Gesetz/Bigelow/Pargetter: These die Gemeinsamkeiten, die dem Gesetz genügen, sind modal.
Gesetz/Erklärung/Bigelow/Pargetter: wir brauchen nicht immer ein Gesetz, Bsp um zu wissen, dass unsere Katze schwanger ist. >Verallgemeinerung.
I 220
Gesetze/Bigelow/Pargetter: werden verbessert: Bsp Aristoteles – Kopernikus – Newton. Kopernikus: dachte noch, daß das Material des Mondes nicht in Richtung Erde fällt, sondern zum Mondmittelpunkt. Daher ist der Mond rund.
Newton/(s): erklärte erst die Kreisbewegung des Mondes.
Aristoteles: These alles (erdige und wasserhaltige) fällt zu einem Mittelpunkt und dieser ist zufällig der Mittelpunkt der Erde.
Pointe: damit erfüllt er auch die quasi-kopernikanische Theorie!
I 221
VsAristoteles: seine Theorie war dennoch falsch. Aber nicht weil irgendeine Bewegung anders gewesen wäre, sondern weil die Begründung falsch war: es geht um Gravitation, Aristoteles hielt das Zentrum der Erde für das Zentrum des Kosmos. Fehler: war nicht, dass Aristoteles meinte, kein Gegenstand fiele in eine andere Richtung, sondern weil er meinte, kein Gegenstand könne in eine andere Richtung fallen. (Notwendigkeit).

I 221
Gesetz/Gesetze/Bigelow/Pargetter: sind also Verallgemeinerungen (Beschreibung von Regularitäten) plus Zuschreibung von Notwendigkeit. (Dretske 1977, Tooley 1977, Armstrong 1978, 1983) Bigelow/Pargetter: wenn sie falsch sind, müssen sie strikt falsch sein oder leer. (Cartwright 1983, Hacking 1983).
I 222
Def Gesetze/Gesetz/Bigelow/Pargetter: sind Wahrheiten über Possibilia. Verstehen/Bigelow/Pargetter: Aktualia können nicht vollständig verstanden werden, ohne das Verstehen von Possibilia. ((s) Hier wird Verstehen in Verbindung mit Gegenständen, nicht Sätzen, gebracht).
Mögliche Welten/Verstehen/Bigelow/Pargetter: wir verstehen die aktuale Welt nur, indem wir sie im logischen Raum der möglichen Welten lokalisieren.
Naturgesetz/NG/Bigelow/Pargetter: These: kann nicht angemessen in einer nichtmodalen Sprache beschrieben werden. Und zwar, weil ein NG nicht bloß eine Regularität ist.
logische Form: d.h. ein NG kann nicht bloß als
(x)(Fx > Gx)
dargestellt werden.
logische Form : eines Naturgesetzes wird oft eine universelle Generalisierung (UG) sein. Aber es kann auch eine andere Generalisierung oder andere Form von Satz sein. Wir nehmen hier aber an, daß NG (UG) involvieren und daher folgende Form haben werden:
I 223
natN(x)(Fx > Gx). natürliche Notwendigkeit/Bigelow/Pargetter : beinhaltet (entails) dass Naturgesetze kontrafaktische Konditionale involvieren. Weil sie davon handeln , was passieren würde, nicht nur von dem, was passiert. Und zwar auch, wenn die Dinge in bestimmter Hinsicht anders wären, als sie sind.
D.h. zusätzlich zur Regularität
(x)(Fx > Gx)
wird es wahr sein, dass jedes F ein G sein würde ((s) Logik 2. Stufe!)
logische Form/(s) Kontrafaktisches Konditional statt Quantifikation 2. Stufe:
(x) Fx wäre>wäre Gx)
das zusammen nehmen wir als Wahrmacher für den Satz
natN(x)(Fx > Gx). (s.o.)
Naturgesetz /Bigelow/Pargetter : These: das ist die Sicht von Naturgesetzen, die wir verteidigen.
LewisVsBigelow: (1979) die Theorie ist zirkulär.

I 226
Nichtmodale Theorie/Naturgesetze/Hume/Bigelow/Pargetter: (Statt relativer Notwendigkeit: ) die meisten nichtmodalen Theorie der Naturgesetze stammen von Hume ab. Dann können wir nomische Notwendigkeit als relative Notwendigkeit annehmen, ohne in einen Zirkel zu geraten. Pointe: dann können wir einfach nomische Notwendigkeit als relative Notwendigkeit annehmen und uns darauf verlassen, dass sie ihrerseits auf einem unabhängigen Zugang zu Gesetzen beruht!
Erklärung: also ist es sinnvoll, Gesetze zu gebrauchen, um nomische Notwendigkeit zu erklären, statt umgekehrt. Und das ist viel weniger obskur als modale Argumente.
I 227
BigelowVsVs: modale Erklärungen sind gar nicht so mysteriös. BigelowVsHume: Humesche Theorien sind nicht in der Lage, diese nichtmodalen Eigenschaften der Gesetze zu erklären, sie haben weniger Erklärungskraft.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Naturrecht Hobbes Bubner I 193
Naturrecht/Hobbes/Bubner: HobbesVsAristoteles: neuzeitliches Naturrecht. "Naturzustand" stellt eine Fiktion dar, in der zwar die rechtlichen Grundlagen der Staatsgründung verankert sind, während der eigentliche Vertragsschluss jenen Zustand durch ein künstliches Rechtsinstitut überwindet.
Das natürliche Recht kluger Interessenverfolgung jedes Einzelnen ebenso wie die prinzipielle , zur Todesdrohung gesteigerte Unmöglichkeit kollektiver Durchsetzung der Einzelinteressen gehören zu den Merkmalen des Naturzustands.
Beide Merkmals zusammen ergeben ein Dilemma, welches das Kollektiv erst durch Aufgabe der Rechte aller Einzelnen im Vertragsschluss hinter sich lässt.
Natur wirkt hier als Voraussetzung und Stimulans eines Schrittes über Natur hinaus in Hinsicht auf die Sicherung dauerhafter Ordnung.
Leviathan der vertraglich legitimierte Souverän garantiert die Ordnung. Er verdient nur wegen seiner Unvermeidlichkeit den Titel des Natürlichen.
Eigentlich ist er eine Maschine, der die göttliche Schöpfung imitiert.


Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Naturrecht Spinoza Höffe I 235
Naturrecht/SpinozaVsThomas/SpinozaVsAristoteles: Spinoza behält zwar den überlieferten Ausdruck des Naturrechts bei, gibt ihm aber eine grundlegend neue, ausschließlich naturalistische Bedeutung. Gemäß deren Prinzip Selbsterhaltung beinhaltet das Naturrecht keinerlei moralischen oder anderweitig normativen Anspruch. SpinozaVsMachiavelli: Im Gegenteil darf jeder Mensch, also nicht wie bei Machiavelli nur der Fürst, tun, was die Moral zu verbieten pflegt, er darf mit Gewalt oder List agieren. Ohne jedes Pflichtmoment definiert, besteht das vorstaatliche Recht in nichts anderem als der eigenen naturalen Macht (potentia). Mit dieser fällt ein subjektives Recht - der berechtigte Anspruch einer Person - mit ihrer Fähigkeit, ihr Recht durchzusetzen, zusammen.(1)



1.Spinoza, Tractatus theologico-politicus

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002
Naturzustand Hobbes Höffe I 216
Naturzustand/Hobbes/Höffe: In dem für den ersten, anthropologischen Teil zentralen Kapitel 13 des Leviathan stellt Hobbes unter dem Titel des Naturzustandes eine seitdem berühmte Überlegung auf. Sie hat den methodischen Status eines Gedankenexperiments.
Höffe I 217
Mit dem Naturzustand skizziert Hobbes keine geschichtlich oder vorschichtliche Phase der Menschheit. Vielmehr untersucht er das Konfliktpotenzial, das einem Zusammenleben vernunftbegabter Sinneswesen innewohnt, sofern unter ihnen keine verbindlichen Regeln und keine öffentlichen Gewalten herrschen. HobbesVsAristoteles: Im radikalen Gegensatz zu der von Aristoteles ausgehenden Bestimmung des Menschen als eines von Natur aus politischen Wesens wird der Staat (...) nicht durch Natur, sondern durch Kunst (art) geschaffen.
„Homo homini lupus“: Hobbes' Antwort auf seine neuartige Frage ist als Formel sprichwörtlich geworden: «Der Mensch ist des Menschen Wolf» (homo homini lupus: Vom Bürger, Widmung). Die Formel stammt freilich aus der vorchristlichen Antike und wird in der Generation vor Hobbes schon von Bacon zitiert. (s.u. „Der Mensch ist dem Menschen ein Gott“).
Naturzustand: Weil nun mangels einer Staatsgewalt, wie das Gedankenexperiment voraussetzt, die Mitstreiter in voller Freiheit agieren, werden sie im Fall, dass sie um dieselben Mittel streiten, zu Gegnern: Die Menschen haben voreinander Angst. [Diese hat] (...) drei Ursachen. 1) Konkurrenz, 2) Misstrauen, 3) Ruhmsucht.
Bürgerkrieg: Erstaunlicherweise fehlt hier die für die Bürgerkriege mitentscheidende Ursache, der Streit über die religiöse Wahrheit. Denn dieser Streit fällt nicht unter eine der drei genannten Konfliktursachen: Am Seelenheil orientiert, entspringt er weder der Gewinnsucht noch dem Sicherheitsinteresse oder der Ruhmsucht.
Höffe I 219
Positive Leidenschaften/Hobbes: Höffe: Glücklicherweise herrschen im Naturzustand außer den drei Konfliktursachen noch weitere Leidenschaften. Wer sie wie viele Interpreten unterschlägt, nimmt nicht nur eine erhebliche Kürzung vor, da er nur die erste Hälfte von Hobbes' Naturzustand berücksichtigt. Er versteht auch nicht, wie der Naturzustand überwunden werden kann. Hobbes beruft sich auf drei den Frieden suchende Motivationskräfte: auf die Todesfurcht, das Verlangen nach Dingen, die es zu einem angenehmen Leben braucht, und die Hoffnung, sie durch eigene Anstrengung zu erreichen (ebd.). >Frieden/Hobbes. Das im Naturzustand herrschende Recht auf alles erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Recht auf nichts. Weil dieser Einsicht für sich genommen jede Antriebskraft fehlt, braucht sie einen anderen, sowohl energetischen als auch zielgerichteten Faktor, eben die drei friedensförderlichen Leidenschaften. >Herrschaft/Hobbes.
Herrscher: Wegen [seiner] Allgewalt nennt ihn Hobbes einen Gott,
Höffe I 221
wegen seiner Vergänglichkeit aber nur «sterblichen» Gott. Ihn einzurichten, behauptet er, gebietet das aufgeklärte Selbstinteresse, die >Vernunft im Sinne von Lebensklugheit. „Der Mensch ist dem Mensch ein Gott“: In diesem Zusammenhang führt Hobbes - was viele Interpreten unterschlagen - die Konkurrenzformel zur Wolfs-Formel ein. Auch sie stammt aus der Antike und wird ebenfalls schon von Bacon zitiert: «der Mensch ist dem Menschen ein Gott» (homo homini deus), so heißt es schon in der Widmung der Schrift Vom Bürger.



