Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Postmoderne Bennett Gaus I 46
Postmoderne/Bennett: Der Begriff Postmoderne ist in der politischen Theorie, aber auch in den Literaturwissenschaften, der Philosophie, der Anthropologie, den Künsten und im populären Diskurs gebräuchlich und funktioniert jeweils etwas anders. Seine Verwendung lässt sich unter drei Überschriften zusammenfassen: Postmoderne/Bennett: (1) als soziologische Bezeichnung für einen epochalen Wandel in der Art und Weise, wie das kollektive Leben organisiert ist (von zentralisierter und hierarchischer Kontrolle hin zu einer Netzwerkstruktur); (2) als ästhetisches Genre (Literatur, die mit nichtlinearer Narration experimentiert, eine spielerische Architektur gemischter Stile, eine Wertschätzung der Populärkultur, die die Unterscheidung zwischen hoch und niedrig erschwert); (3) als eine Reihe philosophischer Kritiken teleologischer und/oder rationalistischer Konzeptionen von Natur, Geschichte, Macht, Freiheit und Subjektivität. Die Postmoderne in der politischen Theorie beteiligt sich an allen drei, aber vielleicht am intensivsten an der dritten (...). >Postmoderne/Butler. Postmoderne/Politische Theorie/Bennett: Innerhalb der politischen Theorie haben Kritiker sowohl von rechts als auch von links dazu tendiert, die Postmoderne als eine Ablehnung der Suche nach einer objektiven Wahrheit hinter subjektiven Erfahrungen zu sehen (Cheney, 1996(1); Dumm und Norton, 1998(2)). Da man annimmt, dass diese Suche die Möglichkeitsbedingung für jeden affirmativen Anspruch darstellt, wird der postmodernen politischen Theorie vorgeworfen, sie sei antipolitisch und unfähig, einen ethischen Standpunkt einzunehmen, mit Ausnahme von Widerstand, Ungehorsam, Verweigerung oder Dekonstruktion um der Dekonstruktion willen.
WeißVsPostmoderne: Stephen White bietet eine subtile Version dieser Kritik: Während "poststrukturalistisches und postmodernes Denken ... eine beharrliche utopische Hoffnung auf ein "noch nicht" in sich trägt, bleibt es allzu oft "fröhlich unspezifisch in Bezug auf die normative Orientierung im Hier und Jetzt" (White 2000(3): 90).
PostmoderneVsVs: Als Antwort darauf behaupten einige Postmodernisten, dass eine positive Ethik nicht unbedingt einen universellen
Gaus I 47
Gott, die Vernunft oder ein solches Surrogat braucht, kann aber eher auf der Kultivierung einer existentiellen Bindung an das Leben beruhen als auf einer inneren oder äußeren Autorität (Bennett, 2001(4); Coles, 1997(5); Foucault, 1988(6); Kateb, 2000(7)). Der Komplex erkenntnistheoretischer und ontologischer Behauptungen, die den charakteristischen, postmodernen Denkstil ausmachen, lässt sich nicht mit Gerechtigkeit auf Negativismus reduzieren. Postmoderne/Bennett: Die Postmoderne in der politischen Theorie entstand und entwickelt sich in enger Beziehung zu anderen theoretischen Ansätzen, darunter Feminismus, Liberalismus, psychoanalytische Theorie, kritische Theorie und Utopismus. Die Theorie der Postmoderne nimmt oft die Form genealogischer Studien an, die zeigen, wie diskursive Praktiken und Begriffsschemata in Machtverhältnisse eingebettet sind und wie diese kulturellen Formen das konstituieren, was als natürlich oder real erlebt wird (Butler, 1993(8) ; Brown, 1995(9); Ferguson, 1991(10)). Eine der politischen Einsichten der postmodernen Theorie ist, dass "es bei den Einsätzen einer demokratischen Politik ... ebenso sehr um die moderne Krise der Repräsentation wie um die Verteilung anderer Güter geht" (Dumm, 1999(11): 60). Dekonstruktionen von Wahnsinn und Kriminalität, feministische und queere Studien über Geschlecht und Sexualität, postkoloniale Studien über Rasse und Nation - sie alle versuchen, die Menschlichkeit von Entitäten aufzudecken, die früher entweder als natürlich, universell oder unvermeidlich galten. >Politische Theorie/Postmoderne, >Identität/Postmoderne.


