Lexikon der Argumente


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Demokratie Surowiecki I 331
Demokratie/Surowiecki: haben wir eine Demokratie, a) Weil sie Menschen ein Gefühl vermittelt, in alles einbezogen zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können,
I 332
und sie darum zur politischen Stabilität beiträgt? Oder b) Weil die Bürger das Recht haben, sich selbst zu regieren, auch wenn sie dieses Recht auf eine lächerliche Weise nutzen? Oder
c) Weil die Demokratie ein ausgezeichnetes Instrument darstellt, um intelligente Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit aufzudecken?
Wozu ist Demokratie nach Meinung der Wähler da? Kann man das nach dem Muster eines Markts verstehen?
I 333
Dem widerspricht, dass Politiker ihre Macht ausdehnen wollen und wiedergewählt werden wollen, was sich nicht immer zum Nutzen der Allgemeinheit auswirkt. Public Choice-Theorie/Politik/Wirtschaftswissenschaften/Buchanan/Surowiecki: (1) These: in der Tendenz werden Langzeitprobleme zugunsten kurzfristiger politischer Interessen verdrängt. Viele Regulierungen dienen in Wirklichkeit eher den regulierten Unternehmen.
I 334
SurowieckiVsBuchanan: die Vorannahme, dass Prinzipien und öffentliches Interesse in der Politik nichts zu suchen hätte, übersieht, dass die Wähler selbst nicht an umfassendere Ziele dachten und dass Interessengruppen eine fast vollständige Kontrolle (…) ausüben. James M. Buchanan/Gordon Tullock: These: Das durchschnittliche Individuum handelt auf der Grundlage des gleichen übergreifenden Werterahmens, wenn es am (…) Markt teilnimmt und politisch aktiv ist. (2)
SurowieckiVsBuchanan: das war schlicht eine Annahme, die nicht bewiesen wurde. Die Gegenposition, dass unterschiedliche Aktivitäten bei Menschen unterschiedliche Wertvorstellungen und Verhaltensweisen bewirken, war mindestens genauso plausibel. Wir behandeln unsere Familienangehörigen nicht wie unsere Kunden. (Siehe Politische Wahlen/Surowiecki, Politische Wahlen/Buchanan, Politische Wahlen/Riker)
I 337
Politik/Information/Demokratie/Surowiecki: obwohl die Amerikaner in vielen Einzelfragen nachweislich falsche Informationen hatten, ist es wahrscheinlich, dass sie den Kandidaten wählen, der die richtigen Entscheidungen trifft. Fehlende Information ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern ein Zeichen mangelndes Interesse an Details. Surowiecki These. Ein wesentlicher Punkt der repräsentativen Demokratie ist es, dass sie politisch im Kognitiven die gleiche I 343
Demokratie/Surowiecki: ist kein Instrument zur Lösung von Kognitionsproblemen, kein Mechanismus um zu erkennen, was im öffentlichen Interesse ist. Sie ist jedoch ein System, um sich mit den fundamentalsten Problemen von Koordinierung und Kooperation zu befassen.

1. Die Nobelpreisvorlesung von James Buchanan (1986) bietet eine interessante Sicht auf die philosophischen und konzeptionellen Fundamente der »Public-choice«-Theorie, die Buchanan an anderer Stelle als »Politik ohne Romantik« umschrieben hat: http://www.nobel.se/economics/laureates/1986/buchanan-lecture.html.
2. Mark Kelman, »On Democracy-Bashing – A Skeptical Look at the Theoretical and ›Empirical‹ Practice of the Public Choice Movement«, Virginia Law Review 74/1988, S. 235, 252.