Danto III 229
Naturzustand/Hobbes/Danto: Laut Hobbes gab es im Naturzustand kein Anzeichen von Zivilisation und die Geschichte (story) des bloßen Lebens müsste eine monotone Wiederholung von Prügeleien und Vergewaltigungen sein: Wenn es eine Geschichte ans sich (history) gegeben hat, dann ist sie der Religion zu verdanken, und laut Nietzsche damit auch dem „Geist, der von den Ohnmächtigen (Danto: den Priestern) her in sie gekommen ist. (F. Nietzsche Jenseits von Gut und Böse, VI. 2, S 281). Sinn/Leben/Nietzsche/Danto: Von hier aus lässt sich die Bedeutung der Religion erst richtig abschätzen: „Es hatte der Mensch, das Tier Mensch bisher keinen Sinn. Sein Dasein auf Erden enthielt kein Ziel; Er wusste sich selbst nicht zu rechtfertigen, zu erklären, zu bejahen.“ (ebenda, S. 429.).

Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

Danto I
A. C. Danto
Wege zur Welt München 1999

Danto III
Arthur C. Danto
Nietzsche als Philosoph München 1998

Danto VII
A. C. Danto
The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005
Nietzsche MacIntyre Brocker I 660
Nietzsche/Moral/Ethik/MacIntyreVsAufklärung/MacIntyre: in Nietzsche erkennt MacIntyre den „Moralphilosophen der Gegenwart“. (1) Er habe das Versagen einer Rationalisierung der Moral diagnostiziert und die Konsequenzen aus diesem Zustand gezogen. Er demaskierte die Moral als einen untergründigen Willen zur Macht. Er ist der „äußerste Gegner der aristotelischen Tradition“ (2). NietzscheVsAristoteles.


1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987), S. 155
2. Ebenda S. 345


Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Notwendigkeit Wiggins II 285
Notwendigkeit/QuineVsAristoteles/VsEssentialismus: nicht unabhängig von unserer Spezifikation der Objekte.
II 292
Wiggins: Operator "es ist notwendig dass.." schafft opake Kontexte: Bsp für Jekyll gehalten zu werden ist nicht dasselbe wie für Hyde gehalten zu werden, auch wenn Jekyll = Hyde - auch starre Designatoren nicht in Kontexten mit "es ist möglich, dass.." austauschbar (und wahrscheinlich auch nicht in "notw...).
II 301
Notwendig/Wiggins: analog zu innerer/äußerer Negation: Tradition: Unterschied nach der ersten Methode zu verwischen: Bsp "notwendigerweise ist Sokrates ein Mensch" und "Sokrates ist notwendigerweise ein Mensch" - Wiggins pro zweite Methode - > Def Erfüllung für Sätze mit "notw": Wiggins pro Existenz als notwendige Eigenschaft - >Existenzgeneralisierung.
II 303
Notwendig/de dicto/Wiggins: einfach falsch: Bsp notwendigerweise (x)(x = Cicero) > (x ist ein Mensch) - de dicto: ist es wahr? Wenn ja, erhalten wir das falsche: notwendigerweise (Ez)(x)(x = z > (x ist ein Mensch).

Wiggins I
D. Wiggins
Essays on Identity and Substance Oxford 2016

Wiggins II
David Wiggins
"The De Re ’Must’: A Note on the Logical Form of Essentialist Claims"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976
Ontologie Aristoteles Bubner I 118
Ontologie/Aristoteles: kennt die Realgründe der Wirklichkeit, aus denen die Wissenschaften apodiktisch schließen. BubnerVsAristoteles: die Zuständigkeit der Beweisgründe bleibt unbestimmt, ortlos, und deckt damit nicht befriedigend die Notwendigkeit ab, den empirischen Geltungsbereich der Apodeixis zu bestimmen.


Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Ordnung Bigelow I 42
Ordnung/Universalien/Antisymmetrie/Bigelow/Pargetter: die Antisymmetrie kann dann zwischen unendlich vielen verschiedenen Universalien eine Ordnung (Hierarchie) aufstellen: Ordnung/Hierarchie:
1. Individuen: Def Individuum/Bigelow/Pargetter: was nicht von irgendetwas instanziiert wird.
2. Regel: der Rest wird durch folgende Regel gewonnen:

Wenn t1,t2,…tn Typen sind, dann ist auch (t1,t2...tn) ein Typ..
((s) d.h, Zusammenfassungen von Typen sind ebenfalls Typen).
Def Typ/Bigelow/Pargetter: ist dann eine Menge von Universalien, die aus einem bis unendlich vielen bestehen kann.
Bereich/domain/Bigelow/Pargetter: die Vereinigung aller Typen, jeder Typ ist eine Teilmenge des Bereichs. Es kann auch leere Teilmengen geben.

I 362
Reelle Zahlen/Bigelow/Pargetter: diese Theorie der Proportionen als Theorie der reellen Zahlen wurde Ende des 19. Jahrhundert von Dedekind und anderen entwickelt.
Ordnung/Verhältnis/Bigelow/Pargetter: für diese Theorie müssen wir die natürliche Ordnung, die durch Verhältnisse geschaffen wird, erweitern.
Geometrie: zeigt Proportionen, die nicht ganzzahlig wiedergegeben werden können.
Proportion/Terminologie/Bigelow/Pargetter: nennen wir Verhältnisse, die nicht ganzzahlig wiedergegeben werden können.
Realismus/Bigelow/Pargetter: plädiert dafür anzunehmen, dass es Gegenstände gibt, die die Proportionen des Goldenen Schnitts aufweisen, statt zu behaupten, es gäbe den Golden Schnitt nicht.
reelle Zahlen/Bigelow/Pargetter: Angenommen, es gäbe den Goldenen Schnitt nicht, gäbe es dann keine reellen Zahlen?
I 363
Ist die Existenz reeller Zahlen kontingent auf der Existenz von Quantitäten? Aristoteles/Bigelow/Pargetter: fordert, dass jede Quantität instanziiert sein muss, um zu existieren
VsAristoteles: das scheint mathematische Tatsachen von empirischen Fakten abhängig zu machen.
Platonismus/Bigelow/Pargetter: für ihn existieren alle Quantitäten, unabhängig davon, ob sie instanziiert werden. Das garantiert reine Mathematik.


Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Ousia Aristoteles Adorno XII 54
Sein/Ousia/Aristoteles/Adorno: Aristoteles hilft sich ein bisschen handfest, indem er sagt, es sei ousia das jetzt und hier Daseiende im Sinn der Genese, aber dem rein geistigen ontologischen Rang nach sei die ousia das Erste im Sinn der Idee. AdornoVsAristoteles: das ist eine etwas gewalttätige Trennung von Genesis und Geltung. Sie kehrt wieder in Max Schelers sonderbarer Theorie der Ideen. (Siehe Ideen/Scheler).

