Lexikon der Argumente


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Bürokratie Parsons Habermas IV 432
Bürokratie/Weber/Parsons/Habermas: Max Weber Bürokratisierungsthese: In der Moderne nimmt die Bürokratisierung zu. Talcott ParsonsVsWeber/Habermas: statt eines Trends zur Bürokratisierung gibt es einen Trend zum Assoziationismus. Viele empfinden jedoch einen Zuwachs an Bürokratie. Symptome dafür seien eine Verschlechterung ((s) des Gefühls) von „Gemeinschaft“.
Habermas IV 433
„Privatisierung“: es wird hervorgehoben, moderne Gemeinschaft sei „privatisiert“ worden und viele Beziehungen seien in den Kontext großer formaler Organisationen verschoben worden. ((s) Parsons charakterisiert hier eine Einstellung, die Weber zugeschrieben werden kann). Parsons: Bürokratisierung droht nicht, alles zu überschwemmen. Im Gegenteil, das System der Massenkommunikation ist ein funktionales Äquivalent einiger Merkmale der „Gemeinschaft“ (original deutsch) und darüber hinaus eines, das dem Individuum erlaubt, selektiv im Rahmen seiner individuellen Standards und Wünsche zu partizipieren. (1)
HabermasVsParsons: 1. Massenkommunikation: ist nicht so angelegt, dass sie der „Privatisierung“ des Lebensstils entgegenwirkt, 2. Die Verallgemeinerung formaler Rechtsansprüche kann nicht ohne weiteres im Sinne der Erweiterung demokratischer Willensbildungsprozesse verstanden werden.


1.T.Parsons, The System of Modern Societies, Englewood Cliffs 1971, S. 116f.


ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Entscheidungen Parsons Habermas IV 333
Entscheidungen/Parsons/Habermas: Parsons These: für beliebige Handlungssituationen gibt es fünf Probleme, die sich jedem Aktor unausweichlich in der Form binär schematisierter allgemeiner und abstrakter Entscheidungsalternativen stellen. (1) 1. Soll der Handelnde seinen Interessen unmittelbar folgen, oder normative Erwägungen zulassen?
2. Soll er seinen Affekten und Wünschen unverzüglich folgen oder Impulse unterdrücken?
3. Soll er die Situation distanziert analysieren, oder sich als Beteiligter einlassen?
Habermas IV 334
4. Soll er anderen Aktoren nach ihren Leistungen bzw. Beiträge beurteilen? 5. Soll er konkrete Gegenstände und Aktoren in ihrer Komplexität berücksichtigen, oder sich auf analytisch beschriebene Umstände beschränken?
Daraus gewinnt Parsonsn folgende Tafel:
1. The private vs. collective interest dilemma: self vs. collectivity orientation
2. The gratification-discipline dilemma: affectivity vs. affective neutrality.
3. The dilemma of transcendence vs. immanence: universalism vs. particularism.
4. The choice between object modalities: performance vs. quality (achievement vs. diffuseness).
5. The definition of the scope of interest in the object: specitiy vs. diffuseness.
HabermasVsParsons: er hat den Anspruch, dass diese Tafel ein System darstelle, nicht eingelöst.

1.Talcott Parsons, The Social System, NY 1951, S. 76


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Ch. Parsons
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T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Existenzielle Generalisierung Hintikka II 42
Existenzielle Generalisierung/EG/HintikkaVsParsons, Terence: Parsons Kriterium der existenziellen Generalisierung ist falsch, denn sie kann fehlschlagen aus Gründen, die nichts mit Nichtexistenz zu tun haben. Bsp
(1) Königin Victoria wusste, dass Lewis Carroll Lewis Carroll ist.
Daraus kann man nicht schließen, selbst obwohl Caroll existierte, und dies von der Königin gewusst wurde, dass
(2) (Ex)Königin Victoria wusste, dass Lewis Carroll x ist.
Und daher:
(3) Jemand ist so, dass Königin Victoria wusste, dass er Lewis Carroll ist.
(2) und (3) sagen dasselbe wie:
(4) Königin Victoria wusste, wer Lewis Carroll ist.
Das ist aber nicht von (1) impliziert (impliziert = Eng. entailed).
Existenzielle Generalisierung/EG/Hintikka: Die Äquivalenz von (2)-(3) mit (4) ist aber ganz unabhängig davon, ob die Quantoren nur über existente oder auch über nichtexistente Objekte gehen.
Der Grund für das Fehlschlagen der existenziellen Generalisierung ist nicht ein Fehlschlagen der Eindeutigkeit.
Eindeutigkeit schlägt allerdings fehl, denn in verschiedenen Situationen, die mit dem Wissen der Königin kompatibel sind, kann der Name Lewis Carroll auf verschiedene Personen angewendet werden. Daher kann nicht nur ein einzelnes, bestimmtes Objekt als Wert von „x“ fungieren.
Daher findet die existenzielle Generalisierung keine Anwendung in (1) und dennoch kann sie so verstanden werden, dass sie den Äußerer auf die Existenz von Lewis Carroll verpflichtet. Daher schlägt Parsons Kriterium fehl.
II 54
Existenzielle Generalisierung/EG/Hintikka: Die existenzielle Generalisierung berechtigt uns, von einem Satz S(b) mit einem singulären Term „b“ zur Existenzaussage (Ex) S(x) überzugehen. Dies schlägt fehl in intensionalen (epistemischen) Kontexten.
Übergang von „any“ zu „some“. (>Existentielle Generalisierung)
Bsp epistemischer Kontext:
(10) (Prämisse) George IV wusste, dass (w = w)
(11) (versuchsweise Konklusion) (Ex) George IV wusste dass (w = x)
II 55
Problem: Der Übergang von (10) zu (11) schlägt fehl, weil (11) die Stärke von (12) hat (12) George IV wusste, wer w ist.
Existenzielle Generalisierung/EG/Fehlschlagen/Lösung/Frege/Hintikka: Frege nahm an, dass wir es in intensionalen (opaken) Kontexten mit Ideen von Referenten zu tun haben.
HintikkaVsFrege: Problem: Dann würde (11) auf jeden Fall aus (10) folgen ((s) Und das ist gerade nicht gewünscht). Denn man müsste annehmen, dass es auf jeden Fall irgendeinen Sinn gibt, unter dem George IV sich ein Individuum w vorstellt.
Problem: „w“ greift in verschiedenen Welten verschiedene Individuen heraus.
II 56
Semantik möglicher Welten/Lösung/Hintikka: Bsp AG (13) George weiß, dass S(w)
zu
(14) (Ex) George weiß, dass S(x)
wobei S(w) keine Ausdrücke enthält, die opake Kontexte schaffen.
Dann brauchen wir eine zusätzliche Bedingung.
(15) (Ex) in allen relevanten Welten (w = x)
Das ist aber kein wohlgeformter Ausdruck in unserer Notation. Wir müssen sagen, was die relevanten Welten sind.
Def relevante Welt/Hintikka: Relevante Welten sind alle die, die kompatibel sind mit dem Wissen von George.
Damit ist (15) gleichbedeutend mit:
(16) (Ex) George weiß, dass (w = x).
Dies ist die zusätzliche Prämisse. D.h. George weiß, wer w ist. (Wissen-dass, Wissen-wer, Wissen-was).