Surowi I
James Surowiecki
Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005
Effizienz Konstitutionelle Ökonomie Parisi I 205
Effizienz/Konstitutionelle Ökonomie/Voigt: Die normative Konstitutionelle Ökonomie (...) deutet das >Pareto-Kriterium in zweifacher Weise um: Nicht Ergebnisse, sondern Regeln oder Verfahren, die zu Ergebnissen führen, werden anhand des Kriteriums bewertet. Die Bewertung wird nicht von einem allwissenden Wissenschaftler oder Politiker vorgenommen, sondern von den betroffenen Individuen selbst: "In gewissem Sinne geht es dem politischen Ökonomen darum, 'was die Menschen wollen'" (Buchanan, 1959(1), S. 137). Um herauszufinden, was die Menschen wollen, schlägt Buchanan vor, einen Konsenstest durchzuführen. Die Spezifikation dieses Tests ist entscheidend dafür, welche Regeln als legitim angesehen werden können. Buchanan hatte 1959 die tatsächliche Einstimmigkeit im Sinn, und die Bürger, die erwarten, durch einige Regeländerungen schlechter gestellt zu werden, müssten entschädigt werden. Dieser Test würde also einem modifizierten Kaldor-Hicks-Kriterium entsprechen. Später im Leben scheint Buchanan seine Position geändert zu haben: Eine hypothetische Zustimmung, die von einem Ökonomen abgeleitet wird, reicht aus, um eine Regel zu legitimieren (siehe z. B. Buchanan, 1977(2), 1978(3), 1986(4)). VsBuchanan: Diese Position kann kritisiert werden, weil eine große Vielfalt von Regeln legitimierbar zu sein scheint, abhängig von den Annahmen des Wissenschaftlers, der den Prozess durchführt. Wissenschaftler, die für einen umfassenden Wohlfahrtsstaat plädieren, werden höchstwahrscheinlich risikoaverse Individuen annehmen, während Wissenschaftler, die für Kürzungen der Wohlfahrtsbudgets plädieren, von risikoneutralen Menschen ausgehen. >Konstitutionelle Ökonomie, >Kosten/Buchanan, >Verfassungen/Konstitutionelle Ökonomie, >Staatliche Strukturen/Konstitutionelle Ökonomie, vgl. >Judikative/Konstitutionelle Ökonomie, >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie.


1. Buchanan, J. M. (1959). "Positive Economics, Welfare Economics, and Political Economy."
Journal of Law and Economics 2: 124-138.
2. Buchanan, J. M. (1977). Freedom in Constitutional Contract - Perspectives of a Political Economist. College Station, TX/London: Texas A&M University Press.
3. Buchanan, J. M.(1978). "A Contractarian Perspective on Anarchy," Nomos 19: 29-42
4. Buchanan, J. M. (1986). "Political Economy and Social Philosophy," in: J. M. Buchanan; Liberty, Market and State—political Economy in the 1980s, 261—274. New York: Wheatsheaf Books.


Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Mehrheiten Buchanan Brocker I 569
Mehrheiten/Staat/Verfassung/Wirtschaftstheorie/Buchanan: (siehe href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=1458236&a=$a&autor=Buchanan&vorname=James%20M.&thema=Staat">Staat/Buchanan, Verfassung/Buchanan): Veränderung. Buchanan lässt keinen Zweifel daran, dass die Einstimmigkeit für ihn der einzig akzeptable normative Maßstab ist, an dem sich die Legitimität jedes Entscheidungsverfahrens hinsichtlich der Schaffung und Finanzierung öffentlicher Güter ausrichten muss. Dass also (…) nur diejenige staatliche Leistung jenseits des Rechtsschutzes legitim ist, die im Interesse eines jeden ist; denn nur dann, wenn sie im Interesse eines jeden ist, kann unterstellt werden, dass er ihr zugestimmt hätte. ((s) Vgl. Reflexives Gleichgewicht/Rawls, Schleier des Nichtwissens/Rawls.)
Brocker I 570
Amartya SenVsBuchanan: gerade damit werden bestehende Ungleichheiten verfestigt: denn die Belastungen für die Finanzierung der öffentlichen Güter jenseits des Rechtsschutzes treffen auch diejenigen, denen sie nicht zugute kommen. (1)

1. Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco u. a 1970, S. 25.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politische Wahlen Buchanan Surowiecki I 333
Politische Wahlen/Buchanan/Surowiecki: Public Choice-Theorie/Politik/Wirtschaftswissenschaften /Buchanan: These: In der Tendenz werden Langzeitprobleme zugunsten kurzfristiger politischer Interessen verdrängt. Viele Regulierungen dienen in Wirklichkeit eher den regulierten Unternehmen. (1)
Surowiecki I 334
SurowieckiVsBuchanan: die Vorannahme, dass Prinzipien und öffentliches Interesse in der Politik nichts zu suchen hätte, übersieht, dass die Wähler selbst nicht an umfassendere Ziele dachten und dass Interessengruppen eine fast vollständige Kontrolle (…) ausüben. James M. Buchanan/Gordon Tullock: These: Das durchschnittliche Individuum handelt auf der Grundlage des gleichen übergreifenden Werterahmens, wenn es am (…) Markt teilnimmt und politisch aktiv ist. (2)