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Paradoxien Logik-Texte Re III 187f
Paradoxien: Hierarchie (Tarski): - Problem: Der >Kreter weiß nicht, welche Stufe seine eigene Aussage annimmt - sinnvoll nur, wenn Wahrheitszuschreibung über eine niedrigere Stufe erfolgt - setzt Kenntnis voraus! (>Wissen / >Verstehen). Selbstbezüglichkeit: ist gar nicht immer schlecht oder fehlerhaft.
Re III 192f
Curry-Paradox: Wenn A und wenn A. dann B, dann B - Wenn dieser Bedingungssatz wahr ist, dann ist Schnee schwarz - ponendo ponens - Lösung: Kontraktion: zwei Anwendungen durch eine ersetzt - Veränderung der Logik. Bsp Wenn dieser (Bedingungs-)Satz wahr ist, dann ist Schnee schwarz.
consequentia mirabilis: Wenn A, dann ~A, also ~A - Kontraktion: Wenn A,dann wenn A, dann 0=1; also wenn A, dann 0=1.
Kontraktion führt zur Trivialität: macht jede Aussage aus Curry-Paradox wahr.
Re III 196
Semantisch abgeschlossen: Sprache enthält eigene Wahrheitsprädikate - Vermeidung von Paradox: Trennung der Wahrheitsbedingungen von Falschheitsbedingungen.
Sai V 17
Zenon/Sainsbury: Zenon These: kein Bereich des Raums ist unendlich teilbar, sodass er eine unendliche Anzahl von Teilen hat, wenn jeder Teil eine gewissen Ausdehnung hat: denn dann ist die Summe unendlich groß - Zenon versuchte damit zu zeigen, dass es nicht wirklich viele Dinge gibt - überhaupt könne kein Gegenstand Teile haben, denn dann müsse er unendlich groß sein. - V 19 Sainsbury: unendliche Teilung geht nur geistig. - Problem: dann keine Zusammensetzung zum Raum - bei der Zusammensetzung muss der Raum aber nicht unendlich wachsen. - Bsp Folgen mit Grenzwert
Sai V 38f
Pfeil/Paradoxie/Zenon: zu jedem Zeitpunkt nimmt der fliegende Pfeil einen mit ihm identischen Raum ein. Der Pfeil kann sich also in einem Moment nicht bewegen, da Bewegung eine Zeitspanne erfordert, und eine Moment als Punkt gesehen wird - das gilt auch für alles andere: nichts bewegt sich. Zeit/AristotelesVsZenon: Zeit besteht nicht aus Punkten.
SainsburyVsAristoteles: heute: wir versuchen ständig, Zeitpunkte zuzulassen: Bsp Beschleunigung an einem Punkt usw.
V 39
Die Frage, ob sich der Pfeil in einem Moment bewegt oder ruht, bezieht auch andere Momente mit ein - Def Ruhe/Sainsbury: ein Gegenstand ruht unter der Bedingung, dass er sich auch in allen nahe liegenden Momenten am selben Punkt befindet - keine Information über den einzelnen Moment kann feststellen, ob sich der Pfeil bewegt - die Prämisse ist annehmbar: keine Bewegung im Moment - aber die Folgerung ist unannehmbar.
Sai V 184
Satz/Aussage: nur bei bestimmter Gelegenheit zirkulär. - Die Paradoxie liegt daher nicht in der Bedeutung, sondern in der Gelegenheit. - ((s) Abhängig vom Gebrauch).
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001
Polis Hegel Höffe I 334
Polis/Hegel/Höffe: Zu seinem Gedanken der Sittlichkeit(1) sieht Hegel Entsprechungen in der antiken Polis, namentlich bei deren Theoretiker Aristoteles. Nach diesem ist das Leitziel der menschlichen Praxis, die Eudaimonia, das Glück, für den einzelnen Bürger und für die Polis dasselbe. Ähnlich begreift Hegel, der große Neoaristoteliker der Neuzeit, die höchste Stufe der Freiheit, die Sittlichkeit, als die Einheit der Moralvorstellungen der Individuen mit den Moralvorstellungen der «sittlichen Mächte», mit Recht, Sitte und Religion sowie ihren konkreten Gemeinwesen und Staaten. HegelVsAristoteles/Höffe: Über dieser Gemeinsamkeit darf man jedoch nicht den grundlegenden Unterschied übersehen: Bei Hegel tritt an die Stelle der Aristotelischen Lehre der persönlichen Hausgemeinschaft (oikos) die Theorie der anonymen bürgerlichen
Höffe I 335
Gesellschaft, mit der die neuere Nationalökonomie bzw. Volkswirtschaftslehre in die Rechts- und Staatstheorie integriert wird. >Zweite Natur/Hegel.

1. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820
Politik Hobbes Adorno XIII 239
Politik/Hobbes/Adorno: die Machtkämpfe innerhalb deren der Hobbessche Materialismus zu verstehen ist, waren im Wesentlichen die Machtkämpfe zwischen dem Staat als einer Organisation, die das reale Zusammenleben der Menschen betrifft, gegenüber der Macht der Kirchen. Das innere Pathos des ganzen Hobbesschen Denkens geht eigentlich, das ist ganz renaissanceistisch, und darin ist er Macchiavelli ganz ähnlich, dahin, die Staatsmacht gegenüber den Eingriffen der Kirche zu kräftigen. Wie verbindet sich Hobbes‘ extrem autoritäre Staatsphilosophie mit einer bestimmten materialistischen Grundkonzeption in der Metaphysik oder der Naturphilosophie?
Adorno XIII 249
Politik/Macht/Hobbes/Adorno: Die Idee der Naturbeherrschung wird von Hobbes ausgedehnt auch auf die innermenschliche Natur. Er setzt die menschliche Natur eigentlich der Tierwelt gleich, wie in seinem berühmten Gleichnis, dass ein Mensch dem anderen Menschen wie ein Wolf sei - homo homini lupus - deutlich wird.
XIII 250
HobbesVsAristoteles: Der Aristotelische Begriff des zoon politikon, des Menschen als politischem Tier, wird von Hobbes geleugnet. Für den nominalistischen Hobbes gibt es nur die reinen, naturwüchsigen, sich selbst erhaltenden Einzelwesen. Von dieser Auffassung sind gewisse Momente in der Ethik des Spinoza - z.B. der Grundsatz, dass ein jedes Seiende zunächst bestimmt werde von dem Bedürfnis, sich selbst zu erhalten - gar nicht so verschieden.
XIII 251
Staatsvertrag/Hobbes/Adorno: nach Hobbes ist die Freiheit zu nichts Gutem nütz. Die bösen Tiere - die Menschen - übertragen sie auf den Souverän, der sie soweit behält, wie er ihnen die Möglichkeit der Selbsterhaltung weiter garantiert. Materialistisch daran ist, dass die Menschen als Naturwesen nur durch das nackte Bedürfnis konstituiert sind und die einzige Chance, über die Möglichkeit des Konfliktes herauszukommen ist, dass die Erfüllung der Bedürfnisse davon abhängig gemacht wird, dass auf den ursprünglichen Krieg aller einzelnen gegen alle einzelne - das ursprüngliche bellum omnium contra omnes - verzichtet wird.

Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Prädikation Geach I 52
Zwei-Namen-Theorie/ZNT/GeachVsAristoteles: falsche Angleichung von Prädikation und Benennen: als ob Prädikate (komplexe) Namen wären: "auf der Matte". - Bsp (s) "Der Erstecher-von-Cäsar erstach den von Brutus erstochenen" - Geach: außerdem würde noch ein Bindeglied gebraucht - Zwei-Namen-Theorie: "Sokrates ist Philosoph" soll wahr sein, weil dieselbe Sache benannt wird - Vs: "Philosoph" (allg Term) ist kein Name für "alle (oder jeden) Philosophen".
I 70
kontradiktorische Prädikationen wie "Fa" und "~Fa" beziehen sich auf ein gemeinsames Subjekt - keine "kontradiktorischen Subjekte".
I 252
Prädikation/Geach: kann ohne Benennen geschehen: in einem Wenn-dass-Satz oder in einem Oder-Satz kann ein Term P von einem Ding prädiziert werden, ohne das Ding damit "P" zu nennen - Bsp "Wenn das, was der Polizist gesagt hat, wahr ist, dann ist er schneller als 60 gefahren". Das nennt den Satz des Polizisten nicht wahr. - (> Konditional). - Prädikation/Benennen: jahrhundertealter Fehler: dass das Prädikat vom Ding ausgesagt wird - Frege: Unterschied Behauptung/Prädikation: um ein Ding "P" zu nennen, muss ein Satz behauptet werden! Aber eine Eigenschaft wird auch in einem nicht-behauptenden Nebensatz (Teilsatz) prädiziert. - Daher muss Benennen durch Prädikation erklärt werden, nicht umgekehrt.
I 290
Prädikation/Geach: falsch: "SiP" zu lesen als "ein Ding ist ein Prädikat" - (Ursprung: "Zwei-Namen-Theorie, Aristoteles) ein Subjekt kann nicht negiert werden - Satznegation: Negation des Prädikats -
I 291
GeachVsAristoteles: Vs " href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/suche.php?volltext=Zwei-Namen-Theorie&x=10&y=10">Zwei-Namen-Theorie"/ZNT: verwechselt Relation von Namen zu Benanntem mit Relation des Prädikats zu dem, wovon es ausgesagt wird. - > Falsche Lehre der Dreifaltigkeit.
I 295
Prädikation/Theologie/Thomas v. Aquin: Ausdruck nach "als" ist prädikativ: Bsp "Christus insofern er Mensch ist" - Unterscheidung zwischen Subjekt und Prädikat, VsZwei-Namen-Theorie - falsch: Zwei-Namen-Theorie: Bsp "seine götliche Natur ist unsterblich, seine menschliche sterblich" - Aquin: kann unterscheiden: "Christus als Mensch ist Gott": falsch. - Zwei-Namen-Theorie: kann das nicht, weil "Mensch" und "Gott" bloß zwei Namen - VsOckham: Bsp bei ihm ist "humanitas" nicht mehr als "Majestät": ein verkleideter Name für ein konkretes Ding. - Problem: für Ockham ist das Menschliche nicht länger menschlich, wenn es als Gottes Sohn betrachtet wird. - VsOckham: weil es nicht echt abstrakt ist, wird Bsp das Bürgermeisteramt zum Bürgermeister.
I 300
Prädikation/Thomas von Aquin/Geach: Subjekt: bezieht sich auf ein suppositum (ein "Angenommenes") - Prädikat: bezieht sich auf eine Form oder Natur. - Prädikation: ungleich Benennen: Bsp "Der Premierminister wurde Premierminister" - Unsinn: "Welcher Premierminister?".