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Funktionen Parsons Habermas IV 363
Funktionen/Gesellschaft/Systeme/Parsons/Habermas: Weil jede Institution (Unternehmen, Staatsverwaltung, Recht, Kirche, Familie) unter verschiedenen Aspekten allen gesellschaftlichen Subsystemen (Ökonomie, Recht, Erhaltung kultureller Muster) angehört, eignet sich keine als definierendes Merkmal für jeweils eines dieser Subsysteme. Funktionen/Parsons: definiert er nun auf einer verhältnismäßig abstrakten Ebene als Anpassung, Zielerreichung, Integration und Erhaltung von Strukturmuster (Siehe AGIL-Schema/Terminologie). Es sind Produktionsleistungen der Wirtschaft, Organisationsleistungen staatlicher Verwaltungen, Integrationsleistungen des Rechts und die Normalisierungsleistungen der Überlieferung.
Habermas IV 364
Problem: Parsons muss begründen, warum diese vier funktionalen Gesichtspunkte für die Analyse von Handlungssystemen notwendig und hinreichend sind.
Habermas IV 367
Da das Schema der vier Grundfunktionen bei Parsons nun nicht mehr handlungstheoretisch basiert ist und für lebende Systeme allgemein gilt, müssen die analytischen Bestandteile der Handlung nun ihrerseits als Lösung von Systemproblemen begriffen werden.
IV 370
VsParsons: die Aufteilung und Zuordnung der Funktionen in seiner Systemtheorie ist willkürlich. J. Alexander fragt z.B., warum Integrationsprobleme nicht ebenso gut durch universalistische wie durch partikularistische Handlungsorientierungen oder warum Probleme der Erhaltung kultureller Muster nicht genauso gut durch die Orientierung an den Leistungen statt an den intrinsischen Qualitäten eines Gegenübers sollten gelöst werden können.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Gegenstände Parsons Habermas IV 328
Gegenstand/Objekt/Parsons/Habermas: die physischen Gegenstände unterscheidet Parsons von den kulturellen anhand ihrer Identifikationsbedingungen. Physische Gegenstände sind Entitäten in Raum und Zeit, während symbolische Gegenstände kulturelle Muster darstellen, die tradiert, d.h. übertragen und angeeignet werden können, ohne ihre Bedeutung zu verändern. Die raumzeitliche Individuierung berührt nicht den semantischen Gehalt, sondern nur das materielle Substrat, indem das Bedeutungsmuster symbolisch Gestalt gewinnt. HabermasVsParsons: indem er Gegenstände ontologisch aus der Sicht des Subjekts kennzeichnet, entgeht ihm die wichtige Differenz zwischen raumzeitlich individuierten Gegenständen und symbolisch verkörperten Bedeutungen. Für Parsons bezieht sich der Handelnde daher auf kulturelle Muster wie auf Gegenstände. Diese Reifikation verstellt den Blick auf die Rolle, die die kulturelle Überlieferung als Kontext und Hintergrund für kommunikatives Handeln spielt.
Habermas IV 329
Problem: die individuell spezifizierten Gegenstände können keine gemeinsame Basis für einen gemeinschaftlichen Interpretationsrahmen der Handlungssituation bilden.
Habermas IV 330
HabermasVsParsons: Parsons stellt zwar den kulturellen Bedeutungsmustern, die angeblich als „Gegenstand“ auftreten, jene Bestandteile der Kultur gegenüber, die verinnerlicht worden sind. Mit dieser Unterscheidung macht er aber die Reifikation der Kultur nicht rückgängig, er macht sie sogar erst recht fest.

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Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

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Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Geltungsansprüche Parsons Habermas IV 415
Geltungsansprüche/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons berücksichtigt nicht, und er kann auch im Rahmen seiner Handlungstheorie nicht berücksichtigen, dass sich der Begriff der Sanktionen auf Ja/Nein-Stellungnahmen zu kritisierbaren Geltungsansprüchen nicht anwenden lässt. Die Strategiepaare Anreiz/Abschreckung und Überzeugung/Ermahnung unterscheiden sich nämlich: im einen Fall ist Ego allein an den Konsequenzen seines Handelns orientiert, im anderen Fall muss er mit Alter sprechen und ihn über das Bestehen von Sachverhalten aufklären oder überzeugen.
Habermas IV 416
Im ersten Fall geht es um erfolgsorientiertes Handeln, im zweiten Fall um verständigungsorientiertes Handeln. (Siehe auch Illokutionäre Akte, Perlokutionäre Akte).

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Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Handlungen Parsons Habermas IV 306
Handlung/Parsons/Habermas: Parsons geht wie Weber von den Kategorien von „Zweck“ und „Mittel“ aus. Er richtet sich dabei auf die allgemeinsten Bestimmungen der kleinsten denkbaren Einheit möglichen Handelns. (1)
Habermas IV 307
HabermasVsParsons: sein handlungsbegriff ist subjektivistisch („voluntaristisch“) was aus seinem Begriff der Situation (Siehe Situation/Parsons) folgt. Damit schließt seine Handlungstheorie den Objektivismus von verhaltenswissenschaftlich reformulierten Handlungsbegriffen aus. Unter dem Aspekt der Berücksichtigung normativer Standards überbrückt die Handlung nach Parsons den Abstand zwischen den Regionen des Seins und des Sollens, der Tatsachen und der Werte, zwischen den Bedingungen einer gegebenen Situation
Habermas IV 308
und den durch Werte und Normen bestimmten Orientierungen des Handelnden (die ontologische Dimension: conditions/norms). Dabei verliert die „Anstrengung“ die eine Handlung erfordert, den empirischen Sinn eines Strebens nach Gratifikation: „Anstrengung“ ist hier vielmehr „a name for the relating factor between the normative and conditional elements of action. It is necessitated by the fact that norms do not realize themselves automatically but only through action, so far as they are realized at all.“ (2) HabermasVsParsons: mit dem Begriff der Handlung als Grundeinheit lässt sich nicht erklären, was es heißt, dass ein Aktor seine Entscheidungen an Werten orientiert.

Habermas IV 352
Handlungen/System/Parsons: Handlung/Luhmann: “Die Handlung ist System aufgrund ihrer analytischen Binnenstruktur.” (3) Habermas: dabei geht es um die Relationen zwischen Werten, Normen, Zielen und Ressourcen.
Handlungssystem/Parsons: setzt sich aus Teilsystemen zusammen, die auf Produktion und Erhaltung jeweils einer Komponente des Handelns spezialisiert sind:
Kultur: auf Werte
Gesellschaft: auf Normen
Persönlichkeit: auf Ziele
Verhaltenssystem: auf Mittel oder Ressourcen. (4)
Habermas IV 353
HabermasVsParsons: mit dem Konzept des Handlungssystems verschwinden die Aktoren als handelnde Subjekte; sie werden zu Einheiten abstrahiert, denen Entscheidungen und damit Effekte von Handlungen zugeschrieben werden. Aktoren kommen als abstrakte Platzhalter in den Blick, und zwar als Aspekte des lernfähigen Organismus, des Motivhaushaltes einer Person, der Rollen und Mitgliedschaften eines Sozialsystems und der handlungsdeterminierenden Überlieferungen einer Kultur.

1.Talcott Parsons, The Structure of Social Action, NY, 1949, S. 43f.
2.Ebenda S. 719.
3.N. Luhmann, T. Parsons: die Zukunft eines Theorieprogramms, Zeitschrift für Sozialforschung 9, 1980, S. 8 4. Talcott Parsons, Some Problems of General Theory in Sociology, in: McKinney, Tiryakan, (1970, S. 44

ParCh I
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ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

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Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
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Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Handlungssysteme Luhmann Habermas IV 231
Handlungssysteme/Luhmann/Habermas: LuhmannVsParsons, Talcott: an die Stelle von Parsons „allgemeinen Handlungssystemen“ tritt bei Luhmann eine evolutionär entfaltete Hierarchie ineinander verschachtelter Handlungssysteme, die aus einfachen Interaktionen, autonom gewordenen, über Medien verbundenen Organisationen und der Gesellschaft gebildet werden. Damit reagiert Luhmann auf das Phänomen der Entkoppelung von System und Lebenswelt (Siehe Lebenswelt/Habermas).

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Handlungssysteme Parsons Habermas IV 322
Handlungssystem/Parsons/Habermas: nachdem Parsons die Freudsche Persönlichkeitstheorie und die Kulturanthropologie von Malinowski kennengelernt hatte, verschob sich seine theoretische Perspektive: Handlungssysteme werden nicht mehr aus ihren Einheiten elementaristisch aufgebaut, sondern es wird mit ihnen begonnen. Ausgangspunkt wird für Parsons nun der Begriff der Kultur; Die Handlungssysteme Gesellschaft und Persönlichkeit werden als institutionelle Verkörperungen und motivationale Verankerungen von kulturellen Mustern erklärt. Elementare Einheiten sind nicht mehr Handlungseinheiten, sondern kulturelle Muster und symbolische Bedeutungen. Diese schließen sich zu Konfigurationen zusammen, zu überlieferungsfähigen kulturellen Wert- und Deutungssystemen.
Habermas IV 323
Problem: 1. Wie soll die kulturelle Determination von Handlungssysteme gedacht werden? 2. Wie lassen sich die drei Ordnungsbegriffe des Kultur-, Sozial- und Persönlichkeitssystems mit dem Handlungskonzept, aus dem sie nicht aufgebaut werden konnte, zusammenschließen?
Habermas IV 326
Ad 1.: Lösung/Parsons: Wertstandards werden nicht mehr einzelnen Aktoren als subjektive Eigenschaften zugeschrieben; kulturell Wertmuster werden vielmehr von vorherein als intersubjektiver Besitz eingeführt. Allerdings gelten sie zunächst nur als Bestandteile der kulturellen Überlieferung und verfügen nicht schon von Haus aus über normative Verbindlichkeit.
Habermas IV 327
Ad 2.: Aus der begrifflichen Perspektive verständigungsorientierten Handelns stellt sich die interpretative Aneignung überlieferter kulturelle Gehalte als der Akt dar, über den sich die kulturelle Determination des Handelns vollzieht.
Habermas IV 328
HabermasVsParsons: diesen Weg der Analyse verbaut sich Parsons, weil er die Orientierung an Werten als eine Orientierung an Gegenständen auffasst. Siehe auch Gegenstand/Parsons.
Habermas IV 358
Handlungssystem/Gesellschaft/System/Parsons/Habermas: Parsons definiert ab Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts Gesellschaft als ein Handlungssystem, wobei Kultur und Sprache anstelle der wertorientierten Zwecktätigkeit die konstitutiven Bestimmungen hergeben. (1) In Handlungssystemen durchdringen sich über das Medium der Sprache die überlieferten kulturellen Muster mit der genetisch fortgepflanzten organischen Ausstattung der individuellen Gesellschaftsmitglieder. Kollektive, die sich aus vergesellschafteten Individuen zusammensetzen, sind die Träger der Handlungssysteme. Außerdem ist jedes Handlungssystem eine Zone der Interaktion und der gegenseitigen Durchdringung von vier Subsystemen: Kultur, Gesellschaft, Persönlichkeit und Organismus. Jedes dieser Subsysteme ist auf eine Grundfunktion spezialisiert. (2)
Habermas IV 359
Subsysteme: da sie eine relative Selbständigkeit besitzen, stehen sie untereinander in kontingenten Beziehungen. Diese sind jedoch durch die Zugehörigkeit zum gemeinsamen Handlungssystem in gewisser Weise festgelegt. Die Teilsysteme bilden füreinander Umwelten. Kontrolle: für eine übergeordnete Kontrolle dieser Grundfunktionen postuliert Parsons eine Kontrollhierarchie. (3)
Habermas IV 381
Am Ende seines komplexen Denkweges steht Parsons für das Handlungssystem das an Kant angelehnte epistemologische Modell des erkennenden Subjekts vor Augen. HabermasVsParsons: für Zwecke der Grundlegung der Gesellschaftstheorie eignet sich das kommunikationstheoretische Modell des sprach- und handlungsfähigen Subjekts aber besser als das epistemologische.


