Psychologie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Slater I 132
Schriftspracherwerb/Bradley/Bryant: Bradley und Bryant (1983)(1) lieferten Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kategorisierung von Wörtern auf der Grundlage ihrer konstituierenden Geräusche und dem Lernen zu lesen und zu buchstabieren. Diese Demonstration führte zu einer intensiven Untersuchung der Rolle des "phonologischen Bewusstseins" (die Fähigkeit, die Komponentengeräusche in Worten zu erkennen und zu manipulieren) bei der sprachübergreifenden Alphabetisierung und zur Theorie des "phonologischen Defizits" der Entwicklungsdyslexie. >Schriftspracherwerb/Stanovich, >Schriftspracherwerb/Frith.
Slater I 133
Bradley und Bryant (1978)(2) stellten fest, dass Kinder mit Leseschwierigkeiten viel schlechter entscheiden konnten, ob sich Wörter miteinander reimten oder ob Wörter mit dem gleichen Klang begannen. >Kausalität/Bradley/Bryant. Die Auswirkungen von Bradleys und Bryants Arbeit waren enorm. >Schriftspracherwerb/Stanovich, >Schriftspracherwerb/Frith.
Slater I 134
Bradley und Bryant (1983) berichteten von hohen und signifikanten zeitverzögerten Korrelationen zwischen den anfänglichen Ergebnissen der Klangkategorisierung und der späteren Lese- und Rechtschreibleistung von Kindern.
Slater I 139
VsBryant/VsBradley: Selbst für sehr konsistente Orthographien wie die deutsche bringt die Konzentration auf das Training von Buchstaben-Klang-Beziehungen nicht den gleichen Nutzen wie ein mündliches Sprachtraining, das mit Buchstaben kombiniert wird (z.B. Schneider et al., 1997)(3). Eine weitere Kritik war, dass die seltsame Aufgabe kein ideales Maß für das phonologische Bewusstsein ist. Es wurden Bedenken hinsichtlich der Belastung des phonologischen Gedächtnisses (Snowling, Hulme, Smith & Thomas, 1994)(4), seiner Gültigkeit und Zuverlässigkeit als psychometrisches Maß (Macmillan, 2002)(5) sowie Bedenken zu der Frage geäußert, ob es sich wirklich um ein Maß für das Reim- und Alliterationsbewusstsein oder ein Maß für das Phonembewusstsein handelt (in den Reimversionen der Aufgabe ist das eine oder andere Wort nur ein Phonem).
Tatsächlich fanden Snowling et al. (1994)(4) heraus, dass die Fähigkeit zur Klangkategorisierung nicht vom Gedächtnis abhängt.


1. Bradley, L., & Bryant, P. E. (1983). Categorising sounds and learning to read: A causal connection. Nature, 310, 419–421.
2. Bradley, L., & Bryant, P. E. (1978). Difficulties in auditory organization as a possible cause of reading backwardness. Nature, 271, 746–747.
3. Schneider, W., Kuespert, P., Roth, E., Vise, M., & Marx, H. (1997). Short- and long-term effects of training phonological awareness in kindergarten: Evidence from two German studies. Journal of Experimental Child Psychology, 66, 311–340.
4. Snowling, M. J., Hulme, C., Smith, A., & Thomas, J. (1994). The effects of phonetic similarity and list length on children’s sound categorization performance. Journal of Experimental Child Psychology, 58, 160–180.
5. Macmillan, B. M. (2002). Rhyme and reading: A critical review of the research methodology. Journal of Research in Reading, 25, 4–42.



Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Brad I
F. H. Bradley
Essays on Truth and Reality (1914) Ithaca 2009

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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