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Praktischer Syllogismus Aristoteles Wright I 36
Praktischer Syllogismus/Aristoteles/Wright, G. H.: Die Idee geht auf Aristoteles zurück. (Aristoteles, Ethica Nicomachea, 1147a 25-30). Wright: der Schlüsse zu einer korrekten Interpretation ist nicht leicht zu finden. Aristoteles selbst behandelt das Thema sehr unsystematisch und seine Beispiele sind häufig verwirrend. Eine Möglichkeit der Rekonstruktion ist: Der Ausgangpunkt oder Obersatz des Syllogismus erwähnt einen Wunschgegenstand oder ein Handlungsziel; der Untersatz setzt eine bestimmte Handlung quasi als Mittel zum Zweck mit diesem Gegenstand in Beziehung; die Conclusio besteht schließlich in der Verwendung dieses Mittels zur Erreichung jenes Zwecks. Wie in einem theoretischen Schluss die Behauptung der Prämissen notwendigerweise zur Behauptung der Conclusio führ, folgt somit in einem praktischen Schluss aus der Bejahung der Prämissen die ihnen entsprechende Handlung.
Anscombe: der praktische Schluss stellt keine Beweisform dar, sondern eine Begründungsform, die von anderer Art ist als der Beweis-Syllogismus.
WrightVsAristoteles: die Besonderheiten des praktischen Syllogismus sowie seine Beziehung zu theoretischen Begründungen sin jedoch komplex und bleiben unklar.


WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Präsuppositionen Stechow I 80
Präsupposition/Strawson: auch für die Falschheit von "Alle meine Kinder schlafen" ist die Existenz eine Voraussetzung. Syllogismen/StrawsonVsAristoteles: die Präsupposition gilt nicht für den Prädikatsterm. - Satzbedeutung/Strawson: dann nicht mehr Menge von möglichen Welten sondern partielle Funktion von möglichen Welten in Wahrheitswerte - weil eine Wahrheitswertlücke möglich sein soll.
I 113
Präsupposition/Stechow: ein Satz präsupponiert alle seine logischen Folgen - Satzbedeutung: partielle Funktion - Präsupposition: Mengen von Situationen - also Propositionen.
I 121f
(Existenz-) Präsupposition: = Beschränkung des Bereichs - dom(p) = Vorbereich = Präsupposition von p.
I 123
Präsupposition/Stechow: besagt, dass die Auswertungssituation im Bereich der Argumentproposition sein muss (d.h. Bedeutung) eine Präsupposition muss eine Bedeutung sein, kein Wahrheitswert. Originalstelle/Frege: ...Kepler starb im Elend: setzt voraus, dass der Name etwas bezeichnet. - Aber die Voraussetzung ist nicht Teil des Gedankens (Proposition), den der Satz ausdrückt.
A. von Stechow
I Arnim von Stechow Schritte zur Satzsemantik
www.sfs.uniï·"tuebingen.de/~astechow/Aufsaetze/Schritte.pdf (26.06.2006)
Sätze Geach I 204
Satz/Name/Abkürzung/Stellvertreter/Geach: Bsp wenn "P" und "Q" Abkürzungen von Sätzen sind und "A" und "B" die jeweiligen Namen dieser Sätze, dann könnten wir eine Konvention haben, durch die "A > B" der Name (Abkürzung) des Satzes "P > Q" ist. Autonym/Carnap: das Zeichen ">" wird in "A > B" als Zeichen seiner selbst, autonym, gebraucht - (Geach pro).
I 258
Konjunktion/Satz/Frege: "p u q" ist ein Satz, der verschieden ist von "p" und "q" einzeln. Mill: dito: sonst wäre "eine Gruppe Pferde" als "eine Art Pferd" zu analysieren - aber es folgte nicht aus "Jim ist überzeugt, dass seine Frau untreu ist" Jim ist überzeugt und seine Frau ist untreu". - Lösung: "die Tatsache, dass..." ist immer als Paar von Aussagen aufzuteilen.
I 291
Satz/GeachVsAristoteles: es ist ein Fehler, komplexe Sätze als Kombination von Atomsätzen zu analysieren.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Sensus communis Vico Gadamer I 25
Sensus communis/Vico/Gadamer: [Vicos](1) Berufung auf den Sensus communis bezieht (...) außer dem rhetorischen (>Humanismus/Vico) noch ein anderes Moment aus der antiken Tradition in sich ein. Es ist der Gegensatz zwischen dem Schulgelehrten und dem Weisen, auf den er sich stützt, ein Gegensatz, der im kynischen Sokratesbild seine erste Gestalt gefunden hat, seine sachliche Grundlage in dem Begriffsgegensatz von sophia und phronesis besitzt, den Aristoteles zuerst ausgearbeitet hat, der im Peripatos zu einer Kritik des theoretischen Lebensideals weiterentwickelt wurde(2) und im hellenistischen Zeitalter das Bild des Weisen mitbestimmte, insbesondere nachdem sich das griechische Bildungsideal mit dem Selbstbewusstsein der politischen Führungsschicht Roms verschmolzen hatte. Auch die römische Rechtswissenschaft der Spätzeit z. B. erhebt sich bekanntlich auf dem Hintergrund einer Rechtskunst und Rechtspraxis, die sich mehr mit dem praktischen Ideal der Phronesis, als mit dem theoretischen Ideal der Sophia begegnet.(3). >Vernunft/Wissen/Vico.
Gadamer I 26
Sensus communis/Vico/Gadamer: Wissenschaft/Beredsamkeit/Vico: Vicos Berufung auf den sensus communis zeigt freilich innerhalb dleser humanistischen Tradition eine besondere Färbung. Es gibt eben auch auf dem Gebiete der Wissenschaften die querelle des anciens et des modernes. Nicht mehr der Gegensatz zur „Schule“ sondern der besondere Gegensatz zur modernen Wissenschaft ist es, den Vico meint. Die kritische Wissenschaft der Neuzeit wird von Vico in ihren Vorzügen nicht bestritten, sondern in ihre Grenzen gewiesen. Die Weisheit der Alten, ihre Pflege der prudentia und eloquentia sei auch jetzt, angesichts dieser neuen Wissenschaft und ihrer mathematischen Methodik, nicht zu entbehren. Auch jetzt noch sei das, worauf es für die Erziehung ankomme, etwas anderes: die Bildung des Sensus communis, der sich nicht aus dem Wahren, sondern aus dem Wahrscheinlichen nährt. >Sensus communis/Thomas, >Phronesis/Aristoteles.
Gadamer I 28
VicoVsAristoteles/VicoVsThomas: Vico greift (...) auf den altrömischen Begriff des Sensus communis zurück, wie ihn insbesondere die römischen Klassiker kennen, die gegenüber der griechischen Bildung an dem Wert und Sinn ihrer eigenen Traditionen staatlichen und gesellschaftlichen Lebens festhalten. Es ist also ein kritischer Ton, ein gegen die theoretische Spekulation der Philosophen gerichteter Ton, der schon in dem römischen Begriff des Sensus communis zu hören ist und den Vico aus seiner veränderten Frontstellung gegen die moderne Wissenschaft (die critica) zum Anklingen bringt.
Gadamer I 29
Vico stand aber mit seiner Berufung auf den Sensus communis nicht allein. Er hat eine wichtige Parallele in Shaftesbury, dessen Einfluss auf das 18. Jahrhundert gewaltig gewesen ist. >Sensus communis/Shaftesbury.


1. .J. B. Vico, De nostri temporis studiorum ratione, mit Übertragung v. W. F. Otto. 1947.
2. W. Jaeger, Über Ursprung und Kreislauf des philosophischen Lebensideals, Sit-
zungsberichte der Preuß. Akademie d. Wiss., Berlin 1928.
3. F. Wieacker, Vom römischen Recht, 1945.

Vico I
Giambattista Vico
Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker Hamburg 2009

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Sittlichkeit Hegel Brocker I 791
Sittlichkeit/HegelVsHobbes/Hegel/Honneth: (Honneth bezieht sich hier auf Hegels frühe Jenaer Schriften (1)): Hegel entwickelt einen Begriff der Sittlichkeit, der eine prinzipiell progressive Stoßrichtung hat und daher auch „über den institutionellen Horizont“ von Hegels eigener Gegenwart hinausweist. (2) Dem gesellschaftlichen Kampf der Individuen um Anerkennung ist eine ausgeprägte Dynamik eigen; er erweist sich bei Hegel als zukunftsoffenes, nie endgültig abschließbares Geschehen. Mit dem Motiv der Anerkennung schreibt Hegel seinem Verständnis gesellschaftlichen Lebens eine prinzipielle Spannung ein, welche die gesellschaftlichen Konflikte zwischen Individuen und Gruppen in den historischen und auf die Zukunft hin offenen Horizont eines moralischen Fortschrittsprozesses einbinde. Siehe Anerkennung/Honneth, Identität/Honneth.