1. Cheney, Lynne (1996) Telling the Truth: Why Our Culture and Our Country Have Stopped Making Sense and What We Can Do About It. New York: Touchstone.
2. Dumm, Thomas and Anne Norton, eds (1998) ‘On left conservatism I’ and ‘On left conservatism II’. Theory & Event, 2 (2) und 2 (3).
3. White, Stephen K. (2000) Affirmation in Political Theory: The Strengths of Weak Ontology. Princeton, NJ: Princeton University Press.
4. Bennett, Jane (2001) The Enchantment of Modern Life: Attachments, Crossings, and Ethics. Princeton, NJ: Princeton University Press.
5. Coles, Romand (1997) Rethinking Generosity: Critical Theory and the Politics of Caritas. Ithaca, NY: Cornell University Press.
6. Foucault, Michel (1988) Care of the Self: The History of Sexuality, Volume III. New York: Random House.
7. Kateb, George (2000) ‘Aestheticism and morality: their cooperation and hostility’. Political Theory, 28 (1): 5–37.
8. Butler, Judith (1993) Bodies That Matter: On the Discursive Limits of ‘Sex’. New York: Routledge.
9. Brown, Wendy (1995) States of Injury: Power and Freedom in Late Modernity. Princeton, NJ: Princeton University Press.
10. Ferguson, Kathy E. (1991) The Man Question: Visions of Subjectivity in Feminist Theory. Berkeley, CA: University of California Press.
11. Dumm, Thomas (1999) ‘The problem of the We’. boundary 2, 26 (3): 55–61.


Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Bennett I
Jonathan Bennett
"The Meaning-Nominalist Strategy" in: Foundations of Language, 10, 1973, pp. 141-168
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Tatsachen Postmoderne Gaus I 26
Wahrheit/Fakten/Postmoderne/Ball: Gegen eine postmoderne Deutungsperspektive können verschiedene Kritikpunkte vorgebracht werden. Einer ist, dass wir manchmal, und das zu Recht, wissen wollen, ob etwas, was Marx oder Mill gesagt haben, wahr ist. Es hilft uns nicht weiter, wenn man uns sagt, dass wahr/falsch eine fadenscheinige "Binärformel" sei. Noch schlimmer ist, dass die Postmoderne mit ihrer Betonung unterschiedlicher, divergierender und widersprüchlicher "Lesarten" oder Interpretationen - es gibt angeblich keine Fakten, sondern nur Interpretationen "ganz unten" - verfassungsrechtlich nicht in der Lage ist, Wahrheit von Falschheit und Propaganda von Fakten zu unterscheiden. >Interpretation/Postmoderne, >Postmoderne/Ball, >Geschichte/Postmoderne.
VsPostmoderne: Doch wie Kritiker der Postmoderne anmerken, sind einige "Darstellungen" Fehldarstellungen - oder, unverblümter ausgedrückt, Lügen -, die dazu dienen, den Missbrauch einiger Menschen durch andere zu verbergen und/oder zu legitimieren. Eine Perspektive, die behauptet, Fakten nicht von Fiktion oder wahre Aussagen nicht von Lügen unterscheiden zu können, ist sicherlich nicht nur aus erkenntnistheoretischer, sondern auch aus moralischer Sicht unbefriedigend.


Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Wissenschaft Sokal I 10
Wissenschaft/Sokal/Bricmont: unser Buch richtet sich gegen die Auffassung, die moderne Wissenschaft sei nur ein „Mythos“, eine „Erzählung“ oder „gesellschaftliche Konstruktion“.
I 11
1. SokalVsRelativismus: gegeneinen „epistemischen Relativismus“. 2. SokalVsPostmoderne/SokalVsPostmodernism.
I 12
Unser Buch kritisiert nicht die Geisteswissenschaften insgesamt. Diejenigen, die das behaupten, legen ihre eigene Geringschätzung gegenüber diesen Fachgebieten an den Tag.
I 17
Sokals Hoax/Sokals Joke: bei der Zeitschrift „Social Text“ reichte Sokal 1996 einen nicht ernst gemeinten Text zur Veröffentlichung ein, der auf absurde Weise wissenschaftliche Begriffe in einem völlig sinnlosen Zusammenhang brachte. Überraschenderweise wurde der Text von dieser Zeitschrift zur Veröffentlichung angenommen. Es handelte sich um den Text „Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity“ – Deutsch:“ Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation“. Anschließend machte Sokal in der Zeitschrift Lingua Franca öffentlich, dass es sich dabei um eine Parodie gehandelt hatte.
I 18
Inhalt der Parodie: er verspottet das überholte „Dogma“, es gebe „eine äußere Welt, deren Eigenschaften unabhängig vom einzelnen Individuum und sogar von der gesamten Menschheit sind“ und behauptet dann kategorisch, die „physische ‚Realität‘ [sei] nicht weniger als die gesellschaftliche, im Grunde ein soziales und sprachliches Konstrukt.“ - …“das pi Euklids und das G Newtons, die früher als konstant und universal galten, werden heute in ihrer unabwendbaren Historizität gesehen“.
I 19
Die in dem Text vorkommenden Zitate von Autoren sind authentisch. Sokals Parodie bestand darin, sie auf absurde Weise miteinander zu verknüpfen. Die von Sokal parodierten Autoren sind Gilles Deleuze, Jacques Derrida, Félix Guattari, Luce Irigaray, Jacques Lacan, Bruno Latour, Jean-Francois Lyotard, Michel Serres und Paul Virilio.
Die Vollendung der Parodie bestand in der überraschenden Tatsache, dass der absurde Text von der Zeitschrift „Social Text“ tatsächlich zur Veröffentlichung angenommen wurde.
I 21
Beispiele für die sinnlose Verwendung wissenschaftlicher Begriffe durch einige Autoren, die sich selbst postmoderne Autoren nennen: Subjekt/Psychologie/Jacques Lacan: Lacan behauptet, dass die Struktur des neurotischen Subjekts exakt dem Torus entspricht.
Poesie/Mathematik/Julia Kristeva: behauptet, dass die poetische Sprache durch die Mächtigkeit des Kontinuums theoretisch zu erfassen ist.
Krieg/Topologie/Jean Baudrillard behauptet, dass der moderne Krieg in einem nicht-euklidischen Raum stattfindet.
I 22 Fußnote
VsSokal/VsBricmont: einige Kritiker haben Sokal und Bricmont mit Lehrern verglichen, die ihren Schülern schlechte Noten in Mathematik und Physik erteilen. SokalVsVVS/BricmontVsVs: in der Schule müssen die Kinder diese Fächer lernen – aber niemand hat diese Autoren gezwungen, wissenschaftliche Begriffe zu verwenden, von denen sie keine Ahnung haben.
I 23
Sokal/Bricmont: Bei unserem Unternehmen ging es nicht darum, Autoren „kleine Fehler“ bei Zitieren vorzuwerfen, sondern es geht um eine tiefe Gleichgültigkeit, wenn nicht Verachtung gegenüber Fakten und Logik. Was verteidigt werden muss, ist ein Kanon der Rationalität und der intellektuellen Redlichkeit, der allen Disziplinen zu Eigen sein sollte.


Sokal I
Alan Sokal
Jean Bricmont
Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen München 1999

Sokal II
Alan Sokal
Fashionable Nonsense: Postmodern Intellectuals’ Abuse of Science New York 1999