Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten
Duhem, Pierre
 
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Theorien I XIII
Theorie/Duhem: These: Als Ziel der physikalischen Theoriebildung kann nicht die Erkenntnis der Wirklichkeit festgehalten werden, weil man sich damit in einem metaphysischen Begriffsfeld bewegen würde, sondern der Entwurf eines formalen Systems, das optimale Ordnungseigenschaften für die Erscheinungswelt hat.
Die Struktur der Wissenschaft ist ein ganzheitlicher Zusammenhang, keine Zusammenstellung einzelner Sätze, deren Wahrheitswerte isoliert bestimmt würden. Nur das Ganze der Wissenschaft kann der Gesamtheit von Sachverhalten gegenübergestellt werden und geprüft werden.
Beobachtungen sind "theoriegeladen".
Theorien sind nicht induktiv gewonnene Erfahrungserkenntnisse, sondern Entwürfe des menschlichen Geistes, Übereinkünfte formaler Art, deren empirische Brauchbarkeit sich erst in der Praxis herausstellt. Konventionalistische Wissenschafts-Auffassung, dennoch VsPoincaré: es ist nicht der definitorische Status der Grundgesetze, der sie der Revision entzieht, solche Revisionen, auch der Grundgesetze, können nötig und sinnvoll werden, sie können nur nicht experimentell erzwungen werden!
I XVII
Abgrenzung von der Metaphysik, die eine Widerlegung durch Beobachtung nicht zulässt. (auch Popper, 1934) Autonomie der Physik.
Heute würde man sagen: Theorie soll Phänomene erklären. Die Leistung von Theorien bzw. Gesetzen kann durch die logische Verknüpfung mit überprüfbaren Aussagen gekennzeichnet werden. Dafür bei Duhem(im Gegensatz zum heutigen Sprachgebrauch): "Beschreibung".
"Erklärung"/Duhem : reserviert für den Erkenntnisanspruch der Metaphysiker.
Metaphysik: (DuhemVs): Prämissen müssen ontologisch ausgezeichnet werden, sie müssen "Dinge an sich" betreffen. Beobachtbare Eigenschaften werden so "erklärt" , dass sie auf eine andere (nicht beobachtbare) Realitätsschicht zurück geführt werden. Bsp "Äther", Wärme: Atombewegung. Das ist der cartesianische Erklärungsbegriff, den Duhem der Physik aber nicht zubilligt!
Sein Physikkonzeption ist antimetaphysisch, im Gegensatz zu Mach hält er aber die Metaphysik nicht für sinnlos.
I 22
Def Physikalische Theorie/Duhem: Eine physikalische Theorie ist keine Erklärung. Sie ist ein System mathematischer Lehrsätze, die aus einer kleinen Zahl von Prinzipien abgeleitet werden und den Zweck haben, eine zusammengehörige Gruppe experimenteller Gesetze ebenso einfach, wie vollständig und genau darzustellen.
I 22
Eine richtige Theorie erklärt nicht die Wirklichkeit, sondern stellt eine Gruppe experimenteller Gesetze befriedigend dar.
Eine falsche Theorie ist eine Gruppe von Gleichungen, die nicht mit den experimentellen Gesetzen übereinstimmen. (Vergleich mit der Wirklichkeit wäre Metaphysik).
I 29
Revision einer Theorie: die Beziehungen bleiben, ihre Natur wird aber anders verstanden.
I 37
Theorien/Duhem: bestehen aus 2 Teilen
a) beschreibend
b) erklärend.
Der erklärende Teil bildet bei weitem nicht die zureichende Grundlage des beschreibenden. Er ist nicht der Same oder die Wurzel.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 30.03.2017