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Aristoteles über Techne - Lexikon der Argumente

Gadamer I 318
Techne/Aristoteles/Gadamer: [Der Mensch] (...) muss selbst schon durch Ausübung und Erziehung eine Haltung in sich ausgebildet haben, die in den konkreten Situationen seines Lebens
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festzuhalten und durch das rechte Verhalten zu bewähren sein ständiges Anliegen bleibt.(1) Dass das nicht das Wissen der Wissenschaft ist, ist klar. Insofern ist die Abgrenzung, die Aristoteles zwischen dem sittlichen Wissen der „Phronesis“und dem theoretischen Wissen der „Episteme“ vornimmt, einfach, insbesondere wenn man bedenkt, dass für die Griechen Wissenschaft, durch das Vorbild der Mathematik repräsentiert, ein Wissen vom Unveränderlichen ist, ein Wissen, das auf Beweis beruht und das daher jeder lernen kann.
Dagegen:
„Moralische Wissenschaften“/Gadamer: Ihr Gegenstand ist der Mensch und was er von
sich weiß. Er weiß sich aber als ein Handelnder, und das Wissen, das er dergestalt von sich hat, will nicht feststellen, was ist. Der Handelnde hat es vielmehr mit solchem zu tun, das nicht immer so ist wle es ist, sondern das
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auch anders sein kann. In ihm entdeckt er, wo er handelnd einzugreifen hat. Sein Wissen soll sein Tun leiten. Hier liegt das eigentliche Problem des sittlichen Wissens, das Aristoteles in seiner Ethik beschäftigt. Denn Leitung des Tuns durch ein Wissen liegt vor allem und in exemplarischer Weise dort vor, wo die Griechen von „Techne“ sprechen. Das ist die Kunstfertigkeit, das Wissen des Handwerkers, der Bestimmtes herzustellen weiß. Die Frage ist, ob auch das sittliche Wissen ein
Wissen solcher Art ist. Das würde bedeuten, es wäre ein Wissen darüber, wie man sich selbst herzustellen hat. Soll der Mensch sich selbst zu dem machen lernen, was er sein soll, so wie der Handwerker das machen lernt, was nach seinem Plan und Willen sein soll? Entwirft sich der Mensch so auf das seiner selbst, wie der Handwerker ein dessen, was er machen will, in
sich trägt und im Material darzustellen weiß? >Techne/Platon, >Techne/Gadamer.
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(...)wenn auch der spröde Stoff dem, der sein Handwerk gelernt hat, nicht immer gehorcht, so kann Aristoteles doch mit Recht das Dichterwort zitieren: »Techne liebt Tyche und Tyche liebt Techne.« Das will sagen: Glückliches Gelingen ist am meisten bei dem, der seine Sache gelernt hat. Es ist echte Überlegenheit über die Sache, was in der Techne vorgängig erworben wird, und das wird irgendwie auch für das sittliche Wissen gefordert. Denn auch für das sittliche Wissen ist klar, dass zur rechten sittlichen Entscheidung Erfahrung niemals genügen kann. >Selbstwissen/Aristoteles, >Sittlichkeit/Aristoteles.


1. Das Schlusskapitel der Nikomachischen Ethik gibt dieser Forderung breitesten Ausdruck und begründet damit den Übergang in die Fragestellung der „Politik“.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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