Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Autor/Ismus
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Literatur
Diskriminierung Rawls I 331
Diskriminierung/Sexuelle Praktiken/Rawls: wenn wir sagen, dass gewisse sexuelle Beziehungen herabwürdigend und beschämend sind und auf dieser Basis verboten werden sollten, und sei es nur zum Wohl von Individuen, ungeachtet ihrer tatsächlichen Wünsche, dann oft deswegen, weil die Prinzipien der Gerechtigkeit hier nicht greifen. Stattdessen fallen wir hier zurück auf Begriffe, die im Zusammenhang mit Exzellenz gebraucht werden (Siehe Perfektionismus/Rawls). Wir sind hier wahrscheinlich beeinflusst von unterschwellig ästhetischen Präferenzen und persönlichen Eigentumsgefühlen. Individuen, Klassen- und Gruppendifferenzen sind hier oft scharf und unversöhnlich.
Lösung/Rawls: statt sich auf unsichere perfektionistische Kriterien zu verlassen, sollten wir uns auf die Prinzipien der Gerechtigkeit stützen, die eine besser bestimmte Struktur haben(1)(2)(3).
RawlsVsPerfektionismus: hier zeigt sich wiederum, dass der Perfektionismus keine geeignete Basis für soziale Gerechtigkeit ist.


(1) Siehe Patrick Devlin, The Enforcement of Morals (London, 1965).
(2) Siehe auch L. A. Hart Law, Liberty and Morality (Stanford, 1963).
(3) Siehe auch Brian Barry, Political Argument (London, 1965).

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Perfektionismus Rawls I 325
Perfektionismus/Prinzip der Perfektion/Rawls: zwei Varianten: a) das Prinzip einer teleologische Theorie, die eine Gesellschaft dazu zu bringen, Institutionen aufzubauen und Pflichten und Verpflichtungen von Individuen so zu gestalten, dass hervorragende Leistungen in Künsten, Wissenschaften und Kultur erzielt werden. b) (Bei Aristoteles und anderen zu finden) hat anspruchsvollere Ziele: hier ist das Prinzip der Perfektion nur eins von mehreren Prinzipien innerhalb einer intuitionistischen Theorie. Die Erfordernisse, die die Perfektion stellt, können dann sogar Ansprüche schmälern, die z.B. an die Aufrechterhaltung von Freiheiten gestellt werden, z.B. wenn argumentiert wird, dass Sklavenhaltung dem Ziel der Verfeinerung der Kultur dient.
Andererseits kann es auch nur um eine Aufteilung gesellschaftlichen Vermögens auf verschiedene Bereiche, z.B. der Kultur gehen,
I 326
dann werden egalitäre Ideen dadurch ausgewogen. Diese weniger strikte Sicher erlaubt vielfältige Interpretationen(1)(2)(3). Terminologie/Rawls: wir nehmen an,
Def Idealitätsgesteuerte Prinzipien/ideal-regarding principles: sind solche, die nicht wunschgesteuert sind(4). D.h. es geht bei ihnen nicht nur um die Verteilung des Gesamtvermögens einer Gesellschaft auf Bedürfnisse, die zu befriedigen sind. Dann gehören die Prinzipien der Gerechtigkeit und der Perfektion zum Bereich der Idealitätsgesteuerten Prinzipien.
I 327
Vertragsdoktrin/Rawls: hält eine Zwischenposition zwischen Utilitarismus und Perfektionismus, indem sie kein Standardideal menschlicher Vortrefflichkeit vorgibt. Perfektionismus: wenn er ein Kriterium der Perfektion haben will, muss er Leistungen in eine Rangfolge zu bringen versuchen und versuchen, ihre Werte aufzusummieren.
Problem/RawlsVsPerfektionismus: in der Anfangssituation einer zu errichten Gesellschaft nehmen wir an, dass die Menschen zunächst kein wechselseitiges Interesse aneinander haben; Sie wissen jedoch dass sie bestimmte moralische und religiöse Interessen haben und auch andere kulturelle Vorstellungen, die nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Sie können auch widerstreitende Einstellung in Bezug auf das Anzustrebende haben. ((s) Sie wissen nur nicht, welche Position sie später in dieser Gesellschaft einnehmen werden.) Problem: Standards der Perfektion anzunehmen könnte dazu führen, andere Freiheiten, z.B. in Bezug auf Religion aufgeben zu müssen.
I 328
Der Fall liegt hier völlig anders als bei der Frage, nach welchen Prinzipien primäre öffentliche Güter (Freiheiten, Infrastruktur, usw.) zu verteilen sind! Letztere sind Güter, die jedermann anstreben wird, egal in welcher Position er sein wird. (Siehe Öffentliches Gut/Rawls). D.h. diese Güter anzustreben, macht keinen Unterschied zwischen Personen aus. Kriterien/Perfektion/Rawls: die Kriterien der Exzellenz haben keine rationale Basis vom Standpunkt des täglichen Lebens aus gesehen. Andererseits gibt es innerhalb der Künste und Wissenschaften Standards zur Beurteilung von Leistungen.
Vergleichbarkeit: intrinsische Werte können offensichtlich verglichen werden. Werturteile haben einen wichtigen Platz im menschlichen Leben. Sie müssen nicht vage sein.
Gerechtigkeit/Werturteile/Künste/Wissenschaft/Rawls: das Argument gegen den Perfektionismus ist eher, dass wegen der verschiedenen Ziele der Bestrebungen die Beteiligten in der Anfangsposition einer zu errichtenden Gesellschaft keinen Grund haben, das Prinzip der Perfektion ((s) statt der Prinzipien der Gerechtigkeit) anzunehmen.


(1) Siehe B. de Jouvenal, The Ethics of Redistribution (Cambridge, 1951), S.53-56, 62-65.
(2) Hastings Rashdall, The Theory of Good and Evil (London, 1907), Bd. I, S. 235-243.
(3) G.E. Moore, Principia Ethica, Kap. VI.
(4) Siehe Brian Barry, Political Argument, (London, 1965) S. 39f.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005