1. Vgl. G.W.F. Hegel, Jenaer Schriften 1808-1807 Frankfurt, 1986.
2. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S.11


Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018



Höffe I 334
Sittlichkeit/Hegel/Höffe: Die Grundlinien(1) erreichen ihren Höhepunkt, die Synthese als Versöhnung von abstraktem Recht und subjektiver Moralität, die Sittlichkeit, in einem Willen, der sowohl äußerlich, qua Recht, als auch innerlich, qua Moralität, frei ist. Darunter sind Sozialformen und Institutionen zu verstehen, in denen sich ein freies >Selbstbewusstsein wiedererkennen und anerkennen kann. Weil sie ein weit höheres Maß an Vernünftigkeit realisieren, haben sie eine «unendlich festere Autorität und Macht als das Sein der Natur» (§ 146).
Polis: Zu seinem Gedanken der Sittlichkeit sieht Hegel Entsprechungen in der antiken Polis, namentlich bei deren Theoretiker Aristoteles. Nach diesem ist das Leitziel der menschlichen Praxis, die Eudaimonia, das Glück, für den einzelnen Bürger und für die Polis dasselbe. Ähnlich begreift Hegel, der große Neoaristoteliker der Neuzeit, die höchste Stufe der Freiheit, die Sittlichkeit, als die Einheit der Moralvorstellungen der Individuen mit den Moralvorstellungen der «sittlichen Mächte», mit Recht, Sitte und Religion sowie ihren konkreten Gemeinwesen und Staaten.
HegelVsAristoteles/Höffe: Über dieser Gemeinsamkeit darf man jedoch nicht den grundlegenden Unterschied übersehen: Bei Hegel tritt an die Stelle der Aristotelischen Lehre der persönlichen Hausgemeinschaft (oikos) die Theorie der anonymen bürgerlichen
Höffe I 335
Gesellschaft, mit der die neuere Nationalökonomie bzw. Volkswirtschaftslehre in die Rechts- und Staatstheorie integriert wird. >Zweite Natur/Hegel. In die Beschreibung des Prozesses gehen deutlich normative Elemente ein.
a) Hegel beginnt beim «unmittelbaren Bei-sich», der durch Liebe geprägten Familie. Gemäß einem weiteren Dreischritt gliedert sich diese in die Ehe, in der eine zunächst nur äußerliche Einheit aufgrund freier Einwilligung in eine geistige Einheit einer selbstbewussten Liebe umgewandelt wird. b) Gemäß der Antithese bedarf die Ehe eines «bleibenden und sicheren Besitzes, eines Vermögens» (§ 170), für dessen Erwerb nach Hegel vornehmlich der Mann zuständig sei.
c) Nach der Synthese haben die den Fortgang der Menschheit garantierenden Kinder das Recht, aus dem gemeinsamen Familienvermögen ernährt und erzogen zu werden.
Entfremdung: Mit der Volljährigkeit der Kinder entsteht die Möglichkeit neuer, eigener Familien, worin sich der Übergang in den nächsten Schritt, die Antithese innerhalb der Sittlichkeit, abzeichnet. Ihr Wesen besteht in der Entfremdung von der Familie, auch von Geschichte und Religion. Es ist die als «bürgerliche Gesellschaft» bezeichnete Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft, die einerseits für die Entwicklung der Freiheit notwendig ist, andererseits aber ihres Problems von
Armut und Reichtum nicht Herr wird.
Sozialstaat: Der Sozialstaat als Korrektiv tritt hier nicht in den Blick. Damit die bürgerliche Gesellschaft «funktioniert», braucht sie eine Rechtsordnung, die Hegel als Not- und Verstandesstaat bezeichnet.


1. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Sklaverei Thomas v. Aquin Höffe I 148
Sklaverei/Thomas/Höffe: Im Verlauf des lex-(Gesetzes-) Traktates rechtfertigt Thomas die servi-
Höffe 149
tudo, die Sklaverei bzw. Knechtschaft. Thomas por Aristoteles: Erneut greift er auf Aristoteles zurück, hier den Begriff des «Sklaven von Natur aus»(1), dessen intellektuelles, einen Herrn notwendig machendes Defizit auf die Erbsünde zurückgehe(2).
HöffeVsAristoteles/HöffeVsThomas: Diese Begründung kann aber nicht überzeugen. Denn
der Erbsünde sind alle Menschen verfallen, weshalb sie alle als Knechte/Sklaven zu gelten haben, womit die für Sklaverei entscheidende Differenz, dort Herren, hier Sklaven, hinfällig wird. Dass ein so überragender Denker wie Thomas diese Konsequenz übersieht, zeigt, wie sehr er einer damals
vorherrschenden Ansicht verhaftet bleibt. In der für den christlichen Theologen entscheidenden Hinsicht freilich Sind die Sklaven bzw. Knechte nicht benachteiligt; auch sie sind zum ewigen Heil berufen.


1. Aristoteles, Politika 15.
2. Thomas Summa IIa Ilae, qu. 105

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971
Staat al-Farabi Höffe I 127
Staat/al-Farabi/Höffe: neben dem vortrefflichen Staat ist, erkennt der Autor zwei weitere, insgesamt also drei Staatsformen als legitim an. Al-FarabiVsAristoteles: (...) zwei seit Aristoteles vertretene und von Cicero aufgenommene Formen [kommen] nicht vor, weder der Staat von freien und gleichen Bürgern noch die Mischverfassung. Nach al-Fārābī darf es außer der
1. Monarchie des schlechthin besten Herrschers noch die
2. Monarchie eines zweitbesten Herrschers, schließlich eine
3. Aristokratie geben, in der die Herrschaft auf mehrere, in ihren Fähigkeiten sich ergänzende Personen aufgeteilt wird.
Gemeinsam ist, dass man die Herrschaft nicht vererbt, da nicht der Sohn, sondern der Fähigste regieren soll.
Religion/al-Farabi: Den Religionen (...) obliegt es, dieselbe Wahrheit [der Philosophie] den gewöhnlichen Menschen, den Nichtphilosophen, in Gleichnissen und Symbolen nahezubringen. Für sie hat jede politische Gemeinschaft (umma) ihre eigene Tradition, was eine bemerkenswerte Toleranz zur Folge hat: Wegen der Verschiedenheit ihres kulturellen Kontextes drückt jede Gemeinschaft ihre Überzeugungen in unterschiedlichen Gleichnissen und Symbolen, folglich verschiedenen Religionen aus. Danach kann es vortreffliche Nationen und vortreffliche Städte geben, die trotz unterschiedlicher Religion sich auf ein und dasselbe Glück berufen und genau dieselben Ziele verfolgen(1).
Höffe I 128
Abweichungen vom Vortrefflichen Staat; Fehlerquellen: a) Ignorante Gemeinschaft: (...) [hier] fehlt sowohl dem Herrscher als auch den Untertanen die Erkenntnis über das wahre Gute, das veritable Glück.
b) Irrende Gemeinschaft: (...) [hier] besitzen die Herrscher die Erkenntnis, teilen sie aber nicht mit ihren Untertanen.
c) Uunmoralische[s] bzw. sündige[s] Gemeinwesen: [hier] haben zwar beide Seiten, Herrscher und Untertanen, Zugang zur Erkenntnis, wegen niedriger Motive vernachlässigen sie aber das Gute oder streben sogar das Schlechte an. Alle drei Fehlformen führen den Menschen weg vom Heil und ziehen ihn ins Verderben.
Höffe I 130
Legitime Herrschaftskonstellationen: (1) Eine Person erfüllt alle Bedingungen, was die beste Staatsform, eine Monarchie, die Philosophen-Propheten-Herrschaft, ermöglicht.
(2) Keine einzelne Person, wohl aber mehrere Personen, da sich ihre spezialisierten Fähigkeiten ergänzen, erfüllen die Bedingungen zusammen, was zu einer Art Aristokratie führt.
(3) eine «Monarchie nach dem Gesetz» oder
(4) eine «Aristokratie nach dem Gesetz»(2) (...).


1. al-Farabi, Vortrefflicher Staat, Kap. 17, § 2.
2. al-Farabi, Aphorismen des Staatsmannes, I 54
Staat Marsilius von Padua Höffe I 177
Staat/Marsilius/Höffe: VsZwei-Reiche-Lehre: In einer Klarheit und Schärfe, die vorher unbekannt waren, (...)lehnt Marsilius nicht nur den vielfachen Machtmissbrauch des Papstes, sondern weit grundlegender all seine weltlichen Machtansprüche und die ihnen zugrundeliegende Lehre der zwei Gewalten ab. Zwei-Reiche-Lehre/Höffe: Mehr als acht Jahrhunderte [vor Marsilius‘ Defensor pacis, 1324] unterschied Papst Gelasius I. in seiner Zwei-Gewalten-Lehre die geistliche von der weltlichen Autorität und beanspruchte für sich als Papst den Vorrang, den kein seiner selbst und seines Amtes bewusster Herrscher anerkennen kann. Folglich lässt sich weder in der politischen Theorie noch in der politischen Praxis ein von Konkurrenz und von Konflikten freies Mit-, zumindest Nebeneinander erwarten.
Marsilius: Der entsprechende Konflikt vor allem zwischen Ludwig von Bayern und Papst Gregor VII. wird Marsilius' Leben und Denken beherrschen. Obwohl Marsilius kein Geistlicher ist, auch nicht päpstliche Ansprüche verteidigt, sie vielmehr weitgehend zurückweist, (...)
Höffe: (...) und obwohl er argumentationsstrategisch in der Begründung eines politischen Gemeinwesens bewusst auf theologische Argumente verzichtet, ist er klug genug, im Titel
Höffe I 178
seiner Schrift auf einen Ehrennamen von Christus anzuspielen, auf den Friedensfürsten (princeps pacis). Gemeinwesen/MarsiliusVsAristoteles: dem Gemeinwesen [kommt es] nach Aristoteles letztlich auf das gute Leben, nach Marsilius hingegen, hier in der Augustinus-Tradition, die schon der Titel [defensor pacis, Verteidiger des Friedens] anzeigt, auf den Frieden an. >Herrschaft/Marsilius.
Höffe I 180
Staatsform/Marsilius/Höffe: Nur in einer Monarchie lasse sich das Recht wirksam durchsetzen - für Marsilius ist, erneut mit Aristoteles, die Herrschaft der Gesetze wichtiger als die von Personen - und der Friede wahren. Ähnlich wie al-Färäbi und Thomas, setzt sich Marsilius aber für eine Wahlmonarchie ohne Erbfolge ein(1). Denn sie erlaubt, den jeweils besten, nämlich durch Klugheit und moralische Tugenden, besonders Gerechtigkeit, ausgezeichneten Regenten zu bestimmen(2). Vgl. >Herrschaft/al-Farabi, >Herrschaft/Thomas, >Staat/al-Farabi.