1 T. Parsons, Societies, Englewood Cliffs, 1966, p. 5.
2. Ibid p. 7.
3. Ibid p. 28

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Handlungstheorie Parsons Habermas IV 301
Handlungstheorie/Systemtheorie/Parsons/Habermas: Parsons Ausgangsfrage ist, wie Gesellschaft als ein geordneter Zusammenhang von Handlungen möglich ist.
IV 302
Handlungstheorie: setzt an Orientierungen der Handelnden an. Die Theorie nimmt eine Abstimmung der Handelnden an Systemtheorie: untersucht die Integration, die durch Handlungsorientierungen hindurchgreift. Die Theorie nimmt hier eine funktionale Vernetzung von Handlungsfolgen an, die latent bleiben, d.h. über den Orientierungshorizont der Beteiligten hinausreichen können. Eine Orientierung an Werten und Normen, die in der Handlungstheorie relevant ist, ist für die Systemintegration nicht konstitutiv.
Habermas IV 303
Probleme: 1. der handlungstheoretische Rahmen ist zu eng, um ein Gesellschaftskonzept daraus zu entwickeln. 2. In der Systemtheorie kann die Handlungstheorie nicht ohne Vorbehalt umgedeutet und assimiliert werden. 3. HabermasVsParsons, Talcott: Parsons Theorie der Moderne ist zu harmonistisch, weil sie nicht über die Mittel für eine plausible Erklärung pathologischer Entwicklungsmuster verfügt.
Habermas IV 304
HabermasVsParsons: seine Handlungstheorie ist nicht komplex genug, um ein Gesellschaftskonzept zu gewinnen. Lösung/Parsons: beim Übergang von der Ebene der Handlung zu der Ebene des Handlungszusammenhangs muss er die Perspektive und die Begriffe wechseln. Problem: dann sieht es so aus, als ob dieser Übergang von sich aus auf die Konzeption der Gesellschaft als selbstgesteuertes System verwiese.
Lösung/Habermas: mit dem Begriff „Lebenswelt“ als Komplement zum Begriff „kommunikatives Handeln“ lässt sich schon die Reproduktion der Lebenswelt unter verschiedenen funktionalen Gesichtspunkten analysieren. Das macht einen Perspektivenwechsel überflüssig.


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Idealismus Parsons Habermas IV 374
Idealismus/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: es gibt in Parsons Systemfunktionalismus einen versteckten Idealismus: dieser lässt sich schon an der Gliederung des kulturellen Systems ablesen. Es wird nämlich statt der von Max Weber herrührenden Dreiteilung in kognitive Deutungsmuster, moralisch-praktische Wertmuster und ästhetisch-expressive Ausdrucksmuster nun eine Vierteilung erfordert: als Viertes tritt der konstitutive Symbolismus, sprich die Religion hinzu. In der Spätphilosophie Parsons‘ wird das allgemeine Handlungssystem zum „telic system“ („telischen System“) verdinglicht.
Habermas IV 377
Parsons getont, dass die Rede von einem telischen System den Glauben an eine Sphäre letzter Realität voraussetzt.
Habermas IV 378
Methode/HabermasVsParsons: Parsons nimmt das allgemeine Handlungssystem zum Ausgangspunkt einer reflexiv gewendeten Betrachtung des Systems der menschlichen Grundverfassung. Damit verliert aber der Theoretiker einen von diesem Teilsystem unabhängigen Standpunkt. Er kann aus der Perspektive des Handlungssystems nicht ausbrechen. Die Theorie wird auf der anthropologischen Ebene selbstbezüglich. Dafür steht Parsons das Modell der Kantischen Erkenntniskritik vor Augen. (1).

1.T. Parsons, Action Theory and Human Condition, NY 1978, S. 367f.


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Ha IV
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Kommunikationsmedien Parsons Habermas IV 385
Kommunikationsmedien/Parsons/Habermas: Frage: 1. Welchen begrifflichen Satus hat Geld als ein Medium, das den innersystemischen Austausch zwischen realen Größen wie z. B. Arbeitskraft und Konsumgütern einnimmt; 2. Regeln auch die anderen sozialen Teilsysteme den Austausch im ihren Umwelten über ähnliche Medien? (1)
Parsons hat später seinen Versuch, Macht als ein im politischen System verankertes steuerungsmedium zu begreifen, das strukturelle Analogien zu Geld aufweist, als geglückten Test für die Verallgemeinerungsfähigkeit des Medienkonzepts betrachtet. (2)
Habermas IV 386
In der Reihenfolge Geld, Macht, Einfluss und Wertbindung hat Parsons vier Medien in Grundzügen analysiert, von denen jedes einem der sozialen Teilsysteme zugeordnet wird: Geld: dem ökonomischen,
Macht: dem politischen System,
Einfluss: dem System der sozialen Integration
Wertbindung: dem System der Erhaltung von Strukturmustern.
Habermas: in einer weiteren Runde der Verallgemeinerung hat Parsons vier weitere Medien eingeführt: Intelligenz, Leistungsfähigkeit, Affekt und Interpretation. (3)
HabermasVsParsons: die Analogien zum Geldmedium werden im Verlauf der Theoriebildung undeutlicher und am Ende sogar metaphorisch. Das gilt erst recht für die Medien, die Parsons zuletzt den Teilsystemen des alles umgreifenden Systems der menschlichen Grundverfassung (human condition) zugeordnet hat: transzendentale Ordnung, symbolische Bedeutung, Gesundheit und empirische Ordnung). (4)
Habermas IV 387
Am Ende ist Geld für Parsons nur eins von 64 gesellschaftstheoretisch beachtlichen Medien. Problem: dann kann man nicht wissen, welche der am Geldmedium abgelesenen strukturellen Merkmale für Medien überhaupt charakteristisch sind.
Habermas IV 388
Problem: haben wir es hier mit einer Überverallgemeinerung zu tun, also mit der These, dass es so etwas wie ein System von Steuerungsmedien gibt? Siehe Doppelte Kontingenz/Parsons.
Habermas IV 393
Medien/Parsons/Habermas: dienen nicht nur der Ersparnis von Information und Zeit, und damit der Verringerung des Interpretationsaufwands, sondern auch der Bewältigung des Risikos, dass die Handlungssequenzen abreißen. Medien wie Macht und Geld können die Kosten von Dissens weitgehend einsparen, weil sie die Handlungskoordinierung von sprachlicher Konsensbildung abkoppeln und gegenüber der Alternative von Einverständnis und fehlgeschlagener Verständigung neutralisieren. Damit sind sie keine Spezifizierungen von Sprache, sie leisten vielmehr Ersatz für spezielle Sprachfunktionen.
Habermas IV 394
Lebenswelt/Parsons/Habermas: die Umstellung der Handlungskoordinierung von Sprache auf Steuerungsmedien bedeutet eine Abkopplung der Interaktion von lebensweltlichen Kontexten.