1. Die Nobelpreisvorlesung von James Buchanan (1986) bietet eine interessante Sicht auf die philosophischen und konzeptionellen Fundamente der »Public-choice«-Theorie, die Buchanan an anderer Stelle als »Politik ohne Romantik« umschrieben hat: http://www.nobel.se/economics/laureates/1986/buchanan-lecture.html.
2. Mark Kelman, »On Democracy-Bashing – A Skeptical Look at the Theoretical and ›Empirical‹ Practice of the Public Choice Movement«, Virginia Law Review 74/1988, S. 235, 252.

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Surowi I
James Surowiecki
Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005
Recht Buchanan Brocker I 567
Recht/Verträge/Vertragstheorie/Buchanan: Durch das Recht wird nur die naturwüchsig entstandene Ungleichverteilung in eine rechtlich fixierte Ungleichverteilung transformiert. Dass diese Transformation überhaupt zustande kommt, liegt daran, dass auch die in der natürlichen Verteilung Schlechter gestellten durch Abrüstung und Rechtsetablierung gewinnen. Siehe Vertragstheorie/Buchanan, Gleichgewicht/Buchanan. Problem: es gibt immer noch die Gefahr einer Instabilität, da es zwar für jedermann besser ist, in einem vertraglichen und nicht in einem vorvertraglichen Zustand zu leben – dennoch profitiert man von Vertragsverletzungen! Und zwar in zweifacher Weise: a) man genießt die vertraglichen Vorteile und b) man profitiert durch Rechtsbruch.
Lösung/Buchanan: es muss eine übergeordnete Instanz geben. Dieser Notwendigkeit verdankt sich die Existenz des Staats. Siehe Verfassung/Buchanan.
Brocker I 571
In letzter Konsequenz erwägt Buchanan sogar die Möglichkeit eines Sklavereivertrages (1) (siehe Sklaverei/Buchanan). KerstingVsBuchanan/KerstingVsÖkonomismus: Diese Passage zeigt die Unsittlichkeit des Ökonomismus. Der ökonomistische Reduktionismus treibt den traditionellen Konzepten der sittlichen Welt die herkömmliche normative Bedeutung aus. Die Redeweise von einem Recht des Sklaven, das darin besteht, am Leben gelassen zu werden, hätte man als unerträglichen Zynismus verurteilt. Der Ökonomismus ist ein Zwillingsbruder des Szientismus.
Der von Buchanan skizzierte Begriffsrahmen für den Ausgangszustand einer philosophischen Rechtfertigungstheorie ist so groß und weit, dass er selbst die Negation aller sittlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, Apartheid und Sklaverei, als konstitutionell-kontraktualistische Zustände umgreifen kann. Aber da stellt sich dann die Frage, ob eine solch radikal naturalisierte Szenerie für die Generierung zustimmungsfähiger sozialer und politischer Beurteilungs- und Gestaltungsprinzipien taugen kann.
Sind Rechte Resultate vertraglicher Übereinkunft unter realistischen Bedingungen – und kommt eine Übereinkunft generell nur zustande, wenn jeder sich von ihr Vorteile erhofft –, dann wird 572eine vertragliche Rechtsetablierung erst dann erreicht werden, wenn Gewaltanwendungen unökonomisch werden, wenn Erpressung, Einschüchterung, Mord zu viel kosten. Das besagt aber nur, dass das Recht gewaltkonstituierte Ungleichheiten besiegelt. Es ist für Buchanans Konzeption bezeichnend, dass die traditionelle Begriffsopposition Gewalt/Recht ihre Leitfunktion verloren hat.


1. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Sklaverei Buchanan Brocker I 570
Sklaverei/Vertragstheorie/Wirtschaftstheorie/Buchanan: Buchanans Ausgangspunkt ist der Naturzustand (siehe Naturzustand/Buchanan) mit einer natürlichen Ungleichheit (unterschiedlich verteilter Begabungen). Hierauf gründet Buchanan die Annahme, dass Verträge geschlossen werden müssen, die mit dieser Ungleichheit umgehen und jedermann die Möglichkeit zur Verbesserung seiner Situation geben. Da diese Art von Verträgen (siehe Verträge/Buchanan, Vertragstheorie/Buchanan) wiederum zu Instabilitäten führt, ist eine weitere Art von Verträgen notwendig: postkonstitutionelle Verträge (siehe auch Konstitution/Buchanan). In der Situation der Ungleichheit ist als extremster Fall sogar Sklaverei denkbar: „Unter solchen Bedingungen können Ähnlichkeiten zwischen dem Abrüstungsvertrag, der möglicherweise ausgehandelt wird, und dem Sklavereivertrag auftreten, in dem die ›Schwachen‹ damit einverstanden sind, für die ›Starken‹ Güter zu produzieren im Austausch gegen ein wenig mehr als die nackte Existenz, die ihnen unter anarchistischen Verhältnissen nicht sicher ist. Ein Sklavereivertrag würde – wie die anderen Verträge auch – individuelle Rechte festlegen,
Brocker I 571
und im Ausmaß seiner gegenseitigen Anerkennung wäre die Gewähr für wechselseitige Vorteile gegeben, wenn als Folge davon die Aufwendungen für Verteidigung und Eroberung zurückgingen. (1) KerstingVsBuchanan: diese Passage zeigt die Unsittlichkeit des Ökonomismus. Der ökonomistische Reduktionismus treibt den traditionellen Konzepten der sittlichen Welt die herkömmliche normative Bedeutung aus. Die Redeweise von einem Recht des Sklaven, das darin besteht, am Leben gelassen zu werden, hätte man als unerträglichen Zynismus verurteilt. Der Ökonomismus ist ein Zwillingsbruder des Szientismus.


1. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984, S. 85f.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Staat Buchanan Brocker I 568
Staat/Buchanan: Buchanans Ansatz führt zu einer Trennung von Recht und Staat. Der Staat steht nur für die Geltung der Rechtsordnung. Siehe Verfassung/Buchanan. Nach Buchanan wird der Staat zur Verkörperung des Schiedsrichters, der die Parteien kontrolliert, wobei davon ausgegangen wird, dass jeder versucht, zu betrügen. (1)
Buchanan nennt als Grund für das Zustandekommen von Verträgen den allseitigen Wunsch nach Abrüstung, um Kosten zu senken.
Brocker I 569
Protective state/Buchanan: ein Schutzmantel, der den Austausch privater Güter zu sichern. Problem: dieser sichert nicht den Umgang mit öffentlichen Gütern. Productive state/Buchanan: Frage: welches Regelsystem muss eingeführt werden, um die mögliche und von allen vernünftigerweise gewünschte Situationsverbesserung gegenüber der natürlichen Verteilung respektive gegenüber einer nur Privates konsumierenden Gesellschaft zu gewährleisten?
Lösung/Buchanan: der postkonstitutionelle Vertrag (der den konstitutionellen Vertrag zur Sicherung von Privateigentum voraussetzt) schafft ein genuin politisches System der Erstellung und Verteilung öffentlicher Güter. Siehe Mehrheiten/Buchanan, Siehe Öffentliche Güter.
Brocker I 570
Amartya SenVsBuchanan: gerade damit werden bestehende Ungleichheiten verfestigt: denn die Belastungen für die Finanzierung der öffentlichen Güter jenseits des Rechtsschutzes treffen auch diejenigen, denen sie nicht zugutekommen. (2)

1. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984, S. 96f.
2. Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco u. a 1970, S. 25


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Steuerwettbewerb Buchanan Saez I 113
Steuerwettbewerb/Buchanan/Brennan/Saez/Zucman: [Es gibt] die Ansicht, dass Steuerwettbewerb an sich eine gute Sache ist - ohne ihn wären die Regierungen zu groß. Nach dieser Weltsicht, die u.a. von dem Politologen Geoffrey Brennan und dem Ökonomen James Buchanan verteidigt wird, neigen demokratisch gewählte Mehrheiten dazu, Grundeigentümer zu überfordern, die dann Opfer der Tyrannei der Mehrheit werden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, müssen die Regierungen starken Zwängen unterworfen werden, wie sie beispielsweise durch den internationalen Wettbewerb auferlegt werden. Die Idee fügt sich in eine lange intellektuelle Tradition ein, die darauf abzielt, die Demokratie - insbesondere die demokratische Regulierung von Eigentum - über nicht-demokratische Institutionen wie Verfassungsregeln und Gerichte einzuschränken. Nach dieser Auffassung sind die Menschen, wenn es um die Besteuerung geht, nicht in der Lage, sich rational zu regieren.
Saez/Zucman: Obwohl es verlockend sein kann, diese Theorie als libertäre Randfantasie und amerikanische Kuriosität abzutun, wäre es ein Fehler, ihren Einfluss zu unterschätzen.
Saez/Zucman: Saez I 114
SaezVsBuchanan/SaezVsBrennan: In der realen Welt überwiegen die Kosten des Steuerwettbewerbs bei weitem die vermeintlichen Vorteile. >Steuerwettbewerb/Saez/Zucman.