1. Marsilius. Defensor pacis, Kap. 9 und 15—16
2. Ebenda Kap. 14, § 10
Syllogismen Mill Prior I 121
Syllogismus/MillVsAristoteles: Bsp Ein Drache atmet Feuer, ein Drache ist ein Schlange, Ergo: einige oder alle Schlangen atmen Feuer - das ist nach Aristoteles gültig.
RussellVsAristoteles: das ist einfach ungültig, weil die Prämissen falsch sind: ein Drache existiert nicht. - Russell: entweder meinen die Prämissen: "Drache ist ein Wort, das ein Ding bedeutet, das Feuer speit" oder "Die Idee (Vorstellung) eines Drachens ist die Idee eines Dings, das Feuer speit". - Form der Begründung: einmal "Wort" , zweimal "Idee".

Mill I
John St. Mill
Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Mill II
J. St. Mill
Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998

Pri I
A. Prior
Objects of thought Oxford 1971

Pri II
Arthur N. Prior
Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003
Teleologie Epikur Adorno XIII 217
Teleologie/Zweck/EpikurVsAristoteles/Epikur/Demokrit/Adorno: Epikur wendet sich noch stärker als Demokrit gegen das Hineintragen von Zwecken in die natürlichen Dinge. Allerdings soll durch die Kritik an dem Zweckgedanken radikal jede Beziehung auf Götter ausgeschaltet werden, die da in den Dingen ihr spukhaftes Wesen getrieben hatten.


A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Teleologie Jonas Brocker I 614
Teleologie/Zwecke/Natur/Existenz/Letztbegründung/JonasVsAristoteles/Jonas: Jonas These: wir müssen Zwecke in der Natur annehmen, statt sie im Handeln des Subjekts zu verorten. (1) Dies sei begründbar durch den in der Natur auffindbaren Selbsterhaltungstrieb allen Lebens. (2) Zusammenhang: es geht um die Frage, wie zu begründen sei, dass wir zukünftigen Generationen zuliebe unser heutiges Leben einschränken sollten. Siehe Generationengerechtigkeit/Jonas, Existenz/Jonas, Verantwortung/Jonas, Menschheit/Jonas.
Jonas spricht von der »Überlegenheit von Zweck an sich über Zwecklosigkeit« und ergänzt: »In der Zielstrebigkeit als solcher, deren Wirklichkeit und Wirksamkeit in der Welt nach dem Vorigen […] als ausgemacht gelten soll, können wir eine grundsätzliche Selbstbejahung des Seins sehen, die es absolut als das Bessere gegenüber dem Nichtsein setzt. In jedem Zweck erklärt sich das Sein für sich selbst und gegen das Nichts« (3).
.

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 138.
2. Ebenda S. 142f.
3. Ebenda S. 155.
Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Terminologien Epikur Adorno XIII 212
Intentio obliqua/Epikur/Adorno: Es gibt bei Epikur schon, und das ist hellenistisch und spätanik, jedenfalls in einer rudimentären Gestalt, die Rückfrage auf das Subjekt, auf den Erkennenden; wir nennen das die intentio obliqua. Das Moment der sinnlichen Wahrnehmung wird von ihm viel stärker hervorgehoben als beim Demokrit, es ist bei ihm die alleinige und wahre Quelle der Erkenntnis, der gegenüber der Geist etwas durchaus Abgeleitetes, Unselbständiges, Sekundäres sein soll.
Adorno XIII 217
Doxa/Terminologie/Epikur/Adorno: Es gibt bei Epikur ebenso wie im Platonismus oder bei Aristoteles oder bei den Eleaten die Doxa, die bloße Meinung, den Trug, nur ist die Bedeutung jener genau entgegengesetzt. EpikurVsAristoteles/EpikurVsEleaten/EpikurVsPlaton: Als das trügerische Element der Doxa gilt ihm nicht länger das sinnlich Mannigfaltige. An unseren Wahrnehmungen ist sozusagen falsches Bewusstsein und Irrtum das, was durch unsere Reflexion hereingetragen wird. Der Grund des Scheins ist bei Epikur die Reflexion, das falsche Denken.

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Terminologien Geach I 52
Zwei-Namen-Theorie/ZNT/GeachVsAristoteles: falsche Angleichung von Prädikation und Benennen: als ob Prädikate (komplexe) Namen wären: "auf der Matte" - ((s) Bsp "Der Erstecher-von-Cäsar erstach den von Brutus erstochenen"). - Geach: außerdem würde noch ein Bindeglied gebraucht. - Zwei-Namen-Theorie: Bsp "Sokrates ist Philosoph" soll wahr sein, weil dieselbe Sache benannt wird - Vs: "Philosoph" (allgemeiner Term) ist kein Name für "alle (oder jeden) Philosophen".
I 54
Zwei-Klassen-Theorie/ZKT/GeachVs: ist noch schlimmer als die Zwei-Namen-Theorie: der allgemeine Term "Philosoph" bezeichne die "Klasse der Philosophen". - Sokrates ist dann nur einen Teil der Klasse. Vs: Die Elementrelation ist ganz anders als die Teilklassen-Relation: Bsp Ein Parlamentsauschuss ist kein Mitglied des Parlaments. - Aber: "ist ein Philosoph" bedeutet in beiden Anwendungen genau dasselbe.
Kopula: Fehlschluss der Teilung: als ob es zwei Sorten "ist" gäbe: eins für "ist Philosoph" und eins für "ist Element der Klasse der Philosophen". - Geach: äquivalente Sätze müssen nicht in äquivalente Teilsätze aufgeteilt werden können - "jeder Logiker" ist nicht äquivalent zu "Klasse der Logiker".
I 122
Lateinsatztheorie/latin prose theory/Geach: das Relativpronomen wird als Verbindung eines Bindeworts mit einem gebundenen Pronomen behandelt: "der" wird übersetzt mit "damit": Bsp Der König schickte Abgesandte, damit sie Frieden erbäten. - Bsp (>Bach-Peters-Sätze) Lösung: Ein Junge küßte ein Mädchen, und sie liebte ihn wirklich, aber er machte ihr nur etwas vor (das ist immer noch zweideutig) - wohl aber Lösung: Bsp Jeder wahre Engländer verehrt __ vor allen... und __ ist seine Königin.
I 239
Prädikat/Terminologie/Geach: Prädikate nenne ich nur so, wenn sie als Hauptfunktor in einer Proposition gebraucht werden, sonst "predicables". I-Prädikablen/I-Prädikat/Geach: (s): diejenigen Prädikate, in Hinblick auf die zwei Gegenstände in einer gegebenen Theorie ununterscheidbar sind - wenn in einer erweiterten Theorie Unterscheidungen getroffen werden können, dann ändert das I-Prädikat nicht seine Bedeutung, es ist nur kein I-Prädikat mehr. - Bsp "gleichförmig" für (verschiedene, aber noch gar nicht unterschiedene) Tokens von Wörtern, später werden Tokens erst unterschieden, aber immer noch "gleichförmig".
I 245
"Zumensch"/"surman"/Geach: (sollen identisch sein, wenn sie den gleichen Familiennamen haben) werden nicht doppelt gezählt - weil in verschiedenen Theorien anders mit Prädikaten versehen - und also verschieden gezählt. - ((s) Durch Theorie als verschieden identifiziert.) - Bsp mit demselben Recht im Universum anwendbar: "ist dasselbe Token wie...", "ist derselbe Typ wie...," "ist derselbe Lexikoneintrag wie...".
I 250
Zuschreibungstheorie/Geach: Vs "Willensakte": Zuschreibung von Verantwortung statt Kausalität (GeachVs) - Oxford: zu sagen, eine Handlung sei willentlich, ist keine Beschreibung der Handlung, sondern eine Zuschreibung.
I 291
GeachVsAristoteles: Vs "Zwei-Namen-Theorie"/ZNT: verwechselt die Relation von Namen zu Benanntem mit der Relation des Prädikats zu dem, wovon es ausgesagt wird. - > falsche Lehre der Dreifaltigkeit.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Unterscheidungen Wittgenstein Rorty VI 414
WittgensteinVsAristoteles/Rorty: falsche Frage: "welche meiner Unterscheidungen sind Realunterscheidungen" -

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Ursachen Gould II 78
Ursachen/Aristoteles/Gould: Nach Aristoteles hat jede Begebenheit vier deutliche Arten von Ursachen: Bsp: Haus: Was ist die Ursache meines Hauses? 1. Materielle Ursache: Es macht einen Unterschied, welches Material verwendet wird.
2. Bewirkende Ursache: Die tatsächliche Arbeit muss ausgeführt werden.
3. Formale Ursache: Dies sind die vorher festgelegten Baupläne.
4. Finale Ursachen, Zweckursachen/GouldVsAristoteles: Diese werden heute nicht mehr angenommen.
Heute beschränken wir uns auf die "bewirkende Ursache" des Aristoteles und betrachten die Zusammensetzung z.B. des Tisches nicht als irrelevant, aber man nennt sie nicht mehr Ursache.
Aristoteles glaubt, dass es Bsp "sowohl donnert, weil es ein Zischen und Toben geben muss, während das Feuer gelöscht wird, als auch um den Seelen im Tartarus zu drohen". (1)

III 239
Ursache/Wirkung/Evolution: Ursache und Wirkung bei der Evolution sind nicht immer eindeutig zu bestimmen. Bsp Gehirn: Niemand kann sagen, dass unser Gehirn durch natürliche Selektion zu einem bestimmten Zweck größer wurde! Komplexität/Mensch/Evolution: Komplexität stellt eine passive Folge von Evolutionsprinzipien dar, deren Hauptergebnis etwas ganz anderes ist.
Ein Effekt, aber keine Wirkung von Ursachen, die zu ihrem Zweck tätig werden.