1. T.Parsons, Social Systems and the Evolution of Action Theory, NY 1977, S. 128
2. T. Parsons, On the Concept of Power, in: Social Theory and Modern Society, NY 1967
3. Talcott Parsons, Some Problems of General Theory, in: J.C. McKinney, E. A. Tiryakian (Eds.), Theoretical Sociology, NY 1970 S. 27ff.
4. T. Parsons, Action, Theory and the Human Condition, NY 1978, S. 393.

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Ha I
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Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Krisen Habermas IV 434
Krisen/Gesellschaft/HabermasVsPasons/Habermas: Talcott Parsons These: Sozialpathologische Erscheinungen gehen auf systemische Ungleichgewichte zurück. HabermasVsParsons: bei dieser Reduzierung geht das Spezifische gesellschaftlicher Krisen verloren. Für selbstgesteuerte Systeme, die ihren riskanten Bestand permanent durch Anpassung an Bedingungen einer kontingenten und überkomplexen Umwelt sicher müssen,
Habermas IV 434
sind interne Ungleichgewichte der normale Zustand. Ob diese Ungleichgewichte ein „kritisches Ausmaß“ annehmen, kann der Systemanalytiker aus der Außenperspektive nur dann beurteilen, wenn er sich, wie bei Organismen, auf eindeutig identifizierbare Grenzen des Überlegens beziehen kann. Ein vergleichbar klar geschnittenes Problem des Todes stellt sich für gesellschaftliche Systeme nicht. (1) Krisen/Habermas: erst wenn relevante gesellschaftliche Gruppen Strukturwandlungen, die systemisch reduziert sind, als bestandskritisch erfahren und ihre Identität bedroht fühlen, darf der Sozialwissenschaftler von Krisen sprechen. (2)
Lösung/Weber/Habermas: indem Weber Modernisierung als gesellschaftliche Rationalisierung begreift stellt er einen Zusammenhang mit identitätsverbürgenden Weltbildern und mit Strukturen der Lebenswelt her, welche die Konsistenzbedingungen sozialer Erfahrungen festlegen.

IV 565
Krisen/Habermas: als Krisen wirken sich Systemungleichgewichte erst dann aus, wenn die Leistungen von Ökonomie und Staat manifest unterhalb eines etablierten Anspruchsniveaus bleiben und die symbolische Reproduktion der Lebenswelt beeinträchtigen, indem sie dort Konflikte und Widerstandsreaktionen hervorrufen.
IV 566
Bevor solche Konflikte Kernbereiche der sozialen Integration gefährden, werden sie in die Peripherie verschoben: bevor anomische Zustände eintreten, kommt es zu Erscheinungen des Legitimations- bzw. des Motivationsentzugs. Wenn es aber gelingt, Steuerungskrisen d. h. wahrgenommene Störungen der materiellen Reproduktion durch Rückgriffe auf Ressourcen der Lebenswelt abzufangen, entstehen Pathologien der Lebenswelt. Das kann man sich als einen Raubbau an den übrigen Ressourcen vorstellen: Kultur und Persönlichkeit werden zugunsten einer krisenbewältigenden Stabilisierung der Gesellschaft angegriffen. Es entstehen Phänomene der Entfremdung und der Verunsicherung kollektiver Identitäten. Siehe Kolonialisierung der Lebenswelt (Terminologie/Habermas) und Verdinglichung/Habermas.

1.R. Döbert, Systemtheorie und die Entwicklung religiöser Deutungssysteme, Frankfurt, 1973
2.J. Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt 1973, S. 9ff.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Krisen Parsons Habermas IV 433
Krisen/Gesellschaft/Parsons/Habermas: Talcott Parsons These: Sozialpathologische Erscheinungen gehen auf systemische Ungleichgewichte zurück.
Habermas IV 434
HabermasVsParsons: Parsons kann nicht, wie Weber, Maßstäbe für die Erfahrung von Krisen durch Betroffene beibringen. Er verwendet den Begriff der Krise ohne Bezugnahme auf Identitätsprobleme. Er kann Krisen allein in Begriffen der Mediendynamik erfassen ((s) Medien sind dabei unter anderem Geld und Macht, Siehe Kommunikationsmedien/Parsons)). Wirtschaftliche Inflations- und Deflationsprobleme dienen Parsons dafür als Modell. (1)

1.Parsons, T./Platt, M. The American University, Cambridge Mass. 1973, S. 304ff.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

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Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

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Kulturelle Überlieferung Parsons Habermas IV 322
Kulturelle Überlieferung/Parsons/Habermas: nachdem Parsons die Freudsche Persönlichkeitstheorie und die Kulturanthropologie von Malinowski kennengelernt hatte, verschob sich seine theoretische Perspektive: Handlungssysteme werden nicht mehr aus ihren Einheiten elementaristisch aufgebaut, sondern es wird mit ihnen begonnen. Ausgangspunkt wird für Parsons nun der Begriff der Kultur; Die Handlungssysteme Gesellschaft und Persönlichkeit werden als institutionelle Verkörperungen und motivationale Verankerungen von kulturellen Mustern erklärt. Elementare Einheiten sind nicht mehr Handlungseinheiten, sondern kulturelle Muster und symbolische Bedeutungen. Diese schließen sich zu Konfigurationen zusammen, zu überlieferungsfähigen kulturellen Wert- und Deutungssystemen.
Habermas IV 323
Der Teil der kulturellen Überlieferung, der für die Konstituierung von Handlungssystemen relevant ist, sind die Wertmuster. Diese werden durch Internalisierung zu persönlichen Motiven oder charakterbildenden Handlungsdispositionen verarbeitet. Dann sind Handlungssysteme einander ergänzende Kanäle, durch die kulturelle Werte in motivierte Handlungen umgesetzt werden. (1) Problem: 1. Wie soll die kulturelle Determination von Handlungssysteme gedacht werden?
2. Wie lassen sich die drei Ordnungsbegriffe des Kultur-, Sozial- und Persönlichkeitssystems mit dem Handlungskonzept, aus dem sie nicht aufgebaut werden konnte, zusammenschließen?
Habermas IV 326
Ad 1.: Lösung/Parsons: Wertstandards werden nicht mehr einzelnen Aktoren als subjektive Eigenschaften zugeschrieben; kulturell Wertmuster werden vielmehr von vorherein als intersubjektiver Besitz eingeführt. Allerdings gelten sie zunächst nur als Bestandteile der kulturellen Überlieferung und verfügen nicht schon von Haus aus über normative Verbindlichkeit.
Habermas IV 327
Ad 2.: Aus der begrifflichen Perspektive verständigungsorientierten Handelns stellt sich die interpretative Aneignung überlieferter kulturelle Gehalte als der Akt dar, über den sich die kulturelle Determination des Handelns vollzieht.
Habermas IV 328
HabermasVsParsons: diesen Weg der Analyse verbaut sich Parsons, weil er die Orientierung an Werten als eine Orientierung an Gegenständen auffasst. Siehe Gegenstand/Parsons.
1.Talcott Parsons, Toward a General Theory of Action, NY 1951, S. 54.

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Methode Parsons Habermas IV 311
Methode/Erklärung/Soziologie/Handlungstheorie/Parsons/Habermas: Problem: wenn Zwecke und Werte in Ordnungen bereits auf bestehende Interessen bezogen sind, kann das institutionalisierte Handeln als ein Prozess der Verwirklichung von Werten unter faktischen Bedingungen begriffen werden. So könnte man Handeln und Ordnung aufeinander beziehen. Parsons isoliert jedoch diese beiden Ebenen der Analyse voneinander. Damit wird das Konstruktionsproblem verschärft. Siehe Handlungstheorie/Parsons.
Habermas IV 330
HabermasVsParsons: im Zusammenhang mit einer Theorie des kommunikativen Handelns vergrößert der Versuch, „gegenständliche“ von „ungegenständlichen“ Wertmustern abzugrenzen die Verwirrung. HabermasVsSubjektphilosophie/HabermasVsErkenntnistheorie: das auf Objekte gerichtete Subjekt der Erkenntnistheorie ist ein im Ansatz falsches Modell.
Lösung/Habermas: ein Modell verständigungsorientierten Handelns, an dem sich studieren lässt, wie Kultur, Gesellschaft und
Habermas IV 331
Persönlichkeit bei der Determinierung von Handlungsorientierungen zusammenwirken. Siehe Hintergrund/Habermas.
Habermas IV 337
Methode/HabermasVsParsons: wenn die pattern-variables (siehe Terminologie/Parsons) einen mehreren Komponenten (z.B. Gesellschaft, Kultur, Persönlichkeit) gemeinsamen strukturellen Kern beschreiben, können sie nicht gleichzeitig dazu dienen, die spezifischen Entwicklungen dieser Komponenten auf Handlungsorientierungen aufzuklären. Problem: es fehlt ein Pendant zum Verständigungsmechanismus.
Habermas IV 351
HabermasVsParsons: Parsons muss Handlungszusammenhänge unvermittelt als Systeme begreiflich machen, ohne sich des Einstellungswechsels bewusst zu werden, mit dem der Begriff des Handlungssystems auf dem Wege der Vergegenständlichung der Lebenswelt methodisch erst erzeugt wird. Daher verrichtet er auf die handlungstheoretisch Einführung des Systembegriffs. Lösung/Parsons: er räumt kurzerhand der Systemtheorie den grundbegrifflichen Vorrang ein.