1. Brennan, Geoffrey, and James M. Buchanan. Collected Works: Analytical Foundations of a Fiscal Constitution. The Power to Tax. Indianapolis: Liberty Fund, 2000.

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000
Steuerwettbewerb Saez Saez I 109
Steuerwettbewerb/Saez/Zucman: 2019 bat der Internationale Währungsfonds eine Reihe von Experten um ihre Meinung zur Zukunft der Unternehmensbesteuerung und des Steuerwettbewerbs. Die meisten Gesprächspartner des Fonds antworteten, dass sich der Steuerwettbewerb in absehbarer Zeit "wahrscheinlich verschärfen" wird(1). Einige Länder, darin waren sich die Experten einig, werden immer niedrigere Steuern anbieten als ihre Nachbarn (...).
Saez I 110
SaezVS/ZucmanVs: Diese Ansicht ist falsch. Es gibt nichts in der Globalisierung, das verlangt, dass die Körperschaftssteuer verschwindet. Die Entscheidung liegt bei uns.
Saez I 111
Um zu sehen, wie wir aus unserer gegenwärtigen Zwickmühle herauskommen könnten, müssen wir zunächst verstehen, warum wir es bisher versäumt haben, die finanziellen Herausforderungen der Globalisierung anzugehen. 1) Die finanzielle Globalisierung ist ein neues Phänomen. Nahezu 20% der weltweiten Unternehmensgewinne werden von Unternehmen außerhalb des Landes erwirtschaftet, in dem sie heute ihren Hauptsitz haben(2). Vor den 2000er Jahren lag dieser Anteil bei weniger als 5%.
2) (...) Die Aktivitäten der multinationalen Unternehmen sind undurchsichtig. Unternehmen sind im Allgemeinen nicht verpflichtet, öffentlich bekannt zu geben, in welchen Ländern sie ihre Gewinne verbuchen.
3) (...) erfolgreiches Lobbying durch Steuerhinterziehungskomplex: Die Verrechnungspreisindustrie lebt nach dem in den 1920er Jahren geschaffenen System der Unternehmensbesteuerung; sie hat ein vitales Interesse daran, dieses zu erhalten. Wenn beispielsweise Unternehmen, anstatt von Tochtergesellschaft zu Tochtergesellschaft besteuert zu werden, als konsolidierte Einheiten besteuert würden, hätte es keinen Sinn, die Preise für Transaktionen zwischen Tochtergesellschaften zu berechnen. Die Verrechnungspreisindustrie würde über Nacht obsolet werden. >Steuerwettbewerb/Buchanan.
Saez I 114
SaezVsBuchanan/SaezVsBrennan: In der realen Welt überwiegen die Kosten des Steuerwettbewerbs bei weitem die vermeintlichen Vorteile. (...) es gibt keine progressive Einkommenssteuer ohne eine ausreichend starke Körperschaftssteuer, denn bei niedrigen Körperschaftssteuersätzen verwandeln sich Reiche Individuen in Unternehmen und transformieren die Einkommenssteuer in eine (kaum durchsetzbare) Verbrauchssteuer.