1. Aristoteles, Anal.Post II 94b, 1. 28

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Verfassung Spinoza Höffe I 235
Verfassung/Spinoza/Höffe: Spinoza(1) setzt bei den Grundlagen von Recht und Staat an, zeigt, dass es weder möglich noch nötig ist, alles auf die höchsten Gewalten zu übertragen, und erschließt aus der Staatsverfassung und Geschichte der Hebräer einige politische Lehrsätze. Er erklärt, das Recht in geistlichen Dingen, einschließlich der Entscheidung über den äußeren religiösen Kult, stehe allein den höchsten Gewalten zu, und endet mit dem Argumentationsziel des gesamten Traktats: dass in einem freien Staat zwar nicht jeder handeln darf, wie er will, dass es ihm jedoch erlaubt ist, zu denken, was er will, und zu sagen, was er denkt. >Staat/Spinoza, >Freiheit/Spinoza. Das für die Rechts- und Staatsphilosophie grundlegende Kapitel 16(2) bricht mit der traditionellen, bis in die spanische Spätscholastik reichenden aristotelisch-stoisch-thomistischen Naturrechtstheorie.
Naturrecht/SpinozaVsThomas/SpinozaVsAristoteles: Spinoza behält zwar den überlieferten Ausdruck des Naturrechts bei, gibt ihm aber eine grundlegend neue, ausschließlich naturalistische Bedeutung. Gemäß deren Prinzip Selbsterhaltung beinhaltet das Naturrecht keinerlei moralischen oder anderweitig normativen Anspruch.
SpinozaVsMachiavelli: Im Gegenteil darf jeder Mensch, also nicht wie bei Machiavelli nur der Fürst, tun, was die Moral zu verbieten pflegt, er darf mit Gewalt oder List agieren. Ohne jedes Pflichtmoment definiert, besteht das vorstaatliche Recht in nichts anderem als der eigenen naturalen Macht (potentia). Mit dieser fällt ein subjektives Recht - der berechtigte Anspruch einer Person - mit ihrer Fähigkeit, ihr Recht durchzusetzen, zusammen.
SpinozaVsRationalismus: Der in der Ethik methodisch kompromisslose Rationalist Spinoza lehnt hier erstaunlicherweise jeden Rückgriff auf die Ratio ab. Damit räumt
Höffe I 236
er innerhalb seiner Metaphysik dem inhaltlichen Naturalismus den Vorrang vor dem methodischen Rationalismus ein. Der für die Überwindung des Naturzustandes erforderliche Staatsvertrag ist nur unter Nützlichkeitserwägungen gültig. >Vertragstheorie/Spinoza.

1.Spinoza, Tractatus theologico-politicus
2. Ebenda, Kap 16

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002
Verstand Minsky Münch III 125
Alltagsverstand/Alltagsprobleme/MinskyVsAristoteles: eher logische Ansätze funktionieren nicht. Syllogismen bewältigen nicht die Alltagskomplexität beim Problemlösen. Axiome: "Man geht nicht unbekleidet aus dem Haus" usw.
Da Logiker nicht mit Systemen zu tun haben, die später erweitert werden können, müssen sie Axiome entwerfen, die nur erlaubte Schlüsse zulassen.
Bei Intelligenz ist das anders.


Marvin Minsky, “A framework for representing knowledge” in: John Haugeland (Ed) Mind, design, Montgomery 1981, pp. 95-128 - dt.: Eine Rahmenstruktur für die Wissensrepräsentation, in: Dieter Münch (Hrsg.) Kognitionswissenschaft Frankfurt 1992

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Wahrheit Geach I 15
Wahrheit/GeachVsAristoteles: Aristoteles verwechselt zwei Begriffspaare: 1. von Sätzen: wahr/falsch
2. von Prädikation: "wahr-von"
Tarski: "wahr-von" ist Grundlage, >Erfüllung.
I 76
Wahrheit/Tarski: Erfüllung ("wahr-von"): kann nicht auf Bestandteile, sondern nur auf ganze Sätze angewendet werden. - Auch komplexen Sätzen entspricht eine Aussagenfunktion. Semantische Wahrheitsdefinition: relevante Beziehung: die Relation des Prädikats zu dem Ding, von dem die Aussage wahr ausgesagt wird: aber der Satz ist keine Tatsache.
I 258
Wahrheit/Oxford-Schule: einige Autoren: Wahrheit wird nur bei Behauptungen angewendet. - GeachVs: dann wäre "p v q" nicht wahrheitsfunktional! > Wahrheitsfunktionen.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Wesen Kuhn I 116
Wesen/NewtonVsAristoteles/Kuhn: es geht nicht um das Wesen des Steins. - Der Stein fällt einfach. - Zur gleichen Zeit: VolaireVs: "vis dormitiva". - Danach Aufkommen der Korpuskulartheorie: Form der Opiumteilchen.
I 117
Entscheidend ist der Kontakt der Korpuskeln. - VsFernwirkung. - So folgte aus Newtons Theorie der Grund für ihre Ablehnung. - (Wegen der angenommenen Fernwirkung).

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Wissenschaft Aristoteles Gadamer I 357
Wissenschaft/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles hat für die Logik [des] Verfahrens [der Induktion] ein sehr schönes Bild. Er vergleicht die vielen Beobachtungen, die einer macht, mit einem fliehenden Heer. Heer. (...) wenn in dieser allgemeinen Flucht doch einmal eine Beobachtung sich in wieder-
Gadamer I 358
holter Erfahrung bestätigt, dann bleibt sie stehen. Damit setzt an diesem Punkt gleichsam ein erster Stillstand in der allgemeinen Flucht ein. Wenn sich ihm nun andere anreihen, so kommt am Ende das ganze Heer der Fliehenden zum Stehen und gehorcht wieder der Einheit des Kommandos. Die einheitliche Beherrschung des Ganzen versinnbildlicht hier, was Wissenschaft ist. Das Bild soll zeigen, wie es überhaupt zur Wissenschaft, d. h. zur allgemeinen Wahrheit, kommen kann, die von der Zufälligkeit der Beobachtungen nicht abhängen darf, sondern in wirklicher Allgemeinheit
gelten soll.