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Moderne Habermas III 297
Moderne/Habermas: die Moderne kennt weder in der Ethik noch in der Wissenschaft Reservate, die von der kritischen Kraft hypothetischen Denkens ausgenommen wären. Vorher bedarf es aber zunächst einer Generalisierung des Lernniveaus, das mit der Begrifflichkeit der religiös-metaphysischen Weltbilder erreicht worden ist. Ausgehend von Webers Analyse stößt man an der Schwelle der Moderne auf zwei Probleme: 1. Die religiöse Askese muss erst die außerreligiösen Lebensbereiche durchdringen, um auch die profanen Handlungen den Maximen der Gesinnungsethik zu unterwerfen. Diesen Vorgang identifiziert Weber mit der Entstehung der protestantischen Berufsethik.
2. Bei der Entstehung der modernen Wissenschaft muss die Entkoppelung der Theorie von Erfahrungsbereichen der Praxis überwunden werden. Das geschah in Gestalt der experimentellen Naturwissenschaften. (1)
III 299
Protestantische Ethik/Weber/Habermas: in der traditionellen Gesellschaft kann das kognitive Potential, das mit den durchrationalisierten Weltbildern entsteht, innerhalb deren sich der Entzauberungsprozess vollzieht, noch nicht wirksam werden. Es wird erst in modernen Gesellschaften entbunden. Dieser Vorgang bedeutet die Modernisierung der Gesellschaft. (2)
IV 433
Moderne/HabermasVsParsons/Habermas: ParsonsVsWeber: Parsons beschreibt dieselben Erscheinungen, die Weber als Anzeichen für soziale Pathologien deuten kann, als weiteren Beleg für die Ausbildung einer der Komplexität moderner Gesellschaften angemessenen Form der Solidarität. Parsons/Habermas: durch seine Aufteilung der Grundbegriffe schafft er eine Gleichschaltung der Rationalisierung der Lebenswelt mit Komplexitätssteigerungen des Gesellschaftssystems. Damit verhindert er genau die Unterscheidungen, die wir vornehmen müssen, wenn wir die in der Moderne auftretenden Pathologien erfassen wollen. Siehe Bürokratie/Parsons).


1.W. Krohn, Die neue Wissenschaft der Renaissance, in: G. Böhme, W. v.d. Daele, W. Krohn, Experimentelle Philosophie, Frankfurt, 1977, S. 13ff.
2.Vgl. H.V. Gumbrecht, R. Reichardt, Th.Schleich (Hrg), Sozialgeschichte der Französischen Aufklärung, 2 Bde, München, 1981

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Moderne Luhmann Habermas IV 420
Moderne/LuhmannVsParsons/Luhmann/Habermas: Luhmann hebt an modernen Gesellschaften ausschließlich die Züge der Komplexität hervor. Diese verdanken ihre hohe Komplexität der starken Ausdifferenzierung von Teilsystemen, die relativ unabhängig voneinander sind, zugleich Umwelten füreinander bilden und über Medien in einem derart geregelten Austausch miteinander treten, dass Zonen gegenseitiger Durchdringung (Interpenetration) entstehen. Neukantianismus/Luhmann/Habermas: Luhmann räumt mit dem Neukantianismus auf d.h. er verabschiedet die Idee der Werteverwirklichung auf
Habermas IV 421
und fegt den Himmel von kulturellen Werten leer. Er gibt der Theorie der Moderne größere Beweglichkeit zurück, indem er das Korsett des Schemas aus vier Funktionen (siehe AGIL-Schema) aufschnürt. LuhmannVsParsons: Luhmann möchte historisch erklären, was Parsons noch theoretisch voraussagt, z.B. die, dass die Entwicklung moderner Gesellschaften durch genau drei Revolutionen gekennzeichnet ist.
ParsonsVsLuhmann/Habermas: anders als Luhmann kann Parsons den von außen, aus der Beobachtung erfassten Zuwachs an Systemkomplexität in das an die Innenperspektive der Lebenswelt gebundene Selbstverständnis der Systemmitglieder übersetzen.(1)


1.T.Parsons, The System of Modern Societies, Englewood Cliffs 1971, S. 114ff.

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

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Moderne Parsons Habermas IV 303
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons Theorie der Moderne ist zu harmonistisch, weil sie nicht über die Mittel für eine plausible Erklärung pathologischer Entwicklungsmuster verfügt.
Habermas IV 420
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons‘ Theorie der Moderne hat ein Janusgesicht: A) sie unterscheidet sich von einem Systemfunktionalismus, der an modernen Gesellschaften ausschließlich die Züge der Komplexität hervorhebt. Das ist die Linie von Luhmann. Siehe Moderne/Luhmann.
Habermas IV 421
Methode/ParsonsVsLuhmann/Habermas: Parsons begreift gesellschaftliche Modernisierung nicht nur als systemische, sondern als handlungsbezogene Rationalisierung.
Habermas IV 422
HabermasVsParsons: Problem: es fehlt Parsons dafür ein aus der Handlungsperspektive entworfenes Gesellschaftskonzept. Daher kann er die Rationalisierung der Lebenswelt und die Komplexitätssteigerung von Handlungssystemen nicht als getrennte, als interagierende, aber oft auch gegenläufige Prozesse beschreiben. Daher kann er die entsprechende Dialektik nicht erfassen und muss diese Erscheinungen auf das Maß von Krisenerscheinungen reduzieren, die sich nach dem Muster von Inflation und Deflation erklären lassen. (Siehe Revolutionen/Parsons).
Habermas IV 432
Moderne/Parsons/ParsonsVsWeber/Habermas: Parsons kommt nicht durch eine abweichende Beschreibung globaler Trends, über die man sich streiten könnte, zu einer anderen Auffassung als Weber; sondern diese Auffassung ergibt sich deduktiv aus seiner Analyse des Modernisierungsprozesses: Wenn sich entwickelte moderne Gesellschaften durch hohe Eigenkomplexität auszeichnen, und wenn sie diese Komplexität nur in allen vier Dimensionen der Anpassungskapazität. Ausdifferenzierung von mediengesteuerten Subsystemen, Inklusion und Wertgeneralisierung gleichzeitig steigern können, dann besteht eine analytische Beziehung zwischen a) der hohen Systemkomplexität und b) universalistischen Formen der sozialen Integration sowie zwanglos institutionalisiertem Individualismus. Habermas: Parsons zeichnet deshalb ein harmonisiertes Bild der Moderne. Siehe Bürokratie/Parsons.
Habermas IV 433
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: sozialpathologische Erscheinungen muss Parsons auf systemische Ungleichgewichte reduzieren; dabei geht das Spezifische gesellschaftlicher Krisen verloren. Für selbstgesteuerte Systeme, die ihren riskanten Bestand permanent durch Anpassung an Bedingungen einer kontingenten und überkomplexen Umwelt sicher müssen,
Habermas IV 434
sind interne Ungleichgewichte der normale Zustand.

