Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Autonomie Feyerabend I 43
Autonomieprinzip/Feyerabend: Die Sammlung von Tatsachen zu Prüfzwecken ist das einzige, was dem Wissenschaftler zu tun übrig bleibt. Falls Tatsachen existieren und verfügbar sind, und zwar unabhängig davon, ob man Alternativen zu der zur prüfenden Theorie in Betracht zieht. Prinzip der relativen Autonomie von Tatsachen. (Gegenüber Theorien). Das Prinzip besagt nicht, dass die Entdeckung und Beschreibung von Tatsachen völlig theorieunabhängig ist, wohl aber, dass die zum empirischen Gehalt eine Theorie gehörenden Tatsachen verfügbar sind, gleichgültig, ob man Alternativen zu dieser Theorie in Betracht zieht.
((s) Also dass Tatsachen autonom sind, unabhängig von Theorien.)
I 44
FeyerabendVsAutonomieprinzip: Das Autonomieprinzip ist ein viel zu einfacher Blickpunkt. Tatsachen und Theorien sind weit enger verknüpft, als das Autonomieprinzip wahrhaben will. Bsp Man weiß heute dass das Brownsche Teilchen ein perpetuum mobile zweiter Art ist, und das sein Vorhandensein den 2. Hauptsatz der Wärmelehre widerlegt. (Henning GenzVs: Das stimmt nicht.)
Hätte diese Beziehung zwischen der Bewegung und der Theorie gezeigt oder direkt entdeckt werden können? Zwei Fragen:
1. Hätte die Relevanz der Bewegung auf diese Weise entdeckt werden können?
2. Hätte gezeigt werden können, dass sie 2. Hauptsatz widerlegt? ((s) Unsinn: Relevanz zu »beobachten«.)
Jedes Thermometer ist Schwankungen unterworfen, die genauso groß sind wie die Brownsche Bewegung. Die tatsächliche Widerlegung kam auf ganz andere Weise zustande: mit Hilfe der kinetischen Theorie und ihrer Verwendung durch Einstein bei seiner Berechnung der statistischen Eigenschaften der Brownschen Bewegung. Bei dieser Widerlegung wurde die Konsistenzbedingung verletzt: die phänomenologische Theorie wurde in den größeren Rahmen der statistischen Physik eingebaut.

Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979
Multikulturalismus Liberalismus Gaus I 256
Multikulturalismus/Liberalismus/Kukathas: (...) Spaltungen bestehen nicht nur zwischen liberalen Verteidigern des Multikulturalismus und ihren Kritikern, sondern auch unter den liberalen Theoretikern selbst. Zwei große, miteinander verbundene Fragen haben die Debatte unter ihnen geprägt: das Ausmaß, in dem Vielfalt von den Liberalen toleriert werden sollte, wenn sich Minderheiten als illiberal erweisen, und die prinzipielle Grundlage der liberalen Akzeptanz kultureller Vielfalt. Toleranz: Für einige sind die Grenzen der liberalen Toleranz klar: Die Duldung wird nicht auf illiberale Minderheiten ausgedehnt. Für Kymlicka zum Beispiel befürwortet der Liberalismus gruppendifferenzierte Rechte, die einen äußeren Schutz für Gruppen vorsehen, lässt aber keine "internen Einschränkungen" zu: Gruppen dürfen die grundlegenden Bürgerrechte ihrer Mitglieder nicht einschränken. >Minderheitenrechte/Kymlicka, >Gruppenrechte/Politische Theorien, >Menschenrechte/Kymlicka.
In der Tat ist für Kymlicka (1989(1); 1995a(2)) das, was der Liberalismus schützt, vor allem die Fähigkeit des Individuums zur autonomen Wahl; Kultur ist wichtig, weil sie der Kontext ist, in dem der Einzelne lernt, wie man wählt, aber ihr Wert nimmt ab, wenn sie den Einzelnen nicht mehr in die Lage versetzt, sein Leben selbst zu wählen.
Autonomie: Eine Reihe anderer liberaler Theoretiker stimmen in dieser Frage mit Kymlicka überein und argumentieren, dass der Liberalismus die Autonomie schützt und dass Kulturen, die die Autonomie nicht schätzen oder fördern, weniger Toleranz verdienen oder bestenfalls aus pragmatischen statt aus prinzipiellen Gründen toleriert werden sollten (Fitzmaurice, 1993(3); Levy, 1997(4); Gill 2001(5)) (...).
VsAutonomie: Andere Liberale sind jedoch weniger in die Autonomie verliebt. Einige, wie Jeff Spinner-Halev, halten Autonomie für wertvoll, stehen aber denen kritisch gegenüber, die ihre Bedeutung überbetonen oder Autonomie so streng definieren, dass viele Lebensweisen nicht in Frage kommen (Spinner-Halev, 2000(6): 62-7; Spinner, 1994(7)).
Toleranz: Andere haben sich jedoch noch kritischer zur Autonomie geäußert, was darauf hindeutet, dass Toleranz oder Achtung der Vielfalt für Liberale viel wichtigere Erwägungen sind (Galston, 1995(8); Kukathas, 1992a(9); 1999(10); 2003a;(11) für eine Analyse dieser liberalen Spaltung siehe Levy, 2003)(15)
Toleranz/Kukathas: Insbesondere Kukathas (1997(12); 2001(13); 2003b(14)) hat energisch argumentiert, dass Toleranz eine so wichtige liberale Tugend ist, dass eine liberale Ordnung eine Vielfalt von Kulturen tolerieren wird, auch wenn einige von ihnen höchst illiberal sind.


1. Kymlicka, Will (1989) Liberalism, Community and Cultuæ. Oxford: Oxford University Press.
2. Kymlicka, Will (1995a) Multicultural Citizenship: A Liberal Theory of Minority Rights. Oxford: Oxford University Press.
3. Fitzmaurice, Deborah (1993) 'Autonomy as a good: liberalism, autonomy and toleration'. Journal of Political Philosophy, 1 1-16.
4. Levy, Jacob (1997) 'Classifying cultural rights'. In Will Kymlicka and Ian Shapiro, eds, Ethnicity and Gmup Rights: NOMOS XXXIX New York: New York University Press, 22—66.
5. Gill, Emily R. (2001) Becoming Free: Autonomy and Diversity in the Liberal Polity. Lawrence, KS:
University of Kansas Press.
6. Spinner-Halev, Jeff (2000) Surviving Diversity: Religion and Democratic Citizenship. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
7. Spinner, Jeff (1994) The Boundaries of Citizenship: Race, Ethnicity and Nationality in the Liberal State. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
8. Galston, William (1995) 'Two concepts of Liberalism', Ethics, 105(3): 516-34.
9. Kukathas, Chandran (1992a) 'Are there any cultural rights?' Political Theory, 20 105-39.
10. Kukathas, Chandran (1999) 'Tolerating the intolerable'. Papers on Parliament, 33: 67-81.
11. Kukathas, Chandran (2003a) 'Responsibility for past injustice: how to shift the burden'. Politics, Philosophy and Economics, 2 (2): 165-88.
12. Kukathas, Chandran (1997) 'Cultural toleration'. In Will Kymlicka and Ian Shapiro, eds, Ethnicity and Group Rights: NOMOS XXXIX New York: New York University Press, 69—104.
13. Kukathas, Chandran (2001) 'Is Feminism Bad for Multiculturalism?' Public Affairs Quarterly, 15 (2): 83-98.
14. Kukathas, Chandran (2003b) The Liberal Archipelago: A Theory of Diversity and Freedom. Oxford: Oxford University Press.
15.Levy, Jacob (2003) 'Liberalism's divide, after socialism and before'. Social Philosophy and Policy, 20 (l): 278-97.


Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004