1. International Monetary Fund. “Corporate Taxation in the Global Economy,” IMF Policy Paper no. 19/007, March 2019. Appendix 1, S. 47.
2. Tørsløv, Thomas, Ludvig Wier, and Gabriel Zucman. “The Missing Profits of Nations.” National Bureau of Economic Research Working Paper Nr. 24701, 2018.
Vertragstheorie Buchanan Brocker I 562
Vertragstheorie/Buchanan/Kersting: Vertragstheorien sind einerseits individualistisch, indem sie die Legitimität staatlicher Herrschaft und die Anerkennungswürdigkeit normativer Prinzipien auf die Zustimmung der Individuen zurückführen, andererseits sind sie demokratisch, da sie fordern, dass Herrschaftsorganisationen und politisch-moralische Grundsätze sich vor jedermann gleichermaßen verantworten müssen. Sie sind außerdem prozeduralistisch: Legitimations- und Rechtfertigungskriterium ist die mögliche vertragliche Einigung aller. (1) (2)
Brocker I 564
Vertragstheorie/Buchanan: Buchanan hat eine realistische Vertragstheorie entwickelt, die durchgehend von einer ökonomischen Argumentation geprägt ist und Prinzipien und Institutionen nur dann gelten lässt, wenn diese ausschließlich auf den vertraglichen Zusammenklang subjektiver Präferenzen zurückgeführt werden können. (vgl. Kersting 2010) (3). Problem/Kersting: ein Vertrag ist gewissermaßen ein Gedankenexperiment, das nicht von allen Betroffenen gleichermaßen nachvollzogen werden kann. Hier gibt es Argumentationen aus Interessen oder aus Situationen heraus (sogenannte „Klugheitsargumente“).
Lösung/Buchanan: seine Vertragstheorie befreit den Ökonomismus des Vertragsinhaltsarguments von der vertragsmoralischen Einklammerung und weitet ihn auf die gesamte Struktur des kontraktualistischen Arguments aus. Vgl. Buchanan 1975 (4). Siehe Anarchismus/Buchanan.
Brocker I 565
Verträge/Buchanan: Zu Vertragsverhandlungen kommt es immer erst dann, wenn es (…) für den mit natürlichen Machtmitteln am besten ausgestatteten Naturzustandsbewohner vorteilhaft ist.
Brocker I 566
Verhandlungen/Buchanan: Man verhandelt, um die unproduktiven Verteidigungskosten zu senken. Sowohl A als auch B erkennen, dass sie sich besser stehen, wenn sie die Verteidigungskosten sparen können. Zusammenhang: Das „natürliche Gleichgewicht“ (Siehe Gleichgewicht/Buchanan) besitzt eine gewisse Stabilität. Die Beteiligten können ihre Position nur durch ein Abrüstungsabkommen verbessern.
Brocker I 573
KerstingVsBuchanan: Die von Buchanan gewählte Ausgangsposition ist legitimationstheoretisch (…) untauglich. Auf der Grundlage von Vertragstheorien, die mit echten, realitätsbelassenen, von kontrafaktischen Idealisierungen und normativen Rahmenbedingungen freigehaltenen Ausgangszuständen operieren, lässt sich keine zufriedenstellende oder auch nur den rechtfertigungstheoretischen Minimalbedingungen gerecht werdende Rechtfertigungstheorie entwickeln.
Brocker I 575
KerstingVsBuchanan: Es ist bei Buchanan die Gewalt, die die Verträge aufsetzt. Der Vertrag liefert nur die rechtliche Besiegelung natürlicher Machtaufteilungen.

1. Wolfgang Kersting, Politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags, Darmstadt 2005, S. 19-55
2. Wolfgang Kersting, Vertragstheorien. Kontraktualistische Theorien in der Politikwissenschaft, Stuttgart 2016, S. 9-34.
3. Wolfang Kersting, »Kritik des Wirtschaftsliberalismus«, in: ders. (Hg.), Freiheit und Gerechtigkeit. Die moralischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft, Frankfurt/M. u. a. 2010, 11-26.
4. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Vertragstheorie Hobbes Brocker I 575
Vertragstheorie/Hobbes/KerstingVsBuchanan/Kersting: Selbst die Hobbes’sche Theorie ist akzeptabler als die Buchanan’sche (1) und zwar deshalb, weil Hobbes in Konsequenz der deskriptiv-empirischen – und in ihrem Wahrheitsgehalt durchaus zu bezweifelnden – Annahme einer allseitigen Bedrohungssymmetrie (jeder muss sich vor jedem in Acht nehmen) eine Vertragssituation erhält, die indirekt-umwegig die durch die obigen Stichwörter beschriebene Fairnessstruktur realisiert. Hobbes’ Individuen sind gleich und agieren in der Vertragssituation als Gleichberechtigte. Nur darum hat sich die Philosophie von Hobbes so lange in der Diskussion halten können, weil ihr Naturzustand eine empirische Interpretation einer normativen Bedingung liefert, auf die wir nicht verzichten können, wenn das Vertragsargument überhaupt von rechtfertigungstheoretischem Belang sein soll.

1.Vgl. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984.

Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018