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Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Nichtexistenz Hintikka II 37
Nichtexistente Objekte/unverwirklichte Möglichkeiten/HintikkaVsQuine/Hintikka: These: Es gibt nicht-existente Objekte, und zwar in der aktualen Welt. (>Possibilia/Hintikka). HintikkaVsQuine: Die Philosophen, die sie ablehnen, haben zu stark in syntaktischen Bahnen gedacht.
Hintikka: These: Man muss die Frage eher semantisch (modelltheoretisch) beantworten.
Fiktion/Ryle: Test: Gilt die Paraphrase?
Terence ParsonsVsRyle: Ryles Test schlägt fehl in Fällen wie Bsp „Mr. Pickwick ist eine Fiktion“.
HintikkaVsParsons: Die Relevanz des Kriteriums ist überhaupt fraglich.
II 38
Ontologie/Sprache/sprachlich/HintikkaVsRyle: Wie sollten linguistische Fragen wie Paraphrasierbarkeit über ontologischen Status entscheiden? Lösung/Hintikka: Für die Frage, ob es nicht-existente Objekte gibt, bietet die Modelltheorie eine Lösung.
Bsp Puccinis Tosca: Bei Puccinis Tosca geht es darum, ob die Soldaten Kugeln in ihren Gewehrläufen haben.
Pointe: Selbst wenn sie welche haben, wären es nur fiktive!
Modelltheorie/Hintikka: Die Modelltheorie liefert eine ernstzunehmende Antwort. ((s) „wahr im Modell“ heißt, in der Geschichte ist es wahr, dass die Kugeln da sind).
HintikkaVsParsons: Man sollte nicht zu stark syntaktisch argumentieren, d.h. nicht bloß fragen, welche Schlussfolgerungen gezogen werden dürfen und welche nicht.
Akzeptanz/Akzeptierbarkeit/Inferenzen/Hintikka: Das Fragen nach der Akzeptierbarkeit von Inferenzen und von Sprache und Intuitionen ist syntaktisch.
Singuläre Termini/ontologische Verpflichtung/Existenz/Parsons: Parsons spricht davon, dass der Gebrauch von singulären Termini uns zu einer existentiellen Generalisierung verpflichtet. Und damit auf einen Referenten. D.h. es ist eine Verpflichtung zu einer Inferenz (HintikkaVsParsons).
II 39
Nichtexistente Objekte/Substanz/Welt/Tractatus/Hintikka: Der Grund, warum Wittgenstein seine „Objekte“ als Substanz der Welt ((s) die nicht vermehrt oder vermindert werden kann) postulierte, ist, dass ihre Existenz nicht ausgedrückt werden kann.
II 40/41
Nichtexistenz/nichtexistente Objekte/Lokalisierung/Mögliche Welten/Hintikka: These: Jedes nicht-existente Objekt ist in seiner eigenen Welt. Mögliche Welten/Leibniz/Duns Scotus/Hintikka: Solche Erwägungen führten Leibniz und vor ihm Duns Scotus dazu, die ungeordnete Menge nicht-existenter Individuen auf abgeteilte Welten zu verteilen.
Gesamtheit: Die Gesamtheit aller nichtexistenter Objekte ist eine nicht-wohlgeformte Gesamtheit.
Nicht-existente Objekte/mögliche Gegenstände/unverwirklichte Möglichkeiten/Hintikka: Aber sind nicht einige dieser nicht-existenten Objekte in unserer eigenen aktualen Welt? Hintikka: These: Ja, einige dieser bloß möglichen Objekte sind in der aktualen Welt.
Bona fide-Objekt/Hintikka: Ein bona fide-Objekt kann in einer möglichen Welt existieren und in einer anderen fehlen.
Weltlinie/Hintikka: Wenn es darum geht, welche gezogen werden können, ist Existenz nicht das wichtigste Problem - eher Wohldefiniertheit.
HintikkaVsLeibniz: Wir erlauben auch, dass ein Objekt in mehreren Welten existiert.
Frage: Wenn Bewohner zweier verschiedener Welten dann identisch sein können, wann sind sie dann identisch?
II 103
Nichtexistenz/nicht wohldefiniert/HintikkaVsMontague: Die Montague-Semantik lässt es nicht zu, dass die Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz sinnlos sein könnte, weil ein Individuum in einer Welt nicht wohldefiniert ist. ((s) Weil bei Montague der Individuenbereich als konstant angenommen wird). Individuenbereich/Lösung/Hintikka: Wir müssen zulassen, dass der Individuenbereich nicht konstant ist. Problem:
Quantifikation/Glaubenskontext/Existenz/Wahrheit/Hintikka: Im folgenden Beispiel müssen wir Existenz voraussetzen, damit der Satz wahr sein kann:
(11) John sucht ein Einhorn und Mary sucht es auch. ((s) Dasselbe Einhorn).
Reichweite/Quantor/Hintikka: In der einzig natürlichen Lesart von (11) muss man annehmen, dass die Reichweite des impliziten Quantors so ist, dass „ein Einhorn“ eine weitere Reichweite hat als „sucht“.
((s) D.h. dass beide dasselbe Einhorn suchen. Problem: Wie kann man wissen, ob beide Subjekte an dasselbe Individuum glauben?)

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Nichtexistenz Parsons Hintikka I 37
Nichtexistente Objekte/unverwirklichte Möglichkeiten/HintikkaVsQuine/Hintikka: These: es gibt nichtexistente Objekte, und zwar in der aktualen Welt. (>Possibilia). HintikkaVsQuine: die Philosophen, die sie ablehnen, haben zu stark in syntaktischen Bahnen gedacht.
Hintikka. These: man muss die Frage eher semantisch (modelltheoretisch) beantworten.
Fiktion/Ryle: Test: gilt die Paraphrase?
Terence ParsonsVsRyle: Ryles Test schlägt fehlt in Fällen wie Bsp „Mr. Pickwick ist eine Fiktion“.
HintikkaVsParsons: die Relevanz des Kriteriums ist überhaupt fraglich.
I 38
Ontologie/Sprache/sprachlich/HintikkaVsRyle: wie sollten linguistische Fragen wie Paraphrasierbarkeit über ontologischen Status entscheiden? Lösung/Hintikka: für die Frage ob es nichtexistente Objekte gibt: Modelltheorie.
Bsp Puccinis Tosca: her geht es darum, ob die Soldaten Kugeln in ihren Gewehrläufen haben.
Pointe: selbst wenn sie welche haben, wären es nur fiktive!
Modelltheorie/Hintikka: liefert eine ernstzunehmende Antwort. ((s) „wahr im Modell“ heißt, in der Geschichte ist es wahr, dass die Kugeln da sind).
HintikkaVsParsons: man sollte nicht zu stark syntaktisch argumentieren, d.h. nicht bloß fragen, welche Schlussfolgerungen gezogen werden dürfen und welche nicht.
Akzeptanz/Akzeptierbarkeit/Inferenzen/Hintikka: fragen nach der Akzeptierbarkeit von Inferenzen und von Sprache und Intuitionen sind syntaktisch.
Singuläre Termini/ontologische Verpflichtung/Existenz/Parsons: Parsons spricht davon, dass der Gebrauch von singulären Termini uns zu einer existentiellen Generalisierung verpflichtet. Und damit auf eine Referenten. D.h. es ist eine Verpflichtung zu einer Inferenz.
HintikkaVsParsons.

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Hintikka I
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Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Paradoxien Putnam I (i) 232f
Paradoxien/Wahrheit/PutnamVsTarski: Das Paradoxe an seiner Theorie ist, dass man außerhalb der ganzen Hierarchie stehen muss um zu sagen, dass die Hierarchie existiert. Charles Parsons: These: Eine Aussage über Wahrheitswerte in der jeweils höherer Sprache sei ein Sprechakt "sui generis". Vgl. >Lügner-Paradoxie.
I (i) 234
PutnamVsParsons: Das ist genauso wenig sui generis wie ein Satz in roter Tinte. Es ist bloß ein formalistischer Trick zu sagen, sie könnten dann keine Paradoxien enthalten. Das Problem ist nur verschoben: In welcher Sprache drücken wir aus, dass Sätze in roter Tinte... Lösung/Putnam: Einige Formen von Diskurs können ohne vorausgesetzten Begriff von Wahrheit verstanden werden. Rorty schlägt das für alle Diskurse vor. Einige: Diese Dinge könnten "nicht gesagt, aber gezeigt werden".
PutnamVs: Die Vorstellung, es gäbe diskursive Gedanken, die nicht gesagt werden könnten, ist unverständlich. Gödel hält mengentheoretische Antinomien für gelöst, semantische für nicht gelöst.

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Präferenzen Parsons Habermas IV 336
Präferenzen/Parsons/Habermas: ParsonsVsWeber: Bsp Das „Gesellschaftshandeln“ des Unternehmers stellt nur einen unter mehreren Typen zweck- und wertrationalen Handelns dar: der moderne Arzt handelt typischerweise ebenso universalistisch und funktional spezifiziert wie der Geschäftsmann der kapitalistischen Wirtschaft, zugleich ist er aber den Regeln einer berufsständischen Ethik unterworfen, die ihn daran hindern, seine ökonomischen Interessen mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln zu verfolgen. (1) Siehe Terminologie/Parsons: pattern variables. Habermas: die pattern-variables eigenen sich zur Beschreibung der Tatsache, dass moderne Gesellschaften für verschiedene Lebensbereiche gegebenenfalls konträre Entscheidungsmuster bewusst adoptieren und von einer Präferenzenkombination auf die entgegengesetzte umschalten können. (Siehe Entscheidungen/Parsons).
Habermas IV 337
Präferenzen/Berufe/Parsons: der instrumentelle Aktivismus, den Parsons in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts an den Handlungsorientierungen amerikanischer Geschäftsleute und Ärzte abliest, und den er durch Grundentscheidungen für gefühlsneutrale Einstellung, Universalismus, Leistungsorientierung und einen feldunabhängigen, aufs Spezifische gerichteten kognitiven Stil bestimmt sieht, bildet sich gleichzeitig auf drei Ebenen ab, nämlich in strukturanalogen Handlungsmotiven, Berufsrollen und kulturellen Werten. (2) HabermasVsParsons: Problem: der durch Präferenzmuster regulierte Entscheidungsspielraum wird nicht durch Interpretationsleistungen des Aktors ausgefüllt. Das Modell lässt keine Initiativen zu, die daraufhin untersucht werden könnten, wie die verschiedenen Ressourcen der Lebenswelt, erworbene Kompetenzen, anerkannte Normen und überliefertes kulturelles Wissen zusammenlaufen und ein Reservoir für Handlungsorientierungen bilden.