Bubner I 120
Epagogé/Aristoteles/Bubner: Epagogé entsteht aus der rhetorischen Übung des Beibringens von Beispielen. Hinführung. Nicht strenge Induktion im heutigen Sinn des Verhältnisses von Allaussagen und Einzelfällen. Bei Aristoteles: kein vergleichbares Subsumtionsverhältnis.
Vorwissen/Aristoteles: woher stammt es? Das konkrete Einzelne ist uns aus der Sinneserfahrung immer schon vertraut. Aber das Allgemeine?
Allgemeinheit/Wissen/AristotelesVsPlaton: VsAnamnesis: auch Wissen über das Allgemeine stammt aus sinnlicher Erfahrung und eben Epagogé.
Wissenschaft/Aristoteles: Prinzipien als Basis können nicht Gegenstand der Wissenschaft sein. DF. Sie entstammen der Induktion und sind aber intuitiv zu erfassen.
I 123
BaconVsAristoteles: "Novum Organon" (!620): Überdruss an scholastischem Formelkram. Hinwendung zu Empirie und Realitätssinn. "Wenn erst einmal die Menschen vom Urteil eines anderen abhängig geworden sind, (Senatoren ohne Stimmrecht) dann mehren sie die Wissenschaft nicht mehr, sie beschränken sich darauf, gewissen Schriftsteller zu rühmen..."
Bacon: pro Induktion aus konkret sinnlich Gegebenem, Vs unfruchtbare Dialektik des Aristoteles, die aus Syllogismen besteht.
Wissenschaft/Antike/Bubner: hat durchaus das Eigentümliche kindlicher Welterforschung an sich. Fruchtbar an Streitfragen, arm an Werken. klebt für Jahrhunderte fest.
Künste/Antike/Bubner: im Gegensatz zur Wissenschaft waren sie auffallend lebendig.
I 147
Wissenschaft/Aristoteles/Bubner: jede Einzelwissenschaft hat es mit Wirklichkeit zu tun, aber keine mit der Wirklichkeit an sich, sondern nur mit dem gewählten Aspekt. "Sie schneiden aus dem Seienden einen Teil heraus und betrachten ihn hinsichtlich des ihm Zukommenden." Auch die Summe der Einzelwissenschaften wird die Begrenzung nie überwinden, die in der Spezialisierung liegt.
Die Frage nach der Wirklichkeit dahinter lässt sich im Umkreis des vorliegenden Wissens gar nicht stellen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Wissenschaft Heidegger Gadamer I 263
Wissenschaft/Objektivität/Heidegger/Gadamer: Diltheys Bestreben, die Geisteswissenschaften aus dem Leben verständlich zu machen und von der Lebenserfahrung den Ausgang zu nehmen, war (...) mit dem cartesianischen Wissenschaftsbegriff, an dem er festhielt, nie zu wirklichem Ausgleich gelangt. Heidegger konnte demgegenüber insofern schon ganz anders beginnen, als (...) bereits Husserl den Rückgang auf das Leben zu einem schlechterdings universalen Arbeitsthema gemacht und damit die Einengung auf die Frage der Methoden der Geisteswissenschaften hinter sich gelassen hatte. Seine Analyse der Lebenswelt und der anonymen Sinnstiftung, die den Boden aller Erfahrung bildet, gab der Frage nach der Objektivität in den Geisteswissenschaften einen ganz neuen Hintergrund.
Objektivität/Husserl: [Husserls Analyse] ließ den Objektivitätsbegriff der Wissenschaft als einen Sonderfall erscheinen. (>Objektivität/Husserl). Die Wissenschaft ist alles andere als ein Faktum, von dem auszugehen wäre. Die Konstitution der wissenschaftlichen Welt stellt vielmehr eine
eigene Aufgabe dar, die Aufgabe nämlich, die Idealisierung, die mit der Wissenschaft gegeben ist, aufzuklären. Aber diese Aufgabe ist nicht die erste. Im Rückzug auf das „leistende Leben“ (>Leben/Husserl) erweist sich der Gegensatz von Natur und Geist als nicht letztgültig. Sowohl die Geisteswissenschaften als auch die Naturwissenschaften sind aus den Leistungen der Intentionalität des universalen Lebens, also aus einer absoluten Historizität, abzuleiten. Das ist
das Verstehen, in dem sich die Selbstbesinnung der Philosophie allein Genüge tut.
Zeitlichkeit des Verstehens/Heidegger/Gadamer: (...) die Erkenntnisweise der Naturwissenschaften [wird] als eine Abart von Verstehen sichtbar, »die sich in die rechtmäßige Aufgabe einer Erfassung des Vorhandenen in seiner wesenhaften
Gadamer I 264
Unverständlichkeit verlaufen hat.“(1) Verstehen/HeideggerVsDilthey/HeideggerVsHusserl: Verstehen (...) ist die ursprüngliche Vollzugsform des Daseins, das In-der-Weltsein (...). >Hermeneutik/Heidegger.
Gadamer I 459
Wissenschaft/Heidegger/Gadamer: Heidegger hat (...) in „Sein und Zeit“ wie mir scheint, den Gesichtspunkt gewonnen, unter dem sich sowohl der Unterschied wie auch das Verbindende zwischen griechischer und moderner Wissenschaft denken lässt. Als er den Begriff der Vorhanden- heit als einen defizienten Modus von Sein aufwies und als den Hintergrund der klassischen Metaphysik und ihrer Fortwirkung im Subjektivitätsbegriff der Neuzeit erkannte, war er einem ontologisch richtigen Zusammenhang zwischen der griechischen Theoria und der modernen Wissenschaft gefolgt.
Im Horizont seiner temporalen Interpretation des Seins ist die klassische Metaphysik als Ganze eine Ontologie des Vorhandenen und die moderne Wissenschaft, ohne es zu ahnen, ihr Erbe. In der griechischen Theoria selbst lag aber gewiss etwas anderes noch. Theoria erfasst nicht so sehr Vorhandenes, als vielmehr die Sache selbst, die noch die Würde des „Dinges“ hat. Dass die Erfahrung des Dinges mit der bloßen Feststellbarkeit des puren Vorhandenseins so wenig zu tun hat wie mit der Erfahrung der sogenannten
I 460
Erfahrungswissenschaften, hat gerade der spätere Heidegger selber betont.(2) Gadamer: So werden wir wie die Würde des Dings auch die Sachlichkeit der Sprache von dem Präjudiz gegen die Ontologie des Vorhandenen und in eins damit von dem Begriff der Objektivität freihalten müssen.


1. Heidegger, Sein und Zeit S. 153.
1. Vgl. über „das Ding“ Vorträge und Aufsätze, S. 164f. Hier wird die summarische Zusammenschau der „Theoria“ mit der „Wissenschaft vom Vorhandenen“ die „Sein und Zeit“ vorgenommen hatte, unter der Fragestellung des späteren Heidegger aufgelöst (vgl. auch ebenda S. 51 f.). (Vgl. auch mein Nachwort zu M. Heideggers Kunstwerk-Aufsatz, Stuttgart 1960 (Reclam), S. 102—125,jetzt in „Heideggers Wege. Studien zum “Spätwerk“, Tübingen 1983, S. 81-92; Bd. 3 der Ges. Werke.)


Rorty II 65
Wissenschaft/Heidegger/Derrida: harte Wissenschaften sind Handlanger des technischen Fortschritts, keine Ausblicke auf die unverhüllte Realität. Kierkegaard/NietzscheVsPlaton, NietzscheVsAristoteles: Streben nach objektiver Wahrheit ist nicht die lohnendste und menschlichste Tätigkeit.

Figal I 107f
Wissenschaft/Heidegger: »sie gibt ein Bild« für das Handeln. In der Orientierung am Bild liegt noch »Befangenheit«.

Hei III
Martin Heidegger
Sein und Zeit Tübingen 1993

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

Figal I
Günter Figal
Martin Heidegger zur Einführung Hamburg 2016
Zukunft Quine VI 127f
Zukunft/QuineVsAristoteles: Bsp "Morgige Seeschlacht": die morgige Seeschlacht gibt es nicht. Daher auch keine Aussagen über sie. Auch nicht die Aussage, dass "es jetzt noch nicht wahr" sei.. - Das unterstellt:
1. Allwissenden Gott
2. Determinismus Das ist mit unserer Handlungsfreiheit unverträglich.
Freiheit/Quine: wir tun, wofür wir uns entscheiden - ob Entscheidungen determiniert sind, steht nicht zur Debatte - Satz vom ausgeschlossenen Dritten auf jeden Fall gültig - höchstens Unvollständigkeit - nicht mehrdeutige Sätze sind wahr, sondern die entsprechenden Äußerungen - Vervollständigung: liegt aber nicht in der Zukunft! - ((s) Sondern in der Information.)
Wahrheitswert (WW)/Zukunft: kann offen gelassen werden, aber nicht der Sinn des Satzes.
VI 129
Pro dreiwertige Logik: es geht um Wahrheitswerte, und nicht darum, ob der Satz sinnvoll ist, wäre von der Existenz eines Einhorns abhängig - so sollte es auch sein - Vs: Problem: zu viele wahrheitsfunktionale Kombinationen.
XIII 73
Zukunft/Quine:
XIII 74
Frage: sind Sätze über die Zukunft weder wahr noch falsch (ohne Wahrheitswert) bis die Sache entschieden ist? Aristoteles: pro. Das wird auch heute noch von einigen Theologen unterstützt.
Zukunft/Theologie: wenn ein Satz über die Zukunft heute schon wahr ist, muss Gott ihn wissen, dann folgt daraus aber auch der Determinismus. Das ist aber eine andere Art von Determinismus als der, der unter „Willensfreiheit besprochen wurde.
Problem: dann können Menschen nicht mehr frei handeln und freies Handeln ist eine Voraussetzung für Lob und Tadel, Sünde und Gnade.
Quine: ich hoffe, der Leser ist von meiner Darstellung des Arguments nicht überzeugt.
Voraussage/Vorhersage/Zukunft/Aussage/Lösung/Quine: These: Aussagen über die Zukunft sind wahr oder falsch wenn sie ausgesagt werden, wie kapriziös oder unbegründet sie auch sein mögen.
Vorteil: nur wenn wir das akzeptieren, können wir Zeit und Raum auf einer Stufe behandeln. Nämlich Zeit als 4. Dimension.
Ethik/Moral/Zeit/Zukunft/Quine: auch für die moralische Diskussion erhalten wir daraus Vorteile: Bsp
Dilemma: a) Umweltschutz kommt den Menschen wie den noch Ungeborenen zugute,
b) Geburtenkontrolle kommt der Umwelt zugute. Damit leugnen wir aber die Rechte von Ungeborenen.
Vierdimensionalismus/Zukunft/Vergangenheit/Lösung/Quine: These zukünftige und vergangene Gegenstände und Leute sind genauso real wie gegenwärtige.
XIII 75
Zeitlos: zeitlos gesprochen sind Ungeborene genauso real und ihre Interessen sind genauso zu respektieren. Geburtenkontrolle: Leute, die wegen ihr niemals geboren werden, sind eine Fiktion. Solche Leute gibt es nicht, auch nicht zeitlos! Ethik/Moral/Zukunft/Nichtexistenz/Quine: damit wird durch die Geburtenkontrolle auch niemandes Recht verletzt.
Vierdimensionalismus/Möglichkeiten/Mögliche Gegenstände/Possibilia/Quine: der Vierdimensionalismus schafft einen Platz an der Sonne für alle zukünftigen Aktualitäten, wie unvorhersehbar auch immer, aber keinen Trost oder Hilfe für bloße Möglichkeiten.
Aktual/Possibilia/Quine: die Rechte der Nichtaktualisierten sind kontingent auf ihrer Aktualisierung.


Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987