1.Talcott Parsons, The Professions and the Social Structure; The Motivation of Economic Activities, in: T. Parsons, Essays in Sociological Theory, Rev. ed. NY 1949.
2. Talcott Parsons, The Social System, NY 1951, S. 78

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Ha I
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Religion Parsons Habermas IV 379
Religion/Systemtheorie/Parsons/Habermas: Parsons nimmt kursorisch auf die drei Kantischen Kritiken Bezug und begreift sie als Versuche, die transzendentalen Bedingungen für die Objektivation der äußeren Natur (unter kognitiv-instrumentellen Gesichtspunkten), für die Konstitution der Handlungszusammenhänge (unter moralisch-praktischen Gesichtspunkten) und für den nicht-objektivierenden Umgang mit der eigenen inneren Natur (unter ästhetischen Gesichtspunkten) zu rekonstruieren. (1) Religion/ParsonsVsKant: Religion lässt sich dann auch innerhalb der Grenzen der Vernunft interpretieren, wenn sie das hybride Ergebnis einer Vergegenständlichung transzendentaler Ordnungsleistungen ist. Das genügt Parsons aber nicht. (2)
Habermas IV 380
Das System der Ordnungsleistungen muss derart in eine System der obersten Kontrollwerte oder der finalen Strukturen umgedeutet werden, dass es als eine Welt von supraempirischen Entitäten mit anderen Welten interagieren kann. HabermasVsParsons: Wie bei Comte und den St. Simonisten, so mündet auch bei Parsons in den ohnmächtigen Versuch, für die sozialintegrativen Funktionen einer in ihrer Substanz angegriffenen Religion einen gesellschaftstheoretischen Ersatz zu schaffen. (3).


1.T. Parsons, Action Theory and Human Condition, NY 1978, S. 370f.
2.Ebenda S. 371
3. A.W. Gouldner, The Coming Crisis of Sociology, NY, 1974; (German) Hamburg 1974, S. 300ff.

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Sanktionen Habermas IV 417
Sanktionen/Kommunikation/HabermasVsParsons/Habermas: Problem: unter Bedingungen der Sanktionierung kann der Handelnde sein eigenes Ja zu einem Geltungsanspruch (Zustimmung zu einer Behauptung, Empfehlung usw.) nicht ernstnehmen. Das Sanktionsschema kann nur solche Interaktionsmodi aufnehmen, bei denen es um empirische Anstrengungen zur Fortsetzung einer Interaktion geht. Lösung/Habermas: man kann eine allgemeine Aufnahmebereitschaft von Alter derart auf einzelne Quellen von Egos Ansehen oder Einfluss zurückführen, dass die empirisch, durch Anreiz und Abschreckung motivierten Bindungen vom rational, nämlich durch begründetes Einverständnis motivierten Vertrauen, unterschieden werden können. Entweder orientiert man sich an Strafen und Belohnungen, oder man verfügt über ausreichendes Wissen und ist hinreichend autonom, um für die Einlösung der kommunikativ erhobenen Geltungsansprüche zu garantieren. (Siehe auch Wissen/Habermas, Autonomie/Parsons).

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Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Sanktionen Parsons Habermas IV 415
Sanktionen/Handlungstheorie/Geltungsansprüche/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons berücksichtigt nicht, und er kann auch im Rahmen seiner Handlungstheorie nicht berücksichtigen, dass sich der Begriff der Sanktionen auf Ja/Nein-Stellungnahmen zu kritisierbaren Geltungsansprüchen nicht anwenden lässt. Die Strategiepaare Anreiz/Abschreckung und Überzeugung/Ermahnung unterscheiden sich nämlich: im einen Fall ist Ego allein an den Konsequenzen seines Handelns orientiert, im anderen Fall muss er mit Alter sprechen und ihn über das Bestehen von Sachverhalten aufklären oder überzeugen.
Habermas IV 416
Im ersten Fall geht es um erfolgsorientiertes Handeln, im zweiten Fall um verständigungsorientiertes Handeln. (Siehe auch >Illokutionäre Akte, >Perlokutionäre Akte). Habermas: unter Bedingungen der Sanktionierung kann der Handelnde sein eigenes Ja zu einem Geltungsanspruch (Zustimmung zu einer Behauptung, Empfehlung usw.) nicht ernstnehmen. Das Sanktionsschema kann nur solche Interaktionsmodi aufnehmen, bei denen es um empirische Anstrengungen zur Fortsetzung einer Interaktion geht. Lösung: Siehe Sanktionen/Habermas).

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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Systeme Parsons Habermas IV 229
System/Talcott Parsons/Habermas: der reife Parsons deutet die strukturellen Komponenten der Lebenswelt, also Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit, in Handlungssysteme um, die füreinander Umwelten bilden. Dabei subsumiert Parsons den Begriff der Lebenswelt umstandslos unter systemtheoretischen Begriffen, obwohl er eine ganz andere Entstehung hat. Lebenswelt/Parsons: Das physische Substrat der Lebenswelt fasst er unter dem Begriff des „Verhaltenssystem“.
HabermasVsParsons, Talcott: ich möchte dagegen der methodologischen Differenz von Innen- und Außenbetrachtung Rechnung tragen.
Habermas IV 338
Systeme/Parsons/Habermas: nachdem Parsons frühe Systeme einfach als geordnete Mengen von Elementen aufgefasst hatte, seht er sie später unter dem Gesichtspunkt der Bestandserhaltung und Abgrenzung gegen eine überkomplexe Umwelt. (1)
Habermas IV 339
An die Stelle des (kulturanthropologischen) Strukturfunktionalismus tritt nun der (biokybernetische) Systemfunktionalismus. Dann liegen die Begriffe „Funktion“ und „Struktur“ nicht mehr auf der gleichen Ebene. Strukturen und Prozesse bilden funktionale Äquivalente füreinander. (2)
Habermas IV 340
ParsonsVsLuhmann: die Sonderstellung, die die Kultur gegenüber den empirischen Handlungssystemen einnimmt, gibt Parsons die Möglichkeit, den neukantianischen Dualismus zwischen Werten und Tatsachen in den Systemfunktionalismus hineinzutragen. Diese werttheoretische Schranke trennt seinen Ansatz von dem Luhmanns.
Habermas IV 341
Parsons trennt zwischen den beiden Aufgaben, die Integrität des Handlungssystems nach außen und nach innen zu bewahren: die entsprechenden Grundfunktionen behandelt er unter den Stichworten „Allokation“ und „Integration“. (3) (Siehe auch Terminologie/Parsons, Umwelt/Parsons).
Habermas IV 352
Handlung/Luhmann: “Die Handlung ist System aufgrund ihrer analytischen Binnenstruktur.” (4)

1. Talcott Parsons, Toward a General Theory of Action, NY 1951. S. 108.
2. Talcott Parsons, Some Problems of General Theory in Sociology, in: McKinney, Tiryakan, (1970, S. 27ff.
3. Talcott Parsons, The Social System, NY 1951, S 114ff.
4 .N. Luhmann, T. Parsons: die Zukunft eines Theorieprogramms, Zeitschrift für Sozialforschung 9, 1980, S. 8

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Terminologien Parsons Habermas IV 333
Pattern variables/Terminologie/Parsons: da Parsons den Verständigungsmechanismus beim Aufbau seiner Handlungstheorie vernachlässigt, muss er unter anderen Prämissen versuchen, ein Äquivalent zur Lebenswelt mit den drei Komponenten Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit zu finden. Er führt die „pattern variables of value orientation“ ein: (1) Kulturelle Werte fungieren als Muster für eine Wahl zwischen Handlungsalternativen: Sie bestimmen die Orientierungen eines Handelnden dadurch, das sie Präferenzen festlegen, ohne die Kontingenz der Entscheidung zu berühren.
Habermas IV 334/335
Die pattern variables liegen auf den Dimensionen, in denen die ältere Soziologie den Übergang von traditionalen zu modernen Gesellschaften, also die Prozesse gesellschaftlicher Rationalisierung beschrieben hatte.
Habermas VI 336
Habermas: die pattern-variables eigenen sich zur Beschreibung der Tatsache, dass moderne Gesellschaften für verschiedene Lebensbereiche gegebenenfalls konträre Entscheidungsmuster bewusst adoptieren und von einer Präferenzenkombination auf die entgegengesetzte umschalten können. Man soll mit ihnen prüfen können, wie beliebige Kulturelle Werte den Entscheidungsspielraum von Aktoren durch eine der a priori möglichen Kombinationen von Grundentscheidungen strukturieren.
Habermas IV 341
Def Allokation/Parsons: erstreckt sich auf Anpassungs- und Zielerreichungsfunktionen, auf die Beschaffung, Mobilisierung, Verteilung und den effektiven Einsatz knapper Ressourcen. Def soziale Integration/Parsons: erstreckt sich auf Funktionen der Erhaltung und Integration der dem Handlungssystem einverleibten kulturelle Werte. Sie bemisst sich nicht an funktionalen Imperativen, sondern an Konsistenzforderungen.
Habermas IV 361
AGIL-Schema/Parsons/Terminologie/Habermas: (Seit 1953): Adaption (Verhaltenssystem)
Goal attainment (Persönlichkeit)
Latency (Kulturelles System)
Integration (Soziales System).
HabermasVsParsons: damit macht er die Nahtstelle, die durch die Zusammenfügung der beiden Paradigmen „Handlung“ und „System“ entstanden war, unkenntlich gemacht.
Habermas IV 366
Problem: Parsons muss die Bewältigung der Probleme gleichzeitig in den Dimensionen Raum und Zeit analysieren. Ein System muss seinen Bestand zugleich im Verhältnis zur Umwelt und zu sich selbst (innen/außen) wie auch in der Beziehung Anfangs-/Endzustand sichern.

1.Talcott Parsons, The Social System NY 1951, S. 78ff

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Umwelt Parsons Habermas IV 342
Umwelt/System/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Problem: Parsons verwendet den Begriff zweideutig: a) für den Status einer den Handlungssystemen übergeordneten und zugleich b) den Handlungssystemen internen Umwelt, die gleichwohl empirischen Eigenschaften einer Systemumwelt beraubt ist.
Habermas IV 371
Parsons stellt zwischen Verhaltenssystem, Persönlichkeit, Gesellschaftssystem und Kultur in der Weise eine Hierarchie her, dass das niedrigere dem jeweils
Habermas IV 372
höheren System an aufgewendeter Energie, das höhere dem niedrigeren an Information und Steuerungsleistung überlegen ist. Damit erhält das kulturelle System die Stellung eines Souveräns der Steuerung. Habermas: damit stellt Parsons nicht nur die Weichen für einen kulturellen Determinismus, sondern differenziert zwischen zwei Kategorien von Umwelten: a) am unteren Pol die natürliche oder empirische Umwelt, b) am entgegengesetzten Pol eine Umwelt nichtempirischer, übernatürlicher Art. (1)


1.T. Parsons, “Social Systems”, in: Parsons, Social Systems, 1977, S. 181.

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Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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Verstehen Habermas III 152
Verstehen/Handlung/Soziologie/Habermas: beim Verstehen von Handlungen gibt es eine Rationalitätsproblematik, denn die verschiedenen Handlungstypen (teleologisches, dramaturgisches und kommunikatives Handeln) setzen jeweils andere Beziehungen des Aktors zur Welt voraus.
III 159
Die Soziologie muss einen verstehenden Zugang zu ihrem Objektbereich suchen, weil sie in ihm Prozesse der Verständigung vorfindet, durch die sich gewissermaßen der Objektbereich vorgängig schon konstituiert hat. Der Sozialwissenschaftler trifft symbolisch vorstrukturierte Gegenstände an; sie verkörpern Strukturen desjenigen vortheoretischen Wissens, mit dessen Hilfe sprach- und handlungsfähige Subjekte diese Gegenstände erzeugt haben. Der Eigensinn dieser vorstrukturierten Wirklichkeit (…) steckt in den Erzeugungsregeln, nach denen die Subjekte den gesellschaftlichen Lebenszusammenhang direkt oder indirekt hervorbringen. Beispiele sind Sprechhandlungen, Zwecktätigkeiten, Kooperationen und Sedimente dieser ‚Äußerungen wie Texte, Überlieferungen, Dokumente, Kunstwerke, Theorien, Güter, Techniken usw. Sprechen und Handeln sind dabei die ungeklärten Grundbegriffe.
III 160
Um die Lebenswelt verstehen zu können, muss der Sozialwissenschaftler, der keinen anderen Zugang zu ihr hat als der Laie, grundsätzlich an ihrer Erzeugung teilnehmen können.
III 170
Kommunikative Handlungen lassen sich nicht zweistufig deuten, [also] zunächst in ihrem faktischen Ablauf verstehen und dann erst mit einem idealtypischen Ablaufmodell vergleichen.
III 171
Der Interpret muss stattdessen die ganze Zeit von einer geteilten Grundlage ausgehen, die er mit dem zu beurteilenden gemeinsam hat.
III 173
Wenn wir von einer gegenseitigen Kritikmöglichkeit zwischen Beobachter und Handelndem ausgehen,
III 174
wird die Unterscheidung zwischen deskriptiver und rationaler Deutung sinnlos. Die rationale Deutung ist hier der einzige Weg zur Erschließung des faktischen Ablaufs des kommunikativen Handelns. (Siehe auch Hermeneutik/Habermas).
III 400
Def Verstehen/Kommunikation/Habermas: im Rahmen unserer Theorie des Kommunikativen Handelns beschränken wir uns auf Sprechakte unter Standardbedingungen, d.h. wir gehen davon aus, dass ein Sprecher nichts anderes meint als die wörtliche Bedeutung dessen, was er sagt. Verstehen eines Satzes definieren wir dann als das Wissen, was diesen Satz akzeptabel macht. Aus der Perspektive des Sprechers sind die Akzeptabilitätsbedingungen mit den Bedingungen seines illokutionären Erfolgs identisch. Akzeptabilität wird nicht im objektivistischen Sinn aus der Perspektive eines Beobachters definiert, sondern aus der performativen Einstellung des Kommunikationsteilnehmers.
III 403
Wir müssen unsere Perspektive auf den Zusammenhang der Interaktion erweitern, sodass wir Erfüllungsbedingungen identifizieren können, unter denen der Hörer seine Handlungen an die Handlungen eines Sprechers anschließen kann. Die Kenntnis der „Erfüllungsbedingungen“ ist allerdings nicht hinreichend dafür zu wissen, wann eine Äußerung akzeptabel ist (Siehe Akzeptierbarkeit/Habermas). Dazu brauchen wir noch die Kenntnis der Bedingungen für ein Einverständnis. (Siehe Verständigung/Habermas).
III 404
Imperative: für den Fall von Imperativen, die einen Machtanspruch des Sprechers involvieren, d.h. eine mögliche Sanktionierung beinhalten, müssen wir die Sanktionsbedingungen kennen.
IV 400
Verstehen/HabermasVsParsons/Habermas: These: Verständigung als Mechanismus der Handlungskoordinierung kann in den Lebensbereichen, die vor allem Funktionen der kulturellen Reproduktion, der sozialen Integration und der Sozialisation erfüllen, zwar kommunikationstechnisch erweitert, organisatorisch vermittelt und rationalisiert, aber nicht durch Medien ersetzt und damit technisiert werden.


Gaus I 157
Verstehen/Habermas/Bohman: "Formale Pragmatik" ist Habermas' Bezeichnung für eine allgemeine Darstellung der Fähigkeit eines Redners, Sprechakte korrekt zu verwenden und zu verstehen. Es ist "das Know-how von Subjekten, die sprach- und handlungsfähig sind, denen die Fähigkeit zugeschrieben wird, gültige Äußerungen zu produzieren, und die sich in der Lage sehen, (zumindest intuitiv) zwischen gültigen und ungültigen Ausdrücken zu unterscheiden" (1990(1): 31). Bohman: Das intuitive Wissen eines kompetenten Sprechers erlaubt es ihm oder ihr, sich auf eine Bewertung zweiter Ordnung einzulassen, indem er oder sie nach Rechtfertigungen oder Gründen für verschiedene Arten von Gültigkeitsansprüchen fragt, die in Äußerungen implizit enthalten sind; eine Äußerung zu verstehen bedeutet, ihre "Akzeptanzbedingungen" zu kennen. Während Gültigkeitsansprüche implizit bleiben können, solange die Kommunikation unproblematisch ist und andauert, können kompetente Sprecher auch verlangen, dass die implizite Befugnis eingelöst wird. Sie können auch eine explizite Rechtfertigung in der Kommunikation zweiter Ordnung (Kommunikation über Kommunikation oder den eigentlichen "Diskurs") verlangen, um zu einem Verständnis zu gelangen.
Kritische Funktion/Bohman: Eine solche Rekonstruktion des impliziten Know-hows kann insofern eine kritische Funktion haben, als sie spezifizieren kann, wann Sprecher die Bedingungen der Rationalität verletzen, die in kommunikativ erfolgreichen Äußerungen impliziert sind.


1. Habermas, Jürgen (1990) Moral Consciousness and Communicative Action. Cambridge, MA: MIT Press.

Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

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Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004